Ronja Kempin

Frankreichs neue Sicherheitspolitik

Von der Militär- zur Zivilmacht

Baden-Baden Nomos Verlagsgesellschaft, Juli 2008, 233 Seiten ISBN 978-3-8329-3614-3 [AMP, Bd. 75]

Regionen:

Frankreich

Warum hat Frankreich im Jahr 2003 eine Beteiligung am Irak-Krieg strikt abgelehnt? Bis heute dominiert in der Politikwissenschaft die Annahme, dass der »gaullistische Konsens« die Ausrichtung der französischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik bestimmt. Danach besteht in der Elite des Landes Einigkeit darüber, dass Frankreichs sicherheitspolitische Identität auf den Elementen »Grandeur«, »Unabhängigkeit« und einer »mission civilisatrice« beruht, die das Land dazu befähigen, eine herausragende Rolle in der Weltpolitik zu spielen. Somit hätte Paris seine Streitkräfte an der Operation »Iraqi Freedom« beteiligen müssen. Dass diese Entscheidung jedoch kein Fauxpas, sondern Ausdruck einer sich wandelnden sicherheitspolitischen Identität ist, weist die vorliegende Arbeit anhand der Analyse von vier Fallbeispielen – Kosovo, Afghanistan, Côte d'Ivoire und Irak – nach. Ein in Anlehnung an Michel Foucault entwickeltes diskursanalytisches Verfahren ermöglichte detailliert herauszustellen, wie Zivilmachtselemente Eingang in den sicherheitspolitischen Diskurs gefunden und dazu beigetragen haben, dass der gaullistische Konsens in der französischen Sicherheitspolitik in Auflösung begriffen ist.

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Inhalt

Vorwort
S. 9

1. Einleitung
S. 11

1.1 Fragestellung
S. 12

1.2 Relevanz der Fragestellung
S. 13

1.3 Erkenntnisinteresse und theoretisch-methodischer Rahmen
S. 16

1.4 Aufbau der Arbeit
S. 17

2. Wandel von Identität – theoretischer Rahmen
S. 19

2.1 Identität und sicherheitspolitisches Handeln
S. 19

2.2 Wandel von Identität durch Veränderungen des sicherheitspolitischen Kontextes
S. 25

2.3 Sicherheitspolitische Identität einer Zivilmacht
S. 28

2.4 Frankreichs traditionelle sicherheitspolitische Identität
S. 33

2.4.1 Zusammenspiel von Staat und Nation
S. 33

2.4.2 Auswirkung dieses Zusammenspiels auf die sicherheitspolitische Identität Frankreichs
S. 36

2.5 Differenz zwischen beiden Identitäten
S. 40

3. Wandel von Identität – methodischer Rahmen
S. 43

3.1 Erfassung von Wandel über die Analyse von Diskursen
S. 43

3.1.1 Kontextualisierung der Bedeutung von Sprache im Diskurs
S. 44

3.2 Der Begriff „Diskurs“
S. 44

3.2.1 Jürgen Habermas’ Diskursethik
S. 45

3.2.2 Michel Foucaults Diskurstheorie
S. 47

3.3 Methodische Abwandlung der Diskurstheorie Foucaults
S. 49

3.3.1 Diskursgemeinschaften – (Sicherheits-)Politische Eliten Frankreichs
S. 51

3.3.2 Diskursive Felder – Orte der Auseinandersetzungen um militärische Interventionen
S. 54

3.3.3 Diskursive Formationen – Stufenmodell identitären Wandels
S. 55

3.4 Gang der Untersuchung
S. 56

4. Kosovo-Konflikt
S. 59

4.1 Vorgeschichte des Konfliktes
S. 59

4.2 Frankreichs Politik bis zum Beginn der Militärschläge
S. 61

4.2.1 Pro-serbisches Engagement Frankreichs
S. 61

4.2.2 Kurswechsel nach dem Scheitern von Rambouillet
S. 63

4.3 Analyse des Diskurses um die Beteiligung an der NATO-Operation
S. 64

4.3.1 Phase 1: Schutz von Freiheit und Menschenrechten oder Preisgabe der nationalen Souveränität?
S. 65

4.3.1.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 66

4.3.1.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 69

4.3.1.3 Zwischenfazit Phase 1
S. 74

4.3.2 Phase 2: Handeln für Europa?
S. 77

4.3.2.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 77

4.3.2.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 80

4.3.2.3 Zwischenfazit Phase 2
S. 82

4.3.3 Phase 3: Vereint gegen die NATO
S. 84

4.3.3.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 84

4.3.3.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 90

4.3.3.3 Zwischenfazit Phase 3
S. 92

4.4 Festhalten an sicherheitspolitischer Unabhängigkeit und Ablehnung der NATO – Frankreich und die Kosovo-Krise
S. 94

5. Krieg gegen den Terror – Afghanistan-Konflikt
S. 97

5.1 Vorgeschichte des Konfliktes
S. 97

5.2 Frankreichs Politik vor und während der Operation „Enduring Freedom“
S. 98

5.2.1 Von den Anschlägen des 11. September 2001 bis zum Beginn der Luftangriffe
S. 99

5.2.2 Frankreich und die Operation „Enduring Freedom“
S. 100

5.3 Analyse des Diskurses um die Beteiligung an der Operation „Enduring Freedom“
S. 101

5.3.1 Phase 1: „Wird alle sind Amerikaner“ – mehr oder weniger
S. 103

5.3.1.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 103

5.3.1.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 108

5.3.1.3 Zwischenfazit Phase 1
S. 112

Traditionelle Identitätselemente S. 114

 

5.3.2.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 118

5.3.2.3 Zwischenfazit Phase 2
S. 123

5.3.3 Phase 3: Plädoyer für Multilateralismus und Diplomatie als Instrumente der Sicherheitspolitik
S. 125

5.3.3.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 125

5.3.3.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 126

5.3.3.3 Zwischenfazit Phase 3
S. 128

5.4 Frankreich zwischen multipolarer und multilateraler Weltordnung:
Der 11. September 2001 und der Krieg gegen den internationalen Terrorismus
S. 130

6. Krise in Côte d’Ivoire
S. 133

6.1 Vorgeschichte des Konfliktes
S. 133

6.2 Frankreichs Engagement in der Krise – Intervention und Desaster
S. 135

6.3 Analyse des Diskurses um die Intervention in Côte d’Ivoire
S. 138

6.3.1 Reaktionen auf den Putschversuch und das Eingreifen Frankreichs
S. 139

6.3.1.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 140

6.3.1.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 143

6.3.1.3 Zwischenfazit Phase 1
S. 145

6.3.2 Phase 2: Die Verträge von Linas-Marcoussis
S. 147

6.3.2.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 148

6.3.2.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 150

6.3.2.3 Zwischenfazit Phase 2
S. 152

6.3.3 Phase 3: Zuspitzung der Krise im November 2004
S. 153

6.3.3.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 154

6.3.3.2 Neue Identitätselemente
S. 156

6.3.3.3 Zwischenfazit Phase 3
S. 160

6.4 Multilateralisierung der Außen- und Sicherheitspolitik? –
Frankreich und die Krise in Côte d’Ivoire
S. 162

7. Krieg gegen Saddam Hussein
S. 165

7.1 Vorgeschichte des Konfliktes
S. 165

7.2 Frankreichs Reaktionen auf die amerikanischen Kriegspläne gegen den Irak
S. 167

7.3 Analyse des Diskurses um die Nicht-Beteiligung an der Operation „Iraqi Freedom“
S. 170

7.3.1 Phase 1: Bewahrung des internationalen Rechts als zentrale Aufgabe Frankreichs?
S. 170

7.3.1.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 171

7.3.1.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 175

7.3.1.3 Zwischenfazit Phase 1
S. 178

7.3.2 Phase 2: Spaltung Europas und Krieg gegen Irak – und nun?
S. 181

7.3.2.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 182

7.3.2.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 185

7.3.2.3 Zwischenfazit Phase 2
S. 187

7.3.3 Phase 3: Vive la France? Ja – doch welches Frankreich?
S. 189

7.3.3.1 Traditionelle Identitätselemente
S. 190

7.3.3.2 Zivilmachts-Identitätselemente
S. 193

7.3.3.3 Zwischenfazit Phase 3
S. 195

7.4 Abkehr von der traditionellen sicherheitspolitischen Identität? –
Frankreich und der Krieg gegen den Irak
S. 197

8. Schlussbetrachtungen: Frankreichs neue Sicherheitspolitik –
Von der Militär- zur Zivilmacht?


S. 201

9. Anhang
S. 217

9.1 Literaturverzeichnis
S. 217

9.2 Abkürzungsverzeichnis
S. 232