Peter Schmidt (Hg.)

Das internationale Engagement in Afghanistan

Strategien, Perspektiven, Konsequenzen

SWP-Studie 2008/S 23, August 2008, 92 Seiten

Im Juni dieses Jahres bekundeten die in Afghanistan engagierten Staaten auf der Pariser Konferenz ihre Absicht, der Kabuler Regierung die volle Verantwortung für den Aufbau des Landes zu übertragen. Diese Politik erscheint zwar alternativlos, führt angesichts der schwindenden Unterstützung, die die afghanische Regierung in der eigenen Bevölkerung genießt, jedoch in eine durchaus problematische Situation. Einerseits gilt es nun, die Kapazitäten der Kabuler Führung trotz ihres mangelnden Ansehens zu stärken, andererseits müssen aber auch die nationalen Kontrollorgane ausgebaut werden, mit denen sich Korruption und Misswirtschaft eindämmen lassen. Gleichzeitig bedeutet eine Stärkung der afghanischen Regierung nicht, dass das Engagement der internationalen Staatengemeinschaft reduziert werden kann, im Gegenteil: Der Ausbau von Streitkräften und Polizei muss – vor allem in Zusammenarbeit mit den USA – entschlossener als bisher vorangetrieben, die Koordination ziviler und militärischer Maßnahmen nachhaltig verbessert werden. Flankenschutz sollte diese Politik durch eine pragmatische Kooperation mit Iran erhalten: Die Europäer sollten versuchen, bei der Bekämpfung des Drogenhandels und der Rückführung von Flüchtlingen mit Teheran zusammenzuarbeiten – unter Hintanstellung des Konfliktes um das iranische Nuklearprogramm. Pakistan wiederum gilt es in seinen Bemühen zu unterstützen, die Kontrolle über die westlichen Landesteile wiederzuerlangen, ohne dass Nato oder USA dabei selbst direkt eingreifen. Insgesamt haben sich beim Wiederaufbau in Afghanistan zahlreiche Erwartungen als überzogen erwiesen. Die internationale Gemeinschaft sollte ihre Zielsetzungen entsprechend reduzieren und ein besseres Gespür dafür entwickeln, was der Bevölkerung des Landes zuzumuten ist.

Inhaltsverzeichnis

Peter Schmidt
Afghanistan – Problemaufriss und Schlussfolgerungen
S. 5

Überblick

Citha D. Maaß
Afghanisierung der Stabilisierungsstrategie
S. 13

Probleme der NATO-Strategie

Timo Noetzel / Benjamin Schreer
Bundeswehr: Herausforderung Aufstandsbekämpfung
S. 31

Ronja Kempin
Polizeiaufbau in Afghanistan
S. 37

Michael Paul
Zivil-militärische Zusammenarbeit im ISAF-Einsatz
S. 43

Claudia Hofmann
Das Problem der Sicherheit für NGOs in Afghanistan
S. 49

Zur Rolle und Problematik der Nachbarregionen

Johannes Reissner
Iran und sein Problem Afghanistan
S. 59

Christian Wagner
Pakistans Interessen in Afghanistan
S. 65

Resümee

Frank Kupferschmidt
Sisyphus bei der Arbeit – oder: Wie viel ist genug?
S. 73

Anhang

Übersicht: Finanzielles Engagement Deutschlands in Afghanistan
S. 86

Abkürzungen
S. 87

Die Autoren
S. 88

SWP-Studien und SWP-Aktuells zu Afghanistan seit 2001
S. 89

SWP-Aktuell

Marianne Beisheim
UN-Gipfel – Jetzt mal Taten statt Worte?

Staats- und Regierungschefs treffen sich zum SDG-Gipfel in New York


René Schulz
Streitkräfte europäischer denken

Die Öffnung der Bundeswehr für ausländische Bewerber ist sinnvoll und angezeigt