Carsten Jung, Daniela Schwarzer

Der Preis der hohen Zinsen

Die hohen Refinanzierungskosten einiger Euro-Staaten belasten weit mehr als nur die Staatshaushalte

SWP-Aktuell 2012/A 67, November 2012, 8 Seiten

Mit dem Krisenmanagement in der Eurozone soll unter anderem verhindert werden, dass die Regierungen zu hohe Zinsen auf Staatsanleihen zahlen müssen. Diesem Ziel dient das umstrittene Bondaufkaufprogramm OMT der Europäischen Zentralbank (EZB). Seit Auflage der ersten Hilfsprogramme 2010 wird immer wieder behauptet, dass ein Zinsniveau von über sechs Prozent für Länder wie Spanien und Italien noch erträglich sei. Der Marktdruck sei sogar gesund, weil er wichtige Reformen anstoße und dafür sorge, dass Staatsdefizite abgebaut würden. Diese vermeintlichen Vorteile müssen gegen vier gefährliche Folgen hoher Zinsen auf Staatsanleihen abgewogen werden. Erstens erhöhen sie auch die Finanzierungskosten von Banken. Die dadurch bedingte Kapitalverknappung schadet, zweitens, der Realwirtschaft. Drittens wirken geldpolitische Maßnahmen bei solch hohen Zinsen von Land zu Land sehr unterschiedlich und fördern Divergenzen. Viertens können erhöhte Zinsen kurzfristig überzogene Sparmaßnahmen provozieren, die sowohl die Konjunktur wie die Steuereinnahmen beeinträchtigen. Aufgrund dieser Zusammenhänge und da hohe Zinsen einen Vertrauensverlust der Märkte reflektieren, ist eine Stabilisierung der Risikoprämien Voraussetzung für die Erholung der Eurozone. Dazu müssen auch die Regierungen beitragen.