Nordafrika und Sahel

Tunesier/innen protestieren gegen Terrorismus, Tunis, Tunesien 29.03.2015 © Nacer Talel/ picture alliance / AA

Jihadistische Bewegungen haben stark von der regionalen Instabilität seit dem Beginn der Umbrüche in der arabischen Welt profitiert. In Nordafrika hat vor allem der Staatszerfall in Libyen Jihadisten neue Möglichkeiten eröffnet. Die Folgen des Libyen-Konflikts von 2011 trugen zum Ausbruch einer neuen Rebellion im Norden Malis bei, die zur zeitweisen Übernahme des Gebiets durch Jihadisten führte. Auch die von Frankreich angeführte Intervention in Mali konnte eine weitere lokale Verankerung jihadistischer Gruppen nicht verhindern. In Libyen selbst konnten verschiedene al-Qaida-nahe Gruppen zunächst weitgehend ungehindert agieren. Seit Mitte 2014 haben sich in einzelnen Städten auch libysche Ableger des sogenannten Islamischen Staates etabliert. Lokale Hochburgen jihadistischer Gruppen in Libyen fungieren zudem als Drehscheibe für Rekruten aus anderen Maghrebstaaten sowie Rückkehrer aus Syrien und dem Irak. Insbesondere für Tunesien geht eine direkte Gefahr von jihadistischen Basen in Libyen aus. So haben in Libyen ausgebildete tunesische Kämpfer größere Anschläge in Tunesien verübt. Überdies haben sich auch im tunesischen Grenzgebiet zu Algerien seit 2012 kleinere bewaffnete jihadistische Gruppen festgesetzt. In Ägypten haben jihadistische Gruppierungen im Zuge der umfassenden staatlichen Repression seit 2013 verstärkten Zulauf bekommen, vor allem auf dem Sinai. Nur sehr begrenzt ausbreiten konnten sich jihadistische Akteure dagegen in Algerien und Marokko, wo Regime und Sicherheitsapparate weitgehend unberührt von den regionalen Umbrüchen seit 2011 geblieben sind. Im Nordosten und Süden Algeriens sind nach wie vor kleinere jihadistische Gruppierungen aktiv. Einige der ursprünglich in Algerien entstandenen Gruppierungen haben ihre Aktivitäten indes zunehmend in den Sahel sowie in Staaten Subsahara-Afrikas verlagert. In Marokko konnten sich bislang zwar nur lose jihadistische Zellen bilden, aber es existiert erhebliches Rekrutierungspotential, was sich an den mehreren Tausend marokkanischen Syrienkämpfern zeigt. Marokko verzeichnet überdies genauso wie Tunesien eine wachsende Zahl jihadistischer Rückkehrer.

SWP-Literatur

Mohammed Masbah

Moroccan Foreign Fighters

Evolution of the Phenomenon, Promotive Factors, and the Limits of Hardline Policies

SWP Comments 2015/C 46, Oktober 2015, 8 Seiten
Wolfram Lacher

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Wie weiter nach dem Skhirat-Abkommen?

SWP-Aktuell 2015/A 67, Juli 2015, 9 Seiten
Guido Steinberg, Annette Weber (Hg.)

Jihadismus in Afrika

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SWP-Studien 2015/S 07, März 2015, 113 Seiten
Wolfram Lacher, Guido Steinberg

Transnationaler Jihadismus, lokal verwurzelt: AQIM und MUJAO in der Sahara

in: Guido Steinberg, Annette Weber (Hg.)
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Beiträge zu Sammelstudien 2015/S 07, März 2015, 113 Seiten, S. 73-89
Isabelle Werenfels

Im »glokalen« Spannungsfeld: Jihadisten in Algerien und Tunesien

in: Guido Steinberg, Annette Weber (Hg.)
Jihadismus in Afrika

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Beiträge zu Sammelstudien 2015/S 07, März 2015, 113 Seiten, S. 55-72
Wolfram Lacher

Libyen: Wachstumsmarkt für Jihadisten

in: Guido Steinberg, Annette Weber (Hg.)
Jihadismus in Afrika

Lokale Ursachen, regionale Ausbreitung, internationale Verbindungen

Beiträge zu Sammelstudien 2015/S 07, März 2015, 113 Seiten, S. 33-53
Christian Mölling, Isabelle Werenfels

Tunesien: Sicherheitsprobleme gefährden die Demokratisierung

Deutsche Unterstützung auch für die Stärkung des Sicherheitssektors

SWP-Aktuell 2014/A 62, Oktober 2014, 4 Seiten
Marco Overhaus

Schadensbegrenzung in Mali

Die Situation in Mali offenbart einmal mehr das Fehlen einer weitsichtigen Afrika-Politik der Europäer sowie die gravierenden Schwächen europäischen Krisenmanagements, meint Marco Overhaus.

Kurz gesagt, Januar 2013
 

SWP-Aktuell

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Berlin–Prag: Entfremdung vermeiden – Chancen ergreifen

Für eine europapolitische Einbettung der deutsch-tschechischen Beziehungen


Oliver Geden
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