Jens van Scherpenberg

Vormarsch des Wirtschaftsnationalismus

Auslandsdirektinvestitionen in den USA nach dem Dubai-Fiasko

SWP-Aktuell 2006/A 15, März 2006, 8 Seiten

Regionen:

USA

Dass die Übernahme des Frachtbetriebs von sechs amerikanischen Seehäfen durch eine Gesellschaft aus Dubai gescheitert ist, hat ein Schlaglicht auf den wachsenden Wirtschaftsnationalismus in den USA geworfen. Dieser könnte sich bis zu den Zwischenwahlen im November 2006 zu einem ernsthaften innenpolitischen Problem für Präsident Bush und die Republikanische Partei entwickeln. Aber auch international gibt die neu aufgelebte Debatte über den Umgang mit ausländischen Direktinvestitionen Anlass zur Sorge. Erstens reflektiert sie eine wachsende Neigung in den USA, unter Verweis auf die "nationale Sicherheit" Einschränkungen von Handel und Kapitalverkehr durchzusetzen; in Europa ansässige Unternehmen können sich nicht darauf verlassen, davon unberührt zu bleiben. Zweitens schränkt eine Erschwerung ausländischer Direktinvestitionen in den USA, wie sie jetzt droht, die freie Verwendbarkeit gerade jener immensen Dollarbestände ein, die sich in Staaten mit einem Handelsüberschuss gegenüber den USA angesammelt haben. Das wiederum kann eine Flucht aus dem Dollar beschleunigen und damit jene globale Anpassungskrise anstoßen, zu der es trotz eines weiter steigenden amerikanischen Leistungsbilanzdefizits bislang nicht gekommen ist. Und drittens wird das bislang enge Verhältnis zwischen den USA und ihren engsten arabischen Verbündeten diskreditiert und damit schwer belastet.