Henriette Rytz

Mehrdimensionale »Modellpartnerschaft«

Die strategische Kooperation der USA mit der Türkei unter der Obama-Administration

SWP-Studie 2013/S 19, September 2013, 30 Seiten

Regionen:

USA, Türkei

Barack Obama hat die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft als „Modellpartnerschaft“ aufgewertet und eine enge Arbeitsbeziehung mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan geknüpft. Er reagierte damit auf tiefgreifende Veränderungen im Kontext des bilateralen Verhältnisses, die ihre Ursache nicht nur in innenpolitischen Entwicklungen in beiden Ländern haben, sondern auch in den politischen Transformationsprozessen in den arabischen Staaten und im Bedeutungszuwachs des Schwellenlands Türkei im regionalen und internationalen Umfeld. Zwar mündete das Konzept der „Modellpartnerschaft“ bislang nicht in eine ausformulierte Strategie. Die vorliegende Studie zeigt jedoch, dass die USA damit konkrete strategische Interessen verfolgen. Denn die Attraktivität der bilateralen Kooperation für Washington gründet darauf, dass am Bosporus besonders viele amerikanische Interessen zusammenlaufen. Dies macht die strategische Partnerschaft aus Sicht der USA mehrdimensional – und damit besonders wertvoll.

Die Studie fordert dazu auf, insbesondere in der Nahostpolitik die trilaterale Zusammenarbeit zwischen der EU, den USA und der Türkei zu verstärken. Eine solche Kooperation böte zudem neue Impulse für die transatlantischen Beziehungen. Denn sie würde die Möglichkeit eröffnen, sich gemeinsam mit den USA den Herausforderungen zu stellen, die sich aus dem Aufstieg der Schwellenländer im internationalen System ergeben. Die Türkei ist dafür ein besonders geeigneter Partner. Keine andere „Emerging Power“ pflegt so enge wirtschaftliche, gesellschaftliche und historische Bande nach Europa wie die Türkei, bietet eine Nato-Mitgliedschaft und eine derartig große kulturelle und geografische Nähe zu Regionen, gegenüber denen es eine weitgehende Gemeinsamkeit strategischer Interessen gibt.

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