Alexander Zimmer

Ost-Erweiterung der Währungsunion

Estland will von der Peripherie ins Zentrum der Union

SWP-Aktuell 2006/A 21, April 2006, 8 Seiten

Das Jahr ist noch jung, doch bereits jetzt wird dem 1. Januar 2007 vielerorts in Europa mit Spannung entgegengefiebert. Denn drei der neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Estland, Litauen und Slowenien, beabsichtigen, an jenem Tag der Währungsunion beizutreten. Obwohl sich bis Ende letzten Jahres auch die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission für diesen Schritt stark gemacht haben, mehren sich in diesen Institutionen nun die Stimmen, die von einem »verfrühten« Beitritt sprechen. Im Zentrum der Kritik stehen vor allem das teilweise zu hohe Inflationsniveau und der noch bestehende wirtschaftliche Aufholbedarf der Beitrittskandidaten. In der Debatte gänzlich vernachlässigt werden jedoch die politischen Signale und wirtschaftlichen Impulse, die von einer Erweiterung der Eurozone gen Osten ausgehen würden. Auch neue volkswirtschaftliche Erkenntnisse und wirtschaftspolitische Entwicklungen fließen bislang nur unzureichend in die Kandidatenbewertung mit ein. - Am Beispiel Estlands, welches von vielen Experten lange Zeit als Kandidat für die erste Euro-Erweiterungsrunde favorisiert wurde, soll im Folgenden gezeigt werden, dass die zu treffende Entscheidung über den Beitritt zur Währungsunion weder trivial noch unbedeutend für die Zukunft und Weiterentwicklung Europas und für den europäischen Integrationsprozess ist.