Kay Möller †, Niels Schütt

Südostasien 2001

Transformation, Kräftevergleich und Kooperation

SWP-Studie 2001/S 11, Mai 2001, 37 Seiten

Regionen:

Südostasien

Ein Anfang der 90er Jahre noch boomendes Südostasien steht 2001 wirtschaftlich und politisch am Scheideweg. Während Nordostasien, jedenfalls momentan, wieder wachsende Investitionen und einen neuen technologischen Schub verzeichnet, bleibt eine dauerhafte Erholung der südostasiatischen Volkswirtschaften angesichts schlechter politischer Rahmenbedingungen, steigender Ölpreise und einer Abschwächung der amerikanischen Konjunktur fraglich. Auch die exportgetriebene, makroökonomische Beruhigung der Jahre 1999/2000 könnte wieder auf dem Spiel stehen, wenn ihr keine konsequente Reform der mikroökonomischen, politischen und Rechtssysteme folgt. Dafür fehlt in vielen Fällen das Bewußtsein und in den meisten Fällen der finanzielle Spielraum. In dem Maße aber, in dem ausländische Investoren ihr Heil in Nordostasien suchen, müssen südostasiatische Regierungen einmal mehr ihre Währungen verteidigen, ohne das Problem der öffentlichen und privaten Verschuldung auch nur ansatzweise einer Lösung näherzubringen.

Die bis vor einigen Jahren noch hochgepriesene Gemeinschaft Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations, ASEAN) erscheint angesichts der neuen Herausforderungen nahezu gelähmt. Der traditionelle Konsens über gegenseitige Nichteinmischung, durch die noch vor der Krise von 1997/98 erfolgte Norderweiterung untergraben, könnte durch die mit der Schwächung Indonesiens einhergehenden Verschiebungen im regionalen Kräftegleichgewicht vollends obsolet werden. Zu den Folgen gehört eine Wiederbelebung der Konkurrenz externer Mächte in Südostasien, aber auch die abnehmende Fähigkeit, gemeinsam überzeugend auf nichtmilitärische Risiken zu reagieren.

Die vorliegende Analyse unternimmt eine Bestandsaufnahme der ökonomischen und politischen Transformationsprozesse in den ASEAN-Staaten und versucht, Wechselwirkungen zwischem wirtschaftlichen und politischem Wandel, sowie zwischen Transformation, Kräftegleichgewicht und Regionalisierung zu identifizieren.

 

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