Forschungsnetzwerk Nachhaltige Globale Lieferketten

Globale Lieferketten sind Ausdruck internationaler wirtschaftlicher Verflechtung und transnationaler Organisation von Gütern und Dienstleistungen. Sie bestimmen in vielschichtiger Weise Wirtschaft, Umwelt und Arbeitsbedingungen in einer Fülle von Ländern weltweit. Ihre Gestaltung erfordert ein detailliertes Verständnis der jeweiligen Strukturen in Lieferketten, der Machtgefüge zwischen den Akteuren, der (entwicklungs)politischen Wirkungen und der Steuerungsmöglichkeiten und -risiken durch Unternehmen und Staat. Eine Regulierung globaler Lieferketten auf der Grundlage von Nachhaltigkeitskriterien beeinflusst die Produktionsbedingungen innerhalb der Wertschöpfungskette sowie die Wettbewerbsfähigkeit und Teilhabe von Unternehmen. Die Festlegung von (Governance-)Standards etwa in Form von Sorgfaltspflichten für Unternehmen wird als wichtiges Instrument gesehen, um Arbeitsbedingungen, Umweltfolgen und Beteiligungsrechte zu gestalten. Einheitliche Rahmenbedingungen für gesetzliche Regelungen werden daher sowohl auf deutscher als auch europäischer Ebene zunehmend eingefordert.

Das Wissen über nachhaltige Lieferketten ist jedoch derzeit fragmentiert und steht nicht systematisch für eine wissenschaftliche Politikberatung zur Verfügung. Erhebliche Wissenslücken bestehen beispielsweise mit Blick auf Veränderungen globaler Lieferketten infolge der COVID-19-Pandemie sowie der Wirkungen freiwilliger und verbindlicher Nachhaltigkeitsstandards. Unter dem Namen „Research Network Sustainable Global Supply Chains“ werden deshalb in den kommenden Jahren mehr als 70 internationale führende WissenschaftlerInnen vorhandenes Wissen innerhalb dieses Feldes bündeln und aufbereiten, neue Forschung anstoßen und daraus politikrelevante und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen ableiten. 

Geleitet wird das Netzwerk von vier deutschen Forschungsinstitutionen: dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und dem Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) wird sich dabei insbesondere auf die Durchführung von (internationalen) Konferenzen und Veranstaltungen der Politikberatung sowie wissenschaftlichen Publikationen zu nachhaltigen Lieferketten im Bergbausektor konzentrieren. Dazu kooperiert das Forschungsnetzwerk eng mit dem Projekt »Transnationale Governance-Ansätze für nachhaltige Rohstofflieferketten im Andenraum und im südlichen Afrika« unter der Leitung von Dr. Melanie Müller.

Den zentralen Knotenpunkt des Netzwerkes bildet die Webseite sustainablesupplychains.org, auf der die Mitglieder des international agierenden Netzwerks ihre Forschungsergebnisse rund um die Themen Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Entwicklung, Menschenrechte, Umwelt- und Klimafolgen sowie Unternehmensverantwortung in globalen Lieferketten vorstellen und diskutieren. Die Inhalte werden im Rahmen von Blog-Beiträgen, Podcasts, Konferenzen und Veranstaltungen der Politikberatung sowie wissenschaftlichen Publikationen zur Verfügung gestellt.

Laufzeit: August 2020 - Juli 2022

Projektleitung: Prof. Dr. Günther Maihold

Forschungsassistenz: Inga Carry

Studentische Hilfskraft: Meike Schulze

Finanzielle Unterstützung: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)


Publikationen

Bernice McLean, Melanie Müller

Shaping sustainable supply chains

Supply Chain Disruptions and African-European Relations

in: sustainablesupplychains.org, 10.03.2021 (online)
Günther Maihold, Melanie Müller, Christina Saulich, Svenja Schöneich

Verantwortung in Lieferketten

Das Sorgfaltspflichtengesetz ist ein erster Schritt

SWP-Aktuell 2021/A 19, Februar 2021, 8 Seiten

doi:10.18449/2021A19

Melanie Müller

Krisensichere Lieferketten: »Es geht nicht nur um Diversifizierung, sondern auch um Menschenrechte«

Die Corona-Pandemie hat es noch mal deutlich gemacht: Die weltweite Abhängigkeit in den Lieferbeziehungen ist enorm. Im Interview erklärt Melanie Müller, worauf es ankommt, wenn Lieferketten krisensicherer gestaltet werden sollen. Menschenrechte sind dabei ein wichtiges Thema.

Kurz gesagt, 28.01.2021
Günther Maihold, Viktoria Reisch

Umweltrechte und Rohstoffkonflikte in Lateinamerika

Das Escazú-Abkommen kann 2021 in Kraft treten

SWP-Aktuell 2021/A 01, Januar 2021, 8 Seiten

doi:10.18449/2021A01

Melanie Müller

Versorgungssicherheit: Marktdynamiken und Machtverschiebungen einplanen

in: Barbara Lippert, Stefan Mair, Volker Perthes (Hg.)
Internationale Politik unter Pandemie-Bedingungen

Beiträge zu Sammelstudien 2020/S 26, Dezember 2020, 90 Seiten, S. 49-52
 

SWP-Aktuell

Felix Heiduk
Bürgerkrieg in Myanmar

Eine weitere Eskalation der Gewalt zeichnet sich ab


Aljoscha Albrecht, Isabelle Werenfels
Die Vermessung des Maghreb

Vermeintliche Klarheit durch politökonomische Rankings und Indizes


SWP-Studien

Marco Overhaus, Alexandra Sakaki
Die US-Bündnisse mit Japan und Südkorea

Stärken und Bruchlinien in der sicherheitspolitischen Kooperation


Ronja Kempin (Hg.)
Frankreichs Außen- und Sicherheitspolitik unter Präsident Macron

Konsequenzen für die deutsch-französische Zusammenarbeit