Petra Becker

Zwischen Autokratie und Dschihadismus

Syriens Christen hoffen auf die Umsetzung von Genf I

SWP-Aktuell 2014/A 39, Mai 2014, 8 Seiten

Der Diskurs, den Syriens Christinnen und Christen seit März 2011 führen, lässt erkennen, dass viele von ihnen der Protestbewegung inzwischen den Rücken gekehrt haben, obwohl sie zu Beginn Sympathien für sie hegten und sich auch daran beteiligten. Diese Christinnen und Christen haben sich nicht deshalb abgekehrt, weil sie aus innerster Überzeugung hinter dem Regime stehen, sondern weil die Militarisierung und Radikalisierung der Revolution sie ebenso verunsichert hat wie die Tatsache, dass die Opposition es auch nach drei Jahren nicht geschafft hat, sich als glaubwürdige Alternative zum Regime zu präsentieren. Deutsche und europäische Politik sollte es sein, weiter auf eine politische Lösung hinzuwirken und sich davor zu hüten, einzelne religiöse oder ethnische Gruppen auf Kosten anderer zu unterstützen. Denn mit Ausnahme jener Gebiete, in denen ausländische Dschihadisten operieren, sind Christinnen und Christen in Syrien nicht stärker gefährdet als andere Syrerinnen und Syrer.