Pläne der wichtigsten Satelliten-Unternehmen

Daten zu den Plänen der Unternehmen
Stand: 20.10.2022
Aufgeführt sind hier Firmen, deren Ziel es ist, auf der Basis von LEO-Konstellationen Breitband-Internetverbindungen anzubieten.
Amazon (»Project Kuiper«)
Unternehmenssitz: Vereinigte Staaten von Amerika
Gegenwärtiger Umfang: 0 LEO-Satelliten stationiert
Geplanter maximaler Umfang: 3.236
- Amazon hat im Juli 2020 die Autorisierung für den Betrieb einer Satellitenkonstellation aus 3.236 Satelliten über dem Gebiet der USA erhalten.
- Die FCC-Lizenz verpflichtet Amazon, mindestens die Hälfte seiner geplanten 3.236-Satelliten-Konstellation bis 2026 zu starten.
- In diesem Zusammenhang kündigte Amazon an, mindestens 10 Milliarden US-Dollar in das Projekt investieren zu wollen.
- Insbesondere setzt Project Kuiper dabei auf Blue Origin. Die Firma Blue Origin ist im Besitz von Jeff Bezos, dem zugleich noch immer große Teile von Amazon gehören. Wie Elon Musk hat auch Jeff Bezos weitreichende Ambitionen zur Erschließung des Weltalls. Als Teil dieser Ambitionen soll Blue Origin neue Trägerraketen entwickeln, die dann auch von Project Kuiper genutzt werden können.
- April 2022: Amazon hat bei drei Raumfahrtunternehmen insgesamt 83 Starts von Schwerlastraketen bestellt. Arianespace (Ariane 6), Blue Origin (New Glenn), United Launch Alliance (Vulcan Centaur). Alle drei Raketentypen haben ihren Erstflug noch vor sich.
AST & Science (»SpaceMobile«)
Unternehmenssitz: Vereinigte Staaten von Amerika
Gegenwärtiger Umfang: 1 LEO-Satelliten stationiert
- 1 Test-Satellit im April 2019
- Im September 2022 hat der Testsatellit BlueWalker 3 erfolgreich den Orbit erreicht. Mit einer Größe von 64 m² handelt es sich um den größten kommerziellen Kommunikationssatelliten, der je in einen niedrigen Erdorbit gebracht wurde.
- Das Unternehmen hat bereits Partnerschaften mit über 25 Mobilfunkbetreibern weltweit geschlossen, darunter Vodafone.
Geplanter maximaler Umfang: 243
- Das Unternehmen hat das Ziel, eine LEO-Konstellation aufzubauen, die es ermöglichen soll, dass sich die Endkunden mit handelsüblichen Mobilfunkgeräten auf Basis von 4G oder 5G direkt mit den Satelliten verbinden können. Zu den Investoren hinter AST & Science gehören unter anderem Vodafone aus Großbritannien, Rakuten aus Japan und Samsung aus Südkorea.
- Im April 2020 hat das Unternehmen gegenüber der FCC Pläne für den Aufbau einer Konstellation aus 243 LEO-Satelliten angekündigt. Das Unternehmen gibt dabei an, in Zusammenarbeit mit lokalen Telekommunikationsunternehmen bereits zugewiesene Frequenzbereiche für 4G und 5G nutzen zu wollen.
- AST SpaceMobile geht davon aus, dass bei voller Kapazität bis zu sechs BlueBird-Satelliten pro Monat in seinen Produktionsstätten in Texas gefertigt werden können.
Boeing
Unternehmenssitz: Vereinigte Staaten von Amerika
Gegenwärtiger Umfang: 0 LEO-Satelliten stationiert
Geplanter maximaler Umfang: 147
- Im November 2021 hat die Federal Communications Commission (FCC) das 2017 vorgeschlagene Satelliten-Internetprojekt von Boeing mit 147 Satelliten genehmigt. Boeing hat nun sechs Jahre Zeit, um die Hälfte seiner Satellitenkonstellation zu starten, und neun Jahre, um das gesamte Netz aufzubauen.
Galaxy Space
Gegenwärtiger Umfang: 7 LEO-Satelliten stationiert
Geplanter maximaler Umfang: 1.000
- Auf der Webseite des Unternehmens wird eine Konstellationsgröße von 1.000 Satelliten angegeben.
- Im März 2022 startete das Unternehmen sechs weitere Satelliten und bildet damit ein Experimentiernetzwerk.
- Eine Fabrik zur Herstellung von Satelliten des Unternehmens in Nantong kann nach eigenen Angaben 300-500 Satelliten pro Jahr produzieren.
- Es wird vermutet, dass die privaten Konstellationspläne in die staatlichen Pläne der »GW«-Konstellation eingegliedert werden. Die bereits existierenden Satelliten sowie die Massenproduktionskapazitäten des Unternehmens könnten einen bedeutsamen Beitrag leisten.
Lynk (früher: »UbiquityLink«)
Unternehmenssitz: Vereinigte Staaten von Amerika
Gegenwärtiger Umfang: 1 LEO-Satellit stationiert
- Erster erfolgreicher Test einer direkten Verbindung von einem Mobilfunktelefon per Standard-Mobilfunkprotokoll (2G)
- In der Vergangenheit operierte das Unternehmen unter dem Namen »UbiquityLink«.
Geplanter maximaler Umfang: 10
- Das erklärte Ziel von Lynk ist, eine direkte Verbindung zu den Satelliten von Standard-Mobilfunktelefonen aus zu ermöglichen.
- Lynk plant, 2022 seinen globalen »Mobilfunkmasten-im-Weltraum«-Dienst anzubieten. Aufgrund der geringen Größe der Konstellation, 10 Satelliten, wird der Service wahrscheinlich auf Nachrichten und Notfallwarnungen beschränkt sein.
- Lynk wartet auf einen Nachholtermin für den ursprünglich im April 2022 geplanten Start ihres zweiten Satelliten und plant den Start des dritten und vierten Satelliten für November 2022.
OneWeb
Unternehmenssitz: Großbritannien
Gegenwärtiger Umfang: 428 LEO-Satelliten stationiert
- Im Frühjahr 2020 meldete OneWeb Insolvenz an. Das Insolvenzverfahren wurde am 20. November 2020 durch den Kauf des Unternehmens durch die britische Regierung und den indischen Konzern Bharti Global beendet.
- Im Juli 2022 verkünden der französische Satellitenbetreiber Eutelsat und OneWeb, dass sie bis Mitte 2023 fusionieren wollen.
- Für die Produktion der benötigten Satelliten hatte OneWeb ein Joint Venture mit Airbus gegründet und Produktionsstätten in Europa und den USA eingerichtet.
- Die aktuelle Satellitengeneration von OneWeb wird in einem Joint Venture mit Airbus in einem 2019 eröffneten Werk in Florida gebaut. Vor der Eröffnung des Werks in Florida baute Airbus eine erste Reihe von Satelliten in einer Anlage in Toulouse, Frankreich. (15.12.2021)
Geplanter maximaler Umfang: 648
- Im Raum steht die Möglichkeit, dass die zweite Generation von OneWeb Satelliten in Großbritannien gebaut wird. (15.12.2021)
- Bis zum Insolvenzverfahren war der Plan, zunächst bis 2020 650 LEO-Satelliten zu stationieren, wobei es schon damals weitergehende Überlegungen für eine Konstellation aus 5.260 Satelliten gab.
- Während des laufenden Insolvenzverfahrens hat OneWeb im Mai 2020 noch einmal seinen Antrag bei der Federal Communications Commission (FCC) erweitert und beantragte die Lizenz zum Betrieb von 47.844 Satelliten. OneWeb hat diesen Antrag allerdings wieder zurückgezogen und plante dann mit 6.372 Satelliten weiter.
- Die erste Konstellationsgeneration soll nun doch nur 648 Satelliten umfassen und bis zum zweiten Quartal 2023 vollständig eingerichtet sein, sodass diese zum Ende des Jahres mit weltweiter Abdeckung 24/7 in Betrieb sein kann.
- Die zweite Generation von OneWebs Satellitennetzkonstellation, die die ursprüngliche Konstellation von 648 Satelliten um zusätzliche Kapazitäten erweitert, soll mit einer Terran R, der ersten vollständig wiederverwendbaren und 3D-gedruckten Rakete des Unternehmens Relativity Space, befördert werden.
- Im September 2022 meldet OneWeb eine Kooperation mit der University of Surrey und dem IT- und Unternehmensdienstleister CGI, um die Integration von Satellitenkommunikation und 5G-Mobilfunknetzen zu testen.
Rivada Space Networks (früher: KleoConnect)
Unternehmenssitz: Deutschland/USA
Zusammenfassung der Firmengeschichte (Quelle):
- Das Liechtensteiner Unternehmen Trion Space sicherte sich 2014 Frequenzen im Ka-Band Bereich.
- Trion Space gehört zu 85% dem Liechtensteiner Investor Michael Frommelt und zu 15% KleoConnect
- 2018 übernahmen Investoren um die Satellitenfirma Shanghai Spacecom Satellite Technology (SSST) 53% an Kleo.
- 2019 wurden zwei Demo-Satelliten gestartet. In diesen Prozess seien die europäischen Partner wohl nicht eingebunden gewesen. Es entstand der Eindruck, die chinesische Seite sei nur an den Frequenzen interessiert
- Als es dem Kleo-Gründer nicht gelang, sich von seinen chinesischen Partnern zu trennen, fädelte er die Übernahme der Liechtensteiner Trion-Anteile durch die US-Telecomfirma Rivada ein.
- Die chinesischen Investoren betrachten den Rivada-Einstieg als »Versuch einer sogenannten feindlichen Übernahme«
- Rivada-Chef Ganley ist davon überzeugt, den asiatischen Investoren die Frequenzen entzogen zu haben. Sein Konzept: 600 Satelliten auf 24 Bahnen.
Gegenwärtiger Umfang: 0 LEO-Satelliten stationiert
- KleoConnect hat 2018 2 Test-Satelliten stationiert. Da diese von China aus gestartet wurden, ist aber unklar, ob Rivada Space Networks darauf Zugriff hat.
Geplanter maximaler Umfang: 600
- Geplant ist eine Konstellation von 600 Satelliten. Um Fristen der ITU einzuhalten, sollen die ersten Satelliten Ende 2024 starten. Mitte 2028 soll die Satellitenformation fertig sein.
SatNet (»GW«, Guowang)
Unternehmenssitz: China
Gegenwärtiger Umfang: 2 LEO-Satelliten stationiert
- China Aerospace Science and Industry Corporation (»Hongyun«)
- Ausbaustand: 1, Pläne: 864
- China Aerospace Science and Technology Corporation (»Hongyan«)
- Ausbaustand: 1, Pläne: 320
Geplanter maximaler Umfang: 12.992 Satelliten
- Die bisher vorgestellten Pläne für verschiedene staatlich getriebene Konstellationen wurden von der chinesischen Regierung in eine große nationale Initiative (»GW«, Guowang) zusammengeführt, in der die zwei kleineren Konstellationen »Hongyun« und »Hongyan« eingegliedert werden.
- Betrieben werden soll diese Konstellation von der im April 2021 gegründeten China Satellite Network Group Co. Ltd. Unbekannt ist weiterhin der Zeitplan für den Ausbau, die Zielgruppe sowie die Vermarktung. Zuvor angekündigte LEO-Konstellationen sahen die Bereitstellung für »Belt and Road«-Länder und ländliche Gebiete vor.
SpaceX (»Starlink«)
Unternehmenssitz: Vereinigte Staaten von Amerika
Gegenwärtiger Umfang: 2.923 LEO-Satelliten stationiert
- Starlink hat inzwischen fast 500.000 Nutzerinnen und Nutzer und ist in 32 Ländern und neun Sprachen verfügbar. In allen Ländern außer Afghanistan, Belarus, Kuba, China, Iran, Nordkorea, Russland, Syrien und Venezuela ist Starlink entweder verfügbar, steht auf der Warteliste oder wird bald eingeführt.
- Astronomen sind besorgt, dass das Unternehmen bei seinen Bemühungen, die Helligkeit der Satelliten zu verringern, nachlassen könnte, da die Satelliten der Version 1.5 keine Visiere haben, die die Reflexion des Sonnenlichts verringern, die astronomische Beobachtungen stört.
- Im Juni 2022 zählte SpaceX 30.000 Bestellungen für Starlink für Wohnmobile. Starlink für Wohnmobile ist nicht für die Nutzung während der Fahrt konzipiert.
- Die US-Luftwaffe erteilte Starlink Anfang August 2022 einen Auftrag für Satelliteninternet in Europa und Afrika, nachdem sie gesehen hatte, wie das Unternehmen der Ukraine half, während der russischen Invasion online zu bleiben.
- In einer Partnerschaft mit SpaceX Starlink betreibt Microsoft die modularen Azur-Datencenter (»Azure Space«). Im September 2022 hat Microsoft den Start einer privaten Vorschau für Azure Orbital Cloud Access angekündigt.
- Seit September 2022 ist Starlink auf allen sieben Kontinenten verfügbar.
- Erste Starlink Preis- oder Serviceänderungen
Geplanter maximaler Umfang: 42.000
- SpaceX hat bereits eine Genehmigung der FCC für 12.000 Satelliten; zudem hat die Firma bei FCC und ITU Anträge für weitere 30.000 »second-generation«-Satelliten, womit die Gesamtgröße der Konstellation 42.000 Satelliten erreichen würde.
- Im Juni 2022 genehmigte die FCC die Nutzung des Starlink-Systems von SpaceX in fahrenden Fahrzeugen, wie PKW, Lastwagen, Boote und Flugzeuge.
- Starlink hat einen Vertrag mit den Fluggesellschaften JSX und Hawaiian Airlines abgeschlossen und sich für die Versorgung von Kreuzfahrtschiffen der Royal Caribbean beworben.
- Starlink Maritime ist jetzt in Küstennähe verfügbar, wo sie terrestrische Bodenstationen erreichen können. Die Abdeckung soll im ersten Quartal 2023 globale sein, wenn mehr Satelliten mit Inter-Satelliten-Laserterminals ausgestattet sind, die weniger auf Bodenstationen angewiesen sind.
- In Kooperation mit T-Mobile, die das Mobilfunkspektrum bereitstellt, und mithilfe einer neuen kommenden Satelliten-Generation sollen Smartphones direkt, ohne Starlink-Antenne, auf das Starlinknetz zugreifen können. Der Start mit geringer Übertragungsleistung (Textnachrichten) ist für Ende nächsten Jahres (2023) in den USA geplant.
Ukraine:
- Bis September 2022 hat die Ukraine mehr als 20.000 Starlink-Terminals von ausländischen Partnern, Freiwilligen oder direkt von SpaceX erhalten. Während des Krieges können die Ukrainer die Terminals nutzen, ohne eine monatliche Abonnementgebühr von 60 US-Dollar zu zahlen.
TeleSat (»Lightspeed«)
Gegenwärtiger Umfang: 1 LEO-Satellit stationiert
- Im Juli 2019 hat die kanadische Regierung sich mit TeleSat auf eine Absichtserklärung geeinigt, um Satelliten-Internetzugang im ländlichen Kanada anzubieten. Zusätzlich soll die kanadische Regierung TeleSat über den Strategischen Innovationsfonds (SIF) der Regierung 85 Mio. $ (CAD) zur Verfügung stellen.
- Der Absichtserklärung vom Juli 2019 folgend, schlossen TeleSat und die kanadische Regierung im November 2020 eine Vereinbarung im Wert von 600 Mio. $ (CAD) ab, die Internet- und Mobilfunkdienstleistern den Erwerb von TeleSat LEO-Kapazitäten zu erheblich reduzierten Preisen ermöglicht, um ländliche, nördliche und indigene Gemeinden in ganz Kanada mit Breitbandanschlüssen zu versorgen.
- Im August 2021 kündigte die kanadische Regierung an, 1,44 Mrd. $ (CAD) in TeleSat zu investieren. 750 Mio. $ (CAD) in Form eines Darlehens und 650 Mio. $ (CAD) als Kapitalbeteiligung in Form von Vorzugsaktien.
- Seit November 2021 ist TeleSat an der Börse in Kanada und den USA gehandelt.
Geplanter maximaler Umfang: 188
- Im Jahr 2016 war eine aus 117 Satelliten bestehende Konstellation vorgesehen. 2017 wurde das Ziel auf 298 Satelliten erhöht sowie 2020 auf 1.671 Satelliten.
- Im Mai 2022 stellt sich heraus, dass TeleSat seine geplante Konstellation aus Budgetgründen auf 188 Satelliten (plus 10 Reservegeräte) reduzieren muss. Die Konstellation soll 5 Mrd. $ kosten und ist bisher nur zu zwei Dritteln finanziert. Jahrelange Verzögerungen, der aktuelle Chipmangel und andere Lieferprobleme haben die Kosten steigen. Zudem sieht der aktuelle Zeitplan die Inbetriebnahme erst für 2026 vor.