Ronja Kempin

Frankreichs Nuklearstrategie vor der Revision?

SWP-Studie 2004/S 02, Januar 2004, 32 Seiten

Regionen:

Frankreich

Frankreich verfolgt die Modernisierung seiner Atomwaffen mit großer Entschlossenheit. Die bis 2010 geplante Verbesserung der Präzisions- und Penetrationsfähigkeiten der nuklearen Fähigkeiten ist jedoch lediglich die Umsetzung der strategischen Planungen der neunziger Jahre. Die 2001 von Präsident Chirac verkündete Erweiterung der nuklearen Abschreckung gegen Angriffe mit B- und C-Waffen sind in den nuklearen Planungen bis 2008 nicht erfaßt.

Ob und wie Frankreich seine nuklearen Fähigkeiten an diese erweiterte Abschreckungsstrategie anpassen wird, läßt sich angesichts unklarer Aussagen der Regierung nicht eindeutig beantworten. Folgende Ergebnisse sind jedoch festzuhalten:

  • Die französische Nuklearstrategie gründet weiterhin auf der Logik reiner Abschreckung. Dennoch eröffnet sie Paris die Möglichkeit, einen Gegner durch einen gezielten nuklearen Ersteinsatz von seinem Vorhaben abzuhalten, Frankreich anzugreifen.
  • Die gegenwärtige Modernisierung des Nukleararsenals resultiert aus den nuklearen Planungsentscheidungen, die Präsident Chirac 1996 getroffen hat.
  • Während Frankreich diese Entscheidungen umsetzt, baut es gleichzeitig seine konventionellen Fähigkeiten deutlich aus. Dabei relativiert es die Stellung, die die nukleare Abschreckung bislang in der Verteidigung eingenommen hat, und erweitert die nukleare um eine konventionelle Abschreckung. Das Zusammenspiel nuklearer und konventioneller Fähigkeiten und damit die Frage der zukünftigen Ausrichtung der Nuklearstrategie ist Gegenstand einer Diskussion, in der die Staatsspitze bislang keine eindeutige Position bezogen hat.
  • Die technischen Voraussetzungen zum Bau neuer, kleinerer Sprengköpfe sollen spätestens bis zum Jahr 2010 geschaffen sein. Weitere Modernisierungen und Flexibilisierungen des bestehenden Nukleararsenals sind dann möglich.

SWP-Aktuell

Steffen Angenendt, Anne Koch
Wie Deutschland den Globalen Pakt für Migration nutzen kann

Chancen für nationale Reformen und internationale Zusammenarbeit


Günther Maihold, Philipp Wesche
Kolumbien auf dem Weg zum Minimalfrieden

Der Friedensprozess gerät ins Stocken