Christoph Harig, Claudia Zilla

Brasilien als »Emerging Donor«

Politische Distanz und operative Nähe zu den traditionellen Gebern

SWP-Studie 2012/S 07, März 2012, 22 Seiten

Durch den Aufstieg sogenannter »Emerging Donors«, die nicht zu den traditionellen Gebern gezählt werden, gerät die vorherrschende globale Entwicklungsarchitektur zunehmend unter Anpassungsdruck. Brasilien und andere Akteure des »globalen Südens« wie China oder Indien, die selber noch Entwicklungshilfeleistungen empfangen, werden seit einiger Zeit auch als Geber aktiv. Die Süd-Süd-Kooperationen haben sich im Zuge dessen dynamisch entwickelt. Dies hat einer seit längerem geführten Debatte Auftrieb gegeben, die sich mit den entwicklungspolitischen und politisch-strategischen Implikationen der Vervielfältigung aktiver Geber ebenso befasst wie mit Strategien zur Einbindung der neuen Geber – etwa in Gestalt von Dreieckskooperationen.

Die arrivierten Geberländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) begegnen nichttraditionellen Gebern oftmals mit jener Skepsis, die üblicherweise den »new kids on the block« gilt. Das Misstrauen der Industrienationen steigert sich noch, wenn die »Emerging Donors« zugleich »Emerging Powers« sind, die auf der internationalen Bühne eigene Ansprüche und Vorstellungen geltend machen – und dabei imstande sind, in bestimmten globalen Politikfeldern (oftmals abweichend von den Erwartungen der OECD-Staaten) gestaltend zu agieren. Als aufstrebende Konkurrenten auf dem entwicklungspolitischen Markt geraten sie sogar in Verruf, weil ihnen vorgeworfen wird, die politische und sozioökonomische Entwicklung in den Partnerländern negativ zu beeinflussen und dort die Politik der traditionellen Geber zu konterkarieren.

In dieser Studie wird die Diskussion über die Zukunft der globalen Entwicklungsarchitektur aufgegriffen. Konkret wird nach Selbstverständnis und Praxis Brasiliens als nichttraditionellem Geber gefragt.

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