Denis M. Tull

Südafrikas Bergbau: Talfahrt im Zeichen innenpolitischer Konflikte

SWP-Studie 2013/S 17, September 2013, 24 Seiten

Südafrika ist einer der wichtigsten Produzenten von nicht-energetischen Rohstoffen weltweit. Das Land hält unter anderem die größten Reserven an Platinmetallen, Mangan und Chrom. Gleichwohl ist die Branche schon seit Jahren auf Talfahrt. Während die Bergbauindustrien der 20 größten Produzentenländer im Zuge des Rohstoffbooms (2001–2008) um jährlich fünf Prozentpunkte wuchsen, schrumpfte die Minenwirtschaft in Südafrika um einen Prozentpunkt.

Eine neue Eskalationsstufe erreichte die Krise der Branche 2012, als Proteste von Bergbauarbeitern an der Marikana-Mine mehr als 40 Todesopfer forderten. Marikana wurde 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid zum Symbol für die ungelösten sozialen und wirtschaftlichen Missstände in Südafrika. Überhaupt ist der Bergbau des Landes insgesamt längst zum Austragungsort innenpolitischer Konflikte geworden. Ein deutlicher Hinweis darauf war die Debatte um die Verstaatlichung der Minen zwischen 2009 und 2012.

Die Studie beleuchtet den Zusammenhang zwischen der Innen- und der Bergbaupolitik Südafrikas, der von zweifacher Relevanz ist: Erstens ist der Rohstoffsektor als Wachstums- und Jobmotor von enormer Bedeutung für das von Arbeitslosigkeit geprägte Land. Zweitens werfen die Kontroversen um die Minenwirtschaft ein Schlaglicht auf den Zustand der Koalitionsregierung aus ANC, dem Gewerkschaftsdachverband Cosatu und der kommunistischen Partei SACP.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Ursache der Politisierung des Bergbausektors und deren Folgen. Welche Konsequenzen haben die Konflikte im und um den Bergbau für die Stabilität und Handlungsfähigkeit der Regierung? Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei der Gewerkschaftsdachverband Cosatu, durch den sämtliche soziopolitischen Konfliktlinien des Landes hindurchlaufen.

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