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Der neue Grönlandvertrag: Alte Inhalte, neue Chancen

Kurz gesagt, 30.09.2026 Research Areas
  • Michael Paul

    Michael Paul

Der Streit um Grönland hatte die Nato in eine Krise gestürzt. Nun ist er beigelegt: Dänemark, Grönland und die USA haben sich auf ein Abkommen geeinigt. Es entschärft die Lage im Bündnis, enthält aber nichts grundlegend Neues, meint Michael Paul.

Noch bevor der Vertragstext bekannt wurde, erklärte US-Präsident Donald Trump, die USA dürften fortan tun, was immer nötig sei, um Grönland zu verteidigen. Zurückhaltender äußerten sich die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen: Das Abkommen stärke die gemeinsame Sicherheit in der Arktis und sei »gut für die NATO und für Europa«, erklärte Frederiksen. Der »Deal« erkenne, so Frederiksen weiter, die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs sowie das Recht des grönländischen Volks auf Selbstbestimmung an. »Es nützt uns allen«, sagte Nielsen.

Das Abkommen ergänzt und erweitert das Verteidigungsabkommen von 1951. Es erleichtert die Umsetzung notwendiger Maßnahmen (Art. I). Neben der Pituffik Space Base wollen die USA zwei weitere Militärbasen (»Defense Areas«) auf Grönland errichten (Art. IV). Sie sollen in Narsarsuaq im Süden und in Mestersvig an der Ostküste entstehen, wo bislang dänische Soldaten für die SIRIUS-Schlittenhund-Patrouille stationiert sind. Darüber hinaus dürfen die USA weitere Basen zu errichten, deren Errichtung und Erhaltung so weit wie möglich grönländische Unternehmen übernehmen – ein Zugeständnis von amerikanischer Seite.

All dies hätte von Anfang an auch ohne die Drohung der USA mit einer Annexion Grönlands oder einer Militärintervention verhandelt werden können. Kopenhagen und Nuuk haben allzu große Zugeständnisse und eine Eskalation verhindert, die unter Umständen zu einem Bruch der Nato geführt hätte. Das Abkommen nützt allen Beteiligten, wäre aber einfacher zu erzielen gewesen. Trump hat einen Konflikt beendet, den es ohne ihn nicht gegeben hätte. Zugleich eröffnete es eine Chance für die Zukunft. 

Mehr Verantwortung für die Verbündeten

Die sogenannte GIUK-Lücke erstreckt sich entlang einer Linie von Grönland über Island bis nach Großbritannien. Dieses Seegebiet bildet den Verbindungskorridor zwischen dem Nordatlantik und dem Europäischen Nordmeer sowie dem Arktischen Ozean. In den operativen Planungen der Nato spielt es eine wichtige Rolle, um russische Aktivitäten einzudämmen. Zuletzt hat ein deutscher Seefernaufklärer P-8A Poseidon bei Northern Viking 2026 den multinationalen Übungsverband der NATO bei der U-Boot-Jagd vor Island unterstützt. Allerdings waren dabei erstmals keine US-Schiffe oder Flugzeuge beteiligt. 

Die Trump-Regierung betrachtet den neuen Grönlandvertrag als wichtig für die nationale Verteidigung und das Abwehrsystem Golden Dome, das in der Präambel genannt wird. Das Interesse der Allianz sollte dagegen im Sinne eines stärkeren Engagements in der Arktis (Art. II) darauf gerichtet sein, die Grundlagen für die Bündnis­verteidigung zu verbessern. Die Nato kann so das Königreich bei seinen Vertragspflichten (Art. VII) unterstützen und die bislang von den USA getragenen Verpflichtungen übernehmen (»burden shifting«). Dazu eignet sich Mestersvig als Nato-Stützpunkt an der Ostküste. Als Basen für Seefernaufklärer kämen neben Narsarsuaq auch Kangerlussuaq infrage. Dadurch kann die Maritime Sicherheitspartnerschaft mit Dänemark, Kanada und Norwegen ausgebaut und ein neuer Übungsbetrieb zum Zusammenwirken bei der Luftverteidigung mittels F-35-Kampfflugzeugen und Drohnen etabliert werden. 

Die USA haben im Vertrag zugestimmt, die Umwelt und die Lebenswelt der grönländischen Bevölkerung zu achten (Art. VI). Sie haben zwar Bewegungsfreiheit zwischen den Basen und freien Zugang (Art. VI), sie dürfen aber keineswegs alles tun, »was immer nötig« ist. Neu ist das explizite Verbot militärischer Aktivitäten (Art. IX) und von Investitionen aus Staaten, die weder der Nato noch der EU angehören (Art. X). Bisher lag die Entscheidung darüber allein im Ermessen der zuständigen Regierungen. Der Vertrag bleibt im Falle der Unabhängigkeit Grönlands vom Königreich gültig, und Grönland soll im Nato-Bündnis bleiben (Art. XI).

Michael Paul ist Gastwissenschaftler in der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik. Sein Grönlandbuch "Greenland’s Arctic Paths to Independence. Politics and Policies in Kalaallit Nunaat, Europe and the United States of America" erscheint im Oktober bei Routledge.

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