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Feministische Außenpolitik in Lateinamerika

Mexiko, Chile und Kolumbien im Vergleich

SWP-Studie 2026/S 01, 07.01.2026, 39 Pages

doi:10.18449/2026S1

Research Areas

Dr. Claudia Zilla ist Senior Fellow in der Forschungsgruppe Amerika.
Marie Peschke war bis Ende 2025 Forschungsassistentin im Projekt »Erfolgskriterien einer für Lateinamerika und Karibik (LAK) spezifischen feministischen Entwicklungspolitik (FEP)«, das kofinanziert wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Die Studie entstand im Rahmen dieses Projekts.

  • In Lateinamerika haben drei Länder offiziell angekündigt, sich zu einer feministischen Außenpolitik (FAP) zu verpflichten: Mexiko im Jahr 2020, Chile und Kolumbien im Jahr 2022. Die Einführung eines feministischen Ansatzes in die Außenpolitik steht im Zusammenhang mit einem zunehmenden Gender-Bewusstsein in der internationalen, regionalen und nationalen Politik.

  • Im Vergleich zu europäischen FAP-Varianten zeichnen sich die FAP-Ansätze dieser Länder durch einen stärkeren Inlandsbezug aus, einen Bezug zu den Problematiken der eigenen Gesellschaft. Dies zeigt sich besonders im mexikanischen Fall, während die chilenische FAP auch die feministische Perspektive im Außenhandel betont und die kolum­bianische FAP sich als pazifistisch definiert.

  • In keinem dieser Länder führt die FAP eine politische Wende herbei. Sie verleiht vielmehr einer bereits bestehenden Politik der Gleichstellung der Geschlechter und des Gender-Mainstreamings neuen Schwung. Sie sorgt dafür, den Grad an Partizipation und Repräsentation von Frauen zu erhö­hen sowie deren Beiträge zur Außenpolitik deutlich sichtbar zu machen.

  • Im Sinne einer globalen Gender- und Menschenrechtsagenda sind Mexiko, Chile und Kolumbien wichtige Partner, für Deutschland wie für die EU. Da sie untereinander die Zusammenarbeit in diesen Bereichen inten­sivieren, sind sie zudem lohnende Partner für die Erweiterung von Dreieckskooperationen.

  • Da das Auswärtige Amt die FAP aufgegeben hat, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die feministische Entwicklungspolitik jedoch weiterführt und die Zukunft der FAP in Chile angesichts eines anstehenden Machtwechsels ungewiss ist, empfehlen sich für die Kooperation in diesem Feld variable begriffliche Rahmungen und Formate. Deutschland sollte den bi-regionalen Dialog und Austausch – auch zwischen feministischen und Frauenorganisationen – intensiv för­dern und sich nicht nur mit Finanzmitteln, sondern auch an den Lern­prozessen beteiligen.

Problemstellung und Schlussfolgerungen

Seit Schweden sich 2014 zu einer feministischen Außenpolitik (FAP) verpflichtet hat, kündigten rund ein Dutzend Staaten einen solchen Schritt ebenfalls an, darunter die drei lateinamerikanischen Staaten Mexiko (2020), Chile und Kolumbien (beide 2022). Doch was folgte darauf konkret? Da es kein einheit­liches Modell für die Konzipierung und Institutionalisierung eines feministischen Ansatzes in der Außen­politik gibt, nahm die Entwicklung jeweils einen unter­schiedlichen Verlauf.

Die Verbreitung der FAP lässt sich zwar als Phäno­men der internationalen Normdiffusion betrachten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Regierungen dabei einen rein exogenen Politikansatz übernehmen. Einerseits konvergieren Prozesse eines wachsenden Gender-Bewusstseins in der internationalen, regio­nalen und nationalen Politik. Andererseits prägt der lokale Kontext die Art und Weise, wie der feminis­tische Ansatz jeweils interpretiert und rechtlich-büro­kratisch verankert wird. In der Forschung zur FAP wurden die politisch-institutionellen Voraussetzungen bisher kaum beachtet. Dabei werden sie inzwischen, seit Schweden nach einem Regierungswechsel im Jahr 2022 seine FAP offiziell aufgegeben hat und damit einen Rückwärtstrend auslöste, dem sich wei­tere Staaten anschlossen, als entscheidend für die Wir­kung und Nachhaltigkeit der FAP angesehen.

Diese Fort- und Rückschritte sind Teil größerer Trends, die die Menschenrechts- und Inklusionsagenda betreffen. Heute dominiert in diesem Bereich global eine Regression (Pushback). Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach menschenrechtsorientierten Anstrengungen und Veränderungen, die weniger sichtbar sind, an Relevanz.

Die Wirkung und Resilienz eines feministischen Ansatzes in der Außenpolitik hängen davon ab, in­wiefern er internalisiert wird. Internalisierung bedeu­tet zunächst, dass sich Schlüsselakteur:innen für dessen Einführung entscheiden und ihn politisch mit­tragen. Darüber hinaus muss der Ansatz rechtlich und politisch verankert sowie mit finanzieller Aus­stat­tung unterlegt werden. Zudem bedarf es der inhalt­lichen Ausgestaltung und Implementierung. Die Auseinandersetzung mit diesen Aspekten steht im Mittelpunkt der vorliegenden Studie. Leitend sind dabei zwei zentrale Fragen: Wie verlief die politisch-rechtliche Hinführung zur Ankündigung einer FAP in Mexiko, Chile und Kolumbien? Und wie wurde die FAP in der Folge internalisiert, also institutionalisiert und konzeptualisiert? Mexiko, Chile und Kolumbien sind jene Länder der Region, in denen eine Verpflichtung zu einer FAP auf höchster Ebene und im regio­nalen Vergleich substanziell erfolgte. Auch wenn eine systematische Bewertung der Implementierung und Wirkung von FAP den Rahmen dieser Untersuchung sprengen und überdies einen längeren Beobachtungszeitraum erfordern würde, werden hier mit Blick auf Umsetzungsfragen erste Einschätzungen angeboten.

Zu den zentralen Ergebnissen dieser Studie gehören die folgenden Erkenntnisse: In allen drei unter­suchten Ländern ging der Einführung der FAP ein Prozess der rechtlich-politischen Erweiterung und Ver­tiefung einer Menschenrechtsagenda voraus, welche die Verankerung der Gender-Perspektive im staatlichen Handeln einschließt. Eingeführt wurde die FAP von Präsidenten (nicht -tinnen), die dem lin­ken ideologischen Spektrum zuzuordnen sind, ihre Regierung als feministisch verstehen und ihr Kabinett geschlechterparitätisch besetzen. Die Verfolgung einer FAP steht aus Sicht dieser Regierungen in einer Kontinuitätslinie gender-sensibler Reformen im eige­nen Land. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Effekte ist FAP nicht Ausdruck einer politischen Wende. Vielmehr verleiht sie einer Politik der Gleich­stellung der Geschlechter und des Gender-Main­streamings einen neuen Impuls, indem sie Frauen unter anderem zu einem höheren Grad an Partizipation und Repräsentation verhilft und ihren Beitrag zur Außenpolitik deutlicher als bislang herausstellt.

Hinsichtlich der normativen Grundlagen und der politischen Begründung von FAP weisen die drei Länder Gemeinsamkeiten auf. Unterschiede gibt es jedoch mit Blick auf die rechtlich-politische Verankerung dieses Ansatzes. Auch die thematische Schwerpunktsetzung variiert im Rahmen der Konzeptualisierung. Der Ansatz Mexikos ist stark nach innen gerich­tet, die Außenperspektive ist im Falle Chiles beson­ders ausgeprägt; Kolumbien befindet sich im Mittel­feld – mit einer FAP, die ausdrücklich als pazifistisch definiert wird. Insgesamt weisen die lateinamerika­nischen FAP-Ansätze jedoch einen stärkeren Bezug zur Binnendimension, zu den Problematiken der eigenen Gesellschaft auf als die europäischen. Fragen der Geopolitik, der internationalen Ordnung, der globalen Asymmetrien, der internationalen Konflikt­bearbeitung oder der kolonialen Logiken werden im Rahmen der FAP dieser drei Länder nicht verhandelt.

Bei der Förderung einer Gender- und Menschenrechtsagenda auf globaler Ebene sind Mexiko, Chile und Kolumbien als relevante Partner zu betrachten. Die drei Länder intensivieren nicht nur die Zusammenarbeit untereinander in diesem Bereich, auch ihre jeweiligen bilateralen Kooperationen mit ande­ren Staaten bieten Potenzial für den Ausbau von Drei­eckskooperationen. Das gemeinsame Engagement sollte variable Formate annehmen und sich nur dort, wo es möglich ist, begrifflich explizit auf FAP bzw. feministische Entwicklungspolitik (FEP) beziehen und stützen. Aus der Zusammenarbeit mit Lateinamerika kann Deutschland Lehren ziehen. Daher sollte es seine Beteiligung nicht auf eine finanzierende Rolle beschränken, sondern auch die Bereitschaft aufbringen, selbst im Rahmen der Wissenszirkulation zu lernen. Im Zuge des Pushbacks gewinnt zudem die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen und deren bi-regionaler Dialog an Bedeutung.

Die Verbreitung von Gender-Bewusstsein in der Politik

Seit Schweden im Jahr 2014 einen feministischen Ansatz in sein auswärtiges Handeln eingeführt und das Konzept FAP geprägt hat, kündigten mitte-links-gerichtete, linke bzw. progressive Regierungen oder ihre Außenministerien auf verschiedenen Kontinenten einen ähnlichen Schritt1 an: Kanada im Jahr 2017, Luxemburg im Jahr 2018, Frankreich im Jahr 2019, Mexiko im Jahr 2020, Deutschland, Schottland, Spanien und Libyen im Jahr 2021, Kolumbien, die Niederlande, Chile und Liberia im Jahr 2022, die Mongolei, Argentinien und Slowenien im Jahr 20232 sowie zuletzt Bolivien im Jahr 2024. Damit trugen sie zu dem Phänomen der Normdiffusion in den internationalen Beziehungen bei.3

International betrachtet bleibt der feministische Ansatz in der Außen­politik eng mit einer bestimmten ideologischen Ausrichtung verknüpft.

Allerdings blieb es in einigen Fällen mehr oder weniger bei einer Absichtserklärung, und es ist um­stritten, ab wann tatsächlich davon gesprochen wer­den kann, dass eine Regierung FAP betreibt. Im Jahr 2022 trat Schweden, das Land mit der längsten Erfah­rung mit FAP und dem bis dato höchsten damit verbundenen Institutionalisierungsgrad, zudem eine Gegenbewegung los, indem es diesen Ansatz offiziell aufgab. Die Niederlande, Luxemburg, Argentinien und das Auswärtige Amt in Deutschland folgten.4 Diesen Kurswechseln ging jeweils ein Machtwechsel voraus, der eine je nach Land unterschiedlich stark ausgeprägte ideologische Verschiebung nach rechts bedeutete. International betrachtet bleibt der femi­nis­tische Ansatz in der Außenpolitik folglich eng mit einer bestimmten ideologischen Ausrichtung ver­knüpft. Diese Verbindung erschwert den Übergang von einer an wechselnde politische Mehrheiten gebundenen Regierungspolitik zu einer sogenannten Staatspolitik, die sich über Machtwechsel hinweg konsolidiert.

Die Abkehr von der FAP ist Teil einer umfassenderen Regression. Diese umfasst eine breite Palette von Phänomenen, die von Depriorisierung der Themen Menschenrechte und Inklusion bis hin zu einer ziel­gerichteten Politik der Exklusion und Zementierung von Machtasymmetrien reicht. In vielen Staaten der Welt werden verschiedene Arten von Rechten be­schnitten und Mechanismen des sozialen Ausgleichs abgebaut. Die innergesellschaftliche Solidarität gerät vielerorts unter Druck, was zu einer Schwächung der sozialen Kohäsion führt. In jenen virulenten Fällen, in denen ein patriarchaler Populismus5 bzw. Varian­ten der Globalen Radikalen Rechten politikgestaltend wirken, wird ein Antifeminismus vorangetrieben, der in der eigenen Begrifflichkeit als »Kulturkampf« gegen die »Gender-Ideologie« beschrieben wird. Der finanzielle, in einigen Fällen sogar institutionelle Ab­bau erfasst auch die Bereiche zivile Konfliktbearbeitung, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit (EZ), während die Militärausgaben weltweit steigen.6 Zugleich dominieren Tendenzen der demo­kratischen Erosion und Autokratisierung.7 Die aktu­ellen globalen statistischen Daten offenbaren eine rasan­te Zunahme an Konflikten, (sexualisierter) Gewalt und Todesopfern in Konfliktkontexten.8 Femi­nistische Analysen verweisen auf den Zusammenhang vieler dieser Entwicklungen.9

Doch trotz des Pushbacks ist FAP noch lange nicht Geschichte: In Ländern wie Mexiko, Chile und Kolum­bien wird der feministische Ansatz in der Außen­politik institutionell verankert und konzeptionell weiterentwickelt. Zwar gerät der Prozess des wachsenden Gender-Bewusstseins derzeit vielerorts ins Stocken. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er ins­gesamt als abgebrochen zu bewerten ist. In Lateinamerika und der Karibik (LAK) wird an der regionalen Gender-Agenda beispielsweise weitergearbeitet. In einer Zeit, in der weltweit überwiegend Rückschritte in Menschenrechtsfragen zu beobachten sind, sollten progressive Entwicklungen nicht übersehen werden. Deren nähere Betrachtung eröffnet nicht nur Er­kennt­nisse über den Einzelfall, sondern auch über den Zusammenhang zwischen Trend und Resilienz sowie über Kooperationsmöglichkeiten.

Gender-Bewusstsein stellt sich in der staatlich-insti­tutionalisierten Politik nicht von selbst ein. Es ist vielmehr das Ergebnis zivilgesellschaftlichen Engage­ments durch Aktivismus, Organisation und Partizi­pation. Die Forderungen von Frauen- und feministischen Organisationen haben eine lange Geschichte und stets zwei Aspekte in den Blick genommen: zum einen die Gleichstellung der Geschlechter gemäß dem Grundsatz der Gleichheit aller Menschen, zum ande­ren gesellschaftliche Transformation im Sinne der Veränderung sozialer, ökonomischer, politischer und rechtlicher Strukturen, die patriarchal geprägt sind und hierarchische Geschlechterverhältnisse zementieren. Unterschiedliche Gewichtungen dieser Per­spektiven haben zur Ausdifferenzierung feministischer Strömungen beigetragen.

Politische Entwicklungen und Entscheidungen haben immer gender-spezifische Effekte.

Zum Gender-Bewusstsein gehört das empirische Wissen über die Existenz von Geschlechterregimen. Diese beeinflussen in allen Gesellschaften maßgeblich die sozialen Rollen, Lebenserfahrungen sowie den Zugang zu Rechten, Freiheiten, Ressourcen und Machtpositionen. Folglich haben politische Entwicklungen und Entscheidungen immer gender-spezi­fische Effekte. Das bedeutet, dass sie sich auf Perso­nen verschiedenen Geschlechts (im Sinne einer selbst­definierten oder zugeschriebenen Gender-Identität) unterschiedlich auswirken. Zugleich sind Geschlech­ter­hierarchien eine wichtige Ursache für soziale Kon­flikte und Gewalt und verschärfen Probleme anderen Ursprungs.

Aus Gender-Bewusstsein und dessen Verbreitung erwächst eine Gender-Agenda. Diese bezeichnet die Gesamtheit politischer, rechtlicher und institutio­neller Maßnahmen zum Abbau gender-bezogener Asym­metrien. Dabei umfasst der Begriff »Gender« im weiteren Sinne mehrere Dimensionen: Körper, Iden­tität, Ausdruck, Anziehung und Rolle. Zu den zen­tralen Elementen einer Gender-Agenda gehört zum einen das sogenannte Gender-Mainstreaming. Dabei werden die unterschiedlichen Lebenslagen und Interessen von Menschen mit verschiedenen Gender-Identitäten bei politischen, sozialen und ökonomischen Vorhaben differenziert berücksichtigt. Zum anderen wird Gleichstellungspolitik gezielt gefördert. Beides sind auch übliche Komponenten einer FAP, die in diesem historischen Kontinuum einer zunehmend kritischen (allerdings nicht strikt linear-progressiven) Reflexion über die Bedeutung und Implikationen von »Gender« zu verstehen ist. Sie knüpft dabei an ent­sprechende Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im UN-System, auf multilateraler Ebene und in der natio­nalen Politik vieler Staaten an.

Die Gender-Agenda im UN-Kontext

Die explizite Einbeziehung einer Gender-Perspektive im Rahmen der Vereinten Nationen geht auf deren Gründungszeit zurück.10 Bereits im Jahr 1946 richtete der Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) mit der Reso­lution 11 (II) vom 21. Juni die Kommission für die Rechtsstellung der Frau (CSW)11 als wichtigstes glo­bales zwischenstaatliches Gremium ein. Ihre Aufgabe ist es, die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern sowie die Rolle und die Rechte der Frauen zu stärken. Im Jahr 1972 erklärte die UN-Generalversammlung (UNGA) in ihrer Resolution 3010 (XXVII)12 vom 18. Dezember das Jahr 1975 zum »Internationalen Jahr der Frau«. In der Folge fand 1975 in Mexiko die erste Weltfrauenkonferenz13 statt, gefolgt von einem Weltaktionsplan und der Resolution 31/13614 der UNGA vom Dezember 1976. Darin wurde der Zeit­raum 1976 bis 1985 zur »Dekade der Frauen: Gleich­stellung, Entwicklung und Frieden« erklärt. Im Jahr 1979 verabschiedete die UNGA das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW),15 das 1981 in Kraft trat. Zwei weitere Weltfrauenkonferenzen fanden 1980 in Kopenhagen und 1985 in Nairobi statt. Die vierte Weltfrauen­konferenz wurde 1995 in Peking veranstaltet und mündete in die Pekinger Erklärung und Aktionsplattform, ein umfassendes, mit strategischen Zielen und konkreten Maßnahmen unterfüttertes Konzept zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und zum Empowerment von Frauen und Mädchen.16

Die Gender-Perspektive fand auch Eingang in die Entwicklungs- und Sicherheitspolitik: Die Gleich­stellung der Geschlechter wurde sowohl in den Mil­len­niumszielen (MDGs, 2000–2015, Ziel 3) als auch in den nachfolgenden Nachhaltigkeitszielen (SDGs, 2016–2030, Ziel 5) verankert. Im Jahr 2000 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat (UNSC) auf Initiative der namibischen Ministerin für Frauenangelegenheiten Netumbo Nandi-Ndaitwah die Resolution 132517 zu Frauen, Frieden und Sicherheit (Women, Peace and Security, WPS). Es folgten neun weitere Resolutio­nen zu geschlechtsspezifischen Themen, die als WPS-Agenda18 zusammengefasst werden. Sie zielen darauf, die Partizipation von Frauen in Friedensprozessen aus­zubauen, sie vor sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten zu schützen und ihre Rechte im Kon­text von Frieden und Sicherheit umfassend zu ver­ankern. Seit 2005 haben rund hundert Länder Nationale Aktionspläne (NAP) zur Umsetzung der Reso­lution 1325 entwickelt. Nach jahrelangen Ver­handlungen zwischen den UN-Mitgliedstaaten, Frauen­verbänden und der Zivilgesellschaft verabschiedete die UNGA schließlich am 2. Juli 2010 die Resolution 64/289 und rief damit die Organisation UN Women19 ins Leben. Sie ging hervor aus dem Zusammenschluss mehrerer UN-Einheiten, die sich mit Frauenfragen befassten,20 und setzt sich für die Gleichstellung der Geschlechter und das Empowerment von Frauen ein.

Die Gender-Agenda im lateinamerika­nischen Kontext

Staaten in LAK haben sich traditionell nicht nur stark für die Entwicklung der Vereinten Nationen, sondern auch für die Förderung der Frauenrechte innerhalb des UN-Systems sowie in regionalen Organisationen engagiert. Die Region beheimatet zwanzig der 51 UN-Gründungsmitglieder.21 Unter den 160 Unterzeichnenden der UN-Charta waren lediglich vier Frauen, davon zwei aus LAK: Minerva Bernardino (Dominikanische Republik) und Bertha Lutz (Brasilien) – neben Virginia Gildersleeve (Vereinigte Staaten) und Wu Yi-Fang (China). Dank Lutz und Bernardino wurde in die Präambel der UN-Charta ein ausdrücklicher Verweis auf Frauen aufgenommen.22

Die Regionalkonferenz über Frauen in Lateinamerika und der Karibik23 ist das wichtigste zwischenstaatliche Forum für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit in der Region.24 Sie ist ein Nebenorgan der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (Economic Com­mission für Latin America and the Caribbean, ECLAC), die für das Sekretariat der Regionalkonferenz zustän­dig ist und in diesem Bereich seit 2020 in Abstimmung mit UN Women arbeitet. Seit ihrer Gründung im Jahr 1977 im kubanischen Havanna hat die Regionalkonferenz über Frauen Regierungen, Zivil­gesellschaft – insbesondere Frauen- und feminis­tische Bewegungen und Organisationen –, Wissenschaft, zwischenstaatliche Gremien, Kooperationsagenturen und das UN-System zusammengebracht. Bis heute fanden 15 Konferenzen statt, deren Ver­einbarungen die regionale Gender-Agenda maßgeblich geprägt haben.

Auf der X. Regionalkonferenz über Frauen, die im Jahr 2007 im Quito (Ecuador) tagte, wurde die Beob­achtungsstelle für Geschlechtergleichstellung für Lateinamerika und die Karibik25 ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, nationale Mechanismen zur Förderung von Frauenrechten auszubauen, offizielle Informatio­nen aus den Ländern der Region verfügbar zu machen sowie die Überwachung internationaler und regio­naler Abkommen über Frauenrechte und Geschlechter­gerechtigkeit zu erleichtern.

Das Interamerikanische Übereinkommen zur Verhütung, Bestrafung und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – auch Konvention von Belém do Pará genannt – ist eines der wichtigsten Abkommen zu Gender-Fragen in LAK. Es wurde 1994 von der General­versammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verabschiedet.26 Es ist ein rechtsverbindliches internationales Instrument innerhalb des Interameri­kanischen Systems zum Schutz der Menschenrechte und weltweit das erste, in dem Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung und systemisches Pro­blem anerkannt wurde. Daraus erwachsen klar defi­nierte Sorgfaltspflichten der Staaten in Bezug auf Prä­vention, Untersuchung, Hilfe und Bestrafung.27 Für eine wirksame Umsetzung der Konvention ist ein Pro­zess der kontinuierlichen und unabhängigen Bewer­tung und Unterstützung erforderlich. Zu diesem Zweck wurde 2004 der Follow-up-Mechanismus der Konven­tion von Belém do Pará (MESECVI) eingerichtet.28

Bis heute ist die CIM das einzige politische Forum für Frauenrechte und Geschlechter­gerechtigkeit auf dem gesamt­amerikanischen Kontinent.

Bereits 1928 hatte die Panamerikanische Union, die Vorgängerorganisation der 1949 gegründeten OAS, die Interamerikanische Frauenkommission (Comisión Interamericana de Mujeres, CIM) als erstes zwischenstaatliches Gremium ins Leben gerufen, das die Anerkennung der Menschenrechte von Frauen sicherstellen sollte. Bis heute ist die CIM das einzige politische Forum für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit auf dem gesamtamerikanischen Kon­tinent. Seitdem wurden auf regionaler Ebene inner­halb der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) sowie in subregionalen Integrationssystemen wie dem Gemeinsamen Markt des Südens (MERCOSUR) immer mehr Gremien ein­gerichtet, die sich einer Gender-Agenda widmen.

Die Gender-Agenda in der nationalen Politik

Auch in der nationalen Politik sind in den letzten Dekaden vielerorts zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit festzustellen. In LAK ist dabei die Tendenz zu beobachten, die Rechte von Frauen sowie von Personen, die nicht der Geschlechter­binarität und Heteronormativität entsprechen, immer weiter auszuformulieren und rechtlich zu verankern.29 Dies erfolgt auf Verfassungs- wie auf Gesetzesebene – dank des Engagements von Menschenrechtsorga­nisationen und entsprechenden Bewegungen. Ähn­liches gilt für das Diskriminierungsverbot, das in zahlreichen LAK-Staaten legal-normativ spezifiziert wird. Zudem wird der Staat juristisch in die Verantwortung genommen, für den Schutz und die Verwirk­lichung dieser Rechte zu sorgen und die Gender-Perspektive in seinem Handeln zu berücksichtigen. Damit werden Rechte einklagbar.

Gleichwohl ist in LAK-Staaten die Kluft zwischen legal verbrieften Rechten und der Verwirklichung einer substanziellen Gleichheit der Geschlechter nach wie vor groß. Diesem Umstand sollen Programme und Maßnahmen zur Kompensation struktureller Benach­teiligung (affirmative action) entgegenwirken. Ein Bei­spiel hierfür sind Quoten für historisch marginalisierte Gruppen, etwa für Minderheiten in Bildungseinrichtungen oder für Frauen in politischen Institutionen. Die in vielen Ländern der Region30 zunächst für Par­lamente und entsprechende Parteilisten eingeführten Geschlechterquoten31 erstreckten sich dann weiter auf die Ebene des Regierungskabinetts32 und die Lei­tungsebene von Ministerien. Eine geschlechterparitä­tische Besetzung von Kollektivorganen wurde vieler­orts formell wie informell zur politischen Praxis.

Die zunehmende Beachtung der Gender-Perspek­tive fand ihren institutionell sichtbaren Ausdruck in der Errichtung von zuständigen staatlichen Stellen, Agenturen und Instituten mit entsprechenden Auf­gaben. Diese wurden häufig einem hierfür geschaffenen Ministerium für Frauen unterstellt. Im Zuge des Engagements für die WPS-Agenda haben in den ver­gangenen Jahren immer mehr Staaten Lateinamerikas einen NAP zur Umsetzung der UNSCR 1325 erarbeitet und in den folgenden Jahren aktualisiert.33 Zu den Neuerungen der jüngeren Vergangenheit gehört schließlich die Einführung einer FAP. Zwar lassen sich diese rechtlichen, politischen und institutionel­len Entwicklungen zusammengenommen als Trend betrachten. Die jeweils zugrundeliegenden natio­nalen Prozesse sind jedoch nicht teleologisch zu verstehen, da sie weder linear-sequenziell (im Sinne einer festen Reihenfolge von Schritten) festgelegt noch irreversibel sind.

Feministische Außenpolitik

FAP setzt einen politischen Gestaltungsrahmen für das außenpolitische Handeln von Regierungen eben­so wie für ressortinterne Prozesse und Strukturen.34 Mit der Einführung eines solchen Rahmens wird ein Politikwandel angestrebt. Abhängig vom nationalen Konzept ist FAP in unterschiedlichem Maße anspruchs­voll, beispielsweise hinsichtlich der erfassten außen­politischen Politikfelder und ihrer Verknüpfung mit anderen Politikfeldern, der angestrebten Veränderungen oder der prioritären Zielgruppen. Die konkreten staatlichen FAP-Varianten sind vielfältig, jedoch ins­gesamt weniger anspruchsvoll und voraussetzungs­reich als FAP-Konzepte in der feministischen Wissen­schaft und Zivilgesellschaft.35

Für FAP gibt es kein »One Size Fits All«-Modell, das schnell übernommen werden kann. FAP setzt signifi­kante Veränderungen der Instanzen voraus, die sie umsetzen sollen, und wird im Rahmen der Implementierung entwickelt. Die Einführung von FAP löst einen Internalisierungsprozess aus, zu dem verschiedene Aspekte gehören: Erstens müssen sich Schlüssel­akteur:innen auf dem Weg der Erweiterung und Ver­tiefung von Rechten für diesen Schritt entscheiden und ihn politisch mittragen. Zweitens muss der Ansatz rechtlich und politisch verankert, also in die institutionellen Strukturen des Staates überführt und mit finanzieller Ausstattung untermauert werden. Drittens gilt es den FAP-Ansatz inhaltlich auszuarbeiten. Viertens muss der Ansatz schließlich implemen­tiert werden.

Bei einer kritischen FAP-Analyse ergeben sich dabei zwei Herausforderungen: Zum einen sind Maßnahmen zur Verankerung des Ansatzes (Voraussetzung für eine FAP) und solche zu dessen Umsetzung (Folge einer FAP) nicht immer klar voneinander zu unterscheiden. Zum anderen ist die Kausalattribution – das heißt die Frage, welche (außen)politischen Ent­scheidungen und Maßnahmen ausschließlich auf die Einführung einer FAP zurückzuführen sind – auf­grund der Komplexität sozialpolitischer Kontexte und der Unmöglichkeit kontrafaktischer Prüfung nicht abschließend zu klären.

Mexiko

Der Weg zur feministischen Außenpolitik

Die Gleichheit von Männern und Frauen ist in Mexiko seit 1974 in der Verfassung verankert.36 Dies gilt seit 2001 auch für das ausdrückliche Verbot jeglicher Art von Diskriminierung, unter anderem aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung und Herkunft.37 Diese Bestimmungen wurden durch die Verfassungsreform von 2011, auch Menschenrechtsreform genannt, noch dadurch erweitert, dass Rechte aus den von Mexiko unterzeichneten internationalen Verträgen in die Verfassung aufgenommen wurden. Seither ist der Schutz vor Diskriminierung rechtlich durchsetzbar, und der Staat muss dessen Umsetzung aktiv vor­antreiben.38 Mehrere Gesetze auf Bundesebene kon­kretisieren diese verfassungsrechtlichen Prinzipien und haben außerdem zum Ziel, die sexualisierte bzw. geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen.

Das Allgemeine Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern von 2006 legt die institutionellen Grundlagen für die Verwirklichung substanzieller Gleichstellung in öffentlichen und privaten Bereichen fest und dient gezielt dem Gender-Mainstreaming im staatlichen Handeln.39 Seit 2011 schließlich gilt auch für Maßnahmen der EZ die gesetzliche Verpflichtung, zu einer nachhaltigen menschlichen Entwicklung auf Grundlage der menschenrechtlichen Prinzipien und der Geschlechtergerechtigkeit beizutragen.40

Im Zuge dieser rechtlichen Entwicklung fand die Gender-Perspektive zudem Eingang in regierungs­amtliche Pläne und Programme: So werden im Natio­nalen Entwicklungsplan Mexikos für die Jahre 2019 bis 2024 neben Verweisen auf das Diskriminierungsverbot die Gleichstellung von Frauen und Männern und die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt als Ziele benannt.41

Konkretisierungen dazu finden sich in den Nationalen Gleichstellungsplänen: Bereits im Nationalen Gleichstellungsprogramm 2013–2018 wurde die Integration einer Gender-Perspektive in das Handeln der Ministerien, darunter des Außenministeriums (Secretaría de Relaciones Exteriores, SRE), explizit eingefordert.42 Im Nachfolgeprogramm 2020–2024 wurde Gender-Mainstreaming sogar in den Rang eines verbindlichen staatlichen Handlungsprinzips erhoben und als solches etabliert.43

Mit einem Dekret vom April 2018 zur Reformierung des Gesetzes über den Auswärtigen Dienst Mexi­kos führte Präsident Enrique Peña Nieto (2012–2018) die Gender-Perspektive explizit auf der Ebene der Ressortorganisation ein. Zu den Änderungen gehörte eine Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen im Au­ßenministerium, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern.44 Einen NAP zur Umsetzung der UNSCR 1325 gab es zum Zeitpunkt der Ankündigung einer FAP im Jahr 2020 allerdings noch nicht.

Mit der Wahl von Andrés Manuel López Obrador (AMLO) zum Präsidenten kam 2018 ein linkes Par­teienbündnis – Juntos Haremos Historia (Gemeinsam werden wir Geschichte schreiben) – unter der Füh­rung von dessen Partei MORENA (Movimiento de Regeneración Nacional, dt.: Bewegung der nationalen Erneuerung) – an die Macht. Entsprechend seines eigenen Wahlversprechens besetzte AMLO sein Kabi­nett anfangs annähernd geschlechterparitätisch. Das sollte sich im Gefolge von Umstrukturierungen und Rücktritten jedoch ändern.45

Mexiko war nicht nur das erste lateinamerikanische Land, sondern auch das erste des Globalen Südens, das sich zu einer FAP verpflichtete.

Die allgemeine Richtung aber war klar: Am 28. Sep­tember 2019 erklärte der damalige Außenminister Marcelo Ebrard in einer Rede vor der UNGA, die mexi­kanische Regierung verstehe sich als feministisch.46 Am 9. Januar 2020 wurde die Einführung einer FAP im Rahmen des jährlichen Leitungstreffens der mexi­kanischen Botschaften und Konsulate47 offiziell ver­kündet. Damit war Mexiko nicht nur das erste latein­amerikanische Land, sondern auch das erste des Glo­balen Südens, das sich zu einer FAP verpflichtete. Noch im selben Monat, am 28. Januar 2020, stellte die damalige Staatsministerin für multilaterale An­gelegenheiten und Menschenrechte Martha Delgado Peralta die mexikanische FAP auf der XIV. Regionalkonferenz über Frauen in Santiago de Chile in einem multilateralen Kontext vor.48

Die rechtlich-politische Verankerung

Die AMLO-Regierung institutionalisierte die mexikanische FAP nur zögerlich. Der Prozess beschleunigte sich jedoch unter ihrer Nachfolgerin, deren Politik und Diskurs eine eindeutige feministische Prägung aufweisen. Mit Claudia Sheinbaum, wie ihr Vorgänger MORENA-Mitglied, übernahm am 1. Oktober 2024 erstmals in der Geschichte Mexikos eine Frau die Regierungsgeschäfte. Als bekennende Feministin49 erklärte die Präsidentin die Gleichstellung der Geschlechter frühzeitig zu einem Schwerpunkt ihrer Politik: Noch im Monat ihrer Amtseinführung legte sie dem Senat den Entwurf eines Dekrets zur Ände­rung und Ergänzung einer Reihe von Verfassungs­artikeln vor, um substanzielle Gleichstellung der Geschlechter, die Gender-Perspektive, das Recht der Frauen auf ein Leben ohne Gewalt sowie die Besei­tigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles verfassungsrechtlich zu verankern. Diese Verfassungs­änderungen wurden von beiden Kammern des Natio­nalkongresses einstimmig beschlossen sowie von 26 Lokalparlamenten angenommen, womit sie im November 2024 in Kraft traten.50 Zudem wurde das Politikfeld durch die Überführung des bislang dem Präsidialamt unterstellten Nationalen Fraueninstituts (Instituto Nacional de las Mujeres, INMUJERES) in ein eigenständiges Ministerium für Frauen zum 1. Januar 2025 institutionell aufgewertet.51 Die Präsidentin erklärte zudem das Jahr 2025 zum »Jahr der indigenen Frau«.52

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und der Tatsache, dass Sheinbaum explizit feministisch argumentiert, ist es bemerkenswert, dass sie das Kon­zept FAP nicht verwendet.53 Weder in ihrem Wahl­programm »100 Schritte zur Transformation«54 noch im jüngsten Nationalen Entwicklungsplan für die Jahre 2025 bis 2030, in dem Geschlechtergerechtigkeit einen besonderen Stellenwert besitzt und die Rolle der Frauen beim ökonomischen und sozialen Wandel hervorgehoben wird, findet das Konzept FAP Erwähnung.55 Auf der Ebene des Außenministeriums sieht es anders aus: Das SRE unter der Leitung von Juan Ramón de la Fuente bekräftigte anlässlich des Internationalen Tages der Frauen in der Diplomatie am 27. Juni 2025 sein Bekenntnis zur FAP.56

Bislang existiert keine rechtlich bindende Grund­lage für die mexikanische FAP: Es wurde weder ein entsprechendes Gesetz erlassen noch ein Dekret dazu erwirkt. Es fehlt ebenfalls an einem offiziellen Stra­tegiepapier, einem Aktionsplan und einem Bericht zur FAP-Umsetzung. Informationen, die in gewisser Weise als funktionales Äquivalent, jedoch ohne lega­len oder bürokratischen Status, angesehen werden könnten, sind in zwei PowerPoint-Präsentationen des SRE enthalten. Die erste wurde im Januar 2020 auf der XIV. Regionalkonferenz über Frauen in Santiago de Chile gezeigt,57 die zweite im August 2025 auf der XV. Regionalkonferenz über Frauen in Mexiko-Stadt.58 Zu beiden gehört jeweils eine grobe »Aktionsroute«, die zudem eine Art Fortschrittsbericht enthält.

Die bürokratische Verankerung von Mexikos FAP erfolgte vor allem auf der Ebene der Ressortplanung. Zwar wurde FAP erstmals im Sektorprogramm für Außen­beziehungen 2020–2024 erwähnt, weitere inhaltliche Ausführungen gab es jedoch nicht.59 Das folgende Sektorprogramm für Außenbeziehungen 2025–203060 enthält dezidiertere Bezüge zur FAP: Diese findet sich zunächst im ersten von drei Quer­schnittsthemen (ejes transversales), in dem es um »sub­stanzielle Gleichheit und Frauenrechte« geht.61 Dabei werden die FAP als wichtiges Instrument des SRE dar­gestellt und die Gender-Perspektive als Quer­schnitts­dimension, welche die Wirksamkeit jeglicher öffent­lichen Politik positiv beeinflusst. Darüber hinaus werden verschiedene verwundbare Gruppen als prio­ritäre Zielgruppen der FAP genannt. Schließlich wird die FAP an verschiedenen Stellen als Bestandteil von Strategien und Handlungslinien aufgegriffen, die den sechs übergeordneten Zielen des Ressorts dienen sollen.

Der Themenbereich FAP obliegt im SRE der Staats­ministerin für multilaterale Angelegenheiten und Menschenrechte. Unter ihrer Leitung ist eine General­direktorin für Menschenrechte und Demokratie ins­besondere für FAP-Monitoring und -Evaluierung zuständig. Diese arbeitet intern mit den Auslands­vertretungen sowie verschiedenen Institutionen zusammen, die dem Außenministerium unterstellt sind – darunter die Diplomatische Akademie (Insti­tuto Matías Romero, IMR) –, sowie extern mit der Regierung von Mexiko-Stadt und mit dem nationalen Senat. Zudem sollen eine SRE-Arbeitsgruppe zum Gender-Mainstreaming gegründet und FAP-Beauf­tragte benannt werden. Darüber hinaus wurde im Büro des Außenministers eine FAP-Koordinierungs­stelle eingerichtet, die in enger Abstimmung mit der Direktorin für Feministische Außenpolitik und Inter­nationale Zusammenarbeit des Frauenministeriums kooperiert.

Die internationale EZ ist in Mexiko im Außen­ministerium angesiedelt und somit Teil der FAP. In diesem Kontext spielt die Mexikanische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (Agen­cia Mexicana de Cooperación Internacional para el Desarrollo, AMEXCID) als dezentrale SRE-Einrichtung, die sowohl empfangene als auch die Vergabe von Kooperationsleistungen koordiniert, eine wichtige Rolle. Das Programm der AMEXCID für die Jahre 2021 bis 202462 definiert Gleichstellung als bereichsübergreifende Priorität. Doch auch für die feministische EZ findet sich kein Strategiedokument oder Aktionsplan. Vorhanden sind Referenzdokumente mit Orien­tierungen und Instrumenten für das Gender-Main­streaming, die teilweise der Einführung der FAP vor­ausgingen: das Mexikanische Protokoll zum Gender-Mainstreaming in EZ-Programmen und -Projekten (2018),63 das gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erarbeitet wurde, sowie ein Leitfaden mit Begleitheft zum selben Thema, herausgegeben 2023 mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP).64

Ein konkret FAP-Maßnahmen zugewiesenes Budget wurde weder veröffentlicht noch vorgesehen. Auch über Mechanismen der Berichterstattung und Rechen­schaftspflicht ist wenig bekannt. Zwar findet sich in der Folie zur Aktionsroute 2020–2024 der ersten FAP-Präsentation ein Verweis auf die geplante Ent­wicklung von Ergebnis- und Wirkungsindikatoren, aber deren Ausgestaltung wird nicht näher erläutert, und Folgepublikationen liegen nicht vor.65 Darüber hinaus ist nicht öffentlich nachvollziehbar, inwieweit die Zivilgesellschaft in die Ausarbeitung des mexikanischen FAP-Konzepts eingebunden wurde. Das SRE kann nicht belegen, welche Akteur:innen beteiligt waren, welche Beteiligungsmechanismen genutzt wurden und ob eingebrachte Beiträge Berücksichti­gung fanden. In seiner Antwort auf eine Informa­tionsanfrage räumt das Außenministerium ein, seiner Dokumentationspflicht nicht nachgekommen zu sein.66

Das Konzept

In der Präsentation aus dem Jahr 2025 wird FAP wie folgt definiert: »Die Gesamtheit der transformativen Maßnahmen, die zur Verwirklichung der substan­ziellen Gleichheit in allen Handlungsbereichen der Außenpolitik Mexikos und seiner institutionellen Arbeit beitragen, basierend auf den Menschenrechten, der Förderung der Autonomie von Frauen und der Integration der Perspektiven der Geschlechter­gerechtigkeit und Intersektionalität, mit dem Ziel, zur Beseitigung struktureller Ungleichheiten auf­grund des Geschlechts beizutragen und so eine gerechtere, friedlichere, prosperierende und nachhaltigere Gesellschaft aufzubauen.«67 Im Vergleich zur ersten Defini­tion aus der Präsentation des Jahres 202068 ist diese spätere Erläuterung umfassender, da sie die Grund­lagen von FAP einbezieht. Sheinbaums Außenminister de la Fuente versteht die mexikanische FAP als Aus­druck der »humanistischen Vision«, welche die Außen­politik des Landes traditionell ge­prägt habe.69 AMLOs Außenministerin Alicia Bárcena (2023/24) hatte den Humanismus als Ansatz beschrieben, der die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt und zu einem gerechteren, stabileren und fried­licheren System beitragen soll.70

Die FAP soll Mexiko zu einer internationalen Führungsrolle in diesem Politikfeld verhelfen.

Dem SRE zufolge handelt es sich bei der FAP um einen transformativen Ansatz, der sich im Sinne poli­tischer Kohärenz nach innen wie nach außen richtet. In der Definition werden jedoch die Effekte auf die mexikanische Gesellschaft betont. Die Begründung verbindet eine normative (Wert an sich) und eine in­strumentelle Dimension (Beitrag zu). In diesem Sinne soll FAP Mexiko zu einer internationalen Führungs­rolle in diesem Politikfeld, insbesondere in Latein­amerika, verhelfen; denn das Land möchte auch wei­tere Staaten zur Einführung eines solchen Ansatzes bewegen.71 Darüber hinaus soll der feministische Ansatz dazu dienen, die Leistungen von Frauen in der Außen- und Globalpolitik sichtbar zu machen.72

In der Präsentation des Jahres 2020 werden fünf Handlungsbereiche der FAP (»Prinzipien« genannt) aufgeführt: Erstens sollen der Menschenrechtsansatz und die intersektionale Gender-Perspektive als Quer­schnittsprinzipien »in allen Bereichen der mexika­nischen Außenpolitik«73 umgesetzt werden, so der Anspruch. Explizit genannt werden hierbei die EZ, Wirtschaftsförderung, Kultur, Tourismus, Umwelt und Klima.74 Zweitens soll die Gleichstellung inner­halb des Außenministeriums vorangetrieben werden, etwa durch Maßnahmen zu Karriereförderung und Herstellung von Lohngleichheit. Den dritten Hand­lungsbereich bildet die Bekämpfung geschlechts­spezifischer Gewalt, sowohl auf das Personal des SRE bezogen als auch durch Unterstützung für im Aus­land lebende Mexikanerinnen. Viertens sollen Frauen in der Außenpolitik und auf der globalen Bühne prä­senter werden. Der fünfte Handlungsbereich trägt den Titel »Das SRE ist intersektional feministisch« und den Untertitel »Komplementarität mit weiteren glo­balen und nationalen Maßnahmen«. Die Erläuterungen zu Mainstreaming (transversalidad) in diesem Kapi­tel suggerieren, dass hier die Begriffe »intersektional« und »transversal« verwechselt wurden.75

Im internationalen Vergleich stechen in Mexikos FAP-Konzept einige Anliegen hervor, die eng mit dem nationalen und regionalen Kontext verbunden sind.

In Mexikos FAP-Konzept lässt sich kein klarer the­matischer Fokus identifizieren. Dennoch stechen im internationalen Vergleich einige Anliegen hervor, die eng mit dem nationalen und regionalen Kontext ver­bunden sind. Dazu zählen die Prävention und Bekämp­fung geschlechtsspezifischer Gewalt, ein prio­ritäres Thema der feministischen Bewegungen in Mexiko. Zunehmend rückt auch das Thema Care (cui­dados) in den Vordergrund; hier lässt sich zurzeit die dynamische Entwicklung einer regionalen Agenda beobachten. Erste Hinweise darauf finden sich mit der Nennung unterstützender Maßnahmen für Sorge- und Betreuungsaufgaben des diplomatischen Per­sonals bereits in der Vorstellung des FAP-Konzepts aus dem Jahr 2020.76 Weiterhin ist Care etwa im Leit­faden für Gender-Mainstreaming in der EZ (2023) von AMEXCID und dem UNDP77 präsent sowie auf natio­naler Ebene im Entwicklungsplan 2025–2030.78 Wichtige Impulse ergeben sich aus der regionalen Gender-Agenda und Mexikos Rolle als Gastgeberland der XVI. Regionalkonferenz über Frauen im August 2025, die sich den Transformationen hin zu einer Care-Gesellschaft widmete.79

Bezüglich der prioritären Zielgruppen verfolgt die mexikanische Regierung in ihrer FAP einen inklu­siven und intersektionalen Ansatz und spricht von Frauen und »historisch benachteiligten Gruppen«80 als Zielgruppe. Mit Blick auf indigene und afro-mexi­kanische Gemeinschaften werden die FAP sowie die Gender-Perspektive als interkulturell charakterisiert. Insgesamt liegt der Schwerpunkt deutlich auf Frauen. So nehmen beispielsweise Maßnahmen für Geschlech­ter­parität, etwa in Bezug auf die Karriereförderung oder die Zusammensetzung von Delegationen und Konferenzpanels, großen Raum ein.81 Der im Januar 2023 veröffentlichte »Leitfaden für inklusive und nicht-sexistische Sprache«82 rückt geschlechtergerechte Kommunikation in den Fokus. Auch kann daraus abgeleitet werden, auf welche konkreten historisch benachteiligten Gruppen sich das SRE bezieht, denn im Leitfaden gibt es spezifische Abschnitte zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender-Personen, Transvestiten und Intersexuellen, Menschen mit Behinderung, afrostämmigen Personen, Indigenen, Menschen mit HIV/AIDS, Migrant:innen, Angehö­rigen religiöser Minderheiten sowie Hausangestellten.

Maßnahmen und Aktivitäten

Zu der mexikanischen FAP liegen keine offiziellen Umsetzungsberichte vor. Daher lässt sich schwer nach­vollziehen, welche Maßnahmen auf die Einfüh­rung der FAP folgten.83 In der Präsentation des Jahres 2025 werden unter dem Punkt »Fortschritte« zwar einige Aktivitäten in den Bereichen Geschlechter­parität, Fortbildung, Planung, Instrumente und Alli­anzen aufgeführt, aber öffentlich zugängliche Belege dafür gibt es kaum. Einzelne Beispiele geben jedoch Hinweise auf die Implementierung.

Auf institutioneller Ebene hat das Außenministerium Maßnahmen ergriffen, die mit einer FAP im Ein­klang stehen. Beispielsweise heißt es, der Anteil von Frauen in internationalen Delegationen sei von 58 Prozent im Jahr 2019 auf 72 Prozent im Jahr 2021 gestie­gen.84 Um langfristig Geschlechterparität im diplomatischen Dienst zu erreichen, wurde unter der Regierung Shein­baum die Frauenquote für den diplo­matischen Aus­bildungsjahrgang 2025 am Instituto Matías Romero auf 66 Prozent erhöht. Zudem wurde im August 2025 mit Genaro Lozano ein LGBT+-Akti­vist zum Botschafter in Italien ernannt. In einzelnen Botschaften sollen zu­dem Maßnahmen zur Vereinbarkeit des Berufslebens mit Care-Verantwortlich­keiten getroffen worden sein, etwa durch die Einrich­tung von Stillzimmern.85

Aus der Präsentation des Jahres 2025 geht hervor, dass im selben Jahr Fortbildungen zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit und FAP sowie zu positiver Maskulinität angeboten wurden. In beiden Fällen wird die Zielgruppe jedoch nicht näher spezifiziert. Darüber hinaus wurde 2025 ein umfassender interner (also nicht veröffentlichter) Leitfaden zur Vertiefung der FAP in der Arbeit des SRE und der mexikanischen Vertretungen im Ausland entwickelt. Berichten zu­folge bietet er sowohl konzeptionelle als auch ope­rative Orientierung zur Umsetzung der FAP.86 Auf Planungsebene wurden zwei FAP-Indikatoren (quanti­ta­tiver Natur) eingeführt.

Auf bilateraler Ebene ist ein 2020 beschlossenes Memorandum of Understanding (MoU) zwischen der mexikanischen Botschaft in Italien und dem Verein »Rosa Telefon« hervorzuheben, das den Schutz von Mexikanerinnen in Italien zum Ziel hat, die geschlechtsspezifische Gewalt erfahren haben.87 Im Jahr 2022 wurde zudem mit Spanien ein MoU zur Förderung von FAP unterzeichnet.88

FAP-Impulse auf multilateraler Ebene lassen sich an Mexikos Ratifizierung von zwei für die Geschlechtergerechtigkeit relevanten Konventionen der Inter­nationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Natio­nen (ILO) ablesen: Nr. 189 über die Förderung men­schenwürdiger Arbeit für Hausangestellte (ratifiziert am 3. Juli 2020) und Nr. 190 über die Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt (ratifiziert am 15. März 2022). Außenminister Ebrard und Staats­ministerin Delgado bekräftigten jeweils, dass damit Mexikos FAP zum Ausdruck gebracht werde.89

Das SRE veröffentlichte 2022 einen spezifischen Aktionsplan Gender und Klimawandel,90 der drei zen­trale Handlungsfelder umfasst: den Ausbau der Rolle und Partizipation von Frauen in der internationalen Klimapolitik, den Aufbau nationaler Kapazitäten für eine geschlechtergerechte Klimapolitik sowie die Bereit­stellung geschlechtergerechter Finanzierung.91

Darüber hinaus veranstalteten Mexiko und Frankreich im Jahr 2021 im geteilten Vorsitz das »Genera­tion Equality Forum« in Mexiko-Stadt und Paris. Die Initiative »Generation Equality« (Generation Gleich­berechtigung) wurde von UN Women ins Leben geru­fen und zielt weltweit auf die Beschleunigung von Investitionen in die Gleichstellung der Geschlechter und die Umsetzung entsprechender Maßnahmen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Globale Allianz für Care ins Leben gerufen.92

Chile

Der Weg zur feministischen Außenpolitik

Die rechtlichen Grundlagen des Gleichheitsprinzips in Chile gehen auf die im Jahr 1980 unter der Militär­diktatur Augusto Pinochets verabschiedete Verfassung zurück. Nach der demokratischen Transition erfuhr sie zahlreiche substanzielle Änderungen. In Artikel 1 ist bis heute der allgemeine Gleichheitsgrundsatz formuliert: »Die Personen werden frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« In der ur­sprünglichen Fassung von 1980 wurde dabei aller­dings im Spanischen der Begriff »Männer« (hombres) verwendet, um Menschen zu bezeichnen, was bis heute in vielen Sprachen üblich ist. Mit dem Gesetz 19.611 von 1999 wurde dieser Terminus durch »Per­sonen« ersetzt; zusätzlich erfolgte in Artikel 19 Ab­satz 2 eine Spezifizierung hinsichtlich der rechtlichen Gleichheit von Männern und Frauen.93 Derselbe Arti­kel enthält zudem seit 1980 den Zusatz: »Weder das Gesetz noch irgendeine Behörde darf willkürliche Unterschiede festlegen.«94 Ein ausdrückliches und umfassendes Diskriminierungsverbot findet sich in der Verfassung jedoch nicht. Ein solches wurde durch das Gesetz 20.609 im Jahr 2012 geregelt, samt präven­tiven, sanktionierenden und gegebenenfalls wiedergutmachenden Maßnahmen.95

Zwar gibt es in Chile kein allgemeines Gleich­stellungsgesetz, mit dem Gesetz 20.820 aus dem Jahr 2015 wurde aber das Ministerium für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit geschaffen und als dessen Aufgabe festgeschrieben, die Gender-Perspektive in die Politik sowie in die Pläne der verschiedenen Minis­terien und Behörden zu integrieren.96 Zudem schützen mehrere Gesetze spezifische Rechte von Frauen und weiteren benachteiligten Gruppen.

Traditionell erstellt Chile keinen Nationalen Entwicklungsplan, in dem geschlechterpolitische Ziele und Maßnahmen festgelegt werden könnten. Diese Funktion erfüllen jedoch die Nationalen Gleich­stellungspläne, die seit Mitte der 1990er jeweils für mehrere Jahre formuliert werden. Der derzeit geltende Vierte Nationale Plan für die Gleichstellung von Frauen und Männern für den Zeitraum 2018 bis 203097 führt die umfassende Verankerung der Gender-Perspektive in allen öffentlichen Institutionen sowie in staat­lichen Programmen und der Haushaltsplanung als eines der zentralen strategischen Ziele auf.98 Dabei geht er nur am Rande auf außenpolitische Handlungs­felder ein, etwa im Kontext der WPS-Agenda.

Hinsichtlich der Agenda nimmt Chile in Lateinamerika eine Vorreiterrolle ein. Unter der ersten Prä­sidentschaft Michelle Bachelets (2006–2010) war es das erste Land der Region, das einen NAP für die Jahre 2009 bis 2011 zur Umsetzung der UN-Sicherheitsrats­resolution 1325 verabschiedete. Ein weiterer NAP wurde in ihrer zweiten Präsidentschaft (2014–2018) für die Jahre 2015 bis 2018 veröffentlicht. Zum Zeit­punkt der Einführung der FAP in Chile (2023) lag kein gültiger NAP vor; allerdings wurde im September 2025 ein dritter NAP für die Jahre 2025 bis 2030 prä­sentiert.99 Dieser soll von den Ministerien für Außen-, Innen-, Verteidigungs-, Sicherheits- und Umwelt­politik gemeinsam mit dem Ministerium für Frauen- und Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt werden. Im NAP wird auf die Verknüpfung mit der FAP eingegangen. Konkret ist die Erstellung eines Kompendiums der im Rahmen der FAP gewonnenen Erkenntnisse mit Schwerpunkt auf Friedensförderung vorgesehen.100

Im Zuge seines Amtsantritts am 11. März 2022 nannte Boric seine Regierung explizit feministisch.

Das linke Parteienbündnis Apruebo Dignidad (Ich stimme der Würde zu) unter der Führung von Gabriel Boric und dessen Partei Frente Amplio (Breite Front) versprach bereits in seinem Wahlprogramm eine durchgängige Berücksichtigung der Gender-Perspek­tive in allen Politikbereichen, einschließlich der geschlechterparitätischen Besetzung des Kabinetts. Ebenfalls explizit vorgesehen war darin die Einführung einer FAP, die auf der Grundlage partizipativer Verfahren mit dem Ziel entwickelt werden sollte, einen menschenrechtsbasierten Ansatz, die Gender-Perspektive sowie intersektionale Ansätze im aus­wärtigen Handeln der chilenischen Regierung zu ver­ankern.101 Im Zuge seines Amtsantritts am 11. März 2022 nannte Boric seine Regierung explizit feministisch, besetzte sein Kabinett mit vierzehn Frauen und zehn Männern102 und nahm zum ersten Mal in der Geschichte des Landes das Ministerium für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit in das politische Komi­tee auf, das die wichtigsten Ministerien vereint.103 Kurz darauf, am 22. März 2022, kündigte seine erste Außenministerin Antonia Urrejola (2022/23) die Aus­arbeitung einer FAP-Strategie an: In ihrer Rede auf einer Veranstaltung des deutsch-lateinamerika­nischen Frauennetzwerks Unidas in Berlin erklärte sie, die FAP würde zu einem innovativen Kennzeichen der chilenischen Diplomatie werden und Chiles Einsatz für Menschenrechte widerspiegeln.104 Im Rah­men eines offiziellen Besuchs in Madrid unterzeich­neten Urrejola und ihr spanischer Amtskollege José Manuel Albares, dessen Land sich 2021 zu einer FAP verpflichtet hatte, am 1. Juli 2022 eine Kooperationsvereinbarung in dem Bereich.105

Am 12. Juni 2023 stellten Außenminister Alberto van Klaveren (seit 2023 im Amt), die Staatssekretärin für Außenbeziehungen Gloria de la Fuente González und die Staatssekretärin für Internationale Wirtschaftsbeziehungen Claudia Sanhueza Riveros in der Hauptstadt Santiago die chilenische FAP-Strategie vor. Damit war Chile das zweite Land in Lateinamerika, das sich offiziell zu einer FAP bekannte. Zum 8. März 2024 folgte anlässlich des Internationalen Frauen­tags die Präsentation des ersten FAP-Aktionsplans (2024/25).106 Das chilenische Außenministerium deu­tet FAP nicht als Wandel seines auswärtigen Handelns, sondern als Fortsetzung des bisherigen politi­schen Kurses: Die Übernahme des feministischen Ansatzes bekräftige Chiles internationales Engagement der letzten Jahrzehnte für die Menschenrechte.107 Die chilenische FAP wurde im Rahmen eines partizipativen Prozesses entwickelt, bestehend aus Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit Wissenschaftler:innen, Vertreter:innen der Zivil­gesellschaft und des Außenministeriums.108 Das Ministerium überprüfte zudem die bereits vorhandenen Verpflichtungen, Initiativen und Instrumente im Gender-Bereich, um seine FAP daran anzuknüpfen.109

Die rechtlich-politische Verankerung

Chile verfügt seit 2023 über eine detaillierte FAP-Stra­tegie, die in einem 56-seitigen Dokument110 ausgearbeitet ist, sowie einen FAP-Aktionsplan für den Zeit­raum 2024/25.111 Es gibt zwar kein spezifisches Gesetz oder Dekret,112 das die Verfolgung einer FAP explizit vorschreibt. Bereits seit dem 17. März 2020 – und damit noch vor Einführung der FAP – sieht allerdings das Dekret 41 über die interne Organisation des Teilressorts für Außenbeziehungen vor, dass das Generalsekretariat für Außenpolitik dem Staatssekretär bzw. der Staatssekretärin für Außenbeziehungen Vorschläge zur »Einbeziehung der Geschlechterpolitik als integralen Bestandteil der Außenpolitik Chiles« unterbreitet. Mit Dekret 207 vom 27. August 2025, das Dekret 41 änderte, wurde im Teilressort für Außenbeziehungen zudem ein Referat für Gender-Fragen geschaffen, das noch im selben Monat die Aufgaben eines bestehenden Übergangsteams übernahm.113 Diese umfassen die Integration der FAP-Vision in die außenpolitische Strategie und die Koordination der entsprechenden Maßnahmen.114

In der FAP-Strategie ist ebenfalls vorgesehen, dass das Referat für Gender-Fragen zwecks ressortübergreifender Koordination in das Netzwerk von Gender-Beraterinnen der einzelnen Ministerien aufgenommen werden soll. Auch enthält sie das Vorhaben, im Außenministerium sowie den Auslandsvertretungen, Botschaften und Konsulaten ein Netzwerk von Gender Focal Points aufzubauen, das die Verbreitung, Koordi­nierung und Umsetzung der FAP zum Ziel hat.115 Informationen des Ministeriums zufolge wurde ein solches allerdings erst im Oktober 2025 eingerichtet. In den zwei Teilressorts Außenbeziehungen und Außenwirtschaft wurde jeweils eine Gender-Arbeits­gruppe etabliert. Zusätzlich soll in allen dem Minis­terium unterstellten Einrichtungen, etwa der chile­nischen Agentur für inter­nationale Entwicklungs­zusammenarbeit (Agencia Chilena de Cooperación Internacional para el Desarrollo, AGCID), die Stelle einer oder eines Gender-Beauftragten institutionalisiert werden.116

Die AGCID ist eine funktionell dezentralisierte, seit 2005 dem Außenministerium unterstellte Behör­de mit dem Auftrag, Maßnahmen im Einklang mit des­sen Leitlinien im Bereich der erhaltenen und vergebe­nen Mittel für EZ durchzuführen. Dazu gehört die FAP, die in der AGCID-Strategie 2023–2026 als eines der vier Querschnittsthemen des Außenministeriums zitiert wird.117 Von ihnen leitet die AGCID vier Leit­prinzipien für ihre Arbeit ab, eines davon lautet: Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit. Zugleich wird in der Strategie eine Reihe von thema­tischen Schwerpunkten festgelegt, darunter die Bekämp­fung sozialer Ungleichheiten und Diskriminierungen, Geschlechtergerechtigkeit und das Em­powerment von Frauen sowie Menschenrechte und Demokratieförderung.118 AGCID-Geschäftsführer Enrique O’Farrill vertritt öffentlich die Ansicht, dass die Berücksichtigung unterschiedlicher Bedürfnisse von Frauen und Männern in EZ-Initiativen unerlässlich ist, soll deren Wirksamkeit gesteigert werden.119

In der FAP-Strategie wird die Einführung eines »gender-sensiblen Budgets für Mainstreaming« ange­kündigt. Weder der FAP-Aktionsplan noch der FAP-Umsetzungsbericht 2025 enthalten jedoch Verweise auf entsprechende Etats. Mittel für einzelne Initia­tiven sind im FAP-Aktionsplan ebenso wenig zu fin­den – mit Ausnahme des Projekts »Ellas+«, für das die spanische Regierung 300.000 Euro zur Verfügung gestellt hat.120 Im FAP-Umsetzungsbericht werden einige finanzielle Ressourcen auf Projektebene erwähnt. So hätten 2023 zehn von 95 Projekten der chilenischen diplomatischen Vertretungen Gender-Komponenten enthalten; die Ausgaben dafür beliefen sich aber lediglich auf 28.667 US-Dollar. Weiter wer­den für 28 Projekte im Jahr 2024 FAP-Komponenten angegeben, ohne dass ein entsprechendes Budget genannt wird.121 In der Einleitung des FAP-Aktions­plans wird dieser als Leitfaden und Mechanismus für das Monitoring beschrieben. Zumindest in der veröffentlichten Version fehlen Timelines, Verantwortlichkeiten und Felder zur Eintragung bereits erfolgter Maßnahmen.122 Der detailreiche FAP-Um­setzungsbericht von 2025, der auf seinen 97 Seiten Grafiken und Auswertungen enthält,123 legt hingegen eine solide Dokumentierung und ein hohes Maß an Transparenz nahe.

Das Konzept

Das chilenische Außenministerium definiert die FAP als »ein im Aufbau befindliches Paradigma, das dar­auf zielt, die Art und Weise zu verändern, wie die glo­bale und regionale Agenda konstruiert und angegan­gen wird und wie die Macht unter den Akteuren verteilt ist«.124 Dies zeugt von einem ambitionierten, transformativen Anspruch. Die FAP wird als parti­zipativ, inklusiv, trans­versal, intersektional und auf dem Menschenrechtsansatz beruhend beschrieben und soll den Grundsatz der Gleichheit und Nicht­diskriminierung als Leitprinzip der chilenischen Außenpolitik etablieren.125 Sie betone, so heißt es im FAP-Aktionsplan, die institutionelle Vision, dass Gleich­stellung auf internationaler Ebene zur Stabi­lisierung von Gesellschaften, Festigung demokra­tischer Werte und integrativen Volkswirtschaften führt.126 In ihrem Vorwort zur FAP-Strategie schreibt Staatssekretärin de la Fuente, FAP bekräftige und vertiefe »das Engagement Chiles für die Förderung der Demokratie und die Achtung der Menschenrechte, die auch zu den Grundsätzen unserer Außenpolitik gehören«.127 Damit wird FAP normativ mit den Prin­zipien der inneren Verfasstheit Chiles in Zusammenhang gebracht.

Bei dem Thema »Handel und Gender« sah sich Chile bereits vor der Einführung von FAP in einer Vorreiterrolle.

Das chilenische Außenministerium rückt darüber hinaus das Thema »Handel und Gender« in den Mit­tel­punkt. Dabei sah sich das Land bereits vor der Ein­führung von FAP in einer Vorreiterrolle.128 Die for­cierte Einbindung von Frauen in den internationalen Handel soll deren wirtschaftlicher Autonomie zugute­kommen, die Geschlechtergerechtigkeit ausbauen und für wirtschaftliches Wachstum sorgen.129

In der chilenischen EZ wird laut der AGCID-Stra­tegie 2023–2026 im Einklang mit FAP ein zweigleisiger Ansatz für den Bereich Gender verfolgt: Einerseits werden gezielt Initiativen in Schlüsselbereichen für Gleichstellung umgesetzt, andererseits findet in den Maßnahmen der EZ systematisch Gender-Main­stream­ing statt.130

Die acht prioritären Themenfelder, die in der FAP-Strategie definiert sind, deren Reihenfolge aber keine Hierarchisierung darstellt, verdeutlichen den umfas­sen­den Anspruch des Ansatzes: Erstens wird die För­derung von Menschenrechten und Demokratie mit Fokus auf Geschlechtergleichstellung hervorgehoben. Zweitens beinhaltet die FAP die Bekämpfung von ge­schlechtsspezifischer Gewalt, die als eine der größten Bedrohungen für Frieden und Entwicklung bezeich­net wird. Im Vordergrund steht, drittens, das Em­powerment von Frauen, die künftig insbesondere in relevanten außenpolitischen Entscheidungsprozessen und an der Spitze von Botschaften in höherer Zahl vertreten sein sollen. Viertens werden die WPS-Agenda und das Vorhaben aufgegriffen, einen entsprechenden aktuellen NAP zu erstellen. Fünftens wird die Relevanz von Gender für die internationalen Wirt­schaftsbeziehungen betont. Sechstens werden Klima­wandel und Gender sowie, siebtens, die digitale Agenda, Wissenschaft, Technologie und Innovation genannt. Die FAP-Strategie hebt, achtens, den Aufbau eines ganzheitlichen Care-Systems hervor, insbesondere im Rahmen regionaler Debatten und Konferenzen.131

Entsprechend dem Anspruch, einen inklusiven und intersektionalen Ansatz zu verfolgen, zielt die FAP-Strategie ausdrücklich auf Frauen und Mädchen in ihrer ganzen Diversität. Darüber hinaus finden punktuell LGBTIQA+-Personen132 und – im Kontext internationaler Wirtschaftsbeziehungen – indigene Völker133 Erwähnung. Diese Fokussierung findet sich in ähnlicher Weise im FAP-Aktionsplan, in dem von besonderen Schutzgruppen im Bereich der Menschenrechte die Rede ist. Zu LGBTIQA+134 sowie einem Pro­jekt zur Jugendförderung135 gibt es eigene Passa­gen, während die Belange indigener Völker nicht auf­gegriffen werden. Der FAP-Umsetzungsbericht von 2025 hingegen geht differenzierter auf Trans- und Intersexpersonen ein und behandelt die Rechte indi­gener Frauen, allerdings schwerpunktmäßig vor dem Hintergrund der Handelspolitik.136

Maßnahmen und Aktivitäten

Der ausführliche Umsetzungsbericht vom März 2025 zum chilenischen FAP-Aktionsplan verdeutlicht die Bandbreite der bereits ergriffenen Maßnahmen.

Dass das chilenische Außenministerium intern wichtige Schritte hin zu Geschlechtergerechtigkeit unternommen hat, zeigt die Auszeichnung seines Teilressorts für Außenbeziehungen mit dem UNDP Gender Equality Seal. Dabei handelt es sich um ein glo­bales Zertifizierungsprogramm für private und öffent­liche Institutionen, das unter anderem Maßnahmen zur Beseitigung von Unterschieden zwischen dem Lohn von Männern und jenem von Frauen, zur Erhö­hung des Frauenanteils in Führungspositionen sowie zur Bekämpfung sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bewertet.137 Das genannte Teilressort erfüllte die Anforderungen zu 92,5 Prozent und erhielt somit das Siegel in Gold.138

Der Umsetzungsbericht gibt, entsprechend der Schwerpunktsetzung der FAP Chiles, auch Aufschluss über Fortschritte im Bereich Gender und internationaler Handel. Seit Einführung der FAP wurden Gen­der-Kapitel in Handelsabkommen mit Mexiko, Para­guay und Saudi-Arabien (alle 2024) sowie mit der EU und Singapur bzw. der Pazifikallianz (alle 2025) integriert.139 Ebenso wurden Maßnahmen zur Unter­stützung von Unternehmen in Frauenhand ergriffen. Deren Anteil an den chilenischen Exportunternehmen sei zwischen 2021 und 2024 kontinuierlich auf 29,7 Prozent gestiegen.140

Die Zahl der EZ-Projekte mit Gender-Bezug unter der Ägide der AGCID erhöhte sich von 26 im Jahr 2023 auf 34 im Jahr 2024.141 Bei der Vergabe von Stipendien zu Ausbildungs- und Spezialisierungs­zwecken wurde ebenfalls auf die Gender-Dimension geachtet. Im Jahr 2024 gingen 55 Prozent der Stipen­dien an Frauen.142

Die Gender-Agenda wird in politische Dialoge, insbesondere mit Europa, einbezogen.

Bilaterale Abkommen zu Gender-Themen hat Chile mit Spanien, Frankreich, den USA, Mexiko, Brasilien, Kolumbien und zuletzt Norwegen unterzeichnet.143 Mit Deutschland, Kanada und Australien schloss es strategische Abkommen in den Bereichen Nachhaltigkeit und technologische Innovation, in denen die Gleichstellung der Geschlechter Berücksichtigung findet. Zudem wird die Gender-Agenda in politische Dialoge, insbesondere mit Europa, einbezogen. So wurde etwa während des Staatsbesuchs von Boric und van Klaveren in Frankreich im Juli 2023 die Absicht der beiden Länder erklärt, Frauen in Führungspositio­nen stärker als bisher in gemeinsame wissenschaft­liche Projekte und die bilaterale Klimaagenda ein­zubinden.144 Im Rahmen der Süd-Süd-Kooperation unter­stützte Chile Costa Rica durch Wissenstransfer bei der Ausarbeitung eines NAP.145

Auf multilateraler Ebene engagierte sich Chile insbesondere in der OAS. So brachte es etwa mehrere Abschnitte zu Geschlechterparität und zum Ausbau des Überprüfungsmechanismus MESECVI in die Reso­lution »Förderung und Schutz der Menschenrechte« ein, die auf der 54. OAS-Generalversammlung im Juni 2024 verabschiedet wurde. Im Rahmen der Vereinten Nationen präsentierte Chile im Juli 2023 gemeinsam mit Spanien und weiteren Staaten die Resolution A/77/L.81, um den 29. Oktober zum »Internationalen Tag der Pflege und Betreuung« zu erklären. Die chile­nische Regierung bemühte sich außerdem um eine geschlechterparitätische Vertretung ihres Landes in internationalen Organisationen. Von den fünf erfolg­reichen Kandidaturen in den Jahren 2023 und 2024 entfielen drei auf Frauen. Zu den überregionalen Foren, in denen sich Chile engagiert, gehört die Women, Peace and Security Impact Group, die sich der Vertiefung und Förderung der WPS-Agenda widmet.

Kolumbien

Der Weg zur feministischen Außenpolitik

Artikel 13 der kolumbianischen Verfassung von 1991 enthält das Gleichheitsgebot. Demnach haben alle Personen die gleichen Rechte, Freiheiten und Chan­cen, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer »Rasse« (raza), nationalen oder familiären Herkunft, Sprache, Reli­gion, politischen oder philosophischen Überzeugung. Zugleich ist in diesem Artikel die Verantwortung des Staates festgeschrieben, die Voraussetzungen für Gleichheit zu schaffen und gezielte Maßnahmen zugunsten diskriminierter oder marginalisierter Per­so­nengruppen zu ergreifen.146

Diese Grundsätze wurden durch eine Reihe von Gesetzen immer weiter konkretisiert. So legt bei­spiels­weise das Gesetz 823 von 2003 den institutio­nellen Rahmen dafür fest, dass die Politik und die Maßnahmen der Regierung entsprechend im Gesetz dargelegter Normen die Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen im öffentlichen und privaten Bereich gewährleisten.147 Damit wurde in Kolumbien die Vorgabe eingeführt, bei staatlichem Handeln stets die Gender-Perspektive zu berücksich­tigen.

Auch in den Nationalen Entwicklungsplänen Kolum­biens fanden sich bereits vor der Einführung einer FAP zentrale Bezüge zu Chancengleichheit und Frauenrechten. Die Thematik erhielt im Entwicklungsplan 2018–2022 mit dem gesonderten Kapitel »Pakt für die Gleichstellung der Frauen« einen beson­deren Stellenwert.148 Ins Auge gefasst wurde mit dem Sistema Nacional de las Mujeres ein Mechanismus, der die Umsetzung und Koordination von Politiken zur Gleich­stellung der Geschlechter auf nationaler Ebene sicherstellen sollte. 2019 wurde er eingerichtet.149

Am 19. Juni 2022 wurde Gustavo Petro, Kandidat der Partei Colombia Humana (Menschliches Kolum­bien) sowie des Bündnisses Pacto Histórico (Historischer Pakt), zum Präsidenten gewählt. Er ist das erste linke Staatsoberhaupt in der Geschichte Kolumbiens, seine Vizepräsidentin Francia Márquez ist die erste Afro­kolumbianerin in dieser Position. Das Wahl­programm Petro–Márquez für die Jahre 2022 bis 2026 enthielt zwar keinen Verweis auf eine FAP, aber ein Kapitel mit der Überschrift »Der Wandel erfolgt mit den Frauen«. Darin wird die Bedeutung der Parti­zipation und Repräsentation von Frauen, der Gender-Perspektive, der Geschlechterparität auf höchster po­litischer Ebene, der wirtschaftlichen Rolle von Frauen und ihrer ökonomischen Autonomie, ihrer sexuellen und reproduktiven Rechte, der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sowie ihres Beitrags zur Frie­densförderung hervorgehoben.150

Im Einklang damit besetzte Petro sein Kabinett nach dem Prinzip der Geschlechterparität (zehn Frauen und neun Männer) und hielt dies trotz zahl­reicher Umstrukturierungen weitestgehend ein. Der Präsident gab zudem an, er achte bei seiner Personalpolitik auf ethnische Diversität. Die Wechsel betrafen unter anderem das Außenministerium, das seit 2022 nacheinander von Álvaro Leyva (2022–2024), Luis Murillo (ab Februar 2024) und Laura Sarabia (ab Januar 2025) geleitet wurde. Im Juli 2025 übernahm Rosa Yolanda Villavicencio das Amt.

Am Rande der UNGA-Sitzungen des Jahres 2022 kündigte Petro am 20. September in einem offiziellen Gespräch mit Sima Bahous, der Exekutivdirektorin von UN Women, die Einführung einer FAP für Ko­lum­bien an. Zugleich erklärte er, dass seine Regierung Konsultationen mit verschiedenen Frauen­bewegungen durchführen werde, um einen NAP zur Umsetzung der UNSCR 1325 zu erarbeiten.151 Obwohl Fragen von Frieden und Sicherheit das Land aufgrund eines bewaffneten Konflikts seit Jahrzehnten prägen, verfügte Kolumbien bisher über keinen NAP. Am 5. Oktober 2022 kündigte die damalige Vizeaußenministerin für multilaterale Angelegenheiten Laura Gil (2022/23) in ihrer Rede vor der OAS-General­versammlung ebenfalls die Entwicklung einer FAP an. Sie betonte dabei, dass sich diese ausdrücklich auf Frauen in all ihrer Diversität beziehen werde, und hob die zentrale Bedeutung der Förderung von Frauen- und LGBTI-Rechten für die Verwirklichung eines »totalen Friedens« hervor.152

Das Ministerium trägt weder »Frauen« noch »Gleichstellung« im Namen und ist thematisch breiter aufgestellt als üblich.

Wie im Wahlprogramm vorgesehen, wurde im Januar 2023 darüber hinaus das Ministerium für Gleichheit und Gerechtigkeit eingerichtet, das fünf Unterministerien für verschiedene Zielgruppen um­fasst: für Frauen, für Jugend, für marginalisierte Bevölkerungen und Gebiete und die Überwindung der Armut, für Diversität, für ethnische und bäuer­liche Gruppen.153 Es löste im April 2024 die bis dahin bestehende Präsidialberatung für die Gleichstellung der Frau ab.154 Im internationalen Vergleich fällt auf, dass das Ministerium weder »Frauen« noch »Gleichstellung« im Namen trägt und thematisch breiter aufgestellt ist als üblich. So ist es mit der Beseitigung ökonomischer, politischer und sozialer Ungleich­heiten beauftragt, und zwar auf der Grundlage rechts­basierter, geschlechts­spezifischer, rassismuskritischer, intersektionaler Ansätze und solcher, die auf aus­gleichende Gerechtigkeit zielen. Márquez leitete das Ministerium neben ihrer Rolle als Vizepräsidentin bis zum Februar 2025, als ihr der Aufgabenbereich im Rahmen einer Neustrukturierung des Kabinetts ent­zogen wurde.155

Fragen der Ausgestaltung der kolumbianischen FAP wurden unter anderem von Juni bis Dezember 2023 im Rahmen eines partizipativen Prozesses behandelt. An den mehr als 20 Treffen waren 18 zivil­gesellschaftliche Frauen- und LGBTIQ+-Organisatio­nen, ein Kollektiv von Wissenschaftlerinnen, ver­schiedene Einheiten des Außenministeriums sowie die Präsidialagentur für internationale Zusammen­arbeit (Agencia Presidencial de Cooperación Inter­nacional, APC), die Migrationsbehörde und die Natio­nale Planungsstelle (Departamento Nacional de Planeación, DNP) beteiligt. Entworfen wurden ein gemeinsamer Arbeitsplan mit thematischen Schwerpunkten und Einzelmaßnahmen sowie ein Mechanis­mus für die weitere Parti­zipation.156

Die ausgearbeitete FAP Kolumbiens wurde erneut vor einem internationalen Forum vorgestellt. Diana Parra, Beraterin für Gender-Angelegenheiten und Feministische Außenpolitik in Kolumbien, erläuterte das Konzept und den FAP-Aktionsplan am 15. März 2024 in einer Parallelveranstaltung zur 68. Sitzungs­periode der CSW.157

Der erste NAP Kolumbiens zur Umsetzung der UNSCR 1325 wurde im November 2024 von der Vize­präsidentin und damaligen Ministerin für Gleichheit Márquez vorgestellt und per Dekret des Präsidenten ein Jahr später rechtlich verankert.158 Er gilt für den Zeitraum 2024 bis 2034, verfolgt einen intersektio­nalen Ansatz und legt besonderes Gewicht auf die Themen Wahrheitsfindung, Gerechtigkeit, Reparation und Unterstützung für weibliche Opfer des bewaffneten Konflikts.159 Somit ist der NAP vergleichsweise stark innenpolitisch ausgerichtet.

Die rechtlich-politische Verankerung

Der im Mai 2023 per Gesetz verabschiedete Nationale Entwicklungsplan 2022–2026 mit dem Titel »Kolum­bien, Weltmacht für das Leben«160 enthält in Absatz 4 die Ankündigung, dass die Regierung unter Feder­führung des Außenministeriums eine »Außenpolitik mit Gender-Perspektive« als Staatspolitik formulieren und umsetzen werde.161 Auch die FAP wurde per Dekret rechtlich verankert. Den entsprechenden Ent­wurf veröffentlichte die Regierung im November 2024 und stellte ihn für zwei Wochen über das staatliche On­line-Beteiligungssystem SUCOP (Sistema Único de Consulta Pública) zur öffentlichen Konsultation bereit. Am 24. Juni 2025, dem Internationalen Tag der Frauen in der Diplomatie, wurde das Dekret, das zugleich den FAP-Aktionsplan für den Zeitraum 2024 bis 2029 enthält, von der damaligen Außenministerin Sarabia unterzeichnet.162

Die Zuständigkeiten im Bereich der FAP sind auf mehrere Ressorts verteilt. Die zentrale, koordinierende Rolle übernimmt das Außenministerium. Darüber hinaus sind das Ministerium für Gleichheit und Gerech­tigkeit, das Verkehrsministerium, das Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie die Nationale Planungsstelle eingebunden.163 Im Februar 2024 richtete das Außenministerium eine Arbeitsgruppe zu FAP und Geschlechterfragen ein und schuf zwei neue Stellen: die einer Referentin und die einer Sonderbotschafterin (Embajadora Itinerante) für Gen­der-Fragen und Feministische Außenpolitik, die jeweils mit Diana Parra und Arlene B. Tickner besetzt wurden.164 Zudem gibt es Gender Focal Points in den ver­schiedenen Bereichen des Außenministeriums.165

Für die Steuerung der international erhaltenen und vergebenen EZ-Mittel ist die APC Colombia zu­ständig.166 Diese Präsidialagentur wird zwar nicht im FAP-Aktionsplan erwähnt, allerdings schließt das dem Dekret angehängte FAP-Dokument die EZ als Hand­lungsfeld explizit ein.167 In der APC-Strategie für die Jahre 2023 bis 2026 wird zudem die feministische EZ als zugrundeliegender Ansatz genannt und in einem eigenständigen Kapitel behandelt.168

Auch zur Finanzierung sind im FAP-Aktionsplan keine Informationen zu finden. In dem FAP-Doku­ment, das dem Dekret angehängt ist, wird jedoch fest­gelegt, dass die Ressourcen für FAP durch jene Res­sorts und Bereiche bereitgestellt werden sollen, denen Maßnahmen des FAP-Aktionsplans zugeordnet sind.169 Darüber hinaus wurden für ein FAP-Investitions­projekt, das den Zeitraum 2024 bis 2026 abdeckt, Mittel in Höhe von 3.000 Millionen kolumbianischen Pesos (zum Zeitpunkt der Bewilligung knapp 700.000 Euro) genehmigt.170 Das Geld soll der Bereitstellung außenpolitischer Instrumente zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit sowie dem Ausbau einer institutionellen Kultur im Außenministerium dienen, in der die Gleichstellung verankert ist.171 Allerdings bleibt unklar, in welchem Verhältnis das Investitions­projekt zum FAP-Aktionsplan steht, da die entsprechen­den Dokumente nicht aufeinander Bezug nehmen.

Laut dem FAP-Dekret und den dazugehörigen Dokumenten liegt die Verantwortung für das Moni­toring und die Berichterstattung über die FAP beim Außenministerium, das dabei mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten soll.172 Konkret ist ein Par­tizipationsmechanismus für Frauenorganisationen und LGBTIQ+-Gruppen vorgesehen, dem jährlich Berichte über den Stand der Umsetzung des Aktionsplans vorzulegen sind.173

Das Konzept

Im Nationalen Entwicklungsplan ist zwar – nur – von einer »Außenpolitik mit einem Gender-Ansatz« (política exterior con enfoque de género) die Rede, und die Begriffe »feministisch« und »Frauenrechte« tauchen nicht auf, was auf eine schwache normative Ausrichtung hindeuten könnte.174 Im entsprechenden Dekret werden aber die FAP und »Außenpolitik mit einem Gender-Ansatz« explizit als Synonyme behandelt. Auch wird auf den transformativen Charakter des An­satzes verwiesen.175

Der kolumbianische Ansatz wird auf die Formel »pazifistisch + parti­zipativ + intersektional = trans­formativ« gebracht.

Das Außenministerium definiert die FAP als »Mechanismus, der eine Reihe von Prinzipien und Werkzeugen enthält, welche die Außenpolitik des Staates ausrichten, um soziale Normen und Prak­tiken, die geschlechtsspezifische Ungleichheiten reproduzieren, anzuerkennen, zu reduzieren und zu transformieren«.176 Der kolumbianische Ansatz wird auf die Formel »pazifistisch + partizipativ + inter­sektional = transformativ« gebracht. Im Verständnis des Außenministeriums ergibt sich der transforma­tive Anspruch des Ansatzes aus der Kombination der drei Prinzipien.177

Drei konkrete Ziele der FAP werden expliziert: Die Gender-Perspektive soll als grundlegendes Instrument der Außenpolitik anerkannt werden, Diplomatie und EZ sollen ihre Bestrebungen darauf ausrichten, die Rechte von Frauen in ihrer Vielfalt und von LGBTIQ+-Personen zu fördern, und Organisationen dieser Grup­pen sollen unterstützt werden, damit sie wieder­um Einfluss auf die Außenpolitik nehmen können.178 Die kolumbianische Regierung betrachtet FAP zudem als Strategie, um international an Ansehen zu gewin­nen, insbesondere in den Bereichen Gender-Agenda, Frauen- und LGBTIQ+-Rechte sowie regionale und glo­bale Friedensförderung.179

Auch in der Strategie der APC Colombia wird die feministische Perspektive als zentral erachtet. Die Präsidialagentur bezeichnet sie als wesentlich für das Bemühen, die Effektivität der internationalen Zusam­menarbeit bei der Beseitigung von Ungleichheiten zu steigern.180 Der feministische Ansatz wird somit sowohl normativ als Bestandteil des Menschenrechts­ansatzes als auch instrumentell mit Blick auf Effek­tivitätssteigerung begründet.

Die kolumbianische FAP ist mit einem klaren Bekenntnis zu Pazifismus verknüpft. In offiziellen Dokumenten wird die bedeutende Rolle von Frauen und LGBTIQ+-Personen für das Streben nach Herbei­führung eines »totalen Friedens« im In- und Ausland hervorgehoben.181 Auch die WPS-Agenda spielt in der FAP Kolumbiens eine entscheidende Rolle. Diese Prio­risierung spiegelt den politischen und historischen Kon­text des Landes wider.

Das FAP-Konzept basiert auf fünf im Dekret verankerten thematischen Säulen. Erstens: soziale Gerech­tigkeit, die als globales Engagement für Gleichheit und menschliche Sicherheit definiert wird. Zweitens: Umweltgerechtigkeit, bezogen auf Erleichterung des Zugangs von Individuen und Gruppen zu Mechanismen und Instrumenten zum Schutz ihrer Umweltrechte. Drittens: die Agenda des »totalen Friedens«, die auf einen dauerhaften und inklusiven Frieden zielt, Opferrechte auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung in den Mittel­punkt stellt und die Rolle von Frauen und LGBTIQ+-Personen in Friedens­prozessen betont. Viertens: internationale Förderung eines gleichberechtigten Zugangs zu Bildung, Wis­senschaft und Kultur. Fünftens: institutionelle Refor­mierung und Aufwertung des Sektors der Außen­beziehungen als strukturelle Voraussetzung für die Umsetzung der anderen vier Themenbereiche. Dazu zählen die konsequente Umsetzung von Gender-Mainstreaming im staatlichen Planungs- und Steu­erungsmodell, institutionelle Anpassungen zwecks Gleichstellung der Geschlechter sowie ein Kulturwandel hin zu einem diskriminierungs- und gewalt­freien Arbeitsumfeld.182 Diese thematischen Schwerpunkte finden sich größtenteils auch im Kapitel zur feministischen EZ in der APC-Strategie: Hier werden Klimaschutz und Umweltgerechtigkeit, inklusive und sozial gerechte Entwicklung sowie der »totale Frie­den« genannt.183

Im kolumbianischen FAP-Ansatz sind Diversität und intersektionale Anliegen sehr präsent. Im FAP-Dekret und weiteren offiziellen Dokumenten wird nahezu durchgehend die Formulierung »Frauen in ihrer Verschiedenheit und Vielfalt sowie LGBTIQ+-Personen« verwendet. Das im Dekret ausgeführte Prinzip der Intersektionalität berücksichtigt sich über­schneidende Identitätsdimensionen wie Geschlecht, Ethnie (etnia, raza), Alter, Lebensphase, sexuelle Orien­tierung, Behinderung, sozioökonomische Lage, Her­kunft etc.184 Darüber hin­aus werden durch die im FAP-Aktionsplan vorgesehenen Maßnahmen spezi­fische Personengruppen ins Auge gefasst, etwa junge Menschen, die weibliche Landbevölkerung, Schwangere in Grenzregionen, obdachlose Kinder, afro­kolumbianische Frauen bzw. die »Comunidad Negra, Afrodescendiente, Raizal y Palenquera«.185 Auch die feministische EZ Kolumbiens verfolgt intersektionale Ansätze. Laut APC-Strategie soll sie dabei neben Geschlecht, Alter, Ethnie und Behinderung dezidiert Opfer des bewaffneten Konflikts, ehemalige Kom­battant:innen sowie Menschenrechts- und Umwelt­aktivist:innen berück­sichtigen.186

Maßnahmen und Aktivitäten

Da die kolumbianische FAP trotz der Ankündigung im Jahr 2022 erst im März 2024 effektiv eingeführt wurde, befindet sich deren Umsetzung noch in einem frühen Stadium. Über die Implementierung des FAP-Aktionsplans gibt es noch keine Informationen. Bis­lang liegt lediglich ein Bericht über das FAP-Investi­tionsprojekt vor. Dieser weist zum 31. Dezember 2024 eine Umsetzung von 88,75 Prozent der geplanten Aktivitäten aus.187

Auf Ressortebene fand beispielsweise eine Datenerhebung zu diskri­minierenden Denk- und Verhaltensweisen im Außenministerium statt. Diese ist Teil eines Projekts zum Kulturwandel, das gemeinsam mit Kanada, das sich schon 2017 zur FAP verpflichtet hat, durchgeführt wird.188 Ebenfalls mit Unterstützung Kanadas fand im Mai 2025 ein Workshop zum Aus­bau fachlicher Kapazitäten zwecks FAP-Implemen­tierung im kolumbianischen Außenministerium statt.189 Darüber hinaus forderte das Ministerium seine Mitarbeitenden auf, die Online-Kurse »I Know Gender« von UN Women zu absolvieren,190 und führte im November 2024 ein Protokoll zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt und Versorgung der Opfer ein.191

Bilateral wurden im Jahr 2024 mehrere Vereinbarungen geschlossen, die im Einklang mit FAP stehen. Im Februar kam es zur Unterzeichnung eines MoU mit dem US-Außenministerium über die Einrichtung eines gemeinsamen Kompetenzzentrums für Frauen, Frieden und Sicherheit – des ersten seiner Art – in LAK. Allerdings ist unklar, ob das Vorhaben nach dem Regierungswechsel in den USA und angesichts der Spannungen zwischen den Präsidenten Trump und Petro fortgesetzt wird. Frankreich und Kolumbien signierten im Juli eine Absichtserklärung mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch im Bereich der FAP zu fördern.192

Im Bereich der EZ zeigt sich ein Fokus auf die Süd-Süd-Kooperation, insbesondere mit afrikanischen Ländern. So arbeitet Kolumbien seit 2023 mit Kenia an Gleichstellungsthemen. Es gibt beispielsweise ein Pro­jekt zum Wissensaustausch über Prävention, Er­mittlung und strafrechtliche Verfolgung geschlechts­spezifischer Gewalt, an dem auf kolumbianischer Seite die APC Colombia, das Außen- und das Justiz­ministerium, das Ministerium für Gleichheit und Gerechtigkeit sowie das Büro der Vizepräsidentin beteiligt sind.193 Im Rahmen von Márquez’ offizieller Reise nach Äthiopien, Mosambik, Madagaskar und Nigeria im August 2025 wurden gemeinsame Initia­tiven zum wirtschaftlichen Empowerment von Frauen beschlossen.194

Nicht nur die WPS-Agenda brachte Kolumbien voran, sondern auch die Youth, Peace and Security Agenda (UNSCR 2250).

Was die multilaterale Ebene anbelangt, übernahm Kolumbien im Januar 2024 den Vorsitz in der Allianz zur Prävention sexueller Gewalt in Konflikten, der derzeit 19 Staaten, fünf zivilgesellschaftliche Orga­nisationen, UN Women und der Internationale Straf­gerichtshof angehören. In dieser Rolle organisierte Kolumbien eine Konferenz zu opferzentrierten An­sätzen im Friedensaufbau.195 Nicht nur die WPS-Agenda brachte Kolumbien voran, sondern auch die Youth, Peace and Security Agenda (UNSCR 2250); im Mai 2025 wurde mit der Ausarbeitung des entsprechenden NAP begonnen.196 Im Dezember 2024 über­nahm Kolumbien gemeinsam mit Spanien, das eben­falls eine FAP verfolgt, den auf zwei Jahre terminierten Vorsitz der Equal Rights Coalition, einer inter­gouvernementalen Organisation zum Schutz der Rechte von LGBTI-Personen. Kolumbien nutzte außer­dem weitere internationale Foren, um feministischer Politik Gehör zu verschaffen: Referentin Parra präsen­tierte Kolumbiens FAP im Oktober 2024 auf der Kon­ferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt (COP 16) in Cali,197 und im Rahmen des XV. Menschenrechts­dialogs mit der EU setzte sich die kolumbianische Delegation besonders für die Rechte von Frauen, LGBTIQ+-Personen und indigenen Völkern ein.198

Gemeinsame Initiativen

Seit der Einführung ihrer jeweiligen FAP beteiligen sich Mexiko, Chile und Kolumbien mit neuen Im­pulsen an gemeinsamen bzw. größeren multilateralen Initiativen, die im Einklang mit einem feminis­tischen Ansatz stehen.

Besonders systematisch ist der Austausch zwischen diesen drei Ländern im Rahmen des Kooperations­projektes Strengthening Feminist Foreign Policy and Inter­national Feminist Cooperation (CoPEF), das 2024 im Rahmen der VII. Regional Conference on Trilateral Cooperation with Latin America and the Caribbean vorgestellt wurde. Das vom Dreieckskooperationsfonds des Bundes­ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte und von der GIZ durchgeführte Projekt versteht sich als Pra­xis­gemeinschaft von ECLAC, Chile, Mexiko, Kolumbien und Deutschland. Das Ziel ist Kapazitätsausbau in den Außenministerien und EZ-Agenturen hinsichtlich der Konzeption und Umsetzung von FAP.199 Im EZ-Bereich betreiben Mexiko und Chile schon seit 2006 einen gemeinsamen Kooperations­fonds (Fondo Conjunto de Cooperación México – Chile), dessen Gender-Perspektive 2021 dadurch an Bedeutung gewann, dass Gender zu einem eigen­ständigen Themenbereich für Projektförderungen erhoben wurde.200

Im Rahmen des VIII. Gipfeltreffens der CELAC, das Anfang März 2025 in Kingstown (St. Vincent und die Grenadinen) stattfand, legten Chile, Mexiko und Kolum­bien eine Erklärung zur FAP vor. Bolivien, Brasilien, Ecuador und die Dominikanische Republik schlossen sich dieser Erklärung an. Darin wird in fünf Punkten eine Reihe von Verpflichtungen zur Um­set­zung eines feministischen Ansatzes bzw. einer Gen­der-Agenda in der Außenpolitik zusammengefasst.201 Anfang Juli 2024 richtete Mexiko die III. Ministerial­konferenz zur FAP unter dem Titel »Lösungen für eine bessere Zukunft« aus, organisiert vom mexika­nischen Außenministerium, INMUJERES und UN Women. Die Abschlusserklärung202 wurde von rund zwanzig Staaten – darunter neben Mexiko Chile und Kolumbien – unterzeichnet. Ebenfalls in Mexiko-City tagte die XVI. Regionalkonferenz über Frauen, auf der die Vereinbarung von Tlatelolco beschlossen wurde. Diese berücksichtigt FAP als Mittel zur Umsetzung des Gender-Mainstreamings in der auswärtigen Politik.203

Am 13. November 2025 wurde zudem im Rahmen des IV. Gipfeltreffens zwischen CELAC und der EU im kolumbianischen Santa Marta ein bi-regionaler Care-Pakt beschlossen. Die Initiative wird unterstütztvon den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie 16 LAK-Staaten, darunter Kolumbien, Chile und Mexiko. Der Pakt geht zurück auf Forderungen zivilgesellschaftlicher Orga­nisationen nach Anerkennung der zentralen Bedeu­tung von Pflege und Sorgearbeit für das Wohl­erge­hen, nach Gleichstellung der Geschlechter und sozia­ler Gerechtigkeit. Die Zusammenarbeit soll diesen Zielen dienen.204

Mexiko, Chile und Kolumbien sind überdies auf internationaler Ebene in verschiedene FAP-Platt­formen und -Netzwerke eingebunden. So engagieren sie sich etwa in der 2021 gegründeten Initiative Feminist Foreign Policy Group (FFP+). Die Gruppe ver­sucht, im Zusammenspiel mit den Vereinten Natio­nen und zivilgesellschaftlichen Organisationen femi­nistische und geschlechtertransformative Ansätze im Multilateralismus und in der Außenpolitik voran­zubringen. Den Vorsitz teilten sich 2023 Chile und Deutschland, 2024 Mexiko und Spanien – jeweils als Vertreter des Globalen Südens und des Nordens.205

Vergleichende Betrachtung

Eine vergleichende Betrachtung Mexikos, Chiles und Kolumbiens zeigt, dass es keinen linearen oder auto­matischen Weg zur Einführung einer FAP gibt. Die Staaten, die diesen Schritt vollziehen, sind nicht un­bedingt diejenigen, die in puncto Geschlechtergerechtigkeit nach allen Kriterien am weitesten fortgeschritten sind. Neben den Bemühungen um die Umsetzung einer Gender-Agenda muss vor allem eine parteipolitisch bedingte Konjunktur gegeben sein. Zudem ist die Ver­pflichtung zur FAP häufig Ausdruck von Problem­bewusstsein und wird somit als Bewältigungsstrategie begriffen, woraus ein deutlicher – unterschiedlich ausgeprägter – Fokus auf die Innenpolitik resultiert.

Der Einführung eines feministischen Ansatzes in die Außenpolitik gingen in allen drei Ländern umfassende Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter voraus.

Als erster Staat Lateinamerikas und des Globalen Südens kündigte Mexiko im Jahr 2020 die Verfolgung einer FAP an, zwei Jahre später folgten Chile und Kolum­bien. Der Einführung eines feministischen Ansatzes in die Außenpolitik gingen in allen drei Ländern umfassende rechtliche, institutionelle und programmatische Bemühungen um die Gleich­stellung der Geschlechter, die Bekämpfung von Dis­kriminierung und die Eindämmung geschlechtsspezifischer Gewalt voraus. In Mexiko und Kolumbien wurde die Gender-Perspektive darüber hinaus als Maßgabe für staatliches Handeln rechtlich verankert.

Diese Entwicklungen fanden unter Regierungs­chefinnen und -chefs verschiedener politischer Cou­leur statt. Doch in allen drei Fällen wurde die Ent­schei­dung für eine FAP unter männlichen Staatsoberhäuptern getroffen, die sich im ideologischen Spektrum als mitte-links bis links einordnen lassen. Zum Zeitpunkt der Ankündigung wurde das Außenministerium in Mexiko von einem Mann, in Chile und Kolumbien dagegen von einer Frau geleitet. Alle drei Regierungen definierten sich sogar als feministisch, und ihre Kabinette wurden geschlechtsparitätisch besetzt.

Auch wenn die Wahlprogramme von AMLO und Sheinbaum sowie von Petro Kapitel zur Rolle der Frauen und zur Bedeutung von Gleichstellung und Gender-Perspektive in der Politik enthielten, warb lediglich Boric in seinem Programm explizit mit der Absicht, eine FAP umzusetzen, um Stimmen. Die öffentliche Verpflichtung zur FAP bzw. die Präsentation des ersten FAP-Konzepts erfolgte in allen drei Fällen in einem multilateralen Rahmen, da Regierungen in diesem Bereich oft eine internationale Füh­rungsrolle anstreben.206 Dies wird besonders in Aus­sagen und Dokumenten aus Mexiko und Kolumbien deutlich, Länder, die aufgrund verschiedener Kon­fliktsituationen und erheblicher Menschenrechts­verletzungen häufig in der Kritik stehen.

Zwar führte Mexiko als erstes der drei Länder eine FAP ein, in puncto Institutionalisierung hinkt es jedoch bis heute hinter Chile und Kolumbien her. Dies betrifft sämtliche Dimensionen: die Erarbeitung eines Konzepts, die formelle Einbeziehung der Zivil­gesellschaft, die rechtlich-bürokratische Verankerung und das Umsetzungs-Monitoring. Diese Verzögerung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich der Ansatz erst unter Präsidentin Sheinbaum und Außen­minister de la Fuente institutionell niederschlägt. AMLOs Amtszeit überschnitt sich mit der Corona-Pandemie, und es wurden kaum Fortschritte bei der FAP erzielt. Feministische und Frauenorganisationen kritisierten ihn wegen patriarchaler Züge seiner Ansichten und Regierungspolitik sowie despek­tierlicher Äußerungen über feministische Bewegungen.207 Seine Haltung als Präsident stand im Gegensatz zu der progressiven Politik, die er als Regierungschef im Distrikt Mexiko-Stadt (2006–2012) verfolgt hatte.208

Tabelle 1 Hauptmerkmale der FAP-Ansätze im Vergleich

Mexiko

Chile

Kolumbien

Regierung

Andrés Manuel López Obra­dor; Claudia Sheinbaum

Gabriel Boric

Gustavo Petro

FAP-Ankündigung

Rede von Außenminister Marcelo Ebrard vor der UNGA, 28.9.2019

Borics Wahlprogramm 2021; Rede von Außenministerin Antonia Urrejola bei Unidas-Treffen in Berlin, 22.3.2022

offizielles Gespräch Petros mit der Exekutivdirektorin von UN Women im Rahmen der UNGA, 20.9.2022

Beginn der Institutio­nalisierung

Präsentation bei Leitungs­treffen mexikanischer Bot­schaften und Konsulate, 9.1.2020

Vorstellung der FAP-Strategie in Santiago de Chile, 12.6.2023

Vorstellung des FAP-Konzepts und -Aktionsplans im Rahmen der Commission on the Status of Women (CSW), 15.3.2024

Beteiligung der Zivilgesellschaft

nicht dokumentiert

Informations- und Diskus­sionsveranstaltungen mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft

über 20 Treffen mit Wissen­schaft und Zivilgesellschaft, inklusive Konzipierung eines Partizipationsmechanismus

rechtlich-politische Verankerung

Sektorprogramme für Außen­beziehungen 2020–2024 und 2025–2030

Strategie und Aktionsplan; Dekret zur Schaffung des Referats für Gender-Fragen

Nationaler Entwicklungsplan 2022–2026; FAP-Dekret

spezifische Stellen und Arbeitseinheiten

FAP-Koordinatorin im Büro des Außenministers; Direk­torin für FAP und Inter­nationale Zusammenarbeit im Frauenministerium

Übergangsteam, dann Referat für Gender-Fragen im Außen­ministerium

Referentin und Sonder­botschafterin für Gender-Fragen und FAP

Budget

nicht vorgesehen

gender-sensibles Budget, jedoch bislang kaum Infor­mationen zur Umsetzung

knapp 700.000 Euro für FAP-Investitionsprojekt

FAP-relevante Politik­felder in Außen- und Entwicklungspolitik

sämtliche

sämtliche

sämtliche

FAP-Ansatz laut eigener Beschreibung

intersektional, menschenrechtsbasiert, transformativ

partizipativ, inklusiv, trans­versal, intersektional

pazifistisch, partizipativ, intersektional, transformativ

Verknüpfung mit innenpolitischen Zielen

sehr ausgeprägt

schwach

ausgeprägt

thematische Schwerpunkte

Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt; Care-Gesellschaft

Handel und Gender

Frieden

Zielgruppen

vor allem Frauen, aber auch »historisch benachteiligte Gruppen«

»Frauen und Mädchen in ihrer ganzen Diversität«; punktuelle Erwähnung anderer Gruppen

»Frauen in ihrer Verschieden­heit und Vielfalt sowie LGBTIQ+-Personen«; häufige Erwähnung anderer Gruppen

Eigene Darstellung

In Mexiko und Chile gibt es bislang keine rechtlich verbindliche Grundlage für FAP. In Kolumbien ist sie hingegen im Nationalen Entwicklungsplan und per Dekret verankert. Letzteres umfasst einen FAP-Aktions­plan. Während in Mexiko eine FAP-Strategie, ein FAP-Aktionsplan und ein FAP-Umsetzungsbericht fehlen, sind alle drei Dokumente in Chile sehr detailliert aus­gearbeitet. Die bürokratische Verankerung der mexi­kanischen FAP erfolgte auf Ressortebene durch das Sektorprogramm für Außenbeziehungen 2025–2030, das ausführliche Bezüge zu FAP enthält. Die EZ-Agen­tur ist in Mexiko wie in Chile dem Außenministerium und in Kolumbien dem Präsidialamt unterstellt und wird in allen drei Ländern vom FAP-Konzept erfasst. Sowohl AGCID (Chile) wie APC (Kolumbien) beziehen sich in ihren Strategien auf die FAP. Eine solche Refe­renz fehlt hingegen in der Strategie von AMEXCID (Mexiko), wenngleich Geschlechtergerechtigkeit dort als bereichsübergreifende Priorität definiert wird.

Die Einführung der FAP zeitigte stets institutionelle und organisatorische Folgen. Für die Koordination der FAP ist das Außenministerium zuständig, in der Regel die Abteilungen bzw. Referate, die mit Menschenrechts­fragen (und Demokratie) befasst sind. Zusätzlich wurden in Chile ein neues Referat und in Mexiko sowie Kolumbien Arbeitsgruppen zum Thema ein­gerichtet. In Mexiko gibt es nun auch eine FAP-Koor­di­nierungsstelle im Büro des Außenministers. In Kolumbien wurden zwei neue, öffentlichkeitswirksame Positionen im außenpolitischen Ressort geschaf­fen: die einer FAP-Referentin und die einer Sonderbotschafterin für Gender-Fragen und FAP. Darüber hinaus findet eine inner- und interministerielle Ko­ordinierung statt, wofür in Chile Netzwerke von Gen­der-Beraterinnen aus dem Außenministerium und den Auslandsvertretungen sowie aus verschiedenen Ressorts gebildet wurden. In Mexiko und Chile befin­den sich insbesondere das Außen- und das Frauen­ministerium im engen Austausch miteinander, wobei es im letzteren Ressort eine für FAP zuständige Person gibt. Diese neu geschaffenen Stellen werden größtenteils durch Fachfrauen mit nachgewiesenem femi­nistischem Engagement besetzt.

Die Finanzierung ist die Achillesferse der FAP-Pla­nung. In Mexiko wurde der FAP zum Beispiel kein spezifisches Budget zugewiesen. In der FAP-Strategie Chiles wird zwar die Einführung eines gender-sensi­blen Budgets für das Mainstreaming angekündigt. Im entsprechenden FAP-Aktionsplan und im FAP-Umset­zungsbericht werden jedoch nur einige Maßnahmen auf unsystematische Weise mit vorgesehenen oder er­folgten Ausgaben in Verbindung gebracht. In Kolum­bien wurde zwar ein FAP-Investitionsfonds bewilligt, der jedoch im FAP-Aktionsplan nicht erwähnt wird.

Die Mechanismen für Rechenschaftslegung und Partizipation sind unterschiedlich stark institutionalisiert, jedoch in allen drei Fällen ausbaufähig. In Chile liegt ein umfassender Umsetzungsbericht vor. In Ko­lum­bien wurde in Zusammenarbeit mit Frauen­orga­ni­sationen und LGBTIQ+-Gruppen ein Austausch­mecha­nismus konzipiert, der es ihnen ermöglicht, sich inhaltlich einzubringen und ihre Kontrollfunk­tion auszuüben. Insgesamt wurde die Zivilgesellschaft vor allem in der Anfangsphase der FAP-Entwicklung beteiligt. Im Gegensatz zu Mexiko sind in Chile und Kolumbien darüber öffentlich zugängliche Informa­tionen vorhanden.

Die Konzeptualisierung der FAP ist ein fortlaufender Prozess. Er erfolgt (und erledigt sich) nicht durch die einmalige Erarbeitung einer Strategie bzw. des ersten Dokuments zur FAP. Vielmehr entwickelt sich ein Verständnis von FAP im Laufe der Zeit auf der Grundlage von Diskursen, Texten, Handlungen und Unterlassungen. Chile, das den am wenigsten disrup­tiven Ansatz verfolgt und die Beständigkeit im außen­politischen Handeln betont,209 charakterisiert die FAP explizit als im Aufbau befindliches Paradigma. Im Gegensatz zu Mexiko und Kolumbien fokussiert es mit der ersten Definition auf die Grundlagen der poli­tischen Handlungslogik. Die Ausgangsdefinitionen Mexikos und Kolumbiens sind dagegen stärker policy-orientiert und nehmen die Ziele der FAP in den Blick. Alle drei Staaten erachten den Menschenrechtsansatz und die Gender-Perspektive als zentral für die FAP. Sie verstehen die Verwirklichung der Gleichstellung bzw. der Geschlechtergerechtigkeit sowohl als Wert an sich als auch als Faktor, der Wohlstand, soziale Gerechtigkeit und Frieden fördert. In Chile bestehen zudem ein­deutige Bezüge zum demokratischen Regime.

Die FAP der Staaten Lateinamerikas ist viel stärker nach innen ausgerich­tet als die der europäischen Staaten.

In keinem dieser drei lateinamerikanischen Staaten wird auf die von Schweden geprägte und von Deutschland übernommene 3R-Formel (Ausbau der Rechte, Repräsentation und Ressourcen von Frauen) Bezug genommen. Zwar intendieren Mexiko, Chile und Kolumbien, wie einst Schweden und Deutschland, mit der FAP ressortinterne Verbesserungen im Außenministerium. Die FAP der lateinamerikanischen Staaten ist jedoch insgesamt viel stärker nach innen ausgerichtet als die der europäischen Staaten: Nationale Probleme und ein Wandel in der eigenen Außenpolitik überschatten Fragen der internatio­nalen Ordnung und Global Governance.

Im Dreiervergleich weist das chilenische FAP-Kon­zept die stärkste auswärtige Ausrichtung hinsichtlich des locus der beabsichtigten Veränderungen auf. Wäh­rend das kolumbianische FAP-Verständnis mit Blick auf die Gewichtung der außen- und innen­politischen Dimensionen eine mittlere Position belegt, ist in Mexiko die innenpolitische Orientierung am aus­geprägtesten. Diese Varianz steht im Einklang mit dem Stellenwert, den die Außenpolitik in den jewei­ligen Ländern hat. Aufschlussreich in diesem Zusam­menhang ist AMLOs Aussage, dass Innenpolitik die beste Außenpolitik sei.210 Die Verbindung von FAP mit einer Binnenperspektive in Mexiko, Chile und Kolumbien, also in Gesellschaften mit starken struk­turellen Asymmetrien, wird durch zwei institutio­nelle Faktoren untermauert: zum einen durch die intensive Koordinierung von Außen- und Frauen­ministerium, in dem eine FAP-Zuständigkeit ein­gerichtet wurde, und zum anderen durch die dop­pelte Rolle der EZ-Agenturen, die für die Steuerung sowohl der erhaltenen als auch der vergebenen Pro­jektmittel zuständig sind.

Auch wenn die FAP in allen drei Fällen sämtliche Handlungsfelder des Außenministeriums, einschließlich der EZ, umfasst, treten jeweils verschiedene The­menbereiche in den Vordergrund. So definiert bei­spielsweise nur Kolumbien seine FAP ausdrücklich als pazifistisch. Dies ist im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt im Land und Petros Programm des »totalen Friedens« zu sehen. In Kolumbien und insbesondere in Mexiko gehört die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt zu den Schwerpunkten. In diesen beiden Ländern ist die Femizidrate mit 1,3 bzw. 0,7 Fällen je 100.000 Frauen im Jahr 2024 höher als in Chile mit 0,4.211 Mexiko hebt die Rele­vanz von »Klimapolitik und Gender«, Chile von »Han­del und Gender« hervor. Das Land im Süden Südamerikas zeichnet sich durch eine sehr hohe Anzahl abgeschlossener Freihandelsabkommen sowie durch seine Vorreiterrolle bei der Einführung einer Gender-Perspektive in diesem Bereich aus. Unter dem Einfluss der Regionalagenda spielt auch der Care-Ansatz eine bedeutende Rolle – vor allem in Mexiko. Laut Zeit­verwendungserhebungen verbringen Frauen in Mexi­ko 24,2 Prozent ihrer Zeit mit unbezahlter Arbeit, wäh­rend es bei Männern 8,8 Prozent sind. In Chile beträgt das Verhältnis 20,7 zu 11,5 Prozent, in Kolumbien 18,9 zu 5,9 Prozent.212

Der feministische Ansatz in der Außenpolitik wird von Mexiko, Chile und Kolumbien als intersektional bezeichnet. Damit erfassen sie vor allem die Diversität der Frauen, die als erste Zielgruppe gelten. Dar­über hinaus werden andere historisch benachteiligte Gruppen in den Blick genommen, in erster Linie Men­schen, die nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht, der Geschlechterbinarität oder der Heteronormativität konform gehen. Im mexikanischen und kolumbianischen Fall werden zudem indi­gene und afro-nationale Gemeinschaften als Zielgruppen erwähnt. In Chile hingegen fehlt eine inter­kulturelle Inklusionsagenda. Dies ist umso bezeich­nender, als Indigene 13 Prozent der Bevölkerung aus­machen und der Konflikt zwischen den indigenen Mapuche und dem chilenischen Staat hochgradig versicherheitlicht ist, also vorrangig als Sicherheitsproblem begriffen wird.

FAP ist ein Politikansatz, der normative und institutionelle Voraussetzungen erfordert. Die Institutionalisierung dieses Ansatzes wird daher oft als Teil seiner Umsetzung angesehen. Entsprechend werden in allen drei Fällen in den Fortschrittsberichten orga­nisatorische Reformen und Innovationen, die Erarbei­tung von Handbüchern und Protokollen, die Durch­führung von Sensibilisierungsseminaren und Fort­bildungen sowie das Abschließen von bilateralen und multilateralen Vereinbarungen über die Zusammenarbeit im Rahmen von FAP aufgeführt.

Fazit und Ausblick

In keinem der drei lateinamerikanischen Länder wird die Einführung der FAP als Paradigmenwechsel in der Außenpolitik beschrieben. Vielmehr wird sie als Syn­onym bzw. als Erweiterung einer Politik zur Gleichstellung der Geschlechter und des Gender-Main­strea­mings verstanden. Die FAP wird in eine Kontinuitätslinie mit einer ganzen Reihe an inklusiven Reformen gestellt, die in den Jahren davor die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel hatten; in Chile geschieht dies mit besonderem Nachdruck. Zugleich fand die Einführung der FAP jeweils nach einem Machtwechsel statt. Dabei verwiesen die neuen Regie­rungen auf die Besonderheit einer klaren feministischen Schwerpunktsetzung in ihrer nach innen wie nach außen gerichteten Politik. Diese Ambivalenz von Kontinuität und Wandel charakterisiert das Framing der FAP und prägt auch die Tatsache, dass sie mit einer bestimmten ideologischen Ausrichtung verknüpft wird. Damit bleibt sie von Wahlergebnissen abhängig, obwohl sie nicht als politische Wende verstanden wurde und wird.

Dazu passt die Beobachtung, dass die in diesen Ländern für die Entwicklung und Umsetzung der FAP Verantwortlichen in der Regel keine Beispiele für Effekte der FAP auf der Ebene der »High Politics« nen­nen können. Sie beschreiben den Ansatz vor allem als Policy-Instrument, um der Gender-Perspektive im staatlichen Handeln zur Durchsetzung zu verhelfen. Die transformative Wirkung kann somit nur in den längerfristigen Effekten bestehen, die aus Reformen erwachsen, die durch die FAP vorangetrieben werden. Die unmittelbaren positiven Effekte beschränken sich zwar überwiegend auf die Bereiche Gleichstellungspolitik und Gender-Mainstreaming, sind dort aber sichtbar. Wenn FAP jedoch vorrangig als Ansatz zu deren Förderung innerhalb der nationalen Außen­politik anzusehen ist, dann heißt das für Mexiko, Chile und Kolumbien: Zielmarken müssen genauer definiert, ein Budget festgelegt, Monitoring- und Eva­luationsmechanismen verbessert sowie jene Instanzen institutionalisiert werden, die inhaltlichen Input und Kontrolle durch die Zivilgesellschaft ermöglichen.

Die FAP wird in einem Kontext umgesetzt, in dem patriarchale Strukturen weiterhin dominieren und Exklusionspraktiken fortgesetzt werden, beispiels­weise durch die Militarisierung der öffentlichen Sicherheit213 und einen versicherheitlichten Umgang mit Migrant:innen.214 Gerade dieses Umfeld macht aber einen feministischen Ansatz notwendig. Gleich­zeitig erschwert es dessen Umsetzung.215 Aus der feministischen Zivilgesellschaft wird – trotz betont innenpolitischer Ausrichtung der FAP – vor allem das Fehlen von Spill-over-Effekten auf andere Berei­che des staatlichen Handelns wie Sicherheits- und Migrationspolitik kritisiert. Hier verlaufen manche problematischen Entwicklungen parallel zur Institu­tionalisierung einer FAP. Diese hätte aber ihre Ziele verfehlt, wenn sie zu einer Schadensbegrenzungsmaßnahme einer grundsätzlich unveränderten Politik würde. Deshalb sollten ihre Grundsätze auch auf andere Politikfelder übertragen werden.

Vor diesem Hintergrund ist eine Instrumentalisierung der FAP nicht auszuschließen. Vielerorts wurde kritisch angemerkt, dass sie dem »Purple-Wash« diene, indem sie den Regierungen einen feministischen Anstrich verleiht.216 Zweifelsohne trägt FAP zur Statusaufwertung gegenüber einem Großteil der internationalen Gemeinschaft bei, eröffnet eine wei­tere Kooperationsebene im Rahmen bilateraler und multilateraler Beziehungen und ermöglicht den Zu­gang zu Projektmitteln.

Fragen der Geopolitik, der internationalen Ordnung, der globalen Asym­metrien sowie der inter­nationalen Konfliktbearbeitung werden im Rahmen der FAP-Internalisierung in Mexiko, Chile und Kolum­bien nicht verhandelt. Auch koloniale Logiken, die zu Ungleichheiten führen, bleiben außen vor. An dieser Stelle zeigt sich, dass es auf Regierungsebene an Kritik mangelt, die in der feministischen Theorie und Praxis begründet ist. Davon, wie substanziell die Zivilgesell­schaft diese übt, zeugt das »Regionale Manifest«, das vier Organisationen aus Mexiko, Chile, Kolumbien und Brasilien im Mai 2025 zur FAP in LAK vorgelegt haben.217 Gestützt auf feministische, dekoloniale, anti-rassistische und epistemische Perspektiven wird darin gefordert, Machtstrukturen zu transformieren, der menschlichen Sicherheit Vorrang einzuräumen, ein Recht auf Mobilität zu verankern, angemessen auf die Klimakrise zu reagieren und Mechanismen zur Verteidigung der Menschenrechte mit nachhaltiger Finanzierung auszustatten.

Die FAP hat den Austausch zwischen staatlichen Institutionen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft so­wie die Zusammenarbeit zwischen Staaten gefördert. Die Aufgabe des FAP-Ansatzes, die bisher ausnahmslos nach einer Rechtsverschiebung der Kräfteverhältnisse im Zuge von Wahlen erfolgte, bedeutet wieder­um eine Verengung bis Schließung dieser Kommu­nikationskanäle. Es bleibt abzuwarten, wie sich ein möglicher Machtwechsel in Kolumbien im Jahr 2026 sowie die am 11. März 2026 beginnende Präsidentschaft von Antonio Kast in Chile auf die FAP dieser Länder auswirken werden. Kast, Gründer der rechts­radikalen Republikanischen Partei, ist spätestens seit seinem Wahlkampf 2021 für seine traditionell-werte­konservativen Ansichten und seine Positionen gegen die Rechte von Frauen und Minderheiten bekannt. Aktuell schlägt er vor, das Ministerium für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit durch eine Institution »für die Familie« zu ersetzen. Zudem plädiert er nach wie vor für eine harte Hand in Sicherheits- und Migra­tionsfragen, während Bezüge zu FAP in seinem Programm nicht zu finden sind.218

Zur Vertiefung und Verteidigung einer Gender- und Menschenrechtsagenda auf multilateraler Ebene sind Mexiko, Chile und Kolumbien für Deutschland und die EU wichtige Partner. Die drei Staaten enga­gieren sich im UN-System und sind Mitglied der OECD, Mexiko gehört zudem zur G20. Alle drei unter­stützen die Agenda auf globaler wie regionaler Ebene durch eigene Initiativen, intensivieren ihre Zusammenarbeit und bieten zunehmend Drittstaaten ent­sprechende Hilfestellungen an. Damit bieten sie An­knüpfungspunkte für die Erweiterung von Dreieckskooperationsprojekten.

Da das Auswärtige Amt seine FAP aufgegeben hat, das BMZ seine feministische Entwicklungspolitik jedoch weiterführt und die nahe Zukunft der FAP in Chile ungewiss ist, empfiehlt sich ein Kooperationsansatz, der sich auf Menschenrechte, Inklusion und feministische Anliegen stützt. Hierfür eignen sich variable Formate und »Dachbezeichnungen«, das heißt, nicht in jedem Fall müssen FAP oder FEP im engeren Sinne zum Ausgangspunkt genommen wer­den. Doch auch im Kontext einer FAP erweist sich der Austausch weiterhin als gewinnbringend, da sich Konzeptualisierung und Institutionalisierung in Europa und Lateinamerika heterogen gestalten.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Lateinamerika könnte daher auch Deutschland von Lernprozessen profitieren – etwa indem es sich nicht nur finanziell in die Wissenszirkulation innerhalb des Globalen Südens einbringt, sondern selbst aktiv daran teil­nimmt. Darüber hinaus sollte Deutschland bei der Förderung der feministischen Zivilgesellschaft einen transnationalen Ansatz mit dem Ziel verfolgen, auf horizontaler Ebene deren bi-regionalen Dialog sowie auf vertikaler Ebene deren Interaktion mit den ent­sprechenden Ressorts voranzutreiben. Denn angesichts des Regressionstrends in Menschenrechts- und Inklusionsfragen wird die aufklärerische und advo­katorische Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen immer wichtiger.

Abkürzungen

AGCID

Agencia Chilena de Cooperación Internacional para el Desarrollo (Chilenische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit)

AMEXCID

Agencia Mexicana de Cooperación Inter­nacional para el Desarrollo (Mexikanische Agentur für internationale Entwicklungs­zusammenarbeit)

AMLO

Andrés Manuel López Obrador

APC

Agencia Presidencial de Cooperación Inter­nacional (Präsidialagentur für internatio­nale Zusammenarbeit; Kolumbien)

BMZ

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

CEDAW

Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women

CELAC

Comunidad de Estados Latinoamericanos y Caribeños (Gemeinschaft der Lateinameri­kanischen und Karibischen Staaten)

CEPAL

Comisión Económica para América Latina (y el Caribe) (Wirtschaftskommission für Lateinamerika [und die Karibik])

CIM

Comisión Interamericana de Mujeres (Inter­amerikanische Frauenkommission)

COP 16

Conference of the Parties

CoPEF

Strengthening Feminist Foreign Policy and International Feminist Cooperation

CSW

Commission on the Status of Women

DAW

Division for the Advancement of Women

DNP

Departamento Nacional de Planeación (Nationale Planungsstelle; Kolumbien)

ECLAC

Economic Commission for Latin America and the Caribbean

ECOSOC

Economic and Social Council

EU

Europäische Union

EZ

Entwicklungszusammenarbeit

FAP

feministische Außenpolitik

FEP

feministische Entwicklungspolitik

FFP+

Feminist Foreign Policy Group

GIZ

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

HIV/AIDS

Human Immunodeficiency Virus/Acquired Immunodeficiency Syndrome

ILO

International Labour Organization

IMR

Instituto Matías Romero (Matías-Romero-Institut; Mexiko)

INMUJERES

Instituto Nacional de las Mujeres (Nationales Fraueninstitut; Mexiko)

INSTRAW

International Research and Training Institute for the Advancement of Women

LAK

Lateinamerika und die Karibik

LGBT+

Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, and others

LGBTI

Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex

LGBTIQ+

Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer, and others

LGBTIQA+

Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer, Asexual, and others

MDG

Millennium Development Goals

MERCOSUR

Mercado Común del Sur (Gemeinsamer Markt des Südens)

MESECVI

Mecanismo de Seguimiento de la Convención de Belém do Pará (Überwachungsmechanismus des Übereinkommens von Belém do Pará)

MORENA

Movimiento de Regeneración Nacional (Bewe­gung der nationalen Erneuerung; Mexiko)

MoU

Memorandum of Understanding

NAP

Nationaler Aktionsplan

OAS

Organisation Amerikanischer Staaten

OECD

Organisation for Economic Co-operation and Development

OSAGI

Office of the Special Adviser to the Secretary-General on Gender Issues and Advancement of Women

Proigualdad

Programa Nacional de Igualdad entre Mujeres y Hombres (Nationales Gleichstellungs­programm; Mexiko)

3R

Rechte, Repräsentation, Ressourcen (von Frauen)

SDG

Sustainable Development Goals

SRE

Secretaría de Relaciones Exteriores (Außen­ministerium; Mexiko)

SUCOP

Sistema Único de Consulta Pública (Einheit­liches System für öffentliche Konsultatio­nen; Kolumbien)

UN

United Nations

UNDP

United Nations Development Programme

UNGA

United Nations General Assembly

UNIFEM

United Nations Development Fund for Women

UNSC

United Nations Security Council

UNSCR

United Nations Security Council Resolution

WPS

Women, Peace and Security

Endnoten

1

 Dabei gibt es Unterschiede in der Begrifflichkeit – etwa feministische Außenpolitik, feministische Diplomatie, femi­nistische Entwicklungszusammenarbeit oder depatriarchalisierende und dekolonisierende Außenpolitik – sowie in der Intensität des Engagements. Darüber hinaus besteht kein Konsens darüber, ab wann eine Regierung tatsächlich als FAP-verfolgend gilt, deshalb zirkulieren im Rahmen der Policy-Forschung zu FAP verschiedene Staatenlisten.

2

 Lyric Thompson u. a., Defining Feminist Foreign Policy: The 2023 Edition, The Feminist Foreign Policy Collaborative, 2023, <https://tinyurl.com/ye244de4> (alle Links in dieser Studie wurden am 16.11.2025 eingesehen).

3

 Karin Aggestam/Annika B. Rosamond, »Feminist Foreign Policy 3.0: Advancing Ethics and Gender Equality in Global Politics«, in: SAIS Review of International Affairs, 39 (2019) 1, S. 37–48.

4

 Bereits vor seinem Amtsantritt kündigte Außenminister Johann Wadephul (CDU) an, den feministischen Ansatz in der Außenpolitik nicht weiterverfolgen zu wollen. Im Ein­klang damit hat das Auswärtige Amt sämtliche Dokumente und Verweise auf FAP von seinen Webseiten entfernt. Die feministische Entwicklungspolitik (FEP) wird allerdings, wenngleich weniger prominent als zuvor, fortgeführt. Zwar gibt es kein klares öffentliches Bekenntnis von Entwicklungs­ministerin Reem Alabali Radovan (SPD) zur FEP, die damit verbundenen Konzepte und Texte sind auf den Web­seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung jedoch weiterhin zu finden. Barbara Mittelhammer, Ein Schritt vor, zwei zurück? Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Außenpolitik nach der Abschaffung der Feministischen Leitlinien, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2025, <https://tinyurl.com/3su3uv99>.

5

 Rebecca Sanders/Laura D. Jenkins, »Patriarchal Populism: The Conservative Political Action Coalition (CPAC) and the Transnational Politics of Authoritarian Anti-Feminism«, in: The International Spectator, 58 (2023) 3, S. 1–19.

6

 SIPRI Military Expenditure Database, Solna: Stockholm Inter­national Peace Research Institute (SIPRI), 2024, doi: 10.55163/ CQGC9685.

7

 V-DEM Institute, »V-DEM Democracy Report 2025. 25 Years of Autocratization – Democracy Trumped?«, <https://tinyurl.com/2ra4j726>.

8

 UN Security Council, Women and Peace and Security. Report of the Secretary-General, New York, 5.9.2025, <https://tinyurl. com/2tfst7jp>.

9

 Beispielsweise: Sabine Hark/Paula-Irene Villa (Hg.), Anti-Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze politischer Auseinandersetzungen, Bielefeld 2017; Ines Kappert, Das »Recht des Stärkeren« ist keine Lösung, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, 28.7.2025 (Hintergrund), <https://tinyurl.com/5f4dpc7c>.

10

 Eine ähnliche historische Chronologie wurde zuerst veröffentlicht in: Claudia Zilla, »Feminist Foreign Policy in Latin America: The Approaches of Mexico, Chile, and Colombia«, in: Peter Birle/Claudia Zilla (Hg.), Trends in Latin Ameri­can International Relations. Shifting Alliances in the New World (Dis)Order, Oxford 2025 (Europa Regional Perspectives Series), S. 187–204.

11

 UN Women – Headquarters, »Commission on the Status of Women«, 24.9.2025, <https://tinyurl.com/ vjxwz48c>.

12

 UN General Assembly Resolution, A/RES/3010 (XXVII), International Women’s Year, 18 December 1972, 1972, <https:// tinyurl.com/8skhw7tn>.

13

 UN Women – Headquarters, »World Conferences on Women«, 25.9.2025, <https://tinyurl.com/3jumpx2n>.

14

 UN General Assembly Resolution 31/136 – 1976, United Nations Decade for Women, 1977, <https://tinyurl.com/ 4vkh8d5f>.

15

 UN Women, »CEDAW: Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women«, 12.6.2009, <https://tinyurl.com/49p25vd3>.

16

 UN Women – Headquarters, »Beijing Declaration and Platform for Action, Beijing +5 Political Declaration and Outcome«, <https://tinyurl.com/49896u7n>. Bei der Über­wachung und Überprüfung, inwieweit diese Erklärung und Aktionsplattform umgesetzt werden, sowie bei der Einbeziehung der Gender-Perspektive in UN-Aktivitäten sollte auf Beschluss des ECOSOC (Resolution 1996/6) die CSW eine füh­rende Rolle übernehmen.

17

 UN Security Council, Resolution 1325, »Landmark Reso­lution on Women, Peace and Security«, 3.6.2005, <https:// tinyurl.com/mrx7xu4d>.

18

 »Women, Peace and Security and the UN Security Coun­cil. Global Study on the Implementation of UN Security Council Resolution 1325«, 26.12.2023, <https://tinyurl.com/ 4yvm2ne7>.

19

 UN Women – Headquarters, »About us«, 25.9.2025, <https://tinyurl.com/2bchkt9v>; dass., »Commission on the Status of Women« [wie Fn. 11].

20

 Bei UN Women wurden die folgenden Einheiten zu­sammengelegt: die Abteilung für die Förderung der Frau (DAW, gegründet 1946), das Internationale Forschungs- und Ausbildungsinstitut zur Förderung der Frau (INSTRAW, ge­gründet 1976), das Büro der Sonderberaterin für Geschlechterfragen und die Förderung der Frau (OSAGI, gegründet 1997) sowie der Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM, gegründet 1976).

21

 Die historisch-chronologische Darstellung dieses Kapi­tels wurde in ähnlicher Form bereits veröffentlicht in: Zilla, »Feminist Foreign Policy in Latin America« [wie Fn. 10].

22

 Aus der Präambel der UN-Charta: »… unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen…« Vereinte Nationen – Regio­nales Informationszentrum für Westeuropa, »UN-Charta«, 6.10.2022, <https://tinyurl.com/ytw8yaes>.

23

 Economic Commission for Latin America and the Carib­bean (CEPAL), »Regional Conference on Women in Latin America and the Caribbean | CEPAL«, 25.9.2025, <https:// tinyurl.com/wz2we2t5>.

24

 In dieser Studie werden die spanischen Begriffe »igual­dad de género« als »Gleichstellung der Geschlechter« und »equidad de género« als »Geschlechtergerechtigkeit« ins Deutsche übersetzt. Sämtliche Übersetzungen von Titeln, Zitaten etc. aus dem Spanischen ins Deutsche stammen von den Autorinnen.

25

 ECLAC, »Gender Equality Observatory«, 25.9.2025, <https://oig.cepal.org/en>.

26

 Organization of American States, »Belém do Pará, Status of signatures and ratifications«, <https://tinyurl.com/ mvnnzawb>. Das Übereinkommen wurde von 32 der 34 OAS-Vollmitglieder – nur Kanada und die USA blieben außen vor – ratifiziert.

27

 Katherine Payne, »The Belém do Pará Convention at 30: Five Things You Should Know«, in: Equality Now (online), 7.6.2024, <https://tinyurl.com/3myhwbak>.

28

 OAS, »MESECVI«, <https://www.oas.org/en/mesecvi/>.

29

 Javier Corrales, The Politics of LGBTQ Rights Expansion in Latin America and the Caribbean, Cambridge 2021 (Cambridge Elements. Elements in Politics and Society in Latin America), doi: 10.1017/9781108993609.

30

 Marcela Ríos Tobar (Hg.), Mujer y política. El impacto de las cuotas de género en América Latina [Frau und Politik. Der Effekt von Geschlechterquoten in Lateinamerika], Santiago de Chile: IDEA Internacional/FLACSO-Chile/Catalonia, 2008, <https:// tinyurl.com/5x7jrthd>.

31

 »Quotas | International IDEA«, 12.11.2025, <https:// tinyurl.com/4cxmmmfk>.

32

 Anabella Molina, »Presidentes débiles y ministras pre­sentes: La representación de género en los gabinetes de Amé­rica Latina 1999–2019« [Schwache Präsidenten und anwe­sende Ministerinnen: Die Geschlechterrepräsentation in den Kabinetten Lateinamerikas 1999–2019], in: Estado, Gobierno y Gestión Pública [Staat, Regierung und öffentliches Manage­ment], 21 (2023) 41, doi: 10.5354/0717-8980.2023.71534.

33

 Paula Drumond u. a., Mapeando la agenda »Mujeres, Paz y Seguridad« en América Latina: una comparación de los Planes de Acción Nacional de la ONU [Mapping der Agenda »Frauen, Frieden und Sicherheit« in Lateinamerika: Ein Vergleich der Nationalen Aktionspläne der UN], Rio de Janeiro: BRICS Policy Center (BPC), Mai 2022 (BPC Policy Brief, Nr. V.12 N.4), <https://bit.ly/4i0Qyca>.

34

 Der erste Abschnitt dieses Kapitels wurde in ähnlicher Form bereits veröffentlicht in: Claudia Zilla, »Einleitung: Feministische Außenpolitik als work in progress«, in: dies. (Hg.), Feministische Außen- und Entwicklungspolitik konkret. Anforderungen und Potenziale, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Februar 2024 (SWP-Studie 7/2024), S. 7–17.

35

 Siehe etwa: Katie M. Whipkey u. a., Defining Feminist Foreign Policy 2025, Feminist Foreign Policy Collaborative, 2025, S. 4, <https://bit.ly/3JOkAU7>.

36

 »Decreto que Reforma y Adiciona los Artículos 4o., 5o., 30 y 123 de la Constitución Política de los Estados Unidos Mexicanos, en relación con la Igualdad Jurídica de la Mujer«, 31.12.1974 (Diario Oficial de la Federación, Nr. 41), <https:// tinyurl.com/59c46h3r>.

37

 »Decreto por el que se aprueba el diverso por el que se adicionan un segundo y tercer párrafos al artículo 1o., se reforma el artículo 2o., se deroga el párrafo primero del artículo 4o.; y se adicionan un sexto párrafo al artículo 18, y un último párrafo a la fracción tercera del artículo 115 de la Constitución Política de los Estados Unidos Mexicanos«, 14.8.2001 (Diario Oficial de la Federación), <https://tinyurl. com/325zknxr>.

38

 »Decreto por el que se modifica la denominación del Capítulo I del Título Primero y reforma diversos artículos de la Constitución Política de los Estados Unidos Mexicanos«, 10.6.2011 (Diario Oficial de la Federación), <https://tinyurl. com/bdfe3ksz>.

39

 »Ley General para la Igualdad entre Mujeres y Hom­bres«, 2.8.2006 (Diario Oficial de la Federación), <https:// tinyurl.com/2hsr4up8>.

40

 »Ley de Cooperación Internacional para el Desarrollo«, 6.4.2011 (Diario Oficial de la Federación), <https://tinyurl. com/bdfvsyce>.

41

 Gobierno de México, Plan Nacional de Desarrollo. 2019–2024, 2019, S. 12, 30, <https://tinyurl.com/3mjn8psk>.

42

 Gobierno de México/INMUJERES, Proigualdad 2013–2018. Programa Nacional para la Igualdad entre Mujeres y Hombres, 2013, <https://tinyurl.com/4y5wynvv>.

43

 Gobierno de México/INMUJERES, Proigualdad 2020–2024. Programa Nacional para la Igualdad entre Mujeres y Hombres, 2020, <https://tinyurl.com/57dpczet>.

44

 Ana Güezmes García/Brianda Romero Castelán, Diez años de política exterior feminista y política de cooperación internacional para el desarrollo feminista: una oportunidad para América Latina y el Caribe [Zehn Jahre feministische Außenpolitik und inter­nationale Zusammenarbeit für die feministische Entwick­lung: eine Chance für Lateinamerika und die Karibik], San­tiago: CEPAL, März 2024 (Asuntos de Género, Nr. 164), S. 53, <https://tinyurl.com/44tru3zt>.

45

 »¿Y la paridad de género? Así es el gabinete de AMLO en 2022« [Und die Geschlechterparität? So sieht das Kabinett von AMLO im Jahr 2022 aus], El Financiero (online), 6.10.2022, <https://bit.ly/3X0LuuU>.

46

 Secretaría de Relaciones Exteriores, Mensaje del canciller Marcelo Ebrard Casaubon en el marco de la 74 Asamblea General de la ONU [Botschaft von Außenminister Marcelo Ebrard Casaubon im Rahmen der 74. UN-Generalversammlung], New York, 28.9.2019, <https://bit.ly/4idKrBG>.

47

 Im spanischen Original: Reunión Anual de Titulares de Embajadas y Cónsules de México. Bis einschließlich 2023 lautete der offizielle Titel dieser Veranstaltung »Jährliches Treffen von Botschaftern und Konsuln« (»Reunión Anual de Embajadores y Cónsules«).

48

 Secretaría de Relaciones Exteriores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México, 2020, <https://tinyurl.com/ 9h773vyp>.

49

 »›O están las mujeres o no es 4T‹: Claudia Sheinbaum se declaró aliada y feminista« [»Entweder sind die Frauen dabei oder es ist keine 4T«: Claudia Sheinbaum erklärte sich zur Verbündeten und Feministin], Infobae (online), 25.11.2021, <https://tinyurl.com/y89uzkh6>.

50

 Presidencia de la República, »Presidenta Claudia Sheinbaum firma decreto que garantiza la igualdad sustantiva de las mujeres en la Constitución« [Präsidentin Claudia Sheinbaum unterzeichnet Dekret, das die substanzielle Gleich­stellung von Frauen in der Verfassung garantiert], Presse­mitteilung, 15.11.2024, <https://bit.ly/4809kvX>; Irma Kánter Coronel, Reforma constitucional para la igualdad sustantiva de las mujeres y el derecho a una vida libre de violencia [Verfassungs­reform für die substanzielle Gleichstellung von Frauen und das Recht auf ein Leben ohne Gewalt], Dirección General de Análisis Legislativo, November 2024 (Mirada Legislativa, Nr. 252), <https://bit.ly/3XApbfG>.

51

 Andrés García, »Secretaría de las Mujeres inicia opera­ciones; reconoce labor del Inmujeres« [Frauenministerium nimmt Arbeit auf; würdigt Arbeit von Inmujeres], Infobae (online), 1.1.2025, <https://tinyurl.com/muv8yxr4>.

52

 Presidencia de la República, Anuncia Gobierno de México que 2025 será el año de la mujer indígena, 23.11.2024, <https:// tinyurl.com/5xfpemvv>.

53

 Es ist lediglich eine Ausnahme festzustellen: In der gemeinsamen Erklärung vom 8. November 2025 aus Anlass des Staatsbesuches von Emmanuel Macron, dem Präsidenten Frankreichs, bekräftigten beide Staatsoberhäupter ihr En­gagement für die Gleichstellung der Geschlechter und ihre Bereitschaft, sich gemeinsam auf internationaler Ebene für die Grundsätze einer FAP einzusetzen. Presidencia de la República, Declaración conjunta México-Francia, 8.11.2025, <https://tinyurl.com/3dumyvn3>.

54

 Claudia Sheinbaum, 100 pasos para la transformación, 2024, <https://tinyurl.com/2fewd4v6>.

55

 Gobierno de México, Plan Nacional de Desarrollo. 2025–2030, 2025, S. 75ff, <https://tinyurl.com/5az8fwzc>.

56

 Secretaría de Relaciones Exteriores, »Realiza Cancillería diversas actividades en el marco del Día Internacional de las Mujeres en la Diplomacia« [Das Außenministerium führt ver­schiedene Aktivitäten im Rahmen des Internationalen Tages der Frauen in der Diplomatie durch], 27.6.2025, <https:// tinyurl.com/445eku7t>.

57

 Dass., La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48].

58

 Eine der Autorinnen hat der zweiten, unveröffentlichten PowerPoint-Präsentation (Secretaría de Relaciones Exte­riores, »Política Exterior Feminista de México«) beigewohnt und diese fotografiert.

59

 Secretaría de Relaciones Exteriores, Programa Sectorial de Relaciones Exteriores 2020–2024, 2.7.2020, <https://tinyurl.com/ mrrzu6et>.

60

Dass., Programa Sectorial de Relaciones Exteriores 2025–2030, 30.9.2025, <https://tinyurl.com/2sa26arw>.

61

 Ebd.

62

 Secretaría de Relaciones Exteriores, Programa de Co­operación Internacional para el Desarrollo 2021–2024, 2021, <https://tinyurl.com/4jrtu4ma>.

63

 Agencia Mexicana de Cooperación Internacional para el Desarrollo/GIZ, Protocolo Mexicano de Actuación para la Trans­versalización de la Perspectiva de Género, 4.12.2018, <https://bit.ly/ 49plalE>.

64

 Secretaría de Relaciones Exteriores u. a., Guía para la transversalización de la Perspectiva de Género en Programas y Proyectos de Cooperación Internacional para el Desarrollo, 2023, <https://bit.ly/4pzQRO3>.

65

 Secretaría de Relaciones Exteriores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48].

66

 Corporación Humanas u. a., Política Exterior Feminista: Una mirada a 5 países de América Latina [Feministische Außen­politik: Ein Blick auf 5 Länder Lateinamerikas], Santiago de Chile, Juni 2024, <https://tinyurl.com/4vherbvw>.

67

 Vgl. Fn. 58.

68

 Definition des Jahres 2020: »Die Gesamtheit außen­politischer Grundsätze, die als Richtschnur für staatliche Maßnahmen zum Abbau und zur Beseitigung struktureller Unterschiede, Lücken und geschlechtsspezifischer Ungleichheiten dienen sollen, um eine gerechtere und prosperie­rende Gesellschaft aufzubauen«. Secretaría de Relaciones Exte­riores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48], S. 4.

69

 Dass., »Diálogo y negociación consolidarán relaciones bilaterales y multilaterales de México: canciller De la Fuente« [Dialog und Verhandlung werden die bilateralen und multi­lateralen Beziehungen Mexikos festigen: Außenminister de la Fuente], 4.4.2025, <https://tinyurl.com/3hvzzc36>.

70

 Dass, »El Gobierno de México implementa una política exterior humanista cercana a la gente« [Die mexikanische Regierung verfolgt eine humanistische Außenpolitik, die nah an den Menschen ist], Pressemitteilung, 20.8.2024, <https://tinyurl.com/96dhpmx4>.

71

 Martha Delgado Peralta, »La política exterior feminista de México y la agenda de la sostenibilidad 2030« [Die femi­nis­tische Außenpolitik Mexikos und die Agenda für nach­haltige Entwicklung 2030], in: Revista Mexicana de Política Exterior, (2020) 118, S. 131–138 (137).

72

 Secretaría de Relaciones Exteriores, La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48].

73

 Ebd., S. 4.

74

 Ebd., S. 16.

75

 Ebd., S. 17ff.

76

 Ebd., S. 19.

77

 Secretaría de Relaciones Exteriores u. a., Guía para la transversalización de la Perspectiva de Género [wie Fn. 64], 19f.

78

 Gobierno de México, Plan Nacional de Desarrollo. 2025–2030 [wie Fn. 55].

79

 Secretaría de Relaciones Exteriores, »Se celebra el foro ›Avanzar hacia una sociedad del cuidado‹« [Das Forum »Auf dem Weg zu einer Care-Gesellschaft« findet statt], Presse­mitteilung, 8.5.2024, <https://tinyurl.com/4r39b3ct>. Dieses Forum richtete das SRE im Mai 2024 gemeinsam mit der ECLAC, UN Women, der deutschen Botschaft und weiteren Insti­tutionen im Zuge der Vorbereitungen auf die Regionalkonferenz über Frauen aus.

80

 Dass., La Política Exterior Feminista del Gobierno de México [wie Fn. 48], S. 2.

81

 Ebd., S. 10.

82

 Secretaría de Relaciones Exteriores, Guía de lenguaje inclu­yente y no sexista, 20.1.2023, <https://tinyurl.com/2yyj5mmd>.

83

 Fátima Gamboa, La política exterior feminista ¿o no será? Situación de la política exterior feminista del Gobierno de México [Feministische Außenpolitik – oder doch nicht? Die Situa­tion der feministischen Außenpolitik der mexikanischen Regierung], EQUIS Justicia para las Mujeres, März 2024, S. 20, <https://tinyurl.com/39exsjwk>.

84

 Ebd., S. 18.

85

 Mariana Herrera Salcedo Serrano, »La Política Exterior Feminista: ensayo para la retención de las mujeres en la diplomacia mexicana« [Die feministische Außenpolitik: Versuch, Frauen in der mexikanischen Diplomatie zu hal­ten], in: Foreign Affairs Latinoamérica, (Februar 2025), <https:// tinyurl.com/3hz98ywa>.

86

 Whipkey u. a., Defining Feminist Foreign Policy 2025 [wie Fn. 35], S. 121–132.

87

Gamboa, La política exterior feminista ¿o no será? [wie Fn. 83], S. 18.

88

 Secretaría de Relaciones Exteriores, Memorándum de Entendimiento en materia de colaboración en Política Exterior Femi­nista entre el Ministerio de Asuntos Exteriores, Unión Europea y Co­operación del Reino de España y la Secretaría de Relaciones Exteriores de los Estados Unidos Mexicanos, 9.3.2022, <https://bit.ly/3LC9ke7>.

89

 International Labour Organization, »Ratification by Mexico of Convention No. 189 on Domestic Workers«, Genf, 6.7.2020, <https://tinyurl.com/4zxdsk3n>; Secretaría de Rela­ciones Exteriores, »El Estado mexicano ratifica el Convenio 190 de la OIT sobre acoso y violencia« [Der mexikanische Staat ratifiziert das Übereinkommen 190 der ILO über Beläs­tigung und Gewalt], Pressemitteilung, 1.10.2025, <https:// tinyurl.com/acz4pj78>.

90

 Secretaría de Relaciones Exteriores, Plan Nacional de Acción sobre género y cambio climático del gobierno de México, Noviembre 2022, <https://tinyurl.com/mseh23jn>. Dieser »Aktionsplan«, der im selben Dokument mitunter auch als »Strategie« bezeichnet wird, gibt zwar konkrete Schritte und zu erreichende Maßnahmen, aber keine Laufzeit an.

91

 Ebd.

92

 Alianza Global por los Cuidados, Alianza Global por los Cuidados, 19.9.2025, S. 2, <https://tinyurl.com/4ahsjxdf>.

93

 »Ley Núm. 19.611«, 16.6.1999 (Diario Oficial de la República de Chile), <https://bcn.cl/2k4o1>.

94

 Constitución Política de la República de Chile, 1980, <https:// tinyurl.com/2xx68mnp>.

95

 »Ley Núm. 20.609«, 24.7.2012 (Diario Oficial de la República de Chile), <https://bcn.cl/2g7mr>.

96

 »Ley Núm. 20.820«, 20.3.2015 (Diario Oficial de la Repú­blica de Chile), <https://bcn.cl/2flok>.

97

 Ministerio de la Mujer y la Equidad de Género, Cuarto Plan Nacional de Igualdad Entre mujeres y hombres 2018–2030, 2018, <https://tinyurl.com/yckyzu74>.

98

 Ebd., S. 27.

99

 Ministerio de Relaciones Exteriores, »Gobierno presenta Tercer Plan de Acción Nacional sobre la Resolución 1325 de Naciones Unidas« [Regierung legt dritten Nationalen Aktions­plan zur UN-Resolution 1325 vor], Pressemitteilung, 2.9.2025, <https://tinyurl.com/2tvc3v9w>.

100

 Gobierno de Chile, Tercer Plan de Acción Nacional para la Implementación de la Resolución 1325 (2000) del Consejo de Seguri­dad de las Naciones Unidas sobre Mujeres, Paz y Seguridad, 20252030, 1.9.2025, S. 44, <https://tinyurl.com/46dpj3hf>.

101

 Gabriel Boric, Programa de Gobierno, 2021, <https:// tinyurl.com/mv82wwtp>.

102

 Rocío Montes, »Chile consolida el primer Gobierno feminista latinoamericano« [Chile festigt die erste feminis­tische Regierung Lateinamerikas], in: Ediciones El País S.L. (online), 11.3.2022, <https://tinyurl.com/3c29wabr>.

103

 Emiliana Pariente, »Las implicancias de que el Minis­terio de la Mujer y la Equidad de Género integre por primera vez en la historia el Comité Político« [Die Auswirkungen der erstmaligen Aufnahme des Ministeriums für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit in den Politischen Ausschuss], 25.3.2022, <https://bit.ly/4r3zHcX>.

104

 Ministerio de Relaciones Exteriores, »Canciller Antonia Urrejola: ›El desarrollo de una política exterior feminista será un sello distintivo y elemento de vanguardia de nuestra diplo­macia‹« [Außenministerin Antonia Urrejola: »Die Ent­wicklung einer feministischen Außenpolitik wird ein Mar­ken­zeichen und ein wegweisendes Element unserer Diplo­matie sein«], Pressemitteilung, 22.3.2022, <https://tinyurl. com/mv6ansrk>.

105

 Dass., »Canciller Antonia Urrejola se reúne con su par de España y firma Memorándum de Entendimiento de colaboración en Política Exterior Feminista« [Außenminis­terin Antonia Urrejola trifft sich mit ihrem spanischen Amts­kollegen und unterzeichnet eine Vereinbarung über die Zu­sammenarbeit in der feministischen Außenpolitik], Pressemitteilung, 1.7.2022, <https://tinyurl.com/4c5yvkjy>.

106

 Dass., »Cancillería presenta el Plan de Acción de la Política Exterior Feminista en conmemoración del Día Inter­nacional de la Mujer« [Außenministerium präsentiert Aktionsplan zur feministischen Außenpolitik anlässlich des Internationalen Frauentags], Pressemitteilung, 7.3.2024, <https://tinyurl.com/2p9k4yve>.

107

 Dass., »Cancillería presenta la Política Exterior Feminista de Chile y refuerza su compromiso internacional con los derechos humanos« [Außenministerium stellt Chiles feministische Außenpolitik vor und bekräftigt sein inter­nationales Engagement für die Menschenrechte], Presse­mitteilung, 12.6.2023, <https://bit.ly/48feqWl>.

108

 Dass., Política exterior feminista de Chile, Juni 2023, S. 9, <https://tinyurl.com/ 4v7njmmm>.

109

 Dass., Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025, März 2024, S. 5, <https://bit.ly/3LIqMNY>.

110

 Dass., Política exterior feminista de Chile [wie Fn. 108].

111

 Dass., Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109].

112

 Derzeit befindet sich ein Dekret im Prüfverfahren, das geschlechtsspezifische Über­legungen und Definitionen im Zusammenhang mit den konsularischen Vorschriften beinhalten soll.

113

 Ministerio de Relaciones Exteriores, »División de Asun­tos de Género de la Cancillería inicia funciones« [Das Referat für Gender-Fragen des Außenministeriums nimmt die Arbeit auf], Pressemitteilung, 27.8.2025, <https://bit.ly/4oHr5aj>.

114

 »Decreto 207«, 27.8.2025 (Diario Oficial de la República de Chile), <https://bcn.cl/Br6lXW>.

115

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Política exterior femi­nista de Chile [wie Fn. 108], S. 50.

116

 Dass., Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109], S. 24. In der AGCID ist im Jahr 2025 nicht nur eine Person, sondern ein fünfköpfiges Team mit dieser Auf­gabe betraut.

117

 Agencia Chilena de Cooperación Internacional para el Desarrollo (AGCID), Estrategia de la Cooperación Internacional para el Desarrollo de AGCID 2023–2026, September 2023, S. 4, <https://tinyurl.com/hkysmmes>.

118

 Ebd.

119

 AGCID, »AGCID reitera compromiso de seguir inte­grando el enfoque de género en la cooperación internacional de Chile« [AGCID bekräftigt ihr Engagement, den Gender-Ansatz weiterhin in die internationale Zusammenarbeit Chi­les zu integrieren], Pressemitteilung, 13.3.2023, <https:// bit.ly/4r5Ljw5>.

120

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109], S. 22.

121

 Dass., Balance de la Implementación del Plan de Acción. Política Exterior Feminista 2024, März 2025, S. 41, <https:// tinyurl.com/4ds74px7>.

122

 Dass., Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109].

123

 Dass., Balance de la Implementación del Plan de Acción [wie Fn. 121].

124

 Dass., Política exterior feminista de Chile [wie Fn. 108], S. 29.

125

 Dass., Balance de la Implementación del Plan de Acción [wie Fn. 121], S. 8.

126

 Dass., Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109], S. 5.

127

 Dass., Política exterior feminista de Chile [wie Fn. 108], S. 8.

128

 Ebd., S. 10.

129

 Ebd., S. 35.

130

 AGCID, Estrategia de la Cooperación Internacional para el Desarrollo de AGCID 2023–2026 [wie Fn. 117], S. 9.

131

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Política exterior feminista de Chile [wie Fn. 108], S. 33ff.

132

 Ebd., S. 15.

133

 Ebd., S. 54.

134

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Plan de Acción Política Exterior Feminista 2024–2025 [wie Fn. 109], S. 20f.

135

 Ebd., S. 22.

136

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Balance de la Imple­mentación del Plan de Acción [wie Fn. 121].

137

United Nations Development Programme (UNDP), »Sello de Género PNUD – Instituciones Públicas« [UNDP-Gender Equality Seal – Öffentliche Einrichtungen], <https://tinyurl. com/3paz2xvc>.

138

 Ministerio de Relaciones Exteriores, »Cancillería recibe la distinción del Sello de Oro en Igualdad de Género del PNUD« [Außenministerium erhält Auszeichnung »Goldenes Siegel für Geschlechtergleichstellung« des UNDP], Presse­mitteilung, 25.8.2025, <https://tinyurl.com/mxtet79m>.

139

 Dass., Balance de la Implementación del Plan de Acción [wie Fn. 121], S. 53. Die Handelsabkommen mit Mexiko und Saudi-Arabien sind noch nicht in Kraft getreten.

140

 Ebd., S. 54.

141

 Ebd., S. 75.

142

 Ebd., S. 77.

143

 Ebd., S. 33; Ministerio de Relaciones Exteriores, »Chile y Noruega suscriben Memorándum de Entendimiento sobre Igualdad de Género en Política Exterior« [Chile und Nor­wegen unterzeichnen Vereinbarung über Gleichstellung der Geschlechter in der Außenpolitik], Pressemitteilung, 14.7.2025, <https://tinyurl.com/5y28asuv>.

144

 Dass., Balance de la Implementación del Plan de Acción [wie Fn. 121], S. 38.

145

 Ebd., S. 45.

146

 Constitución Política de Colombia, 1991, <https://tinyurl. com/33524au9>.

147

 »Ley 823«, 7.7.2003 (Diario Oficial), <https://tinyurl. com/4vnn6rr2>.

148

 Departamento Nacional de Planeación, Plan Nacional de Desarrollo 2018–2022. Pacto por Colombia, pacto por la equidad (Resumen), S. 160ff, <https://tinyurl.com/4puad6jr>.

149

 »Ley 1955«, 25.5.2019 (Diario Oficial), <https://tinyurl. com/2827yhw3>.

150

 Gustavo Petro/Francia Márquez, Colombia potencia mundial de la vida. Programa de Gobierno 2022–2026, 2022, <https://tinyurl.com/24m62bwx>.

151

 »Gobierno nacional planteó ante ONU mujeres la construcción de una política exterior feminista para el país« [Die nationale Regierung schlug der UN Women vor, eine feministische Außenpolitik für das Land zu entwickeln], Infobae (online), 20.9.2022, <https://tinyurl.com/87r6cxkp>.

152

 Las Igualadas, »›Vamos a formular una política exterior feminista‹: Colombia en la OEA« [»Wir werden eine femi­nis­tische Außenpolitik formulieren«: Kolumbien in der OAS], in: El Espectador (online), 5.10.2022, <https://tinyurl.com/ 3zdub5pe>.

153

 Ministerio de Igualdad y Equidad, »Viceministerios«, 16.11.2025, <https://tinyurl.com/35w4wau9>.

154

 Das kolumbianische Verfassungsgericht erklärte die Schaf­fung des Ministeriums 2024 auf­grund eines Verfahrensfehlers für nichtig, verschob die Wirkung der Aufhebung jedoch auf 2026, um dem Kongress Zeit zur legislativen Nach­besserung zu geben. Das Ministerium steht außerdem wegen niedriger Implementierungsraten in der Kritik. Juan E. Lewin/Juan Miguel Hernández Bonilla, »La Corte Constitucional anula la creación del Minis­terio de la Igualdad« [Das Verfassungsgericht hebt die Schaffung des Ministeriums für Gleichheit auf], in: Ediciones El País S.L. (online), 9.5.2024, <https://tinyurl.com/3avkt2ss>.

155

 Im August 2025 kam es erneut zu einem Wechsel an der Spitze des Ministeriums. Juan Carlos Florián wurde zum Minister ernannt – eine viel kritisierte Entscheidung, da er früher als Darsteller in pornografischen Filmen tätig war. Weitere Kontroversen löste die Ernennung von Charlotte Schneider Callejas zur Vizeministerin für Frauen aus, einer in Kuba geborenen Transfrau. Valentina P. Lugo, »Petro aparta a su vicepresidenta Francia Márquez de su cargo como ministra de Igualdad« [Petro entlässt seine Vizepräsidentin Francia Márquez aus ihrem Amt als Ministerin für Gleich­heit], in: Ediciones EL País S.L. (online), 28.2.2025, <https:// tinyurl.com/9t9ky7sj>; Santiago Torrado, »Gustavo Petro elige a Juan Carlos Florián como reemplazo de Carlos Rosero en el Ministerio de la Igualdad« [Gustavo Petro wählt Juan Carlos Florián als Nachfolger von Carlos Rosero im Minis­terium für Gleichheit], in: Ediciones EL País S.L. (online), 1.8.2025, <https://tinyurl.com/3j3zxf2p>; Redacción Política, »Charlotte Schneider: la nueva viceministra de la Mujer en Colombia es transexual y nació en Cuba« [Charlotte Schnei­der: Die neue stellvertretende Ministerin für Frauen­angele­genheiten in Kolumbien ist transsexuell und wurde in Kuba geboren], in: El Irreverente (online), 16.8.2025, <https:// tinyurl.com/7rrt4wcc>.

156

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Política Exterior Feminista Colombiana. Pacifista + Participativa + Interseccional = Transformadora, Bogotá, 19.12.2023, S. 3, <https://tinyurl. com/ym6f94dj>.

157

 Dass., Por primera vez en la historia Colombia presentó su Política Exterior Feminista ante Naciones Unidas [Zum ersten Mal in der Geschichte stellte Kolumbien seine feministische Außenpolitik vor den Vereinten Nationen vor], 15.3.2024, <https://tinyurl.com/2jsp8uj8>.

158

 Ministerio de Igualdad y Equidad, »Colombia da un paso histórico: Gobierno adopta el Plan Nacional de Mujeres, Paz y Seguridad« [Kolumbien vollzieht einen historischen Schritt: Regierung verabschiedet Nationalen Plan für Frauen, Frieden und Sicherheit], Pressemitteilung, 11.11.2025, <https://tinyurl.com/4tptrjnb>.

159

 Dass., Primer Plan De Acción Nacional Mujeres, Paz Y Segu­ridad. Resolución 1325 Del Consejo De Seguridad De Las Naciones Unidas, República de Colombia, 2024–2034, 2024, <https:// tinyurl.com/yrzsv24z>.

160

 »Ley 2294«, 19.5.2023 (Diario Oficial), <https://tinyurl. com/34ey79yc>.

161

 Departamento Nacional de Planeación, Plan Nacional de Desarrollo 2022–2026. Colombia, Potencia Mundial de la Vida, 2023, <https://tinyurl.com/m4c4amf8>.

162

 Redacción Política, »Gobierno Petro dejó en firme la Política Exterior Feminista: Sarabia ya firmó decreto« [Die Regierung Petro hat die feministische Außenpolitik bestätigt: Sarabia hat bereits das Dekret unterzeichnet], in: El Espectador (online), 25.6.2025, <https://tinyurl.com/4jpbe6yt>.

163

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Plan de Acción Política Exterior Feminista, Mai 2024, aktualisiert am 30.9.2024, <https://tinyurl.com/yrkrj7xd>.

164

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, Informe Proyecto de Inversión. Incorporación del Enfoque de Género en la política exterior del estado, a nivel bilateral y multi­lateral, 2024, S. 10, <https://tinyurl.com/3hhexsdb>.

165

 Cancillería, »Análisis de género: Una herramienta para poner en práctica la Política Exterior Feminista« [Gender-Analyse: Ein Instrument zur Umsetzung der feministischen Außenpolitik], Pressemitteilung, 25.6.2025, <https://tinyurl. com/4yzpdbvz>.

166

 Agencia Presidencial de Cooperación Internacional de Colombia (APC Colombia), »Quiénes somos« [Über uns], 17.7.2023, <https://tinyurl.com/2m9wp9zv>.

167

 Diana M. Parra Romero, Documento Política Exterior Feminista, 1.11.2024, <https://tinyurl.com/2vwmk4yy>.

168

 APC Colombia, Estrategia Nacional de Cooperación Inter­nacional de Colombia (ENCI) 2023–2026, 2023, S. 15ff, <https:// tinyurl.com/jawc858m>.

169

 Parra Romero, Documento Política Exterior Feminista [wie Fn. 167], S. 61.

170

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Política Exterior Feminista Colombiana [wie Fn. 156], S. 11.

171

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, Informe Proyecto de Inversión [wie Fn. 164], S. 6f.

172

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Por el cual se adopta la Política Pública Exterior Feminista o Política Exterior con Enfoque de Género y se dictan otras disposiciones, 1.11.2024, <https:// tinyurl.com/ty9tsrwu>.

173

 Ebd.

174

 Sofía Perez Gil, »Sobre nuestra Política Exterior [ya no Feminista] con enfoque de género. Y razones para mantener viva la esperanza« [Über unsere (nicht mehr feministische) Außenpolitik mit Gender-Ansatz. Und Gründe, die Hoffnung am Leben zu erhalten], in: Diplomacia Abierta, (Mai 2023), <https://tinyurl.com/37cudupr>.

175

 Parra Romero, Documento Política Exterior Feminista [wie Fn. 167], S. 2.

176

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Política Exterior Feminista Colombiana [wie Fn. 156], S. 2; Ministerio de Rela­ciones Exteriores y su Fondo Rotatorio, Informe Proyecto de Inversión [wie Fn. 164], S. 6.

177

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, Informe Proyecto de Inversión [wie Fn. 164], S. 19.

178

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Plan de Acción Política Exterior Feminista, Mai 2024 [wie Fn. 163].

179

 Parra Romero, Documento Política Exterior Feminista [wie Fn. 167], S. 7; Ministerio de Rela­ciones Exteriores, Memoria justificativa del proyecto PN-2024-17360, 16.10.2024, S. 3, <https://tinyurl.com/3m4nhupe>.

180

 APC Colombia, Estrategia Nacional de Cooperación Inter­nacional de Colombia (ENCI) 2023–2026 [wie Fn. 168], S. 15.

181

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, Informe Proyecto de Inversión [wie Fn. 164], S. 19; Parra Romero, Documento Política Exterior Feminista [wie Fn. 167], S. 9.

182

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Por el cual se adopta la Política Pública Exterior Feminista [wie Fn. 172].

183

 APC Colombia, Estrategia Nacional de Cooperación Inter­nacional de Colombia (ENCI) 2023–2026 [wie Fn. 168], S. 18.

184

 Ministerio de Relaciones Exteriores, Por el cual se adopta la Política Pública Exterior Feminista [wie Fn. 172].

185

 Dass., Plan de Acción Política Exterior Feminista, Mai 2024 [wie Fn. 163].

186

 APC Colombia, Estrategia Nacional de Cooperación Inter­nacional de Colombia (ENCI) 2023–2026 [wie Fn. 168], S. 17.

187

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, Informe Proyecto de Inversión [wie Fn. 164], S. 8f.

188

 Ebd., S. 12.

189

 Cancillería, »Colombia reafirma su compromiso con la igualdad de género a través del fortalecimiento de sus capa­cidades técnicas para implementar la Política Exterior Femi­nista« [Kolumbien bekräftigt sein Engagement für die Gleich­stellung der Geschlechter durch den Ausbau seiner technischen Kapazitäten zur Umsetzung der feministischen Außenpolitik], 30.5.2025, <https://tinyurl.com/mry39m64>.

190

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, Informe Proyecto de Inversión [wie Fn. 164], S. 10.

191

 Ebd.

192

 Ebd., S. 11.

193

 Der Titel des Projekts lautet im Original »Atención, pre­vención, investigación y judicia­lización de las violencias basadas en género: intercambio entre Kenia y Colombia«. Vgl. APC Colombia, »Colombia y Kenia refuerzan coopera­ción feminista en el marco de la Estrategia África« [Kolum­bien und Kenia verstärken ihre feministische Zusammen­arbeit im Rahmen der Afrika-Strategie], 20.5.2025, <https:// tinyurl.com/4c53xcjc>.

194

 Sebastián Vargas Rueda, »Relaciones entre Colombia y Nigeria: Vicepresidenta Francia Márquez visita Abuya para promover cooperación y desarrollo« [Beziehungen zwischen Kolum­bien und Nigeria: Vizepräsidentin Francia Márquez besucht Abuja, um Zusammenarbeit und Entwicklung zu fördern], Infobae (online), 31.8.2025, <https://tinyurl.com/ 4huskuk9>.

195

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, Informe Proyecto de Inversión [wie Fn. 164], S. 11f.

196

 Cancillería, »Colombia inicia el proceso del Plan de Acción Nacional de la Resolución 2250 del Consejo de Segu­ridad de la ONU sobre Juventud, Paz y Seguridad« [Kolum­bien initiiert den Prozess für einen Nationalen Aktionsplan zur Resolution 2250 des UN-Sicherheitsrats zu Jugend, Frie­den und Sicherheit], Pressemitteilung, 23.9.2025, <https:// tinyurl.com/whsrbw5t>.

197

 Cancillería, »Cancillería socializa la Política Exterior Feminista de Colombia en el conversatorio ›Mujeres que cuidan la vida en el territorio‹« [Außenministerium stellt Kolumbiens feministische Außenpolitik im Rahmen der Diskussionsrunde »Frauen, die sich um das Leben im Land kümmern« vor], Pressemitteilung, 22.10.2024, <https:// tinyurl.com/ftzkrk5j>.

198

 Cancillería, »En 2024, la Cancillería apostó por la paz, sostenibilidad, igualdad y cooperación internacional« [2024 setzte das Außenministerium auf Frieden, Nachhaltigkeit, Gleich­heit und internationale Zusammenarbeit], Presse­mitteilung, 2.1.2025, <https://tinyurl.com/mwz9kx7m>.

199

 CEPAL, »Chile, Colombia, Mexico, Germany, and ECLAC Partner to Strengthen Feminist Foreign Policies and International Cooperation for Development; CEPAL«, 5.10.2025, <https://tinyurl.com/22djx2w6>.

200

 Ministerio de Relaciones Exteriores y su Fondo Rota­torio, »Fondo Chile-México«, 16.11.2025, <https://tinyurl. com/6p9mmxvy>.

201

 VIII Cumbre de la CELAC, »Declaración sobre la Política Exterior Feminista de América Latina y el Caribe«, Kingston, San Vicente y las Granadinas, 1.3.2024, <https://tinyurl.com/ a3s7khp4>.

202

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