Jasmin Lorch

Politischer Islam in Bangladesch

Wie schwache Staatlichkeit und autoritäre Regierungsführung islamistische Gruppen stärken

SWP-Studie 2008/S 34, November 2008, 20 Seiten

Regionen:

Bangladesch

Bangladesch ist nach Indonesien und Pakistan das drittgrößte mehrheitlich muslimische Land der Welt. Aufgrund seiner starken säkularen Staatstradition und dem in der Gesellschaft dominierenden gemäßigten Sufi-Islam ist das Land grundsätzlich ein Beispiel für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie.

 

Seit Mitte der 1970er Jahre nimmt jedoch der Einfluss islamistischer Kräfte zu. Im August 2005 verdeutlichten über 400 Bombenexplosionen das Gefahrenpotential islamistischer Militanz. Islamistische Parteien konnten sich trotz geringer Stimmenanteile fest im politischen System verankern und muslimische Wohlfahrtsfahrtsorganisationen haben ihren gesellschaftlichen Einfluss ausgeweitet.

 

Schwache Staatlichkeit und autoritäre Machtpolitik sind die wichtigsten Ursachen für die gewachsene Bedeutung islamistischer Gruppen. Die grassierende Korruption schwächt die Leistungsfähigkeit des Sicherheitsapparats und des Rechtswesens. Der Staat versagt bei der Armutsbekämpfung und der Bereitstellung sozialer Dienstleistungen. Zudem haben sowohl wechselnde Militärregime als auch gewählte Regierungen den politischen Islam zu ihrem Machterhalt instrumentalisiert.

 

Eine Zunahme islamistischer Anschläge könnte den ohnehin schwachen Staat weiter destabilisieren und darüber hinaus vom Militär als Vorwand genutzt werden, um seine Rolle im politischen System auszubauen. Ein Zuwachs fundamentalistischer Tendenzen innerhalb des politischen Islam würde den Raum für Pluralismus einschränken und so ebenfalls die fragile demokratische Entwicklung gefährden.

 

Bei der Entwicklungszusammenarbeit mit Bangladesch sollten politische Fragen stärker als bisher berücksichtigt werden und zusätzlich spezielle Maßnahmen zur Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eingeleitet werden.

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