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Die Tropical Forest Forever Facility

Brasiliens Initiative und ihre Rolle in der internationalen Waldfinanzierung

SWP-Aktuell 2026/A 11, 06.03.2026, 7 Seiten

doi:10.18449/2026A11

Forschungsgebiete

Als in Belém die 30. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (COP30) zusammenkam, stand der umliegende Regenwald im Mittel­punkt des Interesses. Die Tagung wurde daher auch als »Wald-COP« bezeichnet. Als eines ihrer Schlüsselprojekte initiierte die brasilianische Regierung als Gastgeberin die Tropical Forest Forever Facility (TFFF). Es handelt sich dabei um einen Fonds für den Schutz und die Wiederherstellung bestehender Regenwälder, der auf inno­vative Weise multilaterale Zusammenarbeit durch Mischfinanzierung ermöglichen soll. Nach wie vor besteht eine Lücke zwischen der aktuellen Waldfinanzierung und dem, was erforderlich ist, um die Ziele der Rio-Konventionen von 1992 zu erreichen. Deutschland und weitere europäische Staaten haben Investitionen in den Fonds zuge­sagt und könnten dessen Umsetzung mitgestalten. Für die Waldrestaurierung bedarf es allerdings ergänzender Finanzierungsmechanismen, die ausgebaut werden sollten. Dennoch liegt nicht aller Erfolg darin, Gelder verfügbar zu machen. Mechanismen zur Waldfinanzierung müssen das Anliegen, die Kohlenstoffbindung und ‑speiche­rung in Wäldern zu erhöhen, mit Biodiversitäts- und Nachhaltigkeits­zielen in Ein­klang bringen und gleichzeitig die Rechte der lokalen Bevölkerung wahren.

Die weltweite Waldbedeckung und ins­besondere die tropischen Regenwälder sind ein leistungsfähiger Kohlenstoffspeicher, der etwa 2024 mehr als das 15-Fache der jährlichen CO2-Emissionen der Menschheit aufgenommen hat. Wälder spielen eine entscheidende Rolle bei der Erreichung globaler Klimaziele. Erstens können Emis­sionen durch den Erhalt bestehender Wälder reduziert werden. Zweitens lässt sich die Fähigkeit von Ökosystemen, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen, durch eine Reihe waldbezogener Maßnahmen ver­bessern: durch Aufforstung (Anpflanzung von Bäumen auf nichtbewaldeten Flächen), Wiederaufforstung (Wiederherstellung von Wäldern in abgeholzten Gebieten), Wald­restaurierung (Wiederherstellung der Funk­tionen und Integrität von Waldökosystemen) und in einigen Fällen durch nachhaltige Waldbewirtschaftung.

Darüber hinaus haben tropische Wälder eine regional kühlende Wirkung, sie tragen zur Erhaltung biologischer Vielfalt bei und sind wichtig für den Lebensunterhalt der lokalen Bevölkerung. Sie haben deshalb zen­trale Bedeutung, wenn es darum geht, die Ziele der Konventionen zu biologischer Vielfalt, zu Klimaschutz und der Verhinderung von Wüstenbildung zu erreichen, die auf die Konferenz von Rio 1992 zurück­gehen. Durch Mechanismen wie die TFFF wer­den diese Vorteile anerkannt und der Wald­schutz gestärkt. Ebenso wichtig für Öko­systeme und die Eindämmung des Klima­wandels ist die Wiederherstellung von Waldgebieten, die daher weitere Auf­merksamkeit erfordert.

Stand der Waldfinanzierung

Die globale und lokale Nachfrage nach Nutzpflanzen, Vieh und Mineralien fördert weltweit die Abholzung von Wäldern. Ob­wohl die wichtigen Ökosystem-Leistungen tropischer Wälder globale öffentliche Güter darstellen, muss ihr Schutz für die Akteure, die die Wälder vor Ort bewirtschaften, öko­nomisch rentabel sein, um eine weitere Entwaldung zu vermeiden. Zwar ist die Ab­holzung von Wäldern in den letzten Jahren zurückgegangen. Doch wenn sich die aktu­ellen Trends fortsetzen, wird das globale Ziel verfehlt, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen und die Entwicklung umzukehren – wie es in der Glasgow Leaders’ Declara­tion on Forests and Land Use festgelegt wurde, die die Staats- und Regierungschefs auf der COP26 von 2021 verabschiedet haben.

Die öffentlichen Mittel für internationale Waldinitiativen haben sich zwischen 2021 und 2024 mehr als verdreifacht, doch seit­dem ist das Engagement abgeflacht. Im Durchschnitt belaufen sich die jährlich ge­nerierten öffentlichen und privaten Finanz­mittel für Wälder nur auf ein Viertel der geschätzten Investitionen, die 2030 erfor­derlich wären, um die in der Glasgow Dec­laration vereinbarten Ziele zu erreichen. Zudem übersteigen schädliche Agrarsubventionen und private Geldströme hin zu Unternehmen, die an Aktivitäten mit hohem Entwaldungsrisiko beteiligt sind, die internationalen Finanzmittel für Wälder bei weitem. Dies gilt auch für die Europäische Union, wo Teile der Gemeinsamen Agrarpolitik und andere Handelspolitiken zeitweise falsche Anreize gesetzt haben.

Es wird erwartet, dass die TFFF Synergien und zusätzliche Mittel schafft, aber eine Umkehrung des Trends ist nicht absehbar. Mit dem Fonds wird das Ziel verfolgt, be­stehende Zahlungen für Ökosystem-Dienst­leistungen zu ergänzen und zu erweitern, insbesondere solche gemäß dem Mechanismus zur Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und der Schädigung von Wäldern (Reducing Emissions from Defor­estation and Forest Degradation, REDD+). Sowohl projektbasierte REDD+-Programme als auch die umfassenderen Jurisdictional REDD+ (JREDD+)-Programme, die auf natio­naler und subnationaler Ebene konzipiert wurden, weisen verschiedene Probleme auf. Erhebliche Mängel gibt es insbesondere bei der Überwachung und Überprüfung, etwa was die Zusätzlichkeit von Kohlenstoff­ausgleichsprojekten betrifft – wo es also sicherzustellen gilt, dass der Effekt ohne das betreffende Projekt nicht erzielt worden wäre. Hier bleiben zentrale Schwachstellen, die das Vertrauen in Waldprojekte insge­samt beschädigt haben.

Schutz und Wiederherstellung tropischer Wälder

Die TFFF hat zum Ziel, Ländern mit tropi­schem Regenwald eine langfristige, ergeb­nisorientierte finanzielle Unterstützung für den Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern zu bieten. Sie funktioniert als innovativer Finanzierungsmechanismus. »Sponsorländer« und philanthropische Orga­nisationen sollen dabei langfristige Dar­lehen in Höhe von 25 Milliarden US-Dollar zu einem Zinssatz von etwa 5 Pro­zent be­reitstellen. Auf dieser Grundlage sieht der Fonds die Mobilisierung von zu­sätzlichen 100 Milliarden US-Dollar durch private In­vestitionen vor. Das Kapital wird in Schwel­lenmärkte und Anleihen inves­tiert, um Erträge für jährliche Zahlungen an Län­der mit tropischem Regenwald zu gene­rie­ren. Sofern die Entwaldungsrate eines Lan­des unter 0,5 Prozent bleibt – was durch Satel­litenbilder überprüft wird –, erhält es aus dem Fonds Zahlungen pro Hektar stehenden Waldes. Die Höhe der Zahlungen wird auf bis zu 4 US-Dollar pro Hektar in 74 be­rechtigten Ländern geschätzt, sofern sich die oben genannten Investitionssummen erzielen lassen. Dagegen führt jeder abge­holzte Hektar Regenwald zu Abzügen in Höhe von 400 bis 800 US-Dollar.

Indigene Völker und lokale Gemeinschaften

Die TFFF soll einen stabilen Finanzierungs­mechanismus bieten, der von politischen Schwankungen unberührt bleibt. Einige Expert:innen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen warnen jedoch, dass die Ver­bindung des Mechanismus zu den globalen Finanzmärkten Instabilität schaffe und die erhofften Marktinvestitionen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar nicht garantiert seien. Ein neues Element des Fonds besteht darin, dass mindestens 20 Prozent der Aus­zahlungen an indigene Völker und lokale Gemeinschaften gehen müssen. Damit soll erstmals die Rolle dieser Gruppen beim Schutz der Wälder anerkannt werden.

Während indigene Gemeinschaften an der Entwicklung der TFFF beteiligt waren und sich für Direktzahlungen einsetzten, be­mängelt die Global Forest Coalition (ein Zusammenschluss von NGOs und indigenen Organisationen), dass der Fonds die struk­turellen Ursachen des Klimawandels nicht bekämpfe und Indigene sowie andere loka­le Gemeinschaften nicht priorisiere. Dar­über hinaus gibt es Stimmen, die eine Kom­modifizierung von Wäldern kritisieren und davor warnen, dass andere multilaterale Fonds durch die TFFF geschwächt werden könnten.

Investitionen der Sponsorländer

Das Konzeptpapier der TFFF basiert auf der Schätzung, dass eine jährliche Investitionslücke von 8,9 Milliarden US-Dollar zu schließen ist, damit sich die Abholzung tropischer Regenwälder verhindern lässt. Dieser Betrag scheint erreichbar, könnte allerdings zu niedrig veranschlagt sein.

Eine aktuelle Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen zur Wald­finanzierung hat eine Finanzierungslücke ermittelt, die deutlich über den 2 bis 4 Mil­liarden US-Dollar liegt, welche die TFFF bereitstellen könnte. Diese Schätzung um­fasst nicht nur die Eindämmung, sondern auch die Umkehrung der Entwaldung. Die Lücke verdeutlicht den Bedarf an einer groß angelegten Waldfinanzierung. Auf der COP30 haben 53 Länder die TFFF befürwortet. Als der Fonds am 6. November 2025 ein­geführt wurde, beliefen sich die Anfangs­investitionen auf 5,5 Milliarden US-Dollar, mit Zusagen von Norwegen (3 Milliarden US-Dollar), Brasilien (1 Milliarde US-Dollar), Indonesien (1 Milliarde US-Dollar) und Frankreich (500 Millionen US-Dollar). Deutschland kündigte an, über einen Zeit­raum von zehn Jahren 1,15 Milliarden US-Dollar zu investieren. Andere Länder, dar­unter die Niederlande und Portugal, haben ihre Investitionsbereitschaft signalisiert, aber noch keine konkreten Zusagen ge­macht.

Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung

Qualitäts- und Transparenzkriterien für die Überwachung der Entwaldung sind zentrale Elemente der TFFF, wobei das »Operations Manual«, in dem diese Kriterien detailliert beschrieben werden, derzeit noch entwickelt wird. Die Länder müssen nationale Waldüberwachungssysteme (National For­est Monitoring Systems, NFMS) einsetzen, die sich auf Satellitendaten stützen. Sollten keine nationalen Systeme vorhanden oder geeignet sein, können konforme Systeme von Drittanbietern verwendet werden. Auch wenn die TFFF zunächst vorsieht, sich auf bestehende NFMS zu stützen, die im Rahmen von Initiativen wie JREDD+ ent­wickelt wurden, sind weitere Verbesserungen der Infrastruktur ein zentraler Vorteil, den der Fonds bieten kann. Über die TFFF hinaus ist es für die Treibhausgas-Bilanzie­rung von entscheidender Bedeutung, die zusätzlichen Klimavorteile eines Projekts genau zu überwachen. Die Dauer der Koh­lenstoffspeicherung durch potentiell rever­sible, biogene Senken ist hierbei wichtig, insbesondere wenn Waldrestaurierungs­projekte zum Ausgleich anhaltender fossi­ler CO2-Emissionen ge­nutzt werden.

Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe »Forest Monitoring« der TFFF hat die Aufgabe, Leitlinien zu entwickeln. Für eine strenge Waldüberwachung müssen nationale Systeme ge­stärkt werden; ebenso ist sicherzustellen, dass Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung kontinuierlich finanziert wer­den. Eine solche Weiterentwicklung könnte darin bestehen, Emissionsminderungen klar von CO2-Entnahmemaßnahmen zu unterscheiden.

Ob der Fonds das Vertrauen in die Waldfinanzierung wiederherstellen kann, wird von seiner Fähigkeit abhängen, zu einer erhöhten Transparenz bei der Erfassung der Waldbedeckung beizutragen. Der Legitimität des Fonds dürfte es auch dienen, wenn er sein Versprechen einhält, Finanzströme transparenter zu machen und sicherzustellen, dass lokale Gemeinschaften profitieren.

Rückschlüsse für einen umfassen­den Finanzierungsrahmen

Artikel 5 des Pariser Klimaabkommens und globale Verpflichtungen wie die Erklärung von Glasgow unterstreichen, wie wichtig es ist, Kohlenstoffsenken in natürlichen Öko­systemen zu erhalten und zu verbessern, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Wäldern liegt. Artikel 5, Absatz 2 des Pari­ser Abkommens fordert die Vertragspar­teien auf, REDD+ zu unterstützen und um­zusetzen, das 2013 ins Leben gerufen wurde und ein wichtiger Mechanismus für die Waldfinanzierung ist.

Was REDD+ theoretisch abdeckt, sind Zahlungen für die Verringerung der Ent­waldung und den Schutz der Wälder sowie Zahlungen für eine nachhaltige Waldbewirt­schaftung und die Erhöhung der Koh­len­stoffvorräte. Ein Beispiel für einen REDD+-Mechanismus ist der »Amazon Fund«, der darauf abzielt, Investitionen für den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung tropi­scher Wälder zu erhöhen. TFFF-Zahlungen können für dieselben Gebiete wie im Fall von REDD+ gewährt werden, da der Finan­zierungsmechanismus außerhalb von Koh­lenstoff- und Biodiversitätshandelssystemen funktioniert und den Wert bestehender Wälder für den Naturschutz anerkennt. Dieses komplementäre Design ist darauf angelegt, Doppelzählung (also die mehr­fache Nut­zung einer verifizierten Emis­sionsreduk­tion) und mangelnde Transparenz zu ver­meiden. Die TFFF basiert auf der Annahme, dass mit sinkenden Entwaldungsraten die Zahlungen für vermiedene Entwaldung zurückgehen und sich die Finanzierungs­lücke für bestehende Wälder vergrößert.

Neben REDD+ gibt es eine Vielzahl von Finanzierungsmechanismen für Wälder, darunter Anleihen, Waldfonds und gemein­degeleitete Initiativen. Auf der COP30 sag­ten Frankreich, Deutschland, Norwegen, Belgien und das Vereinigte Königreich 2,5 Milliarden US-Dollar für den Schutz des Kongobeckens zu, das den größten Regen­wald Afrikas beherbergt. Die Konferenz in Belém erneuerte auch die Forest and Land Tenure Pledge. In diesem Rahmen wurden 1,8 Milliarden US-Dollar für die Landbesitzrechte indigener Gemeinschaften aufgebracht.

Neben dem Schutz der Wälder ist auch die Waldrestaurierung klimapolitisch von entscheidender Bedeutung. Sowohl die Bonn Challenge von 2011 als auch die New Yorker Erklärung zu Wäldern haben das globale Ziel festgelegt, bis 2030 350 Mil­lio­nen Hektar Wald wiederaufzuforsten. Eine aktuelle Analyse geht davon aus, dass sich durch die Restaurierung tropischer Wälder, die seit 2001 abgeholzt wurden, bis zu 49 Gigatonnen CO2 einsparen lassen.

Zudem besteht ein erhebliches Potential für CO2-Entnahme. Nationale Treibhausgas-Inventare zeigen, dass mehr als 90 Prozent des derzeitig entnommenen Kohlenstoffs auf Aufforstung, Wiederaufforstung und nachhaltiges Waldmanagement zurückzuführen sind. CO2-Entnahme fällt indirekt in den Anwendungsbereich von JREDD+. Zu­dem entstehen aktuell Anreizmechanismen für entsprechende Maßnahmen. Die Welt­bank hat zum Beispiel den Amazon Refor­estation Linked Bond ins Leben gerufen. Ziel ist dabei, 225 Millionen US-Dollar für die CO2-Entnahme durch Wiederaufforstung in Brasilien zu mobilisieren. Allerdings gibt es nach wie vor nur wenige Finanzierungsmechanismen, über die ab­geholzte Waldflächen nachhaltig wiederhergestellt werden können. Botschafter André Corrêa do Lago, der Präsident der COP30, gab einen Bericht in Auftrag, in dem die Aussichten für ein ergänzendes System zur TFFF bewertet werden. Daraufhin entwickelten Ökonom:innen einen Vorschlag für einen neuen Mechanismus zur Waldrestaurierung.

Programme wie zum Beispiel solche im Rahmen von REDD+, die CO2-Zertifikate für die Waldrestaurierung generieren, verfol­gen andere Ziele als die TFFF. Wiederherstellung und Waldschutz sind unterschiedliche Prozesse, und die jeweiligen Auszahlungspotentiale pro Hektar weichen stark voneinander ab. Bei einem durchschnitt­lichen Zertifikatspreis von 15,5 US-Dollar pro Tonne CO2 im Jahr 2025 für CO2-Ent­nahme in der Landnutzung, Landänderung und Forstwirtschaft könnten bis zu 1.500 US-Dollar für die Wiederherstellung eines Hektars Tropenwald aufgebracht werden. Im Gegensatz dazu wird erwartet, dass die TFFF eine Auszahlung von gerade einmal 4 US-Dollar pro Hektar Waldfläche ermög­licht. Dies unterstreicht die komplementären Rollen der TFFF und zusätzlicher, markt­basierter Finanzströme – für den Erhalt bestehenden Waldes auf der einen und die Waldrestaurierung auf der anderen Seite. Die Waldfinanzierung hat insgesamt erheb­liches Potential, aber die internationale Nachfrage nach hochwertigen Emissionsminderungs- und Entnahmegutschriften ist bislang nicht groß genug. Stattdessen domi­nieren minderwertige CO2-Zertifikate den Markt.

Herausforderungen und Chancen bei der Umsetzung der TFFF

Die TFFF zielt darauf ab, einen langfristigen Finanzrahmen für den Schutz und die Wie­derherstellung tropischer Wälder zu schaf­fen. Welches Potential der neue Mechanismus hat und wie stabil er ist, muss sich noch erweisen. Doch auch unabhängig von der Emissionsreduzierung hat der Fonds einen Wert, erhöht er doch die Aufmerksamkeit für tropische Wälder und deren Bedeutung im Kontext der Klimaziele. Da­bei zeigt sich, dass die Waldfinanzierung lückenhaft ist und wirtschaftliche Fehl­anreize bestehen, die es erschweren, die Ziele für Schutz und Restaurierung von Wäldern zu erreichen. Darüber hinaus führt der Fonds innovative Elemente ein, insbeson­dere finanzielle Sanktionen für Entwaldung und einen festen Anteil an Direktzahlungen für indigene Völker und lokale Ge­meinschaften.

Von den neuartigen Komponenten der TFFF kann potentiell das gesamte Wald­finanzsystem profitieren. Die Details in der Umsetzung des Fonds werden entscheidend dafür sein, ob es gelingt, Komplementarität gegenüber bestehenden Initiativen zu er­reichen und neben dem Erhalt tropischer Wälder auch deren Restaurierung zu för­dern. Zwar wurden in der aktuellen Kon­zeptversion mehrere Aspekte entsprechend der Kritik von Interessengruppen verbessert. Doch für eine erfolgreiche Umsetzung sind Maßnahmen erforderlich, die mehr Transparenz gewährleisten und mit denen sich Mängel früherer Waldfinanzierungsmechanismen wie JREDD+ vermeiden las­sen. Monitoring, Berichterstattung und Überprüfung (Monitoring, Reporting and Verification) sind wichtig, um Vertrauen wiederherzustellen.

Deutschland ist Mitglied im Interim-Lenkungsausschuss der TFFF. Die Bundes­regierung hat am 17. November 2025 einen zinslosen Beitrag in Höhe von 1,15 Milliar­den US-Dollar zugesagt, was eine substan­tielle Unterstützung des Fonds bedeutet. Nachdem Deutschland schon stark daran beteiligt war, die TFFF auszugestalten, sollte es ebenso zur Umsetzung des Fonds bei­tragen. Dabei gilt es durch strengere Um­weltstandards sicherzustellen, dass die Investi­tionen einzelner Länder tatsächlich zusätz­lichen Klimaschutz generieren und Sozial­standards sowie Haftungsregeln ein­gehal­ten werden.

Das Engagement in der TFFF bietet die Chance, Monitoringstandards zu verbessern. Vorübergehend wird das TFFF-Sekre­tariat durch die Weltbank getragen; eine dauerhafte Lösung zur Anbindung und Kontrolle des Fonds steht noch aus. Unter anderem ist es Aufgabe des Sekretariats, die unabhängigen Prüfinstanzen auszuwählen, die die satellitengestützte Überwachung der Wälder validieren. Die Auswahl und Inter­aktion mit den betreffenden Anbietern ist für die Einhaltung der Monitoringstandards zentral. Dabei handelt es sich in der Regel um externe Akteure, die auf dem etablierten, aber problembehafteten freiwilligen Kohlenstoffmarkt tätig sind. Hier könnte die Chance bestehen, einen Standard zu setzen. Dass materielle Grundlagen ge­schaf­fen werden, ist ein Schritt in Richtung einer kohärenten Waldfinanzierung, doch ohne strenge Überwachung und ein transparentes Auszahlungssystem bleiben Naturschutz und Waldrestaurierung unerreichbar.

Ein umfassender Ansatz für die Waldfinanzierung

Die Herausforderungen, denen sich die TFFF gegenübersieht, unterstreichen die Notwendigkeit einer umfassenden Wald­finanzierung. Für einen erfolgreichen Schutz der Waldbestände muss den Regie­rungen ein wirtschaftliches Argument geliefert werden, mit dem sich begründen lässt, weshalb es einer Politik gegen die Entwaldung bedarf. Zugleich müssen die Mittel ausreichen, um einen Trickle-down-Effekt bis hinunter auf die Ebene der ein­zelnen Landbesitzer:innen zu erzielen. Ergänzend zu den Schutzbemühungen können auch auf Waldrestaurierung aus­gerichtete Mechanismen wie JREDD+, andere Zahlungen für Ökosystem-Dienst­leistungen oder ein möglicher – bislang vorgeschlagener – Reversing Deforestation Mechanism einen Beitrag leisten und Finan­zierungslücken schließen.

Es bestehen verschiedene Initiativen, die nach wie vor wichtig sind, ihre Ziele jedoch verfehlen. Freiwillige Bemühungen allein werden die Lücke in der Waldfinanzierung nicht schließen können. Daher bleibt die Frage, wie sich ein ausreichend großes Finanzierungssystem schaffen lässt, das die Bemühungen um Waldschutz und Wald­restaurierung abdeckt und dabei die Abhän­gigkeit des globalen Klimas von den Wäl­dern in Rechnung stellt.

Internationale Emissionszertifikate – das heißt handelbare Einheiten, die einer Tonne an reduziertem oder entnommenem CO2 entsprechen – sind nun im EU-Klima­ziel für 2040 enthalten. Die Maßnahme hat dazu beigetragen, einen Konsens über die­ses Ziel zu erreichen. Im Trilog zwischen dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission hat die EU beschlossen, dass ab 2036 ein Anteil von »bis zu 5 Pro­zent« der Emissionsreduktionen außerhalb der EU-Grenzen erzielt werden darf. Die Kommission hatte zuvor einen maximalen Anteil von 3 Prozent vorgeschlagen. Der Rat und das Parlament einigten sich auf 5 Pro­zent. In der Resolution, die das Parlament am 10. Februar 2026 gebilligt hat, finden sich zusätzliche Garantien, um die Integri­tät des Emissionshandels zu gewährleisten. Was bei der Umsetzung mit »Zertifikaten hoher Qualität« gemeint ist (wie es in der Resolution heißt), bleibt jedoch weiterhin offen.

Die Einigung bedeutet, dass internationale Zertifikate eine wichtige Rolle in der EU-Klimapolitik nach 2036 spielen werden. Wie erfolgreich die Bemühungen um Emis­sionsminderung sein werden, hängt erheb­lich davon ab, wie streng die Überwachung gemäß Artikel 6 des Pariser Abkommens ausfällt. Diese Zertifikate müssen den höchsten Qualitätskriterien unterliegen, damit das EU-Klimaziel glaubwürdig bleibt – eine Anforderung, die die durchschnittlichen internationalen Emissionsgutschriften derzeit nicht erfüllen. Daher sollte es ein zentrales Anliegen der EU sein, auf der Position des Europäischen Parlaments auf­zubauen und sich für höchste Integrität einzusetzen. Dies könnte erreicht werden, indem man sich von problematischen Emissionsminderungszertifikaten entfernt, innerhalb der 5 Prozent einen Anteil an CO2-Entnahmezertifikaten einführt oder sich für strenge Anforderungen an soziale und ökologische Integrität unter Artikel 6.2 des Pariser Abkommens einsetzt.

Da es sich bei den meisten der im Rahmen von Paris gehandelten Emissionszer­ti­fikate um Gut­schriften aus der Forstwirtschaft handelt, sind die oben beschriebenen Herausforderungen in Bezug auf Monitoringstandards und Landrechte nun un­trennbar mit der Glaubwürdigkeit der EU-Klimaziele verbunden. Da die EU nach wie vor über einflussreiche Steuerungsmöglichkeiten verfügt (deren Niederschlag auch als »Brüssel-Effekt« bekannt ist), bietet das 2040-Ziel jetzt die Chance, den Standard für international gehandelte Emissionszertifikate anzuheben.

Leona Tenkhoff ist Wissenschaftlerin in der Forschungsgruppe EU/Europa der SWP und im Projekt »State of Carbon Dioxide Removal Project«, das von der Quadrature Climate Foundation finanziert wird. Lisa Voigt war bis Dezember 2025 Wissenschaftlerin im Projekt UPTAKE, das von Horizon Europe finanziert wird.

Dieses Werk ist lizenziert unter CC BY 4.0

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ISSN (Print) 1611-6364

ISSN (Online) 2747-5018

DOI: 10.18449/2026A11

(Überarbeitete deutsche Version von SWP Comment 1/2026)