Feministische Außenpolitik in Lateinamerika
Mexiko, Chile und Kolumbien im Vergleich
SWP-Studie 2026/S 01, 07.01.2026, 39 Pagesdoi:10.18449/2026S1
Research AreasDr. Claudia Zilla ist Senior Fellow in der Forschungsgruppe Amerika.
Marie Peschke war bis Ende 2025 Forschungsassistentin im Projekt »Erfolgskriterien einer für Lateinamerika und Karibik (LAK) spezifischen feministischen Entwicklungspolitik (FEP)«, das kofinanziert wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Die Studie entstand im Rahmen dieses Projekts.
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In Lateinamerika haben drei Länder offiziell angekündigt, sich zu einer feministischen Außenpolitik (FAP) zu verpflichten: Mexiko im Jahr 2020, Chile und Kolumbien im Jahr 2022. Die Einführung eines feministischen Ansatzes in die Außenpolitik steht im Zusammenhang mit einem zunehmenden Gender-Bewusstsein in der internationalen, regionalen und nationalen Politik.
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Im Vergleich zu europäischen FAP-Varianten zeichnen sich die FAP-Ansätze dieser Länder durch einen stärkeren Inlandsbezug aus, einen Bezug zu den Problematiken der eigenen Gesellschaft. Dies zeigt sich besonders im mexikanischen Fall, während die chilenische FAP auch die feministische Perspektive im Außenhandel betont und die kolumbianische FAP sich als pazifistisch definiert.
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In keinem dieser Länder führt die FAP eine politische Wende herbei. Sie verleiht vielmehr einer bereits bestehenden Politik der Gleichstellung der Geschlechter und des Gender-Mainstreamings neuen Schwung. Sie sorgt dafür, den Grad an Partizipation und Repräsentation von Frauen zu erhöhen sowie deren Beiträge zur Außenpolitik deutlich sichtbar zu machen.
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Im Sinne einer globalen Gender- und Menschenrechtsagenda sind Mexiko, Chile und Kolumbien wichtige Partner, für Deutschland wie für die EU. Da sie untereinander die Zusammenarbeit in diesen Bereichen intensivieren, sind sie zudem lohnende Partner für die Erweiterung von Dreieckskooperationen.
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Da das Auswärtige Amt die FAP aufgegeben hat, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die feministische Entwicklungspolitik jedoch weiterführt und die Zukunft der FAP in Chile angesichts eines anstehenden Machtwechsels ungewiss ist, empfehlen sich für die Kooperation in diesem Feld variable begriffliche Rahmungen und Formate. Deutschland sollte den bi-regionalen Dialog und Austausch – auch zwischen feministischen und Frauenorganisationen – intensiv fördern und sich nicht nur mit Finanzmitteln, sondern auch an den Lernprozessen beteiligen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung und Schlussfolgerungen
2 Die Verbreitung von Gender-Bewusstsein in der Politik
2.1 Die Gender-Agenda im UN-Kontext
2.2 Die Gender-Agenda im lateinamerikanischen Kontext
2.3 Die Gender-Agenda in der nationalen Politik
3.1.1 Der Weg zur feministischen Außenpolitik
3.1.2 Die rechtlich-politische Verankerung
3.1.4 Maßnahmen und Aktivitäten
3.2.1 Der Weg zur feministischen Außenpolitik
3.2.2 Die rechtlich-politische Verankerung
3.2.4 Maßnahmen und Aktivitäten
3.3.1 Der Weg zur feministischen Außenpolitik
3.3.2 Die rechtlich-politische Verankerung
Problemstellung und Schlussfolgerungen
Seit Schweden sich 2014 zu einer feministischen Außenpolitik (FAP) verpflichtet hat, kündigten rund ein Dutzend Staaten einen solchen Schritt ebenfalls an, darunter die drei lateinamerikanischen Staaten Mexiko (2020), Chile und Kolumbien (beide 2022). Doch was folgte darauf konkret? Da es kein einheitliches Modell für die Konzipierung und Institutionalisierung eines feministischen Ansatzes in der Außenpolitik gibt, nahm die Entwicklung jeweils einen unterschiedlichen Verlauf.
Die Verbreitung der FAP lässt sich zwar als Phänomen der internationalen Normdiffusion betrachten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Regierungen dabei einen rein exogenen Politikansatz übernehmen. Einerseits konvergieren Prozesse eines wachsenden Gender-Bewusstseins in der internationalen, regionalen und nationalen Politik. Andererseits prägt der lokale Kontext die Art und Weise, wie der feministische Ansatz jeweils interpretiert und rechtlich-bürokratisch verankert wird. In der Forschung zur FAP wurden die politisch-institutionellen Voraussetzungen bisher kaum beachtet. Dabei werden sie inzwischen, seit Schweden nach einem Regierungswechsel im Jahr 2022 seine FAP offiziell aufgegeben hat und damit einen Rückwärtstrend auslöste, dem sich weitere Staaten anschlossen, als entscheidend für die Wirkung und Nachhaltigkeit der FAP angesehen.
Diese Fort- und Rückschritte sind Teil größerer Trends, die die Menschenrechts- und Inklusionsagenda betreffen. Heute dominiert in diesem Bereich global eine Regression (Pushback). Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach menschenrechtsorientierten Anstrengungen und Veränderungen, die weniger sichtbar sind, an Relevanz.
Die Wirkung und Resilienz eines feministischen Ansatzes in der Außenpolitik hängen davon ab, inwiefern er internalisiert wird. Internalisierung bedeutet zunächst, dass sich Schlüsselakteur:innen für dessen Einführung entscheiden und ihn politisch mittragen. Darüber hinaus muss der Ansatz rechtlich und politisch verankert sowie mit finanzieller Ausstattung unterlegt werden. Zudem bedarf es der inhaltlichen Ausgestaltung und Implementierung. Die Auseinandersetzung mit diesen Aspekten steht im Mittelpunkt der vorliegenden Studie. Leitend sind dabei zwei zentrale Fragen: Wie verlief die politisch-rechtliche Hinführung zur Ankündigung einer FAP in Mexiko, Chile und Kolumbien? Und wie wurde die FAP in der Folge internalisiert, also institutionalisiert und konzeptualisiert? Mexiko, Chile und Kolumbien sind jene Länder der Region, in denen eine Verpflichtung zu einer FAP auf höchster Ebene und im regionalen Vergleich substanziell erfolgte. Auch wenn eine systematische Bewertung der Implementierung und Wirkung von FAP den Rahmen dieser Untersuchung sprengen und überdies einen längeren Beobachtungszeitraum erfordern würde, werden hier mit Blick auf Umsetzungsfragen erste Einschätzungen angeboten.
Zu den zentralen Ergebnissen dieser Studie gehören die folgenden Erkenntnisse: In allen drei untersuchten Ländern ging der Einführung der FAP ein Prozess der rechtlich-politischen Erweiterung und Vertiefung einer Menschenrechtsagenda voraus, welche die Verankerung der Gender-Perspektive im staatlichen Handeln einschließt. Eingeführt wurde die FAP von Präsidenten (nicht -tinnen), die dem linken ideologischen Spektrum zuzuordnen sind, ihre Regierung als feministisch verstehen und ihr Kabinett geschlechterparitätisch besetzen. Die Verfolgung einer FAP steht aus Sicht dieser Regierungen in einer Kontinuitätslinie gender-sensibler Reformen im eigenen Land. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Effekte ist FAP nicht Ausdruck einer politischen Wende. Vielmehr verleiht sie einer Politik der Gleichstellung der Geschlechter und des Gender-Mainstreamings einen neuen Impuls, indem sie Frauen unter anderem zu einem höheren Grad an Partizipation und Repräsentation verhilft und ihren Beitrag zur Außenpolitik deutlicher als bislang herausstellt.
Hinsichtlich der normativen Grundlagen und der politischen Begründung von FAP weisen die drei Länder Gemeinsamkeiten auf. Unterschiede gibt es jedoch mit Blick auf die rechtlich-politische Verankerung dieses Ansatzes. Auch die thematische Schwerpunktsetzung variiert im Rahmen der Konzeptualisierung. Der Ansatz Mexikos ist stark nach innen gerichtet, die Außenperspektive ist im Falle Chiles besonders ausgeprägt; Kolumbien befindet sich im Mittelfeld – mit einer FAP, die ausdrücklich als pazifistisch definiert wird. Insgesamt weisen die lateinamerikanischen FAP-Ansätze jedoch einen stärkeren Bezug zur Binnendimension, zu den Problematiken der eigenen Gesellschaft auf als die europäischen. Fragen der Geopolitik, der internationalen Ordnung, der globalen Asymmetrien, der internationalen Konfliktbearbeitung oder der kolonialen Logiken werden im Rahmen der FAP dieser drei Länder nicht verhandelt.
Bei der Förderung einer Gender- und Menschenrechtsagenda auf globaler Ebene sind Mexiko, Chile und Kolumbien als relevante Partner zu betrachten. Die drei Länder intensivieren nicht nur die Zusammenarbeit untereinander in diesem Bereich, auch ihre jeweiligen bilateralen Kooperationen mit anderen Staaten bieten Potenzial für den Ausbau von Dreieckskooperationen. Das gemeinsame Engagement sollte variable Formate annehmen und sich nur dort, wo es möglich ist, begrifflich explizit auf FAP bzw. feministische Entwicklungspolitik (FEP) beziehen und stützen. Aus der Zusammenarbeit mit Lateinamerika kann Deutschland Lehren ziehen. Daher sollte es seine Beteiligung nicht auf eine finanzierende Rolle beschränken, sondern auch die Bereitschaft aufbringen, selbst im Rahmen der Wissenszirkulation zu lernen. Im Zuge des Pushbacks gewinnt zudem die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen und deren bi-regionaler Dialog an Bedeutung.
Die Verbreitung von Gender-Bewusstsein in der Politik
Seit Schweden im Jahr 2014 einen feministischen Ansatz in sein auswärtiges Handeln eingeführt und das Konzept FAP geprägt hat, kündigten mitte-links-gerichtete, linke bzw. progressive Regierungen oder ihre Außenministerien auf verschiedenen Kontinenten einen ähnlichen Schritt1 an: Kanada im Jahr 2017, Luxemburg im Jahr 2018, Frankreich im Jahr 2019, Mexiko im Jahr 2020, Deutschland, Schottland, Spanien und Libyen im Jahr 2021, Kolumbien, die Niederlande, Chile und Liberia im Jahr 2022, die Mongolei, Argentinien und Slowenien im Jahr 20232 sowie zuletzt Bolivien im Jahr 2024. Damit trugen sie zu dem Phänomen der Normdiffusion in den internationalen Beziehungen bei.3
International betrachtet bleibt der feministische Ansatz in der Außenpolitik eng mit einer bestimmten ideologischen Ausrichtung verknüpft.
Allerdings blieb es in einigen Fällen mehr oder weniger bei einer Absichtserklärung, und es ist umstritten, ab wann tatsächlich davon gesprochen werden kann, dass eine Regierung FAP betreibt. Im Jahr 2022 trat Schweden, das Land mit der längsten Erfahrung mit FAP und dem bis dato höchsten damit verbundenen Institutionalisierungsgrad, zudem eine Gegenbewegung los, indem es diesen Ansatz offiziell aufgab. Die Niederlande, Luxemburg, Argentinien und das Auswärtige Amt in Deutschland folgten.4 Diesen Kurswechseln ging jeweils ein Machtwechsel voraus, der eine je nach Land unterschiedlich stark ausgeprägte ideologische Verschiebung nach rechts bedeutete. International betrachtet bleibt der feministische Ansatz in der Außenpolitik folglich eng mit einer bestimmten ideologischen Ausrichtung verknüpft. Diese Verbindung erschwert den Übergang von einer an wechselnde politische Mehrheiten gebundenen Regierungspolitik zu einer sogenannten Staatspolitik, die sich über Machtwechsel hinweg konsolidiert.
Die Abkehr von der FAP ist Teil einer umfassenderen Regression. Diese umfasst eine breite Palette von Phänomenen, die von Depriorisierung der Themen Menschenrechte und Inklusion bis hin zu einer zielgerichteten Politik der Exklusion und Zementierung von Machtasymmetrien reicht. In vielen Staaten der Welt werden verschiedene Arten von Rechten beschnitten und Mechanismen des sozialen Ausgleichs abgebaut. Die innergesellschaftliche Solidarität gerät vielerorts unter Druck, was zu einer Schwächung der sozialen Kohäsion führt. In jenen virulenten Fällen, in denen ein patriarchaler Populismus5 bzw. Varianten der Globalen Radikalen Rechten politikgestaltend wirken, wird ein Antifeminismus vorangetrieben, der in der eigenen Begrifflichkeit als »Kulturkampf« gegen die »Gender-Ideologie« beschrieben wird. Der finanzielle, in einigen Fällen sogar institutionelle Abbau erfasst auch die Bereiche zivile Konfliktbearbeitung, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit (EZ), während die Militärausgaben weltweit steigen.6 Zugleich dominieren Tendenzen der demokratischen Erosion und Autokratisierung.7 Die aktuellen globalen statistischen Daten offenbaren eine rasante Zunahme an Konflikten, (sexualisierter) Gewalt und Todesopfern in Konfliktkontexten.8 Feministische Analysen verweisen auf den Zusammenhang vieler dieser Entwicklungen.9
Doch trotz des Pushbacks ist FAP noch lange nicht Geschichte: In Ländern wie Mexiko, Chile und Kolumbien wird der feministische Ansatz in der Außenpolitik institutionell verankert und konzeptionell weiterentwickelt. Zwar gerät der Prozess des wachsenden Gender-Bewusstseins derzeit vielerorts ins Stocken. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er insgesamt als abgebrochen zu bewerten ist. In Lateinamerika und der Karibik (LAK) wird an der regionalen Gender-Agenda beispielsweise weitergearbeitet. In einer Zeit, in der weltweit überwiegend Rückschritte in Menschenrechtsfragen zu beobachten sind, sollten progressive Entwicklungen nicht übersehen werden. Deren nähere Betrachtung eröffnet nicht nur Erkenntnisse über den Einzelfall, sondern auch über den Zusammenhang zwischen Trend und Resilienz sowie über Kooperationsmöglichkeiten.
Gender-Bewusstsein stellt sich in der staatlich-institutionalisierten Politik nicht von selbst ein. Es ist vielmehr das Ergebnis zivilgesellschaftlichen Engagements durch Aktivismus, Organisation und Partizipation. Die Forderungen von Frauen- und feministischen Organisationen haben eine lange Geschichte und stets zwei Aspekte in den Blick genommen: zum einen die Gleichstellung der Geschlechter gemäß dem Grundsatz der Gleichheit aller Menschen, zum anderen gesellschaftliche Transformation im Sinne der Veränderung sozialer, ökonomischer, politischer und rechtlicher Strukturen, die patriarchal geprägt sind und hierarchische Geschlechterverhältnisse zementieren. Unterschiedliche Gewichtungen dieser Perspektiven haben zur Ausdifferenzierung feministischer Strömungen beigetragen.
Politische Entwicklungen und Entscheidungen haben immer gender-spezifische Effekte.
Zum Gender-Bewusstsein gehört das empirische Wissen über die Existenz von Geschlechterregimen. Diese beeinflussen in allen Gesellschaften maßgeblich die sozialen Rollen, Lebenserfahrungen sowie den Zugang zu Rechten, Freiheiten, Ressourcen und Machtpositionen. Folglich haben politische Entwicklungen und Entscheidungen immer gender-spezifische Effekte. Das bedeutet, dass sie sich auf Personen verschiedenen Geschlechts (im Sinne einer selbstdefinierten oder zugeschriebenen Gender-Identität) unterschiedlich auswirken. Zugleich sind Geschlechterhierarchien eine wichtige Ursache für soziale Konflikte und Gewalt und verschärfen Probleme anderen Ursprungs.
Aus Gender-Bewusstsein und dessen Verbreitung erwächst eine Gender-Agenda. Diese bezeichnet die Gesamtheit politischer, rechtlicher und institutioneller Maßnahmen zum Abbau gender-bezogener Asymmetrien. Dabei umfasst der Begriff »Gender« im weiteren Sinne mehrere Dimensionen: Körper, Identität, Ausdruck, Anziehung und Rolle. Zu den zentralen Elementen einer Gender-Agenda gehört zum einen das sogenannte Gender-Mainstreaming. Dabei werden die unterschiedlichen Lebenslagen und Interessen von Menschen mit verschiedenen Gender-Identitäten bei politischen, sozialen und ökonomischen Vorhaben differenziert berücksichtigt. Zum anderen wird Gleichstellungspolitik gezielt gefördert. Beides sind auch übliche Komponenten einer FAP, die in diesem historischen Kontinuum einer zunehmend kritischen (allerdings nicht strikt linear-progressiven) Reflexion über die Bedeutung und Implikationen von »Gender« zu verstehen ist. Sie knüpft dabei an entsprechende Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im UN-System, auf multilateraler Ebene und in der nationalen Politik vieler Staaten an.
Die Gender-Agenda im UN-Kontext
Die explizite Einbeziehung einer Gender-Perspektive im Rahmen der Vereinten Nationen geht auf deren Gründungszeit zurück.10 Bereits im Jahr 1946 richtete der Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) mit der Resolution 11 (II) vom 21. Juni die Kommission für die Rechtsstellung der Frau (CSW)11 als wichtigstes globales zwischenstaatliches Gremium ein. Ihre Aufgabe ist es, die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern sowie die Rolle und die Rechte der Frauen zu stärken. Im Jahr 1972 erklärte die UN-Generalversammlung (UNGA) in ihrer Resolution 3010 (XXVII)12 vom 18. Dezember das Jahr 1975 zum »Internationalen Jahr der Frau«. In der Folge fand 1975 in Mexiko die erste Weltfrauenkonferenz13 statt, gefolgt von einem Weltaktionsplan und der Resolution 31/13614 der UNGA vom Dezember 1976. Darin wurde der Zeitraum 1976 bis 1985 zur »Dekade der Frauen: Gleichstellung, Entwicklung und Frieden« erklärt. Im Jahr 1979 verabschiedete die UNGA das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW),15 das 1981 in Kraft trat. Zwei weitere Weltfrauenkonferenzen fanden 1980 in Kopenhagen und 1985 in Nairobi statt. Die vierte Weltfrauenkonferenz wurde 1995 in Peking veranstaltet und mündete in die Pekinger Erklärung und Aktionsplattform, ein umfassendes, mit strategischen Zielen und konkreten Maßnahmen unterfüttertes Konzept zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und zum Empowerment von Frauen und Mädchen.16
Die Gender-Perspektive fand auch Eingang in die Entwicklungs- und Sicherheitspolitik: Die Gleichstellung der Geschlechter wurde sowohl in den Millenniumszielen (MDGs, 2000–2015, Ziel 3) als auch in den nachfolgenden Nachhaltigkeitszielen (SDGs, 2016–2030, Ziel 5) verankert. Im Jahr 2000 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat (UNSC) auf Initiative der namibischen Ministerin für Frauenangelegenheiten Netumbo Nandi-Ndaitwah die Resolution 132517 zu Frauen, Frieden und Sicherheit (Women, Peace and Security, WPS). Es folgten neun weitere Resolutionen zu geschlechtsspezifischen Themen, die als WPS-Agenda18 zusammengefasst werden. Sie zielen darauf, die Partizipation von Frauen in Friedensprozessen auszubauen, sie vor sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten zu schützen und ihre Rechte im Kontext von Frieden und Sicherheit umfassend zu verankern. Seit 2005 haben rund hundert Länder Nationale Aktionspläne (NAP) zur Umsetzung der Resolution 1325 entwickelt. Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen den UN-Mitgliedstaaten, Frauenverbänden und der Zivilgesellschaft verabschiedete die UNGA schließlich am 2. Juli 2010 die Resolution 64/289 und rief damit die Organisation UN Women19 ins Leben. Sie ging hervor aus dem Zusammenschluss mehrerer UN-Einheiten, die sich mit Frauenfragen befassten,20 und setzt sich für die Gleichstellung der Geschlechter und das Empowerment von Frauen ein.
Die Gender-Agenda im lateinamerikanischen Kontext
Staaten in LAK haben sich traditionell nicht nur stark für die Entwicklung der Vereinten Nationen, sondern auch für die Förderung der Frauenrechte innerhalb des UN-Systems sowie in regionalen Organisationen engagiert. Die Region beheimatet zwanzig der 51 UN-Gründungsmitglieder.21 Unter den 160 Unterzeichnenden der UN-Charta waren lediglich vier Frauen, davon zwei aus LAK: Minerva Bernardino (Dominikanische Republik) und Bertha Lutz (Brasilien) – neben Virginia Gildersleeve (Vereinigte Staaten) und Wu Yi-Fang (China). Dank Lutz und Bernardino wurde in die Präambel der UN-Charta ein ausdrücklicher Verweis auf Frauen aufgenommen.22
Die Regionalkonferenz über Frauen in Lateinamerika und der Karibik23 ist das wichtigste zwischenstaatliche Forum für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit in der Region.24 Sie ist ein Nebenorgan der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (Economic Commission für Latin America and the Caribbean, ECLAC), die für das Sekretariat der Regionalkonferenz zuständig ist und in diesem Bereich seit 2020 in Abstimmung mit UN Women arbeitet. Seit ihrer Gründung im Jahr 1977 im kubanischen Havanna hat die Regionalkonferenz über Frauen Regierungen, Zivilgesellschaft – insbesondere Frauen- und feministische Bewegungen und Organisationen –, Wissenschaft, zwischenstaatliche Gremien, Kooperationsagenturen und das UN-System zusammengebracht. Bis heute fanden 15 Konferenzen statt, deren Vereinbarungen die regionale Gender-Agenda maßgeblich geprägt haben.
Auf der X. Regionalkonferenz über Frauen, die im Jahr 2007 im Quito (Ecuador) tagte, wurde die Beobachtungsstelle für Geschlechtergleichstellung für Lateinamerika und die Karibik25 ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, nationale Mechanismen zur Förderung von Frauenrechten auszubauen, offizielle Informationen aus den Ländern der Region verfügbar zu machen sowie die Überwachung internationaler und regionaler Abkommen über Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit zu erleichtern.
Das Interamerikanische Übereinkommen zur Verhütung, Bestrafung und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – auch Konvention von Belém do Pará genannt – ist eines der wichtigsten Abkommen zu Gender-Fragen in LAK. Es wurde 1994 von der Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verabschiedet.26 Es ist ein rechtsverbindliches internationales Instrument innerhalb des Interamerikanischen Systems zum Schutz der Menschenrechte und weltweit das erste, in dem Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung und systemisches Problem anerkannt wurde. Daraus erwachsen klar definierte Sorgfaltspflichten der Staaten in Bezug auf Prävention, Untersuchung, Hilfe und Bestrafung.27 Für eine wirksame Umsetzung der Konvention ist ein Prozess der kontinuierlichen und unabhängigen Bewertung und Unterstützung erforderlich. Zu diesem Zweck wurde 2004 der Follow-up-Mechanismus der Konvention von Belém do Pará (MESECVI) eingerichtet.28
Bis heute ist die CIM das einzige politische Forum für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit auf dem gesamtamerikanischen Kontinent.
Bereits 1928 hatte die Panamerikanische Union, die Vorgängerorganisation der 1949 gegründeten OAS, die Interamerikanische Frauenkommission (Comisión Interamericana de Mujeres, CIM) als erstes zwischenstaatliches Gremium ins Leben gerufen, das die Anerkennung der Menschenrechte von Frauen sicherstellen sollte. Bis heute ist die CIM das einzige politische Forum für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit auf dem gesamtamerikanischen Kontinent. Seitdem wurden auf regionaler Ebene innerhalb der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) sowie in subregionalen Integrationssystemen wie dem Gemeinsamen Markt des Südens (MERCOSUR) immer mehr Gremien eingerichtet, die sich einer Gender-Agenda widmen.
Die Gender-Agenda in der nationalen Politik
Auch in der nationalen Politik sind in den letzten Dekaden vielerorts zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit festzustellen. In LAK ist dabei die Tendenz zu beobachten, die Rechte von Frauen sowie von Personen, die nicht der Geschlechterbinarität und Heteronormativität entsprechen, immer weiter auszuformulieren und rechtlich zu verankern.29 Dies erfolgt auf Verfassungs- wie auf Gesetzesebene – dank des Engagements von Menschenrechtsorganisationen und entsprechenden Bewegungen. Ähnliches gilt für das Diskriminierungsverbot, das in zahlreichen LAK-Staaten legal-normativ spezifiziert wird. Zudem wird der Staat juristisch in die Verantwortung genommen, für den Schutz und die Verwirklichung dieser Rechte zu sorgen und die Gender-Perspektive in seinem Handeln zu berücksichtigen. Damit werden Rechte einklagbar.
Gleichwohl ist in LAK-Staaten die Kluft zwischen legal verbrieften Rechten und der Verwirklichung einer substanziellen Gleichheit der Geschlechter nach wie vor groß. Diesem Umstand sollen Programme und Maßnahmen zur Kompensation struktureller Benachteiligung (affirmative action) entgegenwirken. Ein Beispiel hierfür sind Quoten für historisch marginalisierte Gruppen, etwa für Minderheiten in Bildungseinrichtungen oder für Frauen in politischen Institutionen. Die in vielen Ländern der Region30 zunächst für Parlamente und entsprechende Parteilisten eingeführten Geschlechterquoten31 erstreckten sich dann weiter auf die Ebene des Regierungskabinetts32 und die Leitungsebene von Ministerien. Eine geschlechterparitätische Besetzung von Kollektivorganen wurde vielerorts formell wie informell zur politischen Praxis.
Die zunehmende Beachtung der Gender-Perspektive fand ihren institutionell sichtbaren Ausdruck in der Errichtung von zuständigen staatlichen Stellen, Agenturen und Instituten mit entsprechenden Aufgaben. Diese wurden häufig einem hierfür geschaffenen Ministerium für Frauen unterstellt. Im Zuge des Engagements für die WPS-Agenda haben in den vergangenen Jahren immer mehr Staaten Lateinamerikas einen NAP zur Umsetzung der UNSCR 1325 erarbeitet und in den folgenden Jahren aktualisiert.33 Zu den Neuerungen der jüngeren Vergangenheit gehört schließlich die Einführung einer FAP. Zwar lassen sich diese rechtlichen, politischen und institutionellen Entwicklungen zusammengenommen als Trend betrachten. Die jeweils zugrundeliegenden nationalen Prozesse sind jedoch nicht teleologisch zu verstehen, da sie weder linear-sequenziell (im Sinne einer festen Reihenfolge von Schritten) festgelegt noch irreversibel sind.
Feministische Außenpolitik
FAP setzt einen politischen Gestaltungsrahmen für das außenpolitische Handeln von Regierungen ebenso wie für ressortinterne Prozesse und Strukturen.34 Mit der Einführung eines solchen Rahmens wird ein Politikwandel angestrebt. Abhängig vom nationalen Konzept ist FAP in unterschiedlichem Maße anspruchsvoll, beispielsweise hinsichtlich der erfassten außenpolitischen Politikfelder und ihrer Verknüpfung mit anderen Politikfeldern, der angestrebten Veränderungen oder der prioritären Zielgruppen. Die konkreten staatlichen FAP-Varianten sind vielfältig, jedoch insgesamt weniger anspruchsvoll und voraussetzungsreich als FAP-Konzepte in der feministischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft.35
Für FAP gibt es kein »One Size Fits All«-Modell, das schnell übernommen werden kann. FAP setzt signifikante Veränderungen der Instanzen voraus, die sie umsetzen sollen, und wird im Rahmen der Implementierung entwickelt. Die Einführung von FAP löst einen Internalisierungsprozess aus, zu dem verschiedene Aspekte gehören: Erstens müssen sich Schlüsselakteur:innen auf dem Weg der Erweiterung und Vertiefung von Rechten für diesen Schritt entscheiden und ihn politisch mittragen. Zweitens muss der Ansatz rechtlich und politisch verankert, also in die institutionellen Strukturen des Staates überführt und mit finanzieller Ausstattung untermauert werden. Drittens gilt es den FAP-Ansatz inhaltlich auszuarbeiten. Viertens muss der Ansatz schließlich implementiert werden.
Bei einer kritischen FAP-Analyse ergeben sich dabei zwei Herausforderungen: Zum einen sind Maßnahmen zur Verankerung des Ansatzes (Voraussetzung für eine FAP) und solche zu dessen Umsetzung (Folge einer FAP) nicht immer klar voneinander zu unterscheiden. Zum anderen ist die Kausalattribution – das heißt die Frage, welche (außen)politischen Entscheidungen und Maßnahmen ausschließlich auf die Einführung einer FAP zurückzuführen sind – aufgrund der Komplexität sozialpolitischer Kontexte und der Unmöglichkeit kontrafaktischer Prüfung nicht abschließend zu klären.
Mexiko
Der Weg zur feministischen Außenpolitik
Die Gleichheit von Männern und Frauen ist in Mexiko seit 1974 in der Verfassung verankert.36 Dies gilt seit 2001 auch für das ausdrückliche Verbot jeglicher Art von Diskriminierung, unter anderem aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung und Herkunft.37 Diese Bestimmungen wurden durch die Verfassungsreform von 2011, auch Menschenrechtsreform genannt, noch dadurch erweitert, dass Rechte aus den von Mexiko unterzeichneten internationalen Verträgen in die Verfassung aufgenommen wurden. Seither ist der Schutz vor Diskriminierung rechtlich durchsetzbar, und der Staat muss dessen Umsetzung aktiv vorantreiben.38 Mehrere Gesetze auf Bundesebene konkretisieren diese verfassungsrechtlichen Prinzipien und haben außerdem zum Ziel, die sexualisierte bzw. geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen.
Das Allgemeine Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern von 2006 legt die institutionellen Grundlagen für die Verwirklichung substanzieller Gleichstellung in öffentlichen und privaten Bereichen fest und dient gezielt dem Gender-Mainstreaming im staatlichen Handeln.39 Seit 2011 schließlich gilt auch für Maßnahmen der EZ die gesetzliche Verpflichtung, zu einer nachhaltigen menschlichen Entwicklung auf Grundlage der menschenrechtlichen Prinzipien und der Geschlechtergerechtigkeit beizutragen.40
Im Zuge dieser rechtlichen Entwicklung fand die Gender-Perspektive zudem Eingang in regierungsamtliche Pläne und Programme: So werden im Nationalen Entwicklungsplan Mexikos für die Jahre 2019 bis 2024 neben Verweisen auf das Diskriminierungsverbot die Gleichstellung von Frauen und Männern und die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt als Ziele benannt.41
Konkretisierungen dazu finden sich in den Nationalen Gleichstellungsplänen: Bereits im Nationalen Gleichstellungsprogramm 2013–2018 wurde die Integration einer Gender-Perspektive in das Handeln der Ministerien, darunter des Außenministeriums (Secretaría de Relaciones Exteriores, SRE), explizit eingefordert.42 Im Nachfolgeprogramm 2020–2024 wurde Gender-Mainstreaming sogar in den Rang eines verbindlichen staatlichen Handlungsprinzips erhoben und als solches etabliert.43
Mit einem Dekret vom April 2018 zur Reformierung des Gesetzes über den Auswärtigen Dienst Mexikos führte Präsident Enrique Peña Nieto (2012–2018) die Gender-Perspektive explizit auf der Ebene der Ressortorganisation ein. Zu den Änderungen gehörte eine Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen im Außenministerium, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern.44 Einen NAP zur Umsetzung der UNSCR 1325 gab es zum Zeitpunkt der Ankündigung einer FAP im Jahr 2020 allerdings noch nicht.
Mit der Wahl von Andrés Manuel López Obrador (AMLO) zum Präsidenten kam 2018 ein linkes Parteienbündnis – Juntos Haremos Historia (Gemeinsam werden wir Geschichte schreiben) – unter der Führung von dessen Partei MORENA (Movimiento de Regeneración Nacional, dt.: Bewegung der nationalen Erneuerung) – an die Macht. Entsprechend seines eigenen Wahlversprechens besetzte AMLO sein Kabinett anfangs annähernd geschlechterparitätisch. Das sollte sich im Gefolge von Umstrukturierungen und Rücktritten jedoch ändern.45
Mexiko war nicht nur das erste lateinamerikanische Land, sondern auch das erste des Globalen Südens, das sich zu einer FAP verpflichtete.
Die allgemeine Richtung aber war klar: Am 28. September 2019 erklärte der damalige Außenminister Marcelo Ebrard in einer Rede vor der UNGA, die mexikanische Regierung verstehe sich als feministisch.46 Am 9. Januar 2020 wurde die Einführung einer FAP im Rahmen des jährlichen Leitungstreffens der mexikanischen Botschaften und Konsulate47 offiziell verkündet. Damit war Mexiko nicht nur das erste lateinamerikanische Land, sondern auch das erste des Globalen Südens, das sich zu einer FAP verpflichtete. Noch im selben Monat, am 28. Januar 2020, stellte die damalige Staatsministerin für multilaterale Angelegenheiten und Menschenrechte Martha Delgado Peralta die mexikanische FAP auf der XIV. Regionalkonferenz über Frauen in Santiago de Chile in einem multilateralen Kontext vor.48
Die rechtlich-politische Verankerung
Die AMLO-Regierung institutionalisierte die mexikanische FAP nur zögerlich. Der Prozess beschleunigte sich jedoch unter ihrer Nachfolgerin, deren Politik und Diskurs eine eindeutige feministische Prägung aufweisen. Mit Claudia Sheinbaum, wie ihr Vorgänger MORENA-Mitglied, übernahm am 1. Oktober 2024 erstmals in der Geschichte Mexikos eine Frau die Regierungsgeschäfte. Als bekennende Feministin49 erklärte die Präsidentin die Gleichstellung der Geschlechter frühzeitig zu einem Schwerpunkt ihrer Politik: Noch im Monat ihrer Amtseinführung legte sie dem Senat den Entwurf eines Dekrets zur Änderung und Ergänzung einer Reihe von Verfassungsartikeln vor, um substanzielle Gleichstellung der Geschlechter, die Gender-Perspektive, das Recht der Frauen auf ein Leben ohne Gewalt sowie die Beseitigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles verfassungsrechtlich zu verankern. Diese Verfassungsänderungen wurden von beiden Kammern des Nationalkongresses einstimmig beschlossen sowie von 26 Lokalparlamenten angenommen, womit sie im November 2024 in Kraft traten.50 Zudem wurde das Politikfeld durch die Überführung des bislang dem Präsidialamt unterstellten Nationalen Fraueninstituts (Instituto Nacional de las Mujeres, INMUJERES) in ein eigenständiges Ministerium für Frauen zum 1. Januar 2025 institutionell aufgewertet.51 Die Präsidentin erklärte zudem das Jahr 2025 zum »Jahr der indigenen Frau«.52
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und der Tatsache, dass Sheinbaum explizit feministisch argumentiert, ist es bemerkenswert, dass sie das Konzept FAP nicht verwendet.53 Weder in ihrem Wahlprogramm »100 Schritte zur Transformation«54 noch im jüngsten Nationalen Entwicklungsplan für die Jahre 2025 bis 2030, in dem Geschlechtergerechtigkeit einen besonderen Stellenwert besitzt und die Rolle der Frauen beim ökonomischen und sozialen Wandel hervorgehoben wird, findet das Konzept FAP Erwähnung.55 Auf der Ebene des Außenministeriums sieht es anders aus: Das SRE unter der Leitung von Juan Ramón de la Fuente bekräftigte anlässlich des Internationalen Tages der Frauen in der Diplomatie am 27. Juni 2025 sein Bekenntnis zur FAP.56
Bislang existiert keine rechtlich bindende Grundlage für die mexikanische FAP: Es wurde weder ein entsprechendes Gesetz erlassen noch ein Dekret dazu erwirkt. Es fehlt ebenfalls an einem offiziellen Strategiepapier, einem Aktionsplan und einem Bericht zur FAP-Umsetzung. Informationen, die in gewisser Weise als funktionales Äquivalent, jedoch ohne legalen oder bürokratischen Status, angesehen werden könnten, sind in zwei PowerPoint-Präsentationen des SRE enthalten. Die erste wurde im Januar 2020 auf der XIV. Regionalkonferenz über Frauen in Santiago de Chile gezeigt,57 die zweite im August 2025 auf der XV. Regionalkonferenz über Frauen in Mexiko-Stadt.58 Zu beiden gehört jeweils eine grobe »Aktionsroute«, die zudem eine Art Fortschrittsbericht enthält.
Die bürokratische Verankerung von Mexikos FAP erfolgte vor allem auf der Ebene der Ressortplanung. Zwar wurde FAP erstmals im Sektorprogramm für Außenbeziehungen 2020–2024 erwähnt, weitere inhaltliche Ausführungen gab es jedoch nicht.59 Das folgende Sektorprogramm für Außenbeziehungen 2025–203060 enthält dezidiertere Bezüge zur FAP: Diese findet sich zunächst im ersten von drei Querschnittsthemen (ejes transversales), in dem es um »substanzielle Gleichheit und Frauenrechte« geht.61 Dabei werden die FAP als wichtiges Instrument des SRE dargestellt und die Gender-Perspektive als Querschnittsdimension, welche die Wirksamkeit jeglicher öffentlichen Politik positiv beeinflusst. Darüber hinaus werden verschiedene verwundbare Gruppen als prioritäre Zielgruppen der FAP genannt. Schließlich wird die FAP an verschiedenen Stellen als Bestandteil von Strategien und Handlungslinien aufgegriffen, die den sechs übergeordneten Zielen des Ressorts dienen sollen.
Der Themenbereich FAP obliegt im SRE der Staatsministerin für multilaterale Angelegenheiten und Menschenrechte. Unter ihrer Leitung ist eine Generaldirektorin für Menschenrechte und Demokratie insbesondere für FAP-Monitoring und -Evaluierung zuständig. Diese arbeitet intern mit den Auslandsvertretungen sowie verschiedenen Institutionen zusammen, die dem Außenministerium unterstellt sind – darunter die Diplomatische Akademie (Instituto Matías Romero, IMR) –, sowie extern mit der Regierung von Mexiko-Stadt und mit dem nationalen Senat. Zudem sollen eine SRE-Arbeitsgruppe zum Gender-Mainstreaming gegründet und FAP-Beauftragte benannt werden. Darüber hinaus wurde im Büro des Außenministers eine FAP-Koordinierungsstelle eingerichtet, die in enger Abstimmung mit der Direktorin für Feministische Außenpolitik und Internationale Zusammenarbeit des Frauenministeriums kooperiert.
Die internationale EZ ist in Mexiko im Außenministerium angesiedelt und somit Teil der FAP. In diesem Kontext spielt die Mexikanische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (Agencia Mexicana de Cooperación Internacional para el Desarrollo, AMEXCID) als dezentrale SRE-Einrichtung, die sowohl empfangene als auch die Vergabe von Kooperationsleistungen koordiniert, eine wichtige Rolle. Das Programm der AMEXCID für die Jahre 2021 bis 202462 definiert Gleichstellung als bereichsübergreifende Priorität. Doch auch für die feministische EZ findet sich kein Strategiedokument oder Aktionsplan. Vorhanden sind Referenzdokumente mit Orientierungen und Instrumenten für das Gender-Mainstreaming, die teilweise der Einführung der FAP vorausgingen: das Mexikanische Protokoll zum Gender-Mainstreaming in EZ-Programmen und -Projekten (2018),63 das gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erarbeitet wurde, sowie ein Leitfaden mit Begleitheft zum selben Thema, herausgegeben 2023 mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP).64
Ein konkret FAP-Maßnahmen zugewiesenes Budget wurde weder veröffentlicht noch vorgesehen. Auch über Mechanismen der Berichterstattung und Rechenschaftspflicht ist wenig bekannt. Zwar findet sich in der Folie zur Aktionsroute 2020–2024 der ersten FAP-Präsentation ein Verweis auf die geplante Entwicklung von Ergebnis- und Wirkungsindikatoren, aber deren Ausgestaltung wird nicht näher erläutert, und Folgepublikationen liegen nicht vor.65 Darüber hinaus ist nicht öffentlich nachvollziehbar, inwieweit die Zivilgesellschaft in die Ausarbeitung des mexikanischen FAP-Konzepts eingebunden wurde. Das SRE kann nicht belegen, welche Akteur:innen beteiligt waren, welche Beteiligungsmechanismen genutzt wurden und ob eingebrachte Beiträge Berücksichtigung fanden. In seiner Antwort auf eine Informationsanfrage räumt das Außenministerium ein, seiner Dokumentationspflicht nicht nachgekommen zu sein.66
Das Konzept
In der Präsentation aus dem Jahr 2025 wird FAP wie folgt definiert: »Die Gesamtheit der transformativen Maßnahmen, die zur Verwirklichung der substanziellen Gleichheit in allen Handlungsbereichen der Außenpolitik Mexikos und seiner institutionellen Arbeit beitragen, basierend auf den Menschenrechten, der Förderung der Autonomie von Frauen und der Integration der Perspektiven der Geschlechtergerechtigkeit und Intersektionalität, mit dem Ziel, zur Beseitigung struktureller Ungleichheiten aufgrund des Geschlechts beizutragen und so eine gerechtere, friedlichere, prosperierende und nachhaltigere Gesellschaft aufzubauen.«67 Im Vergleich zur ersten Definition aus der Präsentation des Jahres 202068 ist diese spätere Erläuterung umfassender, da sie die Grundlagen von FAP einbezieht. Sheinbaums Außenminister de la Fuente versteht die mexikanische FAP als Ausdruck der »humanistischen Vision«, welche die Außenpolitik des Landes traditionell geprägt habe.69 AMLOs Außenministerin Alicia Bárcena (2023/24) hatte den Humanismus als Ansatz beschrieben, der die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt und zu einem gerechteren, stabileren und friedlicheren System beitragen soll.70
Die FAP soll Mexiko zu einer internationalen Führungsrolle in diesem Politikfeld verhelfen.
Dem SRE zufolge handelt es sich bei der FAP um einen transformativen Ansatz, der sich im Sinne politischer Kohärenz nach innen wie nach außen richtet. In der Definition werden jedoch die Effekte auf die mexikanische Gesellschaft betont. Die Begründung verbindet eine normative (Wert an sich) und eine instrumentelle Dimension (Beitrag zu). In diesem Sinne soll FAP Mexiko zu einer internationalen Führungsrolle in diesem Politikfeld, insbesondere in Lateinamerika, verhelfen; denn das Land möchte auch weitere Staaten zur Einführung eines solchen Ansatzes bewegen.71 Darüber hinaus soll der feministische Ansatz dazu dienen, die Leistungen von Frauen in der Außen- und Globalpolitik sichtbar zu machen.72
In der Präsentation des Jahres 2020 werden fünf Handlungsbereiche der FAP (»Prinzipien« genannt) aufgeführt: Erstens sollen der Menschenrechtsansatz und die intersektionale Gender-Perspektive als Querschnittsprinzipien »in allen Bereichen der mexikanischen Außenpolitik«73 umgesetzt werden, so der Anspruch. Explizit genannt werden hierbei die EZ, Wirtschaftsförderung, Kultur, Tourismus, Umwelt und Klima.74 Zweitens soll die Gleichstellung innerhalb des Außenministeriums vorangetrieben werden, etwa durch Maßnahmen zu Karriereförderung und Herstellung von Lohngleichheit. Den dritten Handlungsbereich bildet die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, sowohl auf das Personal des SRE bezogen als auch durch Unterstützung für im Ausland lebende Mexikanerinnen. Viertens sollen Frauen in der Außenpolitik und auf der globalen Bühne präsenter werden. Der fünfte Handlungsbereich trägt den Titel »Das SRE ist intersektional feministisch« und den Untertitel »Komplementarität mit weiteren globalen und nationalen Maßnahmen«. Die Erläuterungen zu Mainstreaming (transversalidad) in diesem Kapitel suggerieren, dass hier die Begriffe »intersektional« und »transversal« verwechselt wurden.75
Im internationalen Vergleich stechen in Mexikos FAP-Konzept einige Anliegen hervor, die eng mit dem nationalen und regionalen Kontext verbunden sind.
In Mexikos FAP-Konzept lässt sich kein klarer thematischer Fokus identifizieren. Dennoch stechen im internationalen Vergleich einige Anliegen hervor, die eng mit dem nationalen und regionalen Kontext verbunden sind. Dazu zählen die Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, ein prioritäres Thema der feministischen Bewegungen in Mexiko. Zunehmend rückt auch das Thema Care (cuidados) in den Vordergrund; hier lässt sich zurzeit die dynamische Entwicklung einer regionalen Agenda beobachten. Erste Hinweise darauf finden sich mit der Nennung unterstützender Maßnahmen für Sorge- und Betreuungsaufgaben des diplomatischen Personals bereits in der Vorstellung des FAP-Konzepts aus dem Jahr 2020.76 Weiterhin ist Care etwa im Leitfaden für Gender-Mainstreaming in der EZ (2023) von AMEXCID und dem UNDP77 präsent sowie auf nationaler Ebene im Entwicklungsplan 2025–2030.78 Wichtige Impulse ergeben sich aus der regionalen Gender-Agenda und Mexikos Rolle als Gastgeberland der XVI. Regionalkonferenz über Frauen im August 2025, die sich den Transformationen hin zu einer Care-Gesellschaft widmete.79
Bezüglich der prioritären Zielgruppen verfolgt die mexikanische Regierung in ihrer FAP einen inklusiven und intersektionalen Ansatz und spricht von Frauen und »historisch benachteiligten Gruppen«80 als Zielgruppe. Mit Blick auf indigene und afro-mexikanische Gemeinschaften werden die FAP sowie die Gender-Perspektive als interkulturell charakterisiert. Insgesamt liegt der Schwerpunkt deutlich auf Frauen. So nehmen beispielsweise Maßnahmen für Geschlechterparität, etwa in Bezug auf die Karriereförderung oder die Zusammensetzung von Delegationen und Konferenzpanels, großen Raum ein.81 Der im Januar 2023 veröffentlichte »Leitfaden für inklusive und nicht-sexistische Sprache«82 rückt geschlechtergerechte Kommunikation in den Fokus. Auch kann daraus abgeleitet werden, auf welche konkreten historisch benachteiligten Gruppen sich das SRE bezieht, denn im Leitfaden gibt es spezifische Abschnitte zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender-Personen, Transvestiten und Intersexuellen, Menschen mit Behinderung, afrostämmigen Personen, Indigenen, Menschen mit HIV/AIDS, Migrant:innen, Angehörigen religiöser Minderheiten sowie Hausangestellten.
Maßnahmen und Aktivitäten
Zu der mexikanischen FAP liegen keine offiziellen Umsetzungsberichte vor. Daher lässt sich schwer nachvollziehen, welche Maßnahmen auf die Einführung der FAP folgten.83 In der Präsentation des Jahres 2025 werden unter dem Punkt »Fortschritte« zwar einige Aktivitäten in den Bereichen Geschlechterparität, Fortbildung, Planung, Instrumente und Allianzen aufgeführt, aber öffentlich zugängliche Belege dafür gibt es kaum. Einzelne Beispiele geben jedoch Hinweise auf die Implementierung.
Auf institutioneller Ebene hat das Außenministerium Maßnahmen ergriffen, die mit einer FAP im Einklang stehen. Beispielsweise heißt es, der Anteil von Frauen in internationalen Delegationen sei von 58 Prozent im Jahr 2019 auf 72 Prozent im Jahr 2021 gestiegen.84 Um langfristig Geschlechterparität im diplomatischen Dienst zu erreichen, wurde unter der Regierung Sheinbaum die Frauenquote für den diplomatischen Ausbildungsjahrgang 2025 am Instituto Matías Romero auf 66 Prozent erhöht. Zudem wurde im August 2025 mit Genaro Lozano ein LGBT+-Aktivist zum Botschafter in Italien ernannt. In einzelnen Botschaften sollen zudem Maßnahmen zur Vereinbarkeit des Berufslebens mit Care-Verantwortlichkeiten getroffen worden sein, etwa durch die Einrichtung von Stillzimmern.85
Aus der Präsentation des Jahres 2025 geht hervor, dass im selben Jahr Fortbildungen zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit und FAP sowie zu positiver Maskulinität angeboten wurden. In beiden Fällen wird die Zielgruppe jedoch nicht näher spezifiziert. Darüber hinaus wurde 2025 ein umfassender interner (also nicht veröffentlichter) Leitfaden zur Vertiefung der FAP in der Arbeit des SRE und der mexikanischen Vertretungen im Ausland entwickelt. Berichten zufolge bietet er sowohl konzeptionelle als auch operative Orientierung zur Umsetzung der FAP.86 Auf Planungsebene wurden zwei FAP-Indikatoren (quantitativer Natur) eingeführt.
Auf bilateraler Ebene ist ein 2020 beschlossenes Memorandum of Understanding (MoU) zwischen der mexikanischen Botschaft in Italien und dem Verein »Rosa Telefon« hervorzuheben, das den Schutz von Mexikanerinnen in Italien zum Ziel hat, die geschlechtsspezifische Gewalt erfahren haben.87 Im Jahr 2022 wurde zudem mit Spanien ein MoU zur Förderung von FAP unterzeichnet.88
FAP-Impulse auf multilateraler Ebene lassen sich an Mexikos Ratifizierung von zwei für die Geschlechtergerechtigkeit relevanten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) ablesen: Nr. 189 über die Förderung menschenwürdiger Arbeit für Hausangestellte (ratifiziert am 3. Juli 2020) und Nr. 190 über die Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt (ratifiziert am 15. März 2022). Außenminister Ebrard und Staatsministerin Delgado bekräftigten jeweils, dass damit Mexikos FAP zum Ausdruck gebracht werde.89
Das SRE veröffentlichte 2022 einen spezifischen Aktionsplan Gender und Klimawandel,90 der drei zentrale Handlungsfelder umfasst: den Ausbau der Rolle und Partizipation von Frauen in der internationalen Klimapolitik, den Aufbau nationaler Kapazitäten für eine geschlechtergerechte Klimapolitik sowie die Bereitstellung geschlechtergerechter Finanzierung.91
Darüber hinaus veranstalteten Mexiko und Frankreich im Jahr 2021 im geteilten Vorsitz das »Generation Equality Forum« in Mexiko-Stadt und Paris. Die Initiative »Generation Equality« (Generation Gleichberechtigung) wurde von UN Women ins Leben gerufen und zielt weltweit auf die Beschleunigung von Investitionen in die Gleichstellung der Geschlechter und die Umsetzung entsprechender Maßnahmen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Globale Allianz für Care ins Leben gerufen.92
Chile
Der Weg zur feministischen Außenpolitik
Die rechtlichen Grundlagen des Gleichheitsprinzips in Chile gehen auf die im Jahr 1980 unter der Militärdiktatur Augusto Pinochets verabschiedete Verfassung zurück. Nach der demokratischen Transition erfuhr sie zahlreiche substanzielle Änderungen. In Artikel 1 ist bis heute der allgemeine Gleichheitsgrundsatz formuliert: »Die Personen werden frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« In der ursprünglichen Fassung von 1980 wurde dabei allerdings im Spanischen der Begriff »Männer« (hombres) verwendet, um Menschen zu bezeichnen, was bis heute in vielen Sprachen üblich ist. Mit dem Gesetz 19.611 von 1999 wurde dieser Terminus durch »Personen« ersetzt; zusätzlich erfolgte in Artikel 19 Absatz 2 eine Spezifizierung hinsichtlich der rechtlichen Gleichheit von Männern und Frauen.93 Derselbe Artikel enthält zudem seit 1980 den Zusatz: »Weder das Gesetz noch irgendeine Behörde darf willkürliche Unterschiede festlegen.«94 Ein ausdrückliches und umfassendes Diskriminierungsverbot findet sich in der Verfassung jedoch nicht. Ein solches wurde durch das Gesetz 20.609 im Jahr 2012 geregelt, samt präventiven, sanktionierenden und gegebenenfalls wiedergutmachenden Maßnahmen.95
Zwar gibt es in Chile kein allgemeines Gleichstellungsgesetz, mit dem Gesetz 20.820 aus dem Jahr 2015 wurde aber das Ministerium für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit geschaffen und als dessen Aufgabe festgeschrieben, die Gender-Perspektive in die Politik sowie in die Pläne der verschiedenen Ministerien und Behörden zu integrieren.96 Zudem schützen mehrere Gesetze spezifische Rechte von Frauen und weiteren benachteiligten Gruppen.
Traditionell erstellt Chile keinen Nationalen Entwicklungsplan, in dem geschlechterpolitische Ziele und Maßnahmen festgelegt werden könnten. Diese Funktion erfüllen jedoch die Nationalen Gleichstellungspläne, die seit Mitte der 1990er jeweils für mehrere Jahre formuliert werden. Der derzeit geltende Vierte Nationale Plan für die Gleichstellung von Frauen und Männern für den Zeitraum 2018 bis 203097 führt die umfassende Verankerung der Gender-Perspektive in allen öffentlichen Institutionen sowie in staatlichen Programmen und der Haushaltsplanung als eines der zentralen strategischen Ziele auf.98 Dabei geht er nur am Rande auf außenpolitische Handlungsfelder ein, etwa im Kontext der WPS-Agenda.
Hinsichtlich der Agenda nimmt Chile in Lateinamerika eine Vorreiterrolle ein. Unter der ersten Präsidentschaft Michelle Bachelets (2006–2010) war es das erste Land der Region, das einen NAP für die Jahre 2009 bis 2011 zur Umsetzung der UN-Sicherheitsratsresolution 1325 verabschiedete. Ein weiterer NAP wurde in ihrer zweiten Präsidentschaft (2014–2018) für die Jahre 2015 bis 2018 veröffentlicht. Zum Zeitpunkt der Einführung der FAP in Chile (2023) lag kein gültiger NAP vor; allerdings wurde im September 2025 ein dritter NAP für die Jahre 2025 bis 2030 präsentiert.99 Dieser soll von den Ministerien für Außen-, Innen-, Verteidigungs-, Sicherheits- und Umweltpolitik gemeinsam mit dem Ministerium für Frauen- und Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt werden. Im NAP wird auf die Verknüpfung mit der FAP eingegangen. Konkret ist die Erstellung eines Kompendiums der im Rahmen der FAP gewonnenen Erkenntnisse mit Schwerpunkt auf Friedensförderung vorgesehen.100
Im Zuge seines Amtsantritts am 11. März 2022 nannte Boric seine Regierung explizit feministisch.
Das linke Parteienbündnis Apruebo Dignidad (Ich stimme der Würde zu) unter der Führung von Gabriel Boric und dessen Partei Frente Amplio (Breite Front) versprach bereits in seinem Wahlprogramm eine durchgängige Berücksichtigung der Gender-Perspektive in allen Politikbereichen, einschließlich der geschlechterparitätischen Besetzung des Kabinetts. Ebenfalls explizit vorgesehen war darin die Einführung einer FAP, die auf der Grundlage partizipativer Verfahren mit dem Ziel entwickelt werden sollte, einen menschenrechtsbasierten Ansatz, die Gender-Perspektive sowie intersektionale Ansätze im auswärtigen Handeln der chilenischen Regierung zu verankern.101 Im Zuge seines Amtsantritts am 11. März 2022 nannte Boric seine Regierung explizit feministisch, besetzte sein Kabinett mit vierzehn Frauen und zehn Männern102 und nahm zum ersten Mal in der Geschichte des Landes das Ministerium für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit in das politische Komitee auf, das die wichtigsten Ministerien vereint.103 Kurz darauf, am 22. März 2022, kündigte seine erste Außenministerin Antonia Urrejola (2022/23) die Ausarbeitung einer FAP-Strategie an: In ihrer Rede auf einer Veranstaltung des deutsch-lateinamerikanischen Frauennetzwerks Unidas in Berlin erklärte sie, die FAP würde zu einem innovativen Kennzeichen der chilenischen Diplomatie werden und Chiles Einsatz für Menschenrechte widerspiegeln.104 Im Rahmen eines offiziellen Besuchs in Madrid unterzeichneten Urrejola und ihr spanischer Amtskollege José Manuel Albares, dessen Land sich 2021 zu einer FAP verpflichtet hatte, am 1. Juli 2022 eine Kooperationsvereinbarung in dem Bereich.105
Am 12. Juni 2023 stellten Außenminister Alberto van Klaveren (seit 2023 im Amt), die Staatssekretärin für Außenbeziehungen Gloria de la Fuente González und die Staatssekretärin für Internationale Wirtschaftsbeziehungen Claudia Sanhueza Riveros in der Hauptstadt Santiago die chilenische FAP-Strategie vor. Damit war Chile das zweite Land in Lateinamerika, das sich offiziell zu einer FAP bekannte. Zum 8. März 2024 folgte anlässlich des Internationalen Frauentags die Präsentation des ersten FAP-Aktionsplans (2024/25).106 Das chilenische Außenministerium deutet FAP nicht als Wandel seines auswärtigen Handelns, sondern als Fortsetzung des bisherigen politischen Kurses: Die Übernahme des feministischen Ansatzes bekräftige Chiles internationales Engagement der letzten Jahrzehnte für die Menschenrechte.107 Die chilenische FAP wurde im Rahmen eines partizipativen Prozesses entwickelt, bestehend aus Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit Wissenschaftler:innen, Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und des Außenministeriums.108 Das Ministerium überprüfte zudem die bereits vorhandenen Verpflichtungen, Initiativen und Instrumente im Gender-Bereich, um seine FAP daran anzuknüpfen.109
Die rechtlich-politische Verankerung
Chile verfügt seit 2023 über eine detaillierte FAP-Strategie, die in einem 56-seitigen Dokument110 ausgearbeitet ist, sowie einen FAP-Aktionsplan für den Zeitraum 2024/25.111 Es gibt zwar kein spezifisches Gesetz oder Dekret,112 das die Verfolgung einer FAP explizit vorschreibt. Bereits seit dem 17. März 2020 – und damit noch vor Einführung der FAP – sieht allerdings das Dekret 41 über die interne Organisation des Teilressorts für Außenbeziehungen vor, dass das Generalsekretariat für Außenpolitik dem Staatssekretär bzw. der Staatssekretärin für Außenbeziehungen Vorschläge zur »Einbeziehung der Geschlechterpolitik als integralen Bestandteil der Außenpolitik Chiles« unterbreitet. Mit Dekret 207 vom 27. August 2025, das Dekret 41 änderte, wurde im Teilressort für Außenbeziehungen zudem ein Referat für Gender-Fragen geschaffen, das noch im selben Monat die Aufgaben eines bestehenden Übergangsteams übernahm.113 Diese umfassen die Integration der FAP-Vision in die außenpolitische Strategie und die Koordination der entsprechenden Maßnahmen.114
In der FAP-Strategie ist ebenfalls vorgesehen, dass das Referat für Gender-Fragen zwecks ressortübergreifender Koordination in das Netzwerk von Gender-Beraterinnen der einzelnen Ministerien aufgenommen werden soll. Auch enthält sie das Vorhaben, im Außenministerium sowie den Auslandsvertretungen, Botschaften und Konsulaten ein Netzwerk von Gender Focal Points aufzubauen, das die Verbreitung, Koordinierung und Umsetzung der FAP zum Ziel hat.115 Informationen des Ministeriums zufolge wurde ein solches allerdings erst im Oktober 2025 eingerichtet. In den zwei Teilressorts Außenbeziehungen und Außenwirtschaft wurde jeweils eine Gender-Arbeitsgruppe etabliert. Zusätzlich soll in allen dem Ministerium unterstellten Einrichtungen, etwa der chilenischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (Agencia Chilena de Cooperación Internacional para el Desarrollo, AGCID), die Stelle einer oder eines Gender-Beauftragten institutionalisiert werden.116
Die AGCID ist eine funktionell dezentralisierte, seit 2005 dem Außenministerium unterstellte Behörde mit dem Auftrag, Maßnahmen im Einklang mit dessen Leitlinien im Bereich der erhaltenen und vergebenen Mittel für EZ durchzuführen. Dazu gehört die FAP, die in der AGCID-Strategie 2023–2026 als eines der vier Querschnittsthemen des Außenministeriums zitiert wird.117 Von ihnen leitet die AGCID vier Leitprinzipien für ihre Arbeit ab, eines davon lautet: Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit. Zugleich wird in der Strategie eine Reihe von thematischen Schwerpunkten festgelegt, darunter die Bekämpfung sozialer Ungleichheiten und Diskriminierungen, Geschlechtergerechtigkeit und das Empowerment von Frauen sowie Menschenrechte und Demokratieförderung.118 AGCID-Geschäftsführer Enrique O’Farrill vertritt öffentlich die Ansicht, dass die Berücksichtigung unterschiedlicher Bedürfnisse von Frauen und Männern in EZ-Initiativen unerlässlich ist, soll deren Wirksamkeit gesteigert werden.119
In der FAP-Strategie wird die Einführung eines »gender-sensiblen Budgets für Mainstreaming« angekündigt. Weder der FAP-Aktionsplan noch der FAP-Umsetzungsbericht 2025 enthalten jedoch Verweise auf entsprechende Etats. Mittel für einzelne Initiativen sind im FAP-Aktionsplan ebenso wenig zu finden – mit Ausnahme des Projekts »Ellas+«, für das die spanische Regierung 300.000 Euro zur Verfügung gestellt hat.120 Im FAP-Umsetzungsbericht werden einige finanzielle Ressourcen auf Projektebene erwähnt. So hätten 2023 zehn von 95 Projekten der chilenischen diplomatischen Vertretungen Gender-Komponenten enthalten; die Ausgaben dafür beliefen sich aber lediglich auf 28.667 US-Dollar. Weiter werden für 28 Projekte im Jahr 2024 FAP-Komponenten angegeben, ohne dass ein entsprechendes Budget genannt wird.121 In der Einleitung des FAP-Aktionsplans wird dieser als Leitfaden und Mechanismus für das Monitoring beschrieben. Zumindest in der veröffentlichten Version fehlen Timelines, Verantwortlichkeiten und Felder zur Eintragung bereits erfolgter Maßnahmen.122 Der detailreiche FAP-Umsetzungsbericht von 2025, der auf seinen 97 Seiten Grafiken und Auswertungen enthält,123 legt hingegen eine solide Dokumentierung und ein hohes Maß an Transparenz nahe.
Das Konzept
Das chilenische Außenministerium definiert die FAP als »ein im Aufbau befindliches Paradigma, das darauf zielt, die Art und Weise zu verändern, wie die globale und regionale Agenda konstruiert und angegangen wird und wie die Macht unter den Akteuren verteilt ist«.124 Dies zeugt von einem ambitionierten, transformativen Anspruch. Die FAP wird als partizipativ, inklusiv, transversal, intersektional und auf dem Menschenrechtsansatz beruhend beschrieben und soll den Grundsatz der Gleichheit und Nichtdiskriminierung als Leitprinzip der chilenischen Außenpolitik etablieren.125 Sie betone, so heißt es im FAP-Aktionsplan, die institutionelle Vision, dass Gleichstellung auf internationaler Ebene zur Stabilisierung von Gesellschaften, Festigung demokratischer Werte und integrativen Volkswirtschaften führt.126 In ihrem Vorwort zur FAP-Strategie schreibt Staatssekretärin de la Fuente, FAP bekräftige und vertiefe »das Engagement Chiles für die Förderung der Demokratie und die Achtung der Menschenrechte, die auch zu den Grundsätzen unserer Außenpolitik gehören«.127 Damit wird FAP normativ mit den Prinzipien der inneren Verfasstheit Chiles in Zusammenhang gebracht.
Bei dem Thema »Handel und Gender« sah sich Chile bereits vor der Einführung von FAP in einer Vorreiterrolle.
Das chilenische Außenministerium rückt darüber hinaus das Thema »Handel und Gender« in den Mittelpunkt. Dabei sah sich das Land bereits vor der Einführung von FAP in einer Vorreiterrolle.128 Die forcierte Einbindung von Frauen in den internationalen Handel soll deren wirtschaftlicher Autonomie zugutekommen, die Geschlechtergerechtigkeit ausbauen und für wirtschaftliches Wachstum sorgen.129
In der chilenischen EZ wird laut der AGCID-Strategie 2023–2026 im Einklang mit FAP ein zweigleisiger Ansatz für den Bereich Gender verfolgt: Einerseits werden gezielt Initiativen in Schlüsselbereichen für Gleichstellung umgesetzt, andererseits findet in den Maßnahmen der EZ systematisch Gender-Mainstreaming statt.130
Die acht prioritären Themenfelder, die in der FAP-Strategie definiert sind, deren Reihenfolge aber keine Hierarchisierung darstellt, verdeutlichen den umfassenden Anspruch des Ansatzes: Erstens wird die Förderung von Menschenrechten und Demokratie mit Fokus auf Geschlechtergleichstellung hervorgehoben. Zweitens beinhaltet die FAP die Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt, die als eine der größten Bedrohungen für Frieden und Entwicklung bezeichnet wird. Im Vordergrund steht, drittens, das Empowerment von Frauen, die künftig insbesondere in relevanten außenpolitischen Entscheidungsprozessen und an der Spitze von Botschaften in höherer Zahl vertreten sein sollen. Viertens werden die WPS-Agenda und das Vorhaben aufgegriffen, einen entsprechenden aktuellen NAP zu erstellen. Fünftens wird die Relevanz von Gender für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen betont. Sechstens werden Klimawandel und Gender sowie, siebtens, die digitale Agenda, Wissenschaft, Technologie und Innovation genannt. Die FAP-Strategie hebt, achtens, den Aufbau eines ganzheitlichen Care-Systems hervor, insbesondere im Rahmen regionaler Debatten und Konferenzen.131
Entsprechend dem Anspruch, einen inklusiven und intersektionalen Ansatz zu verfolgen, zielt die FAP-Strategie ausdrücklich auf Frauen und Mädchen in ihrer ganzen Diversität. Darüber hinaus finden punktuell LGBTIQA+-Personen132 und – im Kontext internationaler Wirtschaftsbeziehungen – indigene Völker133 Erwähnung. Diese Fokussierung findet sich in ähnlicher Weise im FAP-Aktionsplan, in dem von besonderen Schutzgruppen im Bereich der Menschenrechte die Rede ist. Zu LGBTIQA+134 sowie einem Projekt zur Jugendförderung135 gibt es eigene Passagen, während die Belange indigener Völker nicht aufgegriffen werden. Der FAP-Umsetzungsbericht von 2025 hingegen geht differenzierter auf Trans- und Intersexpersonen ein und behandelt die Rechte indigener Frauen, allerdings schwerpunktmäßig vor dem Hintergrund der Handelspolitik.136
Maßnahmen und Aktivitäten
Der ausführliche Umsetzungsbericht vom März 2025 zum chilenischen FAP-Aktionsplan verdeutlicht die Bandbreite der bereits ergriffenen Maßnahmen.
Dass das chilenische Außenministerium intern wichtige Schritte hin zu Geschlechtergerechtigkeit unternommen hat, zeigt die Auszeichnung seines Teilressorts für Außenbeziehungen mit dem UNDP Gender Equality Seal. Dabei handelt es sich um ein globales Zertifizierungsprogramm für private und öffentliche Institutionen, das unter anderem Maßnahmen zur Beseitigung von Unterschieden zwischen dem Lohn von Männern und jenem von Frauen, zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen sowie zur Bekämpfung sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bewertet.137 Das genannte Teilressort erfüllte die Anforderungen zu 92,5 Prozent und erhielt somit das Siegel in Gold.138
Der Umsetzungsbericht gibt, entsprechend der Schwerpunktsetzung der FAP Chiles, auch Aufschluss über Fortschritte im Bereich Gender und internationaler Handel. Seit Einführung der FAP wurden Gender-Kapitel in Handelsabkommen mit Mexiko, Paraguay und Saudi-Arabien (alle 2024) sowie mit der EU und Singapur bzw. der Pazifikallianz (alle 2025) integriert.139 Ebenso wurden Maßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen in Frauenhand ergriffen. Deren Anteil an den chilenischen Exportunternehmen sei zwischen 2021 und 2024 kontinuierlich auf 29,7 Prozent gestiegen.140
Die Zahl der EZ-Projekte mit Gender-Bezug unter der Ägide der AGCID erhöhte sich von 26 im Jahr 2023 auf 34 im Jahr 2024.141 Bei der Vergabe von Stipendien zu Ausbildungs- und Spezialisierungszwecken wurde ebenfalls auf die Gender-Dimension geachtet. Im Jahr 2024 gingen 55 Prozent der Stipendien an Frauen.142
Die Gender-Agenda wird in politische Dialoge, insbesondere mit Europa, einbezogen.
Bilaterale Abkommen zu Gender-Themen hat Chile mit Spanien, Frankreich, den USA, Mexiko, Brasilien, Kolumbien und zuletzt Norwegen unterzeichnet.143 Mit Deutschland, Kanada und Australien schloss es strategische Abkommen in den Bereichen Nachhaltigkeit und technologische Innovation, in denen die Gleichstellung der Geschlechter Berücksichtigung findet. Zudem wird die Gender-Agenda in politische Dialoge, insbesondere mit Europa, einbezogen. So wurde etwa während des Staatsbesuchs von Boric und van Klaveren in Frankreich im Juli 2023 die Absicht der beiden Länder erklärt, Frauen in Führungspositionen stärker als bisher in gemeinsame wissenschaftliche Projekte und die bilaterale Klimaagenda einzubinden.144 Im Rahmen der Süd-Süd-Kooperation unterstützte Chile Costa Rica durch Wissenstransfer bei der Ausarbeitung eines NAP.145
Auf multilateraler Ebene engagierte sich Chile insbesondere in der OAS. So brachte es etwa mehrere Abschnitte zu Geschlechterparität und zum Ausbau des Überprüfungsmechanismus MESECVI in die Resolution »Förderung und Schutz der Menschenrechte« ein, die auf der 54. OAS-Generalversammlung im Juni 2024 verabschiedet wurde. Im Rahmen der Vereinten Nationen präsentierte Chile im Juli 2023 gemeinsam mit Spanien und weiteren Staaten die Resolution A/77/L.81, um den 29. Oktober zum »Internationalen Tag der Pflege und Betreuung« zu erklären. Die chilenische Regierung bemühte sich außerdem um eine geschlechterparitätische Vertretung ihres Landes in internationalen Organisationen. Von den fünf erfolgreichen Kandidaturen in den Jahren 2023 und 2024 entfielen drei auf Frauen. Zu den überregionalen Foren, in denen sich Chile engagiert, gehört die Women, Peace and Security Impact Group, die sich der Vertiefung und Förderung der WPS-Agenda widmet.
Kolumbien
Der Weg zur feministischen Außenpolitik
Artikel 13 der kolumbianischen Verfassung von 1991 enthält das Gleichheitsgebot. Demnach haben alle Personen die gleichen Rechte, Freiheiten und Chancen, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer »Rasse« (raza), nationalen oder familiären Herkunft, Sprache, Religion, politischen oder philosophischen Überzeugung. Zugleich ist in diesem Artikel die Verantwortung des Staates festgeschrieben, die Voraussetzungen für Gleichheit zu schaffen und gezielte Maßnahmen zugunsten diskriminierter oder marginalisierter Personengruppen zu ergreifen.146
Diese Grundsätze wurden durch eine Reihe von Gesetzen immer weiter konkretisiert. So legt beispielsweise das Gesetz 823 von 2003 den institutionellen Rahmen dafür fest, dass die Politik und die Maßnahmen der Regierung entsprechend im Gesetz dargelegter Normen die Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen im öffentlichen und privaten Bereich gewährleisten.147 Damit wurde in Kolumbien die Vorgabe eingeführt, bei staatlichem Handeln stets die Gender-Perspektive zu berücksichtigen.
Auch in den Nationalen Entwicklungsplänen Kolumbiens fanden sich bereits vor der Einführung einer FAP zentrale Bezüge zu Chancengleichheit und Frauenrechten. Die Thematik erhielt im Entwicklungsplan 2018–2022 mit dem gesonderten Kapitel »Pakt für die Gleichstellung der Frauen« einen besonderen Stellenwert.148 Ins Auge gefasst wurde mit dem Sistema Nacional de las Mujeres ein Mechanismus, der die Umsetzung und Koordination von Politiken zur Gleichstellung der Geschlechter auf nationaler Ebene sicherstellen sollte. 2019 wurde er eingerichtet.149
Am 19. Juni 2022 wurde Gustavo Petro, Kandidat der Partei Colombia Humana (Menschliches Kolumbien) sowie des Bündnisses Pacto Histórico (Historischer Pakt), zum Präsidenten gewählt. Er ist das erste linke Staatsoberhaupt in der Geschichte Kolumbiens, seine Vizepräsidentin Francia Márquez ist die erste Afrokolumbianerin in dieser Position. Das Wahlprogramm Petro–Márquez für die Jahre 2022 bis 2026 enthielt zwar keinen Verweis auf eine FAP, aber ein Kapitel mit der Überschrift »Der Wandel erfolgt mit den Frauen«. Darin wird die Bedeutung der Partizipation und Repräsentation von Frauen, der Gender-Perspektive, der Geschlechterparität auf höchster politischer Ebene, der wirtschaftlichen Rolle von Frauen und ihrer ökonomischen Autonomie, ihrer sexuellen und reproduktiven Rechte, der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sowie ihres Beitrags zur Friedensförderung hervorgehoben.150
Im Einklang damit besetzte Petro sein Kabinett nach dem Prinzip der Geschlechterparität (zehn Frauen und neun Männer) und hielt dies trotz zahlreicher Umstrukturierungen weitestgehend ein. Der Präsident gab zudem an, er achte bei seiner Personalpolitik auf ethnische Diversität. Die Wechsel betrafen unter anderem das Außenministerium, das seit 2022 nacheinander von Álvaro Leyva (2022–2024), Luis Murillo (ab Februar 2024) und Laura Sarabia (ab Januar 2025) geleitet wurde. Im Juli 2025 übernahm Rosa Yolanda Villavicencio das Amt.
Am Rande der UNGA-Sitzungen des Jahres 2022 kündigte Petro am 20. September in einem offiziellen Gespräch mit Sima Bahous, der Exekutivdirektorin von UN Women, die Einführung einer FAP für Kolumbien an. Zugleich erklärte er, dass seine Regierung Konsultationen mit verschiedenen Frauenbewegungen durchführen werde, um einen NAP zur Umsetzung der UNSCR 1325 zu erarbeiten.151 Obwohl Fragen von Frieden und Sicherheit das Land aufgrund eines bewaffneten Konflikts seit Jahrzehnten prägen, verfügte Kolumbien bisher über keinen NAP. Am 5. Oktober 2022 kündigte die damalige Vizeaußenministerin für multilaterale Angelegenheiten Laura Gil (2022/23) in ihrer Rede vor der OAS-Generalversammlung ebenfalls die Entwicklung einer FAP an. Sie betonte dabei, dass sich diese ausdrücklich auf Frauen in all ihrer Diversität beziehen werde, und hob die zentrale Bedeutung der Förderung von Frauen- und LGBTI-Rechten für die Verwirklichung eines »totalen Friedens« hervor.152
Das Ministerium trägt weder »Frauen« noch »Gleichstellung« im Namen und ist thematisch breiter aufgestellt als üblich.
Wie im Wahlprogramm vorgesehen, wurde im Januar 2023 darüber hinaus das Ministerium für Gleichheit und Gerechtigkeit eingerichtet, das fünf Unterministerien für verschiedene Zielgruppen umfasst: für Frauen, für Jugend, für marginalisierte Bevölkerungen und Gebiete und die Überwindung der Armut, für Diversität, für ethnische und bäuerliche Gruppen.153 Es löste im April 2024 die bis dahin bestehende Präsidialberatung für die Gleichstellung der Frau ab.154 Im internationalen Vergleich fällt auf, dass das Ministerium weder »Frauen« noch »Gleichstellung« im Namen trägt und thematisch breiter aufgestellt ist als üblich. So ist es mit der Beseitigung ökonomischer, politischer und sozialer Ungleichheiten beauftragt, und zwar auf der Grundlage rechtsbasierter, geschlechtsspezifischer, rassismuskritischer, intersektionaler Ansätze und solcher, die auf ausgleichende Gerechtigkeit zielen. Márquez leitete das Ministerium neben ihrer Rolle als Vizepräsidentin bis zum Februar 2025, als ihr der Aufgabenbereich im Rahmen einer Neustrukturierung des Kabinetts entzogen wurde.155
Fragen der Ausgestaltung der kolumbianischen FAP wurden unter anderem von Juni bis Dezember 2023 im Rahmen eines partizipativen Prozesses behandelt. An den mehr als 20 Treffen waren 18 zivilgesellschaftliche Frauen- und LGBTIQ+-Organisationen, ein Kollektiv von Wissenschaftlerinnen, verschiedene Einheiten des Außenministeriums sowie die Präsidialagentur für internationale Zusammenarbeit (Agencia Presidencial de Cooperación Internacional, APC), die Migrationsbehörde und die Nationale Planungsstelle (Departamento Nacional de Planeación, DNP) beteiligt. Entworfen wurden ein gemeinsamer Arbeitsplan mit thematischen Schwerpunkten und Einzelmaßnahmen sowie ein Mechanismus für die weitere Partizipation.156
Die ausgearbeitete FAP Kolumbiens wurde erneut vor einem internationalen Forum vorgestellt. Diana Parra, Beraterin für Gender-Angelegenheiten und Feministische Außenpolitik in Kolumbien, erläuterte das Konzept und den FAP-Aktionsplan am 15. März 2024 in einer Parallelveranstaltung zur 68. Sitzungsperiode der CSW.157
Der erste NAP Kolumbiens zur Umsetzung der UNSCR 1325 wurde im November 2024 von der Vizepräsidentin und damaligen Ministerin für Gleichheit Márquez vorgestellt und per Dekret des Präsidenten ein Jahr später rechtlich verankert.158 Er gilt für den Zeitraum 2024 bis 2034, verfolgt einen intersektionalen Ansatz und legt besonderes Gewicht auf die Themen Wahrheitsfindung, Gerechtigkeit, Reparation und Unterstützung für weibliche Opfer des bewaffneten Konflikts.159 Somit ist der NAP vergleichsweise stark innenpolitisch ausgerichtet.
Die rechtlich-politische Verankerung
Der im Mai 2023 per Gesetz verabschiedete Nationale Entwicklungsplan 2022–2026 mit dem Titel »Kolumbien, Weltmacht für das Leben«160 enthält in Absatz 4 die Ankündigung, dass die Regierung unter Federführung des Außenministeriums eine »Außenpolitik mit Gender-Perspektive« als Staatspolitik formulieren und umsetzen werde.161 Auch die FAP wurde per Dekret rechtlich verankert. Den entsprechenden Entwurf veröffentlichte die Regierung im November 2024 und stellte ihn für zwei Wochen über das staatliche Online-Beteiligungssystem SUCOP (Sistema Único de Consulta Pública) zur öffentlichen Konsultation bereit. Am 24. Juni 2025, dem Internationalen Tag der Frauen in der Diplomatie, wurde das Dekret, das zugleich den FAP-Aktionsplan für den Zeitraum 2024 bis 2029 enthält, von der damaligen Außenministerin Sarabia unterzeichnet.162
Die Zuständigkeiten im Bereich der FAP sind auf mehrere Ressorts verteilt. Die zentrale, koordinierende Rolle übernimmt das Außenministerium. Darüber hinaus sind das Ministerium für Gleichheit und Gerechtigkeit, das Verkehrsministerium, das Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie die Nationale Planungsstelle eingebunden.163 Im Februar 2024 richtete das Außenministerium eine Arbeitsgruppe zu FAP und Geschlechterfragen ein und schuf zwei neue Stellen: die einer Referentin und die einer Sonderbotschafterin (Embajadora Itinerante) für Gender-Fragen und Feministische Außenpolitik, die jeweils mit Diana Parra und Arlene B. Tickner besetzt wurden.164 Zudem gibt es Gender Focal Points in den verschiedenen Bereichen des Außenministeriums.165
Für die Steuerung der international erhaltenen und vergebenen EZ-Mittel ist die APC Colombia zuständig.166 Diese Präsidialagentur wird zwar nicht im FAP-Aktionsplan erwähnt, allerdings schließt das dem Dekret angehängte FAP-Dokument die EZ als Handlungsfeld explizit ein.167 In der APC-Strategie für die Jahre 2023 bis 2026 wird zudem die feministische EZ als zugrundeliegender Ansatz genannt und in einem eigenständigen Kapitel behandelt.168
Auch zur Finanzierung sind im FAP-Aktionsplan keine Informationen zu finden. In dem FAP-Dokument, das dem Dekret angehängt ist, wird jedoch festgelegt, dass die Ressourcen für FAP durch jene Ressorts und Bereiche bereitgestellt werden sollen, denen Maßnahmen des FAP-Aktionsplans zugeordnet sind.169 Darüber hinaus wurden für ein FAP-Investitionsprojekt, das den Zeitraum 2024 bis 2026 abdeckt, Mittel in Höhe von 3.000 Millionen kolumbianischen Pesos (zum Zeitpunkt der Bewilligung knapp 700.000 Euro) genehmigt.170 Das Geld soll der Bereitstellung außenpolitischer Instrumente zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit sowie dem Ausbau einer institutionellen Kultur im Außenministerium dienen, in der die Gleichstellung verankert ist.171 Allerdings bleibt unklar, in welchem Verhältnis das Investitionsprojekt zum FAP-Aktionsplan steht, da die entsprechenden Dokumente nicht aufeinander Bezug nehmen.
Laut dem FAP-Dekret und den dazugehörigen Dokumenten liegt die Verantwortung für das Monitoring und die Berichterstattung über die FAP beim Außenministerium, das dabei mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten soll.172 Konkret ist ein Partizipationsmechanismus für Frauenorganisationen und LGBTIQ+-Gruppen vorgesehen, dem jährlich Berichte über den Stand der Umsetzung des Aktionsplans vorzulegen sind.173
Das Konzept
Im Nationalen Entwicklungsplan ist zwar – nur – von einer »Außenpolitik mit einem Gender-Ansatz« (política exterior con enfoque de género) die Rede, und die Begriffe »feministisch« und »Frauenrechte« tauchen nicht auf, was auf eine schwache normative Ausrichtung hindeuten könnte.174 Im entsprechenden Dekret werden aber die FAP und »Außenpolitik mit einem Gender-Ansatz« explizit als Synonyme behandelt. Auch wird auf den transformativen Charakter des Ansatzes verwiesen.175
Der kolumbianische Ansatz wird auf die Formel »pazifistisch + partizipativ + intersektional = transformativ« gebracht.
Das Außenministerium definiert die FAP als »Mechanismus, der eine Reihe von Prinzipien und Werkzeugen enthält, welche die Außenpolitik des Staates ausrichten, um soziale Normen und Praktiken, die geschlechtsspezifische Ungleichheiten reproduzieren, anzuerkennen, zu reduzieren und zu transformieren«.176 Der kolumbianische Ansatz wird auf die Formel »pazifistisch + partizipativ + intersektional = transformativ« gebracht. Im Verständnis des Außenministeriums ergibt sich der transformative Anspruch des Ansatzes aus der Kombination der drei Prinzipien.177
Drei konkrete Ziele der FAP werden expliziert: Die Gender-Perspektive soll als grundlegendes Instrument der Außenpolitik anerkannt werden, Diplomatie und EZ sollen ihre Bestrebungen darauf ausrichten, die Rechte von Frauen in ihrer Vielfalt und von LGBTIQ+-Personen zu fördern, und Organisationen dieser Gruppen sollen unterstützt werden, damit sie wiederum Einfluss auf die Außenpolitik nehmen können.178 Die kolumbianische Regierung betrachtet FAP zudem als Strategie, um international an Ansehen zu gewinnen, insbesondere in den Bereichen Gender-Agenda, Frauen- und LGBTIQ+-Rechte sowie regionale und globale Friedensförderung.179
Auch in der Strategie der APC Colombia wird die feministische Perspektive als zentral erachtet. Die Präsidialagentur bezeichnet sie als wesentlich für das Bemühen, die Effektivität der internationalen Zusammenarbeit bei der Beseitigung von Ungleichheiten zu steigern.180 Der feministische Ansatz wird somit sowohl normativ als Bestandteil des Menschenrechtsansatzes als auch instrumentell mit Blick auf Effektivitätssteigerung begründet.
Die kolumbianische FAP ist mit einem klaren Bekenntnis zu Pazifismus verknüpft. In offiziellen Dokumenten wird die bedeutende Rolle von Frauen und LGBTIQ+-Personen für das Streben nach Herbeiführung eines »totalen Friedens« im In- und Ausland hervorgehoben.181 Auch die WPS-Agenda spielt in der FAP Kolumbiens eine entscheidende Rolle. Diese Priorisierung spiegelt den politischen und historischen Kontext des Landes wider.
Das FAP-Konzept basiert auf fünf im Dekret verankerten thematischen Säulen. Erstens: soziale Gerechtigkeit, die als globales Engagement für Gleichheit und menschliche Sicherheit definiert wird. Zweitens: Umweltgerechtigkeit, bezogen auf Erleichterung des Zugangs von Individuen und Gruppen zu Mechanismen und Instrumenten zum Schutz ihrer Umweltrechte. Drittens: die Agenda des »totalen Friedens«, die auf einen dauerhaften und inklusiven Frieden zielt, Opferrechte auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung in den Mittelpunkt stellt und die Rolle von Frauen und LGBTIQ+-Personen in Friedensprozessen betont. Viertens: internationale Förderung eines gleichberechtigten Zugangs zu Bildung, Wissenschaft und Kultur. Fünftens: institutionelle Reformierung und Aufwertung des Sektors der Außenbeziehungen als strukturelle Voraussetzung für die Umsetzung der anderen vier Themenbereiche. Dazu zählen die konsequente Umsetzung von Gender-Mainstreaming im staatlichen Planungs- und Steuerungsmodell, institutionelle Anpassungen zwecks Gleichstellung der Geschlechter sowie ein Kulturwandel hin zu einem diskriminierungs- und gewaltfreien Arbeitsumfeld.182 Diese thematischen Schwerpunkte finden sich größtenteils auch im Kapitel zur feministischen EZ in der APC-Strategie: Hier werden Klimaschutz und Umweltgerechtigkeit, inklusive und sozial gerechte Entwicklung sowie der »totale Frieden« genannt.183
Im kolumbianischen FAP-Ansatz sind Diversität und intersektionale Anliegen sehr präsent. Im FAP-Dekret und weiteren offiziellen Dokumenten wird nahezu durchgehend die Formulierung »Frauen in ihrer Verschiedenheit und Vielfalt sowie LGBTIQ+-Personen« verwendet. Das im Dekret ausgeführte Prinzip der Intersektionalität berücksichtigt sich überschneidende Identitätsdimensionen wie Geschlecht, Ethnie (etnia, raza), Alter, Lebensphase, sexuelle Orientierung, Behinderung, sozioökonomische Lage, Herkunft etc.184 Darüber hinaus werden durch die im FAP-Aktionsplan vorgesehenen Maßnahmen spezifische Personengruppen ins Auge gefasst, etwa junge Menschen, die weibliche Landbevölkerung, Schwangere in Grenzregionen, obdachlose Kinder, afrokolumbianische Frauen bzw. die »Comunidad Negra, Afrodescendiente, Raizal y Palenquera«.185 Auch die feministische EZ Kolumbiens verfolgt intersektionale Ansätze. Laut APC-Strategie soll sie dabei neben Geschlecht, Alter, Ethnie und Behinderung dezidiert Opfer des bewaffneten Konflikts, ehemalige Kombattant:innen sowie Menschenrechts- und Umweltaktivist:innen berücksichtigen.186
Maßnahmen und Aktivitäten
Da die kolumbianische FAP trotz der Ankündigung im Jahr 2022 erst im März 2024 effektiv eingeführt wurde, befindet sich deren Umsetzung noch in einem frühen Stadium. Über die Implementierung des FAP-Aktionsplans gibt es noch keine Informationen. Bislang liegt lediglich ein Bericht über das FAP-Investitionsprojekt vor. Dieser weist zum 31. Dezember 2024 eine Umsetzung von 88,75 Prozent der geplanten Aktivitäten aus.187
Auf Ressortebene fand beispielsweise eine Datenerhebung zu diskriminierenden Denk- und Verhaltensweisen im Außenministerium statt. Diese ist Teil eines Projekts zum Kulturwandel, das gemeinsam mit Kanada, das sich schon 2017 zur FAP verpflichtet hat, durchgeführt wird.188 Ebenfalls mit Unterstützung Kanadas fand im Mai 2025 ein Workshop zum Ausbau fachlicher Kapazitäten zwecks FAP-Implementierung im kolumbianischen Außenministerium statt.189 Darüber hinaus forderte das Ministerium seine Mitarbeitenden auf, die Online-Kurse »I Know Gender« von UN Women zu absolvieren,190 und führte im November 2024 ein Protokoll zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt und Versorgung der Opfer ein.191
Bilateral wurden im Jahr 2024 mehrere Vereinbarungen geschlossen, die im Einklang mit FAP stehen. Im Februar kam es zur Unterzeichnung eines MoU mit dem US-Außenministerium über die Einrichtung eines gemeinsamen Kompetenzzentrums für Frauen, Frieden und Sicherheit – des ersten seiner Art – in LAK. Allerdings ist unklar, ob das Vorhaben nach dem Regierungswechsel in den USA und angesichts der Spannungen zwischen den Präsidenten Trump und Petro fortgesetzt wird. Frankreich und Kolumbien signierten im Juli eine Absichtserklärung mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch im Bereich der FAP zu fördern.192
Im Bereich der EZ zeigt sich ein Fokus auf die Süd-Süd-Kooperation, insbesondere mit afrikanischen Ländern. So arbeitet Kolumbien seit 2023 mit Kenia an Gleichstellungsthemen. Es gibt beispielsweise ein Projekt zum Wissensaustausch über Prävention, Ermittlung und strafrechtliche Verfolgung geschlechtsspezifischer Gewalt, an dem auf kolumbianischer Seite die APC Colombia, das Außen- und das Justizministerium, das Ministerium für Gleichheit und Gerechtigkeit sowie das Büro der Vizepräsidentin beteiligt sind.193 Im Rahmen von Márquez’ offizieller Reise nach Äthiopien, Mosambik, Madagaskar und Nigeria im August 2025 wurden gemeinsame Initiativen zum wirtschaftlichen Empowerment von Frauen beschlossen.194
Nicht nur die WPS-Agenda brachte Kolumbien voran, sondern auch die Youth, Peace and Security Agenda (UNSCR 2250).
Was die multilaterale Ebene anbelangt, übernahm Kolumbien im Januar 2024 den Vorsitz in der Allianz zur Prävention sexueller Gewalt in Konflikten, der derzeit 19 Staaten, fünf zivilgesellschaftliche Organisationen, UN Women und der Internationale Strafgerichtshof angehören. In dieser Rolle organisierte Kolumbien eine Konferenz zu opferzentrierten Ansätzen im Friedensaufbau.195 Nicht nur die WPS-Agenda brachte Kolumbien voran, sondern auch die Youth, Peace and Security Agenda (UNSCR 2250); im Mai 2025 wurde mit der Ausarbeitung des entsprechenden NAP begonnen.196 Im Dezember 2024 übernahm Kolumbien gemeinsam mit Spanien, das ebenfalls eine FAP verfolgt, den auf zwei Jahre terminierten Vorsitz der Equal Rights Coalition, einer intergouvernementalen Organisation zum Schutz der Rechte von LGBTI-Personen. Kolumbien nutzte außerdem weitere internationale Foren, um feministischer Politik Gehör zu verschaffen: Referentin Parra präsentierte Kolumbiens FAP im Oktober 2024 auf der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt (COP 16) in Cali,197 und im Rahmen des XV. Menschenrechtsdialogs mit der EU setzte sich die kolumbianische Delegation besonders für die Rechte von Frauen, LGBTIQ+-Personen und indigenen Völkern ein.198
Gemeinsame Initiativen
Seit der Einführung ihrer jeweiligen FAP beteiligen sich Mexiko, Chile und Kolumbien mit neuen Impulsen an gemeinsamen bzw. größeren multilateralen Initiativen, die im Einklang mit einem feministischen Ansatz stehen.
Besonders systematisch ist der Austausch zwischen diesen drei Ländern im Rahmen des Kooperationsprojektes Strengthening Feminist Foreign Policy and International Feminist Cooperation (CoPEF), das 2024 im Rahmen der VII. Regional Conference on Trilateral Cooperation with Latin America and the Caribbean vorgestellt wurde. Das vom Dreieckskooperationsfonds des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte und von der GIZ durchgeführte Projekt versteht sich als Praxisgemeinschaft von ECLAC, Chile, Mexiko, Kolumbien und Deutschland. Das Ziel ist Kapazitätsausbau in den Außenministerien und EZ-Agenturen hinsichtlich der Konzeption und Umsetzung von FAP.199 Im EZ-Bereich betreiben Mexiko und Chile schon seit 2006 einen gemeinsamen Kooperationsfonds (Fondo Conjunto de Cooperación México – Chile), dessen Gender-Perspektive 2021 dadurch an Bedeutung gewann, dass Gender zu einem eigenständigen Themenbereich für Projektförderungen erhoben wurde.200
Im Rahmen des VIII. Gipfeltreffens der CELAC, das Anfang März 2025 in Kingstown (St. Vincent und die Grenadinen) stattfand, legten Chile, Mexiko und Kolumbien eine Erklärung zur FAP vor. Bolivien, Brasilien, Ecuador und die Dominikanische Republik schlossen sich dieser Erklärung an. Darin wird in fünf Punkten eine Reihe von Verpflichtungen zur Umsetzung eines feministischen Ansatzes bzw. einer Gender-Agenda in der Außenpolitik zusammengefasst.201 Anfang Juli 2024 richtete Mexiko die III. Ministerialkonferenz zur FAP unter dem Titel »Lösungen für eine bessere Zukunft« aus, organisiert vom mexikanischen Außenministerium, INMUJERES und UN Women. Die Abschlusserklärung202 wurde von rund zwanzig Staaten – darunter neben Mexiko Chile und Kolumbien – unterzeichnet. Ebenfalls in Mexiko-City tagte die XVI. Regionalkonferenz über Frauen, auf der die Vereinbarung von Tlatelolco beschlossen wurde. Diese berücksichtigt FAP als Mittel zur Umsetzung des Gender-Mainstreamings in der auswärtigen Politik.203
Am 13. November 2025 wurde zudem im Rahmen des IV. Gipfeltreffens zwischen CELAC und der EU im kolumbianischen Santa Marta ein bi-regionaler Care-Pakt beschlossen. Die Initiative wird unterstütztvon den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie 16 LAK-Staaten, darunter Kolumbien, Chile und Mexiko. Der Pakt geht zurück auf Forderungen zivilgesellschaftlicher Organisationen nach Anerkennung der zentralen Bedeutung von Pflege und Sorgearbeit für das Wohlergehen, nach Gleichstellung der Geschlechter und sozialer Gerechtigkeit. Die Zusammenarbeit soll diesen Zielen dienen.204
Mexiko, Chile und Kolumbien sind überdies auf internationaler Ebene in verschiedene FAP-Plattformen und -Netzwerke eingebunden. So engagieren sie sich etwa in der 2021 gegründeten Initiative Feminist Foreign Policy Group (FFP+). Die Gruppe versucht, im Zusammenspiel mit den Vereinten Nationen und zivilgesellschaftlichen Organisationen feministische und geschlechtertransformative Ansätze im Multilateralismus und in der Außenpolitik voranzubringen. Den Vorsitz teilten sich 2023 Chile und Deutschland, 2024 Mexiko und Spanien – jeweils als Vertreter des Globalen Südens und des Nordens.205
Vergleichende Betrachtung
Eine vergleichende Betrachtung Mexikos, Chiles und Kolumbiens zeigt, dass es keinen linearen oder automatischen Weg zur Einführung einer FAP gibt. Die Staaten, die diesen Schritt vollziehen, sind nicht unbedingt diejenigen, die in puncto Geschlechtergerechtigkeit nach allen Kriterien am weitesten fortgeschritten sind. Neben den Bemühungen um die Umsetzung einer Gender-Agenda muss vor allem eine parteipolitisch bedingte Konjunktur gegeben sein. Zudem ist die Verpflichtung zur FAP häufig Ausdruck von Problembewusstsein und wird somit als Bewältigungsstrategie begriffen, woraus ein deutlicher – unterschiedlich ausgeprägter – Fokus auf die Innenpolitik resultiert.
Der Einführung eines feministischen Ansatzes in die Außenpolitik gingen in allen drei Ländern umfassende Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter voraus.
Als erster Staat Lateinamerikas und des Globalen Südens kündigte Mexiko im Jahr 2020 die Verfolgung einer FAP an, zwei Jahre später folgten Chile und Kolumbien. Der Einführung eines feministischen Ansatzes in die Außenpolitik gingen in allen drei Ländern umfassende rechtliche, institutionelle und programmatische Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter, die Bekämpfung von Diskriminierung und die Eindämmung geschlechtsspezifischer Gewalt voraus. In Mexiko und Kolumbien wurde die Gender-Perspektive darüber hinaus als Maßgabe für staatliches Handeln rechtlich verankert.
Diese Entwicklungen fanden unter Regierungschefinnen und -chefs verschiedener politischer Couleur statt. Doch in allen drei Fällen wurde die Entscheidung für eine FAP unter männlichen Staatsoberhäuptern getroffen, die sich im ideologischen Spektrum als mitte-links bis links einordnen lassen. Zum Zeitpunkt der Ankündigung wurde das Außenministerium in Mexiko von einem Mann, in Chile und Kolumbien dagegen von einer Frau geleitet. Alle drei Regierungen definierten sich sogar als feministisch, und ihre Kabinette wurden geschlechtsparitätisch besetzt.
Auch wenn die Wahlprogramme von AMLO und Sheinbaum sowie von Petro Kapitel zur Rolle der Frauen und zur Bedeutung von Gleichstellung und Gender-Perspektive in der Politik enthielten, warb lediglich Boric in seinem Programm explizit mit der Absicht, eine FAP umzusetzen, um Stimmen. Die öffentliche Verpflichtung zur FAP bzw. die Präsentation des ersten FAP-Konzepts erfolgte in allen drei Fällen in einem multilateralen Rahmen, da Regierungen in diesem Bereich oft eine internationale Führungsrolle anstreben.206 Dies wird besonders in Aussagen und Dokumenten aus Mexiko und Kolumbien deutlich, Länder, die aufgrund verschiedener Konfliktsituationen und erheblicher Menschenrechtsverletzungen häufig in der Kritik stehen.
Zwar führte Mexiko als erstes der drei Länder eine FAP ein, in puncto Institutionalisierung hinkt es jedoch bis heute hinter Chile und Kolumbien her. Dies betrifft sämtliche Dimensionen: die Erarbeitung eines Konzepts, die formelle Einbeziehung der Zivilgesellschaft, die rechtlich-bürokratische Verankerung und das Umsetzungs-Monitoring. Diese Verzögerung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich der Ansatz erst unter Präsidentin Sheinbaum und Außenminister de la Fuente institutionell niederschlägt. AMLOs Amtszeit überschnitt sich mit der Corona-Pandemie, und es wurden kaum Fortschritte bei der FAP erzielt. Feministische und Frauenorganisationen kritisierten ihn wegen patriarchaler Züge seiner Ansichten und Regierungspolitik sowie despektierlicher Äußerungen über feministische Bewegungen.207 Seine Haltung als Präsident stand im Gegensatz zu der progressiven Politik, die er als Regierungschef im Distrikt Mexiko-Stadt (2006–2012) verfolgt hatte.208
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Mexiko |
Chile |
Kolumbien |
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Regierung |
Andrés Manuel López Obrador; Claudia Sheinbaum |
Gabriel Boric |
Gustavo Petro |
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FAP-Ankündigung |
Rede von Außenminister Marcelo Ebrard vor der UNGA, 28.9.2019 |
Borics Wahlprogramm 2021; Rede von Außenministerin Antonia Urrejola bei Unidas-Treffen in Berlin, 22.3.2022 |
offizielles Gespräch Petros mit der Exekutivdirektorin von UN Women im Rahmen der UNGA, 20.9.2022 |
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Beginn der Institutionalisierung |
Präsentation bei Leitungstreffen mexikanischer Botschaften und Konsulate, 9.1.2020 |
Vorstellung der FAP-Strategie in Santiago de Chile, 12.6.2023 |
Vorstellung des FAP-Konzepts und -Aktionsplans im Rahmen der Commission on the Status of Women (CSW), 15.3.2024 |
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Beteiligung der Zivilgesellschaft |
nicht dokumentiert |
Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft |
über 20 Treffen mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft, inklusive Konzipierung eines Partizipationsmechanismus |
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rechtlich-politische Verankerung |
Sektorprogramme für Außenbeziehungen 2020–2024 und 2025–2030 |
Strategie und Aktionsplan; Dekret zur Schaffung des Referats für Gender-Fragen |
Nationaler Entwicklungsplan 2022–2026; FAP-Dekret |
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spezifische Stellen und Arbeitseinheiten |
FAP-Koordinatorin im Büro des Außenministers; Direktorin für FAP und Internationale Zusammenarbeit im Frauenministerium |
Übergangsteam, dann Referat für Gender-Fragen im Außenministerium |
Referentin und Sonderbotschafterin für Gender-Fragen und FAP |
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Budget |
nicht vorgesehen |
gender-sensibles Budget, jedoch bislang kaum Informationen zur Umsetzung |
knapp 700.000 Euro für FAP-Investitionsprojekt |
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FAP-relevante Politikfelder in Außen- und Entwicklungspolitik |
sämtliche |
sämtliche |
sämtliche |
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FAP-Ansatz laut eigener Beschreibung |
intersektional, menschenrechtsbasiert, transformativ |
partizipativ, inklusiv, transversal, intersektional |
pazifistisch, partizipativ, intersektional, transformativ |
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Verknüpfung mit innenpolitischen Zielen |
sehr ausgeprägt |
schwach |
ausgeprägt |
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thematische Schwerpunkte |
Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt; Care-Gesellschaft |
Handel und Gender |
Frieden |
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Zielgruppen |
vor allem Frauen, aber auch »historisch benachteiligte Gruppen« |
»Frauen und Mädchen in ihrer ganzen Diversität«; punktuelle Erwähnung anderer Gruppen |
»Frauen in ihrer Verschiedenheit und Vielfalt sowie LGBTIQ+-Personen«; häufige Erwähnung anderer Gruppen |
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Eigene Darstellung |
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In Mexiko und Chile gibt es bislang keine rechtlich verbindliche Grundlage für FAP. In Kolumbien ist sie hingegen im Nationalen Entwicklungsplan und per Dekret verankert. Letzteres umfasst einen FAP-Aktionsplan. Während in Mexiko eine FAP-Strategie, ein FAP-Aktionsplan und ein FAP-Umsetzungsbericht fehlen, sind alle drei Dokumente in Chile sehr detailliert ausgearbeitet. Die bürokratische Verankerung der mexikanischen FAP erfolgte auf Ressortebene durch das Sektorprogramm für Außenbeziehungen 2025–2030, das ausführliche Bezüge zu FAP enthält. Die EZ-Agentur ist in Mexiko wie in Chile dem Außenministerium und in Kolumbien dem Präsidialamt unterstellt und wird in allen drei Ländern vom FAP-Konzept erfasst. Sowohl AGCID (Chile) wie APC (Kolumbien) beziehen sich in ihren Strategien auf die FAP. Eine solche Referenz fehlt hingegen in der Strategie von AMEXCID (Mexiko), wenngleich Geschlechtergerechtigkeit dort als bereichsübergreifende Priorität definiert wird.
Die Einführung der FAP zeitigte stets institutionelle und organisatorische Folgen. Für die Koordination der FAP ist das Außenministerium zuständig, in der Regel die Abteilungen bzw. Referate, die mit Menschenrechtsfragen (und Demokratie) befasst sind. Zusätzlich wurden in Chile ein neues Referat und in Mexiko sowie Kolumbien Arbeitsgruppen zum Thema eingerichtet. In Mexiko gibt es nun auch eine FAP-Koordinierungsstelle im Büro des Außenministers. In Kolumbien wurden zwei neue, öffentlichkeitswirksame Positionen im außenpolitischen Ressort geschaffen: die einer FAP-Referentin und die einer Sonderbotschafterin für Gender-Fragen und FAP. Darüber hinaus findet eine inner- und interministerielle Koordinierung statt, wofür in Chile Netzwerke von Gender-Beraterinnen aus dem Außenministerium und den Auslandsvertretungen sowie aus verschiedenen Ressorts gebildet wurden. In Mexiko und Chile befinden sich insbesondere das Außen- und das Frauenministerium im engen Austausch miteinander, wobei es im letzteren Ressort eine für FAP zuständige Person gibt. Diese neu geschaffenen Stellen werden größtenteils durch Fachfrauen mit nachgewiesenem feministischem Engagement besetzt.
Die Finanzierung ist die Achillesferse der FAP-Planung. In Mexiko wurde der FAP zum Beispiel kein spezifisches Budget zugewiesen. In der FAP-Strategie Chiles wird zwar die Einführung eines gender-sensiblen Budgets für das Mainstreaming angekündigt. Im entsprechenden FAP-Aktionsplan und im FAP-Umsetzungsbericht werden jedoch nur einige Maßnahmen auf unsystematische Weise mit vorgesehenen oder erfolgten Ausgaben in Verbindung gebracht. In Kolumbien wurde zwar ein FAP-Investitionsfonds bewilligt, der jedoch im FAP-Aktionsplan nicht erwähnt wird.
Die Mechanismen für Rechenschaftslegung und Partizipation sind unterschiedlich stark institutionalisiert, jedoch in allen drei Fällen ausbaufähig. In Chile liegt ein umfassender Umsetzungsbericht vor. In Kolumbien wurde in Zusammenarbeit mit Frauenorganisationen und LGBTIQ+-Gruppen ein Austauschmechanismus konzipiert, der es ihnen ermöglicht, sich inhaltlich einzubringen und ihre Kontrollfunktion auszuüben. Insgesamt wurde die Zivilgesellschaft vor allem in der Anfangsphase der FAP-Entwicklung beteiligt. Im Gegensatz zu Mexiko sind in Chile und Kolumbien darüber öffentlich zugängliche Informationen vorhanden.
Die Konzeptualisierung der FAP ist ein fortlaufender Prozess. Er erfolgt (und erledigt sich) nicht durch die einmalige Erarbeitung einer Strategie bzw. des ersten Dokuments zur FAP. Vielmehr entwickelt sich ein Verständnis von FAP im Laufe der Zeit auf der Grundlage von Diskursen, Texten, Handlungen und Unterlassungen. Chile, das den am wenigsten disruptiven Ansatz verfolgt und die Beständigkeit im außenpolitischen Handeln betont,209 charakterisiert die FAP explizit als im Aufbau befindliches Paradigma. Im Gegensatz zu Mexiko und Kolumbien fokussiert es mit der ersten Definition auf die Grundlagen der politischen Handlungslogik. Die Ausgangsdefinitionen Mexikos und Kolumbiens sind dagegen stärker policy-orientiert und nehmen die Ziele der FAP in den Blick. Alle drei Staaten erachten den Menschenrechtsansatz und die Gender-Perspektive als zentral für die FAP. Sie verstehen die Verwirklichung der Gleichstellung bzw. der Geschlechtergerechtigkeit sowohl als Wert an sich als auch als Faktor, der Wohlstand, soziale Gerechtigkeit und Frieden fördert. In Chile bestehen zudem eindeutige Bezüge zum demokratischen Regime.
Die FAP der Staaten Lateinamerikas ist viel stärker nach innen ausgerichtet als die der europäischen Staaten.
In keinem dieser drei lateinamerikanischen Staaten wird auf die von Schweden geprägte und von Deutschland übernommene 3R-Formel (Ausbau der Rechte, Repräsentation und Ressourcen von Frauen) Bezug genommen. Zwar intendieren Mexiko, Chile und Kolumbien, wie einst Schweden und Deutschland, mit der FAP ressortinterne Verbesserungen im Außenministerium. Die FAP der lateinamerikanischen Staaten ist jedoch insgesamt viel stärker nach innen ausgerichtet als die der europäischen Staaten: Nationale Probleme und ein Wandel in der eigenen Außenpolitik überschatten Fragen der internationalen Ordnung und Global Governance.
Im Dreiervergleich weist das chilenische FAP-Konzept die stärkste auswärtige Ausrichtung hinsichtlich des locus der beabsichtigten Veränderungen auf. Während das kolumbianische FAP-Verständnis mit Blick auf die Gewichtung der außen- und innenpolitischen Dimensionen eine mittlere Position belegt, ist in Mexiko die innenpolitische Orientierung am ausgeprägtesten. Diese Varianz steht im Einklang mit dem Stellenwert, den die Außenpolitik in den jeweiligen Ländern hat. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist AMLOs Aussage, dass Innenpolitik die beste Außenpolitik sei.210 Die Verbindung von FAP mit einer Binnenperspektive in Mexiko, Chile und Kolumbien, also in Gesellschaften mit starken strukturellen Asymmetrien, wird durch zwei institutionelle Faktoren untermauert: zum einen durch die intensive Koordinierung von Außen- und Frauenministerium, in dem eine FAP-Zuständigkeit eingerichtet wurde, und zum anderen durch die doppelte Rolle der EZ-Agenturen, die für die Steuerung sowohl der erhaltenen als auch der vergebenen Projektmittel zuständig sind.
Auch wenn die FAP in allen drei Fällen sämtliche Handlungsfelder des Außenministeriums, einschließlich der EZ, umfasst, treten jeweils verschiedene Themenbereiche in den Vordergrund. So definiert beispielsweise nur Kolumbien seine FAP ausdrücklich als pazifistisch. Dies ist im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt im Land und Petros Programm des »totalen Friedens« zu sehen. In Kolumbien und insbesondere in Mexiko gehört die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt zu den Schwerpunkten. In diesen beiden Ländern ist die Femizidrate mit 1,3 bzw. 0,7 Fällen je 100.000 Frauen im Jahr 2024 höher als in Chile mit 0,4.211 Mexiko hebt die Relevanz von »Klimapolitik und Gender«, Chile von »Handel und Gender« hervor. Das Land im Süden Südamerikas zeichnet sich durch eine sehr hohe Anzahl abgeschlossener Freihandelsabkommen sowie durch seine Vorreiterrolle bei der Einführung einer Gender-Perspektive in diesem Bereich aus. Unter dem Einfluss der Regionalagenda spielt auch der Care-Ansatz eine bedeutende Rolle – vor allem in Mexiko. Laut Zeitverwendungserhebungen verbringen Frauen in Mexiko 24,2 Prozent ihrer Zeit mit unbezahlter Arbeit, während es bei Männern 8,8 Prozent sind. In Chile beträgt das Verhältnis 20,7 zu 11,5 Prozent, in Kolumbien 18,9 zu 5,9 Prozent.212
Der feministische Ansatz in der Außenpolitik wird von Mexiko, Chile und Kolumbien als intersektional bezeichnet. Damit erfassen sie vor allem die Diversität der Frauen, die als erste Zielgruppe gelten. Darüber hinaus werden andere historisch benachteiligte Gruppen in den Blick genommen, in erster Linie Menschen, die nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht, der Geschlechterbinarität oder der Heteronormativität konform gehen. Im mexikanischen und kolumbianischen Fall werden zudem indigene und afro-nationale Gemeinschaften als Zielgruppen erwähnt. In Chile hingegen fehlt eine interkulturelle Inklusionsagenda. Dies ist umso bezeichnender, als Indigene 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen und der Konflikt zwischen den indigenen Mapuche und dem chilenischen Staat hochgradig versicherheitlicht ist, also vorrangig als Sicherheitsproblem begriffen wird.
FAP ist ein Politikansatz, der normative und institutionelle Voraussetzungen erfordert. Die Institutionalisierung dieses Ansatzes wird daher oft als Teil seiner Umsetzung angesehen. Entsprechend werden in allen drei Fällen in den Fortschrittsberichten organisatorische Reformen und Innovationen, die Erarbeitung von Handbüchern und Protokollen, die Durchführung von Sensibilisierungsseminaren und Fortbildungen sowie das Abschließen von bilateralen und multilateralen Vereinbarungen über die Zusammenarbeit im Rahmen von FAP aufgeführt.
Fazit und Ausblick
In keinem der drei lateinamerikanischen Länder wird die Einführung der FAP als Paradigmenwechsel in der Außenpolitik beschrieben. Vielmehr wird sie als Synonym bzw. als Erweiterung einer Politik zur Gleichstellung der Geschlechter und des Gender-Mainstreamings verstanden. Die FAP wird in eine Kontinuitätslinie mit einer ganzen Reihe an inklusiven Reformen gestellt, die in den Jahren davor die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel hatten; in Chile geschieht dies mit besonderem Nachdruck. Zugleich fand die Einführung der FAP jeweils nach einem Machtwechsel statt. Dabei verwiesen die neuen Regierungen auf die Besonderheit einer klaren feministischen Schwerpunktsetzung in ihrer nach innen wie nach außen gerichteten Politik. Diese Ambivalenz von Kontinuität und Wandel charakterisiert das Framing der FAP und prägt auch die Tatsache, dass sie mit einer bestimmten ideologischen Ausrichtung verknüpft wird. Damit bleibt sie von Wahlergebnissen abhängig, obwohl sie nicht als politische Wende verstanden wurde und wird.
Dazu passt die Beobachtung, dass die in diesen Ländern für die Entwicklung und Umsetzung der FAP Verantwortlichen in der Regel keine Beispiele für Effekte der FAP auf der Ebene der »High Politics« nennen können. Sie beschreiben den Ansatz vor allem als Policy-Instrument, um der Gender-Perspektive im staatlichen Handeln zur Durchsetzung zu verhelfen. Die transformative Wirkung kann somit nur in den längerfristigen Effekten bestehen, die aus Reformen erwachsen, die durch die FAP vorangetrieben werden. Die unmittelbaren positiven Effekte beschränken sich zwar überwiegend auf die Bereiche Gleichstellungspolitik und Gender-Mainstreaming, sind dort aber sichtbar. Wenn FAP jedoch vorrangig als Ansatz zu deren Förderung innerhalb der nationalen Außenpolitik anzusehen ist, dann heißt das für Mexiko, Chile und Kolumbien: Zielmarken müssen genauer definiert, ein Budget festgelegt, Monitoring- und Evaluationsmechanismen verbessert sowie jene Instanzen institutionalisiert werden, die inhaltlichen Input und Kontrolle durch die Zivilgesellschaft ermöglichen.
Die FAP wird in einem Kontext umgesetzt, in dem patriarchale Strukturen weiterhin dominieren und Exklusionspraktiken fortgesetzt werden, beispielsweise durch die Militarisierung der öffentlichen Sicherheit213 und einen versicherheitlichten Umgang mit Migrant:innen.214 Gerade dieses Umfeld macht aber einen feministischen Ansatz notwendig. Gleichzeitig erschwert es dessen Umsetzung.215 Aus der feministischen Zivilgesellschaft wird – trotz betont innenpolitischer Ausrichtung der FAP – vor allem das Fehlen von Spill-over-Effekten auf andere Bereiche des staatlichen Handelns wie Sicherheits- und Migrationspolitik kritisiert. Hier verlaufen manche problematischen Entwicklungen parallel zur Institutionalisierung einer FAP. Diese hätte aber ihre Ziele verfehlt, wenn sie zu einer Schadensbegrenzungsmaßnahme einer grundsätzlich unveränderten Politik würde. Deshalb sollten ihre Grundsätze auch auf andere Politikfelder übertragen werden.
Vor diesem Hintergrund ist eine Instrumentalisierung der FAP nicht auszuschließen. Vielerorts wurde kritisch angemerkt, dass sie dem »Purple-Wash« diene, indem sie den Regierungen einen feministischen Anstrich verleiht.216 Zweifelsohne trägt FAP zur Statusaufwertung gegenüber einem Großteil der internationalen Gemeinschaft bei, eröffnet eine weitere Kooperationsebene im Rahmen bilateraler und multilateraler Beziehungen und ermöglicht den Zugang zu Projektmitteln.
Fragen der Geopolitik, der internationalen Ordnung, der globalen Asymmetrien sowie der internationalen Konfliktbearbeitung werden im Rahmen der FAP-Internalisierung in Mexiko, Chile und Kolumbien nicht verhandelt. Auch koloniale Logiken, die zu Ungleichheiten führen, bleiben außen vor. An dieser Stelle zeigt sich, dass es auf Regierungsebene an Kritik mangelt, die in der feministischen Theorie und Praxis begründet ist. Davon, wie substanziell die Zivilgesellschaft diese übt, zeugt das »Regionale Manifest«, das vier Organisationen aus Mexiko, Chile, Kolumbien und Brasilien im Mai 2025 zur FAP in LAK vorgelegt haben.217 Gestützt auf feministische, dekoloniale, anti-rassistische und epistemische Perspektiven wird darin gefordert, Machtstrukturen zu transformieren, der menschlichen Sicherheit Vorrang einzuräumen, ein Recht auf Mobilität zu verankern, angemessen auf die Klimakrise zu reagieren und Mechanismen zur Verteidigung der Menschenrechte mit nachhaltiger Finanzierung auszustatten.
Die FAP hat den Austausch zwischen staatlichen Institutionen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie die Zusammenarbeit zwischen Staaten gefördert. Die Aufgabe des FAP-Ansatzes, die bisher ausnahmslos nach einer Rechtsverschiebung der Kräfteverhältnisse im Zuge von Wahlen erfolgte, bedeutet wiederum eine Verengung bis Schließung dieser Kommunikationskanäle. Es bleibt abzuwarten, wie sich ein möglicher Machtwechsel in Kolumbien im Jahr 2026 sowie die am 11. März 2026 beginnende Präsidentschaft von Antonio Kast in Chile auf die FAP dieser Länder auswirken werden. Kast, Gründer der rechtsradikalen Republikanischen Partei, ist spätestens seit seinem Wahlkampf 2021 für seine traditionell-wertekonservativen Ansichten und seine Positionen gegen die Rechte von Frauen und Minderheiten bekannt. Aktuell schlägt er vor, das Ministerium für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit durch eine Institution »für die Familie« zu ersetzen. Zudem plädiert er nach wie vor für eine harte Hand in Sicherheits- und Migrationsfragen, während Bezüge zu FAP in seinem Programm nicht zu finden sind.218
Zur Vertiefung und Verteidigung einer Gender- und Menschenrechtsagenda auf multilateraler Ebene sind Mexiko, Chile und Kolumbien für Deutschland und die EU wichtige Partner. Die drei Staaten engagieren sich im UN-System und sind Mitglied der OECD, Mexiko gehört zudem zur G20. Alle drei unterstützen die Agenda auf globaler wie regionaler Ebene durch eigene Initiativen, intensivieren ihre Zusammenarbeit und bieten zunehmend Drittstaaten entsprechende Hilfestellungen an. Damit bieten sie Anknüpfungspunkte für die Erweiterung von Dreieckskooperationsprojekten.
Da das Auswärtige Amt seine FAP aufgegeben hat, das BMZ seine feministische Entwicklungspolitik jedoch weiterführt und die nahe Zukunft der FAP in Chile ungewiss ist, empfiehlt sich ein Kooperationsansatz, der sich auf Menschenrechte, Inklusion und feministische Anliegen stützt. Hierfür eignen sich variable Formate und »Dachbezeichnungen«, das heißt, nicht in jedem Fall müssen FAP oder FEP im engeren Sinne zum Ausgangspunkt genommen werden. Doch auch im Kontext einer FAP erweist sich der Austausch weiterhin als gewinnbringend, da sich Konzeptualisierung und Institutionalisierung in Europa und Lateinamerika heterogen gestalten.
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Lateinamerika könnte daher auch Deutschland von Lernprozessen profitieren – etwa indem es sich nicht nur finanziell in die Wissenszirkulation innerhalb des Globalen Südens einbringt, sondern selbst aktiv daran teilnimmt. Darüber hinaus sollte Deutschland bei der Förderung der feministischen Zivilgesellschaft einen transnationalen Ansatz mit dem Ziel verfolgen, auf horizontaler Ebene deren bi-regionalen Dialog sowie auf vertikaler Ebene deren Interaktion mit den entsprechenden Ressorts voranzutreiben. Denn angesichts des Regressionstrends in Menschenrechts- und Inklusionsfragen wird die aufklärerische und advokatorische Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen immer wichtiger.
Abkürzungen
|
AGCID |
Agencia Chilena de Cooperación Internacional para el Desarrollo (Chilenische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit) |
|
AMEXCID |
Agencia Mexicana de Cooperación Internacional para el Desarrollo (Mexikanische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit) |
|
AMLO |
Andrés Manuel López Obrador |
|
APC |
Agencia Presidencial de Cooperación Internacional (Präsidialagentur für internationale Zusammenarbeit; Kolumbien) |
|
BMZ |
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung |
|
CEDAW |
Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women |
|
CELAC |
Comunidad de Estados Latinoamericanos y Caribeños (Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten) |
|
CEPAL |
Comisión Económica para América Latina (y el Caribe) (Wirtschaftskommission für Lateinamerika [und die Karibik]) |
|
CIM |
Comisión Interamericana de Mujeres (Interamerikanische Frauenkommission) |
|
COP 16 |
Conference of the Parties |
|
CoPEF |
Strengthening Feminist Foreign Policy and International Feminist Cooperation |
|
CSW |
Commission on the Status of Women |
|
DAW |
Division for the Advancement of Women |
|
DNP |
Departamento Nacional de Planeación (Nationale Planungsstelle; Kolumbien) |
|
ECLAC |
Economic Commission for Latin America and the Caribbean |
|
ECOSOC |
Economic and Social Council |
|
EU |
Europäische Union |
|
EZ |
Entwicklungszusammenarbeit |
|
FAP |
feministische Außenpolitik |
|
FEP |
feministische Entwicklungspolitik |
|
FFP+ |
Feminist Foreign Policy Group |
|
GIZ |
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit |
|
HIV/AIDS |
Human Immunodeficiency Virus/Acquired Immunodeficiency Syndrome |
|
ILO |
International Labour Organization |
|
IMR |
Instituto Matías Romero (Matías-Romero-Institut; Mexiko) |
|
INMUJERES |
Instituto Nacional de las Mujeres (Nationales Fraueninstitut; Mexiko) |
|
INSTRAW |
International Research and Training Institute for the Advancement of Women |
|
LAK |
Lateinamerika und die Karibik |
|
LGBT+ |
Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, and others |
|
LGBTI |
Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex |
|
LGBTIQ+ |
Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer, and others |
|
LGBTIQA+ |
Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer, Asexual, and others |
|
MDG |
Millennium Development Goals |
|
MERCOSUR |
Mercado Común del Sur (Gemeinsamer Markt des Südens) |
|
MESECVI |
Mecanismo de Seguimiento de la Convención de Belém do Pará (Überwachungsmechanismus des Übereinkommens von Belém do Pará) |
|
MORENA |
Movimiento de Regeneración Nacional (Bewegung der nationalen Erneuerung; Mexiko) |
|
MoU |
Memorandum of Understanding |
|
NAP |
Nationaler Aktionsplan |
|
OAS |
Organisation Amerikanischer Staaten |
|
OECD |
Organisation for Economic Co-operation and Development |
|
OSAGI |
Office of the Special Adviser to the Secretary-General on Gender Issues and Advancement of Women |
|
Proigualdad |
Programa Nacional de Igualdad entre Mujeres y Hombres (Nationales Gleichstellungsprogramm; Mexiko) |
|
3R |
Rechte, Repräsentation, Ressourcen (von Frauen) |
|
SDG |
Sustainable Development Goals |
|
SRE |
Secretaría de Relaciones Exteriores (Außenministerium; Mexiko) |
|
SUCOP |
Sistema Único de Consulta Pública (Einheitliches System für öffentliche Konsultationen; Kolumbien) |
|
UN |
United Nations |
|
UNDP |
United Nations Development Programme |
|
UNGA |
United Nations General Assembly |
|
UNIFEM |
United Nations Development Fund for Women |
|
UNSC |
United Nations Security Council |
|
UNSCR |
United Nations Security Council Resolution |
|
WPS |
Women, Peace and Security |
Lektürehinweise
Claudia Zilla (Hg.)
Feministische Außen- und Entwicklungspolitik Konkret. Anforderungen und Potenziale
SWP-Studie 7/2024, Februar 2024
Claudia Zilla
SWP-Aktuell 21/2023, März 2023
Claudia Zilla
Feministische Außenpolitik. Konzepte, Kernelemente und Kontroversen
SWP-Aktuell 50/2022, August 2022
Endnoten
- 1
-
Dabei gibt es Unterschiede in der Begrifflichkeit – etwa feministische Außenpolitik, feministische Diplomatie, feministische Entwicklungszusammenarbeit oder depatriarchalisierende und dekolonisierende Außenpolitik – sowie in der Intensität des Engagements. Darüber hinaus besteht kein Konsens darüber, ab wann eine Regierung tatsächlich als FAP-verfolgend gilt, deshalb zirkulieren im Rahmen der Policy-Forschung zu FAP verschiedene Staatenlisten.
- 2
-
Lyric Thompson u. a., Defining Feminist Foreign Policy: The 2023 Edition, The Feminist Foreign Policy Collaborative, 2023, <https://tinyurl.com/ye244de4> (alle Links in dieser Studie wurden am 16.11.2025 eingesehen).
- 3
-
Karin Aggestam/Annika B. Rosamond, »Feminist Foreign Policy 3.0: Advancing Ethics and Gender Equality in Global Politics«, in: SAIS Review of International Affairs, 39 (2019) 1, S. 37–48.
- 4
-
Bereits vor seinem Amtsantritt kündigte Außenminister Johann Wadephul (CDU) an, den feministischen Ansatz in der Außenpolitik nicht weiterverfolgen zu wollen. Im Einklang damit hat das Auswärtige Amt sämtliche Dokumente und Verweise auf FAP von seinen Webseiten entfernt. Die feministische Entwicklungspolitik (FEP) wird allerdings, wenngleich weniger prominent als zuvor, fortgeführt. Zwar gibt es kein klares öffentliches Bekenntnis von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) zur FEP, die damit verbundenen Konzepte und Texte sind auf den Webseiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung jedoch weiterhin zu finden. Barbara Mittelhammer, Ein Schritt vor, zwei zurück? Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Außenpolitik nach der Abschaffung der Feministischen Leitlinien, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2025, <https://tinyurl.com/3su3uv99>.
- 5
-
Rebecca Sanders/Laura D. Jenkins, »Patriarchal Populism: The Conservative Political Action Coalition (CPAC) and the Transnational Politics of Authoritarian Anti-Feminism«, in: The International Spectator, 58 (2023) 3, S. 1–19.
- 6
-
SIPRI Military Expenditure Database, Solna: Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), 2024, doi: 10.55163/ CQGC9685.
- 7
-
V-DEM Institute, »V-DEM Democracy Report 2025. 25 Years of Autocratization – Democracy Trumped?«, <https://tinyurl.com/2ra4j726>.
- 8
-
UN Security Council, Women and Peace and Security. Report of the Secretary-General, New York, 5.9.2025, <https://tinyurl. com/2tfst7jp>.
- 9
-
Beispielsweise: Sabine Hark/Paula-Irene Villa (Hg.), Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze politischer Auseinandersetzungen, Bielefeld 2017; Ines Kappert, Das »Recht des Stärkeren« ist keine Lösung, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, 28.7.2025 (Hintergrund), <https://tinyurl.com/5f4dpc7c>.
- 10
-
Eine ähnliche historische Chronologie wurde zuerst veröffentlicht in: Claudia Zilla, »Feminist Foreign Policy in Latin America: The Approaches of Mexico, Chile, and Colombia«, in: Peter Birle/Claudia Zilla (Hg.), Trends in Latin American International Relations. Shifting Alliances in the New World (Dis)Order, Oxford 2025 (Europa Regional Perspectives Series), S. 187–204.
- 11
-
UN Women – Headquarters, »Commission on the Status of Women«, 24.9.2025, <https://tinyurl.com/ vjxwz48c>.
- 12
-
UN General Assembly Resolution, A/RES/3010 (XXVII), International Women’s Year, 18 December 1972, 1972, <https:// tinyurl.com/8skhw7tn>.
- 13
-
UN Women – Headquarters, »World Conferences on Women«, 25.9.2025, <https://tinyurl.com/3jumpx2n>.
- 14
-
UN General Assembly Resolution 31/136 – 1976, United Nations Decade for Women, 1977, <https://tinyurl.com/ 4vkh8d5f>.
- 15
-
UN Women, »CEDAW: Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women«, 12.6.2009, <https://tinyurl.com/49p25vd3>.
- 16
-
UN Women – Headquarters, »Beijing Declaration and Platform for Action, Beijing +5 Political Declaration and Outcome«, <https://tinyurl.com/49896u7n>. Bei der Überwachung und Überprüfung, inwieweit diese Erklärung und Aktionsplattform umgesetzt werden, sowie bei der Einbeziehung der Gender-Perspektive in UN-Aktivitäten sollte auf Beschluss des ECOSOC (Resolution 1996/6) die CSW eine führende Rolle übernehmen.
- 17
-
UN Security Council, Resolution 1325, »Landmark Resolution on Women, Peace and Security«, 3.6.2005, <https:// tinyurl.com/mrx7xu4d>.
- 18
-
»Women, Peace and Security and the UN Security Council. Global Study on the Implementation of UN Security Council Resolution 1325«, 26.12.2023, <https://tinyurl.com/ 4yvm2ne7>.
- 19
-
UN Women – Headquarters, »About us«, 25.9.2025, <https://tinyurl.com/2bchkt9v>; dass., »Commission on the Status of Women« [wie Fn. 11].
- 20
-
Bei UN Women wurden die folgenden Einheiten zusammengelegt: die Abteilung für die Förderung der Frau (DAW, gegründet 1946), das Internationale Forschungs- und Ausbildungsinstitut zur Förderung der Frau (INSTRAW, gegründet 1976), das Büro der Sonderberaterin für Geschlechterfragen und die Förderung der Frau (OSAGI, gegründet 1997) sowie der Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM, gegründet 1976).
- 21
-
Die historisch-chronologische Darstellung dieses Kapitels wurde in ähnlicher Form bereits veröffentlicht in: Zilla, »Feminist Foreign Policy in Latin America« [wie Fn. 10].
- 22
-
Aus der Präambel der UN-Charta: »… unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen…« Vereinte Nationen – Regionales Informationszentrum für Westeuropa, »UN-Charta«, 6.10.2022, <https://tinyurl.com/ytw8yaes>.
- 23
-
Economic Commission for Latin America and the Caribbean (CEPAL), »Regional Conference on Women in Latin America and the Caribbean | CEPAL«, 25.9.2025, <https:// tinyurl.com/wz2we2t5>.
- 24
-
In dieser Studie werden die spanischen Begriffe »igualdad de género« als »Gleichstellung der Geschlechter« und »equidad de género« als »Geschlechtergerechtigkeit« ins Deutsche übersetzt. Sämtliche Übersetzungen von Titeln, Zitaten etc. aus dem Spanischen ins Deutsche stammen von den Autorinnen.
- 25
-
ECLAC, »Gender Equality Observatory«, 25.9.2025, <https://oig.cepal.org/en>.
- 26
-
Organization of American States, »Belém do Pará, Status of signatures and ratifications«, <https://tinyurl.com/ mvnnzawb>. Das Übereinkommen wurde von 32 der 34 OAS-Vollmitglieder – nur Kanada und die USA blieben außen vor – ratifiziert.
- 27
-
Katherine Payne, »The Belém do Pará Convention at 30: Five Things You Should Know«, in: Equality Now (online), 7.6.2024, <https://tinyurl.com/3myhwbak>.
- 28
-
OAS, »MESECVI«, <https://www.oas.org/en/mesecvi/>.
- 29
-
Javier Corrales, The Politics of LGBTQ Rights Expansion in Latin America and the Caribbean, Cambridge 2021 (Cambridge Elements. Elements in Politics and Society in Latin America), doi: 10.1017/9781108993609.
- 30
-
Marcela Ríos Tobar (Hg.), Mujer y política. El impacto de las cuotas de género en América Latina [Frau und Politik. Der Effekt von Geschlechterquoten in Lateinamerika], Santiago de Chile: IDEA Internacional/FLACSO-Chile/Catalonia, 2008, <https:// tinyurl.com/5x7jrthd>.
- 31
-
»Quotas | International IDEA«, 12.11.2025, <https:// tinyurl.com/4cxmmmfk>.
- 32
-
Anabella Molina, »Presidentes débiles y ministras presentes: La representación de género en los gabinetes de América Latina 1999–2019« [Schwache Präsidenten und anwesende Ministerinnen: Die Geschlechterrepräsentation in den Kabinetten Lateinamerikas 1999–2019], in: Estado, Gobierno y Gestión Pública [Staat, Regierung und öffentliches Management], 21 (2023) 41, doi: 10.5354/0717-8980.2023.71534.
- 33
-
Paula Drumond u. a., Mapeando la agenda »Mujeres, Paz y Seguridad« en América Latina: una comparación de los Planes de Acción Nacional de la ONU [Mapping der Agenda »Frauen, Frieden und Sicherheit« in Lateinamerika: Ein Vergleich der Nationalen Aktionspläne der UN], Rio de Janeiro: BRICS Policy Center (BPC), Mai 2022 (BPC Policy Brief, Nr. V.12 N.4), <https://bit.ly/4i0Qyca>.
- 34
-
Der erste Abschnitt dieses Kapitels wurde in ähnlicher Form bereits veröffentlicht in: Claudia Zilla, »Einleitung: Feministische Außenpolitik als work in progress«, in: dies. (Hg.), Feministische Außen- und Entwicklungspolitik konkret. Anforderungen und Potenziale, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Februar 2024 (SWP-Studie 7/2024), S. 7–17.
- 35
-
Siehe etwa: Katie M. Whipkey u. a., Defining Feminist Foreign Policy 2025, Feminist Foreign Policy Collaborative, 2025, S. 4, <https://bit.ly/3JOkAU7>.
- 36
-
»Decreto que Reforma y Adiciona los Artículos 4o., 5o., 30 y 123 de la Constitución Política de los Estados Unidos Mexicanos, en relación con la Igualdad Jurídica de la Mujer«, 31.12.1974 (Diario Oficial de la Federación, Nr. 41), <https:// tinyurl.com/59c46h3r>.
- 37
-
»Decreto por el que se aprueba el diverso por el que se adicionan un segundo y tercer párrafos al artículo 1o., se reforma el artículo 2o., se deroga el párrafo primero del artículo 4o.; y se adicionan un sexto párrafo al artículo 18, y un último párrafo a la fracción tercera del artículo 115 de la Constitución Política de los Estados Unidos Mexicanos«, 14.8.2001 (Diario Oficial de la Federación), <https://tinyurl. com/325zknxr>.
- 38
-
»Decreto por el que se modifica la denominación del Capítulo I del Título Primero y reforma diversos artículos de la Constitución Política de los Estados Unidos Mexicanos«, 10.6.2011 (Diario Oficial de la Federación), <https://tinyurl. com/bdfe3ksz>.
- 39
-
»Ley General para la Igualdad entre Mujeres y Hombres«, 2.8.2006 (Diario Oficial de la Federación), <https:// tinyurl.com/2hsr4up8>.
- 40
-
»Ley de Cooperación Internacional para el Desarrollo«, 6.4.2011 (Diario Oficial de la Federación), <https://tinyurl. com/bdfvsyce>.
- 41
-
Gobierno de México, Plan Nacional de Desarrollo. 2019–2024, 2019, S. 12, 30, <https://tinyurl.com/3mjn8psk>.
- 42
-
Gobierno de México/INMUJERES, Proigualdad 2013–2018. Programa Nacional para la Igualdad entre Mujeres y Hombres, 2013, <https://tinyurl.com/4y5wynvv>.
- 43
-
Gobierno de México/INMUJERES, Proigualdad 2020–2024. Programa Nacional para la Igualdad entre Mujeres y Hombres, 2020, <https://tinyurl.com/57dpczet>.
- 44
-
Ana Güezmes García/Brianda Romero Castelán, Diez años de política exterior feminista y política de cooperación internacional para el desarrollo feminista: una oportunidad para América Latina y el Caribe [Zehn Jahre feministische Außenpolitik und internationale Zusammenarbeit für die feministische Entwicklung: eine Chance für Lateinamerika und die Karibik], Santiago: CEPAL, März 2024 (Asuntos de Género, Nr. 164), S. 53, <https://tinyurl.com/44tru3zt>.
- 45
-
»¿Y la paridad de género? Así es el gabinete de AMLO en 2022« [Und die Geschlechterparität? So sieht das Kabinett von AMLO im Jahr 2022 aus], El Financiero (online), 6.10.2022, <https://bit.ly/3X0LuuU>.
- 46
-
Secretaría de Relaciones Exteriores, Mensaje del canciller Marcelo Ebrard Casaubon en el marco de la 74 Asamblea General de la ONU [Botschaft von Außenminister Marcelo Ebrard Casaubon im Rahmen der 74. UN-Generalversammlung], New York, 28.9.2019, <https://bit.ly/4idKrBG>.
- 47
-
Im spanischen Original: Reunión Anual de Titulares de Embajadas y Cónsules de México. Bis einschließlich 2023 lautete der offizielle Titel dieser Veranstaltung »Jährliches Treffen von Botschaftern und Konsuln« (»Reunión Anual de Embajadores y Cónsules«).
- 48
-
Secretaría de Relaciones Exteriores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México, 2020, <https://tinyurl.com/ 9h773vyp>.
- 49
-
»›O están las mujeres o no es 4T‹: Claudia Sheinbaum se declaró aliada y feminista« [»Entweder sind die Frauen dabei oder es ist keine 4T«: Claudia Sheinbaum erklärte sich zur Verbündeten und Feministin], Infobae (online), 25.11.2021, <https://tinyurl.com/y89uzkh6>.
- 50
-
Presidencia de la República, »Presidenta Claudia Sheinbaum firma decreto que garantiza la igualdad sustantiva de las mujeres en la Constitución« [Präsidentin Claudia Sheinbaum unterzeichnet Dekret, das die substanzielle Gleichstellung von Frauen in der Verfassung garantiert], Pressemitteilung, 15.11.2024, <https://bit.ly/4809kvX>; Irma Kánter Coronel, Reforma constitucional para la igualdad sustantiva de las mujeres y el derecho a una vida libre de violencia [Verfassungsreform für die substanzielle Gleichstellung von Frauen und das Recht auf ein Leben ohne Gewalt], Dirección General de Análisis Legislativo, November 2024 (Mirada Legislativa, Nr. 252), <https://bit.ly/3XApbfG>.
- 51
-
Andrés García, »Secretaría de las Mujeres inicia operaciones; reconoce labor del Inmujeres« [Frauenministerium nimmt Arbeit auf; würdigt Arbeit von Inmujeres], Infobae (online), 1.1.2025, <https://tinyurl.com/muv8yxr4>.
- 52
-
Presidencia de la República, Anuncia Gobierno de México que 2025 será el año de la mujer indígena, 23.11.2024, <https:// tinyurl.com/5xfpemvv>.
- 53
-
Es ist lediglich eine Ausnahme festzustellen: In der gemeinsamen Erklärung vom 8. November 2025 aus Anlass des Staatsbesuches von Emmanuel Macron, dem Präsidenten Frankreichs, bekräftigten beide Staatsoberhäupter ihr Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter und ihre Bereitschaft, sich gemeinsam auf internationaler Ebene für die Grundsätze einer FAP einzusetzen. Presidencia de la República, Declaración conjunta México-Francia, 8.11.2025, <https://tinyurl.com/3dumyvn3>.
- 54
-
Claudia Sheinbaum, 100 pasos para la transformación, 2024, <https://tinyurl.com/2fewd4v6>.
- 55
-
Gobierno de México, Plan Nacional de Desarrollo. 2025–2030, 2025, S. 75ff, <https://tinyurl.com/5az8fwzc>.
- 56
-
Secretaría de Relaciones Exteriores, »Realiza Cancillería diversas actividades en el marco del Día Internacional de las Mujeres en la Diplomacia« [Das Außenministerium führt verschiedene Aktivitäten im Rahmen des Internationalen Tages der Frauen in der Diplomatie durch], 27.6.2025, <https:// tinyurl.com/445eku7t>.
- 57
-
Dass., La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48].
- 58
-
Eine der Autorinnen hat der zweiten, unveröffentlichten PowerPoint-Präsentation (Secretaría de Relaciones Exteriores, »Política Exterior Feminista de México«) beigewohnt und diese fotografiert.
- 59
-
Secretaría de Relaciones Exteriores, Programa Sectorial de Relaciones Exteriores 2020–2024, 2.7.2020, <https://tinyurl.com/ mrrzu6et>.
- 60
-
Dass., Programa Sectorial de Relaciones Exteriores 2025–2030, 30.9.2025, <https://tinyurl.com/2sa26arw>.
- 61
-
Ebd.
- 62
-
Secretaría de Relaciones Exteriores, Programa de Cooperación Internacional para el Desarrollo 2021–2024, 2021, <https://tinyurl.com/4jrtu4ma>.
- 63
-
Agencia Mexicana de Cooperación Internacional para el Desarrollo/GIZ, Protocolo Mexicano de Actuación para la Transversalización de la Perspectiva de Género, 4.12.2018, <https://bit.ly/ 49plalE>.
- 64
-
Secretaría de Relaciones Exteriores u. a., Guía para la transversalización de la Perspectiva de Género en Programas y Proyectos de Cooperación Internacional para el Desarrollo, 2023, <https://bit.ly/4pzQRO3>.
- 65
-
Secretaría de Relaciones Exteriores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48].
- 66
-
Corporación Humanas u. a., Política Exterior Feminista: Una mirada a 5 países de América Latina [Feministische Außenpolitik: Ein Blick auf 5 Länder Lateinamerikas], Santiago de Chile, Juni 2024, <https://tinyurl.com/4vherbvw>.
- 67
-
Vgl. Fn. 58.
- 68
-
Definition des Jahres 2020: »Die Gesamtheit außenpolitischer Grundsätze, die als Richtschnur für staatliche Maßnahmen zum Abbau und zur Beseitigung struktureller Unterschiede, Lücken und geschlechtsspezifischer Ungleichheiten dienen sollen, um eine gerechtere und prosperierende Gesellschaft aufzubauen«. Secretaría de Relaciones Exteriores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48], S. 4.
- 69
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Dass., »Diálogo y negociación consolidarán relaciones bilaterales y multilaterales de México: canciller De la Fuente« [Dialog und Verhandlung werden die bilateralen und multilateralen Beziehungen Mexikos festigen: Außenminister de la Fuente], 4.4.2025, <https://tinyurl.com/3hvzzc36>.
- 70
-
Dass, »El Gobierno de México implementa una política exterior humanista cercana a la gente« [Die mexikanische Regierung verfolgt eine humanistische Außenpolitik, die nah an den Menschen ist], Pressemitteilung, 20.8.2024, <https://tinyurl.com/96dhpmx4>.
- 71
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Martha Delgado Peralta, »La política exterior feminista de México y la agenda de la sostenibilidad 2030« [Die feministische Außenpolitik Mexikos und die Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030], in: Revista Mexicana de Política Exterior, (2020) 118, S. 131–138 (137).
- 72
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Secretaría de Relaciones Exteriores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48].
- 73
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Ebd., S. 4.
- 74
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Ebd., S. 16.
- 75
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Derzeit befindet sich ein Dekret im Prüfverfahren, das geschlechtsspezifische Überlegungen und Definitionen im Zusammenhang mit den konsularischen Vorschriften beinhalten soll.
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AGCID, »AGCID reitera compromiso de seguir integrando el enfoque de género en la cooperación internacional de Chile« [AGCID bekräftigt ihr Engagement, den Gender-Ansatz weiterhin in die internationale Zusammenarbeit Chiles zu integrieren], Pressemitteilung, 13.3.2023, <https:// bit.ly/4r5Ljw5>.
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Ministerio de Relaciones Exteriores, Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109], S. 22.
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Dass., Política exterior feminista de Chile [wie Fn. 108], S. 29.
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Ministerio de Relaciones Exteriores, Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109], S. 20f.
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Dass., Balance de la Implementación del Plan de Acción [wie Fn. 121], S. 53. Die Handelsabkommen mit Mexiko und Saudi-Arabien sind noch nicht in Kraft getreten.
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Das kolumbianische Verfassungsgericht erklärte die Schaffung des Ministeriums 2024 aufgrund eines Verfahrensfehlers für nichtig, verschob die Wirkung der Aufhebung jedoch auf 2026, um dem Kongress Zeit zur legislativen Nachbesserung zu geben. Das Ministerium steht außerdem wegen niedriger Implementierungsraten in der Kritik. Juan E. Lewin/Juan Miguel Hernández Bonilla, »La Corte Constitucional anula la creación del Ministerio de la Igualdad« [Das Verfassungsgericht hebt die Schaffung des Ministeriums für Gleichheit auf], in: Ediciones El País S.L. (online), 9.5.2024, <https://tinyurl.com/3avkt2ss>.
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Im August 2025 kam es erneut zu einem Wechsel an der Spitze des Ministeriums. Juan Carlos Florián wurde zum Minister ernannt – eine viel kritisierte Entscheidung, da er früher als Darsteller in pornografischen Filmen tätig war. Weitere Kontroversen löste die Ernennung von Charlotte Schneider Callejas zur Vizeministerin für Frauen aus, einer in Kuba geborenen Transfrau. Valentina P. Lugo, »Petro aparta a su vicepresidenta Francia Márquez de su cargo como ministra de Igualdad« [Petro entlässt seine Vizepräsidentin Francia Márquez aus ihrem Amt als Ministerin für Gleichheit], in: Ediciones EL País S.L. (online), 28.2.2025, <https:// tinyurl.com/9t9ky7sj>; Santiago Torrado, »Gustavo Petro elige a Juan Carlos Florián como reemplazo de Carlos Rosero en el Ministerio de la Igualdad« [Gustavo Petro wählt Juan Carlos Florián als Nachfolger von Carlos Rosero im Ministerium für Gleichheit], in: Ediciones EL País S.L. (online), 1.8.2025, <https://tinyurl.com/3j3zxf2p>; Redacción Política, »Charlotte Schneider: la nueva viceministra de la Mujer en Colombia es transexual y nació en Cuba« [Charlotte Schneider: Die neue stellvertretende Ministerin für Frauenangelegenheiten in Kolumbien ist transsexuell und wurde in Kuba geboren], in: El Irreverente (online), 16.8.2025, <https:// tinyurl.com/7rrt4wcc>.
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Ebd.
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Ebd., S. 11.
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Der Titel des Projekts lautet im Original »Atención, prevención, investigación y judicialización de las violencias basadas en género: intercambio entre Kenia y Colombia«. Vgl. APC Colombia, »Colombia y Kenia refuerzan cooperación feminista en el marco de la Estrategia África« [Kolumbien und Kenia verstärken ihre feministische Zusammenarbeit im Rahmen der Afrika-Strategie], 20.5.2025, <https:// tinyurl.com/4c53xcjc>.
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Cancillería, »Colombia inicia el proceso del Plan de Acción Nacional de la Resolución 2250 del Consejo de Seguridad de la ONU sobre Juventud, Paz y Seguridad« [Kolumbien initiiert den Prozess für einen Nationalen Aktionsplan zur Resolution 2250 des UN-Sicherheitsrats zu Jugend, Frieden und Sicherheit], Pressemitteilung, 23.9.2025, <https:// tinyurl.com/whsrbw5t>.
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Cancillería, »Cancillería socializa la Política Exterior Feminista de Colombia en el conversatorio ›Mujeres que cuidan la vida en el territorio‹« [Außenministerium stellt Kolumbiens feministische Außenpolitik im Rahmen der Diskussionsrunde »Frauen, die sich um das Leben im Land kümmern« vor], Pressemitteilung, 22.10.2024, <https:// tinyurl.com/ftzkrk5j>.
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Cancillería, »En 2024, la Cancillería apostó por la paz, sostenibilidad, igualdad y cooperación internacional« [2024 setzte das Außenministerium auf Frieden, Nachhaltigkeit, Gleichheit und internationale Zusammenarbeit], Pressemitteilung, 2.1.2025, <https://tinyurl.com/mwz9kx7m>.
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