Marco Overhaus, Guido Steinberg, Kirsten Westphal

Die US-Schieferrevolution und die arabischen Golfstaaten

Wirtschaftliche und politische Auswirkungen des Energiemarkt-Wandels

SWP-Studie 2014/S 15, September 2014, 37 Seiten

Die amerikanische Schieferrevolution hat tiefgreifende Folgen für die globalen Energiemärkte. Sie lässt die USA zum Selbstversorger werden, zugleich verschieben sich die Handelsströme von Öl und Gas stärker in den pazifischen Raum. Dabei bleibt der Persische Golf aber das Rückgrat der Weltölmärkte. Verflüssigtes Erdgas (LNG) aus der Region wiederum ist strategisch bedeutsam für einen globalen LNG-Markt und trägt dazu bei, die Energieversorgung auch in Europa zu diversifizieren.

Dank zunehmender Energiesicherheit gewinnen die USA an Handlungsoptionen in ihrer Politik gegenüber den Golfstaaten. Bei den dortigen Regimen herrscht große Verunsicherung, denn sie befürchten ohnehin, dass die Vereinigten Staaten sich aus der Region zurückziehen werden. Ein solcher Schritt zeichnet sich bislang zwar nicht ab, doch Europa muss sich auf eine stärkere Lastenteilung mit den USA einstellen, insbesondere was die Sicherung seiner Energieströme vom Persischen Golf angeht.

Die Entwicklungen auf den Energiemärkten haben nur langfristig und im Zusammenwirken mit politischen Faktoren das Potential, die Stabilität der arabischen Golfstaaten zu erschüttern. Kurz- und mittelfristig müssen diese Länder ihre eigene Energieversorgung sicherstellen und Exporte gewährleisten. Mit dieser Herausforderung sind sie zu einem schwierigen Zeitpunkt konfrontiert. Ihr bisheriges sozio-ökonomisches Entwicklungsmodell lässt sich in Zukunft jedenfalls nicht einfach fortschreiben.

Die geopolitischen Unwägbarkeiten in der Golfregion und die damit verbundenen Lieferrisiken bieten gute Gründe für die deutsche Energiewende. Zugleich erfordert die neue Energie-Landkarte mehr internationalen Dialog und verstärkte Kooperation. Ein Ansatz dafür wären unter anderem Energie-Partnerschaften mit den Golfstaaten.

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