Logo of GIBSA Quadrilogue Partners: SWP, CEBRI, IPCS, ISS

GIBSA Quadrilogue

Ziel des GIBSA Quadrilogues

Im Jahr 2007 gründete die Stiftung Wissenschaft und Politik zusammen mit drei Partnerinstituten aus Indien, Brasilien und Südafrika – dem Institute of Peace & Conflict Studies (IPCS) in Neu Delhi, dem Centro Brasileiro de Relações Internacionais (CEBRI) in Rio de Janeiro, und dem Institute for Security Studies (ISS) in Pretoria – den strategischen »GIBSA Quadrilogue«. Der Quadrilogue soll dem gegenseitigen Austausch der vier Partnerstaaten über Perzeption und Interessenlagen dienen sowie die Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der internationalen Beziehungen als auch in regionalen Fragen erleichtern. Gemeinsame Ideen und Ziele können so identifiziert und Möglichkeiten für Kooperation geprüft werden. Die Themen des Quadrilogues reichen von klassischen sicherheitspolitischen Belangen über Fragen der Klima- und Energiepolitik bis hin zur internationalen Handels- und Finanzpolitik.

Die Think Tanks aus den vier Ländern haben sich nicht zufällig für einen strategischen Dialog zusammengetan. Brasilien, Deutschland, Indien und Südafrika sind vier Staaten, die mehrfach als regionale Führungsmächte, Ankerländer oder Gestaltungsmächte in ihrer jeweiligen Region bezeichnet wurden. Das im Jahr 2003 gegründete trilaterale Süd-Süd-Forum »IBSA« aus den Ländern Indien, Brasilien und Südafrika hat in der Vergangenheit in internationalen Verhandlungen, sei es in der Welthandelsorganisation oder im Human Rights Council, wichtige Signale über die Interessen von aufstrebenden Entwicklungsländern an die »klassischen« Industriestaaten gesendet. Der unter anderem von der deutschen Bundesregierung initiierte »Heiligendamm-Prozess« im Jahr 2007 trug vielen dieser Forderungen Rechnung und war ein wichtiger Schritt in Richtung einer besseren Repräsentierung der aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländer in der G8. Die Bedeutung, die heutzutage der G20 zukommt, zeigt deutlich, dass die Beteiligung dieser Länder in internationalen Organisationen heute unabdingbar geworden ist.

Der Quadrilogue der vier GIBSA Partnerinstitute fand seit seiner Gründung in Berlin 2007 jährlich statt und wurde danach jeweils einmal in Rio de Janeiro (2008), Johannesburg (2009) und Neu Delhi (2010) ausgerichtet. Im Mai 2011 kehrte die jährliche Konferenz des Think Tank Forums zum Ort seiner Gründung nach Berlin zurück. Damit befindet sich der GIBSA Quadrilogue bereits im zweiten Zyklus von jährlich stattfindenden internationalen Konferenzen der Partner und ausgesuchten Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Im Jahr 2012 fand der Think Tank Quadrilogue erneut in Rio de Janeiro statt. Zum zweiten Mal in Südafrika trafen sich die Partner im April 2013. In Neu Delhi tagten sie 2014 erneut. Der diesjährige Quadrilogue fand vom 25.-27. September 2016 in Brasilia statt.

Projektpartner und Förderer

Die Konferenz in Berlin im Jahr 2011 wurde vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Seit 2012 ist die Hanns-Seidel-Stiftung fördernder Projektpartner des GIBSA Quadrilogues.

Konferenzen des 2. Zyklus des GIBSA Quadrilogues ab 2011

GIBSA Quadrilogue in Brasilia, 25.-27. September 2016

Thema der Konferenz in Brasilia im September 2016 waren die aktuellen politischen Entwicklungen im Gastgeberland Brasilien, das nach der Amtsenthebung von Präsidentin Rousseff vor großen Herausforderungen steht. Weitere Schwerpunkte waren die Entwicklung Europas nach der britischen Entscheidung über den Austritt aus der EU, die globale wirtschaftliche Situation, Migration sowie die Aussichten auf internationale politische Zusammenarbeit. Hier überwogen pessimistische Einschätzungen, umso stärker betonten die Teilnehmenden die Bedeutung des Quadrilogues als Forum des offenen Austausches und politischer Konsultation.

GIBSA Quadrilogue in Berlin, 28.-30. Juni 2015

Beim GIBSA-Quadrilogue »Principles, Challenges, Projects« in Berlin im Juni 2015 wurde über Grundsatzfragen der internationalen Beziehungen diskutiert, darunter Ordnungsfragen, Krisenerscheinungen und Herausforderungen sowie gemeinsame Projekte der GIBSA-Staaten. Die Erosion internationaler Ordnung, so wurde festgestellt, vollziehe sich gleichzeitig auf nationaler, regionaler und globaler Ebene. Die Verschiebung der globalen ökonomischen und politischen Gewichte ist hierfür symptomatisch. Es wurde mehrfach betont, dass gemeinsame Vorhaben zu Fragen der Einkommensverteilung, des sozialen Ausgleichs und der Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Entwicklung auf den Weg gebracht werden sollten. Nicht zuletzt solle insbesondere die parlamentarische Zusammenarbeit der GIBSA-Staaten intensiviert werden, vor allem durch Freundschaftsgruppen.

GIBSA Quadrilogue in Neu-Delhi, 02.-04. März 2014

Der GIBSA-Quadrilogue im März 2014 in Neu-Delhi fand unter der Überschrift »Af-Pak, Global Economy and Maritime Security« statt. Ein Schwerpunkthema war dabei die Zukunft Afghanistans nach der Reduzierung der Präsenz internationaler Truppen. Vor dem Hintergrund der globalen Rezession wurden zudem die ökonomischen Entwicklungsperspektiven der Gestaltungsmächte angesichts der abnehmenden Kooperationsbereitschaft im internationalen Raum diskutiert. Schließlich ging es auch um die Reform großer internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen und der Weltbank.

GIBSA Quadrilogue in Pretoria, 24.-26. April 2013

Thema der Konferenz in Pretoria im April 2013 war "Networking against Transnational Crime and Terrorism". Im Zentrum stand dabei die grenzüberschreitende Kriminalität auf dem afrikanischen Kontinent, insbesondere im südlichen Afrika und am Horn von Afrika. Dort ist es aufgrund komplexer politischer Strukturen besonders schwierig, einheitlich gegen Verbrechen wie den Drogenhandel und den illegalen Handel mit wertvollen natürlichen Ressourcen vorzugehen. Dort angesiedelte kriminelle Netzwerke unterhalten Verbindungen nach Asien, Lateinamerika und Westeuropa. Vertreter aus den vier GIBSA-Ländern und anderen Regionen tauschten Erfahrungen im Umgang mit grenzüberschreitender Kriminalität aus und diskutierten bestehende und mögliche globale Initiativen gegen diese Art der Kriminalität.

GIBSA Quadrilogue in Rio de Janeiro, 26./ 27. Juni 2012

Neben dem Rio+20 Gipfel der UNCSD wurde in Brasilien im Juni 2012 auch die insgesamt sechste Konferenz des GIBSA Quadrilogues veranstaltet. Ein Schwerpunkt der Konferenz war diesem Anlass entsprechend die internationale Klima- und Energiepolitik. Doch auch die Bedeutung der Region Südamerikas für die globale Sicherheitsarchitektur wurde von den Teilnehmern diskutiert. Die Veranstaltung wurde zusätzlich zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Instituten der GIBSA Partner von Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie Vertretern politischer Stiftungen besucht.

GIBSA Quadrilogue in Berlin, 18./ 19. Mai 2011

Im Mittelpunkt der Konferenz in Berlin im Mai 2011 stand die gleichzeitige Mitgliedschaft der vier GIBSA-Staaten im UN-Sicherheitsrat 2011. Mit Brasilien, Indien und Südafrika sind 2011 drei Staaten im Sicherheitsrat vertreten, die sich als wirtschaftliche und politische Schwergewichte verstehen und für sich regionale Führungsrollen beanspruchen. Diese beabsichtigen, ein Gegengewicht zu den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates (five permanent members – »P5«) zu bilden und sie streben einen festen Sitz in dem Gremium an. Abgesehen von Brasilien, das bereits 2010 nicht-ständiges Mitglied des Sicherheitsrates war, stehen die GIBSA-Länder als neue Mitglieder im Sicherheitsrat vor der Herausforderung, sich zügig in die Arbeitsabläufe des Gremiums zu integrieren und dabei eigene Akzente zu setzen. Die Mitgliedschaft der aufstrebenden Schwellenländer kann in gewisser Weise als ein Testlauf verstanden werden, ob der Sicherheitsrat durch sie nicht nur auf der einen Seite repräsentativer wird, sondern auch auf der anderen Seite an Wirkungskraft gewinnt. Im Mittelpunkt des GIBSA Quadrilogues 2011 stand die Diskussion über die Chancen und Herausforderungen, die sich durch diese Konstellation ergeben.

Publikationen

Bericht zur Veranstaltung in Pretoria aus dem Jahr 2013:

Networking against Transnational Crime and Terrorism
Report on the GIBSA Roundtable Meeting Held in Pretoria
GIBSA Policy Report, August 2013, 23 Seiten

Bericht zur Veranstaltung in Rio de Janeiro aus dem Jahr 2012:

Energy Security in a Sustainable World
An Outlook from GIBSA countries
GIBSA Policy Report, Juni 2012, 15 Seiten

Bericht zur Veranstaltung in Berlin aus dem Jahr 2011:

Hannah Petersen / Sonja Thielges
The 2011 GIBSA Conference on the United Nations Security Council - Positions, Demands, Shared Interests
GIBSA Policy Report, Juli 2011, 10 Seiten

Die Veranstaltungsberichte dienen seit 2013 nur noch der internen Information.

Koordination

Dr. Lars Brozus
E-Mail: lars.brozus(at)swp-berlin.org

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