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Mehr als nur »China+1«: Hidden Champions und verborgene Potenziale in der Kooperation Deutschlands und der EU mit Südostasien

Das Forschungsprojekt „Mehr als nur "China+1": Hidden Champions und verborgene Potenziale in der Kooperation Deutschlands und der EU mit Südostasien“ untersucht bi- und multilaterale Kooperationsmöglichkeiten mit Staaten Südostasiens. Südostasien ist daher aus einer Vielzahl von Gründen für Deutschland und die EU von strategischer Bedeutung. Diese ergibt sich, erstens, aus der geographischen Lage. Südostasien liegt zwischen Indien und China sowie an wichtigen Seewegen (z. B. Straße von Malakka), über die etwa ein Drittel des weltweiten Seehandels verläuft.

Südostasien ist ob seiner strategischen Lage seit Jahren, zweitens, im Zentrum der Großmächterivalität zwischen den USA und China und daher auch geopolitisch relevant. Die ASEAN und ihre Mitgliedsstaaten versuchen hierbei u.a. mittels multilateraler Kooperationsformate, Inklusivität und friedlicher Konfliktbeilegung (z.B. im Südchinesischen Meer) eine Eskalation der Großmächterivalität zu vermeiden. Drittens ist die ASEAN aber auch aus geoökonomischen Gründen wichtig. Mit ihren 680 Millionen Einwohnern sind die zehn ASEAN Staaten eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen und die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. 

Trotz der gewachsenen strategischen Bedeutung der Region bleibt die Auseinandersetzung mit Südostasien bislang sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene nur stark wirtschaftsgetrieben. Die Kooperation mit Südostasien wird vor allem im Kontext der wirtschaftlichen Diversifizierung, zwecks Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeit Deutschlands von China (in Berlin oft als „China+1“ bezeichnet), gesehen. Darüber hinausgehende Kooperationspotentiale bleiben oft unberücksichtigt. Ein wesentlicher Grund dafür ist das begrenzte Wissen über Südostasien – sowohl hinsichtlich historisch-politischer Entwicklungen als auch aktueller Politikdynamiken. Es mangelt an einer systematischen Expertise, welche Staaten Südostasiens in welchen Politikfeldern geeignete Partner für die Bewältigung globaler Herausforderungen darstellen – und zwar nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Europäische Union als Ganzes.

Das Projekt adressiert die Lücke zwischen der zunehmenden strategischen Bedeutung Südostasiens und dem geringen Wissen über bi- und multilaterale Kooperationsmöglichkeiten mit Staaten der Region. Diesbezüglich werden drei zentrale Akteure Südostasiens (Indonesien, Malaysia und Thailand) in den Blick genommen und vergleichend politikfeldübergreifend mittels einer Reihe ausgewählter Indikatoren analysiert. Diese Indikatoren sollen zum einen Aufschluss über die Übereinstimmung mit deutschen Interessen und Positionen in dem jeweiligen Politikfeld geben und zum anderen einen Hinweis über die politische Relevanz des jeweiligen Landes in diesem Politikfeld liefern können. Davon ausgehend sollen in einem zweiten Schritt bilaterale Kooperationsoptionen identifiziert werden. Zudem soll untersucht werden, wo und wie die drei Staaten potentiell als „hidden champions“ im Kontext multilateraler Kooperation fungieren können. Die vergleichende Analyse erlaubt eine differenzierte Bewertung von Indonesien, Malaysia und Thailand – nicht nur im bilateralen Verhältnis zu Deutschland, sondern auch in Hinblick auf ihre Rolle für eine strategischer ausgerichtete EU-Außenpolitik gegenüber Südostasien.

Laufzeit: März 2026 – Februar 2028

 

Projektleitung: Dr. Felix Heiduk

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Pia Dannhauer

 

Das Projekt wird von der Mercator Stiftung gefördert.