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Die »Achse des Widerstands«

Irans Expansion im Nahen Osten stößt an Grenzen

SWP-Studie 2021/S 08, 02.07.2021, 36 Seiten

doi:10.18449/2021S08

Forschungsgebiete

Dr. Guido Steinberg ist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten

  • Die Islamische Republik Iran hat ihren Einfluss im Nahen Osten seit 2011 stark ausgeweitet. Doch hat diese Expansion ihren Höhepunkt schon 2018 erreicht. Seitdem tritt sie in eine neue Phase, in der Teheran zwar keine strategischen militärischen Rückschläge erlebt, aber an Grenzen stößt.

  • Das größte grundsätzliche Problem Irans ist, dass seine Verbündeten im Libanon, Syrien, Irak und Jemen mehrheitlich und in erster Linie militä­rische und terroristische Akteure sind. Es gelingt ihnen zwar häufig, in bewaffneten Auseinandersetzungen Erfolge zu erzielen. Doch erweisen sie sich anschließend als unfähig, für politische und wirtschaftliche Stabi­lität zu sorgen.

  • Die beste Option für die deutsche und die europäische Politik ist die einer Eindämmungsstrategie, deren langfristiges Ziel das Ende der iranischen Expansion in den vier genannten Ländern ist, die aber kurzfristig auf der Einsicht beruht, dass Teheran und seine alliierten Akteure in einer starken Position sind.

  • Ein Bestandteil einer Eindämmungsstrategie wäre eine möglichst weit­gehende Isolierung und Sanktionierung der bewaffneten Kooperationspartner Irans. Hierzu gehört die Aufnahme der libanesischen Hisbollah, der Hisbollah-Bataillone, der Asa’ib Ahl al-Haqq und weiterer iranloyaler Milizen und ihres Führungspersonals auf alle relevanten Terrorismus­listen.

  • Es sollte überlegt werden, ob iranische Institutionen und Akteure, die an der Expansionspolitik im Nahen Osten beteiligt sind, ebenfalls als terroris­tisch gelistet werden müssen. Die enge Bindung des Quds-Korps – das für Irans Politik gegenüber den arabischen Nachbarn federführend ist – an unzweifelhaft terroristische Organisationen wie die libanesische Hisbollah legt einen solchen Schritt nahe.

Problemstellung und Schlussfolgerungen

Die Islamische Republik Iran hat ihren Einfluss im Nahen Osten seit 2011 stark ausgeweitet: In Syrien trug die Intervention Teherans an der Seite Russlands ab 2015 dazu bei, dass das Assad-Regime den Bürger­krieg im Land für sich ent­scheiden konnte. Im Irak halfen iranische Militärberater und iranisch kontrollierte einheimische Milizen beim Kampf gegen die Organisation Islamischer Staat (IS). Im Jemen schließ­lich baute die Islamische Republik ihre Unterstützung für die Huthi-Rebellen seit 2014 so weit aus, dass sich diese im Krieg gegen Saudi-Arabien und die Ver­einigten Ara­bischen Emirate (VAE) behaupten konnten.

Ab 2015 wechselte Iran in die Offensive. In Syrien versuchte sich das iranische Militär festzusetzen, auch mit dem Ziel, eine »zweite Front« im Kon­flikt mit Israel zu errichten. Dafür stattete es seinen Ver­bündeten, die Hisbollah, mit mehr und zielgenaueren Raketen aus. Im Irak sicherten irantreue und vom Quds-Korps angeführte Milizen ab 2018 die »Land­brücke«, über die Personal, Ausrüstung und Waf­fen von Iran Richtung Südsyrien und Libanon transportiert wurden. Außerdem griffen sie US-Truppen im Land an, um deren Abzug zu erzwingen. Im Jemen schließlich attackierten die mit Teheran verbündeten Huthis ab 2017 mit iranischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen saudi-arabische Ziele.

Wichtige Alliierte der USA im Nahen Osten fordern schon seit langem ein entschlossenes Vorgehen gegen die Islamische Republik und ihre »Achse des Wider­stands«, wie das Netz von verbündeten Armeen, Mili­zen, Terrorgruppen, Parteien und Persönlichkeiten von Teheran oft genannt wird. Saudi-Arabien und die VAE intervenierten 2015 im Jemen, um einen Sieg der Huthi-Rebellen zu verhindern. Israel greift seit 2017 Ziele in Syrien und im Irak an, um den Aufbau der »zweiten Front« und der »Landbrücke« zu unter­binden. Der neue US-Präsident Joe Biden hat deshalb wiederholt erklärt, dass er in Verhandlungen über das Atomprogramm Irans auch dessen Expansion zum Thema machen will. Und auch europäische Regierun­gen haben in den letzten Jahren mehrfach deutlich gemacht, dass sie im Vorgehen der Islamischen Repu­blik im Libanon, in Syrien, im Irak oder Jemen ein Problem sehen.

All dies lässt darauf schließen, dass die Politik Irans gegenüber seiner westlichen Nachbarschaft und der Umgang damit in nächster Zeit auf internatio­naler Bühne zu einem wichtigen Thema werden wird: entweder als Teil von Verhandlungen mit Teheran oder als ein Problem, mit dem sich Deutschland und Europa in anderer Weise befassen müssen. Die Ereig­nisse werfen aber die Frage nach der aktuellen Stärke Irans im Libanon, in Syrien, dem Irak und Jemen auf. Hat die iranische Expansion ihren Zenit bereits über­schritten und befindet sich im Niedergang oder ge­lingt es Teheran, seine Erfolge der letzten Jahre zu sichern?

In der Gesamtschau wird deutlich, dass die iranische Expansion ihren Höhepunkt 2018 erreichte und seit­dem in eine neue Phase tritt, in der Teheran zwar keine strategischen militärischen Rückschläge erlebt, aber an Grenzen stößt. Das größte grundsätzliche Pro­blem der Islamischen Republik ist, dass ihre Verbün­deten meist militärische und terroristische Akteure sind. Es gelingt ihnen zwar häufig, in bewaffneten Auseinandersetzungen Erfolge zu erzielen. Doch erweisen sie sich anschließend als unfähig, ihren so erkämpften Einfluss einzusetzen, um für politische und wirtschaftliche Stabilität zu sorgen. Dies zeigt sich beispielsweise im Libanon und im Irak, wo verschiedene iranloyale Kräfte in der Politik faktisch ein Vetorecht innehaben und die Ressourcen der Länder nutzen, ohne dass ein Interesse an einem funktionsfähigen Staat erkennbar würde. Einerseits sind diese Akteure mili­tärisch so stark, dass sie nicht von der Macht vertrie­ben werden können, andererseits aber drohen die von ihnen beherrschten bzw. blockierten Staaten politisch und wirtschaftlich zu scheitern und bleiben chronisch instabil. Trotzdem gelingt es ihren Gegnern nicht, sie irgendwo in nen­nenswertem Umfang zurückzudrängen. Dies liegt bisher vor allem an der militärischen Stärke der Hisbollah, der irakischen Milizen und anderer pro­iranischer Akteure. Diese Ausgangslage führt in den meisten Ländern zu einem Patt:

  • Im Libanon ist die Hisbollah nach Jahren des Ein­satzes in Syrien mächtiger und schlagkräftiger denn je und mit ihren Raketen- und Drohnen nach wie vor die gefährlichste Bedrohung für Israel. Gleichzeitig verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage aufgrund von Korruption, Misswirtschaft und den Folgen des Krieges so sehr, dass Ende 2019 eine starke Protestbewegung entstand, die sich auch gegen die Hisbollah richtete. Doch gelang es den Demonstranten nicht, den Einfluss der Schiitenpartei zu schmälern. Die Hisbollah bleibt die ton­angebende militärische Kraft im Land, die darüber Reformen in der Politik in Beirut verhindert.

  • In Syrien hat Präsident Bashar al-Assad den Bürger­krieg mit iranischer (und russischer) Hilfe zwar ge­wonnen, doch Teile des Landes sind immer noch nicht unter seiner Kontrolle. Zudem ist die Wirtschaftslage so schlecht, dass eine Stabilisierung des Landes in weite Ferne rückt. Im Jahr 2017 begann die israelische Armee mit Angriffen, was zur Folge hatte, dass Iran seine Präsenz seit 2018 nicht mehr sichtbar ausbauen kann. Gleichzeitig gibt es keine Anzeichen dafür, dass Iran von seinem Vorhaben, dem Ausbau der Landbrücke und der Errichtung der zweiten Front, ab­rückt und die Lieferung von mehr und besseren Raketen an die Hisbollah ein­stellt.

  • Im Irak ist Iran aufgrund der neuen Stärke iran­treuer Milizen und ihrer politischen Flügel so mächtig wie nie zuvor. Zwar gab es zwischen Ok­to­ber 2019 und April 2020 eine Reihe von Protesten gegen die Verbündeten Irans, doch konnten die Demonstranten die proiranischen schiitischen Kampfgruppen und Parteien nicht entscheidend schwächen. Teheran ließ sogar zu, dass im Mai 2020 mit Mustafa al-Kazimi ein Politiker das Amt des Ministerpräsidenten übernahm, der eher iran­kritisch agiert. Aber dessen Versuch, die proiranischen Milizen zurückzudrängen, scheiterte schon im Ansatz. Diese unterliegen keinerlei Über­wachung oder Einschränkung von Seiten der Re­gierung in Bagdad und kontrollieren alle irakischen Teile der Landbrücke.

  • Die Beziehung Irans zu den Huthis im Jemen ist seit 2014 immer enger geworden. Mit Hilfe der Rebellen, die immer wieder die kritische Infrastruktur und Bevölkerungszentren Saudi-Arabiens angreifen, hält die Islamische Republik das Königreich recht erfolgreich in Schach. Da die Huthis im Jemen militärische Vorteile erringen konnten und Saudi-Arabien unter dem Druck der Regierung Biden steht, den Krieg zu beenden, bietet das Land am Golf von Aden weiterhin militärische Expan­sionsmöglichkeiten. Doch wird es den Huthis nicht gelingen, auch den Süden des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Hinzu kommt die katastrophale Wirtschaftslage, die dazu beitragen wird, dass der Jemen auf Jahre hinaus ein gescheiterter Staat – und damit auch ein schwacher Verbündeter – bleiben wird.

Das Quds-Korps: Anführer der Achse des Widerstands

Die »Achse des Widerstands« (pers. mehwar-e moqa­wemat, arab. mihwar al-muqawama) ist ein wichtiger Bestandteil der iranischen Militärstrategie. Diese fußt größtenteils auf asymmetrischen Instru­menten, denn die iranischen Truppen sind sich der eigenen konven­tionellen Schwäche bewusst und planen deshalb für den Ernstfall, eine direkte Konfrontation mit einem überlegenen Gegner zu vermeiden. Das iranische Militär bereitet sich auf verschiedene Szenarien vor, darunter seit Mitte der 2000er Jahre auf das einer groß angelegten (US-amerika­nischen) Invasion ira­nischen Territoriums, die nach dem Krieg der USA im Irak 2003 denkbar schien. Seit Ende der 2000er Jahre ist aber vor allem das Szenario einer Bedrohung durch israelische und / oder amerika­nische Luft­angriffe unterschiedlicher Breite und Intensität auf Einrichtungen des Atom­programms plausibel ge­wor­den. Um solchen Attacken entgegen­treten zu können, setzt die iranische Militärführung erstens auf bal­lis­tische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen, die sie im Kriegsfall gegen die US-Streitkräfte und die Verbündeten der USA in der Region – also Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die kleinen Golfstaaten – einsetzen würde.

Und zweitens unterhält Iran zu diesem Zweck enge Beziehungen zu einem Bündnis substaatlicher Akteure wie der libanesischen Hisbollah, den schii­tischen Milizen im Irak, den afghanischen und pakis­tanischen Freiwilligentrupps sowie den jemenitischen Huthis. Alle diese Organisationen eint eine antiwestliche und antiisraelische Weltanschauung. Im Kon­fliktfall wäre es ihre Aufgabe, die regionalen Gegner der Islamischen Republik mit iranischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen zu beschießen. Die Führung in Teheran und die Verbündeten nennen diese Allianz – zu der auch das Regime von Bashar al-Assad gezählt wird – seit 2004 immer öfter »Achse des Widerstands«. Das übergeordnete Ziel des Bünd­nissystems ist der Schutz der Islamischen Republik vor den USA, Israel und prowestlichen Staaten im Nahen Osten wie Saudi-Arabien. Die Führung in Teheran behauptet zwar, die von ihr geknüpfte Al­lianz habe defensiven Charakter, doch seit 2012 setzt das iranische Militär auf eine Strategie der »Vorne­verteidigung«, der zufolge der Iran seine Feinde jenseits der eigenen Grenzen bekämpfen muss, um einen Konflikt im eigenen Land zu ver­hindern.1 Da die Eliten der Islamischen Republik nach eigener Aussage dafür sorgen wollen, dass sich die USA durch anhaltenden »Widerstand« – so eine ihrer Lieblings­vokabeln – aus dem Nahen und Mitt­leren Osten zurückziehen und Israel zerstört wird, hat diese Strategie eine stark offensive Note. Iran will eine Revision der machtpolitischen Ordnung im Nahen Osten und die eigene Hegemonie in der Region.

Der politische und weltanschauliche Kopf der »Achse des Widerstands« ist der iranische Oberste Führer Ali Khamenei, dessen militärisch-geheim­dienstlicher Apparat die iranische Sicherheitspolitik dominiert. Militärisch wird das Bündnis vom Quds-Korps (pers. Niru-ye Qods, arab. Failaq al-Quds) ge­führt, einer Teilstreitkraft der iranischen Revolutions­garden.2 Die Garden sind eine allein dem Revolu­tionsführer unterstehende politisch-ideologische Truppe, die 1979 in Konkurrenz zur konventionellen Armee (pers. Artesh) gegründet wurde, weil der Archi­tekt der Islamischen Revolution, Ruhollah Khomeini, einen Staatsstreich des Militärs fürchtete. Die Aufgabe der Revolutionsgarden ist seitdem der Schutz der Islamischen Republik vor ihren inneren und äußeren Gegnern. Während des Iran-Irak-Krieges (1980–1988) wurden die Garden zum dominierenden militärischen Akteur des Landes. Ihre Anführer geben seither auch die Richtung in der Strategiedebatte des Landes vor und fungieren als wichtigste sicherheitspolitische Berater des Obersten Führers. Ab den 1990er Jahren profitierten die Revolutionsgarden von der Förderung durch den militäraffinen Nachfolger Khomeinis, Ali Khamenei. Ihre Kommandeure – Mohsen Rezai (1981–1997), Yahya Rahim Safawi (1997–2007), Mohammad Ali Jafari (2007 bis April 2019) und der seither amtierende Hossein Salami – gehören zu den wichtigsten öffentlichen Persönlichkeiten des Re­gimes und des rechtskonservativen Lagers in der iranischen Politik. Die Revolutionsgarden zählen heute 125 000 Mann.3

Der Auftrag des Quds-Korps ist es, in der arabischen Welt und in Afghanistan, vereinzelt aber auch darüber hinaus, ideologische und militärische Ver­bündete für die »Achse des Widerstands« zu identi­fizieren, aufzubauen und langfristig mit Beratung, Ausbildung, Führung und Geld zu unterstützen.4 Obwohl es Teil der Garden ist und damit als militärische Einheit gelten kann, ist das Quds-Korps eine hybride Struktur, die sich militärisch-terroristischer, geheimdienstlicher und politischer Mittel bedient. Wie die Spezialkräfte vieler Armeen trainiert und berät das Korps Kämpfer verbündeter Organisationen und führt sie im Kampf an, wie ein Geheimdienst versorgt es diese mit Geld, Waffen und Informationen und wie eine Regierung entsendet es diplomatisches Personal. Die iranischen Botschafter im Irak, Syrien, Libanon und im Jemen sind meist Offiziere des Quds-Korps.5

Für sich genommen ist das Quds-Korps wenig schlagkräftig. Dies zeigt sich schon an seiner geringen Personalstärke. Die dürfte heute zwar bei mehr als 15 000 Mann liegen. Doch ist diese Zahl das Ergebnis eines Wachstumsprozesses, der in den 1990er Jahren mit etwa 5 000 Mann begann, bevor die Aktivitäten der Eliteeinheit in drei Etappen – ab 1996/97, nach 2003 und nach 2011 – ausgeweitet wurden.6 Die Zahl von 15 000 ist immer noch nicht hoch, wenn man das weite Operationsgebiet des Quds-Korps be­trachtet. Die besondere Stärke der Einheit liegt denn auch im Management verbündeter Kräfte (engl. »proxy forces«). Viele Staaten, die sich solcher Stell­vertretergruppen bedienen, machen im Lauf der Zeit die Er­fahrung, dass diese abweichende Interessen entwickeln und sich auf Dauer nur schwer kontrol­lieren lassen. Nicht so Iran, das seit langer Zeit, näm­lich seit den frühen 1980er Jahren, mehrere loyale »proxies« führt – die libanesische Hisbollah und das irakische Badr-Korps. Die gemeinsame Religion und Ideologie dürften ein Grund für die beharrliche Loyalität einiger dieser Gruppierungen sein. Hinzu kommen die strategische Geduld, Professionalität und Verläss­lichkeit des Quds-Korps. Auch die teils sehr langen Stehzeiten der Führungspersönlichkeiten und Offiziere der Einheit stellen einen begünstigenden Faktor dar, wenn es darum geht, langfristig belastbare Bündnisse zu schmieden.

Insgesamt ist das Quds-Korps eine Organisation mit vielen Offizieren – wie sich beispielsweise an den Berichten über die häufigen Verluste von Brigade­generälen, Obersten oder Majoren in Syrien ablesen lässt. Der Einsatz einer hohen Zahl an Offizieren ist ein Beleg dafür, dass Angehörige des Quds-Korps vor allem als Kommandeure, Berater und Ausbilder fungieren und die jeweiligen Verbündeten das Gros der Truppen (und damit der niedrigeren Dienstgrade) stellen. Ein weiterer Grund kann die egalitäre Tradi­tion der Revolutionsgarden sein, die erst nach Ende des Iran-Irak-Krieges 1988 und trotz des Widerwillens in den eigenen Reihen Rangabzeichen einführten. Die Angehörigen der Garden sahen sich offenbar mehr als revolutionäre islamische Bruderschaft denn als mili­tärische Formation.7 Diese Tradition scheint auch heute noch im Quds-Korps nachzuwirken, das als eine Art Elitetruppe innerhalb der Garden gilt. Das hat mit dem Auftrag der Einheit und dessen Bedeutung für die iranische Politik zu tun, erklärt sich aber auch damit, dass sein Per­sonal besonders vielseitig militärisch und geheimdienstlich ausgebildet wird.

Die Anfänge des Quds-Korps, wie es sich heute darstellt, gehen auf die frühen 1990er Jahre zurück. Damals war das Korps noch Teil der Landstreitkräfte der Revolutionsgarden. Sein Aufstieg begann vor dem Hintergrund zunehmender Instabilität in der Nach­barschaft Irans. Diese kündigte sich bereits 1996 an, als die (anti-schiitischen und anti-iranischen) Taliban große Teile Afghanistans eroberten und Teheran als Reaktion darauf die von Ahmed Shah Masud (1953–2001) geführte Nordallianz unterstützte – wobei das Quds-Korps die Federführung übernahm. Es hatte Anteil daran, dass das Bündnis sich in den folgenden Jahren halten und eine vollständige Eroberung Afghanistans durch die Taliban verhindern konnte.

Spätestens im März 1998 übernahm Brigadegeneral Qassem Soleimani das Kommando über die Einheit, managte fortan die Afghanistan-Politik der Islamischen Republik und wurde innerhalb weniger Jahre zu einem prominenten Kommandeur.8 Schon 2005 nannte Ali Khamenei Soleimani einen »lebenden Märtyrer der Revolution«, eine Äußerung, die unter anderem dafür sorgte, dass der General ein immer größeres öffentliches Interesse auf sich zog.9 Die Bedeutung des Quds-Korps und seines Kommandeurs wuchs erneut nach der US-Intervention im Irak 2003. Teheran sah sich bedroht, weil Hunderttausende US‑Truppen in zwei unmittelbaren Nachbarstaaten (Irak und Afghanistan) präsent waren. Das Quds-Korps begann damals, den iranischen Einfluss auf die irakische Politik aus­zubauen und schiitische Terror­gruppen in den Kampf gegen das US-Militär zu schicken.10 Die Einheit hatte auch maßgeblichen An­teil am Erfolg der Hisbollah im Sommerkrieg gegen Israel 2006. Trotz massiver Angriffe konnte sich die Hisbollah halten und bis zum letzten Tag des Krieges Raketen auf israelisches Territorium abschießen.11

Ab 2011 wurde das Quds-Korps zum Träger der iranischen Expansion im Nahen Osten.

Die bemerkenswerten Leistungen des Quds-Korps trugen mit dazu bei, dass es 2009 organisatorisch aus den Landstreitkräften ausgegliedert wurde und fortan als eigenständige Teilstreitkraft der Revolutions­garden firmierte. Soleimani wurde ungefähr zeit­gleich zum Generalmajor befördert, dem faktisch höchsten Dienst­grad der Truppe. Er war damit direkt dem Obersten Führer unterstellt und gehörte zumindest für den Aufgabenbereich seiner Einheit zu den wichtigsten sicherheitspolitischen Beratern Khameneis. Ab 2011 wurde das Quds-Korps zum Träger der iranischen Expansion im Nahen Osten. Dabei weitete es seinen militärischen Operationsraum aus, denn zu den bisherigen Schwerpunkten Libanon und Irak kamen Syrien und der Jemen hinzu. Gleichzeitig wuchs nicht nur das Portfolio verbündeter Organisationen – neu hinzu stießen zum Beispiel Milizen unterschiedlicher Pro­venienz in Syrien und die Huthi-Rebellen im Jemen –, sondern auch die Zahl der durch das Quds-Korps angeführten, ausgebildeten, ausgerüsteten und finanzierten Kämpfer. Einer Schätzung zufolge stieg deren Gesamtstärke von 110 000 bis 130 000 Mann im Jahr 2011 auf 140 000 bis etwa 180 000 Mann im Jahr 2018.12 Die Revolutionsgarden selbst prahlten, dass das Quds-Korps alleine in Syrien 60 »Brigaden« mit 70 000 Kämpfern neu aufgestellt habe.13 Die iran­loyalen Kombattanten kamen außer aus dem Libanon und dem Irak nun vermehrt aus Syrien, aber auch aus Afghanistan und sogar aus Pakistan. Die Aus­weitung seiner Aufgaben dürfte auch zu einem neuerlichen Anwachsen der Personalstärke des Quds-Korps nach 2011 auf mehr als 15 000 Mann geführt haben. Parallel erhöhten sich die Verluste, da die iranischen Kommandeure und Berater häufig mit an vorderster Front oder zumindest im Kampfgebiet dabei waren. In Syrien verloren die Iraner ab 2011 über 2 000 Mann – zunächst nur im Kampf gegen die sunnitischen Aufständischen, ab 2018 auch infolge israelischer Angriffe. Nur ein Teil der Toten gehörte jedoch zum Quds-Korps, ein anderer zu anderen Ein­heiten der Revolutionsgarden und der Armee, die zur Unterstützung der Eliteeinheit nach Syrien geschickt worden waren. Zu den Opfern zählten mehrere hohe Offiziere.14

Gemeinsam mit alten und neuen Verbündeten operierte das Quds-Korps in Syrien immer mehr als Anführer einer transnationalen schiitischen Armee.

Vor allem der Krieg in Syrien bewirkte eine Transformation des Quds-Korps zu einem stärker militärisch handelnden Akteur. Gemeinsam mit alten und neuen Verbündeten operierte das Korps immer mehr als Anführer einer transnationalen schiitischen Armee, die Territorium einnimmt und anschließend hält, Front- und Verbindungslinien ebenso wie Gren­zen sichert und neue Fronten aufbaut. Dies war seit 2017 insbesondere im Zusammenhang mit der »Land­brücke« nach Syrien und in den Libanon und der »zweiten Front« an der Golangrenze zu beobachten. Das Quds-Korps und die Milizen errichteten Stützpunkte entlang strategisch zentraler Verbindungsstraßen.15 Wichtige Abschnitte der irakischen Grenze zu Iran werden von iranloyalen irakischen Milizen kontrolliert.

Unbestrittenes Gravitationszentrum des Bündnisses war bis zu seinem Tod im Januar 2020 General Soleimani. Soleimani war nicht nur der charismatische Anführer des Quds-Korps und der Achse des Wider­stands, sondern auch deren öffentliches Aus­hängeschild. Ab 2014 veröffentlichte das Quds-Korps wieder­holt Bilder und Videos, die Soleimani in Syrien und im Irak beim Besuch irantreuer Milizen an der Front oder in deren Quartieren zeigten, zusammen mit den wichtigsten Kommandeuren, aber auch mit einfachen Kämpfern. So demonstrierten die Iraner ihren Gegnern, dass die Revolutionsgarden weit jen­seits der iranischen Grenzen auf dem Vormarsch waren. Soleimani scheint nicht damit gerechnet zu haben, dass die USA und / oder Israel seine häufigen halböffentlichen Auftritte zu einem Angriff auf seine Person nutzen würden – möglicherweise weil er auch regulärer Militär war und / oder weil Israel be­stehende Gelegenheiten ausgelassen hatte.16 Trotzdem starb er am 3. Januar 2020 beim Angriff einer US-Drohne auf seinen Fahrzeugkonvoi in Bagdad.

Der Verlust Soleimanis war für das Quds-Korps nur schwer zu ersetzen. Immerhin hatte der Kommandeur die Einheit seit 22 Jahren geführt und dabei von seiner engen Bindung an den Obersten Führer Khamenei und seinen teils über Jahrzehnte auf­gebauten persönlichen Kontakten zu den militäri­schen Köpfen der Achse des Widerstands profitiert. Die iranische Führung setzte auf mehrere Persönlich­keiten, die die Rolle des getöteten Generalmajors fortan ausfüllen sollten. An erster Stelle ernannte sie Soleimanis langjährigen Stellvertreter Brigadegeneral Esmail Qaani zu seinem Nachfolger. Wie sein Vor­gänger hatte dieser bereits während des Iran-Irak-Krieges Karriere als Divisionskommandeur der Revo­lutionsgarden gemacht. Anschließend war Qaani unter anderem stellvertretender Kommandeur ihrer Landstreitkräfte. Als Soleimanis Stellvertreter wirkte er im Hintergrund. Er übernahm vor allem adminis­trative Aufgaben und kümmerte sich um die Einsätze des Quds-Korps jenseits der iranischen Ostgrenze in Afghanistan und Pakistan.17 Nach seiner Berufung zu Soleimanis Nachfolger scheint er zunächst einige Schwierigkeiten gehabt zu haben, die Kontrolle über die schiitischen Milizen im Irak zu bewahren. In der Presse wurden vor allem seine mangelnden arabischen Sprachkenntnisse und die fehlenden engen persönlichen Beziehungen zu arabischen Kommandeuren als Manko genannt.18 Beobachtern zufolge soll deshalb zumindest zeitweilig der Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah beauftragt worden sein, unter den arabischen Verbündeten Irans für Kohäsion zu sorgen.19

Auch Qaanis neuer Stellvertreter, Brigadegeneral Mohammad Hejazi, dürfte einige der Defizite seines Chefs ausgeglichen haben. Hejazi war – er starb überraschend im April 2021 – bekannter als Qaani, denn er hatte früher nicht nur als Kommandeur der Basij-Milizen (1998–2007) gedient, sondern anschließend auch als stellvertretender Kommandeur der Garden insgesamt und stellvertretender Generalstabschef.20 Der wichtigste Grund für seine Ernennung dürfte aber seine Libanon-Erfahrung gewesen sein. Israelischen Informationen zufolge war er in den Jahren vor seiner Ernennung für die Ausrüstung der Hisbollah mit präziseren Raketen zuständig – eines der wichtigsten Projekte des Quds-Korps überhaupt.21 In jedem Fall mehrten sich im Laufe des Jahres die Hinweise, dass das Korps die Beziehungen zu den Milizen im Libanon, Syrien und Irak wieder effektiv managte. Die von der Quds-Einheit angeführte Allianz blieb trotz des Verlusts ihrer wichtigsten Führungs­figur intakt und schlagkräftig.

Die Hisbollah im Libanon: Juniorpartner des Quds-Korps

Die libanesische Hisbollah ist bis heute der wichtigste nichtstaatliche Verbündete Irans und die prominenteste Erfolgsgeschichte des Ausgreifens der Islamischen Republik auf die Region. Dabei hat die Bedeu­tung der Organisation für Iran im Laufe der Zeit noch zugenommen, denn sie besetzt nicht nur die vor­derste Front im Kampf gegen Israel, sondern hilft dem Quds-Korps seit bald zwei Jahrzehnten dabei, Verbün­dete unter anderem in Syrien, im Irak und im Jemen zu mobilisieren, auszubilden und anzuführen. Auch die herausragende Position des Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah hat dazu beigetragen, dass aus der libanesischen Miliz ein Juniorpartner des Quds-Korps in der Führung der Achse des Widerstands geworden ist. Wie eng die Verbindung zwischen Teheran und Süd-Beirut ist, wo die Hisbollah ihr Hauptquartier hat, zeigt sich unter anderem daran, dass es auch in Krisenzeiten nie fundierte Berichte über Meinungs­unterschiede zwischen beiden gab. Dass die Hisbollah ab Oktober 2019 unter Druck geriet, lag vor allem an der Neigung weiter Teile der libanesischen Bevölkerung, sie und ihre Verbündeten in der libanesischen Politik für die Wirtschaftskrise des Landes (mit-)ver­antwortlich zu machen.

Die Revolutionsgarden hatten großen Anteil an der Gründung der Organisation im Jahr 1982. Sie bildeten zahlreiche Kämpfer der neuen Gruppierung aus, die von Beginn an Waffen und Geld aus Teheran erhielt. Die Hisbollah dankt es mit Linientreue und war die erste nicht-iranische Organisation, die sich zu dem von Ayatollah Ruhollah Khomeini (1902–1989) ent­wickelten Konzept der Herrschaft des Rechtsgelehrten (pers. velayat-e faqih, arab. wilayat al-faqih) bekannte. Dem zufolge übernimmt in Abwesenheit des zwölften Imam Muhammad al-Mahdi (der im Jahr 941 ver­schwand und von den Zwölferschiiten am Ende der Zeiten als Messias-ähnliche Figur wiedererwartet wird) ein Religionsgelehrter die religiöse und poli­tische Führung des islamischen Staates. Bis zu seinem Tod 1989 war Khomeini die oberste religiöse und poli­tische Autorität Irans und der Hisbollah. Heute ist es sein Nachfolger Ali Khamenei.

Die Treue der Hisbollah zum Iran hat zum einen ideologische Gründe; zum anderen ist sie schlicht auf die finan­zielle Hilfe von Seiten Teherans zurückzuführen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Quds-Korps und der Hisbollah war von Beginn an eng. Soleimani und Nasrallah bildeten seit Mitte der 2000er Jahre das Führungsduo der Achse des Widerstands. Nasrallah (geb. 1960) hatte die Leitung der Organisation als ihr dritter Generalsekretär schon 1992 übernommen. Seine Autorität und seine Reputation wuchsen mit dem Rückzug der israelischen Truppen aus dem Süd­libanon im Mai 2000 und der Selbstbehauptung der Hisbollah im Krieg von 2006. Aufgrund dieser Erfolge und seines beträchtlichen Charismas (er ist ein begeis­ternder Redner) wurde Nasrallah in den 2000er Jah­ren zu einem der populärsten Politiker der arabischen Welt. Sein Ansehen leidet jedoch seit 2011 unter der Intervention seiner Organisation in Syrien. Denn diese zeigt, dass die Hisbollah sich nicht nur, wie sie selbst bis heute behauptet, dem »Widerstand« gegen Israel verschrieben hat, sondern auch bereit ist, ihre Gegner und die Irans im Libanon und in Syrien und darüber hinaus zu bekämpfen und sich so zum In­strument iranischer Hegemonialpolitik zu machen.22

Die außerordentliche Treue der Hisbollah zum Iran hat zum einen ideologische Gründe; zum anderen ist sie aber schlicht auf die finanzielle Unterstützung durch Teheran zurückzuführen. Wie stark die Abhän­gigkeit der Hisbollah von Iran ist, bestätigte Hassan Nasrallah im Juni 2016, als er öffentlich sagte: »Das Budget der Hisbollah, ihr Lebensunterhalt, ihre Aus­gaben, ihr Essen, ihr Trinken, ihre Waffen und ihre Raketen stammen von der Islamischen Republik Iran […] Solange Iran Geld hat [der Sprecher lacht, Anm. des Verf.], haben wir Geld.«23 Schätzungen zufolge beliefen sich die finanziellen Transfers vor 2006 in der Regel auf rund 100 Millionen US-Dollar pro Jahr. Doch in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Libanonkrieg sollen die iranischen Zahlungen auf bis zu eine Milliarde Dollar gestiegen sein, um der His­bollah die Reorganisation und den Wiederaufbau des zerstörten Südlibanon zu ermöglichen.24 Kurz vor Beginn des Syrien-Krieges nannten die meisten Be­rech­nungen jedoch nur noch eine Summe von 200 Millionen US-Dollar, die der Iran jährlich über­weist. Hinzu kamen und kommen andere Leistungen, wie Waffenlieferungen, Ausbildung und logistische sowie geheimdienstliche Unterstützung.25 Einige Quellen berichteten von zusätzlicher Hilfe von Seiten Syriens.26 Diese dürfte mit dem Beginn des Kriegs im Nachbarland 2011 indes nicht mehr geflossen sein. Stattdessen erhöhte Iran seine Zuwendungen, die US‑amerikanischen Angaben zufolge zur Hochzeit des Syrien-Krieges bei etwa 700 Millionen Dollar ge­legen haben sollen.27

Trotz der iranischen Großzügigkeit gab es in der Vergangenheit wiederholt Nachrichten über finan­ziel­le Engpässe. Diese sind größtenteils darauf zurück­zuführen, dass die Organisation in den 2000er Jahren ihre politischen und sozial-karitativen Aktivitäten ausweitete, um ihre Machtbasis im Libanon zu kon­solidieren. Zudem schlugen ab 2011 die Kosten für den Militäreinsatz in Syrien zu Buche, die nicht voll­ständig von Iran übernommen wurden. Wie abhängig die Hisbollah war und ist, zeigte sich, als Iran seine Zahlungen unter dem Druck neuer US-Sanktionen ab 2018 und der sich verschlechternden Wirtschaftslage offenbar reduzierte. Im Laufe des Jahres 2019 mehr­ten sich Berichte, dass die Hisbollah ihre Akti­vitäten im Libanon deutlich zurückfahren musste.28 Alle mili­tärischen Unternehmungen, die aus Sicht der Hisbollah und Teherans sicherheitspolitisch notwendig sind, wurden jedoch auch in dieser Krisenphase fortgesetzt.

Das ab 2006 beträchtlich erhöhte Budget ermöglichte es der Hisbollah, ihre Kämpferzahlen ebenfalls zu erhöhen. In den frühen 2000er Jahren hatte sie nur wenige Tausend Mann unter Waffen.29 Nach 2006 wuchs deren Zahl stark an, ein Trend, der sich ab 2011 beschleunigte, weil die Hisbollah begann, Personal in größerer Zahl nach Syrien zu entsenden. Heute dürfte die Organisation ungefähr 20 000 bis 30 000 vollausgebildete aktive Kämpfer unter Waffen haben. Hinzu kommen noch einmal 20 000 bis 25 000 »Reservisten« und Hilfstruppen, die allerdings auch immer wieder nach Syrien geschickt werden.30 Die Verluste dort waren so hoch, dass die Hisbollah ihre Rekrutierungsbemühungen intensivieren musste. Einigen Berichten zufolge machte sie dabei Abstriche bei den (traditionell hohen) religiös-ideologischen und physischen Anforderungen an die neuen Kämpfer.

Ab 2011 wurde die Hisbollah für den Iran zu einem immer wichtigeren Bindeglied zu den Arabern.

Die Hisbollah entsandte ihre Mitglieder nicht nur ins Nachbarland, um dort auf der Seite des Assad-Regimes zu kämpfen und syrische Milizen auf­zubauen und anzuführen. Sie schickte ab 2011 ver­stärkt auch Personal in den Irak und Jemen und wurde so zu einem immer wichtigeren Bindeglied zwischen Iranern und Arabern. Die gemeinsame Sprache und Kultur erleichtern es der Hisbollah, für die Revolutionsgarden Iraker, Syrer, Jemeniten und andere Araber militärisch und ideologisch auszubilden und zu beraten oder gar mit ins Gefecht zu zie­hen. Dies hatte sich schon während des Konflikts im Irak gezeigt, wo das Quds-Korps ab 2003 schiitische Gruppen in den Kampf gegen die amerikanischen Besatzungstruppen beorderte – und Hisbollah-Kom­mandeure nachgewiesen wurden.31 Auch in den 2010er Jahren gab es immer wieder Hinweise auf die Präsenz von Libanesen im Irak. Unter den Ausbildern in den Trainingscamps des Quds-Korps im Iran soll es seit langem Libanesen geben.32 Besonders wichtig wurden die Hisbollah-Emissäre aber im Jemen: Ab 2015 ist zu beobachten, dass sie dort die Huthi-Rebel­len berieten und ihnen bei der Nutzung der von Iran gelieferten ballistischen Raketen, Marschflugkörper und Drohnen halfen.

Für einige Jahre lenkten diese Aktivitäten die Aufmerksamkeit vom Konflikt mit Israel ab, der für die Hisbollah aber konstituierend bleibt. Im Sommerkrieg von 2006 – der nur 34 Tage im Juli und August dauerte – hatte die Organisation vor allem ihre teils von Iran gelieferten Raketen eingesetzt, von denen sie Tausende auf israelisches Territorium abschoss. Zwar erlitt sie hohe Verluste, und die Zerstörungen im Libanon waren beträchtlich, doch gelang es dem israelischen Militär nicht, die Hisbollah zu zerschlagen. Spätestens seit diesem Konflikt wurde sie zur gefährlichsten unmittelbaren Bedrohung Israels; das Quds-Korps rüstete sie nun systematisch auf. Zur wichtigsten Waffe der Hisbollah wurden Raketen verschiedener Bauart, von denen sie im Jahr 2006 etwa 13 000 bis 14 000 besessen haben soll. Sie sind ausnahmslos Richtung Israel stationiert. In den folgenden Jahren lieferte Iran Zehntausende neuer Modelle, deren Reichweite und Sprengkraft weit über die der früheren Raketen hinausging, so dass die His­bollah schon kurz nach dem Krieg 2006 imstande war, Tel Aviv und Jerusalem und damit die wichtigsten Bevölkerungszentren Israels zu bedrohen, und einige Jahre darauf auch den israelischen Süden und infolgedessen den Atomreaktor von Dimona in der Negev-Wüste. Manche der neueren Modelle werden zudem mit Festbrennstoff betrieben und sind so viel schneller abzuschießen als ihre Vorgänger. Mittlerweile wird die Zahl der Raketen im Arsenal der His­bollah meist auf etwa 130 000 geschätzt.33

Die meisten Raketen sind weiterhin herkömmliche einfache Modelle, doch seit spätestens 2018 arbeiten Iran und die Hisbollah an der Zielgenauigkeit des Arsenals. Zu diesem Zweck schickten die Revolutions­garden nicht einfach nur neue Fabrikate aus Iran, sondern errichteten Produktionsanlagen in Syrien, wo neue Raketen (zusammen-)gebaut und ältere mit Ziel­vorrichtungen versehen wurden. Ab Anfang 2018 bekämpfte die israelische Luftwaffe diese Raketenwerkstätten und die von dort abgehenden bzw. hin­führenden Transporte mit Hunderten Angriffen. Da­raufhin verlegten das Quds-Korps und seine Verbündeten zumindest einige der Herstellungsbetriebe in bewohntes Gebiet im Libanon.34 Dies wurde beispiels­weise im August 2019 offensichtlich, als israelische Drohnen ein Gebäude in den südlichen Vororten von Beirut angriffen, in dem nach israelischen Angaben Bauteile für präzisionsgeleitete Raketen der Hisbollah lagerten.35 Dass es Iran und der Hisbollah gelungen sein dürfte, einen Teil der Raketen zu modernisieren, zeigt sich schon daran, dass die israelische Regierung und Armee im September und Oktober 2020 die Stand­orte von geheimen Hisbollah-Werkstätten in den südlichen Vorstädten der libanesischen Hauptstadt offenlegten, um die dortige Bevölkerung gegen die Organisation aufzubringen.36 Der Hisbollah-Füh­rer Hassan Nasrallah bestätigte die Existenz der Waf­fen zuletzt im Januar 2021 in einem Interview mit dem Hisbollah-nahen Fernsehsender Mayadeen TV. Er sagte, seine Organisation habe nun doppelt so viele präzisionsgeleitete Raketen wie noch vor einem Jahr, und fügte hinzu, dass die Hisbollah jeden Ort in Israel treffen könne.37

Die Einsicht, dass Iran und die Hisbollah waffentechnische Teilerfolge verbuchen konnten, war aus israelischer Sicht besonders beunruhigend, weil diese Gegner zeitgleich versuchten, eine »zweite Front« ent­lang der Golangrenze in Syrien zu eröffnen – an der ein Teil der neuen Raketen stationiert werden sollte. Eine solche zweite Front hätte für die Hisbollah und ihre iranischen Verbündeten den Vorteil, dass sich die Zahl der Abschussrampen und der auf Israel gerichteten Raketen weiter steigern ließe, was die Gefahr für den jüdischen Staat deutlich erhöhen würde. Hinzu kam, dass die Hisbollah über Kampfdrohnen verfügte, die sie im syrischen Bürgerkrieg erprobte. Da libanesisches Personal die jemenitischen Huthis in der Nutzung dieser Waffen ausbildet, ist zu vermuten, dass die Organisation über breite Erfahrungen im Einsatz von Drohnen verfügt.38 Zahlreiche Angriffe der Huthis (und auch der Iraner) mit Rake­ten, Marschflugkörpern und Drohnen auf Ziele in Saudi-Arabien ab 2019 zeigten der israelischen Füh­rung, wie gefährlich die Hisbollah mit ihren neuen Waffen werden konnte.

Bis 2018/19 schien es so, als habe die Hisbollah den Höhepunkt ihres regionalen Einflusses erreicht. Doch im Oktober 2019 zeigten im Libanon einsetzende Proteste, dass der Syrien-Krieg und seine wirtschaft­lichen Folgen das Ansehen der Organisation in ihrem Heimatland schwer beschädigt hatten. Die Hisbollah hatte sich seit den 1980er Jahren von einer zunächst rein militärisch-terroristisch geprägten Gruppierung auch zu einer sozialen Bewegung und politischen Partei entwickelt – deren wichtigste Funktion es ist, die Organisation mit nicht-militärischen Mitteln vor ihren libanesischen Gegnern zu schützen. Im Doha-Abkommen vom November 2008 gelang es ihr sogar, ein faktisches Einspruchsrecht gegen Entscheidungen der libanesischen Regierung festzuschreiben.39 In den Regierungen der nationalen Einheit der folgenden Jahre – bis heute kann kein Kabinett ohne die Zu­stim­mung der Hisbollah gebildet werden – stellte sie wiederholt einzelne Minister und nutzte die Kontrolle über die Ministerien vor allem, um die eigenen An­hänger in Süd-Beirut, im Südlibanon und im Bekaa-Tal beispielsweise mit kostenlosen Gesundheitsdienstleistungen und Arbeitsplätzen zu versorgen.

Jenseits dessen übernahm sie jedoch keine Verantwortung für den Gesamtstaat, der im Lauf der 2010er Jahre immer mehr unter der grassierenden Korruption und Misswirtschaft der politischen Eliten litt. Die Probleme kulminierten erstmals in der zwei­ten Jahreshälfte 2019, als die libanesische Wirtschaft zusammenbrach. Die Regierung reagierte auf die Krise mit der Ankündigung von Steuererhöhungen, woraufhin in allen Teilen des Landes Proteste auf­flammten. Die Demonstranten wandten sich gegen Korruption und Misswirtschaft und forderten ein Ende des Konfessionalismus. Auch wenn zunächst nur die Verbündeten der Hisbollah wie Parlamentspräsident Nabih Berri und die von Gebran Bassil geführte Freie Patriotische Bewegung Ziel des Unmuts waren, geriet nach und nach auch Nasrallah ins Visier der Demonstranten. Deshalb und weil die Proteste auch Anhänger unter den Schiiten des Landes fanden, erkannte die Hisbollah in den Kundgebungen eine Bedrohung. Der Führer der Hisbollah machte eine ausländische Verschwörung für die Ereignisse verant­wortlich – ein für viele Schiiten auch deshalb über­zeugendes Argument, weil zeitgleich Proteste im Irak (Oktober) und im Iran (November) ausbrachen.40 Nas­rallah rief seine Anhänger zunächst dazu auf, den Manifestationen fernzubleiben. Dann bedrohten Hisbollah-Schlägertrupps in Beirut und in Nabatiya Menschen, die auf die Straße gegangen waren, störten Protestkundgebungen, rissen Zelte ein und beschimpf­ten die Demonstranten als Verräter, die von ausländischen Botschaften bezahlt würden.41

Zwar ließen die Proteste aufgrund der im Frühjahr 2020 einsetzenden Corona-Pandemie nach, doch die wirtschaftlichen Probleme verstärkten sich. Das libanesische Pfund verlor innerhalb eines Jahres etwa 80 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar, die Lebenshaltungskosten stiegen stark an und Zehn­tausende verloren ihre Arbeit. Immer mehr Libanesen rutschten in die Armut ab, bis Ende 2020 etwa 50 Pro­zent der Bevölkerung.42 Im August 2020 flammten die Demonstrationen erneut auf, nachdem – wahrschein­lich aufgrund von Behördenversagen – eine riesige Explosion im Hafen von Beirut Teile der Stadt zerstört hatte, wobei 200 Menschen getötet und Tausende verletzt wurden. Diesmal geriet die Hisbollah noch direkter als im Oktober 2019 ins Visier der Proteste, doch hatten die Parteien im Libanon die Lage zu diesem Zeitpunkt wieder unter Kontrolle.

Die nervöse Reaktion der Hisbollah auf die Proteste war ein deutliches Indiz dafür, dass die Expansion Irans im Libanon an eine Grenze stieß.

Dass die Hisbollah sich trotzdem bedroht fühlte, zeigte sich im Februar 2021, als ihr Kritiker Lokman Slim in der Gegend von Nabatiya – einer Hochburg der Organisation – ermordet wurde. Die Täter wurden nicht gefasst, doch hatte kaum jemand Zweifel, dass die Hisbollah oder Anhänger von ihr verantwortlich waren. Der Schiit Slim gehörte zu den prominentesten Gegnern der Organisation. Er hatte nicht nur an den Protesten 2019 und 2020 teilgenom­men, sondern im Januar 2021 behauptet, die im August detonierten Chemikalien seien mit Hilfe der Hisbollah nach Beirut gebracht worden und für die syrische Regierung bestimmt gewesen, damit diese sie für ihre berüchtigten Fassbomben nutzen könne.43 Im Libanon fürchteten Anfang 2021 viele, die Hisbollah könne zu ihrer Politik der gezielten Mordanschläge zurückgehen, mit der sie das Land schon nach 2005 überzogen hatte. Die Nervosität der Schiitenorganisation war ein deutliches Indiz dafür, dass die Expan­sion Irans im Libanon an eine Grenze stieß, jedoch ohne dass Teherans Einfluss spürbar nachgelassen hätte.

Syrien: Das Quds-Korps und seine schiitische Milizarmee

Der Krieg in Syrien war der wichtigste Einsatz des Quds-Korps in den letzten Jahren. Es handelte sich um den vielleicht größten Erfolg der Einheit, denn Iran und seine Verbündeten trugen mit der Intervention des Korps maßgeblich dazu bei, dass das Assad-Regime den Bürgerkrieg gegen die sunnitischen Aufständischen gewinnen konnte. Aus Sicht der Führung in Teheran war dies eminent wichtig, denn sie glaubt an eine Art nahöstlicher Domino-Theorie, der zufolge ein Verlust Syriens zu einem Zusammenbrechen der gesamten Achse des Widerstands und dem Ende der Islamischen Republik führen könnte.44 Außerdem operierte das Quds-Korps hier zum ersten Mal an der Spitze einer Milizarmee, was weit größere Anforderungen als jeder vorherige Einsatz stellte – schon allein, weil die Truppe zwischen 2011 bis 2017 stetig wuchs. Das iranisch geführte Bündnis in Syrien besteht bis heute aus der Hisbollah, mehreren iraki­schen Milizen und afghanischen und pakistanischen Freiwilligenverbänden. Der Erfolg in Syrien wird jedoch dadurch geschmälert, dass sich auch dort parallel zum Libanon die Wirtschaftslage seit 2019 katastrophal verschlechtert hat und an eine nach­haltige Stabilisierung des Landes vorerst nicht zu denken ist, zumal die eigenen finanziellen Probleme den Handlungsspielraum Irans eng begrenzen. Hinzu kommt, dass das Quds-Korps und seine Verbündeten von israelischen Luftangriffen stark behindert wer­den. Aber trotz hoher Verluste an Menschen und Material gibt es keine überzeugenden Hinweise da­rauf, dass Iran sein Ziel – Bildung einer Landbrücke und einer zweiten Front – aufgegeben hat.

Das Quds-Korps konnte in Syrien auf eine Infrastruktur zurückgreifen, über die schon seit den 1980er Jahren die Unterstützung für die Hisbollah abgewickelt worden war.

Für die Regierung der Islamischen Republik war der Aufstand gegen das Regime von Bashar al-Assad eine existentielle Bedrohung. Seit 1980 ist Syrien der einzige staatliche Verbündete Irans. Schon nach den ersten größeren Demonstrationen im Frühjahr 2011 reiste der Quds-Korps-Kommandeur Soleimani nach Damaskus, um mit den Syrern das Vorgehen für den Fall abzustimmen, dass sich die Protestbewegung aus­weiten sollte. Kommandeur des iranischen Expedi­tionskorps wurde mit Brigadegeneral Hossein Hama­dani ein prominenter Revolutionsgardist, der nicht nur für die blutige Niederschlagung der »Grünen Bewegung« in Teheran 2009 verantwortlich war, sondern auch als Spezialist für die Zusammenarbeit von regulärem Militär und Milizen galt.45 Das Quds-Korps konnte dabei auf eine Infrastruktur zurück­greifen, über die bereits seit den 1980er Jahren die Unter­stützung für die Hisbollah abgewickelt worden war. Diese Präsenz wurde nun ausgebaut. Von an­fangs wenigen Hundert Mann wuchs das Kontingent des Korps bis 2015 auf etwa 1 000 bis 2 000 Mann, die meisten davon Kommandeure, Militärberater und Ausbilder. Einigen Quellen zufolge lag die Höchstzahl iranischer Militärs in Syrien 2016/17 sogar bei 3 000 Mann.46

In der Frühphase halfen die Iraner in beratender Funktion bei der Niederschlagung von Protesten. Über eine Luftbrücke lieferten sie Waffen, technische Aus­rüstung und Geld an das Assad-Regime. Insgesamt soll Iran Syrien zwischen 2011 und 2020 mit 20 bis 30 Milliarden Dollar unterstützt haben, wobei mili­tärische und zivile Hilfen eingerechnet sind.47 Die hohen Summen konnten nicht verhindern, dass die Regimetruppen schon 2012 auf wenig mehr als 100 000 Mann (von nominell knapp 300 000 Mann Anfang 2011) schrumpften, weil die sunnitischen Soldaten mehrheitlich desertierten. Deshalb stellte das Regime gemeinsam mit dem Quds-Korps Milizen auf. Lokale Bürgerwehren, die »Volkskomitees« (al-Lijan ash-Sha’biya), die bereits 2011 zum Schutz von Orten, Stadtvierteln oder Nachbarschaften gegründet worden waren, wurden jetzt zu paramilitärischen Einheiten ausgebaut. Das größte Bündnis nannte sich ab Mitte 2012 »Nationale Verteidigungskräfte« (arab. Quwwat ad-Difa‘ al-Watani), deren Stärke in den folgenden Jahren auf bis zu 100 000 Mann anstieg.48 Die Revolutionsgarden waren maßgeblich an der Gründung, der Ausbildung und Führung dieser Einheiten beteiligt.

Das Ziel des Quds-Korps war es offenbar, Milizen aufzustellen, die wie die Hisbollah zu langfristig loyalen Verbündeten aufgebaut werden sollten. Dies zeigte sich spätestens im Mai 2014, als Hossein Hama­dani prahlte, mit den bewaffneten Verbänden habe Iran eine »zweite Hisbollah in Syrien« geschaffen.49 Doch erwies sich dieses Ziel als zu ehrgeizig, denn Schiiten stellen in Syrien nur zwischen ein und zwei Prozent der Bevölkerung, so dass eine enge reli­giös-ideologische Bindung wie bei der Hisbollah nur in wenigen Fällen entstehen kann. Zudem arbeiteten das syrische Regime und das russische Militär, das im Sommer 2015 auf der Seite Assads intervenierte, auf eine Integration der Milizen in die syrischen Streit­kräfte hin; die Russen bemühten sich vielerorts, den iranischen Einfluss zu begrenzen. Dadurch waren die »Nationalen Verteidigungskräfte« für das Quds-Korps nur teilweise und zeitweilig unter Kontrolle zu brin­gen. Die zahlreichen Kampfverbände im Land teilten sich in solche, die gegenüber dem syrischen Regime, solche, die gegenüber den Russen, und solche, die gegenüber Iran loyal waren. Deshalb stützte sich das Quds-Korps vor allem auf die aus dem Aus­land her­bei­geführten Einheiten der Achse des Widerstands.

Die Hisbollah erwies sich im Syrien-Krieg einmal mehr als wichtigster Verbündeter des Quds-Korps. Die Organisation hatte genauso wie Iran ein großes Interesse am Erhalt des Assad-Regimes, weil fast ihr gesamter Nachschub an Waffen und Material über syrische Häfen und Flughäfen und seit 2018 auch über Land in den Libanon geliefert wird. Zudem musste die Hisbollah-Führung befürchten, dass nach einem Sturz Assads eine von arabisch-sunnitischen Aufständischen geführte Regierung an die Macht kommen und sich anschließend gegen die Schiitenorganisation im Libanon wenden würde. Deshalb schickte sie schon 2011 Ausbilder und weiteres Per­sonal. In den folgenden Jahren baute die Hisbollah ihre Präsenz in Syrien stark aus. Sie legte den Schwer­punkt ihrer Tätigkeiten auf Damaskus und die Gegen­den nahe der libanesischen Grenze, wo die Rebellen ihre Versorgungswege bedrohten. Während die Akti­vitäten der Organisation zunächst im Verborgenen blieben, gab sie ihre Zurückhaltung im Frühjahr 2013 auf. Im Juni nahm sie gemeinsam mit syrischen Trup­pen die Stadt Qusair ein; Hassan Nasrallah bekannte sich parallel erstmals öffentlich zur Teil­nahme am Krieg im Nachbarland. Der Hisbollah-Generalsekretär sagte, der Nahe Osten stünde vor »dunklen Zeiten«, sollte Assad stürzen, machte die USA und Israel für den Aufstand verantwortlich und bezeichnete sämt­liche Rebellen als Terroristen. Außerdem warnte er davor, dass nach einem Sieg dieser »Achse« auch der Libanon bedroht sei, und kündigte eine Fortsetzung des Kampfes gegen die Aufständischen an.50

In den folgenden Jahren waren Hisbollah-Ein­hei­ten gemeinsam mit dem Quds-Korps an den meisten größeren Kampfeinsätzen im gesamten Land beteiligt. Zu jedem Zeitpunkt zwischen 2013 und 2018 hatte die libanesische Organisation zwischen 7 000 und 10 000 Mann in Syrien stationiert.51 Erst anschließend reduzierte sie ihre Präsenz, die für eine Miliz von etwa 50 000 Mann sehr stark war. Hinzu kamen hohe Verluste: Nach 2011 verzeichnete die Hisbollah deut­lich mehr als 2 000 Tote und über 5 000 Verletzte.52 Trotz­dem ging die Organisation gestärkt aus dem Krieg hervor, denn sie hatte nicht nur den gemein­samen Kampf mit dem Quds-Korps, mehreren Mili­zen, der syrischen Armee und russischem Militär erprobt, sondern auch auf der syrischen Seite der libanesisch-syrischen Grenze rund um die Stadt Qusair, im Qalamun-Gebirge, in einigen Orten westlich von Damaskus und nahe der Golangrenze Ein­heiten stationiert und beherrschte ein größeres Territorium als je zuvor.53

Da auch die Hisbollah nur ein (gemessen am Bedarf) relativ kleines Kontingent schicken und damit den Personalmangel der syrischen Armee und ihrer Hilfstruppen nicht wettmachen konnte, führte das Quds-Korps zusätzlich irakische, afghanische und pakistanische schiitische Milizen heran. Bei den Irakern handelte es sich vor allem um Angehörige von bewaffneten Gruppen wie den Hisbollah-Batail­lonen (Kata’ib Hizbullah), Asa’ib Ahl al-Haqq und der Badr-Organisation. Die erste in Syrien unzweifelhaft ausländisch dominierte Miliz nannte sich Brigade (Liwa) Abu al-Fadl al-Abbas und nahm irakische und syrische Kämpfer auf. Sie argumentierte, dass es ihr in erster Linie um den Schutz schiitischer Heilig­tümer – gemeint war primär die unter Schiiten berühmte Grabstätte von Sayyida Zainab im Süden von Damaskus – vor sunnitischen Terroristen gehe.54 Tatsächlich operierte sie vor allem in und um Damas­kus und bildete Freiwillige aus. Mit dem Argument, die Heiligtümer vor Zerstörung bewahren zu wollen, gelang es den Milizen ab 2012 stets, neue Rekruten für den Bürgerkrieg in Syrien zu gewinnen.

Der Schutz des Assad-Regimes war das übergeordnete strategische Ziel Irans und seiner Verbündeten.

Die Ausweitung des Kampfgebiets auf weite Teile Syriens machte in den Folgejahren deutlich, dass der Schutz des Assad-Regimes das übergeordnete strate­gische Ziel Irans und seiner Verbündeten war. Wäh­rend die Abu-al-Fadl-al-Abbas-Brigade schnell an Be­deutung verlor, erlangten andere irakische Schiiten­milizen ab 2013 Macht und Einfluss. Besonders schlag­kräftig war die erst 2013 gegründete Harakat Hisbollah an-Nujaba (dt. Bewegung der Tugendhaften der Partei Gottes) unter der Führung von Akram al-Kaabi. Sie hatte vorher zu Asa’ib Ahl al-Haqq gehört und wurde im Verlauf der Kämpfe zu der mit Ab­stand sichtbarsten und bei den Gegnern gefürchtetsten irakischen Miliz in Syrien. Auch die Paramilitärs der Badr-Organisation und die Hisbollah-Bataillone waren stark vertreten. Irakische Milizen stellten ab 2013 immer rund 5 000 Kämpfer und glichen damit die personelle Schwäche der libanesischen Hisbollah etwas aus.55 Dass aus dem östlichen Nachbarland nicht noch mehr Milizionäre geschickt wurden, hatte vor allem damit zu tun, dass die schiitischen Grup­pierungen 2014 für den Kampf gegen den IS im Irak abgezogen wurden. Zwar kehrten schon 2015 viele zurück, doch auch die Iraker konnten die Personalprobleme der Syrer nicht beheben.

Deshalb rekrutierten die Revolutionsgarden ab Ende 2012 auch schiitische Afghanen und Pakistanis. Die Afghanen wurden – nach der von den Schiiten besonders verehrten Prophetentochter Fatima – die »Fatimiden-Brigade« (Liwa al-Fatimiyin) oder kurz Fatimiden (Fatimiyun) genannt. Die Pakistaner hießen nach der Prophetenenkelin Zainab »Anhänger der Zainab« (Zainabiyun). Beide Milizen wurden speziell für den Kampf in Syrien gegründet und unterstanden direkt den Revolutionsgarden. Viele afghanische Frei­willige entstammten der rund 3 Millionen Menschen zählenden afghanischen Diaspora im Iran. Afghanen und Pakistaner wurden vor allem zahlenmäßig zu einem wichtigen Teil der iranischen Milizarmee in Syrien. Zur Hochzeit des Einsatzes zwischen 2015 und 2017 dürfte das afghanische Kontingent mit etwa 10 000 Mann das größte unter den insgesamt bis zu 30 000 schiitischen Kämpfern gestellt haben. Pakis­taner waren mit rund 1 000 Mann vertreten.56 Die Verluste der Afghanen sollen besonders hoch ge­wesen sein, weil sie nicht so gut ausgebildet und weniger kampferfahren waren als ihre arabischen Waffenbrüder. Über Jahre nahmen die Fatimiyun gemeinsam mit der Hisbollah und den irakischen Milizen an allen größeren Militäraktionen in Syrien teil, und bis heute sind sie im Land mit einem starken Kontingent präsent.57

Diese Milizarmee trug ab Sommer 2015 maßgeblich dazu bei, dass das Assad-Regime das Blatt wenden konnte. Besonders sichtbar wurde dies im Dezember 2016, als Regimetruppen und iranisch kontrollierte Milizen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe den Ostteil der Stadt Aleppo einnehmen konnten, der sich seit Sommer 2012 in der Hand der Rebellen be­funden hatte. Damit zeichnete sich ab, dass das Regime den Bürgerkrieg gewinnen würde. Die schii­tischen Kampfverbände – Hisbollah, Hizbullah an-Nujaba, Kata’ib Hizbullah, Asa’ib Ahl al-Haqq und Fatimiyun – waren 2017 auch an der Offensive gegen den IS beteiligt, die über die syrische Wüste nach Deir ez-Zor und anschließend entlang des Euphrat Richtung irakische Grenze verlief. Die iranisch geführten Milizen waren hier besonders stark vertreten, da sie eine militärisch gesicherte Verbindung mit dem Irak schaffen wollten – um so das erste Teilstück der »Landbrücke« zwischen Iran, Irak, Syrien und dem Libanon herzustellen. Zwar ist umstritten, ob die iranische Führung vor 2017 bereits auf eine Landverbindung hingearbeitet hat. Doch als sich die Gelegenheit abzeichnete, ging das Quds-Korps zielgerichtet vor.58 Nach der Einnahme der syrischen Grenzstadt Abu Kamal im November 2017 erlangte Teheran die Kontrolle über eine direkte Route von Iran über die irakischen Provinzen Diyala, Salah ad-Din und Anbar entlang des Euphrat bis nach al-Qaim. Auf der syrischen Seite führte die Strecke von Abu Kamal nach Deir ez-Zor und von dort über Palmyra nach Westsyrien und den Libanon oder an die syrisch-israelische Grenze auf dem Golan.59 In den folgenden Jahren bauten die Iraner und schiitische Milizen auf der syrischen und der irakischen Seite Stützpunkte und Lagerhäuser und stationierten Einheiten. Bekannt wurde vor allem die Imam-Ali-Basis bei Abu Kamal an der syrisch-irakischen Grenze, die als das aktuell größte und wichtigste Hauptquartier gilt. Einige An­lagen dort wurden in den Untergrund verlegt, was auf eine langfristige Nutzungsintention hinweist.60

Die Landbrücke diente neben der Versorgung der Hisbollah in erster Linie dem Aufbau der zweiten Front in Südsyrien. Möglich wurde das Vorhaben ab Mitte 2018, weil der Aufstand gegen das Assad-Regime im Gebiet südlich von Damaskus infolge einer Großoffensive der Regimetruppen und ihrer russischen Verbündeten zusammenbrach – Iran und seine Milizenallianz waren bei dieser Operation nur schwach vertreten. Die israelische Führung drängte gegenüber Russland darauf, dafür zu sorgen, dass die Iraner mindestens 80 Kilometer von der Grenze entfernt blieben, was Moskau zugesagt haben soll. Zwar war die Hisbollah ungeachtet dessen in Teilen des Gebiets aktiv und rekrutierte sogar ehemalige Aufständische für den Kampf gegen Israel – auch mit dem Ziel, die eigene Anwesenheit auf ein Mini­mum beschränken und / oder besser verdecken zu können. Trotzdem sorgte das russische Militär dafür, dass die Iraner und Libanesen in den grenznahen Gebieten nur schwach präsent waren und keine größeren Basen aufbauen konnten.61 Das Quds-Korps und seine Verbündeten hielten insgesamt Abstand von der Golangrenze und bildeten stattdessen meist dort Positionen, wo syrische Regierungstruppen mit engen Kontakten zu Iran die Kontrolle hatten, wie zum Beispiel in den Drusengebieten östlich des syri­schen Teils des Golan.

Die israelische Regierung betrachtete die Aktivitäten rund um den Aufbau einer zweiten Front als so bedrohlich, dass sie ab Ende 2017 die Luftangriffe in Syrien deutlich verstärkte.

Zusammen mit den Bemühungen, die Zielgenauigkeit der Hisbollah-Raketen zu erhöhen, betrachtete die israelische Regierung die Aktivitäten rund um den Aufbau einer zweiten Front als so bedrohlich, dass sie ab Ende 2017 die bis dahin nur sporadischen Luft­angriffe in Syrien – die vor allem Waffenlieferungen an die Hisbollah und einzelnen prominenten Terro­ris­ten gegolten hatten – deutlich verstärkte. Zeitlich fiel diese Intensivierung der Luftschläge mit den Er­folgen Irans in Ostsyrien zusammen, durch die erst­mals eine Landverbindung in den Irak freigekämpft wurde. Die Attacken dürften eine unmittelbare Reak­tion auf die Ereignisse im Osten gewesen sein, auch wenn ein Zwischenfall auf dem Golan für die erste größere Zuspitzung sorgte: Im Februar 2018 schickten die Revolutionsgarden eine Drohne los, die in den israelischen Luftraum eindrang, wo sie rasch ab­geschossen wurde. Daraufhin flog die israelische Luftwaffe im Februar und April Angriffe auf die Drohnenbasis auf dem Militärflugplatz at-Tiyas (auch bekannt als »T4«) zwischen Homs und Palmyra und tötete dabei mehrere Revolutionsgardisten.62 Dies war das erste Mal, dass die Israelis gezielt iranisches Mili­tär in Syrien attackierten. Doch ging es um mehr als nur die Drohnen; das israelische Militär nahm die gesamte militärische Infrastruktur Irans in Süd- und Zentralsyrien ins Visier, die nach dem Sieg in Aleppo und der Offensive in Ostsyrien mit Hochdruck aus­geweitet wurde.

Die Stoßrichtung Israels zeigte sich am 10. Mai 2018, als die israelische Luftwaffe einen Großangriff auf die Infrastruktur des Quds-Korps startete. In der größten Militäraktion Israels in Syrien seit 1973 wur­den iranische Kommandozentralen, Logistikknoten­punkte und Waffenlager zerstört.63 Israel gelang es mit diesem und weiteren Schlägen, die Iraner zur Verlegung eines Teils ihrer Infrastruktur weiter nach Norden und Osten zu zwingen. Schon im Juni 2018 gab es deshalb eine erste Attacke auf Milizionäre von Kata’ib Hizbullah nahe Abu Kamal, weit im Osten an der irakischen Grenze.64 Noch deutlicher wurde die Strategie Israels im Laufe des Jahres 2019, als die Luftwaffe des Landes ihre Kampagne noch einmal verstärkte. Wie zuvor griff sie iranische Stellungen im Süden und im Zentrum Syriens an, doch im Sommer erweiterte sie ihre Attacken auch auf Stützpunkte iranloyaler Milizen in Ostsyrien und im Irak.65

Im Frühjahr 2020 wurden in israelischen Medien Berichte publik, dass Iran sich wegen der israelischen Angriffe aus Syrien zurückziehe. In einigen Quellen hieß es, finanzielle Probleme seien der Grund. Doch erwies sich schnell, dass die Meldungen weit über­zogen waren. Zwar scheinen das Quds-Korps und seine Verbündeten die Zahl ihrer Truppen in Syrien tatsächlich reduziert und einige Stützpunkte, wie bei­spielsweise in Maadan westlich von Deir ez-Zor, ge­schlossen zu haben. Doch handelte es sich bei diesen Aktionen eher um eine Verlegung innerhalb Syriens, denn auch in den folgenden Monaten blieben die Milizen in Syrien stark präsent.66 Eine Reaktion auf die anhaltenden israelischen Luftangriffe war, dass sie vermehrt versuchten, lokale sunnitische Araber als Hilfstruppen zu rekrutieren.67 Obwohl die vor Ort angeworbenen Kämpfer deutlich billiger sind als die der schiitischen Milizen, dürfte auch diese Mobilisierungs­strategie wegen der deutlich sichtbaren finan­ziellen Engpässe an ihre Grenze gelangt sein.

Ungeachtet der Berichte von einem angeblichen Rückzug setzten die Israelis ihre Attacken in der syrisch-irakischen Grenzregion fort, ein Beleg dafür, dass sie dort unverändert eine wachsende Gefahr identifizierten. Ein erneuter Höhepunkt der Eskala­tion wurde um den 13. Januar 2021 erreicht, als die Israelis über 30 Militärstützpunkte Irans und seiner Verbündeten im Osten der Provinz Deir ez-Zor an­griffen. Wie schon in anderen Fällen reagierte das iranische Militär, indem es seine Infrastruktur in oder nahe an Wohnviertel verlegte und Tunnel und unter­irdische Bunker baute.68 Offensichtlich gaben das Quds-Korps und seine Verbündeten ihre Ziele trotz finanzieller Probleme und der heftigen Gegenwehr Israels nicht auf. Zwar war die anfängliche Dynamik der iranischen Expansion in Syrien gebrochen, doch hatte Teheran seine Positionen halten können.

Irak: Neue Stärke der iranloyalen Schiitenmilizen

Im Irak setzt Iran seit Jahren auf eine Doppelstrategie. Zum einen unterstützt er verbündete Organisationen, Parteien und Persönlichkeiten in der irakischen Poli­tik. Zum anderen kontrolliert er militante Gruppen, die bis 2011 die US-Truppen im Land bekämpften. Als der Islamische Staat 2014 große Teile des Landes ein­nahm, rief Bagdad wieder die USA zu Hilfe, doch führte das Quds-Korps parallel die iranloyalen Milizen ins Feld, die es schon vor 2011 unterstützt hatte. Diese beteiligten sich am Kriegszug gegen den IS, über­nahmen ab 2017 die Kontrolle über die irakischen Teile der Landbrücke nach Syrien und wendeten sich erneut gegen die Amerikaner. Die irakischen Proteste vom Oktober 2019 leiteten aber eine Phase ein, in der Iran und seine lokalen Verbündeten unter Druck gerieten und die Ernennung des eher proamerika­nischen Ministerpräsidenten Mustafa al-Kazimi ak­zeptieren mussten. Doch gelang es diesem nicht, die Macht der iranloyalen Milizen zu beschneiden; der Konflikt zwischen den Hisbollah-Bataillonen und den USA dauert an.

Dem eher proamerikanischen Ministerpräsidenten Kazimi gelang es nicht, die Macht der iranloyalen Milizen zu beschneiden.

Schon von den frühen 1980er Jahren an bauten die Revolutionsgarden Verbündete unter schiitischen Gegnern des Regimes von Saddam Hussein auf. Nach der amerikanischen Invasion von 2003 kehrten diese in ihr Heimatland zurück und spielten fortan eine wichtige Rolle in der Politik des Landes. Der Irakische Islamische Hohe Rat (al-Majlis al-A’la al-Islami al-Iraqi) und die Badr-Organisation (Munazzamat Badr) sind bis heute besonders loyale Partner Teherans. Daneben knüpfte Iran Beziehungen zu weiteren politischen Akteuren in Bagdad an, wie etwa zu der ebenfalls schiitischen Daawa-Partei, die zwischen 2005 und 2018 den Ministerpräsidenten stellte. All diese Koalitionen machten die Islamische Republik schon 2005/06 zum wichtigsten ausländischen Akteur im Irak neben den USA. Die Reichweite dieses Ein­flusses zeigte sich schlaglichtartig im Jahr 2010, als Quds-Korps-Kommandeur Soleimani eine zweite Amtszeit des Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki (reg. 2006–2014) durchsetzte.69 Auch in den folgenden Jahren war eine Übernahme dieses Amtes ohne die Zustimmung Irans nicht denkbar. Schon vor 2011 bezeichneten irakische Politiker den Quds-Korps-Kommandeur deshalb als den »ohne Zweifel mächtigsten Mann im Irak«.70

Parallel baute das Quds-Korps ab 2003 bewaffnete Gruppen auf, die den Kampf gegen die US- und bri­tischen Truppen aufnahmen. Wichtigster Empfänger der iranischen Hilfe war zunächst die Mahdi-Armee des populistischen Predigers Muqtada as-Sadr, doch schon ab 2004 setzte das Korps auf kleinere, leichter zu kontrollierende Gruppen, die von den US-Militärs »Spezialgruppen« (engl. special groups) genannt wur­den. Diese wurden von der iranischen Eliteeinheit finanziert, ausgerüstet und gemeinsam mit der liba­nesischen Hisbollah im Iran und im Libanon aus­gebildet. Zu den wichtigsten bewaffneten Kräften wurden Asa’ib Ahl al-Haqq (Die Ligen der Rechtschaffenen) unter dem Kommando von Qais al-Khaz’ali und Kata’ib Hizbullah von Abu Mahdi al-Muhandis. Diese Milizen verübten Hunderte Anschläge auf die Besatzungstruppen, die mehr als 600 Todesopfer und Tausende Verletzte forderten.71 Das US-Militär bekam die Spezialgruppen nie unter Kontrolle, weil sie immer wieder nach Iran ausweichen konnten. So trug das Quds-Korps maßgeblich dazu bei, dass die US-Trup­pen sich im Dezember 2011 aus dem Irak zurück­zogen.

Das Quds-Korps hatte mit dem Abzug der Amerikaner zwar ein wichtiges Ziel der iranischen Sicher­heitspolitik erreicht, doch war der irakische Staat ohne amerikanische Hilfe nicht in der Lage, die sunnitischen Terroristen zu kontrollieren. Innerhalb von nur drei Jahren gelang es dem Islamischen Staat (IS), große Teile des West- und Nordirak unter seine Kontrolle zu bringen. Die Einnahme der Millionenstadt Mossul am 10. Juni 2014 zeigte die ganze Schwäche der irakischen Armee und der Sicherheitskräfte auf. Schon einen Tag später rief Minister­präsident Nuri al-Maliki deshalb zur Bildung einer »Reservearmee« auf. Am 13. Juni schließlich verkün­dete der führende schiitische Gelehrte im Land, Groß­ayatollah Ali Sistani, ein Rechtsgutachten (fatwa), in dem er zum »Heiligen Krieg« (jihad) gegen die sun­nitischen Jihadisten aufrief.72 Die Resonanz war gewaltig; Zehntausende junge schiitische Männer meldeten sich freiwillig. Doch während Sistani – ein Gegner der Islamischen Republik – die Rekruten zum Dienst in Armee und Polizei ermutigen wollte, profitierten in erster Linie schiitische Milizen von der Anwerbekampagne.73 In der Folgezeit bildete sich ein Bündnis von rund 50 irregulären Verbänden, das sich »Volksmobilisierung« oder »Volksmobilisierungs­einheiten« (arab. Quwwat al-Hashd ash-Sha’bi) nannte und mit der Zeit auf insgesamt wahrscheinlich mehr als 100 000 Mann anwuchs.74

In der neuen Allianz dominierten von Beginn an diejenigen iranloyalen Milizen, die schon in den 1980er Jahren oder nach 2003 gegründet worden waren. Besonders stark war die Badr-Organisation, die aus einer irakischen Exileinheit der Revolutions­garden hervorgegangen und heute das wichtigste Instrument des Quds-Korps im Irak ist. Ihre Vertreter stellten ab April 2005 wiederholt den Innenminister in Bagdad, so dass es ihr gelang, Tausende ihrer Mit­glieder in die Polizei und andere Sicherheits­behörden zu integrieren. Der irakische Staat bezahlt im Fall der Badr-Einheiten Milizionäre, die im Konfliktfall nicht der Regierung in Bagdad, sondern Teheran gegenüber loyal wären. Im Jahr 2014 gab die Badr-Organisation selbst an, über mehr als 10 000 Mann unter Waffen zu verfügen – wobei unklar ist, inwieweit Badr-Kräfte in der Polizei hier mitgezählt wurden.75 In den fol­genden Monaten und Jahren rekrutierte Badr als Teil der Volksmobilisierung Tausende junge Männer. Un­abhängige Quellen sprachen schon 2015 meist von 20 000 bis 25 000, die Organisation selbst sogar von 50 000 Mitgliedern.76 Der langjährige Chef der Badr-Organisation, Hadi al-Amiri (geb. 1954), gab im September 2014 sein Amt als Transportminister auf und übernahm stattdessen das Kommando über die Milizen der Badr-Organisa­tion. Amiri gilt als die wichtigste politische Führungspersönlichkeit der Volksmobilisierung und als iranloyal. Er selbst hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass für ihn der iranische Oberste Führer Khamenei die maßgebliche religiöse und politische Autorität sei.77

Mindestens ebenso wichtig wie Badr sind die His­bollah-Bataillone. Diese wurden nach 2003 als Ab­spaltung von Badr gegründet, um – im Unterschied zur Mutterorganisation – die US-Truppen aus dem Untergrund heraus zu bekämpfen. Wie eng die Bin­dung an Badr war, wird an der Person ihres Anführers Jamal al-Ibrahimi (alias Abu Mahdi al-Muhandis, geb. 1953) offenbar, der in den 1990er Jahren das Badr-Korps im iranischen Exil kommandiert hatte. Wie Badr waren die Hisbollah-Bataillone ein Instru­ment Irans. Die Beziehung zwischen Muhandis und Soleimani war ausgesprochen eng und vertrauensvoll. Die Hisbollah-Bataillone wurden nach dem US-ameri­ka­nischen Abzug 2011 nicht demobilisiert und fan­den im Kampf gegen den IS 2014 eine neue Be­stim­mung. Auch sie wuchsen damals rasch an. Im Jahr 2018 dürfte ihre Kämpferzahl knapp unter 20 000 gelegen haben.78 Bis 2021 wurden die Hisbollah-Bataillone zur sichtbarsten und möglicherweise auch stärksten Teilmiliz der Volksmobilisierung.

Die dritte wichtige Gruppierung unter iranischer Kontrolle ist Asa’ib Ahl al-Haqq, die nach 2003 als militante Splittergruppe der Sadr-Bewegung entstand. Ihr Anführer ist Qais al-Khaz’ali, der zunächst ein Vertrauter Sadrs war, bevor er spätestens 2005 mit ihm brach. Bekannt wurden die Asa’ib, weil sie am 20. Januar 2007 den spektakulärsten Anschlag der Spezialgruppen überhaupt verübten: Khaz’alis Milizionäre drangen in eine Basis bei Kerbela ein und kidnappten fünf US-Soldaten, die sie anschließend ermordeten.79 Zwar gelang es dem US-Militär kurz darauf, Khaz’ali zu verhaften, doch kam er 2011 aus irakischer Haft frei. Seine Miliz bestand fort und wurde in den nächsten Jahren auch in Syrien ein­gesetzt. In der Volksmobilisierung erwarb sich die Organisation den Ruf, politisch-weltanschauliche mit kriminellen Motiven zu verbinden und besonders gewalttätig zu sein. Sie wird für zahlreiche Verbrechen gegen sunnitische Zivilisten verantwortlich gemacht. Die Organisation hatte 2018 etwa 15 000 aktive Kämpfer.80

Insgesamt erwies sich die Asa’ib-Ahl-al-Haqq-Miliz für Iran trotz der von ihr deklarierten Loyalität zur Islamischen Republik als nicht so gut kontrollierbar wie Badr und Kata’ib Hizbullah. Ein Grund dafür ist, dass die Asa’ib sich zwar wie die beiden besonders irantreuen Gruppierungen zur religiös-politischen Führerschaft von Ali Khamenei bekennen. Doch folgen sie auch den Lehren von Muhammad Sadiq as‑Sadr (1943–1999), der zu Lebzeiten eine irakisch-nationalistische Ideologie des schiitischen Islamismus entwickelte. Diese wird seit 2003 vor allem von seinem Sohn Muqtada vertreten. Die Bewegung von Muqtada as-Sadr hatte mit Saraya as-Salam eine eigene Miliz, die auch als Teil der Volksmobilisierung operierte, allerdings auf Distanz zu Iran achtete. Mitglieder des bewaffneten Bündnisses waren auch mehrere Ein­heiten, die sich zur religiösen Führerschaft des Iran-Kritikers Sistani bekannten. Doch gelang es den Gegnern Irans nicht, maßgeblichen Einfluss auf die Stoßrichtung der Milizenkoalition zu erlangen. Die faktische Führung übernahmen mit Amiri, Muhandis und Khaz’ali die besonders treuen Iranfreunde. Diese stimmten sich eng mit Soleimani und seinen Leuten vor Ort ab.81 Muhandis wurde offiziell stellvertretender Kommandeur der Allianz.

Mit der Finanzierung der »Volks­mobilisierung« zahlte der irakische Staat Milliardensummen an Akteure, die seine Souveränität untergruben.

Die irakische Regierung versuchte seit Gründung der Volksmobilisierung, ihren Einfluss auf das Bünd­nis zu erweitern. Dies geschah zu Beginn, indem sie noch im Juni 2014 ein Komitee der Volksmobilisierung (Hai’at al-Hashd ash-Sha’bi) bildete, das direkt dem Nationalen Sicherheitsrat (und damit dem Ministerpräsidenten) unterstand und vom Nationalen Sicherheitsberater Falih al-Fayyad geleitet wurde.82 Damit war Fayyad theoretisch zwar der Kopf der Volksmobilisierung, doch blieb sein Einfluss be­grenzt. Im Februar 2016 dekretierte die Regierung, dass die Milizen fortan als unabhängiger Teil der irakischen Streitkräfte fungieren sollten, der dem Ministerpräsidenten als Oberkommandierendem unterstehe. Am 26. November 2016 verabschiedete das irakische Parlament ein entsprechendes Gesetz.83 Ab Juli 2019 wurden die Milizen in militärische Ein­heiten überführt, die nummeriert wurden und so den Anschein erweckten, als handele es sich um reguläre Truppen. Parallel bemühte sich die Regierung, die Milizen durch finanzielle Zuwendungen unter Kon­trolle zu bringen. Das für sie vorgesehene Budget wuchs von 2015 um rund 1 Milliarde US-Dollar auf 2,6 Milliarden im Jahr 2020.84 Es gibt aber keine Hin­weise darauf, dass das damit verbundene Ziel erreicht wurde, denn die iranloyalen Milizen operierten weiter als Instrumente der iranischen Außenpolitik. Hier zahlte der irakische Staat also Milliardensummen an Akteure, die seine Souveränität untergruben.

Militärisch war das Vorgehen der Milizen erfolgreich. Zwischen 2014 und 2017 nahmen sie an der Kampagne gegen den IS teil, die mit der Rückeroberung von Mossul im Oktober 2017 weitgehend ihren Abschluss fand. Parallel agierten die iranloyalen Milizen im Sinne der Interessen Teherans, indem sie ihre Energien in besonderem Maße auf die Kontrolle von Gegenden und Straßen richteten, die Teil der iranischen Landbrücke werden sollten. Die Hisbollah-Bataillone beispielsweise sind seit 2017 in der iraki­schen Provinz al-Anbar nahe der syrischen Grenze ebenso präsent wie auf der syrischen Seite. In den Provinzen Salah ad-Din und Diyala weiter östlich sind vor allem die Badr-Organisation und Asa’ib Ahl al-Haqq stark. Die Hisbollah-Bataillone und Asa’ib Ahl al-Haqq übernahmen darüber hinaus sogar schrittweise die Kontrolle über den Flughafen von Bagdad.85 Bei den Parlamentswahlen vom Mai 2018 konnten die irantreuen Milizen ihre Positionen ausbauen. Die Fath(= Eroberung)-Liste von Badr und Asa’ib Ahl al‑Haqq wurde zur zweitstärksten Kraft nach den Sadristen.86

Die Milizen der Achse des Widerstands unterhöhlen den Staat, in dem sie operieren, indem sie ihren Einfluss nur im Dienste Irans und eigener Partikularinteressen nutzen.

Trotz dieser Erfolge gerieten Iran und seine irakischen Verbündeten ab 2019 unter Druck. Denn im Irak zeigte sich, was auch im Libanon und in Syrien zu beobachten ist: dass die Milizen der Achse des Widerstands militärisch stark waren, den jeweiligen Staat, in dem sie operierten, aber unterhöhlten, in­dem sie ihren politischen Einfluss ausschließlich im Dienste Irans und eigener Partikularinteressen nutz­ten. Im Irak war das Innenministerium ein Hauptschauplatz dieser Loyalitätsverschiebung. Dort ist die Polizei zum Instrument der Badr-Organisation ge­worden. Das politische System Iraks ist insgesamt von ausufernder Korruption, Vettern- und Misswirtschaft geprägt, die – neben den ständigen Konflikten und dem rasanten Bevölkerungswachstum (jedes Jahr kom­men etwa 1 Million Menschen hinzu) – mit dafür gesorgt haben, dass sich das Land trotz eines großen Öl- und Gasreichtums in einer permanenten Wirtschaftskrise befindet.

Zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 kam es deshalb zu vehementen Protesten gegen Korruption und Arbeitslosigkeit. Die Unzufriedenheit hatte sich lange aufgebaut, zuvor jedoch wegen der schlechten Sicherheitslage nie in dieser Breite entladen. Die Demonstrationen erstreckten sich neben der Haupt­stadt Bagdad vor allem auf die mehrheitlich schiitisch besiedelten Gebiete im Zentrum und Süden des Lan­des. Die Demonstranten wandten sich gegen die ge­samte politische Elite Iraks und kritisierten den Ein­fluss Irans und die starke Rolle der irantreuen Mili­zen.87 Die irakische Führung reagierte nervös und gewalttätig. Insgesamt wurden bis Februar mehr als 600 Tote und Tausende Verletzte gezählt. Neben offiziellen Sicherheitskräften waren auch vermummte Unbekannte an der Bekämpfung der Proteste betei­ligt, von denen viele Iraker glaubten, dass es sich um schiitische Milizionäre handelte.88 Im November 2019 trat Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi zurück. Wie sehr die Ereignisse Iran und seine Verbündeten unter Druck setzten, zeigte sich bei den folgenden Verhandlungen über eine neue Regierung. Teheran musste im März 2020 seinen ganzen Einfluss mobilisieren, um eine Berufung Adnan az-Zurfis zum Premierminister zu verhindern, der als zu proamerikanisch galt.89

Stattdessen wurde im Mai 2020 mit Mustafa al-Kazimi ein Kompromisskandidat zum Ministerpräsidenten gewählt. Der ehemalige Geheimdienstchef wurde von den USA unterstützt. Dass auch Iran und seine irakischen Verbündeten diesen Vorschlag ak­zeptierten, war ein Zeichen von Schwäche, könnte aber auch auf eine Spekulation der Führung in Tehe­ran zurückzuführen sein, dass ein eher proamerika­nischer Politiker in den für 2020 geplanten Gesprächen über einen US-Truppenabzug mehr erreichen könnte als ein irannaher Regierungschef.90 Kazimi versuchte zwar, den Einfluss der irantreuen Milizen zu beschneiden; zum Beispiel stürmten am 26. Juni 2020 irakische Elitetruppen einen Stützpunkt der Hisbollah-Bataillone in Süd-Bagdad und verhafteten 14 Milizionäre.91 Die wahren Kräfteverhältnisse wur­den aber einige Tage später wieder sichtbar, als die Männer freigelassen wurden. Der Mord an dem iran­kritischen Terrorismusforscher Hisham al-Hashimi am 6. Juli 2020 dürfte eine direkte Antwort der Milizen auf den Vorfall in Süd-Bagdad gewesen sein. Denn Hashimi stand dem Ministerpräsidenten nahe und hatte die Razzia öffentlich unterstützt.92 Im August folgten weitere Mordanschläge auf iran­kritische Aktivisten der Protestbewegung. Offenbar reagierten die Hisbollah-Bataillone wie die Hisbollah im Libanon auf den wachsenden Druck seit 2019, indem sie innenpolitische Gegner ermordeten.

Ein Grund für die Nervosität der irantreuen Milizen war der seit Ende 2019 eskalierende Konflikt mit den USA, der mit den israelischen Angriffen auf Positionen im Westirak einherging. Auslöser waren Rake­ten­angriffe auf US-Basen, für die die amerikanische Re­gierung in erster Linie die Hisbollah-Bataillone ver­antwortlich machte. Am 27. Dezember 2019 kam bei einer solchen Attacke auf die Basis K1 bei Kirkuk ein Vertragsangestellter des US-Militärs zu Tode, mehrere amerikanische Soldaten wurden verletzt. Daraufhin griffen US-Kampfflugzeuge Stellungen der Hisbollah-Bataillone in Ostsyrien und im Westirak an. Demons­tranten aus dem Umfeld der Milizen mar­schierten an­schließend Richtung US-Botschaft in Bagdad und setz­ten ein Wachgebäude in Brand. Dies wiederum war der Anlass für die gezielte Tötung von Qassem Solei­mani am 3. Januar 2020. Mit ihm starb Abu Mahdi al-Muhandis, der Befehlshaber der His­bollah-Bataillone und faktische Führer der Volksmobilisierung.

Ab Ende 2019 musste Teheran im Irak einen Verlust an Einfluss auf die Regierung in Bagdad und militärische Rückschläge hinnehmen.

Kein Kommandeur konnte Muhandis adäquat ersetzen. Sein Nachfolger als Chef der Hisbollah-Bataillone, Abdalaziz al-Muhammadawi (alias Abu Fadak), beerbte ihn zwar auch als Stabschef (so die offizielle Bezeichnung seit September 2019) und da­mit als De-facto-Anführer der Volksmobilisierung. Muhammadawis Ernennung war jedoch umstritten, denn der neue Mann an der Spitze des Milizen­bündnisses war nur einer in einer ganzen Reihe von Kom­mandeuren, die jetzt bekannter wurden.93 Die Handlungsfähigkeit der Hisbollah-Bataillone wurde durch den Verlust Muhandis’ aber nicht beeinträchtigt. Die Einheiten setzten ihre Angriffe auf US-Basen fort, operierten im Laufe des Jahres aber in kleineren Gruppen unter neuen Namen, so dass die Mutter­organisation (und damit auch das Quds-Korps) ihre Verantwortung plausibel leugnen konnte.94 Ziel war es, die Tötung von Soleimani und Muhandis zu rächen und einen erneuten Abzug der US-Truppen aus dem Irak zu erzwingen. In der zweiten Jahreshälfte 2020 wurden die Attacken seltener – vermutlich wollte die iranische Führung der Trump-Admi­nistration keinen Vorwand für eine Eskalation liefern und die Wahl in den USA abwarten. Doch nach einem Angriff am 15. Februar 2021 verschärfte sich die Lage abermals. Bei einem Raketenbeschuss einer US-Basis nahe Erbil wurden erneut ein Vertrags­angestellter des US-Militärs getötet und mehrere Amerikaner verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich eine neue Gruppierung namens Saraya Auliya‘ ad-Dam (dt. Die Bluträcher-Kompanien), die erst im August 2020 ans Licht der Öffentlichkeit getreten war. US-Nachrichtendienste machten aber die Hisbol­lah-Bataillone verantwortlich und Präsident Biden ordnete Luftschläge auf die Organisation in Ostsyrien an.95 Teheran stieß im Irak nicht nur an die Grenzen seiner Macht, sondern musste auch einen Verlust an Einfluss auf die Regierung in Bagdad und militärische Rückschläge hinnehmen.

Jemen: Sieg der Huthis gegen Saudi-Arabien

Die Huthis im Jemen sind ein noch junger Verbündeter Teherans, der jedoch maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Irans Expansion seit 2015 so erfolgreich war. Die Rebellen haben sich nicht nur in dem seit 2014 andauernden jemenitischen Bürgerkrieg be­haupten können; sie bedrohen heute auch Saudi-Arabien mit Raketen, Marschflugkörpern und Droh­nen. Sie bekannten sich 2019 außerdem zu Angriffen auf das Königreich, die tatsächlich von Iran ausgingen. Dieses Manöver erlaubte es der Islamischen Republik, die eigene Verantwortung plausibel zu leugnen, was den Handlungsspielraum Teherans gegenüber den arabischen Golfstaaten beträchtlich erweiterte. Trotz dieser Erfolge ist die Beziehung zwischen Iran und den Huthis bisher nicht so eng wie die zwischen Iran und seinen Verbündeten im Liba­non oder Irak. Hinzu kommt, dass die Huthis auch im Fall ihres endgültigen Sieges die Kontrolle über einen vollkommen ruinierten Staat übernehmen, der ohne massive ausländische Hilfe nicht überleben kann. Damit wiederum wäre Teheran überfordert.

Die (Vor-)Geschichte des Bündnisses zwischen den Huthis und Iran wurzelt in den 1980er Jahren, als Ver­treter der zaiditischen Minderheit im Jemen begannen, gegen die von Saudi-Arabien unterstützte salafis­tische Missionierung im Land zu protestieren. Zaidi­ten stellen zwischen 30 und 40 Prozent der jemeni­tischen Bevölkerung und leben vor allem im nörd­lichen Hochland. Sie sind zwar Schiiten, stehen dem Sunnitentum traditionell aber viel näher als die im Iran, Irak und Libanon dominierenden »Zwölfer­schiiten«. Die führenden zaiditischen Familien – die beanspruchen, vom Propheten Muhammad abzustam­men und sich deshalb »Sada« (Sing. Sayyid) nennen – bildeten zwischen dem 9. Jahrhundert und 1962 den engen Kreis, aus dem die Imam genannten Herrscher des Nordjemen hervorgingen; sie verloren ihre Macht jedoch im Bürgerkrieg von 1962–1970.

Von den Herrschern der Republik Jemen wurden die Zaiditen fortan als potentielle Bedrohung betrach­tet, was dazu führte, dass ihr politischer Einfluss in Sanaa stark beschränkt und ihre Hochburgen im Nor­den des Landes wirtschaftlich vernachlässigt wurden. Unter der Führung von Husain al-Huthi (1959–2004), dem Abkömmling einer bedeutenden zaiditischen Familie, entstand eine zaiditische Reformbewegung, die sich selbst »Die Gläubige Jugend« (ash-Shabab al-Mu‘min) nannte und aus der sich ab Ende der 1990er Jahre eine politische Bewegung mit eigenen Milizkräften entwickelte. Das Regime von Präsident Ali Abdallah Salih (reg. 1978–2012) ging aggressiv gegen die neue Rebellengruppe vor; zwischen 2004 und 2010 versuchte es, in sechs Waffengängen die Kon­trolle über die nördliche Provinz Saada und Gegenden in der Umgebung zurückzugewinnen. Doch die Huthis bauten eine effektiv operierende, 5 000 bis 8 000 Mann starke Guerillatruppe auf, die sich gegen die an Zahl und Bewaffnung weit überlegenen Regie­rungstruppen behaupten konnte. Sie zeigte ihr Poten­tial vor allem im November 2009, als saudi-arabisches Militär an der Seite des Regimes intervenierte, von den Huthis aber zurückgeschlagen wurde.96

Als die Proteste des Arabischen Frühlings 2011 auch den Jemen erreichten, war der äußerste Norden in weiten Teilen verwüstet. Infolge der Unruhen musste Präsident Salih auf Druck der Saudis und des Golfkooperationsrats 2012 einer Übergangsregierung unter seinem damaligen Stellvertreter Abd Rabbuh Mansur Hadi Platz machen. Während in der Hauptstadt die Konferenz des »Nationalen Dialogs« über die Zukunft des Landes debattierte und die Regierung die Lage in vielen Landesteilen nicht in den Griff bekam, bauten die Huthis ihre Positionen in der Provinz Saada und den umliegenden Gegenden aus. Im Som­mer 2014 gingen sie in die Offensive, marschierten im September in Sanaa ein und brachten die Haupt­stadt unter ihre Kontrolle. Begünstigt wurde dieser Erfolg von einem spektakulären Seitenwechsel des abgesetzten Präsidenten Salih. Dieser hoffte, mit Hilfe der Huthis die Macht zurückzugewinnen, arbeitete fortan mit den Rebellen zusammen und wandte sich so gegen Hadi. Das war ein folgenschwerer Schritt, denn Salih kontrollierte immer noch besonders kampfstarke Teile der Armee.

Zu diesem Zeitpunkt wurden die Huthis bereits von Iran unterstützt. Schon die Professionalität, mit der sie zwischen 2004 und 2010 ihren Guerillakrieg führten, hatte vermuten lassen, dass sie von der liba­nesischen Hisbollah – die den Rebellen als Vorbild diente – und vom Quds-Korps ausgebildet wurden. Doch scheint die iranische Führung frühestens 2009 das Potential der Huthis erkannt zu haben, woraufhin sie ab 2011 ihre Unterstützung verstärkte – aller­dings zunächst auf niedrigem Niveau.97 In den Jahren 2013 und 2014 wurden mehrfach Schiffe aufgebracht, die iranische Waffen in den Jemen transportierten. Die USA fanden auch Belege für die Präsenz von irani­schen und libanesischen Ausbildern bei den Huthis.98 Iran baute seine Hilfe für die zaiditischen Milizen vor allem aus, nachdem diese im September 2014 Sanaa eingenommen hatten.99 Noch mehr schwere Waffen, Ausrüstung, Geld und Ausbilder fanden nun ihren Weg zu den Rebellen.100 Auch wenn das offizielle Teheran den militärischen Beistand leugnete, deute­ten Vertreter des Quds-Korps 2014/15 mehrfach das Gegenteil an, so etwa wenn Khameneis Repräsentant bei der Einheit, Ali Shirazi, die Huthis als jemenitisches Äquivalent zur libanesischen Hisbollah dar­stellte.101 Für Saudi-Arabien und die VAE war die Intensivierung der Beziehungen zwischen den Huthis und Teheran ein wichtiger Grund, im März 2015 in den Bürgerkrieg zu intervenieren.

Da die Huthis keinen anderen staatli­chen Verbündeten hatten, entwickelte sich eine starke Abhängigkeit von Iran und iranischen Waffenlieferungen.

Der jemenitische Präsident Salih hatte die Huthi-Rebellen bereits 2004 als Terroristen und – mit Ver­weis auf ihre »schiitische« Identität – als Agenten des Iran bezeichnet. Obwohl dies weit übertrieben war, übernahm Riad diese Bewertung aus Sanaa. Als die Huthis ihren Einfluss ab 2014 ausbauten, verwiesen Politiker in Saudi-Arabien und den VAE immer häu­figer darauf, dass Iran sie einkreise. Empört wiederholten sie gebetsmühlenartig ein Zitat des iranischen Parlamentsabgeordneten Alireza Zakani, der nach der Einnahme von Sanaa durch die Huthis geprahlt hatte, die Islamische Republik kontrolliere nun nach Bag­dad, Damaskus und Beirut die vierte arabische Haupt­stadt.102 Die Rebellen seien eine »jemenitische His­bollah«, die ihre Länder so bedrohe wie die libanesische Organisation Israel.103 Diese Gleichsetzung war stark übertrieben, denn Irans Beziehungen zu den Huthis sind bei weitem nicht so eng wie die mit der libanesischen Organisation. Ein Fundament der Ko­operation ist die Ideologie, denn die Huthis verbindet mit der Islamischen Republik in erster Linie die Feind­schaft gegenüber den USA, Israel und – bei der jemenitischen Miliz an erster Stelle – Saudi-Arabien. Der Khomeinismus und die Doktrin von der Herrschaft des Rechtsgelehrten spielen in ihrer Welt­anschauung dagegen keine Rolle. Die Rebellen sehen in Iran vor allem ihren einzigen Unterstützer. Da die Huthis keinen anderen staatlichen Verbündeten hat­ten, entwickelte sich eine starke Abhängigkeit von Teheran, vor allem von iranischen Waffenlieferungen.

Das Verhältnis zwischen den Huthis und Iran wurde ab 2015 noch enger. Das dürfte auch mit den Erfolgen der Rebellen im Kampf gegen Saudi-Arabien, die VAE und deren jemenitische Bündnispartner zu tun gehabt haben. Zunächst entledigten sich die Huthis ihres Verbündeten Ali Abdallah Salih, den sie im Dezember 2017 ermordeten (weil er signalisiert hatte, auf die saudi-arabische Seite überwechseln zu wollen), womit sie ihre Herrschaft über Sanaa end­gültig sicherten. Militärisch behaupteten sie sich nicht nur im nördlichen Hochland, wo sie zwischen 2015 und 2021 nie ernsthaft in Bedrängnis gerieten und die Verwaltung des von ihnen kontrollierten Gebiets nach ihren Vorstellungen neu ordneten – unter anderem, indem sie die dominierende Rolle der führenden zaiditischen »Sayyid«-Familien wiederherstellten und zementierten und ein De-facto-Imamat unter Führung von Abd al-Malik al-Huthi etablierten.104 Sie reagierten auch auf die saudi-arabischen Angriffe, die fast ausschließlich aus der Luft kamen, indem sie immer wieder auf das Territorium des Nachbarn vordrangen und das Königreich zuerst mit ballistischen Raketen und später mit Marschflug­körpern und Kampfdrohnen beschossen. Zu Beginn des Krieges handelte es sich noch um ältere Raketen aus Beständen der jemenitischen Armee. Doch wur­den diese immer häufiger durch iranische Modelle ersetzt, deren Reichweite deutlich größer war. Als sich die saudi-arabische Luftabwehr auf den Beschuss einstellte und immer mehr Geschosse abfing, verleg­ten sich die Huthis ab 2018 auf Cruise Missiles und Drohnen. Im Juni 2019 etwa griffen die Rebellen mehrmals den zivilen Flughafen von Abha im saudi-arabischen Südwesten an.105 Zwar richteten die Flug­körper keine größeren Zerstörungen an; die Attacken zeigten der saudi-arabischen Führung und der Bevöl­kerung des Königreichs aber, wie verwundbar das Land war.

Für die Regierung in Teheran war es von Vorteil, dass ihr die neuen Fähigkeiten der Huthis erlaubten, die Verantwortung für eigene Angriffe mit Flug­körpern zu leugnen. Dies zeigte sich erstmals im Mai 2019, als Drohnen nahe dem Ort Afif die Pumpstation einer Pipeline beschädigten, die quer durch Saudi-Arabien vom Persischen Golf ans Rote Meer führt. Die Huthis bekannten sich zu dem Anschlag, doch US-Nachrichtendienste gelangten schnell zu der Über­zeu­gung, dass die Flugkörper aus dem Irak abgeschossen worden waren.106 Noch dramatischer war ein Angriff am 14. September 2019, bei dem die saudi-arabischen Ölanlagen von Abqaiq und Khurais von Marschflugkörpern und Drohnen getroffen wurden. Wieder über­nahmen die Huthis die Verantwortung und Teheran beteuerte, nichts mit den Attacken zu tun zu haben, doch wurde rasch deutlich, dass die Flug­körper im Iran abgefeuert worden waren.107 Die Vor­fälle und ihre kommunikative Begleitung zeigten, dass die Bindung zwischen Iranern und Huthis im Jahr 2019 schon deutlich enger war als noch 2014. Immerhin gingen die jemenitischen Rebellen für ihre Verbündeten ein hohes Risiko ein. Der Angriff auf Abqaiq und Khurais hatte das wichtigste Zentrum der Welterdölversorgung getroffen und nahm für rund zwei Wochen fünf Prozent der weltweiten Produktion vom Markt. Zwar blieb eine militärische Reaktion der USA aus, aber diese hätte sich auch gegen die Huthis richten können. In der Region und darüber hinaus verfestigte sich der Eindruck, dass die Rebellen immer unverhüllter als Klient Irans agierten. Nachrichten über ein strikt islamistisches Regime der Huthis im Innern verstärkten die Sorge, dass die Annäherung an Iran auch eine religiös-ideologische Dimension haben könnte.108

Der Krieg im Jemen entwickelte sich in dieser Phase zugunsten der Huthis. Auf Druck der USA hatten Saudi-Arabien und die VAE im Dezember 2018 einen Angriff auf die wichtige Hafenstadt Hudaida am Roten Meer gestoppt. Riad und Abu Dhabi hatten wahrscheinlich gehofft, die Huthis nach einer Ver­treibung von diesem strategisch wichtigen Ort zu Verhandlungen und weitreichenden Zugeständnissen zwingen zu können. Als ein Sieg im Jemen durch den Verzicht auf die Offensive endgültig in weite Ferne gerückt war, zogen sich die VAE weitgehend aus dem Konflikt zurück. Damit war der Krieg für Saudi-Ara­bien nicht mehr zu gewinnen. Grund dafür war neben der Schwäche der saudi-arabischen Armee die tiefe Zerstrittenheit des bis dahin von Riad und Abu Dhabi unterstützten innerjemenitischen Bündnisses. Die wichtigste Konfliktlinie verlief zwischen dem Lager des international anerkannten und von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Hadi und süd­jemenitischen Separatisten unter der Führung von Aidarous al-Zubaidi, die auf die Hilfe der VAE zählen können. Seit 2017 kam es in der Hafenstadt Aden mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kräften beider Seiten. Trotz eines Friedensabkommens, das Hadi und al-Zubaidi in Riad im November 2019 unterzeichnet hatten, konnten sie sich nicht auf eine gemeinsame Vorgehensweise einigen. Dies führte 2020/21 dazu, dass die Regierung Hadi sich vor allem in Gebieten nahe der saudi-arabischen Grenze wie der Provinz und Stadt Marib und im nördlichen Hadramaut halten konnte. Die südjemenitischen Separatisten waren dagegen in Aden und seinen unmittelbaren Nachbarprovinzen und entlang der Südküste stark.109

Durch den Machtwechsel in den USA wurde die saudi-arabische Position noch schwächer. Präsident Obama hatte das Vorgehen des Königreichs im Jemen unterstützt, um dem Verbündeten zu verdeutlichen, dass das Atomabkommen mit Iran von 2015 keine Abkehr vom hergebrachten Bündnis mit Riad bedeu­tete. Die Trump-Administration hatte die militärische und diplomatische Hilfe für das Königreich sogar aus­gebaut und die Huthis – einen Tag vor der Amtsübernahme von Präsident Biden am 20. Januar 2021 – auf die US-Terrorismusliste gesetzt. Die neue Regie­rung revidierte diesen Schritt, verkündete, dass die militärische Hilfe für den saudi-arabischen Krieg im Jemen eingestellt werde, und führte indirekte Gespräche mit den Huthis in Oman.110 Die Huthis scheinen diese Avancen als Ermutigung aufgefasst zu haben, im Jemen und im Konflikt mit Saudi-Arabien zumindest kurzfristig weiter auf Expansion zu setzen. Im Jemen selbst führten sie eine größere Offensive fort, die sie schon in der ersten Hälfte des Jahres 2020 begonnen hatten. Damals waren sie in den Provinzen al-Jauf und Marib gegen die Truppen der Regierung Hadi vorgerückt und hatten am 1. März al-Hazm ein­nehmen können, die Hauptstadt von al-Jauf.111 An­fang Februar 2021 begannen sie nun einen Angriff auf die Stadt Marib, ehemals eine Provinzstadt von 400 000 Einwohnern, die im Laufe des Konflikts aber auf 2,7 Millionen angewachsen war und als inoffizielle Hauptstadt der Regierung Hadi (der sich persönlich meist in Riad aufhielt) diente.112 Der Angriff zeigte, dass bei den Huthis die Vertreter einer harten Linie dominierten, die die Schwäche ihrer innerjemenitischen Gegner für einen vielleicht entscheidenden Schlag nutzen wollten.113 Ein Sieg in Marib würde die Huthis ihrem vorrangigen Ziel, die vollständige Kon­trolle über den ehemaligen Nordjemen zu erlangen, sehr nahe bringen.

Wenn Saudi-Arabien den Konflikt fortsetzt, bedeutet dies anhaltend hohe Kosten und Gefahren, ohne dass Riad Aussicht auf einen Sieg hätte.

Für das Verhältnis zu Iran aufschlussreicher waren aber Angriffe auf Saudi-Arabien. Die Huthis bekannten sich zu Angriffen auf die wichtige Ölverlade­station von Ras Tanura am Persischen Golf und wei­tere Ziele im Südwesten des Königreichs am 8. März 2021. Diese Attacken fanden ungefähr zeitgleich statt mit den Anschlägen iranloyaler irakischer Milizen auf die US-Basis im kurdisch-irakischen Erbil am 15. Februar 2021 und zwei weiteren ähnlichen An­grif­fen im Irak bis Anfang März.114 Die Koinzidenz spricht dafür, dass die Aktionen koordiniert waren, was wiederum eine dauerhaft vertiefte Kooperation zwischen Iran, den Huthis und den irakischen Mili­zen belegen würde. In diese Richtung weist auch die Tatsache, dass zumindest 2019 und 2020 mit General Abdul Reza Shahlai (alias Hajji Yusuf) ein besonders wichtiger und erfahrener Kommandeur des Quds-Korps als Statthalter in Sanaa fungiert haben soll.115 Für die Einheit hat sich das Bündnis als großer Erfolg erwiesen, denn Saudi-Arabien steht mit seiner Jemen-Politik seit 2019 vor einem Dilemma: Beendet das Königreich den Krieg in der jetzigen Situation, käme dies einer Niederlage gleich, denn die Huthis können militärisch nicht mehr zu Zugeständnissen ge­zwun­gen werden. Eine Fortsetzung des Konflikts bedeutet aber anhaltend hohe Kosten und die Gefahr weiterer Angriffe der Huthis auf die Städte und kritische Infra­struktur Saudi-Arabiens, ohne dass Riad Aussicht auf einen Sieg hätte.

Sollte der Krieg früher oder später enden, werden die Huthis über ein vollkommen ruiniertes Land herrschen.

Dennoch verdecken die militärischen Erfolge der Islamischen Republik im Jemen längerfristige Pro­bleme, die die Bedeutung des iranischen Einfluss­gewinns deutlich schmälern. Jemen ist das ärmste Land der arabischen Welt und die wirtschaftliche Situation war schon vor Beginn des Kriegs im Jahr 2014 schlecht. Im Laufe der Jahre 2020 und 2021 hat sich die Lage noch einmal dramatisch verschlim­mert.116 2018 konnte eine Hungersnot nur durch ausländische Hilfe abgewendet werden. Seit Jahren hungern Millionen Jemeniten, mindestens zwei Drittel der Bevölkerung sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Krankheiten wie Cholera und Diphterie sind verbreitet und große Teile der Infrastruktur sind zerstört. Sollte der Krieg früher oder später enden, werden die Huthis über ein vollkommen ruiniertes Land herrschen, das große Probleme hat, auch nur die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Selbst wenn sie sich also im Nordjemen durch­setzen sollten, werden die Rebellen ein denkbar schwacher Verbündeter sein, der über Jahre und Jahrzehnte hinaus nicht nur militärische, sondern auch humanitäre Hilfe und Hilfe zum Wiederaufbau benötigen wird.

Empfehlungen

Wären da nicht der hartnäckige Widerstand Israels und die fortgesetzte Präsenz der USA im Irak, in Syrien und in den arabischen Golfstaaten, stünde der Nahe Osten kurz vor einer iranischen Hegemonie. Doch die militärische Stärke der Achse des Widerstands geht mit immensen politischen und wirtschaftlichen Schwächen einher, die seit 2018 immer offener hervortreten. Im Libanon zeigt sich die Hisbollah nervös, weil Proteste gegen die Regierung belegen, wie unzufrieden die Bevölkerung mit der Dominanz der Schiitenpartei und ihrer korrupten Verbündeten in Beirut ist – ohne dass die Demonstranten die Macht hätten, die Stellung der Hisbollah tatsächlich zu schwächen. In Syrien stehen die Iraner und schii­tische Milizen unter dem militärischen Druck Israels, mit der Folge, dass die Dynamik der iranischen Ex­pansion dort stark nachgelassen hat, wenngleich Teheran seine Positionen bisher halten kann. Das Assad-Regime ist aber wirtschaftlich und finanziell so schwach, dass Iran es auf Jahre hin unterstützen muss, wenn es seinen Zusammenbruch verhindern will. Im Irak musste Teheran nicht nur einen Teil seines Ein­flusses auf die Regierung in Bagdad preis­geben, sondern auch militärische Rückschläge im Kampf gegen die USA hinnehmen. Auch hier wehrten sich Demonstranten wie im Libanon gegen die vor­herrschende Rolle Irans und seiner Verbündeten und die teils daraus resultierende Misswirtschaft und Kor­ruption. Im Jemen sind die Aussichten Irans auf einen Sieg der mit ihm verbündeten Huthi-Rebellen gut, doch könnte eine Teilung des Landes in zwei, drei oder mehr Teile folgen und auch die wirtschaft­liche Situation ist so katastrophal, dass der Jemen auf Jahre ein gescheiterter Staat bleiben dürfte.

Angesichts dieser Situation bleibt der westlichen Politik Raum für Gegenmaßnahmen. Zwar hängen die Handlungsoptionen Deutschlands und Europas in erster Linie davon ab, ob die laufenden Verhandlungen über das Atomabkommen zwischen den USA und Iran zu einem Erfolg führen. Doch auch wenn die Regierung Biden gerade dies fordert, ist es höchst un­wahrscheinlich, dass Iran seine Geländegewinne der letzten Jahre überhaupt nur zur Diskussion stellt. Denn die »Vorneverteidigung« im Libanon, Syrien, Irak und im Jemen ist ein integraler Bestandteil der iranischen Militärstrategie. Deshalb müssen unabhän­gig vom Ausgang der Atomverhandlungen Antworten auf die iranische Expansion gefunden werden. Deutsch­land und Europa sollten eine Leitlinie des Umgangs mit der Achse des Widerstands entwickeln, die sich in drei Grundrichtungen entwickeln könnte:

Erstens könnten die Europäer eine iranische Hege­monie akzeptieren. Für eine solche Politik spräche die militärische Stärke Irans und seiner Verbündeten im Libanon, in Syrien, im Irak und im Jemen. Dagegen spricht jedoch – ganz abgesehen davon, dass nicht klar wäre, ob dies Teheran nicht zu einer weiteren Expansion gegen die geostrategisch sehr viel wich­tigeren arabischen Golfstaaten ermutigen würde –, dass die Iraner es in keinem der genannten Länder geschafft haben, ihre militärischen Erfolge in eine politische Stabilisierung zu übersetzen. Vielmehr fördert Teheran mit seinem Vorgehen in der Region Staatsversagen, denn Korruption, Misswirtschaft und die Folgen der Kriege der letzten Jahre provozieren nicht nur Proteste (die im Libanon und im Irak in erster Linie durch die Covid-19-Epidemie beendet wurden); sie haben auch schon Millionen Einwohner dieser Länder in die Flucht getrieben. Herrschen das Quds-Korps und seine Verbündeten weiter, dürften sich noch mehr Menschen aus dem Libanon, aus Syrien, aus dem Irak und auch dem Jemen gegen einen Ver­bleib in ihrer Heimat entscheiden und sich auf den Weg Richtung Europa machen. Hinzu kommt, dass auch die militärischen Erfolge aufgrund fehlender politischer Maßnahmen nicht vollständig sind. An den Gründen für den Aufstieg sunnitischer Terrorgruppen – wie vor allem der Unterdrückung sunnitisch-ara­bischer Bevölkerungsteile – hat sich in Syrien und im Irak nichts geändert, so dass der Islamische Staat (IS) derzeit im Untergrund wieder erstarkt. Eine iranische Hegemonie würde wahrscheinlich zu einer wachsenden Gefahr durch iran­feindliche Terrorgruppen und längerfristig zu einer weiteren Destabilisierung führen.

Eine zweite, entgegengesetzte Option wäre, die iranische Expansion auf breiter Front mit einer Kom­bination von Maßnahmen bis hin zu militärischen Angriffen zurückzudrängen. Für eine solche Vor­gehensweise spräche etwa, dass wichtige Verbündete der Europäer (und der USA) im Nahen Osten leicht für sie zu gewinnen wären und auch ohne Abstimmung mit ihren westlichen Partnern schon entsprechende Schritte eingeleitet haben. Saudi-Arabien und die VAE haben dies mit ihrer Intervention im Jemen 2015 versucht, sind aber gescheitert. Israel bemüht sich mit seinen Angriffen in Syrien und im Irak schon seit 2017, die Expansion Irans in beiden Ländern ein­zudäm­men. Gegen diese Option spricht vor allem, dass die Erfahrungen der US-Trup­pen im Irak nach 2003, der Krieg Israels gegen die Hisbollah 2006 und die Erfolge der Huthis im Jemen zeigen, wie schwer sich moderne Armeen mit dem Kampf gegen irreguläre Kräfte tun und wie stark das Quds-Korps und seine Verbündeten sind. Zudem hat Iran mit seinen Angriffen in Saudi-Arabien im September 2019 be­wiesen, dass es die Versorgung der Weltwirtschaft mit Öl aus den Golf­staaten empfindlich behindern kann. Ergebnis einer solchen Strategie wären also ebenfalls anhaltende Instabilität und viel­leicht sogar eine Niederlage.

Bleibt drittens die (mit Abstand beste) Option einer Eindämmungsstrategie, deren langfristiges Ziel zwar das Ende der iranischen Expansion in den vier genann­ten Ländern ist, die aber kurzfristig auf der Einsicht beruht, dass Teheran und seine alliierten Akteure in einer starken Position sind. Dabei würden die Gegner der Islamischen Republik zweigleisig vorgehen. Ein Bestandteil wäre eine möglichst weitgehende Isolie­rung und Sanktionierung der bewaffneten Koopera­tionspartner Irans. Hierzu gehört als erster Schritt die Aufnahme der libanesischen Hisbollah, der Hisbollah-Bataillone, der Asa’ib Ahl al-Haqq und weiterer iran­loyaler Milizen und ihres Führungspersonals auf alle relevanten Terrorismuslisten – sofern sie dort noch nicht aufgeführt werden. Die USA sind da deutlich weiter als die Europäer, die sich bisher noch nicht einmal auf die Aufnahme der Hisbollah als Gesamtorganisation einigen können – ob­wohl diese sogar im EU-Mitgliedstaat Bulgarien am 18. Juli 2012 einen Anschlag auf israelische Touristen verübte, bei dem sieben Menschen getötet wurden. Bei der Hisbollah und den irakischen Milizen handelt es sich um in­tegrierte Organisationen, die nicht in eigenständige »gute« und »böse« Segmente unterteilt werden kön­nen, wie es die Listung eines »militärischen Flügels« der Hisbollah durch die EU im Jahr 2013 nahelegt.

Eine solche Strategie wäre stark abhängig von dem Ergebnis der Verhandlungen über das Atomabkommen. Sollten die USA infolge einer Einigung Sanktionen zurücknehmen, wäre zu befürchten, dass Iran das freigewordene Geld nutzt, um seine Expansionspolitik fortzusetzen und die Unterstützung für seine Verbündeten in der Achse des Widerstands noch aus­zubauen. An der Notwendigkeit, Iran im Nahen Osten entgegenzutreten, würde eine solche Entwicklung aber nichts ändern. Wenn es jedoch nicht zu einer neuen Verständigung über das iranische Atom­programm kommt, wäre eine entschlossene Eindämmungspolitik auch gegenüber der Islamischen Repu­blik selbst alternativlos. In einem solchen Fall sollte auch überlegt werden, ob iranische Institutionen und Akteure – und hier an erster Stelle das Quds-Korps – ebenfalls gelistet werden müssen. Dessen enge Bindung an unzweifelhaft terroristische Orga­nisationen wie die libanesische Hisbollah legt einen solchen Schritt ohnehin nahe.

Als Teil einer Eindämmungsstrategie sollten die Europäer gemeinsam mit den USA die Gegner Irans im Libanon, Syrien und im Irak stützen, um einen weiteren Machtzuwachs Teherans zu verhindern. Wie dies aussehen kann, verdeutlichte die Nato im Februar 2020, als sie ankündigte, ihre Ausbildungs- und Beratungsmission für das Militär im Irak auf 4 000 Mann aufzustocken. Zwar geht es bei dieser Entscheidung offiziell vor allem darum, das irakische Militär für den Kampf gegen den IS auszubilden, doch ist ein weiteres, nicht erklärtes Ziel, eine Institution zu stärken, in der der iranische Einfluss schwach ist. Ministerpräsident Mustafa al-Kazimi ist ebenfalls kein Freund Teherans und seiner Verbündeten im Irak, so dass auch seinen Bitten um Hilfe für den Wieder­aufbau des Landes entsprochen werden sollte.

Ein ähnliches Vorgehen böte sich im Libanon an, wo die Armee auf Distanz zur Hisbollah achtet, ob­wohl sie im Kampf gegen den IS teils eng mit ihr kooperieren musste. Bei Hilfen für den Wiederaufbau des Landes wäre darauf zu achten, dass diese mög­lichst nicht der Hisbollah und ihren Verbündeten zugutekommen. In Syrien ist der Spielraum der Euro­päer enger, doch wäre es dort unverändert ratsam, die Last des Kampfes gegen den IS mit den USA zu teilen, die immer noch knapp 700 Mann im Osten des Lan­des stationiert haben – um den IS zu bekämpfen und einen weiteren Ausbau der iranischen Land­brücke zu verhindern. Sollten sich die Amerikaner entscheiden, weiter dort präsent zu bleiben, sollten auch Deutschland und Europa die Entsendung von Militär anbieten. Sie sollten außerdem darauf hin­arbeiten, dass die Spannungen zwischen den von den USA unterstützten kurdischen Volksverteidigungskräften (faktisch der syrischen PKK) und der Türkei abgebaut werden. Eine Aufrechterhaltung der Sank­tionen gegen das Assad-Regime wäre ebenfalls ein wich­tiges Element einer solchen Strategie. Eine Förderung des Wiederaufbaus in Syrien würde sich jedoch verbieten, da ein solches Engagement dem Iran eine große Last abnehmen würde.

Ein Sonderfall wäre lediglich der Jemen. Denn der iranische Einfluss auf die Huthis dürfte immer noch deutlich schwächer sein als der auf die Hisbollah und andere irantreue Gruppierungen. Wichtigstes Ziel wäre zunächst, in Verhandlungen auszuloten, ob es möglich ist, die Huthis zu einem Rückzug aus dem iranischen Lager zu bewegen. Dafür müssten die Europäer (ebenso wie die USA) akzeptieren, dass die Huthis den Krieg und damit die Kontrolle über den Nordjemen gewonnen haben, und Hilfe für den Wiederaufbau anbieten. Entscheiden sich die Huthis aber langfristig für die Achse des Widerstands, dann sollte auch im Jemen eine Eindämmungsstrategie ähnlich der im Irak und Libanon verfolgt werden. Eine Listung der Huthis als terroristische Organisation wäre ein erster Schritt. Wer aber in dem südarabischen Land Partner für eine solche Strategie werden kann, hängt vor allem vom weiteren Verlauf des Krieges ab. Zurzeit deutet vieles auf eine Teilung des Jemen in mindestens zwei Staaten oder auch einen Zerfall in mehrere kleinere Einheiten hin.

Abkürzungen

AEI

American Enterprise Institute for Public Policy Research

CSIS

Center for Strategic and International Studies

IISS

The International Institute for Strategic Studies

MEI

Middle East Institute (Washington)

PKK

Partiya Karkerên Kurdistan (Arbeiterpartei Kurdistans)

VAE

Vereinigte Arabische Emirate

Endnoten

1

 Amr Yossef, Upgrading Iran’s Military Doctrine: An Offensive »Forward Defense«, Washington, D.C.: Middle East Institute (MEI), 10.12.2019, <https://www.mei.edu/publications/ upgrading-irans-military-doctrine-offensive-forward-defense> (Zugriff am 19.5.2021).

2

 Insgesamt setzen sich die Garden aus mindestens fünf Teilstreitkräften zusammen: Landstreitkräfte, Luftwaffe (ein­schließlich der Luftabwehr), Marine, Basij und Quds-Briga­den. Doch werden auch der Geheimdienst und die Wacht­truppen in einigen Quellen als Teilstreitkräfte geführt, vgl. z. B. »Iran ›Engaged In 24/7 Global Intelligence War‹, Says Guards Commander«, Radio Farda (online), 6.5.2019, <https:// en.radiofarda.com/a/iran-engaged-in-24-7-global-intelligence-war-says-guards-commander/29922400.html> (Zugriff am 19.5.2021).

3

 International Institute for Strategic Studies (IISS), The Military Balance 2019, London: Routledge 2019, S. 320–379 (»Middle East and North Africa«, hier S. 343). Einen um­fassenden Überblick über die Garden bietet Afshon Ostovar, Vanguard of the Imam: Religion, Politics, and Iran’s Revolutionary Guards, Oxford: Oxford University Press, 2016.

4

 Walter Posch, »Soleimanis Auftrag«, in: Zenith, 4 / 2014, S. 30–32 (31).

5

 Martin Chulov, »His Power Is Absolute. No One Can Chal­lenge Him«, in: The Guardian, 29.7.2011; Omar Al-Jaffal, »Iran Chooses Quds Force Stalwart for New Ambassador to Iraq«, Al‑Monitor, 13.2.2017, <www.al-monitor.com/pulse/originals/ 2017/02/iriji-masjdi-qods-force-iran-iraq.html>; Saleh Hamid, »Iran Assigns New Ambassador to Syria after Three Months’ Vacancy«, Al Arabiya, 1.1.2017, <https://english.alarabiya.net/ en/News/middle-east/2017/01/01/Iran-assigns-new-ambassador-to-Syria-after-three-months-vacancy.html> (Zugriff jeweils am 19.5.2021); »Iran Posts Guard Figure as Envoy to Houthis, Sparks Concern«, in: The Arab Weekly, 19.10.2020.

6

 Anthony Cordesman und Martin Kleiber berichten von zunächst 5 000 Mann und einer Erhöhung auf 15 000 im Jahr 2006, Anthony H. Cordesman / Martin Kleiber, Iran’s Military Forces and Warfighting Capabilities, Washington, D.C.: Center for Strategic and International Studies (CSIS), 2007, S. 78–79.

7

 Afshon Ostovar, Vanguard of the Imam [wie Fn. 3], S. 124f.

8

Ali Alfoneh, Brigadier General Qassem Suleimani: A Biography, Washington, D.C.: American Enterprise Institute for Public Policy Research (AEI), Januar 2011 (AEI Middle Eastern Out­look 1), <www.criticalthreats.org/wp-content/uploads/2016/ 07/suleimani-1.pdf> (Zugriff am 19.5.2021).

9

 Dexter Filkins, »The Shadow Commander«, in: The New Yorker, 30.9.2013, <www.newyorker.com/magazine/2013/ 09/30/the-shadow-commander> (Zugriff am 19.5.2021).

10

 Einen detaillierten Überblick über die Arbeitsweise des Quds-Korps bieten die später veröffentlichten Vernehmungs­protokolle von Qais al-Khaz’ali. Dieser war im März 2007 ver­haftet worden, nachdem er im Januar an der Ermordung von fünf US-Soldaten beteiligt gewesen war. Zu den Proto­kollen siehe The Qayis al-Khazali Papers, Washington, D.C.: AEI, o.D., <https://www.aei.org/the-qayis-al-khazali-papers/> (Zugriff am 19.5.2021).

11

 Zur damaligen Präsenz des Quds-Korps und General Soleimanis vgl. »Untold Facts on Israel-Hezbollah War in an Interview with Major General Qassem Soleimani«, khamenei.ir, 1.10.2019, <http://english.khamenei.ir/news/7074/ Untold-facts-on-Israel-Hezbollah-war-in-an-interview-with-Major> (Zugriff am 19.5.2021).

12

 Seth Jones, War by Proxy: Iran’s Growing Footprint in the Middle East, Washington, D.C.: CSIS, 11.3.2019 (CSIS Briefs), <https://www.csis.org/war-by-proxy> (Zugriff am 19.5.2021).

13

 »Khamenei Senior Advisor: Soleimani Established 82 Brigades in Syria, Iraq«, in: Asharq Al-Awsat, 12.1.2021.

14

 Der prominenteste Verlust war der von Brigadegeneral Hossein Hamadani im Oktober 2015. Hamadani war der Kommandeur des iranischen Kontingents in Syrien.

15

 Seth J. Frantzman, The Fatemiyoun, Imam Ali Base and Recent Moves by US, Russia, Israel and Iran, Oak Bluffs: Middle East Center for Reporting and Analysis (MECRA), 16.5.2020, <www.mideastcenter.org/post/the-fatemiyoun-imam-ali-base-and-recent-moves-by-us-russia-israel-and-iran> (Zugriff am 19.5.2021).

16

 Im Februar 2008 soll der Mossad auf die Tötung Solei­manis in Damaskus verzichtet haben, Adam Entous / Evan Osnos, »Qassem Suleimani and How Nations Decide to Kill«, in: The New Yorker, 3.2.2020, <https://bit.ly/35o7hlu> (Zugriff am 19.5.2021).

17

 Ali Alfoneh, Who Is the New Chief Commander of Iran’s Quds Force?, Washington, D.C.: The Arab Gulf States Institute in Washington, 3.1.2020, <https://agsiw.org/who-is-the-new-chief-commander-of-irans-quds-force/> (Zugriff am 19.5.2021).

18

 Qassim Abdul-Zahra / Samya Kullab, »Iran General Visits Baghdad, Tries to Forge Political Unity«, Associated Press, 1.4.2020.

19

 Martin Chulov / Dan Sabbagh, »After Suleimani: Iran’s Scramble to Recover from General’s Death«, in: The Guardian, 18.2.2020.

20

 Ali Alfoneh, »Who Is Mohammad Hossein-Zadeh Hejazi, the New Deputy Commander of Iran’s Qods Force?«, Washington, D.C.: The Washington Institute for Near East Policy, 22.1.2020 (Policy Watch 3245), <www.washington institute.org/policy-analysis/view/who-is-mohammad-hossein-zadeh-hejazi-the-new-deputy-commander-of-irans-qods> (Zugriff am 19.5.2021).

21

 Raz Zimmt, Implications of the Appointment of Mohammad Hosseinzadeh Hejazi as the Deputy Commander of the Qods Force, Ramat Hasharon: The Meir Amit Terrorism Intelligence and Information Center, 23.1.2020, <www.terrorism-info.org.il/ en/implications-appointment-mohammad-hossein-zadeh-hejazi-deputy-commander-qods-force/> (Zugriff am 19.5.2021).

22

 »Hassan Nasrallah: libanesischer Politiker; General­sekretär der Hisbollah«, in: Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, <www.munzinger.de/ search/go/document.jsp?id=00000025756> (Zugriff am 19.5.2021).

23

 »Nasrallah zum Vierzig-Tage-Gedächtnis von Badred­dine. Unser Geld und unsere Raketen erreichen uns von Iran« (arab.), Youtube, 24.6.2016, <www.youtube.com/ watch?v=m9ITEu1OObc> (Zugriff am 9.6.2021).

24

 IISS (Hg.), Iran’s Networks of Influence in the Middle East, London: IISS, November 2019, S. 66.

25

 U.S. House of Representatives Committee on Foreign Affairs, Hearing on »Hezbollah’s Growing Threat against US National Security Interests in the Middle East«, Washington, D.C., 22.3.2016, S. 17.

26

 Jo Becker, »Beirut Bank Seen as a Hub of Hezbollah’s Financing«, in: The New York Times, 14.12.2011.

27

 Ali Soufan, »Qassem Soleimani and Iran’s Unique Regional Strategy«, in: CTC Sentinel, 11 (November 2018) 10, S. 1–12 (6).

28

 Vgl. zum Beispiel Chloe Cornish / Asser Khattab/ Nahmeh Bozorgmehr, »Hizbollah Feels Pain of Iran’s Struggles for Cash«, in: Financial Times, 5.6.2019.

29

 Prashant Rao, Hezbollah a Force to be Reckoned with, Lon­don: IISS, 18.7.2006, <https://bit.ly/369ocbz> (Zugriff am 19.5.2021).

30

 Vgl. zum Beispiel Ben Hubbard, »Hezbollah Wields Rising Power as Iran's Enforcer«, in: The New York Times, 28.8.2017. Das IISS schätzte die Zahl für die 2010er Jahre auf 25–30 000, vgl. Iran’s Networks of Influence [wie Fn. 24], S. 62. Dabei dürften aber Reservisten und Hilfstruppen nicht mit­gezählt sein.

31

 Der wichtigste Fall war der von Ali Daqduq, vgl. Michael A. Gordon, »U.S. Ties Iran to Deadly Iraq Attack«, in: The New York Times, 2.7.2007, <www.nytimes.com/2007/07/02/world/ middleeast/02cnd-iran.html> (Zugriff am 19.5.2021).

32

 Dies berichtete beispielsweise Qais al-Khaz’ali nach seiner Verhaftung im Jahr 2007, vgl. The Qayis Al-Khazali Papers [wie Fn. 10].

33

 Für einen detaillierten Überblick vgl. Shaan Shaikh, »Missiles and Rockets of Hezbollah«, Missile Threat (online), 27.9.2019, <https://missilethreat.csis.org/country/hezbollahs-rocket-arsenal/> (Zugriff am 19.5.2021).

34

 »Israel Says Hezbollah Plans Advanced Missile Plant in Lebanon’s Bekaa«, Reuters, 3.9.2019, <www.reuters.com/ article/us-mideast-security-lebanon-israel/israel-says-hezbollah-plans-advanced-missile-plant-in-lebanons-bekaa-idUSKCN1VO207> (Zugriff am 19.5.2021).

35

 Judah Ari Gross, »Beirut UAV Raid, Blamed on Israel, Said to Hit Hezbollah Precision Missile Parts«, in: The Times of Israel, 27.8.2019, <www.timesofisrael.com/beirut-uav-raid-blamed-on-israel-said-to-hit-hezbollah-precision-missile-parts/> (Zugriff am 19.5.2021).

36

 Israel Defense Forces, Exposed: Three Hezbollah Missile Sites in Beirut, updated 5.10.2020, <www.idf.il/en/minisites/ hezbollah/exposed-three-hezbollah-missile-sites-in-beirut/> (Zugriff am 19.5.2021).

37

 Hussein Dakroub, »Iran Threat to Use Hezbollah Missiles against Israel Raises Tensions«, in: The Daily Star, Beirut, 4.1.2021.

38

 Für einen kurzen Überblick über die Drohnen der His­bollah siehe Nicholas Blanford / Assaf Orion, Counting the Cost. Avoiding Another War between Israel and Hezbollah, Washington, D.C.: The Atlantic Council, Mai 2020, S. 9, <www.atlantic council.org/wp-content/uploads/2020/05/ Counting-the-Cost-FINAL.pdf> (Zugriff am 19.5.2021).

39

 Zum Text vgl. Doha Agreement ›On the Results of the Lebanese National Dialogue Conference‹, 21.5.2008, <https://peacemaker. un.org/sites/peacemaker.un.org/files/Lebanon_DohaAgreement2008_Engl.pdf> (Zugriff am 19.5.2021). Das Vetorecht ist ver­steckt in der Bestimmung, dass in der Regierung der natio­nalen Einheit, die zu bilden sein würde, das Hisbollah-Bünd­nis 11 Ministerposten und damit eine Sperrminorität zugesprochen bekam.

40

 Vivian Yee / Hwaida Saad, »For Lebanon’s Shiites, a Dilemma: Stay Loyal to Hezbollah or Keep Protesting?«, in: The New York Times, 4.2.2020, <www.nytimes.com/2020/02/04/ world/middleeast/lebanon-protests-shiites-hezbollah.html> (Zugriff am 19.5.2021).

41

 Anchal Vohra, »The Increasingly Violent Conflict be­tween Shiites and Iran’s Proxies«, in: Foreign Policy, 18.2.2021, <https://foreignpolicy.com/2021/02/18/the-increasingly-violent-conflict-between-shiites-and-irans-proxies/> (Zugriff am 19.5.2021).

42

 Bassem Mroue, »Amid Crisis, Hezbollah ›Bank‹ a Lifeline for Some Lebanese«, Associated Press, 27.1.2021.

43

Ben Hubbard / Hwaida Saad, »Prominent Lebanese Critic of Hezbollah Is Killed«, in: The New York Times, 4.2.2021, <www.nytimes.com/2021/02/04/world/middleeast/lokman-slim-killed-hezbollah.html> (Zugriff am 19.5.2021).

44

 Vgl. zum Beispiel die Äußerungen des ehemaligen Kommandeurs der Basij-Milizen, Mehdi Taeb, aus dem Jahr 2013, »Leiter des Ammar-Befehlsstands: Unsere Priorität ist es, Syrien anstelle von Khuzestan zu behalten« (pers.), BBC, 14.2.2013, <www.bbc.com/persian/iran/2013/02/130214_nm_ tayeb_syria_basij.shtml> (Zugriff am 19.5.2021).

45

 Marie Donovan, Iran Loses a Key Player in Its Syria Strategy, Washington, D.C.: AEI, 9.10.2015 (AEI Blog Post), <http:// www.aei.org/publication/iran-loses-a-key-player-in-its-syria-strategy/> (Zugriff am 19.5.2021).

46

 Zu den niedrigen Schätzungen vgl. Jones, War by Proxy [wie Fn. 12]. Bei den höheren Schätzungen dürften Kon­tingente von iranischen Militärs mitgezählt sein, die für Sonder­aufgaben nach Syrien geschickt wurden, vgl. Walter Posch, »Sicherheitsdenken und Machtprojektion. Iran im Nahen Osten«, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 70 (2020) 21–22, S. 14, <www.bpb.de/apuz/309942/iran-im-nahen-osten> (Zugriff am 19.5.2021).

47

 Diese Zahlen stammen aus iranischen Quellen. Zu den iranischen Hilfen im Detail siehe »Factsheet: Syria-Iran Eco­nomic Relations«, The Syria Report, Juni 2020. Zur Zahl von 30 Milliarden vgl. auch Borzou Daragahi, »Iran Wants to Stay in Syria Forever«, in: Foreign Policy, 1.6.2018, <https:// foreignpolicy.com/2018/06/01/iran-wants-to-stay-in-syria-forever/> (Zugriff am 19.5.2021).

48

 Sam Dagher, »Syria’s Alawite Force Turned Tide for Assad: National Defense Force Helped Regain Territory from Rebels«, in: The Wall Street Journal, 26.8.2013, <https://www.wsj.com/articles/syrias-alawite-force-turned-tide-for-assad-1377568628?tesla=y> (Zugriff am 20.5.2021). Zu einer etwas niedrigeren Schätzung (50 000–70 000) vgl. Iran’s Networks of Influence [wie Fn. 24], S. 22 und 89.

49

 Arash Karami, »Former IRGC Commander’s Comments on Syria Censored«, Al Monitor, 6.5.2014, <https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2014/05/former-irgc-commander-syria-comments-censored.html> (Zugriff am 20.5.2021).

50

 »Hisbollah bekennt sich zum ersten Mal zum Kampf gegen die Revolution in Syrien« (arab.), in: Al Arabiya, 25.5.2013, <https://bit.ly/3gaw5Ds> (Zugriff am 20.5.2021).

51

 Seth G. Jones / Maxwell G. Markusen, The Escalating Con­flict with Hezbollah in Syria, Washington, D.C.: CSIS, 20.6.2018 (CSIS Briefs), S. 4. Die niedrigere Zahl von 7 000 wird genannt in: Iran’s Networks of Influence [wie Fn. 24], S. 111.

52

 IISS spricht von Totenzahlen zwischen 1 500 und 2 200 und fast 6 000 Verletzten, vgl. Iran’s Networks of Influence [wie Fn. 24], S. 111.

53

 Eine sehr anschauliche Karte der Hisbollah-Präsenz in Syrien 2020 findet sich bei Navvar Sabban, Factbox: Iranian Influence and Presence in Syria, Washington, D.C.: The Atlantic Council, 5.11.2020, <www.atlanticcouncil.org/blogs/ menasource/factbox-iranian-influence-and-presence-in-syria/> (Zugriff am 20.5.2021).

54

 Philipp Smyth, The Shiite Jihad in Syria and Its Regional Effects, Washington, D.C.: The Washington Institute for Near East Policy, 2015 (Policy Focus 138), S. 21–22, <https://www. washingtoninstitute.org/media/2538>. Die Hisbollah nutzte dieselbe Argumentation, Aymenn Jawad Al‑Tamimi, »Hiz­ballah, the Jihad in Syria, and Commemorations in Leba­non«, in: MERIA Journal, 19 (2015) 1, S. 8–36, <http://www. aymennjawad.org/17571/hizballah-the-jihad-in-syria-and-commemorations#_edn1> (Zugriff jeweils am 20.5.2021).

55

 Saud Al Sarhan, »From Qusair to Yabrud: Shiite Foreign Fighters in Syria«, Al Monitor, 6.3.2014, <https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2014/03/qusair-yabroud-shiite-foreign-fighters-syria.html#ixzz6BCFtUksy> (Zugriff am 20.5.2021).

56

 IISS schätzte die Zahl der Fatimiyun auf 4 000–8 000, die der Zainabiyun auf 1 000, vgl. Iran’s Networks of Influence [wie Fn. 24], S. 105. Zu etwas höheren Schätzungen für die Fatimiyun vgl. Jones, War by Proxy [wie Fn. 12].

57

 Zu den afghanischen und pakistanischen Kämpfern im Detail vgl. Nils Wörmer, »Assads afghanische Söldner: Der Einsatz der Fatemiyoun in Syrien«, in: Die Politische Meinung, 63 (November/Dezember 2018) 553, S. 32–37.

58

 Dass es schon vor 2017 einen ausgearbeiteten Plan für die Landbrücke gab, schreibt Martin Chulov, »Amid Syrian Chaos, Iran’s Game Plan Emerges: A Path to the Mediterra­nean«, in: The Guardian, 8.10.2016, <www.theguardian.com/ world/2016/oct/08/iran-iraq-syria-isis-land-corridor>. Zu Erwähnungen des Konzepts durch iranische Politiker und Militärs vgl. David Adesnik / Behnam Ben Taleblu, Burning Bridge. The Iranian Land Corridor to the Mediterranean, Washington, D.C.: Center on Military and Political Power, 18.6.2019, S. 13–16, <www.fdd.org/analysis/2019/06/18/ burning-bridge/> (Zugriff jeweils am 20.5.2021).

59

 Die Iraner scheinen auf insgesamt drei Routen abgezielt zu haben, von denen bis heute nur die zentrale Verbindung entlang des Euphrat offen ist. Eine Karte findet sich in: Iran’s Networks of Influence [wie Fn. 24], S. 101.

60

 Frantzman, The Fatemiyoun, Imam Ali Base and Recent Moves [wie Fn. 15].

61

 Armenak Tokmajyan, How Southern Syria Has Been Trans­formed into a Regional Powder Keg, Washington, D.C.: Carnegie Middle East Center, Juli 2020, S. 8, <https://carnegieendow ment.org/files/Tokmajyan_Syria2.pdf> (Zugriff am 20.5.2021).

62

Gil Murciano, Preventing a Spillover of the Iran-Israel Conflict in Syria, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Juli 2018, S. 3 (SWP Comment 27).

63

 Isabel Kershner / David M. Halbfinger, »Israel and Iran, Newly Emboldened, Exchange Blows in Syria Face-Off«, in: The New York Times, 10.5.2018, <www.nytimes.com/2018/ 05/10/world/middleeast/israel-iran-syria-military.html> (Zugriff am 20.5.2021).

64

 Sune Engel Rasmussen / Felicia Schwartz, »Israel Broadens Fight against Iran«, in: The Wall Street Journal, 15.7.2018, <https://www.wsj.com/articles/israel-broadens-fight-against-iran-1531684841> (Zugriff am 20.5.2021).

65

 Zu Syrien vgl. Kheder Khaddour / Harith Hasan, The Transformation of the Iraqi-Syrian Border: From a National to a Regional Frontier, Washington, D.C.: Carnegie Middle East Center, X-Border Local Research Network, März 2020, <https://carnegieendowment.org/files/Hasan_Khaddour_Iraq-Syria_Border1.pdf> (Zugriff am 20.5.2021). Zum Irak vgl. Alissa J. Rubin / Ronen Bergman, »Israeli Airstrike Hits Weapons Depot in Iraq«, in: The New York Times, 22.8.2019, <www.nytimes.com/2019/08/22/world/middleeast/israel-iraq-iran-airstrike.html> (Zugriff am 20.5.2021).

66

 Nick Grinstead, As Iran Redeploys amid Covid-19, Russia Is Filling the Vacuum in Eastern Syria, Washington, D.C.: MEI, 5.6.2020, <www.mei.edu/publications/iran-redeploys-amid-covid-19-russia-filling-vacuum-eastern-syria> (Zugriff am 20.5.2021).

67

 Khaled al-Khateb, »Iranian Forces Form New Groups to Boost Influence in East Syria«, Al Monitor, 23.2.2021, <https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2021/02/iran-groups-east-syria-presence-influence-recruitment.html> (Zugriff am 20.5.2021).

68

 Khaled al-Khateb, »Iranian Forces in East Syria Redeploy after Airstrikes«, Al Monitor, 15.1.2021, <https://www.al-monitor.com/originals/2021/01/syria-israel-airstrikes-iran-forces-redeployment-weapons.html> (Zugriff am 20.5.2021).

69

 Terry Gross, Leaked Intelligence Reports Reveal the Vast Power Iran Wields in Iraq, Washington, D.C.: NPR (National Public Radio), 16.1.2020, <www.npr.org/2020/01/16/796978484/ leaked-intelligence-reports-reveal-the-vast-power-iran-wields-in-iraq> (Zugriff am 20.5.2021).

70

 Zitiert nach Martin Chulov, »Qassem Suleimani: the Iranian General ›Secretly Running‹ Iraq«, in: The Guardian, 28.7.2011, <www.theguardian.com/world/2011/jul/28/ qassem-suleimani-iran-iraq-influence> (Zugriff am 20.5.2021).

71

 Zu den Zahlen vgl. z. B. Kyle Rempfer, »Iran Killed More US Troops in Iraq than Previously Known, Pentagon Says«, in: Military Times, 4.4.2019, <www.militarytimes.com/news/ your-military/2019/04/04/iran-killed-more-us-troops-in-iraq-than-previously-known-pentagon-says/> (Zugriff am 20.5.2021).

72

 Sistani ließ seinen Vertreter Abd al-Mahdi al-Karbala’i den Text verlesen. Die wichtigsten Passagen können auf der Webseite Sistanis eingesehen werden: <www.sistani.org/ arabic/archive/24918/> (Zugriff am 20.5.2021).

73

 Kirk H. Sowell, »The Rise of Iraq’s Militia State«, Sada (online), 23.4.2015, <http://carnegieendowment.org/sada/ ?fa=59888> (Zugriff am 20.5.2021).

74

Zu einer hohen Schätzung von mehr als 150 000 Mann vgl. Michael Knights / Hamdi Malik / Aymenn Jawad Al-Tami­mi, Honored, not Contained. The Future of Iraq’s Popular Mobilization Forces, Washington, D.C.: The Washington Institute for Near East Policy, März 2020, S. 21, <www.washington institute.org/media/4125?disposition=inline> (Zugriff am 20.5.2021). Die tatsächliche Stärke könnte darunter liegen. Zu einer Schätzung von 100 000–122 000 (die auf Zahlen aus dem irakischen Budget beruhen) vgl. IISS, Iran’s Networks of Influence [wie Fn. 24], S. 122–139.

75

 Susannah George, »Breaking Badr«, in: Foreign Policy, 6.11.2014, <http://foreignpolicy.com/2014/11/06/breaking-badr/> (Zugriff am 20.5.2021). Beide Zahlen können zutref­fen, wenn man zwischen der geringeren Zahl von Kämpfern und der höheren Zahl von politischem Personal unter­scheidet.

76

 Jonathan Spyer, »Shia’s Dawn: Rise of Shia Militias Shapes the Future of Iraq«, in: Jane’s Intelligence Review, 27 (August 2015) 8, S. 40–45 (42).

77

 Ned Parker / Babak Dehghanpisheh / Isabel Coles: »Special Report: How Iran’s Military Chiefs Operate in Iraq«, Reuters, 24.2.2015.

78

 Inna Rudolf, From Battlefield to Ballot Box. Contextualising the Rise and Evolution of Iraq’s Popular Mobilisation Units, London: The International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR), 2018, S. 20, <https://bit.ly/363Qk00> (Zugriff am 20.5.2021). Eine Quelle sprach für 2015 von bis zu 30 000 Kämpfern, vgl. Spyer, »Shia’s Dawn« [wie Fn. 76], S. 43.

79

 Joseph Felter / Brian Fishman, Iranian Strategy in Iraq. Politics and »Other Means«, West Point, NY: Combating Terror­ism Center, 13.10.2008, S. 50 (Occasional Paper Series).

80

 Rudolf, From Battlefield to Ballot Box [wie Fn. 78], S. 19.

81

 Muhandis selbst bestätigte die enge Bindung an Iran, vgl. Jonathan Spyer, »Iraq Falls apart along Sectarian Lines as Iran-backed Forces Keep Islamic State at Bay«, in: The Austra­lian, 4.7.2015.

82

 Renad Mansour, Networks of Power. The Popular Mobilization Forces and the State in Iraq, London: Chatham House, 25.2.2021, S. 4, <www.chathamhouse.org/sites/default/files/2021-02/ 2021-02-25-networks-of-power-mansour.pdf> (Zugriff am 20.5.2021).

83

 Rudolf, From Battlefield to Ballot Box [wie Fn. 78], S. 12.

84

 Andrew England / Chloe Cornish, »Iraqi Militias Frustrate US Peace Hopes«, in: Financial Times, 1.3.2021. Zu den ein­zelnen Posten des Budgets von 2019 vgl. Mansour, Networks of Power [wie Fn. 82], S. 27.

85

 Robert F. Worth, »Inside the Iraqi Kleptocracy«, in: New York Times Magazine, 29.7.2020, <www.nytimes.com/2020/07/ 29/magazine/iraq-corruption.html> (Zugriff am 20.5.2021).

86

 Margret Coker, »Iraqi Election Front-Runner Moktada al‑Sadr Courts Partners to Govern«, in: The New York Times, 15.5.2018, <www.nytimes.com/2018/05/15/world/middle east/iraqi-election-moktada-al-sadr-government.html> (Zugriff am 20.5.2021).

87

Alissa J. Rubin / Farnaz Fassihi, »A Shiite Holiday Turns into a Test of Iranian Power in Iraq«, in: The New York Times, 22.10.2019, <www.nytimes.com/2019/10/22/world/middle east/iraq-iran-pilgrimage-shiite.html> (Zugriff am 20.5.2021).

88

 Für einen detaillierten Überblick vgl. United Nations Assistance Mission for Iraq, Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights, Human Rights Violations and Abuses in the Context of Demonstrations in Iraq October 2019 to April 2020, Bagdad, August 2020, <www.uniraq.org/ index.php?option=com_k2&view=itemlist&layout=category&task=category&id=164&Itemid=650&lang=en> (Zugriff am 20.5.2021).

89

 Raz Zimmt, Iran Faces Growing Challenges in Iraq but Is Determined to Further Its Vital Interests, Ramat Hasharon: The Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center, 14.7.2020, S. 8–9, S. 15, <https://www.terrorism-info.org.il/ app/uploads/2020/07/E_172_20.pdf> (Zugriff am 20.5.2021).

90

 Alissa J. Rubin, »Iraq Forms Government and Picks U.S.-Backed Leader«, in: The New York Times, 7.5.2020, <https:// www.nytimes.com/2020/05/06/world/middleeast/iraq-prime-minister-mustafa-khadimi.html> (Zugriff am 20.5.2021).

91

 Dies., »Iraq Raids Iranian-Backed Militia Accused of Attacking U.S. Forces«, in: The New York Times, 26.6.2020, <https://www.nytimes.com/2020/06/26/world/middleeast/iraq-militia-iran-hezbollah.html> (Zugriff am 20.5.2021).

92

 Dies., »Killing of Security Analyst Seen as Message to Iraqi Government«, in: The New York Times, 7.7.2020, aktua­lisiert 10.7.2020, <www.nytimes.com/2020/07/07/world/ middleeast/iraq-hashimi-killing.html> (Zugriff am 20.5.2021).

93

 »US Sanctions Key Leader of Iraqi PMF, Hezbollah Brigades«, in: The Arab Weekly, 14.1.2021, <https://thearab weekly.com/us-sanctions-key-leader-iraqi-pmf-hezbollah-brigades> (Zugriff am 20.5.2021). Für eine Liste weiterer Kommandeure siehe Mansour, Networks of Power [wie Fn. 82], S. 7.

94

 Zum iranischen Konzept der »plausiblen Abstreitbar­keit« vgl. das Zitat von Michael Knights in: »Iraqi Militias Frustrate US Peace Hopes« [wie Fn. 84]. Eine Liste der wich­tigsten Namen der neuen Gruppen findet sich bei Mansour, Networks of Power [wie Fn. 82], S. 12.

95

Helene Cooper / Eric Schmitt, »U.S. Airstrikes in Syria Target Iran-backed Militias that Rocketed American Troops in Iraq«, in: The New York Times, 25.2.2021, <https://www. nytimes.com/2021/02/25/us/politics/biden-syria-airstrike-iran.html> (Zugriff am 20.5.2021).

96

 Michael Horton, »Borderline Crisis: Saudi Arabia Inter­venes in Yemen«, in: Jane’s Intelligence Review, 22 (Januar 2010) 1, S. 12–17.

97

 Thomas Juneau, »Iran's Policy towards the Houthis in Yemen: A Limited Return on a Modest Investment«, in: Inter­national Affairs (Oxford), 92 (Mai 2016) 3, S. 647–663 (656).

98

 Gerald Feierstein, »Iran’s Role in Yemen and Prospects for Peace«, The Iran Primer, 5.12.2018, <https://iranprimer. usip.org/blog/2018/dec/05/iran%E2%80%99s-role-yemen-and-prospects-peace> (Zugriff am 20.5.2021).

99

 Sam Jones / Simeon Kerr, »Mystery Deepens over Iranian Cargo Ships en Route to Yemen«, in: Financial Times, 22.5.2015.

100

Yara Bayoumy / Mohammed Ghobari, »Iranian Support Seen Crucial for Yemen's Houthis«, Reuters, 15.12.2014, <http://www.reuters.com/article/us-yemen-houthis-iran-insight-idUSKBN0JT17A20141215> (Zugriff am 20.5.2021).

101

 Nima Adelkah, »Iranian Perspectives on Yemen’s Houthis«, in: Terrorism Monitor, 13 (26.6.2015) 13, S. 4–5 (4), <https://jamestown.org/wp-content/uploads/2015/06/ TerrorismMonitorVol13Issue13_01.pdf> (Zugriff am 20.5.2021).

102

 Alex Vatanka, »Iran’s Role in the Yemen Crisis«, in: Stephen W. Day / Noel Brehony (Hg.), Global, Regional, and Local Dynamics in the Yemen, Cham u.a. 2020, S. 149–164 (154).

103

 Vgl. zum Beispiel Emile Hokayem / David B. Roberts, »The War in Yemen«, in: Survival, 58 (2016) 6, S. 157–186 (163f).

104

 Abd al-Malik ist ein jüngerer Bruder Husain al-Huthis und folgte diesem als Anführer der Bewegung. Ihr Vater, der Religionsgelehrte Badr ad-Din (1926–2010), fungierte als eine Art religiöser Führer.

105

 Vivian Yee, »Houthis Strike Saudi Airport, Escalating Yemen Conflict«, in: The New York Times, 12.6.2019, <https:// www.nytimes.com/2019/06/12/world/middleeast/saudi-airport-attack.html> (Zugriff am 20.5.2021).

106

 Isabel Coles / Dion Nissenbaum, »U.S.: Saudi Pipeline Attacks Originated From Iraq«, in: The Wall Street Journal Online, 28.6.2019.

107

 In einem UN-Bericht wurden die bei den Angriffen von Afif, Abha, Khurais und Abqaiq genutzten Drohnen und Marschflugkörper als iranischer Herkunft identifiziert, vgl. Michelle Nichols, »Arms Seized by U.S., Missiles Used to Attack Saudi Arabia ›of Iranian Origin‹: U.N.«, Reuters, 12.6.2020, <https://www.reuters.com/article/us-iran-usa-un-idUSKBN23J08C> (Zugriff am 20.5.2021).

108

 Zu diesen Nachrichten vgl. zum Beispiel »Yemen and Iran: The Houthi Model of Government«, in: The Economist, 8.2.2020.

109

 Noel Brehony, »War in Yemen: No End in Sight as the State Disintegrates«, in: Asian Affairs, 51 (2020) 3, S. 510–527 (517–519).

110

 Sarah Dadouch, »Houthis Claim Attack on Saudi Oil Facilities«, in: The Washington Post, 8.3.2021.

111

 Nadwa Al-Dawsari, Running around in Circles: How Saudi Arabia Is Losing Its War in Yemen to Iran, Washington, D.C.: MEI, 3.3.2020, <www.mei.edu/publications/running-around-circles-how-saudi-arabia-losing-its-war-yemen-iran> (Zugriff am 20.5.2021).

112

 Bethan McKernan, »Yemen War: Mass Displacement Fears as Fighting Intensifies in Marib«, in: The Guardian, 12.3.2021.

113

 Raiman al-Hamdani / Helen Lackner, Talking to the Houthis: How Europeans Can Promote Peace in Yemen, London : European Council on Foreign Relations (ECFR), Oktober 2020, S. 14f, <https://ecfr.eu/archive/page/-/talking_to_the_ houthis_how_europeans_can_promote_peace_in_yemen.pdf> (Zugriff am 20.5.2021).

114

 Jonathan Spyer, »Who Bombed the Saudi Oil Storage Yard at Ras Tanura?«, in: Jerusalem Post, 11.3.2021.

115

 John Hudson / Missy Ryan / Josh Dawsey, »On the Day U.S. Forces Killed Soleimani, They Targeted a Senior Iranian Official in Yemen«, in: The Washington Post, 10.1.2020, <https://wapo.st/3qCDkrv> (Zugriff am 20.5.2021).

116

 Brehony, »War in Yemen« [wie Fn. 109], S. 515.

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