Markus Tidten

Pyöngyang zündelt – Fängt Japans Nationalismus Feuer?

Nordkorea und Japan, vereint in Isolation gegeneinander

SWP-Aktuell 2004/A 34, Juli 2006, 4 Seiten

In den frühen Morgenstunden des 5. Juli 2006 zündete Nordkorea ohne Vorankündi-gung mehrere Raketen und brachte sich damit der Weltöffentlichkeit wieder in Erinnerung. Die internationale Staatengemeinschaft reagierte prompt und in der Tendenz einheitlich: Am 15. Juli nahm der VN-Sicherheitsrat einstimmig eine Resolution an, die Nordkoreas Raketentests verurteilt. Die Zustimmung Chinas wurde möglich, weil Japan auf einen Verweis auf Kapitel VII der VN Charta verzichtete, der letztlich den Einsatz militärischer Gewalt ermöglicht und zu einem Veto Chinas geführt hätte. In Japan selbst werden inzwischen die militärischen Möglichkeiten des Landes zur Verteidigung gegen nordkoreanische Raketenangriffe öffentlich debattiert. Das Verteidigungsamt brachte den Begriff »Präventivschlag« in die Diskussion, ein Tabubruch für Japans traditionell pazifistisches Selbstverständnis. Offizielle Stellen bemühen sich seither um Schadensbegrenzung. Doch die allgemeine öffentliche Debatte über Sicherheitspolitik, Perspektiven und Grenzen der Allianz mit den USA und die eigenen Streitkräfte ist nicht mehr zu ersticken.