Daniel Brombacher, Günther Maihold

Die Grenzen charismatischer politischer Führung

Lateinamerikas Linke vor neuen Kursbestimmungen

SWP-Aktuell 2010/A 71, Oktober 2010, 4 Seiten

Nach einer Dekade des Vormarschs zeigen die aktuellen Entwicklungen auf dem Subkontinent, dass die lateinamerikanische Linke an einen Scheideweg gelangt ist und Gefahr läuft, die Fehler der von ihr geschmähten Vorgängerregierungen zu wiederholen. Der jahrelange Erfolg der Linken in ihren unterschiedlichen Spielarten hat die Regierungen in Ländern wie Brasilien, Ecuador und Venezuela vergessen lassen, dass politische Herrschaftsmodelle, die nur auf charismatischer Führung fußen, nicht nachhaltig sind. Und auch die von außen gern vorgenommene Unterscheidung zwischen einer vermeintlich guten gemäßigten und einer schlechten radikalen Linken lässt sich immer weniger aufrechterhalten. Personalistischer Führungsstil und der versäumte Aufbau intermediärer Instanzen kennzeichnen heute »beide« Linken in der Region. Drei aktuelle Geschehnisse zeugen von den Grenzen des einstigen linken Erfolgsmodells in Lateinamerika: Die Kongresswahlen in Venezuela am 26. September, der am 30. September eskalierende Konflikt zwischen Staatspräsident Correa und der Polizei in Ecuador sowie der überraschende Ausgang der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien am 3. Oktober 2010.