Deutsche und europäische Klimaaußenpolitik: Partnerschaften im geoökonomischen Wettbewerb
Die Bedingungen für internationale Klimakooperation haben sich grundlegend verändert. Klimapolitik ist heute eng mit Industriepolitik, wirtschaftlicher Sicherheit und geopolitischem Wettbewerb verflochten. Für die EU bedeutet dies, die notwendige Dekarbonisierung mit dem Erhalt ihrer wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und der Resilienz zentraler Lieferketten zu verbinden. Während der European Green Deal den Rahmen für die Transformation der europäischen Wirtschaft gesetzt hat, rückt der Clean Industrial Deal stärker die industriepolitische Flankierung der Transformation in den Mittelpunkt.
Die erfolgreiche Umsetzung dieser Agenda hängt wesentlich davon ab, ob es der EU gelingt, tragfähige und für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaften mit Drittstaaten aufzubauen und bestehende Kooperationen strategischer auszurichten. Für die EU und Deutschland sind solche Partnerschaften nicht nur klimapolitisch relevant. Sie sind zugleich zentral für eine erfolgreiche grüne Industriepolitik, etwa für die Diversifizierung von Lieferketten und die Sicherung des Zugangs zu kritischen Rohstoffen, sowie für die Mitgestaltung internationaler Regeln für Clean Technologies. Instrumente wie Global Gateway, Partnerschaften für sauberen Handel und Investitionen (Clean Trade and Investment Partnerships, CTIP), regulatorische Zusammenarbeit und eine gezieltere Clean-Tech-Diplomatie können hierfür wichtige Ansatzpunkte bieten.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt, wie deutsche und europäische Klimaaußenpolitik ausgerichtet werden kann, um Dekarbonisierung, Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Handlungsfähigkeit zusammenzuführen. Im Fokus stehen Brasilien, Kolumbien und Chile. Die drei Länder sind sowohl für die internationale Klimapolitik als auch mit Blick auf nachhaltige Rohstoffwertschöpfung und Clean-Tech-Märkte sowie als mittlere Mächte in einer zunehmend multipolaren Ordnung wichtige Partner. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Klimapartnerschaften in einer von geopolitischem Wettbewerb geprägten Welt glaubwürdig, verlässlich und für beide Seiten vorteilhaft gestaltet werden können. Untersucht werden dabei konkrete Kooperationsfelder wie die Verknüpfung von Dekarbonisierung und grüner Industriepolitik, der sozial gerechte Ausstieg aus fossilen Energien sowie der Aufbau resilienter Lieferketten für Clean Technologies.
Im Zentrum stehen dabei drei Fragen: Wie verändert der zunehmende geopolitische und geoökonomische Wettbewerb die Bedingungen internationaler Klimakooperation und die Rolle mittlerer Mächte? Wie können Deutschland und die EU ihre Partnerschaften mit Brasilien, Kolumbien und Chile so gestalten, dass Dekarbonisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit miteinander in Einklang gebracht werden können? Und wie lassen sich dabei tragfähige Allianzen für eine ambitionierte internationale Klimapolitik aufbauen?
Laufzeit:
August 2023 – August 2026. Das Projekt knüpft inhaltlich an ein Vorgängerprojekt an, das von 2022 bis 2023 lief. Einige der Publikationen aus diesem Vorgängerprojekt sind hier noch einmal mit aufgeführt.
Förderung:
Das Projekt wird von der European Climate Foundation (ECF) gefördert.
Projektleitung
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Jule Könneke, M.A.
Globale Fragen (Wissenschaftlerin)
Forschungscluster Klima- und Energiepolitik (Wissenschaftlerin)