Ein grünes Elektrifizierungsziel für alle?
Die COP31 als Impuls für die europäische Clean-Tech-Diplomatie
SWP-Aktuell 2026/A 55, 28.10.2026, 6 Seitendoi:10.18449/2026A55
ForschungsgebieteDie 31. Vertragsstaatenkonferenz (COP31) der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) wird von Australien und der Türkei geleitet. Als Gastgeber will die türkische Regierung in Antalya eigene inhaltliche Akzente setzen. Dazu gehört ein globales Elektrifizierungsziel als Teil der Global Climate Action Agenda. Bis 2035 soll der Verbrauchsanteil von Strom weltweit von derzeit 20 auf 35 Prozent steigen. Die COP-Doppelspitze hofft darauf, möglichst viele Staaten hinter diesem Anliegen zu versammeln, und legt das Ziel deshalb unverbindlich und unspezifisch an. Die EU und einzelne Länder unterstützen den Vorstoß aktiv. Es fehlt aber erneut an der Bereitstellung von Finanzmitteln für die Entwicklungsländer. Zudem reicht der jüngste fossile Energiepreisschock weltweit offenkundig nicht, um ein »grünes« Elektrifizierungsziel zum Selbstläufer zu machen, obwohl es Klimaschutz, Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbindet. Daher sind die EU und Deutschland gefordert, jenseits der COP31 die internationale Zusammenarbeit bei der klimafreundlichen Elektrifizierung voranzubringen und insbesondere in bilateralen Beziehungen Wege dafür zu eröffnen.
Die internationalen Klimaverhandlungen (Vertragsstaatenkonferenzen, COPs) drehen sich inzwischen vor allem um die Implementierung der vereinbarten Klimaziele. Um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu beschleunigen, setzen die Gastgeberländer auf neue Initiativen. Ein Beispiel dafür ist die auf der COP30 in Brasilien beschlossene Global Climate Action Agenda. Sie soll dazu beitragen, die Umsetzung konkreter Klimaschutzmaßnahmen voranzutreiben. Dazu gehört auch, die Fortschritte bei der Erreichung der Klimaziele regelmäßig zu überprüfen. Die türkische Regierung hat – neben einer Verringerung von Abfall und einer Verbesserung der Klimaresilienz von Städten – ein globales Elektrifizierungsziel in den Blick genommen, welches sie bei der COP31 verabschieden möchte (COP31 35-by-35 Global Electrification Pledge). Dieses Ziel könnte unmittelbar mit dem im Vorjahr durch Brasilien gestarteten Prozess des Ausstiegs aus fossilen Energieträgern (Transitioning Away From Fossil Fuels, TAFF) korrelieren (vgl. SWP-Aktuell 1/2026). Dazu müsste sichergestellt sein, dass Strom aus Gas und Kohle nicht mit einberechnet wird. Das COP31-Elektrifizierungsziel wird allerdings nicht auf die Nutzung ausschließlich klimafreundlicher Energieträger eingegrenzt (»grüne Elektrifizierung«). Dies hat der türkische COP31-Präsident Murat Kurum bei der New York Climate Week im September klargestellt. Es steht also teilweise im Widerspruch zu TAFF. Kurum setzt zudem auf Freiwilligkeit bei den nationalen Ambitionen der Elektrifizierung. Was der türkische COP-Präsident indes anmahnt, ist eine vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien zur Deckung des steigenden Energiebedarfs für künstliche Intelligenz.
Elektrifizierung und ihre Bedeutung für den Klimaschutz
Das Konzept der »grünen Elektrifizierung« beschreibt die Transformation des Verbrauchs von Energie weg von fossilen Energieträgern, hin zu Strom, der aus erneuerbaren Energien stammt. Können Verbraucherinnen und Verbraucher aller Sektoren – also Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft – auf strombasierte Prozesse und Technologien umsteigen, führt dies zu sinkenden Treibhausgasemissionen. Dazu tragen auch Effizienzsteigerungen bei, also eine verbesserte energetische Ausbeute jeder Energieeinheit. Beispielhaft hierfür ist die Elektromobilität.
Die Elektrifizierung ist somit ein wichtiger Baustein der Energiewende, die sich vor allem auf die Produktion von klimafreundlichem Strom richtet. Durch vollständige Elektrifizierung des Endenergieverbrauchs könnten alle Wirtschafts- und Lebensbereiche sukzessive auf erneuerbare Energiequellen umgestellt werden. Die direkte Elektrifizierung aller Wirtschafts- und Lebensbereiche (electrify everything) gilt aber als zu kostspielig. Daher muss vor allem in der Industrie auch grüner Wasserstoff zum Einsatz kommen, um fossile Energieträger zu ersetzen (indirekte Elektrifizierung).
Steigendes politisches Interesse und wirtschaftliche Erwartungen
Mit ihrem Vorstoß knüpft die Türkei an das wachsende politische Interesse an der Elektrifizierung an. Wie die Internationale Energieagentur (IEA) feststellt, haben die Energiepreisschocks infolge des USA-Iran-Kriegs in vielen Regierungen ein Umdenken beschleunigt. Die anhaltenden Schwankungen der Öl- und Gaspreise auf hohem Niveau nach den Preissteigerungen 2022 und 2026 bringen Wettbewerbsnachteile mit sich und erzeugen in den Importländern gesellschaftlichen Druck. Für viele Staaten ist der Öl- und Gasimport die Achillesferse ihrer Wirtschaft. Die damit verbundenen Risiken können die Importländer in Europa, Afrika, Asien und teilweise Lateinamerika dauerhaft nur verringern, wenn sie den Anteil von fossilen Energieträgern an ihrem Energieverbrauch senken.
An die Beschleunigung der Elektrifizierung ist auch die Erwartung einer Modernisierung der Wirtschaft und des Generierens von Wachstumsimpulsen geknüpft. Haushalte und Unternehmen werden in die neuen Technologien investieren, Infrastrukturen werden erneuert und erweitert werden müssen. In Europa muss schon heute die wetterbedingt schwankende Produktion von erneuerbarem Strom mit der Nachfrage in Einklang gebracht werden, weshalb sowohl flexiblere Stromnetze als auch große Batteriespeicher an Bedeutung gewonnen haben. Um die Energieverbräuche im Transportsektor und im Gebäudebereich von Öl und Gas auf Strom umzustellen, werden Elektroantriebe, effiziente Batterietechnologien und Wärmepumpen benötigt, für die Umwandlung von Strom in Wasserstoff werden Elektrolyseure eingesetzt. Die steigende Nachfrage nach den Elektrifizierungstechnologien (Clean Tech) facht auch – wie schon bei der Solar- und Windenergietechnik – den internationalen Wettbewerb um kostengünstige Lösungen an.
Die globalen Marktanteile bei sauberen Technologien sind für Deutschland und weitere EU-Mitgliedstaaten, gerade im Wettlauf mit China, eine wesentliche Messlatte für Innovationsstärke und geoökonomische Dominanz. Diesen Wettbewerb einerseits zu nutzen, um die Elektrifizierung und den Klimaschutz kostengünstig voranzubringen und andererseits eine wirtschaftliche Führungsposition zu behalten, ist aktuell eine der großen Herausforderungen für die europäischen Regierungen.
»Electrify Now« …
Mit Blick auf die COP31 in Antalya hat die Europäische Kommission mit einer Begleitinitiative (»Electrify Now«) im Juni einen ersten konkreten Fahrplan für das Erreichen des globalen Elektrifizierungsziels mit Hilfe von »erneuerbaren und anderen sauberen Energien« vorgeschlagen. Sie koordiniert damit die Aktivitäten zwischen den drei amtierenden COP-Präsidentschaften – das sind Brasilien, Türkei/Australien und Äthiopien. Zugleich richtet sich die Initiative auf die COP33, bei der eine weitere Globale Bestandsaufnahme (Global Stocktake) der Fortschritte ansteht, die bei der Umsetzung der Ziele des Pariser Klimaabkommens gemacht wurden. An »Electrify Now« beteiligen sich weitere Länder, unter anderem Großbritannien, Kanada, die Philippinen und Südkorea. Unterstützung leisten die beiden internationalen Energieagenturen IEA und IRENA (International Renewable Energy Agency), unter anderem mit einem Sonderbericht, der auf Wunsch der Türkei und Australiens erstellt wurde.
Die Europäische Kommission hat zudem im Zuge der Reform der EU-Klimapolitik (vgl. SWP-Aktuell 46/2026) im Juli eine Elektrifizierungsstrategie (Electrification Action Plan) für ihre Mitgliedstaaten vorgeschlagen. Bis 2040 soll der Anteil von Strom am Endenergieverbrauch von derzeit 23 auf 46 Prozent verdoppelt werden (indikatives Ziel). In ihrem Vorschlag verbindet die Kommission die Elektrifizierung mit drei zentralen klimapolitischen Zielen der EU: der Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr und Gebäuden, der Versorgungssicherheit und der Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Die Nachfrage in Europa nach Elektroautos, Wärmepumpen, Elektrolyseuren und Batterien soll vor allem von europäischen Anbietern bedient werden. Die Volatilität der Öl- und Gaspreise verstärkt zudem das Bestreben, mehr Kontrolle über die Energiepreisentwicklung zu erlangen und kurz- wie langfristig die Energiekosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu senken.
Bisher verfolgten vor allem Dänemark und die Niederlande eine Elektrifizierungsstrategie. Die letzte Bundesregierung (»Ampelkoalition«) setzte ebenfalls auf eine Elektrifizierungsstrategie, um die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen. In Europa sticht zudem Norwegen heraus, das sehr früh begonnen hat, den Stromanteil am Energieverbrauch zu steigern. Norwegen steht beispielhaft für Länder mit strukturellen geografischen Vorteilen. Weil das Land über große Mengen an Wasserkraft verfügt, waren und sind die Strompreise dort gering und sowohl der Gebäudesektor als auch der Verkehrssektor nutzen größtenteils Strom.
… aber ohne China?
Für die EU ist die internationale Zusammenarbeit bei der Elektrifizierung eine Gratwanderung. Einerseits möchte die EU die globalen Klimaschutzanstrengungen voranbringen. Mit Blick auf das globale 1,5-Grad-Temperaturziel müssten laut IRENA weltweit 78 Prozent der Elektrifizierung bis 2035 aus erneuerbarem Strom gedeckt werden. Für einen internationalen Hochlauf des Clean-Tech-Sektors und eine Kostensenkung in allen Bereichen der Branche führt kein Weg an chinesischen Produkten vorbei. Für europäische Produzenten sind zudem Rohstoffimporte, Chips und Prozessoren aus verschiedenen Teilen der Welt nicht durch heimische Erzeugnisse vollumfänglich ersetzbar. Andererseits will man die europäischen Unternehmen der Clean-Tech-Branche vor allem vor der chinesischen Konkurrenz schützen und deren Übermacht Grenzen setzen. Flankierende handelspolitische Regelungsvorstöße wie der Industrial Accelerator Act (IAA) setzen daher einen anderen, nicht-kooperativen Akzent.
Chinas Dominanz und Taktrate
Aus China stammen inzwischen weltweit rund 80 Prozent der wichtigsten Clean-Tech-Produkte. Die chinesische Volkswirtschaft ist auch selbst Vorreiter bei der Elektrifizierung, mit einem Anteil von geschätzt 29 Prozent im Jahr 2025 laut IEA. Peking hat in seinem jüngsten Fünfjahresplan die Absicht erklärt, sich im internationalen Wettbewerb noch weiter nach vorn zu arbeiten. Ein Baustein dieser Transformation, die es unter der Überschrift »Grüne Entwicklung« verfolgt, ist die »Electric Power Substitution«, der Ersatz von Kohle, Öl und Gas im Endverbrauch durch Strom, also die Elektrifizierung. Als Zielmarke wurden 35 Prozent bis 2030 ausgegeben. Der Dreh- und Angelpunkt ist der Ausbau der erneuerbaren Energien und deren erweiterte Nutzung, was vor allem die Herstellung von Wasserstoff, Ammoniak und Methanol für industrielle Zwecke umfasst, und die Standortplanung von Industrieanlagen im Verbund mit großen Wind- und Solarparks.
Aus chinesischer Perspektive dient die Elektrifizierung vor allem der wirtschaftlichen Modernisierung und Innovation und trägt wesentlich zur nationalen Wachstumsstrategie bei. Im Fokus steht dabei zunächst weiterhin der chinesische Markt, der – so eine der Referenzgrößen – international zum größten Markt für Elektroautos werden soll. Da auch die Industrieprozesse elektrifiziert werden sollen, müssen die Produktion und der Einsatz von Wärmepumpen, elektrischen Heizsystemen und Elektrolyseuren steigen. Allerdings geht die chinesische Wachstumsstrategie ohne internationale Expansion nicht auf. Mit Hilfe von Subventionen und der Schaffung von Überkapazitäten werden internationale Märkte mit den sauberen Technologien geflutet. Entsprechend wird sich für europäische Unternehmen der von China ausgeübte Wettbewerbsdruck weiter erhöhen, während die wirtschaftliche Expansionspolitik Pekings den internationalen Trend zur Elektrifizierung und somit auch die Dekarbonisierung vorantreiben wird.
Die USA bleiben relevant
Ebenso wichtig für die internationale Dynamik ist der US-Markt. Zwar sind die USA nicht mehr an den Klimaverhandlungen beteiligt, aber der Energiesektor entwickelt sich dynamisch. Die US-Regierung unter Präsident Biden hatte 2021 den Inflation Reduction Act (IRA) verabschiedet, der ein umfassendes Förderprogramm enthielt. Steuergutschriften und Investitionsanreize für grünen Wasserstoff, Batterietechnik, Elektrofahrzeuge und weitere saubere Technologien führten zur Steigerung der Batterieproduktion, dem vermehrten Bau von E-Autos und Solaranlagen. Laut wissenschaftlichen Berechnungen hätte der IRA die Emissionsreduktionen der USA nahezu verdoppeln können. Noch wirken die Effekte des IRA nach, die Investitionen in erneuerbare Energien, Batterietechnologie gehen weiter. Auch Elektrofahrzeuge werden angesichts der steigenden Benzinpreise vermehrt nachgefragt. Die Investitionen in Wind- und Solaranlagen steigen laut der US‑Energieagentur (Energy Information Agency, EIA) an, getrieben vom neuen Rekord-Strombedarf der Anwendungen künstlicher Intelligenz. Die Trump-Regierung hat zwar die Förderung der Biden-Administration abgeschafft, ein großes Offshore-Windprojekt an der Ostküste und ein Solarkraftwerk gestoppt (vgl. Financial Times vom 20.8.2026), aber ohne erneuerbare Energien ist der Energiehunger der Rechenzentren keinesfalls zu decken. Der Anstieg der Öl- und Gaspreise trägt das seinige zur Relevanz der Clean-Tech-Branchen bei und wird die Entwicklung befeuern.
Das globale Elektrifizierungsziel – ein klimapolitischer Selbstläufer?
Obwohl ein Elektrifizierungsziel zum Klimaschutz beiträgt und Regierungen auf diesem Weg mehr Resilienz gegenüber volatilen Energiepreisen erlangen können, ist eine Einigung darauf in den anstehenden Klimaverhandlungen kein Selbstläufer. Das zeigt sich an den Bemühungen der türkischen COP-Präsidentschaft während der New York Climate Week am Rande der UN-Vollversammlung im September. Statt dem Klimaschutz Vorrang zu geben, bleibt das Ziel unspezifisch. Besonders kritisch sehen Umweltschützer zudem, dass damit auch dem Ausbau der Kernenergie Vorschub geleistet wird.
Die australisch-türkische COP-Präsidentschaft hat vor allem den diplomatischen Erfolg im Visier und will den Spielraum für die Fortschritte in den einzelnen Vertragsstaaten nicht eingrenzen. Vielmehr möchte sie über finanzielle Zusagen die armen Staaten an Bord holen. Sie hat zu diesem Zweck in den Global Electrification Pledge auch Unternehmen und weitere Interessengruppen eingebunden. Mit der Initiative sollen Finanzmittel für die ärmsten Länder, Inselstaaten und Entwicklungsländer mobilisiert werden. Stromnetze und Speicher stehen ganz oben auf der Liste der notwendigen Investitionen. Auch ist die Liste der Länder gewachsen, die an der »Electrify Now«-Kampagne mitwirken wollen. Neu dabei sind unter anderem Deutschland, Uruguay, Jordanien und Kenia.
Die Gruppe der pazifischen Inselstaaten unterstützte bereits Anfang September in einem Kommuniqué das globale Ziel, verbunden allerdings mit der klaren Forderung nach technischer und finanzieller Hilfe.
Es bleibt die Herausforderung, weitere Entwicklungsländer, denen finanzielle und technologische Mittel fehlen, davon zu überzeugen, einem zusätzlichen globalen Ziel zuzustimmen und sich damit in die Pflicht nehmen zu lassen. Viele Entwicklungsländer verweisen auf die Vergangenheit, in der sie bei ihren Bemühungen, die Ziele zu erreichen, nicht die zugesagte Unterstützung erhielten. Die internationale Klimafinanzierung gerät zunehmend in die Krise und dies lässt die Glaubwürdigkeit jeglicher Unterstützungszusagen mehr und mehr erodieren. Somit muss die COP-Präsidentschaft vor und während der Konferenz hier besonderes diplomatisches Geschick an den Tag legen und konkrete Angebote organisieren.
Aus klimapolitischer Sicht fehlt es dem globalen Elektrifizierungsziel neben der Eingrenzung auf erneuerbare Stromquellen an Verbindlichkeit. Genau wie bei den anderen Implementierungszielen, insbesondere den globalen Zielen zur Verdopplung der Energieeffizienz und der Verdreifachung des Ausbaus der erneuerbaren Energien bis 2030 (COP28 in Dubai), sollten die Vorgaben in eine Form gegossen werden, die ein Monitoring und das Erstellen von Fortschrittsberichten ermöglicht. Damit Elektrifizierungsfortschritte nachvollziehbar sind, würde eine Kodifizierung benötigt. Dazu könnten die nationalen Beiträge (NDCs) dienen, die die Vertragsstaaten alle 5 Jahre bei der UNFCCC einreichen müssen – denn in diesen Meldungen können die Länder selbst aufzeigen, welche Klimaziele sie mit welchen Mitteln erreichen wollen. Letztlich würde damit ermöglicht, das globale Elektrifizierungsziel transparent nachzuverfolgen und damit auch seinen Beitrag zum Klimaschutz.
Jenseits der COP31
In Deutschland und der EU steigt der Druck, das Energiesystem zügig hin zu mehr Stromnutzung aus eigenen Quellen umzubauen und die Wertschöpfungsketten abzusichern. Das Eigeninteresse ist somit hoch, aufgrund der aktuellen Energieversorgungsrisiken und der zu erwartenden Kosten des Systemumbaus aber offenbar nicht hinreichend. Deshalb sollte eine »grüne Elektrifizierung« als strategisches Ziel klar benannt werden. Es ist für Unternehmen in vielen Branchen ein wichtiges Signal, denn es ist ein Weg zu einer stabileren Energieverfügbarkeit und sichert damit das Geschäftsumfeld. Die gestiegene Volatilität der Energiepreise, die anhaltenden Engpässe beim Angebot von Öl und Gas und der global wachsende Energieverbrauch haben dazu geführt, dass die EU mit größerem Nachdruck eine grüne Elektrifizierung anstrebt. In Kombination mit einer globalen Verabredung wie sie bei der COP31 erfolgen soll, kann mit dem Elektrifizierungsziel für die internationale Zusammenarbeit ein weiterer Akzent gesetzt werden.
Derweil geht es im Wettbewerb mit China darum, europäische Produzenten von Clean-Tech-Produkten zu unterstützen und in Drittländern Absatzmärkte zu sichern. Die internationalen Klimaverhandlungen zur Elektrifizierung liefern diesbezüglich einen wichtigen Impuls und können der deutschen Clean-Tech-Diplomatie helfen, konkreter über bilaterale Kooperationen zu verhandeln. Zudem dürfte die »Electrify-Now«-Initiative eine nützliche Plattform sein, um gleichgesinnte mittlere Mächte und weitere Handelspartner einzubinden.
Dr. Susanne Dröge ist Senior Fellow in der Forschungsgruppe Globale Fragen und
Leiterin des Forschungsclusters Klima- und Energiepolitik.
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ISSN (Print) 1611-6364
ISSN (Online) 2747-5018
DOI: 10.18449/2026A55