Deutsche und europäische Klimaaußenpolitik: Brasilien und die BRICS im geoökonomischen Wettbewerb
Internationale Klimakooperation findet unter zunehmend komplexen geopolitischen und geoökonomischen Bedingungen statt. In diesem Umfeld tritt auch die europäische Klimapolitik in eine neue Phase: Der Schwerpunkt verlagert sich von der Ausgestaltung des regulatorischen Rahmens für 2030 auf dessen Umsetzung und die weitere strategische Ausrichtung bis 2040. Mit dem Clean Industrial Deal verbindet die EU Dekarbonisierung stärker mit Wettbewerbsfähigkeit, industrieller Resilienz und Wohlstand. Um diese Ziele zu erreichen, ist sie auf glaubwürdige und für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaften mit strategisch wichtigen Drittstaaten wie Brasilien angewiesen.
Als mittlere Macht mit dem Anspruch, als Brückenbauer zwischen Globalem Norden und Globalem Süden zu wirken, verfügt Brasilien über erhebliches diplomatisches Gewicht. Das Land verbindet seine ökologische Transformation mit dem Ziel einer grünen Reindustrialisierung, größerer heimischer Wertschöpfung und sozialer Teilhabe. Mit seiner G20-Präsidentschaft 2024, der BRICS-Präsidentschaft 2025 und der Ausrichtung der COP30 hat Brasilien zentrale Debatten über Klima, Entwicklung und globale Ordnung geprägt und seine internationale Gestaltungs- und Vermittlungsrolle gestärkt. Deutschland, die EU und Brasilien haben seit 2023 ihren Willen zu einer engeren Zusammenarbeit bekräftigt.
Brasiliens Bedeutung für Deutschland und die EU reicht dabei über die bilaterale Zusammenarbeit hinaus. Als Mitglied der BRICS gehört das Land einem Forum an, in dem klimapolitische Fragen seit einigen Jahren an Gewicht gewinnen und unter der brasilianischen Präsidentschaft 2025 stärker in den Mittelpunkt der politischen Agenda rückten. Je stärker die unter der brasilianischen Präsidentschaft gesetzten klimapolitischen Akzente unter Indien 2026 und China 2027 verstetigt werden, desto relevanter wird für Deutschland und die EU, welche Rolle BRICS für die klimapolitische Koordinierung wichtiger Partner und deren Auftreten in der internationalen Klimapolitik spielt. Dazu zählen neben Brasilien auch Südafrika, Indonesien, Indien und China.
Das Forschungsprojekt nimmt diese beiden miteinander verbundenen Ebenen in den Blick. Erstens untersucht es Kooperationspotenziale in der klima- und industriepolitischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland, der EU und Brasilien, etwa bei Clean Technologies. Besondere Aufmerksamkeit gilt den brasilianischen Wahlen im Oktober 2026 und der Frage, wie ihr Ausgang den Fortgang der grünen Transformation Brasiliens sowie die Kontinuität und Ausrichtung der Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU beeinflusst.
Zweitens untersucht das Projekt, wie sich die klimapolitische Agenda der BRICS in den vergangenen Jahren entwickelt hat und ob die unter der brasilianischen Präsidentschaft 2025 gesetzten Akzente unter Indien 2026 und China 2027 fortgeführt werden. Es untersucht zudem, wie Brasilien und ausgewählte Schwellen- und Entwicklungsländer das Forum nutzen, um klimapolitische Positionen und diplomatische Strategien zu entwickeln und zu koordinieren – auch im Vorfeld von UN-Klimakonferenzen – und welche Folgen sich daraus für die deutsche und europäische Klimaaußenpolitik und die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnerländern ergeben.
Ziel des Projekts ist es, konkrete Ansatzpunkte dafür zu entwickeln, wie Deutschland und die EU ihre Klimaaußenpolitik strategischer ausrichten können. Die Ergebnisse sollen in Empfehlungen dazu übersetzt werden, wie die Zusammenarbeit mit Brasilien weiterentwickelt, Kooperationsinstrumente gezielter eingesetzt und Interessen und Prioritäten beider Seiten stärker berücksichtigt werden können, um tragfähige Partnerschaften zur Beschleunigung der globalen Dekarbonisierung zu gestalten. Zugleich soll das Projekt dazu beitragen, die wachsende klimapolitische Bedeutung der BRICS einzuordnen und daraus Schlussfolgerungen für die Zusammenarbeit Deutschlands und der EU mit wichtigen Partnerländern sowie für die Koalitionsbildung in der internationalen Klimapolitik abzuleiten.
Laufzeit:
September 2026 – August 2027
Das Projekt knüpft inhaltlich an das Vorgängerprojekt Deutsche und europäische Klimaaußenpolitik: Partnerschaften im geoökonomischen Wettbewerb an.
Förderung:
Das Projekt wird von der European Climate Foundation (ECF) gefördert.
Projektleitung
-
Jule Könneke, M.A.
Globale Fragen (Wissenschaftlerin)
Forschungscluster Klima- und Energiepolitik (Wissenschaftlerin)