Uwe Halbach

Der "nicht mehr postsowjetische" Raum?

Rußland in der Wahrnehmung kaukasischer und zentralasiatischer Staaten vor und nach dem 11. September

SWP-Studie 2002/S 24, Juli 2002, 39 Seiten

Unter dem Dach globaler Terrorismusbekämpfung kam es zur Ausweitung amerikanischer Sicherheitskooperation mit GUS-Staaten in Zentralasien und im Südkaukasus. Das militärische Spektrum der Zusammenarbeit reicht von der Stationierung von bislang 3000 ausländischen Soldaten in der Kirgisischen Republik und Usbekistan bis zu dem quantitativ weitaus bescheideneren, in Rußland gleichwohl stärker wahrgenommenen "Train and Equip"-Programm für Streitkräfte in Georgien. Gleichzeitig planen internationale Organisationen und einzelne Staaten, darunter die Europäische Union und Deutschland, ein stärkeres entwicklungspolitisches, stabilitätssicherndes Engagement am instabilen Südrand jenes Raumes, der bis heute der "postsowjetische" genannt wird.

Das offizielle Verhalten Rußlands gegenüber der Expansion westlicher Politik in diesem Raum fiel überraschend tolerant aus, was in der politischen Öffentlichkeit Rußlands freilich nicht unwidersprochen blieb. Die Entwicklung nach dem 11. September provozierte in der russischen politischen Publizistik Kommentare über das Ende der "postsowjetischen" Periode. Das Kernland der ehemaligen Sowjetunion habe endgültig aufgehört, an seiner einstigen südlichen Reichsperipherie strategischen Einfluß auszuüben. Rußland habe die sicherheitspolitische Initiative in Zentralasien und im Kaukasus an den Gegner von einst verloren. Durch einen Rückblick auf die Rußland-Politik der dortigen Staaten im ersten nachsowjetischen Jahrzehnt, vom Herbst 1991 bis zum 11.September 2001, und die Analyse ihrer gegenwärtigen Außen-und Sicherheitspolitik wird in der vorliegenden Studie untersucht, wie weit Rußland an Einflußmacht an seiner Südflanke eingebüßt hat und ob mit Blick auf die Entwicklung im Raum zwischen Kaukasus und Pamir tatsächlich vom "nicht mehr postsowjetischen" Raum gesprochen werden kann.

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