Andrea Schmitz

Islam in Tadschikistan

Akteure, Diskurse, Konflikte

SWP-Studie 2015/S 06, März 2015, 34 Seiten

Die Wiederbelebung muslimischer Wert- und Ordnungsvorstellungen in Zentralasien wird von den lokalen Regimen ebenso wie von der westlichen Politik vor allem unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten wahrgenommen. Dabei verhindert die Fokussierung auf Extremformen des Islams eine angemessene Einschätzung nicht nur des religiösen Diskurses selbst, sondern auch der Gründe für die wachsende Attraktivität des Islams und seines ordnungsstiftenden Potentials. Die Studie beleuchtet den gesellschaftlichen und politischen Hintergrund der Wiederbelebung islamischer Diskurse, Netzwerke und Praktiken in Tadschikistan seit Ende der Sowjetunion, identifiziert die maßgeblichen Akteure und sucht die symbolischen Kämpfe, die sie ausfechten, intellektuell und sozial zu verorten.

Mit der wachsenden Bedeutung des Islams als Quelle moralischer und handlungspraktischer Orientierung geht eine Differenzierung und Pluralisierung der Akteurs- und Diskurslandschaft einher. Das Deutungsmonopol des hanafitischen Klerus, der eine Tradition der Toleranz gegenüber kulturspezifischen Ritualformen und säkularen Lebenswelten repräsentiert, wird dabei herausgefordert durch reformistische und universalistische Doktrinen, die den pragmatischen Konsens des religiösen Establishments zurückweisen. Die staatliche Politik Tadschikistans, die den Einfluss der Religion zurückdrängen will, reagiert mit einer immer stärkeren Überwachung des religiösen Feldes, kann die Verbreitung der unerwünschten Lehren damit aber nicht verhindern. Um ihnen entgegenzuwirken, müsste offensiv in gute religiöse Bildung investiert werden.

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