Uwe Halbach

Kirche und Staat in Russland

Nationale und außenpolitische Akzente von Orthodoxie

SWP-Studie 2019/S 08, April 2019, 35 Seiten

doi:10.18449/2019S08

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Russland

Dr. Uwe Halbach ist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe Osteuropa und Eurasien

Unter Präsident Wladimir Putin erstarkte ein Konservatismus, mit dem sich Russland von einem angeblich traditionsfeindlichen Westen abgrenzt. Vor allem in Putins dritter Amtszeit (2012–2018) wurde die Zusammen­arbeit des Kreml mit der Russischen Orthodoxen Kirche ausgebaut. Gemein­sam widmete man sich etwa der patriotischen Präsentation der Geschichte Russlands als einer Großmacht, die einer »vom Westen dominierten Welt­ordnung« entgegentritt. Dabei versteht sich das Moskauer Patriarchat zwar nicht als Erfüllungsgehilfe des Kreml und hat seinerseits auf die Regierungs­führung nur sehr begrenzten Einfluss. Aber in einem gemeinsamen Werte­diskurs betonen kirchliche und staatliche Sprecher die »kulturelle Souve­ränität« und »einzigartige Zivilisation« ihres Landes, und die kirchlichen Außenbeziehungen verschränken sich in einigen Fällen mit der staatlichen Außenpolitik. Besonderes Aufsehen erregte der Streit um eine vom Mos­kau­er Patriarchat getrennte eigenständige Orthodoxe Kirche der Ukraine, der im April 2018 aufflammte, in Kiew wie auch in Moskau politisiert wurde und weite Kreise zog. Schon diese grenzüberschreitende Auseinan­der­setzung fordert es geradezu heraus, sich eingehender mit nationalen und außenpolitischen Akzenten von Orthodoxie und mit dem Verhältnis von Kirche und Staat in Russland zu befassen.

Problemstellung und Schlussfolgerungen

Die deutsche Russlandpolitik betont die Notwendigkeit, mit Moskau im Dialog zu bleiben – bei aller Kritik etwa am Vorgehen Russlands gegenüber der Ukraine. Dieses Bekenntnis wirft Fragen nach identi­tätsstiftenden Entwicklungen beim Dialogpartner auf. In der dritten Amtsperiode Präsident Putins von 2012 bis 2018 förderte die politische Führung einen Kon­servatismus, der die Bedeutung traditioneller Werte für die Großmacht Russland hervorhebt. Wie weit kann von Kooperation zwischen staatlichen und kirch­lichen Institutionen auf diesem ideologischen Feld sowie in außenpolitischen Bereichen die Rede sein? Diese Frage wurde während der letzten Jahre in Ana­lysen zur Entwicklung Russlands verstärkt diskutiert. Einige Beobachter stellten den Schulterschluss zwi­schen dem Kreml und dem Moskauer Patriarchat heraus, andere dagegen relativierten den Einfluss der Kirche und wiesen auf die geringe Zahl regelmäßiger Kirchgänger in Russland hin. Doch schon der seit April 2018 aufgeflammte Streit um eine vom Moskau­er Patriarchat getrennte eigenständige (autokephale) orthodoxe Kirche in der Ukraine und seine Politisierung in Kiew und Moskau fordern es geradezu heraus, sich mit dem Thema Kirche und Staat in der Russischen Föderation zu befassen.

Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) durchlief in nachsowjetischer Zeit einen (Re-) Institutionalisierungs­prozess. Er zeigt sich in der gewachsenen Zahl ihrer Gemeinden und Pfarreien, aber auch in der Gründung einiger Plattformen für den Dialog mit Gesell­schaft, Staat und Außenwelt. Was Religiosität in der Bevölkerung anbelangt, besteht eine Diskrepanz zwischen dem nationalen Bekenntnis zur Orthodoxie und der individuellen Beteiligung am kirchlichen Leben. Aus dem schwachen Gottesdienstbesuch ist aber nicht zwangsläufig abzuleiten, dass die Kirche keinen Einfluss hat. Gemeinsamkeit zwischen ihr und dem Staat manifestiert sich in einem Wertediskurs, der neben nationalen Akzenten außenpolitische Aus­richtungen offenbart. Das Thema kulturelle und zivilisatorische Souveränität Russlands nimmt darin eine zentrale Stellung ein. Es dient der Abgrenzung von einem »traditionsvergessenen Westen«, der sich anmaße, seine Normen für universell zu erklären. Während Putins dritter Amtszeit als Präsident ver­stärk­te sich die Zusammenarbeit des Staates mit der Kirche auf Handlungsfeldern wie der patriotischen Präsentation der Geschichte Russlands als Großmacht.

Aus den kirchlichen Außenbeziehungen und ihrem Zusammenhang mit staatlicher Außenpolitik sind drei Bereiche hervorzuheben: der Europa-Diskurs der ROK, die Beziehung zur Welt des Islam und die Verbindungen zum »nahen Ausland« im Raum der ehemaligen Sowjetunion und des Zarenreichs, beson­ders zur Ukraine und zu Georgien. Die ROK hat Kon­taktstellen unter anderem zur Europäischen Union (EU), zum Europarat und zur Organisation für Sicher­heit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eingerich­tet. In der Auseinandersetzung mit diesen Organi­sationen reagierte sie auf Resolutionen und andere Dokumente, die ihrer Ansicht nach einseitig auf Individualrechte und liberale Normen ausgerichtet sind. Schon lange bevor sich der Konflikt zwischen Russland und dem Westen seit 2014 zuspitzte, hatte die ROK Europa vorgeworfen, Verrat an seinen kultu­rellen Wurzeln zu begehen, ja sogar Christianophobie zu bekunden. Auf staatlicher Seite richtete sich die Abgrenzung vom Westen besonders gegen die USA als Russlands globalen Antagonisten. Zwar kann die Kirche mit ihrem Vorwurf der Christenfeindlichkeit die religiösen Verhältnisse in den USA nicht treffen, denn dort ist die Zahl der Kirchgänger weit höher als in Russland. Im aktuellen Kirchenstreit um die Ukra­ine trat aber nun auch das Feindbild USA hervor.

Zur Welt des Islam stehen Staat und Kirche in drei­facher Hinsicht in Beziehung: Auf nationaler Ebene bildet der Islam die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft unter den vier traditionellen Religionen der Russischen Föderation (Christentum, Islam, Buddhismus, Judaismus) und wird in die »Russische Welt« einbezogen. Bedeutung in der Außenpolitik kommt dem islamischen Ausland in dem Maße zu, wie Russ­land sich an nichtwestliche Partner wendet und als Gegengewicht zu den USA präsentiert. Aus sicherheits­politischer Perspektive schließlich gilt isla­mi­sti­scher Extremismus als Gefahr, die zu bekämp­fen ist. Wäh­rend Putins dritter Präsidentschaft hat sich Russland als ein externer Hauptakteur im Mittle­ren Osten etab­liert. Als Moskau im September 2015 mili­tärisch in die Kämpfe in Syrien eingriff, unterstützte das Patri­archat die Intervention mit historischen Argumenten.

Blickt man auf Russlands nahes Ausland im Raum der ehemaligen Sowjetunion, ragen besonders die Ukraine und Georgien hervor. Auf beide Länder trifft zu, dass die Beziehungen Russlands zu diesen Nach­barstaaten die Grenze zu militärischer Gewalt über­schritten haben und dass Moskau bestrebt war, der euro-atlantischen Ausrichtung ehemaliger »Bruderländer« entgegenzutreten. Auch in den kirchlichen Beziehungen nehmen beide eine Sonderstellung ein. Die Ukraine wies bislang die größte Zahl orthodoxer Gemeinden unter Hoheit des Moskauer Patriarchats im nahen Ausland auf. Georgien verfügt dagegen über eine eigenständige orthodoxe Nationalkirche, die um Jahrhunderte älter ist als die ROK. 2018 rück­ten die religiös-kulturellen Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine ins Blickfeld der Bericht­erstattung über Osteuropa. In der Ukraine vereinigten sich zwei orthodoxe Kirchen zu einer eigenständigen, vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel kanonisierten Nationalkirche. Die schon zuvor de facto vollzogene Trennung dieser orthodoxen Kirchen vom Moskauer Patriarchat wurde so nun offiziell be­stätigt. Der damit verbundene Kirchenstreit zwischen Kiew und Moskau spiegelt zwischenstaatliche Konflikt­strukturen wider. In Russlands Verhältnis zu Georgien jedoch unterscheiden sich die zwischenstaatlichen von den zwischenkirchlichen Beziehungen. So hat der Kreml nach dem Fünftagekrieg vom August 2008 die Unabhängigkeit der von Georgien abtrünnigen Territorien Abchasien und Südossetien anerkannt und ihre Anbindung an Russland verstärkt. Dagegen besteht das Moskauer Patriarchat auf ihre kanonische Zugehörigkeit zur Georgischen Orthodoxen Kirche. Dies bleibt allerdings eine Formalität, da georgische Kleriker praktisch keinen Zugang zu den beiden Terri­torien mehr haben.

Die orthodoxe Symphonie zwischen Kirche und Staat in Russland schließt die Absage an eine »west­zentrierte Weltordnung« ein. Dies wurde durch eine global ausgreifende russische Außenpolitik untermauert und von einer Krise des Westens flankiert. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich diese Entwicklung in der »Periode Putin 4.0« fortsetzen wird, die mit den Präsidentschaftswahlen im März 2018 eingeleitet wurde. Seit der zweiten Jahreshälfte 2018 zeigen Mei­nungsumfragen dem Kreml Warnsignale an: Putins Popularitätsquote sank deutlich unter den Stand vor der Krim-Annexion. Rentenreformpläne lösten landes­weite Demonstrationen aus, in denen gesellschaft­liche Frustration bekundet wurde. Trotz konservativer patriotischer Mobilisierung, zu der die Kirchenglocken läuten, dürfte Russlands Bevölkerung sich kaum dauerhaft davon abhalten lassen, Veränderungen vor allem in sozioökonomischen Bereichen zu fordern.

Präsident und Patriarch – Staat und Kirche

Am 1. Dezember 2017 hielt Präsident Putin eine Rede vor dem Obersten Rat der Bischöfe in Moskau. Er sprach dabei das Verhältnis zwischen Kirche und Staat und deren historische und gesellschaftliche Rolle an. Beide hätten vor allem die Aufgabe, Stabi­li­tät und Einheit der Russischen Föderation zu wahren. Dabei hob Putin die historische Entwicklung Russ­lands als einzigartig hervor – mit der christlichen Orthodoxie als einem ihrer herausragenden Elemente. Wiederholt ließ er das Stichwort Spiritualität (duchovnost’) fallen, das zu einem Kernbegriff natio­naler Selbstidentifizierung geworden und in die poli­tische Terminologie eingekehrt ist. Die Aufgabe der Kirche sah der Präsident darin, »Russlands Status als Leuchtturm traditioneller Werte« auf der Weltbühne zu unterstützen.1 Zuvor, in einem Sendschreiben an die Bischofskonferenz, hatte Putin der Kirche zum 100. Jahrestag der Wiedereinführung des Moskauer Patriarchenamtes gratuliert2 und ihren Beitrag zur Geschichte Russlands gelobt. So habe sie im Großen Vaterländischen Krieg gegen die Faschisten »das Volk gestützt und ermutigt und ihm geholfen …, seine spirituelle Basis zu finden«.3 Bereits zum 90. Jahrestag hatte er im November 2007 bei einer Rede im Kreml­palast in ähnlichen Worten die Zusammenarbeit mit der Kirche gepriesen. Damals standen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen an, und Putin gab seiner Erwartung Ausdruck, dass sich orthodoxe Christen an der Wahl stark beteiligen werden.4

Auch sein Auftritt vor der Bischofsversammlung Ende 2017 fand im Vorfeld von Präsidentschafts­wahlen statt, nämlich an der Schwelle zu seiner vier­ten Amtsperiode. Patriarch Kirill rief die Gläubigen dazu auf, zur Wahl zu gehen.5 Allerdings stimmten seine Äußerungen nicht ganz mit Putins Lobpreisung der Synthese von Staat und Kirche überein. Kirchliche Kreise wollen heute die ROK nicht als Instrument des Staates verstanden wissen.6 Auf der anderen Seite befürchten säkulare Kräfte in der russischen Öffent­lichkeit eine Umklammerung des Staates durch die Kirche. Putin hat durch seine Rede auf beiden Seiten Furcht vor gegenseitiger Abhängigkeit provoziert.7 Laut Umfragen meint rund die Hälfte der Befragten in Russland, dass religiöse Führer einen gewissen Ein­fluss auf politische Angelegenheiten haben. 52 Pro­zent halten dies allerdings nicht für wünschenswert.8

In wissenschaftlichen Beiträgen werden die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Russland aus historischer Perspektive und mit Blick auf die Kon­stellation während der nachsowjetischen Entwicklung diskutiert.9 Dabei wird betont, dass die Kirche mit dem Staat zwar auf Feldern wie der patriotischen Erziehung und auch in der Außenpolitik kooperiere, aber als eigenständiger Akteur auftrete, dessen Agenda nicht mit der des Staates deckungsgleich sei. Die Russlandexpertin Marlène Laruelle unterscheidet zwischen »nicht­staat­lichen« und »parastaatlichen Akteuren« auf Handlungsfeldern, auf denen Patriotismus in Russland generiert wird. Laruelle zählt die Kirche zu den parastaatlichen Kräften, die »das Regime in vielerlei Hinsicht unterstützen und sich unter seinem Schirm entfalten, aber über ihre eigene Autonomie und ideologische Nische verfügen«. Hin­zu kommt eine informelle Gruppe aus ortho­doxen Geschäftsleuten, die sich in kirchlichen Stif­tungen engagieren und eine »paradiplomatische« Rolle für den Staat in der Außenpolitik spielen.10 Der Einfluss der Kirche auf die staatliche Sphäre zeigt sich in der Regierungsführung nur begrenzt, dafür umso mehr in einem gemeinsamen Wertediskurs, der neben einer nationalen eine außenpolitische Ausrichtung aufweist.11

Re-Institutionalisierung der Kirche in nachsowjetischer Entwicklung

Seit dem Ende der Sowjetunion hat die ROK eine Re-Institutionalisierung durchlaufen, die quantitativ vor allem an der gewachsenen Zahl ihrer Gemeinden und Pfarreien abzulesen ist. So verwies Bischof Tichon, der als Beichtvater Präsident Putins und als konservativer Repräsentant der ROK gilt, im April 2018 darauf, dass die Zahl der Kirchen in der russischen Hauptstadt während der nachsowjetischen Zeit von etwa 40 auf mehr als 400 gestiegen ist. In diesem Zusammenhang macht er darauf aufmerksam, dass auch in der kom­munistischen Ära kein totaler Atheismus geherrscht habe: Bei der Volkszählung im Terrorjahr 1937, als es lebensgefährlich war, einen Priester unter seinen Vorfahren zu haben, wurde auch nach der Einstellung zum Glauben gefragt. 56,7 Prozent der Bevölkerung wagten es damals, sich als gläubig zu bezeichnen.12

Die Re-Institutionalisierung zeigte sich in der Gründung kirchlicher Komitees, die eine Verbindung zu Politik, Öffentlichkeit und Außenwelt suchen.

Die Re-Institutionalisierung manifestierte sich auch in der Gründung kirchlicher Komitees, welche die Verbindung zu Politik, Öffentlichkeit und Außen­welt suchen. Gelegentlich bezieht die Kirche Stellung zu aktuellen Themen, so im Sommer 2018 anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Damals kündigte Patriarch Kirill an, eine Sportkommission innerhalb der Kirche ins Leben zu rufen, denn die Zeit für Interaktion zwischen Kirche und Sportwelt sei gekommen. »Die Aufgabe eines Athleten ist die­selbe wie die eines Mönchs – ohne Selbstkontrolle kein Erfolg.«13 Ein richtungweisendes Dokument für den Prozess, in dem die Kirche mit der Öffentlichkeit stärker als zuvor in Dialog trat, waren die »Grund­lagen der Sozialkonzeption der Russischen Ortho­doxen Kirche«, die nach langer Vorbereitung im Jahr 2000 verabschiedet wurden. Sozialarbeit nahm nun mehr Raum ein als in anderen orthodoxen Kirchen. Laut Bischof Tichon ist »die wiedergeborene soziale Arbeit der Kirche, die in der sowjetischen Zeit verbo­ten war, heute sehr vielfältig, wenngleich sie noch deutlich hinter der Praxis der katholischen und der protestantischen Welt … zurücksteht«.14 Der Dialog verstärkte sich unter dem neuen Patriarchen Kirill, der 2009 an die Spitze der ROK gewählt wurde und zuvor die Außenabteilung der Kirche geleitet hatte. Er förderte die Online-Kommunikation durch ein Netz kirchlicher Webseiten. Aber auch hier muss auf die Grenzen des Einwirkens der Kirche auf die Gesell­schaft hingewiesen werden. Die Jugend, das heißt die Generation der »Puteens«, die unter der Herrschaft des amtierenden Präsidenten aufgewachsen ist, lässt sich von den Botschaften der Kirche kaum beein­drucken.15 Kirchliche Stellungnahmen zu sozialen Fragen beziehen sich vor allem auf den Schutz der »traditionellen Familie«, kaum auf andere sozio­öko­nomische Probleme, die den Staat herausfordern und gegenwärtig deutlich zutage treten. Doch auch in diesem Bereich konservativer Familienpolitik gelingt es der Kirche nicht immer, ihre Positionen durch­zusetzen, etwa bei der Auseinandersetzung um Schwangerschaftsabbruch. Im September 2016 unter­zeichnete Patriarch Kirill eine Petition, die Gesetzesänderungen in diesem Punkt verlangte, aber keine Wirkung zeigte.16

1990 verabschiedete der Sowjet der noch bestehenden Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjet­republik (RSFSR) ein liberales Gesetz über Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche. Es schränkte das Handeln religiöser Akteure nicht ein, auch wenn es sich um ausländische Glaubensgemeinschaften handelte, die in Russland missionierten und seitens der ROK auf heftige Ablehnung stießen. Die Verfassung der Russischen Föderation von 1993 postuliert religiöse Freiheit und die Trennung von Kirche und Staat. »Religiöse Vereinigungen sind vom Staat getrennt und vor dem Gesetz gleich.«17 Doch in der Folgezeit wurde dieser religiöse Pluralismus beschnitten und »hierarchisiert«. Ein Gesetz von 1997 über Gewissensfreiheit und religiöse Vereinigungen erkannte die »besondere Rolle der Orthodoxie in der Geschichte Russlands, bei der Entstehung und Ent­wicklung seiner Spiritualität und seiner Kultur« an und setzte den Aktivitäten »nichttraditioneller« Konfessionen enge Grenzen. Unterstützung gewährt der Staat seither nur noch jenen vier Glaubens­gemeinschaften, die auf dem weitgespannten eurasi­schen Territorium Russlands historisch verwurzelt waren und als die »traditionellen Religionsgemeinschaften« konzipiert wurden: Neben der Christlich-Orthodoxen Kirche sind dies der Islam, der Judaismus und der Buddhismus. Aber auch hier schälte sich eine privilegierte Stellung der ROK heraus. Zudem schloss das Konzept der traditionellen Religionen einige Glaubensgemeinschaften nicht ein, von denen Gemeinden in Russland seit Jahrhunderten vertreten waren, wie Lutheraner und Calvinisten (seit dem 16. Jahrhundert) oder Katholiken.

Staatliche Unterstützung bedeutete nicht die Ein­führung einer Kirchensteuer. Ihre finanziellen Ein­künfte bezieht auch die privilegierte ROK aus dem Ver­kauf von Devotionalien, aus Sammelbüchsen und den Gebühren für Riten bei Trauungen, Bestattungen und anderem sowie aus finanziellen Zuwendungen durch Großkonzerne. Unter den Oligarchen, die in enge Verbindung mit der ROK traten, wurden Wladi­mir Jakunin und Konstantin Malofejew am häufigsten erwähnt. Jakunin, von 2005 bis 2015 Präsident der russischen Eisenbahngesellschaft, finanzierte soziale Projekte in Kooperation mit der Kirche wie die Stif-tung für Kinderhilfe namens »Breite deine Flügel aus« und gehört zu den Mitbegründern des Instituts »Dia­log der Zivilisationen« in Berlin. Malofejew, Geschäfts­führer des Investmentfonds Marshall Capital Partners und Chef des Fernsehsenders Tsargrad, bezeichnet sich als »orthodoxen Monarchisten« und steht in Kon­takt zu ultrakonservativen und nationalistischen Gruppen.

Aussagen staatlicher Sprecher im zweiten nachsowjetischen Jahrzehnt lehnten sich noch nicht aus­drücklich an »traditionelle Werte« und »Orthodoxie« an. In der Außenpolitik war strikte Abgrenzung orthodoxer Kultur von »westlicher Dekadenz« noch nicht angesagt, wie sie bereits in kirchlichen Kreisen thematisiert wurde. Gleichwohl formierte sich schon während dieser Zeit eine konservative Haltung, die Kritik an einem westlichen Liberalismus nicht mehr allein der Kommunistischen Partei überließ. In die­sem Umfeld traten neue politische Klubs, Stiftungen und gesellschaftliche Organisationen auf den Plan. Mit Unterstützung der ROK »wurde die Infrastruktur für den neuen Konservatismus weiter ausgebaut. Die Jahre 2003 bis 2007 waren eine Hochzeit der Mani­feste, die die Debatte um das zukünftige Entwicklungs­modell Russlands … mit Konservatismus verban­den«.18 Unter der Präsidentschaft Dmitri Medwedews, die eine Brücke zu Putins weiteren Amtszeiten bilden sollte, wurde die Religionspolitik modifiziert. So sig­nalisierte Medwedew Zustimmung dafür, den Schul­unterricht mit orthodoxen Elementen anzureichern. Kurse zu »Fundamenten religiöser Kultur« und »Säku­larer Ethik« wurden in 19 Regionen Russlands ein­geführt. Die Nachfrage nach »Grundlagen orthodoxer Kultur« als Unterrichtsfach ist bis heute allerdings begrenzt geblieben, besonders in Großstädten.19 Im Jahr 2009 bewilligte das Verteidigungsministerium die Beschäftigung von Militärkaplänen in Einrichtungen der Armee. Im selben Jahr wurde die Rückgabe konfiszierten Kircheneigentums gesetzlich festgelegt. 2010 begann der Staat damit, mehr als 6400 in sowje­tischer Zeit beschlagnahmte kirchliche Grundstücke an ihre Eigentümer zurückzugeben, und gewährte der Kirche Steuererleichterungen und Finanzhilfen. Gleichwohl tat sich eine gewisse ideologische Diskre­panz zwischen Kreml und Patriarchat auf. Staatliche Sprecher traten für eine »Modernisierungspartnerschaft« mit Europa ein. Im Mittelpunkt der Modernisierungskampagne stand der technologische Fortschritt. Laut der kirchlichen Sozial­konzeption indes könne die Entwicklung von Wissenschaft und Tech­nologie unter der Dominanz säkularer Ideologien zu »furchterregenden Konsequenzen« führen.20

In der dritten Amtszeit Präsident Putins seit 2012 erreichte die Abgrenzung vom Westen im Werte­diskurs von Kirche und Staat ihren Höhepunkt – also bevor sich seit 2014 ein neuer Ost-West-Konflikt zu­spitzte. Schon die Kampagne zur Präsidentschaftswahl 2012 war von antiwestlichen Tönen geprägt, die als Reaktion auf Protestwellen in Russland gegen das abgekartete Machtspiel zwischen Putin und Med­wedew zu deuten sind. Aus Sicht des Kreml waren solche Proteste von externen, sprich westlichen Akteu­ren gesteuert, wie die »Farbrevolutionen« in Georgien und der Ukraine. Die Staatsführung suchte nun Rück­halt im konservativen Milieu, das sich durch neue Vereine erweitert hatte. Zu letzteren gehört vor allem der Izborsker Klub, in dem 2012 kremlnahe Publizi­sten aus sicherheitspolitischen, kirchlichen und wirt­schaftlichen Kreisen zusammentraten, um Russland gegen westliche Einflüsse zu verteidigen.21 Präsident Putin legte 2013 vor der Föderalversammlung und auf dem alljährlichen Waldai-Treffen vor internationalem Publikum sein Bekenntnis zu konservativen, traditio­nellen Werten ab.22 2012 trat mit Wladimir Medinski ein ultrakonservativer Minister für Kultur in die Regierungsmannschaft ein. Nun wurden Gesetze ver­abschiedet, die im Dienste traditioneller Werte Mei­nungsfreiheit einschränkten. Im Jahr darauf wurde der Straftatbestand »Beleidigung religiöser Gefühle« ins Strafgesetzbuch aufgenommen (Artikel 148). Mis­sionarische Aktivitäten aus nichttraditionellen aus­ländischen Glaubensgemeinschaften wurden in der Folgezeit unter Extremismusverdacht gestellt. Das betrifft im christlichen Bereich vor allem die Zeugen Jehovas, eine Gemeinde von rund 175 000 Mitgliedern in Russland.23 2016 wurde die Kirchenhistori­kerin Olga Wassiljewa zur Bildungsministerin er­nannt und fungierte für die Kirche als konservative Ansprechpartnerin der Regierung.

Die russischen Interventionen in der Ukraine und in Syrien wurden religiös verklärt.

Die russischen Interventionen in der Ukraine und in Syrien wurden religiös verklärt. So hob Präsident Putin zum Beispiel in einer Ansprache vor der Duma im Dezember 2014 die Stadt Cherson hervor, die nicht weit entfernt von der Krimhalbinsel liegt. Dort wurde im Jahr 987 angeblich der bedeutende Groß­fürst Wladimir getauft, bevor er nach Kiew zurückkehrte und 988 die Christianisierung der Kiewer Rus ein­leitete, einer Art mittelalterlicher Vorläuferstaat Russ­lands, der Ukraine und Belarus’. Dabei setzte Putin die Stadt am Mündungs­delta des Dnjepr in ihrer reli­giösen Bedeutung mit Jerusalem und Mekka gleich. Den militärischen Ein­satz in Syrien recht­fertigten staat­liche und kirchliche Sprecher mit dem Argument, christliche Gemeinden im Mittleren Osten müssten vor islamistischem Terrorismus geschützt werden.

Der wachsende Konservatismus in Russland verband Staat und Kirche immer enger, sowohl innen- als auch außenpolitisch, und gewann in der kirch­lichen Hierarchie die Oberhand. Allerdings setzt sich die ROK nicht ausschließlich aus konservativen Kräften zusammen. Einige Vertreter beklagten, es mangle der Kirche an einem kritischeren Verhältnis zur staatlichen innen- und außenpolitischen Agenda. Konservative Hardliner wie der Priester Wsewolod Tschaplin, der mit extremen Äußerungen zu kultur- und außenpolitischen Themen hervorgetreten war, stießen selbst in der Hierarchie auf Widerstand: Tschaplin wurde 2015 aus der Kirchenführung ent­lassen.

Die ROK, zu der Gemeinden weit über Russland hinaus gehören, ist unter den bisher 14 (mit der eigen­ständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine nun 15) orthodoxen Kirchen mit Abstand die größte. Zu ihr bekennt sich gut die Hälfte der 300 Millionen Mit­glieder der orthodoxen Ökumene. Es gibt im ortho­doxen Christentum keine zentrale Führungsinstanz, die mit dem Papsttum in der katholischen Welt vergleichbar wäre. Der Patriarch von Konstan­tinopel, derzeit Bartholomaios I., beansprucht die Posi­tion eines primus inter pares unter den geist­lichen Führern der Ökumene.

Im Zuge des Streits darüber, ob der neu gegründeten Orthodoxen Kirche der Ukraine Eigenständigkeit zugesprochen werden sollte, wuchs die Rivalität zwischen Moskau und Konstantinopel 2018 derart, dass vor einer Spaltung der orthodoxen Ökumene gewarnt wurde. In Russland und in der Ukraine ver­schränkten sich in diesem Streit Religion und Politik. »Zu Russlands gewachsenem Machtanspruch zählt auf internationaler Bühne, dass Kirill, Oberhaupt der zahlenstärksten orthodoxen Kirche, offen mit Bartho­lomaios um die Vorherrschaft in der Orthodoxie rivalisiert.«24 Dies kam bereits 2016 zum Ausdruck, als die ROK zusammen mit den orthodoxen Kirchen von Bulgarien, Georgien und Antiochien (Syrien) das Panorthodoxe Konzil von Kreta boykottierte, das jahr­zehntelang vorbereitet worden war und als Lebens­projekt des Patriarchen Bartholomaios galt. In seinem Bemühen um Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften, so mit der katholischen Kirche, geriet Bartholomaios in Konflikt mit konservativen Kirchen­führungen wie jener in Russland. Nachdem das Patriarchat von Konstantinopel am 11. Oktober 2018 entschieden hatte, die seit 1686 bestehende Zuordnung der ukrainischen Kirche zum Moskauer Patri­archat aufzuheben, kam es zum offenen Bruch mit Moskau.

Religiosität in der Bevölkerung

Als ein Hauptargument für die Auffassung, die ROK habe nur begrenzten Einfluss auf die Gesellschaft, dient der Hinweis auf die geringe Zahl aktiver Kirch­gänger. In einer Analyse wird dies mit folgenden Worten umschrieben: »Religious revival in Russia has been unchurched.«25 Dabei investierte bereits der Vorgänger des heutigen Kirchenführers, Aleksij II., der die ROK zwei Jahrzehnte lang bis 2009 leitete, Ressourcen in eine Verkirchlichung (vocerkovlenie), die sich im Aufbau neuer Pfarrgemeinden und ihrer Ausstattung mit Priestern manifestierte. Allerdings stößt dieser Prozess bis heute an Grenzen, zum Bei­spiel was theologische und liturgische Kenntnisse in der Bevölkerung betrifft. Gleichwohl bezeichnen sich 71 Prozent der Bürger Russlands in Umfragen als orthodox (1991: 31 Prozent). In der Ukraine ist der Anteil noch höher und lag 2015 bei 78 Prozent (1991: 39 Prozent). Dabei sind 57 Prozent der befragten Russen der Auffassung, orthodox zu sein sei wichtig, um »wahrhaft russisch« zu sein. In der Ukraine schlugen 51 Prozent der im Jahr 2015 Befragten diese Brücke zwischen konfessioneller und nationaler Identifika­tion.26

Zur Religiosität in postkommunistischen Gesellschaften Osteuropas und Eurasiens haben Institute wie International Social Survey Programme (ISSP), New Russia Barometer und Caucasus Research Resource Center (CRRC) in Umfragen Daten erhoben. Das Pew Research Center, das Religiosität weltweit erforscht, hat zwischen Juni 2015 und Juni 2016 Umfragen in ehemals kommunistischen Ländern durchgeführt, in denen orthodoxe Kirchen und die katholische Kirche dominieren. Es wurden insgesamt 25 000 erwachsene Personen befragt. Dabei fiel auf, wie stark sich nationale und konfessionelle Zuordnung in Ländern mit christlich-orthodoxer Mehrheits­bevölkerung verschränken. In den orthodoxen Län­dern wird zudem Nationalstolz und die Überlegenheit der eigenen Kultur über andere Kulturen in der Welt stärker betont.27 Allerdings besteht eine Diskrepanz zwischen dem nationalen Glaubensbekenntnis und der individuellen Beteiligung am kirchlichen Leben. Hier zeigt sich ein Unterschied zu anderen Regionen etwa in Nord- und Lateinamerika, Afrika und Asien, die vom Pew Research Center im Hinblick auf Reli­gionsausübung analysiert wurden. Im Durchschnitt bekennt sich knapp ein Zehntel der orthodoxen Christen in den hier betrachteten Ländern zu regel­mäßigem Kirchgang.

Besonders konservativ sind in den meisten untersuchten Ländern die Ansichten über Sexualmoral und Genderfragen. Die von Kirche und Staat in Russland geleiteten Attacken gegen die »westeuropäische Zivi­lisation« in puncto »Homosexualismus«, das heißt gegen die Rechtfertigung und angebliche Propagierung von Homosexualität,28 kommen im orthodoxen Ausland gut an. In Russland selbst hat die Verfolgung sexueller Minderheiten zugenommen. 2013 wurde ein Gesetz zum »Verbot der Propaganda nichttraditio­neller sexueller Beziehungen« verabschiedet, das Betroffene polizeilicher Willkür und wachsender All­tagsdiskriminierung aussetzte und besonders in der Teilrepublik Tschetschenien zu schweren Menschenrechtsverletzungen führte. Jüngst rügte der Anti­diskriminierungsausschuss des Europarats in seinem Bericht politische und kirchliche Führer in Russland für Äußerungen, die Hass gegenüber diesen Personen­kreisen Vorschub leisten.29

Zudem nehmen die meisten Glaubensgemeinden im ostkirchlichen Bereich eine konservative Haltung gegenüber Modernisierung im Sinne politischer Transformation ein. Eine Ausnahme bildet hier zur­zeit Armenien, wo sich auch Priester an der »samtenen Revolution« im Frühjahr 2018 beteiligten, die sich gegen die alte Machtelite richtete. Gemeinsam mit einigen Nichtregierungsorganisationen und Kirchenvertretern aus der Diaspora forderten sie den Rücktritt des Patriarchen Karekin II., der sich nach ihrer Auffassung zu sehr mit der herrschenden Olig­archie eingelassen hat. Schon 2011 hatte ein führen­der Vertreter des armenischen Diaspora-Klerus, Katholikos Aram I. von Kilikien, »innere Blutungen« in Armenien beklagt, die sich aus seiner Sicht in hoher Auswanderung, Armut, Korruption und Fru­stration in der Bevölkerung zeigten. Deshalb hatte er von der Armenischen Apostolischen Kirche verlangt, eine kritischere Haltung gegenüber der Regierung in Eriwan zu vertreten.30 Die ROK wiederum hält sich mit Kritik an der russischen Machtelite zurück. So wahrte sie Stillschweigen angesichts der Demonstrationen, die im März 2017 in mehreren Städten Russ­lands gegen Korruption in Regierungskreisen statt­fanden.31 Während die Kirche gern auf Missstände in der westlichen Welt hinweist, schweigt sie sich über soziale Ungerechtigkeit, Korruption und politische Fehlentwicklungen im »heiligen Russland« eher aus.32

Die Kirche und russische bzw. russländische Identität

Kirche und Staat kooperieren auf einem ideologischen Feld, das als Orthodoxie bezeichnet wird. Selbst kirch­liche Sprecher definieren sie nicht rein theologisch, sondern auch mit Hilfe kultureller Kategorien. Im Diskurs von Kirche und Staat nimmt das Thema zivi­lisatorische Identität und Einzigartigkeit Russlands eine zentrale Stellung ein. Zu dieser zivilisatorischen Dimension äußert sich Sergej Karaganow, Dekan der Moskauer Hochschule für Internationale Ökonomie und Außenpolitik: »Die Ideologie, auf die es [Russland, d. Verf.] sich bezieht, basiert auf russischer Kultur und Zivilisation. Sie ist nicht auf Export ausgerichtet.«33 Doch die politische und kulturelle Orientierung an konservativ-traditionellen Werten soll durchaus auch Außenwirkung entfalten. Sie wendet sich gegen die Verbreitung liberaler westlicher Normen und rich­tet sich dabei gezielt an Adressen im Ausland, nicht nur im sogenannten nahen Ausland im postsowjetischen Raum, sondern auch in europäischen Ländern, in denen antiliberale, rechtspopulistische Kräfte in den letzten Jahren an Boden gewonnen haben.

Im Diskurs von Kirche und Staat nimmt das Thema zivilisatorische Identität und Einzigartigkeit Russlands eine zentrale Stellung ein.

In einer Analyse zu ideologischen Positionen der Regierung in Russland hebt der Politologe Grigori Golosow von der Europäischen Universität in St. Petersburg Unterschiede bei der Nutzung von Ideo­logie in der Innen- und Außenpolitik hervor. Die Regierung vermeide es, sich zu den wichtigsten Themen in der innenpolitischen Agenda ideologisch festzulegen. Hier vermischen sich Aussagen zu Reformbedarf und Stabilitätswahrung, während die Tonlage auf der außenpolitischen Agenda schärfer ist: »Die Rhetorik … konzentriert sich darauf, ein Feind­bild vom Westen aufzubauen.«34 Andrej Kolesnikow vom Moskauer Carnegie Center spricht in einer Ana­lyse zu Präsident Putins Agenda von »impoverished ideology«, in der ein autoritärer Staat die Funktion einer »höheren moralischen Autorität« durch Abgren­zung von einem »amoralischen« Westen übernehmen will.35

In dieser Abgrenzung liegt eine Schnittstelle zwi­schen Äußerungen aus kirchlichen und staatlichen Kreisen. Allerdings kommt sie in der Gesellschaft nicht auf breiter Basis an. Diese Einschätzung wird durch eine Umfrage gestützt, die das Meinungs­forschungszentrum Levada im April 2018 unter 1600 erwachsenen russischen Staatsbürgern aus 52 Regio­nen durchführte: Auf die Frage, wie sich Russland gegenüber westlichen Staaten verhalten solle, ant­worteten 54 Prozent der Befragten mit »Stärkung der Beziehungen zu Ländern im Westen« und 28 Prozent mit »Distanzierung«, 19 Prozent waren unentschieden. Die Zustimmung zur Verbindung mit dem Westen war vor der Ukraine-Krise von 2014 allerdings noch stärker ausgeprägt.36

Kirche und Staat arbeiten zusammen, wenn es um die Stärkung des Patriotismus geht. Seit 2001 etwa hat die Regierung Fünfjahresprogramme für »patrioti­sche Erziehung« verabschiedet. Das bisher letzte, für 2016–2020 gültige Programm ist dabei am ausführlichsten. Im Mittelpunkt steht die Ausbildung von Lehrern und Professoren für diese Aufgabe, in die auch Veteranenverbände und der Klerus einbezogen sind.37 Die Föderale Agentur für Angelegenheiten der Jugend legte 2018 der Regierung einen Bericht vor, wonach die patriotische Stimmung in der Gesellschaft seit 2008 und die Zahl der speziell für Mobilisierung auf diesem Feld trainierten Aktivisten beträchtlich gestiegen sei.38

Patriotismus bezieht sich in Russland auf einen Staat und eine Gesellschaft mit ethnischer und kon­fessioneller Vielfalt. Deshalb wird dieser Patriotismus mit dem Attribut »russländisch« (rossijskij) belegt, da sich »russisch« (russkij) lediglich auf die russische Sprache und Ethnie bezieht. Allerdings hat sich unter Präsident Putin die Betonung des Russentums ver­stärkt. In einem Artikel von 2012 zur nationalen Frage beschreibt er Russland zwar als Vielvölkerstaat, hebt dabei aber das russische Volk als das eigentliche staatsbildende Element und die russische Kultur als »Kern und Bindegewebe dieser Zivilisation« hervor. »Damit war der Ton für Putins dritte Amtszeit gesetzt, in der immer öfter vom ›russischen Wesen‹ die Rede war.«39 Die ROK beteiligt sich an der patriotischen Präsentation der Geschichte dieser Großmacht, die verschiedene Volksgruppen und Glaubensgemeinschaften umspannt.40 Der ethnischen und konfessionellen Vielfalt begegnen Kreml und Patriarchat mit der Aufforderung zum Zusammenhalt. »Einheit« lautet die Parole, die hier zur Geschichte und Gegen­wart Russlands erklingt. Dieses Einheits-Narrativ bestimmte im Jahr 2017 die Haltung gegenüber dem 100. Jahrestag der Februar- und der Oktoberrevolu­tion. Heute ist der Begriff Revolution sowohl im kirchlichen als auch im staatlichen Sprachgebrauch äußerst negativ besetzt. So zog der Moskauer Patri­arch eine Parallele zwischen den Ereignissen in Russ­land 1917 und in der Ukraine 2013/14. »Die schreck­lichen Bilder des dortigen Aufstands« – in Anspielung auf den Euro-Maidan in Kiew –, »das Volk in geistiger Verwirrung – all das hilft ein wenig zu verstehen, was damals in Russland passiert ist.«41 Die Aufgabe, die gesamte Gesellschaft mit Russlands Geschichte zu versöhnen, setzte einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Revolutionsjahr 1917 Grenzen. So distanzierte sich die ROK vom Eifer ihrer Glaubensbrüder in der orthodoxen Auslandskirche, die dazu aufgerufen hatten, »die Geschichte von Lenin zu reinigen«.42 Hier stehe die Einheitswahrung auf dem Spiel, da doch in der Revolution, im Bürger­krieg, im Stalinismus eine klare Trennung von Opfern und Tätern kaum möglich sei. In ein und derselben Familie konnten Mitglieder auf beiden Seiten der Bar­rikaden stehen. Deshalb konnten Täter von gestern später zu Opfern werden.43

Was Rückgriffe auf die Geschichte in Russland be­trifft, wird in westlichen Analysen vor allem auf die Bedeutung verwiesen, welche die russische Bevölkerung dem Großen Vaterländischen Krieg und dem darauf folgenden Aufstieg der Sowjetunion zur Welt­macht zumisst. Bei der Behandlung des Stalinismus drängen diese Themen den »großen Terror« in den Hintergrund. Auch die Kirche unterstützt dies, ob­wohl ihre Priester dem bolschewistischen und stalinistischen Terror in großer Zahl zum Opfer gefallen sind und in nachsowjetischer Zeit zu Märtyrern erklärt wurden.

Doch der historische Revisionismus greift auch in die vorsowjetische Vergangenheit zurück. Besonders die spätimperiale Periode unter dem Zaren Alexander III. (1881–1894) kommt hier zur Geltung. Im Novem­ber 2017 reiste Präsident Putin auf die von Russland annektierte Krimhalbinsel, um ein Denkmal für die­sen Zaren einzuweihen. Dabei pries er ihn für seinen Einsatz für »nationale Traditionen«. Der Zar habe fest daran geglaubt, »dass es für eine große Nation ent­scheidend ist, ihre Identität zu wahren, dass jede Bewegung vorwärts unmöglich ist ohne Respekt für die eigene Geschichte und Kultur und die eigenen spirituellen Werte«. Igor Torbakow von der Universität Uppsala vergleicht die Vorliebe Putins für diesen Zaren mit dem historischen Revisionismus in der Türkei unter dem Machthaber Erdoğan, der von den 36 Sultanen der osmanischen Geschichte beson­ders Abdulhamid II. (1876–1909) als »frommen Auto­kraten« und Förderer panislamischer Ideologie bevor­zugt. Sowohl in Moskau als auch in Ankara wende sich der jeweilige Staatsführer einer »sakralen Geo­graphie untergegangener Imperien« zu.44 Auch der Aufstieg eines Neo-Kosakentums, das zum Teil in die staatlichen Sicherheitsdienste einbezogen wird, zeugt von einem Rückgriff in die imperiale Vergangen­heit Russlands, der über die sowjetische Ära hinausreicht. Die distinkten Merkmale sind hier Orthodoxie und großrussischer Patriotismus.45 Allerdings fordern Kosaken mit ihren Autonomiebestrebungen auch staatliche und kirchliche Stellen heraus. Die Debatte über Eigenständigkeit in der orthodoxen Ökumene hat zum Beispiel in einigen Kosakenverbänden in Russ­land und der Ukraine die Forderung nach eige-nen unabhängigen Kirchenstrukturen angeregt.

Das prominenteste geschichtspolitische Projekt, das von Patriarchat und Kreml gefördert wird, ist der Multimedia-Park »Russland – Meine Geschichte«, der in Moskau und 16 weiteren Städten eingerichtet wurde. Ein Kulturrat des Patriarchats setzte sich aktiv für dieses Projekt ein, das die Russlandexpertin Marlène Laruelle als »einzigartige Kombination einer konservativen Lesart russischer Geschichte mit hoch­moderner medialer Übertragung« bezeichnet.46

Die Kirche als außenpolitischer Akteur

Das kirchliche Außenamt kooperiert mit dem Außen­ministerium. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe legt die Schwerpunkte der Zusammenarbeit fest, etwa jener zwischen den Hochschulen des diplomatischen Dienstes und der Postgraduiertenschule der ROK. Aber auch hier sind die Interessen und Agenden von Kirche und Staat nicht deckungsgleich.47 Zwei Raum­konstruktionen markieren die außenpolitische Dimen­sion, in der sich staatliche und kirchliche Agenden verschränken: das vieldiskutierte Konstrukt der »Russischen Welt« (Russkij Mir) und das »kanonische Territorium« als Zuständigkeitsbereich der Kirche.48 Beide Raumbegriffe reichen über Russland hinaus. Als sich 2018 eine eigenständige und geeinte ukra­inische Kirche vom Moskauer Patriarchat lossagte, forderte dies sowohl das kanonische Territorium der ROK als auch das Konstrukt der Russischen Welt heraus. Jetzt könnte, so einige Medienkommentare, der Zerfall der Sowjetunion auf kirchlichem Gebiet nachgeholt werden. Die Russische Welt stellt eine »diffuse mentale Landkarte« dar.49 Gerade der diffuse Charakter verschafft diesem Konzept Flexibilität, da sein Referenzbereich »je nach Gegebenheiten unter­schiedlich eingesetzt und verwendet werden kann«.50 Das Konzept wurde in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre von einem politikwissenschaftlichen und philo­sophischen Autorenkreis entwickelt. Er griff dabei auf russische Philosophen aus dem 19. Jahrhundert zurück, die Russland als einzigartige Zivilisation präsentieren. In der Kreml-Führung setzte sich das Konzept zunächst nur zögerlich durch. Präsident Putin erwähnte es erstmals 2001 vor dem ersten Welt­kongress der Landsleute im Ausland: »Der Begriff der Russischen Welt erstreckt sich weit über Russlands geographische Grenzen und auch weit über die Grenzen russischer Ethnizität.«51 Aus Sicht der ROK wurde das Konzept »als Antwort auf die Globalisierungs­prozesse, die die kulturell-nationalen Identitäten bedrohen, und auf die Situation der Identitäts­suche nach dem Zerfall der Sowjetunion entwickelt«.52

In den Konzepten »Russische Welt« und »kanonisches Territorium« verschränken sich außenpolitische Agenden des Staates und der Kirche in Russland.

Der Staat hat das Konzept gefördert, indem er eine Reihe von Organisationen schuf, darunter der Welt­kongress der Landsleute, das Weltweite Russische Volkskonzil und die Stiftung Russische Welt. Kirch­liche Repräsentanten wurden in solche Organisationen einbezogen, so der Moskauer Patriarch Kirill als Vorsitzender des Volkskonzils. Besonders hervor­zuheben ist die Stiftung Russische Welt, die 2007 durch ein Dekret Präsident Putins gegründet wurde. Sie unterhält ein Netzwerk von Filialen im Ausland – in Deutschland gibt es Zentren in Berlin, Hamburg, Mainz, Dresden und Nürnberg. Ihr Schwerpunkt ist die Verbreitung russischer Sprache und Kultur, was sie mit kultur- und außenpoli­tischen Einrichtungen in anderen Ländern vergleichbar macht, wie dem Goethe-Institut, dem Institut Français und dem British Council. 2009 trat die Kirche der Stiftung offiziell bei. Metropolit Hilarion (Alfejew), der amtierende Außen­beauftragte der ROK, wurde Mitglied im Stiftungs­vorstand, und Patriarch Kirill trat auf mehreren Ver­anstaltungen der Stiftung auf. Für die Kirche ist vor allem ein historisches Feld relevant, auf das sich das Konzept der Russischen Welt bezieht: die Heilige Rus, das ostslawische orthodox-christliche Gebiet, zu dem neben Russland die Ukraine und Belarus gezählt wer­den. Auch Präsident Putin verwies wiederholt darauf, etwa wenn er vom »gemeinsamen Taufbecken am Dnjepr« sprach. So wird die Christianisierung der Kiewer Rus im Jahr 988 zum konstitutiven Merkmal der Russischen Welt erhoben.53

Zugleich reicht diese über das ostslawische Gebiet hinaus in andere Teile des postsowjetischen Raumes und des fernen Auslands, in denen Russen und Russischsprachige leben. Nach der Annexion der Krim 2014 verstärkte sich in Russlands nahem Ausland von Belarus bis Kasachstan die Tendenz, den Termi­nus Russkij Mir im Sinne eines russischen neoimpe­rialen Irredentismus zu verstehen. Dabei betonten die kirchlichen Vertreter allerdings, dass sie die bestehenden staatlichen Grenzen akzeptieren und dass die historischen und kulturellen Verbindungen aus dem Erbe der Heiligen Rus die Souveränität der Nachbarländer nicht in Frage stellen. Bei einem Besuch in Minsk 2009 bekräftigte Patriarch Kirill kurz nach seinem Aufstieg an die Spitze der Kirchenleitung: »Die Heilige Rus, die unser historisches Erbe ist, verwirklicht sich heute in verschiedenen Staaten.«54

Beide Raumkonstruktionen kommen in der Haltung zur Sowjetunion zum Ausdruck. Zwar bedauern Kirche und Staat nicht den Untergang des Kommunis­mus, aber doch die Auflösung dieses »Bundesstaates«. So heißt es in der kirchlichen Sozialkonzeption: »Die neueste Geschichte hat gezeigt, dass die Auflösung Eurasiens in verschiedene Staaten eine künstliche Trennung zwischen Völkern, Familien und wirtschaft­lichen Gemeinschaften hervorgerufen hat und in der Auslagerung verschiedener ethnischer, religiöser und sozialer Gruppen resultierte, was vom Verlust ihrer heiligen Stätten begleitet war.«55 2005 tat Putin dann seinen berühmten Ausspruch vom Zerfall der Sowjet­union als der größten geopolitischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Beide Seiten befürworten zwar nicht die Wiederherstellung der Sowjetunion, aber Integrationsprozesse im postsowjetischen Raum unter russischer Führung. Darüber hinaus stehen beide für ein Russland ein, das als Großmacht auf der Welt­bühne agiert, und können sich dabei großer Zustimmung in der Bevölkerung sicher sein. Laut einer Meinungsumfrage vom Mai 2002, also schon in der frühen Putin-Ära, sprachen sich 76 Prozent der Befragten dafür aus, dass ihr Land »die Rolle einer Großmacht anstreben soll«.56 In der Folgezeit wurde diese Option mit dem außenpolitischen Ausgreifen Russlands weit über den Handlungsraum einer Regionalmacht hinaus bestärkt. Die Russische Welt steht in diesem Kontext für eine Statusbehauptung, mit der Russland sich in der geopolitischen Konkurrenz mit westlichen Akteuren positioniert. Dabei ist seine »soft power«, die zum Beispiel an Sprachzugehörigkeit appelliert, heute aber eher geschwächt als gestärkt. Der Status der russischen Sprache als lingua franca im nahen Ausland tritt zunehmend hinter lokale Sprachen und Fremdsprachen wie Englisch zurück.57 Auch die Zahl der ethnischen Russen und Russischsprachigen, die es aus offizieller Sicht zu schützen gelte, ist hier rückläufig. Eine Region wie den Südkaukasus kann Moskau mit dem Begriff Russkij Mir kaum noch ansprechen. Der Anteil der dort lebenden ethnischen Russen an der Bevölkerung ist auf knapp drei Prozent gesunken.

Feindbild Westen

Je stärker staatliche und kirchliche Akteure sich von einer westzentrierten Weltordnung abgrenzten, desto mehr näherten sich ihre ideologischen Aussagen ein­ander an. Der Westen als die »andere Welt« ist im theologisch-philosophischen Diskurs der Orthodoxie historisch verwurzelt.58 Auch in der nachsowjetischen Periode hatte die ROK Europa Verrat an seinen christ­lichen Wurzeln, mehr noch, Christianophobie vor­­ge­worfen, lange bevor sich der neue Konflikt zwischen Russland und dem Westen verschärfte.

Im Juni 2007 nahm das Außenamt der ROK Stellung zum Weißbuch des Europarats zum interkulturellen Dialog und kritisierte die Prinzipien und Werte der Europäischen Menschenrechtskonvention und anderer Rechtsdokumente des Europarats. Anstoß nahm sie unter anderem an Passagen, die strenge gesetzliche Regeln einfordern gegen »Hassreden sowie rassistische, ausländerfeindliche, antisemitische, islamfeindliche und intolerante Äußerungen gegen­über Roma oder andere Äußerungen, die zu Hass oder Gewalt anstacheln«. Hier fehle Christianophobie unter den zu verbietenden Arten von Diskriminierung.59 Patriarch Kirill erklärte in einem Interview vor dem orthodoxen Weihnachtsfest im Januar 2016: »Heute sind die Christen die am schlimmsten verfolg­te religiöse Gemeinschaft. Nicht nur dort, wo es den Zusammenprall mit dem islamischen Extremismus gibt, sondern auch an vielen anderen Orten, einschließlich dem glücklichen Europa.« In Europa wür­den »Paraden sexueller Minderheiten« begrüßt, aber eine Demonstration französischer Christen zur Ver­teidigung der Familienwerte sei von der Polizei aus­einandergetrieben worden.60

Diesem Stereotyp stehen freilich unterschiedliche religiöse Verhältnisse in Europa entgegen, und wenn der Westen im weiteren Sinne gemeint ist, auch die religiöse Situation in den USA. Gut 40 Prozent der US-Bürger bekunden, dass sie regelmäßig zur Kirche gehen, weitaus mehr als in Russland. Mit ihrem Vor­wurf der Familienfeindlichkeit ignorieren kirchliche und regierungsnahe Kommentatoren in Russland, dass die Politik in europäischen Ländern trotz libera­ler Haltung gegenüber nichttraditionellen sexuellen Orientierungen nach wie vor die traditionelle Familie unterstützt. Die Diagnose des sittlichen Verfalls Euro­pas wird bis ins Absurde übertrieben.61 Menschenrechtliche Argumente gegen häusliche Gewalt werden indes zurückgewiesen, so von Bischof Tichon.62 Dabei beklagen Menschenrechtsaktivisten in Russland einen Anstieg solcher Gewalt, besonders nachdem 2017 ein­schlägige Delikte von Straftaten zu Ordnungs­widrig­keiten herabgestuft wurden.63

Nicht zu unterschätzen ist die propagandistische Wirkung des Stereotyps einer westlichen Welt, die sich ihrer kulturellen Wurzeln und traditionellen Familienwerte entfremdet. So sind in einigen Ländern Ostmittel- und Südosteuropas Kräfte in Führungspositionen gelangt, die einer kulturell-religiös gefärbten antiliberalen Propaganda aufgeschlossen gegenüberstehen.

Die Verbindungen der ROK zu internationalen Organisationen

Seit Ende der 1990er Jahre hat die Russische Ortho­doxe Kirche Kontaktstellen zu Organisationen wie der EU, dem Europarat und der OSZE geschaffen. Ein Hauptthema für die Kirche im europäischen Kontext war die bevorstehende Erweiterung der EU nach Ost­europa. Der damalige Leiter des kirchlichen Außenamtes, der heutige Patriarch Kirill, traf sich im Januar 1999 an der Spitze einer hohen kirchlichen Delega­tion in Brüssel mit dem Präsidenten des Europäischen Parlaments und dem EU-Außenkommissar, um über Fragen der orthodoxen Glaubensgemeinden in Europa zu sprechen.64 Im Oktober 2002 richtete die ROK ihre Vertretung in Brüssel ein. Als Ansprechpartner galten Kommission und Parlament der EU sowie Europarat und Nato. Bei der Ausarbeitung des Verfassungsvertrags der EU reichten die Kirchen ihre Stellungnahme ein, darunter auch die ROK. In einem Brief an den Leiter des Verfassungskonvents, Valéry Giscard d’Estaing, warnte Metropolit Kirill im Februar 2003 vor der Gefahr einer Diktatur »materialistischer Ideologie auf Kosten der moralischen Werte«. Zudem nahm die ROK Stellung zum Entwurf des Verfassungsvertrags und monierte »historische Inkorrektheit« in der Präambel, denn dort würden zwar die antike Zivilisation und die Ideen der Aufklärung er­wähnt, aber nicht das christliche Erbe.65

Die Vertretung der ROK in Brüssel stand in Kontakt mit der Ständigen Mission der Russischen Föderation bei der EU. Gemeinsam veranstalteten die beiden Ver­tretungen Konferenzen zur Situation russischsprachiger Bevölkerungsgruppen auf dem Gebiet der EU, zur Wertedimension der europäischen Integration und zu anderen Themen. Seit 2007 tagte jährlich ein Euro­päisch-Russisches Forum. Hinzu kam der Ständige Partnerschaftsrat für Kultur EU-Russland, der in seiner gemeinsamen Erklärung zu den Prioritäten kultu­reller Zusammenarbeit »die Bedeutung der reli­giösen Dimension des kulturellen Dialogs« hervorhob.66

Zum Europarat, in dem Russland seit 1996 Mitglied ist, trat die ROK ebenfalls in Verbindung. 2004 ent­schied die Kirchenleitung, eine eigene Vertretung in Straßburg zu gründen, die in der Folgezeit mit der Vertretung der Russischen Föderation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) kooperierte. Auch in diesem Kontext reagierte sie auf Resolutionen und Dokumente, die ihrer Ansicht nach zu einseitig auf liberale Normen und individu­elle Freiheit ausgerichtet sind. Am Weißbuch des Europarats zum interkulturellen Dialog von 2008 kritisierte die ROK, es konzentriere sich zu sehr auf »bürgerliche, politische, soziale und kulturelle Rech­te«, und beklagte die Vernachlässigung »des allgemei­nen christlichen religiös-kulturellen Erbes Europas als Quelle einer paneuropäischen Identität«. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) sah sich ebenfalls wiederholt mit Beschwerden aus der ROK konfrontiert, und zwar wegen »einseitige[r] Auslegung der Individualrechte zum Nachteil kollek­tiver Rechte traditioneller religiöser Organisationen, die in der Geschichte und Kultur der europäischen Völker verankert sind«.67 Hier geht die Kirche mit dem Kreml konform, der mit dem EGMR über Kreuz liegt. Russland und die Türkei sind die beiden Länder mit der höchsten Zahl an nicht umgesetzten Urteilen des Gerichtshofs in Straßburg. Laut einem Bericht des Ministerkomitees des Europarats für das Jahr 2018 harren in Russland knapp 1600 Fälle von Menschenrechtsverletzungen einer Lösung.68

Verbindungen knüpfte die ROK auch zur OSZE. So nahmen Vertreter der Kirche an den jährlichen Implementierungstreffen des Büros der OSZE für Demokratische Institutionen und Menschenrechte (Office for Democratic Institutions and Human Rights, ODIHR) zu Fragen der menschlichen Dimension teil. Auch in diesem Rahmen brachten russische Kleriker ihren Vorwurf der Christianophobie ein. Das Büro reagierte mit der Forderung, die ROK möge klare Kri­terien für die Beschreibung von Situationen benennen, die man als Verfolgung von Christen bezeichnen kann.69

Die Themen, die sich aus Stellungnahmen der ROK zu Europa und zur westlichen Zivilisation heraus­heben, stimmen zu einem erheblichen Teil mit dem Wertediskurs überein, den staatliche Stellen in Russ­land bedienen. Dazu gehört die Kritik an einer vom Westen dominierten »Globalisierung« und das Plä­do­yer für eine »multipolare Weltordnung«, die zivilisa­torische Vielfalt respektiert und die einer angeblich monopolaren Welt unter Herrschaft eines »westlich-liberalen Zivilisationsstandards« entgegengesetzt wird.

Dabei wird europäische Integration nicht grundsätzlich negativ bewertet. Vielmehr richtet sich die Kritik gegen ihren angeblichen ideologischen Inhalt, den russische Kleriker mit dem Begriff »westeuropäischer postchristlicher Humanismus« umschreiben.70 Sie beklagen, dass in den meisten internationalen Organisationen Russland und die osteuropäischen Länder orthodoxen Glaubens nicht mit dem Einfluss ausgestattet sind, welcher der Bedeutung der ortho­doxen Zivilisation angemessen wäre. Diese Nichtteilhabe wird in einen historischen Kontext gestellt, so von Patriarch Kirill: »Alles wurde ohne uns gemacht. Ohne uns erfolgte die west­europäische Renaissance des 16. Jahrhunderts. Fast ohne Teilnahme Russlands hat sich das Europa der Aufklärung herausgebildet. Und ohne die geringste Teilnahme Russlands voll­zogen sich Reformation und die Französische Revolu­tion mit ihrer bekannten Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.«71 Im gesamten Verlauf seiner Geschichte habe Europa nicht genug getan, um Russ­land in das eigene Projekt einzubinden – ein Vor­wurf, den der Kreml besonders für die Zeit nach Ende des Kalten Krieges erhebt. Unerwähnt bleibt hier allerdings, dass die russische Kirche sich im Laufe ihrer eigenen Geschichte stets skeptisch gegenüber einer Modernisierung zeigte und damit einer Ein­beziehung entzog.

Das Verhältnis zwischen russischer und islamischer Welt

Staat und Kirche in Russland stehen in dreifacher Hinsicht in Beziehung zur Welt des Islam: bei der Innenpolitik gegenüber der muslimischen Gemeinde, der zweitgrößten der vier traditionellen Religionen in der Russischen Föderation, bei der Ausrichtung russischer Außenpolitik an nichtwestlichen Staaten, in der Russland sich als Gegengewicht zu den USA in den internationalen Beziehungen und als Brücke zur islamischen Welt präsentiert, und bei der Bekämpfung eines islamistischen Extremismus, der sich auf die Pflicht zum Jihad beruft und für Russland eine sicherheitspolitische Herausforderung darstellt. Was diese Bedrohung anbelangt, bietet sich Kooperation mit westlichen Partnern an – sogar mit den USA, die für Moskau das bevorzugte Feindbild abgeben. So wies das russische Außenministerium im März 2018 auf geheimdienstliche Zusammenarbeit und häufige Kon­takte zwischen Alexander Bortnikow, Leiter des russi­schen Inlandsgeheimdienstes FSB, und Mike Pompeo hin, der vor seiner Berufung zum Außen­minister durch Präsident Trump CIA-Chef war. Einen Anlass für Kooperation und Informationsaustausch bot zum Beispiel der Terroranschlag, den ein Usbeke im April 2017 in St. Petersburg verübte.72

Putin erhob die jahrhundertealte Koexistenz zwischen orthodoxen Christen und Muslimen zum Grundmerkmal der »einzigartigen Geschichte« Russlands.

Auf der interkonfessionellen Ebene innerhalb Russlands bekräftigen offizielle kirchliche und staat­liche Sprecher, wie wichtig der Zusammenhalt ist. Mehrmals erhob Präsident Putin die jahrhundertealte Koexistenz zwischen orthodoxen Christen und Mus­limen zu einem Grundmerkmal der »einzigartigen Geschichte« seines Landes. Konfessionelle Konflikt­linien verlaufen nicht in erster Linie zwischen der ROK und den geistlichen Verwaltungen der Muslime, einem »Amtsislam«, der schon zu Zeiten Katharinas der Großen während der zweiten Hälfte des 18. Jahr­hunderts im Russischen Reich etabliert wurde. Zwi­schen den beiden gibt es Berührungsflächen bei der Ab­wehr von Missionsbestrebungen durch christliche Sekten und von islamistischen Einflüssen aus dem Ausland. Völlig konfliktfrei ist das Verhältnis zwischen der ROK und den drei übrigen traditionellen Reli­gionsgemeinschaften allerdings nicht. Diese beklagen die Privilegien der ROK und deren Einmischung in Bereiche des öffentlichen Lebens als Versuch, Muslime, Juden und Buddhisten in die Position der »jüngeren Geschwister« zu versetzen.

Trotz xenophober Vorbehalte gegen Muslime aus dem Nordkaukasus und zentralasiatische Gastarbeiter befürwortete die Öffentlichkeit in Russland eine außenpolitische Ausrichtung auf die islamische Welt. Diese Orientierung verstärkte sich dann in Präsident Putins dritter Amtszeit deutlich. Schon bei einer Um­frage des Levada-Zentrums aus dem Jahr 2008 begrüß­ten 67 Prozent der Befragten den Ausbau von Bezie­hungen zu islamischen Staaten.73 Die Vorstellung, Russland fungiere als Brücke zur islamischen Welt, erwuchs aus geopolitischen Konstrukten wie der Rus­sischen Welt und dem Eurasianismus, die mit der Betonung traditioneller Werte nicht nur das ortho­doxe Russentum und Nachbarstaaten mit ostkirch­licher christlicher Überlieferung ansprechen, sondern auch den traditionellen Islam in Eurasien. Darüber hinaus wurden Staaten in der weiteren islamischen Welt für Russland zu Partnern beim Aufbau einer »postwestlichen« Weltordnung.

Die religiösen Organisationen unterstützten diesen Brückenschlag – sowohl die geistlichen Verwaltungen der Muslime Russlands als auch die orthodoxe Kirche. Rawil Gainutdin, der Vorsitzende des Rates der Muftis der Russischen Föderation, begann eine Zusammenarbeit mit dem türkischen Klerus, stellte Kontakte zu islamischen Organisationen auf dem Bal­kan mit Besuchen in Albanien und Bosnien-Herze­gowina her und beteiligte sich an russisch-iranischen Gesprächen. In den letzten Jahren profilierte sich vor allem der Republikführer Tschetscheniens, Ramsan Kadyrow, als Repräsentant der Muslime Russlands gegenüber dem islamischen Ausland.74

Weiterhin setzte sich die ROK für eine Annäherung an die islamische Weltorganisation OIC (Organisation of the Islamic Conference, heute: Organisation of Islamic Cooperation) ein, in die Russland 2005 als Beobachter eintrat. Außenminister Lawrow bezeichne­te die Kooperation mit der OIC als relevanten Bei­trag dazu, einen Zusammenprall der Zivilisationen zu verhindern.75 Eine 1997 gegründete Kommission für Islam und Orthodoxie vermittelte Beziehungen Russlands zum Iran. Beide Seiten setzten sich für eine Kooperation zwischen neuen Machtzentren wie Moskau, Teheran, Beijing und Delhi ein, die der Dominanz der USA entgegentreten sollten, und plä­dierten für einen »Dialog der Zivilisationen«.76

Das Moskauer Patriarchat machte sich auch dafür stark, diplomatische Beziehungen zu den Golfstaaten zu entfalten. Erstmals wurden russische Kirchen auf der arabischen Halbinsel eröffnet, so im Jahr 2008 in Manama, der Hauptstadt Bahrains. Besondere Bezie­hungen unterhielt der russische Klerus zu assy­rischen Christengemeinden in Syrien und Irak. Reprä­sentan­ten dieser Glaubensgemeinschaft in Russland, rund 14 000 vor allem in Moskau und Krasnodar, appellierten an russische Stellen, die christliche Minderheit im Nahen Osten zu beschützen.77 Dabei präsentiert sich die ROK als Beschützer christlicher Gemeinden im Heiligen Land und im Nahen Osten seit 200 Jahren.

Was russische Mittelostpolitik und ihre Unter­stützung durch die Kirche betrifft, hebt sich wiederum die dritte Amtsperiode Präsident Putins besonders hervor. In dieser Zeit hat sich Russland als ein Hauptakteur im Nahen und Mittleren Osten etabliert und dabei die Balance zwischen höchst gegensätz­lichen regionalen Kräften gehalten.78 Wohl kaum ein anderer externer Akteur brachte es fertig, seine Bezie­hungen zu untereinander verfeindeten Staaten wie Iran, Saudi-Arabien, Syrien und der Türkei sowie zu Palästina und Israel gleichermaßen auszubauen.

Syrien war zwar schon vorher zu einem Schlüsselpartner Moskaus im Nahen Osten und im Mittelmeerraum geworden, und die ROK war dabei als kultu­reller Vermittler behilflich gewesen. So hatte sie eine russisch-syrische Stiftung namens Spirituelles Erbe des Heiligen Apostels Paulus mitgegründet und eine russisch-orthodoxe Gemeinde in Aleppo gefördert. Doch seit 2012 intensivierte der Kreml seine Mittelost­politik in einem Maße, das weit über die bisherigen Aktivitäten hinausreichte. Zuvor hatte Russland es vermieden, sich direkt an militärischen Konflikten in der Region zu beteiligen. Ende September 2015 griff es militärisch in die Kämpfe in Syrien ein. Die ROK unterstützte diese Intervention mit historischen Argu­menten. Auch brutale Militäraktionen syrischer und russischer Verbände, bei denen zahlreiche Zivi­listen ums Leben kamen, wie in Aleppo 2016 und in Ost-Ghouta 2018, wurden mit »dem Schutz von Christen in Syrien« gegen Terroristen legitimiert. Ohne diese Intervention, so Patriarch Kirill im staat­lichen Fernseh­sender Rossija 1 zum Weihnachtstag, dem 7. Januar 2018, hätte sich ein Szenarium wieder­holt, wie es im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins durch das Ein­greifen der USA entstanden sei: »Die Klöster sind zerstört, die Kirchen gesprengt worden. 85 Prozent der Christen wurden entweder ausgerottet oder aus dem Irak vertrieben. Und das hätte auch in Syrien passieren können.«79

Während die ROK die Verbindung Russlands zum islamischen Ausland schon seit den 1990er Jahren unterstützt, betätigt sie sich erst seit kurzem in einem anderen essentiellen Bereich russischer Außenpolitik. Es geht um die Zusammenarbeit mit China im Rah­men eines Großeurasien-Programms, bei dem Moskau mit Beijing in Wirtschafts- und Transitprojekten ko­operiert. Im Jahr 2015 wurde mit Erlaubnis der Kom­munistischen Partei Chinas der erste orthodoxe Priester in China seit 60 Jahren geweiht, ein ehema­liger Banker aus Harbin namens Yu Shi. Nun will das Moskauer Patriarchat den Kontakt verstärken und entsandte im Mai 2015 seinen »Außenminister«, Metropolit Hilarion, zu einem Treffen mit den Leitern der Staatlichen Verwaltung für religiöse Angelegenheiten Chinas. Schon 2013 hatte Präsident Xi Patri­arch Kirill im Volkspalast in Beijing empfangen und mit ihm »religiöse Kooperation« vereinbart.80 Dabei gibt es in China nur rund 15 000 orthodoxe Christen, die mit der ROK verbunden sind.

Beziehungen zum »nahen Ausland«: Ukraine und Georgien

Von den Beziehungen Russlands zu Nachbarn im Raum der ehemaligen Sowjetunion sind besonders die zur Ukraine und zu Georgien hervorzuheben. Das gilt sowohl für die zwischenstaatlichen als auch für die kirchlichen Beziehungen. Die Ukraine ver­zeichnet bislang die größte Zahl orthodoxer Gemeinden in einem nahen Ausland, die unter der kano­­nischen Hoheit des Moskauer Patriarchats stehen. Geor­gien dagegen ist das einzige nahe Ausland mit einer autokephalen orthodoxen Nationalkirche. Auch die Kirche in Armenien, die älteste christliche überhaupt, ist eigenständig, gehört aber nicht zur orthodoxen, son­dern zur altorientalischen Kirchenfamilie.

Die religiös-kulturellen Verbindungen Russlands zur Ukraine und deren Bedeutung für die politischen Beziehungen zwischen beiden rückten in den Mittelpunkt.

Im Jahr 2018 rückten die religiös-kulturellen Ver­bindungen Russlands zur Ukraine und deren Bedeu­tung für die konflikthaften politischen Bezie­hungen zwischen den beiden Staaten in den Mittel­punkt. In der Ukraine gab es Bestrebungen, eine geeinte ukra­inische Kirche zu schaffen und sie aus der kanonischen Hoheit des Moskauer Patriarchats auszugliedern. Russische Medien und ausländische Kommentatoren sahen diesen Kirchenstreit an der Schwelle zu einem Religionskrieg und ordneten ihn in einen geopolitischen Kontext ein. Die Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, die neue Kirche anzuerkennen, wirkte sich nicht nur auf die religiöse Sphäre aus. Hier ging es um Status- und Machtansprüche, nicht ausschließlich um kirchliches Recht und schon gar nicht um Glaubensfragen.

Das Jahr endete mit der Gründung einer eigenständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine. Diese steht nun den zahlreichen orthodoxen Gemeinden in dem Land gegenüber, die sich noch dem Moskauer Patri­archat zurechnen. Seither sind etliche Gemeinden von der »Moskauer« zur neuen Kirche übergetreten. Ein Internetportal verzeichnet die neuerlichen Über­tritte – bis Anfang Februar 2019 rund 50 – auf einer interaktiven Landkarte.81

In der Ukraine gab es zuvor drei orthodoxe Kirchen: die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patri­archats (UOK-MP), die des Kiewer Patriarchats (UOK-KP) und eine Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche. Offiziell anerkannt in der orthodoxen Öku­mene war nur die Kirche unter dem Moskauer Patri­archat, der rund 12 000 Gemeinden, mehr als 200 Klöster und über 10 000 Geistliche in der Ukraine unterstehen. Sie ist administrativ eine weitgehend autonome Körperschaft, die gleichwohl einen Teil der ROK bildete. Der zuvor nicht anerkannten Kirche unter dem Kiewer Patriarchat, die sich 1992 vom Moskauer Patriarchat getrennt hat, unterstanden bisher rund 5000 Gemeinden, 62 Klöster und mehr als 3600 Geistliche. Weit dahinter lag die zuvor eben­falls nicht kanonisierte Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche mit rund 1000 Gemeinden.82 Die UOK-MP war am stärksten in der Süd- und Ostukraine vertreten. In der Westukraine kam noch der Einfluss einer weiteren Glaubensgemeinschaft, der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, zur Geltung, in der sich katholische und orthodoxe liturgische Elemente vermischen. Sie verfügt in der Ukraine über rund 3800 Gemeinden. An der Spitze der bislang zweitgrößten Kirche UOK-KP stand der Kiewer Patri­arch Filaret (Denyssenko). Er gehörte zu ihren Grün­dern und wurde 1995 ihr Leiter. Die ROK verhängte 1997 den Kirchenbann über ihn. 2004 stellte sich Filaret auf die Seite der Orangefarbenen Revolution.

Anträge auf eine von Moskau unabhängige und von der orthodoxen Ökumene anerkannte ukrainische Kirche wurden in der Vergangenheit schon mehr­fach gestellt. Erst 2018 bahnte sich hier der Durchbruch an. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel signalisierte Bereitschaft, einem Antrag auf Autokephalie zu folgen und ihn mit einem entsprechenden kirchlichen Dekret, einem Tomos, zu bestäti­gen. Damit würde diese Kirche volle Unabhängigkeit von Moskau erlangen, und es wäre zu erwarten, dass viele ukrainische Pfarrgemeinden aus dem Verwaltungsbereich des Moskauer Patriarchats zu ihr über­treten. Ein solcher Wechsel ist seit einigen Jahren bereits im Gange und wurde durch Russlands Aus­greifen auf den Nachbarstaat 2014 verstärkt.

Die kirchlichen Auseinandersetzungen waren schon zuvor von den zwischenstaatlichen Beziehungen beeinflusst. Dabei zogen Kreml und Patriarchat in Moskau nicht immer an einem Strang. Zum Bei­spiel traf Patriarch Kirill sich 2009 mit dem ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko, der vom Kreml strikt gemieden wurde. Aus Moskauer Perspek­tive übte dieser Repräsentant der Orangefarbenen Revo­lution von 2004 Verrat an der Heiligen Rus und an der ukrainischen Partnerschaft mit Russland, weil er eine westorientierte Politik betrieb. Auch in der Bevölkerung Russlands wurde diese Ausrichtung laut einer Umfrage von 2009 weithin missbilligt: 68 Pro­zent der Befragten meinten damals, die westorientierte Politik Kiews bedrohe Russland.83 In der Ukraine folgte dann eine Wende unter Wiktor Janukowytsch, der sich nach seiner Inauguration als Präsident im Februar 2010 wieder verstärkt Russland und dem Mos­kauer Patriarchat zuwandte. Mit dem Euro-Maidan im November 2013 wendete sich abermals das Blatt.84 Nach dem brutalen Einsatz von Sicherheitskräften gegen die Demonstranten verbrüderten sich kirch­liche Aktivisten mit der Protestbewegung. Wie in der Orangefarbenen Revolution von 2004 wurden gemeinsame Auftritte orthodoxer, katholischer und protestantischer Sprecher organisiert.

Die kirchliche Autonomiebewegung verstärkte sich nach der Annexion der Krim und Moskaus mili­tärischer Unterstützung für separatistische Gruppen in der Ostukraine. Davor war die Kirche unter Füh­rung des Moskauer Patriarchats noch nicht als Fremd­körper betrachtet worden. Ihr damaliges Oberhaupt Wolodymyr war darauf bedacht, sich nicht als kirch­licher Statthalter Moskaus zu präsentieren. Staatliche und kirchliche Stellungnahmen in Russland zur Ukra­ine wichen insofern voneinander ab, als die ROK mit Rücksicht auf die schrumpfende, aber immer noch große Zahl ihrer Gemeinden in dem Nachbarland Zurückhaltung gegenüber einer russischen Propaganda übte, die national gesinnte Ukrainer pauschal als »Faschisten« verunglimpfte. Nach dem russischen Übergriff auf die Ukraine 2014 tauchten dann aber Protestplakate gegen die UOK-MP mit Aufschriften wie »FSB-Kirche« oder »Euer Gott ist Putin« auf.85 Unter den prorussischen Separatisten in der Ostukraine und ihren Kampfgefährten aus Russ­land war die Rede vom »heiligen Krieg« gegen Kiew und seine »west­lichen Patrone«.

Trotz dieser Entwicklung war für viele Gläubige in der Ukraine die Frage, welcher der drei orthodoxen Kirchenstrukturen sie nun angehörten, von unter­geordneter Bedeutung. Sie betrachteten sich als »ein­fach orthodox«.86

Fragen kirchlicher Zugehörigkeit und Unabhängigkeit wurden immer stärker politisiert.

Doch die Fragen kirchlicher Zugehörigkeit und Unabhängigkeit wurden nun immer stärker politisiert. Präsident Petro Poroschenko unterstützte das Bestreben nach kirchlicher Unabhängigkeit mit Nach­druck. Im April 2018 baten er und das ukrainische Parlament den Patriarchen von Konstantinopel, die Eigenständigkeit einer ukrainischen Nationalkirche anzuerkennen. Dies »würde den letzten Knoten lösen, der unser Land an ein Imperium, nämlich Russland, bindet«.87 Im Juli 2018 rief er die Ukrainer auf, für dieses Ziel, das er als Angelegenheit nationaler Sicher­heit definierte, »zu beten und zu kämpfen«.88 Sollte die Autokephalie erteilt werden, so das Kalkül des Präsidenten, dessen Popularität wegen Reformstau und Korruption in der Ukraine deutlich geschrumpft ist, könnte er dies als Pluspunkt bei den Präsidentenwahlen im März 2019 verbuchen. Er ging nun mit der Parole »Armee, Sprache, Glaube« in den Wahlkampf, um sich als Vater der Nation zu präsentieren.89

Auch auf der Gegenseite, in der Kiewer Filiale der ROK, wurde diese klerikale Angelegenheit in Sicher­heitspolitik übersetzt. Der Kirchenstreit und die poli­tische Auseinandersetzung in seinem Umfeld spitzten sich noch zu, als im September 2018 Patriarch Bartho­lomaios zur Vorbereitung der Autokephalie zwei Bischöfe in die Ukraine entsandte. Da beide aus ortho­doxen Gemeinden in Nordamerika, das heißt aus den USA und Kanada, kamen, heizte dies in Russland eine Verschwörungstheorie an, wonach Washington den ukrainischen Kirchenstreit antreibe und den »Anschlag auf die russische Kirche« als politische Aggression gegen Russland gestalte. Am 11. Oktober 2018 hob die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel die Zuordnung der ukrainischen Kirche zum Moskauer Patriarchat auf und tilgte den Bann über die beiden bisher nicht anerkannten Kirchen, die sich vom Moskauer Patri­archat getrennt hatten. Damit wurde der Weg zu einer eigenständigen Nationalkirche freigemacht, in der die drei bislang bestehenden orthodoxen Kirchen in der Ukraine vereint sein sollten. Auf diesen Zusam­menschluss legte der Patriarch von Konstantinopel Wert. Bischöfe aus allen drei Kirchen sollten zu einer Synode der Vereinigung eingeladen werden, doch das Moskauer Patriarchat erteilte dem Vorhaben eine Absage. Eine in Minsk abgehaltene Synode der ROK entschied, die Beziehungen mit dem Patriarchat von Konstantinopel abzubrechen – ein Schritt, der in einigen Kommentaren mit dem historischen Schisma zwischen einer katholischen West- und einer ortho­doxen Ostkirche von 1054 verglichen wurde. In Istan­bul, das heißt im Patriarchat von Konstantinopel, wurde darauf verwiesen, dass in der neueren Geschichte dies nicht die erste Bruchstelle in der orthodoxen Ökumene sei. So hatten die Patriarchen von Moskau und Konstantinopel ihre Beziehungen 1996 wegen eines Kirchenkonflikts in Estland abgebrochen und erst mehrere Monate später wieder aufgenommen. Der Konflikt wurde gütlich geregelt, so dass in Estland bis heute zwei orthodoxe Kirchen bestehen – eine unter Leitung der ROK, die andere unter der des Öku­menischen Patriarchats. Doch das Gewicht orthodoxer Gemeinden in Estland ist aus Sicht der ROK gewiss nicht mit dem in der Ukraine zu vergleichen.

Am 15. Dezember 2018 trat in der Kiewer Sophien­kathedrale die erste Synode einer vereinten ukrainischen Kirche zusammen und wählte ihr neues Ober­haupt unter dem Titel »Metropolit von Kiew und der ganzen Ukraine«. An ihr beteiligten sich Kleriker der beiden zuvor nicht anerkannten Kirchen, aber nur zwei Bischöfe der UOK-MP. Der bisherige Führer der nationalkirchlichen Bewegung und Leiter der UOK-KP, Filaret, trat zurück, sorgte aber dafür, dass der mit ihm eng verbundene 39-jährige Serhi Dumenko unter dem Namen Epifanij in das neue Amt als Metropolit gewählt wurde. An der Gründung der Orthodoxen Kirche der Ukraine nahm Präsident Poroschenko auf öffentlichkeitswirksame Weise teil und drückte ihr den Stempel der nun definitiven Emanzipation von Moskau auf. Am 20. Dezember billigte das Parlament in Kiew ein Gesetz, das von der UOK-MP verlangt, ihren Namen in »Russisch-Orthodoxe Kirche in der Ukraine« zu ändern, was sie als Fremdkörper mar­kiert. Patriarch Kirill verurteilte die politische Ein­mischung in den Kirchenstreit durch Kiew auf das Schärfste. Er hatte im Vorfeld der Kiewer Synode Schreiben an den Papst in Rom, die Anglikanische Kirche, die Vereinten Nationen und etliche Regierungschefs gerichtet und sich beschwert, die ukra­inischen Behörden übten mit verschiedenen Maß­nahmen Druck auf die UOK-MP aus.90 Und in den staatsabhängigen russischen Medien erschienen am Jahresende 2018 Berichte über angebliche Christenverfolgung in der Ukraine. Am 6. Januar 2019 reisten Präsident Poroschenko und der neue Metropolit Epifanij nach Istanbul und nahmen den Tomos über die Autokephalie aus der Hand des Patriarchen von Konstantinopel entgegen.

Bevor der neuen Orthodoxen Kirche der Ukraine die Autokephalie erteilt wurde, hatte sich der Kreml anfangs noch mit heftigen politischen Kommentaren zurückgehalten. Pressesprecher Dmitri Peskow er­klärte, dass man den Konflikt mit großer Besorgnis be­trachte, aber als kirchliche Angelegenheit sehe, in die sich der Staat nicht einmische. Präsident Putin erörterte den Konflikt jedoch vor dem Russländischen Sicherheitsrat, und etliche Kommentare politischer Sprecher enthielten einen geopolitischen Einschlag. So bezeichnete Außenminister Lawrow die Entscheidung Konstantinopels als eine von den USA gedeckte Provokation gegen Russland. Diese Interpretation erklang in den politischen Fernseh-Talkshows in schrillsten Tönen. Der prominente Moderator Wladi­mir Solowjow meinte, westliche Medien freuten sich unbändig über die Spaltung in der orthodoxen Christenheit.91 Nach der Gründung der neuen Kirche und den Übertritten von Gemeinden des Moskauer Patriarchats zu ihr verschärften sich die Kommentare aus Moskau. Präsident Putin verglich am 31. Januar 2019 die Lage in der Ukraine mit der Christenverfolgung zu Sowjet­zeiten. Russland behalte sich nun das Recht vor, alles zu tun, um »die Menschenrechte und die Rechte der Gläubigen zu verteidigen«.92

Der Kirchenstreit in der Ukraine ist ein Spiegelbild des politischen Konflikts zwischen Moskau und Kiew.

Wie verhalten sich andere orthodoxe Gemein­schaften zu dem politisierten Kirchenstreit? Auch diese Frage löste geopolitische Spekulationen aus, zum Beispiel über die Beziehungen zwischen Moskau und Minsk.93 Schon vor der Entscheidung vom 11. Oktober 2018 über die Lostrennung einer neuen ukrainischen Kirche vom Moskauer Patriarchat suchte die ROK nach Verbündeten. Am deutlichsten bekam sie Unterstützung von der Serbischen Kirche. Deren Führung beschuldigte das Patriarchat von Konstantinopel, Kirchenspaltungen zu provozieren. Entscheidend ist hier die Furcht, dass in Montenegro oder Mazedonien Bestrebungen der dortigen orthodoxen Kirchen nach Autokephalie bestärkt werden könnten. Auch in Moskau kam die Befürchtung einer »Auto­kephalie-Parade« auf, die zum Beispiel der ROK zu­­ge­ordnete Gemeinden in Belarus und Moldova erfassen und von ihr wegführen könnte. Im GUS-Raum erhielt Moskau Unterstützung aus orthodoxen Gemeinden in Zentralasien. In der überwiegend muslimischen Region gehören rund zwei Millionen Christen zu einem eige­nen Metropolitanbezirk der ROK. Eine Synode dieser Gemeinde drückte in einem Schreiben an Präsident Poroschenko Besorgnis darüber aus, dass staatliche Stellen Druck auf die bisher mitgliederstärkste Kirche in der Ukraine ausüben könnten. Sie mahnte Tole­ranz an und verwies dabei auf eine am 12. Dezember 2018 angenommene Resolution der Vereinten Natio­nen mit dem Titel »Enlighten­ment and religious tole­rance«, die von dem reformorientierten usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijojew initiiert worden war.94

Die in der internationalen Berichterstattung verbreiteten Darstellungen einer tiefgreifenden Kirchen­spaltung und ihrer »Geopolitisierung« im postsowjetischen Raum stoßen auch auf Vorbehalte. Der Vorstel­lung, die Kirchenlandschaft in der Ukraine werde inzwischen von einer einzigen unabhängigen ortho­doxen Natio­nalkirche umspannt, ist entgegenzuhalten, dass dort seit Dezember 2018 in einer bipolaren Konstellation nun zwei statt bisher drei Kirchen be­stehen und die größte Zahl der Gemeinden nach wie vor auf diejenige unter dem Moskauer Patriarchat entfällt. Die Zahl der Übertritte zu der neuen Kirche hält sich bisher (Stand Februar 2019) in Grenzen. Auch sind die übrigen Nationalkirchen der ortho­doxen Ökumene noch nicht mehrheitlich der Ent­scheidung des Patriarchats von Konstantinopel gefolgt und haben sich bislang nicht demonstrativ auf die Seite der neuen ukrainischen Kirche gestellt.95 Ein Beispiel für ein betont vorsichtiges Verhalten in dieser kirchlichen Angelegenheit bietet Georgien, trotz seiner außenpolitischen Anlehnung an die Ukraine und Distanzierung von Russland.

Während der Blockaden zwischen Moskau und Tiflis bildeten die gemeinsamen Beziehungen der russischen und der georgischen Kirche eher eine Brücke.

Im Unterschied zur Ukraine wird in Georgien der Konflikt mit Russland, der im August 2008 in den Fünftagekrieg zwischen russischen und georgischen Streitkräften mündete, nicht von Konfrontationen der Kirchen untereinander flankiert. In der Phase der politischen und wirtschaftlichen Blockaden, die sich nach diesem kurzen asymmetrischen Krieg verhärteten und erst nach 2012 reduziert wurden, bildeten die gemeinsamen Beziehungen der beiden Kirchen eher eine Brücke.

Dabei ist die Orthodoxe Kirche in Georgien ein politischerer Akteur als die in Russland. Ihr Leiter, Patriarch und Katholikos Ilia II., ist die Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die bei Umfragen im Land die höchste Zustimmungsrate erlangt. Ähnlich wie die ROK bindet die georgische Kirche nationale Iden­tität an konservative, traditionelle Werte. Sie tritt der von Georgiens Bevölkerung weitgehend akzeptierten außen- und sicherheitspolitischen Orientierung der politischen Führung nach Europa und dem Westen zwar nicht entgegen, warnt aber vor »kultureller Verwestlichung« und meint damit vor allem tolerante Haltungen gegenüber nichttraditionellen sexuellen Minderheiten. Mehrmals wandte sich die Kirche gegen Gesetzesentwürfe, die aus ihrer Sicht traditionelle Werte verletzen.

Dass die Beziehungen zwischen den Kirchen besser waren als die zwischenstaatlichen, zeigte sich schon vor der Zuspitzung der Konflikte, die zum Krieg im August 2008 führten. Im Herbst 2006 brach zwischen Tiflis und Moskau eine diplomatische Krise aus, nach­dem Offiziere der russischen Botschaft wegen Spio­nage aus Georgien ausgewiesen worden waren. Die Kirchenführer in den beiden Hauptstädten versuchten, eine Eskalation zu verhindern, und beschworen, »unsere beiden orthodoxen Nationen müssen ihre Freundschaft schützen«.96 Dennoch kam es zu mili­tärischen Auseinandersetzungen zwischen russischen und georgischen Streitkräften, vor allem im und um den von Georgien abtrünnigen Landesteil Südossetien. Dabei riefen die beiden Kirchenführer Aleksij II. und Ilia II. zum Waffenstillstand auf. Allerdings verurteilte das Moskauer Patriarchat zusammen mit Muslimen und Buddhisten Russlands die »georgische Aggression« gegen Südossetien.

Nach dem Fünftagekrieg traf der russische Staat eine diplomatische Entscheidung, mit der er sich international isolierte. Am 26. August 2008 erkannte er die Unabhängigkeit und »Eigenstaatlichkeit« der beiden von Georgien abtrünnigen Territorien Süd­ossetien und Abchasien an. Die ROK folgte dieser Linie auf kirchlicher Ebene nicht und bekundet nach wie vor die kanonische Hoheit der Georgischen Orthodoxen Kirche über die beiden Gebiete. Dabei verfügen die meisten Einwohner christlich-ortho­doxen Glaubens dort über russische Pässe und ordnen sich eher der russischen als der georgischen Kirche zu. Deren Kleriker haben die Kontrolle über die ortho­doxen Gemeinden in Abchasien und Südossetien so­wie über den Zugang zu den beiden Territorien prak­tisch verloren. So wurde der ROK aus Georgien vor­geworfen, trotz ihrer Anerkennung der kanonischen Hoheit der georgischen Kirche bilde sie Kleriker für Abchasien in Moskau aus und ihre Priester weih­ten neue Kirchen in dem abtrünnigen Gebiet. Mit ihrem Bestreben, Konflikte mit dem Moskauer Patri­archat zu vermeiden, setzt sich die georgische Kirche auch politischer Kritik im eigenen Land aus. In natio­nal-liberalen Kreisen wurde die Frage gestellt: »Wenn die Kirche sich um georgische Identität sorgt, warum interpretiert ihre Führung die Gleichberechtigung der Geschlechter und sexuelle Freiheiten als gefähr­licher für das ›Georgischsein‹ als die russische Okku­pation [Abchasiens und Südossetiens, d. Verf.] oder die gegenwärtige russische Politik der Grenzverschiebungen, unter der Georgien 151 Siedlungen seit dem Ende des Krieges von 2008 verloren hat?«97 Dabei verweisen zivilgesellschaftliche Gruppen Georgiens auf gezielten antiwestlichen Einfluss Russlands auf konservative und klerikale Kreise im eigenen Land und fordern ihre Regierung zu Gegenmaßnahmen auf.98

Zur religiös-politischen Herausforderung für Georgien wurde nun auch die Auseinandersetzung um die Autokephalie einer geeinten ukrainischen Nationalkirche. Erkennt die georgische Kirche deren Eigenständigkeit an, belastet sie ihr bislang nahezu konfliktfreies Verhältnis zum Moskauer Patriarchat. Verweigert sie die Anerkennung jedoch, begibt sie sich in Widerspruch zu der freundschaftlichen Bezie­hung, die der georgische Staat zur westlich orientierten Ukraine pflegt. Ende September 2018 gab Patri­arch Ilia II. eine eher neutrale Erklärung ab. Man müsse den Beschluss der Ökumene abwarten und sich voreiliger Einschätzungen enthalten.99 Auch als die Entscheidung gefallen war, hielt man sich hier zurück. Ein Heiliger Synod der georgischen Kirche beklagte im Dezember die »schwierige Situation für die Kirchen« in der Ukraine und die »gestörten Beziehungen zwischen Konstantinopel und Moskau«. Dabei wurden zwei Dokumente verlesen, durch die sich georgische Kleriker in dem Kirchenstreit zwi­schen die Fronten versetzt sahen: ein Schreiben des Patri­archen von Konstantinopel, in dem er andere ortho­doxe Kirchen auffordert, seinem Entschluss für die Ukraine zu folgen, und eines des Moskauer Patri­ar­chen Kirill, der seine Amtskollegen in Georgien auf­ruft, die »nichtkanonische« Entscheidung Konstan­tinopels zu verdammen.100 Auch staatliche Sprecher mahnten hier zur Vorsicht, so die gerade gewählte Präsidentin Salome Surabischwili. Mit dieser Zurück­haltung stießen sie auf Kritik der Opposition, die eine harte Haltung gegenüber Moskau verlangt.101

In dem von Georgien abtrünnigen Abchasien werden der russisch-ukrai­nische Kirchenstreit und die Auseinandersetzung um neue eigenständige Kirchen in der orthodoxen Ökumene ebenfalls zu einem religiös-politischen Thema. Die orthodoxe Kirche Abchasiens verwies im September 2018 auf griechische Quellen, wonach der Patriarch von Kon­stantinopel als nächstes die Unabhängigkeit der Kirchen in Mazedonien und Abchasien in Erwägung ziehe. Sollte dies zutreffen, könnte auch im Süd­kaukasus ein Kirchenstreit bevorstehen, der sich mit politischen Auseinandersetzungen um Sezession und territoriale Integrität überschneidet.102

Ausblick

Eine orthodoxe Symphonie zwischen Staat und Kirche erklang in Russland im letzten Jahrzehnt in einem Konservatismus, der sich gegen eine »westzentrierte Weltordnung« wendet und durch eine Außenpolitik untermauert wird, die Russland auf der Weltbühne als globalen Akteur positioniert. Eine viel­diskutierte Krise des Westens flankiert diese Entwicklung. Sie hat Spannungen in euro-atlantischen Orga­nisationen erzeugt und deren Grundwerte der Anfech­tung durch populistische und nationalistische Kräfte ausgesetzt, die sich in den eigenen Reihen entfaltet haben und Angriffsflächen für externe Einflussnahme wie etwa aus Russland bilden.

Das Jahr 2018 brachte allerdings auch für Russland Herausforderungen, darunter solche, die das Verhält­nis zwischen Staat und Kirche betreffen. Die ROK fühlt sich durch die eigenständige Orthodoxe Kirche der Ukraine brüskiert und fürchtet den Verlust ihrer Hoheit über Gemeinden im Nachbarland. Auf einem Forum namens Glaube und Welt sprach Patriarch Kirill Ende Oktober 2018 von einem Anschlag gegen Moskau. Dieser sei auf »die Zerstörung der maßgeb­lichen orthodoxen Macht in der Welt« ausgerichtet, die sich der »globalen Indoktrination und der Unter­ordnung unter die Prinzipien anderer Mächte ent­zieht«.103 Zu den aktuellen Entwicklungen gehörte die Verschränkung des Kirchenstreits mit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, welcher der internationalen Öffentlichkeit durch den Vorfall in der Meerenge von Kertsch im November 2018 in Er­innerung gerufen wurde. Die Reaktion auf Russ­lands Machtdemonstration dort und auf sein Bemühen, die ukrainischen Hafenstädte Berdjansk und Mariupol am Asowschen Meer von der freien Schifffahrt abzu­schneiden, zeigte sich in der Ukraine auch auf kirch­licher Ebene. Dem Vorsteher des Kiewer Höhlen­klosters, des größten und ältesten Klosters der Heili­gen Rus unter der Hoheit des Moskauer Patriarchats, warf der ukrainische Geheimdienst vor, Hass geschürt zu haben, und durchsuchte sein Haus. Moskau beklagte nun die Verfolgung orthodoxer Mönche in der Ukraine. Auf der anderen Seite verhafteten von Moskau abhängige Sicherheitskräfte Anfang März 2019 den ranghöchsten Geistlichen der Orthodoxen Kirche der Ukraine auf der Krimhalbinsel – wegen angeblichen Diebstahls.104

Im Frühjahr 2019 trat das Thema Kirchenstreit dann hinter anderen Nachrichten wieder zurück. Erledigt hat es sich allerdings nicht. Wenn die neue Orthodoxe Kirche der Ukraine zur Souveränität des Landes beitragen soll, müssen ukrainische Politiker »mit dieser Entwicklung sensibel umgehen und sie im Sinne einer gesellschaftlichen Konsolidierung nutzen, anstatt sie ausschließlich für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren«.105 Freilich ist auch Moskau zur Mäßigung in dieser Auseinandersetzung zu ermahnen. Eine weitere Verschränkung von Kirchenspaltung und zwischenstaatlichem Konflikt wäre nicht nur für die Ostpolitik in Brüssel und Berlin eine Herausforderung, sondern auch für den weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen. Sie würde die Entwicklung zu einem kämpferischen National-Christentum bestärken, das in Widerspruch zu einer Auffassung von Religion gerät, die Grenzen und Gräben zwischen Nationen mit Friedens- und Versöh­nungsrhetorik zu überbrücken versucht.106 Genau an diese kirchliche Funktion des Brückenbaus wären beide Seiten zu erinnern. Das Moskauer Patriarchat hat sie im Konflikt zwischen Moskau und Kiew auch gelegentlich wahrgenommen – so im Dezember 2017, als Patriarch Kirill dazu beitrug, einen Gefange­nenaustausch zwischen Kiew und den Separatisten im Donbas zu ermöglichen.107

Eine europäische und deutsche Ostpolitik muss sich darüber hinaus die Frage stellen, inwieweit die in Russland während der letzten Jahre bekundete Hinwendung zu traditionellen Werten identitäts­stiftenden oder instrumentellen Charakter trägt. Wie nachhaltig stärkt der Konservatismus das mit dem Namen des amtierenden Präsidenten verbundene politische System, das sein Berater und ehemaliger Chefideologe Wladislaw Surkow in einem viel­diskutierten Aufsatz Anfang 2019 als dauerhaft und zukunftsweisend für Russland einschätzt? Mit den Präsidentschaftswahlen vom März 2018 erfolgte der Übergang zur vierten Amtsperiode Präsident Putins. Entwicklungen in den Monaten danach warfen aller­dings die Frage auf, ob sich die Gesellschaft durch konservative patriotische Mobilisierung, zu der die Kirchenglocken läuten, von Forderungen nach dring­lichen Veränderungen in Russland ablenken lässt. Im Anschluss an die Bekanntgabe der Rentenreformpläne im Juni 2018 zeigten Meinungs­umfragen und regionale Wahlergebnisse dem Kreml Warnsignale an: Die Popularitätsquote des wiedergewählten Präsi­denten sank auf den Stand vor der Krim-Annexion zurück, noch stärker brach das ohnehin geringe Vertrauen in die Regierungsorgane ein. Bei Gouverneurswahlen, die im September 2018 in 22 Regionen stattfanden, scheiterten einige Kandidaten der Regie­rungspartei, was als Anzeichen für wachsende Fru­stration in der Bevölkerung und zunehmende System­opposition gewertet wurde.108 Erstmals seit 13 Jahren meinte im Januar 2019 eine relative Mehrheit der Befragten (45 Prozent) einer Umfrage des Levada-Zentrums, dass sich ihr Land in die falsche Richtung bewegt (gegenteiliger Meinung waren 42 Prozent).109 Zudem lässt sich in Meinungsumfragen immer häufi­ger der Ruf nach Veränderung vernehmen. Zwar ist damit nicht in erster Linie politische Modernisierung im Sinne von Demokratisierung gemeint, aber der Kampf gegen Korruption und die Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit, wozu sich die Kirche bislang kaum geäußert hat.110 Auch der Anteil der Befragten mit einer negativen Einstellung gegenüber »dem Westen« schrumpft.111 In einem Jahresrückblick spricht Lew Gudkow, der Leiter des Levada-Zentrums, davon, dass die patriotische Mobilisierung und die antiwestliche Propaganda gegen Ende 2018 nicht mehr so greife wie noch einige Monate zuvor. Zudem wachse die Befürchtung, dass sich Russland trotz oder wegen außenpolitischer Kraftakte international isoliert.112

Zurzeit ist unklar, ob und inwieweit sich Forde­rungen nach Veränderung im Inneren und nach Ent­spannung in der Außenpolitik in Russland als nach­haltig erweisen und auf den Wertediskurs zwischen Staat und Kirche Einfluss nehmen. Denkbar ist auch, dass die Machtelite versucht, die gesellschaftliche Frustration einzudämmen, indem sie die patriotische Mobilisierung noch verstärkt und Russland als Gegen­gewicht zu einem »anmaßenden Westen« glorifiziert. In seiner Rede zur Lage der Nation im Februar 2019 ging Präsident Putin ausführlich auf die innenpolitischen Probleme und die Herausforderungen an Ver­änderung ein, schloss seine Ansprache aber wiederum mit dem Hinweis auf ein Russland, das sich vor allem militärisch modernisiere und seine Souveränität verteidige. Und eine gegen externe, sprich west­liche Einflussnahme zu schützende Souveränität wurde in den letzten Jahren gerne mit traditionellen Werten in Verbindung gebracht.

Abkürzungsverzeichnis

CIA Central Intelligence Agency (USA)

CRRC Caucasus Research Resource Center

EGMR Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

EU Europäische Union

FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung

FSB Federal’naja služba bezopasnosti (Föderaler Sicherheitsdienst)

ISSP International Social Survey Programme

ODIHR Office for Democratic Institutions and Human Rights

OIC Organisation of Islamic Cooperation

OSZE Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

PACE Parliamentary Assembly of the Council of Europe (Parlamentarische Versammlung des Europarats)

ROK Russische Orthodoxe Kirche

RSFSR Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik

UOK-KP Ukrainische Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats

UOK-MP Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats

ZOiS Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (Berlin)

Endnoten

1

 Andrey Pertsev, President and Patriarch: What Putin Wants from the Orthodox Church, Moskau: Carnegie Moscow Center, 19.12.2017, <https://carnegie.ru/commentary/75058> (Zugriff Mai 2018).

2

 Das 1589 geschaffene Amt des Moskauer Patriarchen war von Zar Peter dem Großen im Jahr 1721 abgeschafft worden. An seine Stelle trat ein »Heiliger Synod«, der fast 200 Jahre lang unter Leitung der zaristischen Bürokratie stand, bevor im Dezember 1917 das Patriarchenamt wieder eingerichtet wurde.

3

 »Putin Hails Russian Orthodox Church’s Growing Influence«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 29.11.2017.

4

Oleg Shchedrov, »Putin Promises Support to Russian Orthodox Church«, Reuters, 19.11.2007, <https://www.reuters. com/article/us-russia-putin-church/putin-promises-support-to-russian-orthodox-church-idUSL196077120071119> (Zugriff Juni 2018).

5

 »Orthodox Patriarch Urges Russians to Vote in Presidential Elections«, in: The Moscow Times, 8.1.2018, <https://the moscowtimes.com/news/orthodox-patriarch-urges-russians-to-vote-in-presidential-elections-60127> (Zugriff Mai 2018).

6

 So unterstrich der damalige Leiter der Informationsabteilung des Moskauer Patriarchats, Wladimir Legojda: »Die Russische Kirche war in ihrer Geschichte nie so unabhängig vom Staat, wie sie es heute ist.« Zugleich hob er aber auch hervor, dass »die Kirche niemals eine Kraft sein wird, die in Opposition zur staatlichen Verwaltung steht«. Zitiert in Galina Petrenko, Influence of the Russian Orthodox Church on Russia’s Foreign Policy«, 4th ECPR Graduate Student Conference, Jacobs University Bremen, 4.–6.7.2012, <https://ecpr.eu/ filestore/paperproposal/a0fa90ec-d2cb-498a-ae34-31396d87 b8cf.pdf> (Zugriff Dezember 2018).

7

 »The secular community feels he is drifting toward the church, while many in the religious community believe he is trying to establish government control over church activities.« Zitiert in Pertsev, President and Patriarch [wie Fn. 1].

8

 David Masci, Split between Ukrainian, Russian Churches Shows Political Importance of Orthodox Christianity, Washington, D.C.: Pew Research Center, 14.1.2019.

9

 Thomas Bremer, Kreuz und Kreml. Kleine Geschichte der orthodoxen Kirche in Russland, Freiburg: Herder, 2007; John P. Burgess, Holy Rus’. The Rebirth of Orthodoxy in the New Russia, New Haven/London: Yale University Press, 2017; Regina Elsner, Die Russische Orthodoxe Kirche vor der Herausforderung Moderne. Historische Wegmarken und theologische Optionen im Spannungsfeld von Einheit und Vielfalt, Würzburg: Echter, 2018 (Das Östliche Christentum, Neue Folge, Bd. 63), S. 166–171; Regina Elsner, »Bedingt einsetzbar. Die Russische Orthodoxe Kirche in Russlands Außenpolitik«, in: Osteuropa, 67 (2017) 9–10, S. 205–217; Gregory L. Freeze, Russian Orthodoxy and Politics in the Putin Era, Washington, D.C.: Carnegie Endowment for International Peace, 9.2.2017 (Task Force White Paper); Daniel P. Payne, »Spiritual Security, the Russian Orthodox Church, and the Russian Foreign Ministry: Col­laboration or Cooptation?«, in: Journal of Church and State, 52 (2010) 4, S. 712–727; Katja Richters, The Post-Soviet Russian Orthodox Church. Politics, Culture and Greater Russia, London/ New York: Routledge, 2013.

10

 Marlène Laruelle, »Is Nationalism a Force for Change in Russia?«, in: Daedalus, 146 (2017) 2, S. 89–100.

11

 »The Church has profoundly shaped Russian political life not so much in matters of formal governance, but rather by providing key narratives, symbols and rituals that help Russians make sense of who they are as a nation.« Burgess, Holy Rus’ [wie Fn. 9], S. 42.

12

 Kerstin Holm, »Ein Gespräch mit Bischof Tichon: Wir sind Christen!«, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 28.4.2018.

13

 Oliver Carroll, »World Cup 2018: Russian Orthodox Church Hoping ›Gift from God‹ Tournament Will Help Spread Its Traditional Values«, in: Independent, 13.6.2018, <https://www.independent.co.uk/news/world/europe/world-cup-2018-fifa-russia-religion-orthodox-church-putin-a8396 991.html> (Zugriff Dezember 2018).

14

 Holm, »Ein Gespräch mit Bischof Tichon« [wie Fn. 12]; zur Sozialarbeit der ROK und ihren Grenzen siehe Burgess, Holy Rus’ [wie Fn. 9], S. 91–122.

15

 Laut neuerer Umfrage des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) vertraut die russische Jugend dem Präsidenten, der Armee und den Sicherheitsorganen, aber auch Nichtregierungsorganisationen. Die ROK »ist unter den Jüngeren die umstrittenste Institution, wobei das Misstrauen überwiegt«. Gwendolyn Sasse, »Wie revolutionär sind die ›Puteens‹?«, in: Neue Zürcher Zeitung, 27.7.2018.

16

 Anaïs Llobet, »Russlands Kirche in Putins Staat«, in: Le Monde Diplomatique (deutsche Ausgabe), 8.3.2018, <https:// monde-diplomatique.de/artikel/!5482230>.

17

 Zitiert in Giovanni Codevilla, »Relations between Church and State in Russia Today«, in: Religion, State and Society, 36 (2008) 2, S. 113–138 (133).

18

 Katharina Bluhm, »Entwicklung mit Tradition. Russlands konservative Gegenbewegung«, in: Osteuropa, 68 (2018) 6, S. 67–81 (70).

19

 »In Moscow less than a quarter of schoolchildren have enrolled in the foundations of Orthodox culture; in St. Petersburg only 9.5 percent. The vast majority has chosen secular ethics instead. Many Russians, even those who call themselves Orthodox, remain suspicious of any school programs that suggest ideological indoctrination, such as occurred under Communism.« Burgess, Holy Rus’ [wie Fn. 9], S. 77.

20

Richters, The Post-Soviet Russian Orthodox Church [wie Fn. 9], S. 28.

21

 Siehe dazu Roland Götz, »Die andere Welt. Im Izborsker Klub: Russlands antiwestliche Intelligencija«, in: Osteuropa, 65 (2015) 3, S. 109–138.

22

 Bluhm, »Entwicklung mit Tradition« [wie Fn. 18], S. 72.

23

 Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Memorial wird derzeit gegen 81 Zeugen Jehovas wegen »Zugehörig­keit zu einer extremistischen Vereinigung« ermittelt. Im Februar 2019 wurde ein aus Dänemark stammendes Mitglied der Gemeinde wegen angeblicher Spionage zu sechs Jahren Haft verurteilt. In einem Artikel der Zeitung Vedomosti wird das russische Vorgehen gegen die Sekte mit deren Verfolgung in der Sowjetunion, im nationalsozialistischen Deutsch­land und in Spanien unter Franco verglichen. Der Vorwurf des Extremismus wird vor allem aus der Haltung dieser Glaubensgemeinschaft gegenüber dem Staat abgeleitet, etwa daraus, dass sie den Militärdienst, die Beteiligung an Wahlen und die Mitgliedschaft in Parteien ablehnt. Siehe Pavel Antekar’, »Religija kak špionaž« [Religion als Spionage], in: Vedomosti, 7.2.2019; Friedrich Schmidt, »Russlands ›Extremisten‹. Zeuge Jehovas zu 6 Jahren Straflager verurteilt«, in: FAZ, 8.2.2019.

24

 Gerhard Gnauck/Friedrich Schmidt, »In Richtung Schisma«, in: FAZ, 17.9.2018.

25

 Freeze, Russian Orthodoxy and Politics in the Putin Era [wie Fn. 9].

26

 Masci, Split between Ukrainian, Russian Churches [wie Fn. 8].

27

Religious Belief and National Belonging in Central and Eastern Europe, Washington, D.C.: Pew Research Center, 19.5.2017, ˂http://www.pewforum.org/2017/05/10/religious-belief-and-national-belonging-in-central-and-eastern-europe/> (Zugriff Dezember 2018).

28

 Siehe dazu Alena Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche (1996–2011), Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang, 2016 (Erfurter Studien zur Kulturgeschich­te des Orthodoxen Christentums, Bd. 12), S. 103.

29

 »Europarat wirft Russland Homophobie vor«, in: Spiegel Online, 5.3.2019, <http://www.spiegel.de/politik/ausland/ europarat-ruegt-russland-wegen-schwulen-und-lesbenfeind lichkeit-a-1256266.html> (Zugriff April 2019).

30

 Uwe Halbach, Religion und Nation, Kirche und Staat im Süd­kaukasus, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Oktober 2016 (SWP-Studie 18/2016), S. 11.

31

 Sergei Chapnin, »The Russian Orthodox Church: Profit­ing by Silence«, Public Orthodoxy, 30.3.2017, <https://public orthodoxy.org/2017/03/30/russian-church-protests-silence/> (Zugriff Dezember 2018).

32

»The Russian Orthodox Church still gives little attention to unjust social structures that contribute to poverty, broken families, social delinquency, drug and alcohol abuse, and other social crises. The Church’s criticism of Western ideol­ogies of success and consumption has not yet yielded to closer analysis of state and social policies and arrangements in Russia that undermine the moral and spiritual foundations of Russian society.« Burgess, Holy Rus’ [wie Fn. 9], S. 107.

33

 Sergei Karaganov, »The West’s Unilateral Cold War«, Project Syndicate, 20.3.2018, <https://www.project-syndicate. org/commentary/west-and-russia-no-new-cold-war-by-sergei-karaganov-2018-03> (Zugriff Dezember 2018).

34

 Grigorii V. Golosov, »Die ideologischen Positionen der Regierung und der Opposition in Russ­land«, in: Russland-Analysen, (18.5.2018) 355, S. 2–5.

35

 Andrei Kolesnikov, Permanent Stagnation: Putin’s Invisible Fourth-Term Agenda, Moskau: Carnegie Moscow Center, 20.4.2018, <https://carnegie.ru/commentary/76103> (Zugriff Dezember 2018).

36

 Levada-Centr, Rossiya-Zapad [Russland-Westen], Moskau, 14.5.2018, <https://levada.ru/2018/05/14/rossiya-zapad-2/> (Zugriff Dezember 2018).

37

 International Crisis Group, Patriotic Mobilisation in Russia, Moskau/Brüssel, 4.7.2018 (Europe Report Nr. 251), S. 2f, zur Rolle der Kirche S. 16f.

38

 »Daily Reports on ›Patriotism‹ Growth in Russia«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 26.8.2018.

39

 Helge Blakkisrud/Zaur Gasimov, »Tradition, Nation und der böse Westen. Putin, Erdoğan und die Legitimation ihrer Herrschaft«, in: Osteuropa, 68 (2018) 10–12, S. 131–146 (133); siehe auch Guzel Yusupova, »Why Ethnic Politics in Russia Will Return«, PONARS Eurasia, März 2019 (Policy Memo Nr. 584), <http://www.ponarseurasia.org/sites/default/files/ policy-memos-pdf/Pepm582_Yusupova_March2019_0.pdf> (Zugriff April 2019).

40

 Katja Richters, »Die Russische Orthodoxe Kirche zwischen Patriotismus und Nationalismus«, in: Ost-West Europäische Perspektiven, (2010) 1, S. 39–47, <https://www.owep.de/ artikel/42/russische-orthodoxe-kirche-zwischen-patriotismus-und-nationalismus> (Zugriff Dezember 2018).

41

 Zitiert in Margarete Zimmermann, »Einheit und Versöhnung. Die Orthodoxe Kirche und die Erinnerung an die Revolution«, in: Osteuropa, 67 (2017) 6–8, S. 259–272 (264).

42

 Lev Gudkov/Natalija Zorkaja, »Instrumentalisieren, Klittern, Verdrängen. Russlands unerwünschtes Revolutionsjubiläum«, in: Osteuropa, 67 (2017) 6–8, S. 19–42.

43

 Zimmermann, »Einheit und Versöhnung« [wie Fn. 41], S. 266.

44

 Igor Torbakov, »Royal Role Models: Historical Revisionism in Russia and Turkey«, Eurasianet, 16.1.2018, <https:// eurasianet.org/royal-role-models-historical-revisionism-in-russia-and-turkey> (Zugriff Dezember 2018).

45

 Jolanta Darczewska, Putin’s Cossacks. Folklore, Business or Politics?, Warschau: Ośrodek Studiów Wschodnich (Centre for Eastern Studies), Dezember 2017 (Point of View Nr. 68), <https://www.osw.waw.pl/sites/default/files/pw_68_putin_ cossacks_net_0.pdf> (Zugriff Dezember 2018).

46

 Marlène Laruelle, »The Russian Orthodox Church’s Conquest of the History Market«, Ponars Eurasia, 7.6.2018, <http://www.ponarseurasia.org/point-counter/russian-ortho dox-churchs-conquest-history-market> (Zugriff Dezember 2018).

47

 Elsner, »Bedingt einsetzbar« [wie Fn. 9], S. 211–213.

48

 Das Statut über das kanonische Territorium ist auf der Webseite des Moskauer Patriarchats einzusehen: Ustav Russkoj Pravoslavnoj Cerkvi, <http://www.patriarchia.ru/db/text/ 133115.html> (Zugriff Dezember 2018). Zu dem Statut siehe Johannes Oeldemann, »Das Konzept des kanonischen Territoriums in der Russischen Orthodoxen Kirche«, in: Der Christliche Osten, (2006) 2, S. 92–98.

49

 Thomas Bremer, »Diffuses Konzept. Die Russische Orthodoxe Kirche und die ›Russische Welt‹«, in: Osteuropa, 66 (2016) 3, S. 3–18 (4).

50

 Ebd.; zu »Russkij Mir« siehe auch Marlene Laruelle, The »Russian World«. Russia’s Soft Power and Geopolitical Imagination, New York: Center on Global Interests, 2015; Zaur Gasimov, »Idee und Institution. ›Russkij mir‹ zwischen kultureller Mission und Geopolitik«, in: Osteuropa, 62 (2012) 5, S. 62–80.

51

 Zitiert in Laruelle, The »Russian World« [wie Fn. 50], S. 6.

52

 Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche [wie Fn. 28], S. 291.

53

 Zum 1030. Jahrestag der Taufe am Dnjepr erklärte Putin am 28. Juli 2018 vor der Kreml-Kathedrale in Moskau: »Die Taufe war der Ausgangspunkt für die Entwicklung russischer Staatlichkeit, die wahre spirituelle Geburt unserer Ahnen, die Bestimmung ihrer Identität, die Hochzeit nationaler Kultur und Bildung ebenso für die Entwicklung vielfältiger Beziehungen zu anderen Ländern.« Zitiert in »Putin Hails the ›Spiritual Legacy‹ of Baptism of Rus«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 29.7.2018.

54

 Zitiert in Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche [wie Fn. 28], S. 288.

55

 Richters, The Post-Soviet Russian Orthodox Church [wie Fn. 9], Zitat S. 29.

56

 Ebd., S. 32.

57

 Andrej Krickovic, »Russia’s Challenge: A Declining Power’s Quest for Status«, Ponars Eurasia, Oktober 2018 (Policy Memo Nr. 543), S. 3.

58

 Siehe hierzu Thomas Bremer, »Der ›Westen‹ als Feindbild im theologisch-philosophischen Diskurs der Orthodoxie«, in: Europäische Geschichte Online (EGO), 19.3.2012, <http:// ieg-ego.eu/de/threads/modelle-und-stereotypen/der-westen-als-feindbild/thomas-bremer-der-westen-als-feindbild-im-theologisch-philosophischen-diskurs-der-orthodoxie> (Zugriff Dezember 2018); Elsner, Die Russische Orthodoxe Kirche [wie Fn. 9], S. 175–180.

59

 Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche [wie Fn. 28], S. 102.

60

 Zitiert in Joachim Willems, »Die Rückgewinnung der Ideologie«, in: FAZ, 16.8.2016, <http://www.faz.net/aktuell/ politik/die-gegenwart/russisch-orthodoxe-kirche-haelt-kampf-gegen-westen-fuer-begruendet-14376319.html> (Zugriff Dezember 2018).

61

 Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche [wie Fn. 28], S. 224.

62

 »Ich bin Priester. Zu mir kommen Tausende Leute, doch in 25 Jahren habe ich nur einmal von einem grausamen Umgang mit einer Frau gehört. Gelegentlich erzählt mir ein Vater oder eine Mutter bei der Beichte, er oder sie hätten einem Kind, das extrem ungehorsam war, einen Klaps versetzt. Das als häusliche Gewalt zu bezeichnen, halte ich für idiotisch, obwohl man in Europa dafür ins Gefängnis kommen kann.« Zitiert in Holm, »Ein Gespräch mit Bischof Tichon« [wie Fn. 12].

63

 »Kremlin Dismisses Human Rights Watch Domestic Abuse Report«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 1.1.2018.

64

 Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche [wie Fn. 28], S. 60.

65

 Ebd., S. 71.

66

 Ebd., S. 85.

67

 Ebd., S. 121.

68

 Anastasija Kornja, »Rossija lidiruet po količestvu neispolnennych rešenij ESPČ« [Russland führt bei der Zahl der nicht umgesetzten Urteile des EGMR], in: Vedomosti, 4.4.2019.

69

 Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche [wie Fn. 28], S. 126.

70

 Hilarion (Alfeyev), »Die russische Kirche und das sich vereinigende Europa: Perspektiven für ein Zusammen­wirken«, in: Ost-West Europäische Perspektiven, (2005) 2, S. 83–88 (84).

71

 Alshanskaya, Der Europa-Diskurs der Russischen Orthodoxen Kirche [wie Fn. 28], S. 193.

72

 »Moscow Says FSB Maintains Good Contacts with CIA«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 23.3.2018.

73

 Alicja Curanović, The Religious Factor in Russia’s Foreign Policy, London/New York: Rout­ledge, 2012, S. 195.

74

 Uwe Halbach, Tschetscheniens Stellung in der Russischen Föderation. Ramsan Kadyrows Privatstaat und Wladimir Putins föderale Machtvertikale, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, März 2018 (SWP-Studie 1/2018), S. 27–29.

75

 Curanović, The Religious Factor in Russia’s Foreign Policy [wie Fn. 73], S. 211.

76

 Ebd., S. 206f.

77

 Ebd., S. 210.

78

 Mark N. Katz, Support Opposing Sides Simultaneously: Russia’s Approach to the Gulf and the Middle East, Doha: Al Jazeera Centre for Studies, 23.8.2018 (Reports).

79

 »Russia Helped to Protect Christians in Syria, Patriarch Kirill Says«, Al-Masdar News, 7.1.2018, <https://mobile.almas darnews.com/article/russia-helped-protect-christians-syria-patriarch-kirill-says/> (Zugriff Dezember 2018).

80

 Marta Allevato, »Moscow Patriarchate: China Authorises the Ordination of Chinese Orthodox Priests on Its Territory«, AsiaNews.it, 19.5.2015, <http://www.asianews.it/news-en/ Moscow-Patriarchate:-China-authorises-the-ordination-of-Chinese-Orthodox-priests-on-its-territory-34281.html> (Zugriff April 2019).

81

 Gerhard Gnauck, »Orthodoxie in der Ukraine. Welche Kirche soll es sein?«, in: FAZ, 2.2.2019.

82

 Zu diesen Zahlen siehe »Cerkovno-gosudarstvennyj raskol« [Kirchlich-staatliche Spaltung], in: Vedomosti, 17.10.2018, <https://www.vedomosti.ru/opinion/articles/ 2018/10/17/783844-tserkovno-gosudarstvennii-raskol> (Zugriff Dezember 2018).

83

 Curanović, The Religious Factor in Russia’s Foreign Policy [wie Fn. 73], S. 163.

84

 Myroslav Marynovych, »Ukrainian Churches and the Maidan«, in: Adam Hug (Hg.), Traditional Religion and Political Power: Examining the Role of the Church in Georgia, Armenia, Ukraine and Moldova, London: Foreign Policy Centre, 2015, S. 23–28.

85

 Zu dieser Entwicklung siehe Andrii Fert, »Putin Is Your God!«, OpenDemocracy, 23.1.2018, <https://www.opendemo cracy.net/author/andrii-fert> (Zugriff Oktober 2018).

86

 Alfons Brüning, »›Einfach orthodox?‹ Ukraine: die Gläu­bigen und die Gesellschaft«, in: Osteuropa, 68 (2018) 8–9, S. 119–138.

87

 Zitiert in Veera Laine, Holy Rus Challenged. The Conflict between Churches in Ukraine Has Consequences for Russia, Ukraine and the Orthodox World, Helsinki: Finnish Institute of Inter­national Affairs (FIIA), 26.9.2018 (FIIA Comment Nr. 18).

88

 »Petr Porošenko poprosil ukraincev načat’ molit’sja« [Petro Poroschenko hat die Ukrainer gebeten, mit dem Beten zu beginnen], Glavnovosti.com, 17.7.2018, <https://glavnovosti. com/petr-poroshenko-poprosil-ukraincev-nachat-molitsja/? mc_cid=7e64674650&mc_eid=9eaa49374d> (Zugriff Dezember 2018).

89

 Thomas de Waal, A Church Conflict Brews in Ukraine, Brüssel: Carnegie Europe, 31.10.2018, <http://carnegieeurope. eu/strategiceurope/77618?lang=en> (Zugriff Dezember 2018).

90

 Andrej Melnikov, »Dvupoljarnyj pravoslavnyj mir oformilsja v Kieve« [Eine bipolare orthodoxe Welt hat sich in Kiew formiert], in: Gazeta Vera i obščestvo, Pečatnaja versija, 16.12.2018.

91

 »TV Lambasts Orthodox Church Split«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 16.10.2018.

92

 Gnauck, »Orthodoxie in der Ukraine. Welche Kirche soll es sein?« [wie Fn. 81].

93

 Siehe zum Beispiel Paul Goble, »Putin May Try to Launch New Offensive in Ukraine and Absorb Belarus to Stop Autocephaly«, Eurasia Daily Monitor, 16.10.2018.

94

 »Central Asia Orthodox Synod Urges Kiev to Follow UN Resolution«, BBC Monitoring Global Newsline – Central Asia, 24.12.2018.

95

 Hierzu besonders Irina du Quenoy, »Church and State in Ukraine and the Power Politics of Orthodox Christianity«, War on the Rocks, 14.2.2019, <https://warontherocks.com/ 2019/02/church-and-state-in-ukraine-and-the-power-politics-of-orthodox-christianity/> (Zugriff Februar 2019).

96

 Curanović, The Religious Factor in Russia’s Foreign Policy [wie Fn. 73], S. 175.

97

 Tornike Metreveli, »Georgian Orthodox Church: Whither the Foreign Policy Role?«, Civil Georgia, 26.7.2018, <https:// civil.ge/archives/247434> (Zugriff Dezember 2018).

98

 Tornike Zurabashvili, Russia’s Disinformation Activities and Counter-Measures. Lessons from Georgia, Prag: European Values, 18.9.2018 (Kremlin Watch Report).

99

 »Georgia Backs Peaceful Resolution of Russian-Ukraine Church Row«, BBC Monitoring Caucasus, 1.10.2018.

100

 Giorgi Menabde, »Georgian Orthodox Church Opts for Caution Regarding Ukrainian Autocephaly«, Eurasia Daily Monitor, 16.1.2019.

101

 »Georgian Clerics, MPs, Citizens Differ on Ukrainian Autocephaly«, BBC Monitoring Caucasus, 11.1.2019; »Georgian President: Issue of Ukrainian Church ›Sensitive‹«, BBC Moni­toring Caucasus, 12.1.2019.

102

 »Abkhaz Church Hopes to Become Autocephalous after Ukraine«, BBC Monitoring Caucasus, 12.9.2018.

103

 Zitiert in »Russia’s Church Facing ›Global Order‹ of Destruction, Says Top Cleric«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 30.10.2018.

104

 »Ukrainischer Bischof auf der Krim festgenommen«, in: FAZ, 4.3.2019.

105

 Susan Stewart, »Autonomie der Orthodoxen Kirche der Ukraine als Politikum«, Euractiv, 11.1.2019.

106

 Matthias Drobinski, »Kirchenspaltung. Missbrauch des Christentums«, in: Süddeutsche Zeitung, 17.10.2018.

107

 Llobet, »Russlands Kirche in Putins Staat« [wie Fn. 16].

108

 Julia Mierau, Erfolg der russischen Systemopposition bei den Regionalwahlen, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, November 2018 (SWP-Aktuell 61/2018).

109

 Zitiert in »Resentment Grows in Russian Provinces: ›We Get Nothing‹«, SECTA, Foreign Desk, 20.2.2019.

110

 »Graždane opjat’ trebujut peremen« [Die Bürger fordern wieder Veränderungen], in: Nezavisimaja gazeta, 13.12.2017, <http://www.ng.ru/economics/2017-12-13/1_7135_citizens. html> (Zugriff Dezember 2018).

111

 »Russian Pollster Reports Sharp Rise in Positive Views of US«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 2.8.2018.

112

 »Russian Pollster Highlights Rise in Popular ›Frustration‹ in 2018«, BBC Monitoring Global Newsline – Former Soviet Union, 2.1.2019.

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