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Das Ende des IS?

Die Fragmentierung der jihadistischen Bewegung

SWP-Studie 2018/S 20, 08.10.2018, 37 Pages Research Areas

In den Jahren 2014 bis 2016 wurde der »Islamische Staat« (IS) zur gefähr­lichsten Terrororganisation der Gegenwart. Damals schien es so, als habe er sich im Konflikt mit al-Qaida durchgesetzt und schicke sich an, die jihadis­tische Szene weltweit zu dominieren. Ende 2017 jedoch erlitt der IS eine vernichtende Niederlage. Der »Staat« des IS in Syrien und im Irak brach unter den Angriffen seiner Gegner zusammen. Trotz aller Rückschläge deutet bisher alles darauf hin, dass der IS im Irak überleben und im Unter­grund aktiv bleiben wird. Auch in Syrien könnte die Organisation stark bleiben und die seit 2014 entstandenen IS-Filialen in Libyen, Ägypten (Sinai), Jemen und Afghanistan dürften sich ebenfalls halten. Doch zu den zahl­reichen Gegnern des IS gehören auch konkurrierende Jihadistengruppen aus dem al-Qaida-Netzwerk, die meist größer und schlagkräftiger sind als die irakische Organisation und ihre Ableger. Da IS und al-Qaida weiterhin in scharfer Konkurrenz zueinander stehen, dürfte die jihadistische Szene in den kommenden Jahren stark fragmentiert bleiben. Das wird es den Jihadis­ten erschweren, anspruchsvolle, große Anschläge zu organisieren, macht sie aber unberechenbarer als bisher.

Der Autor empfiehlt der Bundesregierung, ihre Aktivitäten zur Terroris­musbekämpfung auf die Türkei, Libyen und Ägypten zu konzentrieren. Deutschland sollte sich darauf vorbereiten, dass die USA von den Europäern mehr Engagement im Kampf gegen den Terrorismus fordern werden, und dieser Forderung nachkommen. Es sollte die Türkei ins Zentrum ihrer Anti­terrormaßnahmen rücken, einen zweiten Schwerpunkt auf die Situation in Nordafrika legen, sich effektiv an der militärischen Bekämpfung von jihadis­tischen Gruppierungen beteiligen und künftig auf rein symbolische Gesten und Schritte verzichten.

Dr. Guido Steinberg ist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika

Problemstellung und Schlussfolgerungen

In den Jahren 2014 bis 2016 wurde der »Islamische Staat« (IS) zur gefährlichsten Terrororganisation der Gegenwart. Damals schien es so, als habe er sich im Konflikt mit al-Qaida durchgesetzt und schicke sich an, die jihadistische Szene weltweit zu dominieren. Hierfür sprach vor allem seine starke Anziehungskraft auf ausländische Kämpfer, die ab 2013 – ver­stärkt jedoch ab Mitte 2014 – zu Zehntausenden nach Syrien strömten, um sich der Organisation an­zuschließen. Der wichtigste Grund für diese Attrak­tivität war, dass der IS tatsächlich ein staatsähnliches Gebilde kontrollierte, das nach Ansicht seiner Anhän­ger dem Gemeinwesen nachempfunden war, welches die frühen Muslime in Mekka und Medina im 7. Jahr­hundert aufgebaut hatten. Die zunächst erfolgreiche »Staatsgründung« stellte die Errungenschaften aller jihadistischen Rivalen in den Schatten. Hinzu kam, dass der IS sich nicht auf Syrien und den Irak be­schränkte, sondern ab Mitte 2014 ein Netzwerk von verbündeten Gruppierungen (die IS-Provinzen) schuf, die in vielen Staaten der islamischen Welt zu ein­fluss­reichen Gewaltakteuren wurden. Der IS und seine Unterstützer in den Provinzen verübten ab 2014 zahlreiche spektakuläre Anschläge gegen westliche und russische Ziele. Zwar schaffte es der IS nicht, ein ähnlich epochemachendes Attentat wie das der al-Qaida vom 11. September 2001 zu verüben, doch gelangen ihm immer wieder höchst anspruchsvolle Operationen, und die schiere Zahl der Anschläge lag weit über der, die bis dato auf das Konto von al-Qaida gegangen war.

Ende 2017 jedoch erlitt der IS eine vernichtende militärische Niederlage, der »Staat« des IS in Syrien und im Irak brach unter den Angriffen seiner Gegner zusammen. Diese Situation wirft eine Reihe von Fra­gen auf, nämlich

  • ob und wenn ja, in welcher Form der IS in seinem Kerngebiet im Irak und Syrien überleben und sich neu aufstellen kann,

  • welche Rolle die IS-Provinzen auch ohne fort­gesetz­te Unterstützung aus Mossul und Raqqa in ihren Heimatländern und darüber hinaus spielen können und

  • wie sich das (Kräfte-)Verhältnis zu den großen jihadistischen Konkurrenten des IS, der al-Qaida und ihren Verbündeten, weiterentwickelt.

Bisher deutet alles darauf hin, dass der IS im Irak überleben und im Untergrund aktiv bleiben wird. Hierfür sprechen vor allem die Schwäche des iraki­schen Staates und das schlechte Verhältnis zwischen der schiitisch dominierten Regierung und den Sunni­ten des Landes. Auch in Syrien dürfte der IS stark bleiben. Allerdings hängt dort vieles davon ab, ob und in welcher Form der Bürgerkrieg andauert. Auch die seit 2014 entstandenen IS-Filialen in Libyen, Ägypten (Sinai), Jemen und Afghanistan dürften sich halten, doch haben sie alle mit teils übermächtigen Gegnern zu tun, die die anfängliche Expansion der Organisation bereits gestoppt haben. Zu diesen Geg­nern gehören auch konkurrierende Jihadistengruppen aus dem al-Qaida-Netzwerk, die meist schlag­kräftiger sind als der IS und seine Ableger. Da der IS und al-Qaida weiterhin in einer scharfen Konkurrenz zueinander stehen, dürfte die jihadistische Szene in den kommenden Jahren stark fragmentiert bleiben. Das wird es den Jihadisten erschweren, anspruchs­volle, große Anschläge zu organisieren, macht sie aber unberechenbarer als bisher.

Vom Quasi-Staat zur Untergrundorganisation

Nach einer kurzen Blütezeit, die von Mitte 2014 bis Mitte/Ende 2015 andauerte, erlitt der IS eine Reihe von Niederlagen, die Ende 2017 zum Zusammenbruch des von ihm begründeten Quasi-Staates führ­ten. Nach dem Verlust seiner Hauptstadt Mossul im Juli 2017 musste er seine letzten Hochburgen im Irak in rascher Folge aufgeben. In Syrien nahmen die mit ihm verfeindeten Kurden im Oktober 2017 Raqqa ein, und im Sommer 2018 konnten sich die letzten IS-Ein­heiten nur noch in zwei Enklaven im Euphrattal nahe der irakischen Grenze halten. Kleinere Gruppen operierten ab Anfang 2018 auch im Südwesten Syriens und in den Provinzen Homs und Hama.

Trotzdem zeichnet sich ab, dass der IS als terroris­tische Organisation im Irak und vielleicht auch in Syrien überleben wird. Hierfür spricht erstens, dass die politischen Rahmenbedingungen im Irak und Syrien immer noch ähnlich sind wie zur Zeit seines Aufstiegs: Die irakische Regierung macht kaum Anstalten, ihre Politik gegenüber den Sunniten des Landes zu ändern, die ab 2012 mit zum Erstarken des IS geführt hatte, und in Syrien dauert der Bürgerkrieg weiter an. Deshalb dürfte der IS in beiden Ländern fortbestehen und einen Kampf im Untergrund füh­ren, wie er dies schon zwischen 2006 und 2010 im Irak getan hat. Zweitens hat sich die Ideologie des IS als sehr viel attraktiver erwiesen als die aller jihadi­stischen Organisationen vor ihm. Daher verfügte er zumindest in den Jahren 2014–2016 über viel mehr Anhänger als al-Qaida und andere jihadistische Grup­pierungen, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass seine Weltanschauung in der islamistischen Szene an Überzeugungskraft verloren hat. Und drittens hat der IS sich seit 2013 als langfristig und vorausschauend planende Organisation erwiesen. Auf die Niederlagen von 2016 und 2017 dürfte er sich vorbereitet haben.

Die Schwäche der Gegner im Irak und in Syrien

Der IS ist bis heute eine stark irakisch geprägte Orga­ni­sation geblieben, deren Aufstieg durch die Fehler der irakischen Regierung nach dem Abzug der ameri­kanischen Truppen 2011 erst möglich wurde. Der Beginn des Aufstands in Syrien 2011 und die Auswei­tung der dortigen Proteste zu einem Bürgerkrieg 2012 erleichterten es dem IS, seine Aktivitäten auf das Nachbarland und anschließend weit darüber hinaus auszudehnen. Trotz der militärischen Erfolge der Gegner des IS im Irak und in Syrien haben sich die Rahmenbedingungen in beiden Ländern nicht grund­legend geändert. Im Irak hat die schiitische Regierung mit Hilfe iranisch kontrollierter Milizen einen mili­tärischen Sieg errungen und macht keine Anstalten, die Sunniten am politischen System teilhaben zu lassen. In Syrien ist ein Ende des Bürgerkriegs zwar denkbar, doch die personelle Schwäche der Regimetruppen dürfte es ihnen unmöglich machen, das gesamte Land nach einem militärischen Sieg effektiv zu kontrollieren.

Irak

Im Irak begann der Aufstieg des IS mit dem Abzug aller US-Truppen im Dezember 2011. Ministerpräsi­dent Nuri al-Maliki nutzte seine neu gewonnene Handlungsfreiheit sofort, um sich politischer Gegner zu entledigen. Die Gefängnisse füllten sich mit sunni­tischen Oppositionellen. Im Frühjahr 2013 trieb die Welle der Verfolgung sunnitischer Politiker Zehntau­sende Demonstranten auf die Straße. Inspiriert durch die Ereignisse in den Nachbarländern entstand eine sunnitische Protestbewegung, die Camps wie auf dem Tahrir-Platz in Ägypten aufschlug. Die Demonstran­ten forderten ein Ende der Maßnahmen gegen ehe­malige Mitglieder der Baath-Partei und die Freilassung Tausender sunnitischer Gefangener, die ohne Verfah-

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 Irak

ren in irakischen Gefängnissen einsaßen. Die Regie­rung antwortete mit brutaler Repression, die im April 2013 ihren Höhepunkt erreichte, als Sicherheitskräfte in Hawjia in der Provinz Kirkuk ein Protestcamp auf­lösten und fast 50 Demonstranten töteten.1

Maliki glaubte, seine Gegner durch Repression einschüchtern zu können, doch trieb er mit seiner Politik Teile der Bevölkerung in die Arme des Islami­schen Staates im Irak (ISI), der seit 2009 erst langsam, ab 2011 immer schneller an Popularität gewann.2 In den Jahren 2009–2011 verfügte der ISI wahrscheinlich über nicht einmal mehr 1000 Kämpfer.3 Trotz­dem war es ihm gelungen, sich seit 2006 in der Mil­lionenstadt Mossul im Nordirak festzusetzen, wo er im Untergrund operierte und sich über Schutzgeld­erpressungen finanzierte. 2012 und 2013 erhöhte die Organisation die Zahl ihrer Anschläge mit Auto­bomben und ihrer Angriffe auf Sicherheitskräfte. Besonders folgenreich waren ihre mitunter spekta­kulären Überfälle auf Gefängnisse. Bei zwei dieser Attacken – in Tikrit und auf die berüchtigte Haft­anstalt von Abu Ghraib – befreiten die IS-Kämpfer Hunderte Häftlinge, unter ihnen zahlreiche Jihadis­ten.4 Wie stark er war, zeigte der IS im Januar 2014, als er seine alte Hochburg Falluja einnahm und an­schließend erfolgreich gegen die Regierungstruppen verteidigte. Im Juni 2014 gelang es ihm sogar, die Stadt Mossul einzunehmen und die dortigen Streit­kräfte zu vertreiben. Diese Aktion wurde davon be­günstigt, dass weite Teile der Bevölkerung die Zentral­regierung ablehnten. Hinzu kam der katastrophale Zustand der irakischen Armee, die schnell zusammen­brach – die Militärführung in Mossul floh und ließ Einheiten zurück, die nicht bereit waren zu kämpfen.5

Im September 2014 wurde Maliki von Haidar al-Abadi als irakischer Ministerpräsident abgelöst. Die neue Regierung versicherte zwar immer wieder, dass sie einen versöhnlicheren Kurs gegenüber den Sunni­ten verfolgen werde, doch scheiterte dies an der Schwäche der Streitkräfte, die radikal antisunnitische Kräfte auf den Plan rief. Um einen weiteren Vormarsch des IS im Sommer zu verhindern, fanden sich schii­tische Milizen, die teils neu gegründet wurden, teils aber bereits seit längerer Zeit bestanden und vor 2011 die US-Truppen bekämpft hatten, unter dem Namen »Volksmobilisierungseinheiten« (arab. al-Hashd ash-Shaʻbi) zu einem Bündnis zusammen. Die wichtigsten bewaffneten Verbände, die sich hier zusammenschlos­sen, waren die Badr-Organisation, Kata’ib Hizbullah und Asa’ib Ahl al-Haqq, deren Kommandeure auch den Oberbefehl über die Volksmobilisierungseinheiten übernahmen. Für die irakische Regie­rung war diese Entwicklung problematisch, weil die wichtigsten Milizen stark von den Quds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden abhängig sind.6 Sie werden von den Iranern zumindest teilweise aus­gebildet, bewaffnet und finanziert und bekennen sich zu Ali Khamenei als ihrem religiös-politischen Füh­rer. Ihr Aufstieg in der irakischen Politik führte dazu, dass der iranische Einfluss wuchs und Quds-Brigaden-Kommandeur Qasem Soleimani zu einem der mäch­tigsten Männer im Irak wurde.7 Nach 2014 schickte sich Iran an, im Irak einen Staat im Staate zu schaf­fen, so wie es ihm im Libanon mit der Hizbullah ge­lungen war.

In den sunnitischen Gebieten gelten die iranisch kontrollierten Milizen und Regierungstruppen als fremde Besatzer.

Die hochmotivierten und gut ausgebildeten Kämpfer der Milizen übernahmen ab Sommer 2014 ge­mein­sam mit Spezialkräften der Armee und der Polizei die Hauptlast des Kampfes gegen den IS. Angehörige der Milizen waren zusätzlich auch in den Polizeieinheiten vertreten, die schon seit 2005 stark mit Mitgliedern der Badr-Miliz durchsetzt waren, weil diese seitdem mehrfach den Innenminister gestellt hatte.8 Diese Truppen konnten den IS mit Unterstützung des US-Militärs, das ab August 2014 mit Luftangriffen half, schnell in die Defensive drängen und die Hochburgen der Terrororganisation schrittweise einnehmen, bis sie im Juli 2017 die IS-Hauptstadt Mossul eroberten. Trotz Bemühungen der Regierung Abadi, die Truppen und

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 Syrien

Milizen zu disziplinieren, verübten diese zahl­reiche Verbrechen an Gefangenen und an der Zivilbevölke­rung.9 Besonders die iranisch kontrollierten Milizen erwarben sich mit willkürlichen Hinrichtungen, Fol­ter und Vertreibungen von Sunniten einen katastro­phalen Ruf, der einen politischen Ausgleich mit der sunnitischen Bevölkerung vorerst unmöglich macht. In den sunnitischen Gebieten gelten Milizen und Re­gierungstruppen als fremde Besatzer. Alle Nach­rich­ten aus den Gebieten, die zwischen 2015 und 2017 vom IS befreit wurden, weisen darauf hin, dass sich an der Abneigung der Sunniten gegenüber der Regie­rung in Bagdad nichts geändert hat.10 Damit werden für den IS auch in Zukunft die Bedingungen für den Fortbestand als Untergrundorganisation ge­geben sein.

Syrien

Auch in Syrien zeichnet sich eine Lösung der Pro­bleme, die schon dem Aufstieg des IS dort zugrunde lagen, nicht ab. Zwar ist es möglich, dass der Bürger­krieg in naher Zukunft endet, doch dürften militante Gruppen auch nach der Einstellung größerer Kampf­handlungen im Untergrund überleben. Die demogra­fischen Voraussetzungen für einen fortdauernden Konflikt sind hier sogar eher gegeben als im Irak. Denn in Syrien stellten die arabischen Sunniten zumindest bis zum Beginn des Bürgerkriegs zwischen 60 und 70 Prozent der Bevölkerung, im Irak hingegen nur rund 20 Prozent.11 Die Jihadisten profitieren in Syrien davon, dass der Bürgerkrieg entlang konfessioneller Linien geführt wird, obwohl seine Ursachen auch sozio-ökonomischer Natur sind – was beispielsweise zur Folge hatte, dass die städtischen Mittelschichten unabhängig von Religion oder Konfession dem Regime die Treue gehalten haben. Bei den Aufständischen handelt es sich seit Beginn des Krieges 2011 fast aus­schließlich um arabische Sunniten. Die Regierungs­truppen, die paramilitärischen Einheiten der Geheim­dienste und die regimeloyalen Milizen setzen sich hin­gegen vor allem aus Alawiten zusammen.

Diese demografische Ausgangslage ist einer der Gründe dafür, warum die Aufständischen mit ihren mehreren Zehntausend Kämpfern und einem schein­bar unerschöpflichen Rekrutierungspool lange Zeit einen Vorteil gegenüber dem Regime hatten, das seit 2012 unter einem dramatischen Personalmangel lei­det.12 Die alawitischen Truppenteile sind professionell ausgebildet, gut bewaffnet und bisher absolut loyal, doch ihre Zahl ist im Laufe des Krieges gesunken. Zwar half russisches Militär Syrien bei der Umstruk­turierung seiner Streitkräfte, mit dem Ergebnis, dass diese seit 2015/16 wieder an Schlagkraft gewannen; doch ungeachtet dessen verfügte die syrische Armee Ende 2017 nur noch über maximal 45000 Mann für Fronteinsätze.13 Dies hat zur Folge, dass sie nicht mehr in der Lage ist, mehr als eine oder zwei größere Operationen gleichzeitig durchzuführen.

Die syrische Regierung ist deshalb schon seit 2012 dazu übergangen, Milizen aufzubauen, die zwar unter dem Kommando professioneller Militärs stehen, aber in puncto Effektivität und Disziplin sehr unter­schiedlich agieren – und bei der Bevölkerung ent­sprechend gefürchtet sind. Dass das Assad-Regime sich trotz dieser zahlenmäßigen Schwäche seiner Streitkräfte halten kann, liegt vor allem daran, dass es von Iran und iranisch kontrollierten schiitischen Milizen sowie von Russland unterstützt wird. Die iranischen Revolutionsgarden stellen vor allem Mili­tärberater, die ausbilden und schiitische Milizen an­führen. Die wichtigste ist die libanesische Hizbullah, die mit rund 5000 bis 8000 Kämpfern – die Zahlen variieren je nach Gesamtlage – in Syrien präsent ist und Gebiete an der Grenze zum Libanon kontrolliert. Hinzu kommen irakische Milizen, deren Stärke eben­falls schwankt, aber immer deutlich über 1000 liegt, und afghanische und pakistanische Freiwillige, die das Kontingent schiitischer Kämpfer auf bis zu 20000 Mann vervollständigen.14 Russland stellt zwar Spezial­kräfte und Söldner, die sich an Kämpfen betei­ligen, wirkt aber in erster Linie durch seine Luftwaffe auf den Bürgerkrieg ein.

Zusammen mit Russland und Iran ist es dem Regime gelungen, die Aufständischen bis Spätsommer 2018 an den Rand einer Niederlage zu bringen. Doch die quantitative Schwäche der Regierungstruppen und die Brutalität, mit der Assads Gefolgsleute und ihre Verbündeten vorgehen, dürften auch in Syrien die Bedingungen dafür schaffen, dass militante Grup­pen in Zukunft mit Unterstützung in der Bevölkerung rechnen können. Die Strategie des Regimes bei der Wiedereroberung der Territorien, die von Regierungs­gegnern gehalten werden, ist immer annähernd die gleiche: Hochburgen der Aufständischen werden zu­nächst von der Außenwelt abgeschnitten, die Ver­sor­gung, auch mit Nahrungsmitteln, wird unterbunden und das Gebiet anschließend mit allen zur Verfügung stehenden Waffen beschossen. So gingen Assad und seine Gefolgsleute schon 2011/12 in Homs vor, 2016 bei der Rückeroberung des Ostteils von Aleppo und Anfang 2018 in Duma im östlichen Oasengürtel von Damaskus. Der ungezielte Beschuss scheint vor allem darauf ausgerichtet zu sein, die Bevölkerung dieser Orte – die mehrheitlich mit den Aufständischen sym­pathisiert – zu vertreiben, um so die demografischen Verhältnisse im Land zumindest ein wenig zugunsten des Regimes zu verändern. Dieses Kalkül geht aufgrund der hohen Zahl der arabischen Sunni­ten nur in geringem Maße auf. Deren Hass auf das Regime und seine in- und ausländischen Helfer dürfte es Gruppen im Untergrund auch künftig ermöglichen, den bewaffneten Kampf fortzusetzen.

Der IS hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass auch er von dieser Ausgangslage profitieren wird. Er hat sich seit 2003 schrittweise eine starke soziale Basis in Syrien geschaffen. In den Jahren 2003 bis 2008 haben sich auch Syrer am bewaffneten Kampf der IS-Vorläuferorganisationen im Irak beteiligt und dabei sogar das insgesamt zweitgrößte Kontingent gestellt. In Syrien wurde unterdessen ein Logistiknetzwerk geschaffen, das die Schleusung von auslän­dischen Kämpfern in den Irak organisierte.15 Ohne die Duldung und Unterstützung staatlicher Stellen wären diese Aktivitäten der syrischen Jihadisten nicht mög­lich gewesen, und es wurde schnell klar, dass das Assad-Regime an der Entsendung von Militanten in den Irak beteiligt war. Erst ab 2006 schränkten die syrischen Sicherheitskräfte die Reisebewegungen ein; viele Rückkehrer und Unterstützer der irakischen al‑Qaida (aus der der IS hervorging) wurden inhaftiert oder gar getötet.

Die syrische Führung versuchte in den Folgejahren, die einheimischen Jihadisten für eigene Zwecke ein­zuspannen. Zu Beginn des Aufstands 2011 wurden inhaftierte Islamisten in drei großen Wellen aus dem berüchtigten Gefängnis Seydnaya nördlich von Damaskus entlassen. Offenbar plante das Regime, die salafistischen und jihadistischen Gruppierungen gegenüber den übrigen Rebellen zu stärken, um die eigene Argumentation zu stützen, dass es sich bei den Aufständischen insgesamt um Terroristen handele. So trug die syrische Regierung maßgeblich zum Erstar­ken der Jihadisten bei. Tatsächlich reisten die meisten Freigelassenen sofort in ihre Heimatgebiete, die vor allem in den Provinzen Idlib, Aleppo, Raqqa und Deir ez-Zor lagen, wo sie fortan die islamistischen Grup­pierungen verstärkten. Einige der damals Freigelassenen wurden zu den ersten und wichtigsten ISIS-Kom­mandeuren und ‑Geheimpolizisten in Syrien.16

Der IS dürfte in Zukunft auch in Syrien weiterhin eine Rolle als Untergrundorganisation spielen.

So verfügte der IS schon 2012 über eine soziale Basis in Syrien, die Kontakte in den Irak unterhielt. Zunächst versuchte er, durch die Gründung der Nusra-Front einen eigenen Ableger in Syrien zu plat­zieren. Als er Ende 2012 die Kontrolle über diese Organisation verlor, nutzte er loyales irakisches und syrisches Personal, um eigene Strukturen aufzubau­en.17 Im April 2013 rief Baghdadi den Islamischen Staat im Irak und in Syrien (ISIS) aus. Anschließend liefen Teile der Nusra-Front, kleinere jihadistische Gruppierungen und viele einzelne Kämpfer zu ISIS über. In den Folgejahren schlossen sich Tausende weitere Syrer dem IS an und prägten ihn so wie bis dahin nur die Iraker.

In Anbetracht der starken sozialen Verankerung des IS in Syrien ist die Vermutung begründet, dass die Geschichte der Terrororganisation dort nicht beendet ist. Die Regierungstruppen sind zu schwach, ganz Syrien zu kontrollieren, und die ortsfremden schii­tischen Milizen haben zwar das Potential für einzelne Offensiven, sind aber nicht in der Lage, ihnen un­bekannte Städte mit einer feindseligen Bevölkerung in ihrer Gewalt zu behalten. Ihre Verbrechen haben Ressentiments verstärkt, die auf Jahre und vielleicht Jahrzehnte hinaus nicht verschwinden werden. Der IS dürfte deshalb auch in Syrien weiterhin eine Rolle als Untergrundorganisation spielen.

Die attraktive Ideologie

Die für viele Muslime attraktive Ideologie des IS ist ebenfalls ein wichtiger Grund für dessen Erstarken nach 2013. Die große Anziehungskraft zeigte sich zunächst vor allem an der hohen Zahl ausländischer Kämpfer, die sich seither für die Terrormiliz entschie­den. Insgesamt mehr als 40000 Ausländer sind seit 2012 nach Syrien gereist, um sich dort den Salafisten oder Jihadisten anzuschließen.18 Während sie zu­nächst noch zur Nusra-Front, den Ahrar ash-Sham und mehreren kleineren jihadistischen Gruppierun­gen reisten, wandten sie sich ab Mitte 2013 mehrheitlich dem IS zu.

Die Weltanschauung von al-Qaida und anderen jihadistischen Gruppierungen wird seit einigen Jah­ren in der Regel als »salafistisch-jihadistisch« beschrie­ben. Doch ist der IS sehr viel stärker salafistisch ge­prägt als al-Qaida, die sehr deutlich und vielleicht sogar primär von militanten Strömungen in der (nicht-salafistischen) Muslimbruderschaft beeinflusst wurde. Dies gereicht dem IS heute zum Vorteil, denn der Salafismus ist weltweit im Aufstieg begriffen und gilt vielen jungen Muslimen als die zeitgemäßere Interpretation des Islam.19

Islamisten (der Muslimbruderschaft und welt­anschaulich ähnlich ausgerichteter Gruppierungen) und Salafisten ist gemein, dass sie auf der Grundlage ihrer Interpretation des islamischen Rechts, der Scharia, einen »islamischen Staat« gründen wollen. Der Unterschied zwischen ihnen betrifft vor allem die Gewichtung dieser beiden Ziele, denn den Islamisten ist besonders am Gewinn politischer Macht gelegen. Sie sind häufig bereit, diesem Ziel weltanschauliche Prinzipien unterzuordnen. Die Salafisten hingegen sind eher an der Durchsetzung der Scharia und der reinen und wahren Lehre interessiert und kümmern sich weniger um die politischen Folgen dieser Prio­ritätenset­zung. Hinzu kommt, dass beide, Islamisten und Salafisten, die Zeit der frühen Muslime im 7. und 8. Jahrhundert idealisieren und in dieser Epoche das Modell für den modernen islamischen Staat zu erken­nen glauben. Doch ist dieser Rekurs für die Salafisten noch sehr viel wichtiger als für die Islamisten. Die Salafisten versuchen deshalb, möglichst detailgenau zu kopieren, wie der Prophet und seine Zeitgenossen gedacht und gehandelt haben.

Die Verlockung des Projekts eines islamischen Staates war der wichtigs­te Grund für den Erfolg des IS bei der Rekrutierung junger Salafisten.

Diese Unterschiede zeigen sich bei einem Vergleich zwischen al-Qaida und dem IS. Al-Qaida ist eine prag­matisch handelnde und strategisch denkende Organi­sation, die vor allem auf das Erringen der Macht in ihren Heimatländern in der arabischen Welt aus­gerichtet ist. Zu diesem Zweck geht die Organisation Zweckbündnisse und Kooperationen mit Staaten wie Iran, nicht-salafistischen Organisationen wie den Taliban und ideologisch nicht festgelegten jemenitischen Stämmen ein, mit Akteuren also, deren reli­giöse Überzeugungen mit der reinen salafistischen Lehre nur schwer zu vereinbaren sind. Dem IS hin­gegen geht es primär um die möglichst rasche und vollständige Durchsetzung seiner Interpretation der Scharia in einem islamischen Staat, dem sich alle Muslime unterzuordnen haben. Dass ein solcher Staat gegen eine Welt von übermächtigen Feinden werde kämp­fen müssen, wurde von Abu Bakr al-Baghdadi und vielen seiner Gefolgsleute lange hartnäckig ge­leugnet.20

Dieser »islamische Staat« wurde ab 2014 zum Kern­element der IS-Propaganda. Die Verlockung dieses Projekts war der wichtigste Grund für den Erfolg der Organisation bei der Rekrutierung junger Salafisten. Europäische IS-Rückkehrer haben in großer Zahl bestätigt, dass die Aussicht, Teil »des Staates« zu sein, für sie das ausschlaggebende Motiv gewesen sei, um nach Syrien zu gehen und sich dem IS anzuschließen.21 Meist betonen sie außerdem, dass der IS die Scharia kompromisslos anwende und dies seine be­son­dere Attraktivität ausmache.22 Der IS vertrat kompromisslos die reine salafistische Lehre, während die Nusra-Front und al-Qaida aus Sicht vieler Rekru­ten über den Sturz des Assad-Regimes das viel wich­tigere Ziel der Schaffung eines wahrhaft islamischen Gemeinwesens aus den Augen verloren hatten. Die Anhänger der Terrororganisation zogen – allerdings in deutlich verringerter Zahl – auch weiter nach Syrien, als die Hochzeit des IS-Quasistaats im Jahr 2015 endete und er immer mehr unter Druck geriet. Dass die Zugangszahlen abnahmen, lag an einer Reihe von Gründen: Erstens wurde das Leben für die Men­schen innerhalb der vom IS kontrollierten Gebiete ab Sommer und vor allem ab Oktober/Novem­ber 2015 deutlich gefährlicher, weil die USA und andere Staa­ten ihre Luftangriffe intensivierten. Zwei­tens ging die türkische Regierung ab 2015 erstmals dazu über, die Reisen ausländischer Kämpfer über ihr Territorium zu unterbinden. Drittens gelang es vielen Herkunftsstaaten immer besser, IS-Anhänger an der Ausreise in die Türkei und nach Syrien zu hindern.

Trotzdem blieb die Aussicht, mit Gleichgesinnten »nach dem Vorbild des Prophetentums« (ala minhaj an-nubuwwa) – wie der IS gerne betonte – in einem gemeinsamen Staat zu leben, für viele junge Salafisten außerordentlich verlockend. Es wird sich erst noch zeigen, wie sich der Verlust des vom IS beherrschten Terri­toriums in den nächsten Jahren auf die Rekru­tierung auswirken wird. Die Idee, einen solchen Staat zu schaffen, hat sich jedoch unter jungen Jihadisten durchgesetzt und wird viele von ihnen weiterhin begeistern.

Starke Organisation und Strategie

Der IS unterscheidet sich von den meisten anderen jihadistischen Organisationen unter anderem da­durch, dass in seiner Führung bis 2015 mehrere ehe­malige irakische Militärs vertreten waren. Dieser Um­stand erleichterte es ihm, militärische und geheim­dienstliche Strukturen aufzubauen, ohne die sein Quasi-Staat im Irak und Syrien wahrscheinlich nicht entstanden wäre und sich anschließend nicht so lange hätte halten können. Das für den IS charakteristische Bündnis zwischen Funktionären des alten Regimes und Jihadisten ist neben der Ideologie eine weitere wichtige Ursache für seine Stärke. Die Rekru­ten des IS scheinen in dieser Verbindung kein Problem zu sehen; vielmehr ist für viele Jihadisten der Erfolg der Organisation ein Grund für deren Attraktivität.

Schon 2003 schlossen sich die ersten ehemaligen Militärs der Organisation an, die zu jener Zeit noch von dem Jordanier Abu Musab az-Zarqawi angeführt wurde. Doch gelang es ihnen erst nach dem Tode Zarqawis im Jahr 2006, den damals noch auf den Irak beschränkten IS (ISI) entscheidend zu prägen. Als ihr wichtigster Exponent gilt der frühere Oberst Samir al-Khulaifawi alias Hajji Bakr, der bis zu seinem Tod im Januar 2014 die Nummer zwei der Organisation war.23 In der Führungsspitze des IS waren 2013–2015 weitere ehemalige Offiziere vertreten, die jedoch in rascher Folge getötet wurden – meist bei amerikanischen Luftangriffen.

Die Beteiligung von Offizieren des alten Regimes am Aufbau einer islamistischen Organisation ist nicht so ungewöhnlich, wie dies eine oberflächliche Be­trach­tung der Unterschiede zwischen der Ideologie der Baath-Partei, die den Irak bis 2003 beherrschte, und der der Jihadisten suggerieren mag. Denn die ehemals säkularistische Partei war schon in den 1980er Jahren zu einem reinen Instrument des Macht­erhalts geworden, für deren Handeln weltanschauliche Überzeugungen kaum mehr eine Rolle spielten. Um dem wachsenden Einfluss sunnitischer Islamisten zu begegnen, ordnete Saddam Hussein im Jahr 1993 die sogenannte Glaubenskampagne (al-hamla al-imaniya) an. Er wollte dem Regime einen stärker islamischen Anstrich verpassen, doch die unerwartete Folge war, dass viele sunnitische Angehörige der Sicherheitskräfte islamistisches Gedankengut über­nahmen.24 Als Saddam Hussein 2003 gestürzt wurde, schlossen sich viele von ihnen islamistischen Rebel­len­gruppen an. Hinzu kam, dass die amerikanische Besatzungsmacht die Armee und die Baath-Partei auflöste und zumindest für die sunnitischen Militärs und Funktionäre kein Platz mehr im neuen Irak war. Dies änderte sich auch in den Folgejahren nicht, als die meisten Gruppierungen, die von ehemaligen Regimeangehörigen dominiert wurden, den bewaffneten Kampf aufgaben. Außer dem ISI gab es für die früheren Militärs ab 2007/08 kaum noch Alternativen. Sie gaben ihre Kenntnisse an die Organisation weiter und machten sie so zur schlagkräftigsten jihadistischen Gruppierung überhaupt.

Die ehemaligen irakischen Militärs gaben ihre Kenntnisse an den IS weiter und machten ihn so zur schlagkräftigsten jihadistischen Gruppierung überhaupt.

Der wachsende Einfluss der Ex-Militärs zeigte sich ab 2011 an der terroristischen und militärischen Pro­fessionalität des ISI. Bis zur Gründung des Islamischen Staates (IS) im Juni 2014 nahmen Zahl und Effektivität der Anschläge des ISI im Irak stetig zu. Die Organi­sation überzog das Land 2012 und 2013 mit sorgfältig geplanten und ausgeführten Anschlagswellen mit Autobomben, die Tausende Opfer forderten. Auch in Syrien wirkte sich ab Ende 2012 die Erfahrung der ehemaligen Militärs aus. Unter dem Kommando von Hajji Bakr infiltrierten ISI/ISIS-Einheiten einzelne Ort­schaften, ermordeten potentielle Konkurrenten, ohne sich zu bekennen, und traten erst offen auf, als sie stark genug waren, die Kontrolle zu übernehmen.25 Die anderen aufständischen Gruppen hatten dieser Vorgehensweise nichts entgegenzusetzen.

Das außerordentliche militärische Potential des IS wurde ab Mitte 2014 immer deutlicher sichtbar. Be­son­ders erstaunlich waren seine Erfolge im Irak, wo es ihm unter anderem gelang, die Millionenstadt Mossul einzunehmen. Die Eroberung war Teil einer Offensive, die sogar Erbil und Bagdad bedrohte. Der IS verdankte sein siegreiches Vordringen vor allem dem gezielten Einsatz einer Vielzahl von Selbstmordatten­tätern und der großen Mobilität seiner Truppen. Bei Angriffen auf Militärstützpunkte sprengten Selbstmordattentäter den Weg mit Autobomben frei, wo­raufhin das Gros der IS-Kämpfer auf Pick-ups nach­rückte. Dass diese Taktik sogar gegen reguläre Streit­kräfte der irakischen Armee Erfolg hatte, überraschte, denn der IS war seinen Gegnern zahlenmäßig weit unterlegen.

Nach der Etablierung des »Staates« Mitte 2014 be­mühte sich der IS überdies, seine Einheiten neu zu organisieren, um deren Schlagkraft zu erhöhen. Er formierte eine Elitetruppe, die den Namen »Armee des Kalifats« (Jaish al-Khilafa) tragen und für das gesamte Kalifat zuständig sein sollte. Die anderen Kämpfer wurden in sogenannte »Armeen der Provin­zen« (Jaish al-Wilaya) eingeteilt und in der Regel auch nur in denjenigen Verwaltungsbezirken eingesetzt, in denen sie auch stationiert waren.26 Zum wichtigsten Bestandteil der neuen Struktur wurden Bataillone (arab. katiba), die meist aus wenigen Hundert Mann bestanden. Jeder Kämpfer wurde einem solchen Bataillon zugeordnet, das sich anschließend um alle seine Belange kümmerte. Die bis 2014/15 häufig national und ethnisch relativ homogenen Gruppen ausländischer Kämpfer wurden neu aufgeteilt, um die Integration unter den bewaffneten Kräften zu erhöhen und die Herausbildung unabhängiger Macht­zentren zu verhindern. Die Reorganisation war noch nicht abgeschlossen, als 2016 die großen Niederlagen und Gebietsverluste einsetzten.

Einen ebenso großen Anteil an den Erfolgen des IS hat die Geheimpolizei, die sich schlicht »Sicherheit« (»al-amn«) nennt und von ehemaligen irakischen Militärgeheimdienstlern mit aufgebaut wurde. Damit wurde der IS zur einzigen jihadistischen Gruppierung, die über einen professionellen Geheimdienst verfügt. Wie eine herkömmliche Geheimpolizei in einer Diktatur kümmerten sich die Schergen des Dienstes um die innere Sicherheit im Gebiet des IS. Sie waren an den Grenzübergängen zur Türkei prä­sent und nahmen die Sicherheitsüberprüfungen der neu angekommenen Rekruten vor. Außerdem such­ten sie über ein Netzwerk von Spitzeln und Informanten nach Spionen und sonstigen Gegnern des IS, ver­haf­teten diese und brachten sie in eigene, bei der Bevöl­kerung besonders gefürchtete Gefängnisse.27 Darüber hinaus war der Geheimdienst auch im Aus­land aktiv, denn seine Häscher verfolgten Gegner des IS sogar in der nahen Türkei und ermordeten sie.28

Vor allem aber hat der IS-Geheimdienst eine Abtei­lung, die sich mit Auslands­operationen befasst. Zu deren Aufgaben gehört die Planung, Organisation und Durchführung von Anschlägen außerhalb des IS-Territoriums. Dafür setzt sie nicht nur Attentäter, sondern auch Späher ein, die Reisewege und geeig­nete Ziele auskundschafteten. Chef dieser Einheit war bis zu seinem Tod im August 2016 der Syrer Abu Muhammad al-Adnani, der auch als Sprecher des IS fungierte. Ihm arbeiteten Unterführer zu, die für die Operationen in bestimmten Ländern zuständig waren.29 Am besten bekannt sind diejenigen Struk­tu­ren, die für die Anschläge in Paris am 13. Novem­ber 2015 verantwortlich waren.

Bis heute ist nicht bekannt, ob der IS diese Struk­turen vor der Niederlage im Irak und in Syrien ins Ausland verlegt hat, ob sie im Untergrund der beiden Länder fortbestehen oder ob sie zerschlagen wurden. Es ist allerdings zu vermuten, dass die Organisation Vorbereitungen für den Fall getroffen hat, dass sie auf dem Gebiet des Kalifats unter Druck gerät. Denn der IS hat die meisten seiner Schritte lange im Voraus geplant. Dies gilt beispielsweise für die Anschläge in Europa, die im Mai 2014 mit dem Attentat auf das Jüdische Museum in Brüssel anfingen.30 Spätestens im Frühjahr 2014 begann der IS, Europäer in seinen Reihen für Anschläge in ihren Heimatländern zu rekrutieren und entsprechende Listen anzulegen.31

Kein Ersatz für den Staat: Das »IS-Netzwerk«

Ein weiterer Beleg für die Planungsfähigkeit des IS ist das Netzwerk verbündeter Organisationen, das er ab 2014 aufgebaut hat. Seit November 2014 hat die Terrormiliz Treueschwüre von Jihadistengruppen aus allen Teilen der islamischen Welt akzeptiert und die Aktionsräume dieser Kräfte zu offiziellen »Provinzen« des Kalifats erklärt. Damit folgte der IS dem Beispiel von al-Qaida, die ab 2003 ein Netzwerk von regio­nalen Ablegern geknüpft und es so geschafft hat, trotz der Schwäche ihrer Zentrale in Pakistan eine weltweit gefürchtete Terrororganisation zu bleiben. Dass sich die Gruppierungen, die die »Provinzen« re­präsentieren, dem IS anschlossen, ist auf die ideo­logische Affinität dieser Akteure zum IS und dessen großen Erfolg im Irak und in Syrien zurückzuführen. Umgekehrt profitierten die Ablegerorganisationen aber auch von militärisch-terroristischer Unterweisung durch den IS und von dessen finanzieller Hilfe und Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit. Alle diese Maßnahmen haben es den Jihadistengruppen in den Provinzen erlaubt, ihre Aktivitäten rasch aus­zubauen.

Ein wichtiges Ziel des IS dürfte es gewesen sein, ein oder mehrere alternative Hauptquartiere für die Orga­ni­sation einzurichten, falls der Druck im Irak und in Syrien zunehmen würde. Besonders der Standort Libyen – wo zwischen 2014 und 2016 die zunächst erfolgreichste Filiale entstand – wurde von der Zen­trale massiv gefördert. Im November 2016 rief der IS-Führer Baghdadi angesichts der nahenden Niederlage im Irak und in Syrien dazu auf, sich den Truppen anderer IS-Provinzen anzuschließen, und dürfte dabei vor allem Nordafrika im Blick gehabt haben. Die Vertreibung des IS aus seiner libyschen Hochburg Sirte im Dezember 2016 durchkreuzte zwar den Plan der Organisation, sich in diesem Land zu verwurzeln und weiterzuentwickeln. Doch die fortdauernde In­stabilität in Libyen und in dessen Nachbarschaft wird ihr weitere Operationsmöglichkeiten bieten.

Der Misserfolg in Libyen erwies sich als paradigmatisch für die Expansionsbestrebungen des IS. Zwar gelang es ihm rasch, viele Jihadistengruppierungen in anderen Ländern an sich zu binden. Doch schaffte es keine von ihnen, auch nur annähernd die Stärke der Mutterorganisation von 2014 und 2015 zu erreichen. Generell war das Entwicklungspotential der »Provinzen« begrenzt, doch als Rückzugsgebiet für fliehende Kämpfer aus dem Kernkalifat eignen sich mehrere von ihnen. Die wichtigsten IS-Filialen sind heute die in Libyen, auf dem ägyptischen Sinai, im Jemen und in Afghanistan. Alle diese Gruppierungen stehen unter mehr oder weniger großem Druck und haben seit 2015 hohe Verluste verkraften müssen, so dass unklar bleibt, wohin diejenigen Kämpfer ziehen wer­den, die aus dem Irak und Syrien fliehen konnten. Viele werden voraussichtlich für eine Zeit lang ver­suchen, sich in der Türkei dem Zugriff der dortigen Behörden zu entziehen.32 Libyen dürfte ein wichtiges Ziel sein, denn von der Türkei aus bieten sich viele Reisemöglichkeiten dorthin. Auch im Hinblick auf den Sinai gibt es Berichte über Reisebewegungen von IS-Kämpfern, möglicherweise über Libyen. Afghanis­tan ist bisher nur in wenigen gesicherten Fällen das Ziel von fliehenden Jihadisten gewesen. Überwiegend scheint es sich dabei um Zentralasiaten zu handeln, für die eine Reise nach Nordafrika schwieriger ist als für Araber.

Libyen

Die IS-Gefolgschaft in Libyen bildete in den Jahren 2014–2016 die mit Abstand wichtigste IS-Filiale, die möglicherweise bis heute besonders eng an die Zen­trale im Irak angebunden ist. Spätestens ab 2014 be­mühte sich die IS-Führung zielgerichtet, in Libyen,

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 Libyen

der Hochburg des nordafrikanischen Jihadismus, ein zweites Hauptquartier aufzubauen, indem sie Füh­rungspersonal und Hunderte mehrheitlich libyscher Kämpfer aus Syrien in das Land entsandte. In Sirte gelang es dem IS 2015/16, nach dem Vorbild der Mutterorganisation ein Territorium einzunehmen und staatsähnliche Strukturen aufzubauen.

In Libyen zeigte sich wie in Syrien, wie sehr der IS von anhaltender Instabilität profitiert. Die inneren Auseinandersetzungen im Land ermöglichten dem IS‑Ableger eine rasche Expansion, die erst an ihre Grenze kam, als er von rivalisierenden Milizen im Dezember 2016 aus Sirte vertrieben wurde. Dies war auch eine Folge der Entscheidung der Obama-Admi­nistration, die Milizionäre mit Luftangriffen zu unter­stützen. Der fortdauernde Konflikt im Land und das Fehlen einer funktionierenden Regierung werden aber dazu führen, dass der IS, obwohl geschwächt, in Libyen weiter präsent bleiben wird.

Schon 2013 entsandte der IS die ersten Emissäre nach Libyen, von wo viele einheimische Rekruten nach Syrien reisten. Zudem hatte sich das Land als Transitraum für Jihadisten aus ganz Nordafrika etabliert, da die Reise von Libyen in die Türkei und von dort nach Syrien ganz ohne Probleme möglich war. Im Juli 2014 wurden die ersten Berichte über eine Präsenz des IS im ostlibyschen Derna publik. Die Stadt entwickelte sich neben Benghasi zur wichtigsten Hoch­burg der libyschen Jihadisten. Der IS erklärte sie am 4. Oktober 2014 zum Zentrum der ersten Pro­vinz des Kalifats außerhalb des Irak und Syriens.33 Der Deklaration ging die strategische Entscheidung der IS-Führung voraus, in Libyen einen Ableger zu gründen. Zu diesem Zweck wurden Mitglieder der libyschen IS-Katiba al-Battar gemeinsam mit Führungs­personal aus dem Irak und Saudi-Arabien in ihr Heimatland geschickt. Dort taten sie sich mit einer lokalen Gruppe zusammen, die zu der libyschen Jihadistenbewegung Ansar ash-Sharia gehörte, und setzten sich in Derna und Benghasi fest.34 Bis 2015 sollen etwa 500 Mann aus Irak und Syrien nach Libyen verlegt worden sein, was die Sonderstellung des IS in Libyen unter den Ablegern der Organisation verdeutlicht. Um eine stetige Kommunikation zwi­schen der Zentrale und der Filiale zu gewährleisteten, reisten in der Folgezeit Kuriere zwischen Syrien und Libyen hin und her.

Der fortdauernde Konflikt in Libyen und das Fehlen einer funktionie­renden Regierung dort werden dazu führen, dass der IS in diesem Land weiter präsent bleiben wird.

Angeführt von dem Iraker Abu Nabil al-Anbari (alias Abu al-Mughira al-Qahtani) sammelten die frü­hen IS-Anhänger nach dem Vorbild des Vorgehens in Syrien 2013 zunächst Informationen über ihre Geg­ner und verübten erste Mordanschläge. Sie suchten aber noch nicht den offenen Konflikt mit rivalisieren­den Jihadistenorganisationen wie zum Beispiel der in Libyen starken Ansar ash-Sharia, die – bis auf Teile, die sich dem IS anschlossen – eine stärker lokale Aus­richtung hatten. Ihre Konkurrenten in Derna, die von der Märtyrer-von-Abu-Salim-Brigade angeführt wur­den, erwiesen sich aber als stärker. Nachdem sich die Abu-Salim-Brigade und der Schura-Rat der Muja­hidin Derna gegen den IS verbündet hatten, entwickelte sich eine offene Auseinandersetzung, die im Juli 2015 mit der Vertreibung des IS aus Derna endete. Die meis­ten Überlebenden flohen damals nach Sirte; einige blieben in der Umgebung von Derna und Benghasi.35

In diese »Derna-Phase« des IS in Libyen fielen die ersten Anschläge und Videopublikationen, die der Welt zeigen sollten, dass die Organisation nun auch in Libyen präsent ist. Im Januar 2015 verübten Kämpfer der IS-Provinz Tripolis/Tripolitanien (Wilayat Tarabulus) einen Anschlag auf ein Luxushotel in der Haupt­stadt Tripolis, der acht Todesopfer forderte.36 Noch viel mehr Aufsehen erregte aber die Enthauptung von mehr als einem Dutzend koptischer Geiseln durch Angehörige ebendieser IS-Filiale in Westlibyen im Februar 2015. Das Video der Hinrichtung zeigte, dass die IS-Anhänger in Libyen ihre damals zunehmend professionelle Öffentlichkeitsarbeit an der der Zentrale ausrichteten.37 Im April folgten ähnlich in­szenierte Exekutionen äthiopischer Christen im Süden und Osten des Landes, die ebenfalls weltweit Schrecken und Empörung hervorriefen.38

In Sirte wurde die ursprünglich aus Misrata stammende Faruq-Brigade, die sich Ansar ash-Sharia an­geschlossen hatte, zum Nukleus der IS-Präsenz. Als IS‑Personal aus Derna und Benghasi nach Sirte zog, erstarkte die Organisation und konnte konkurrierende Gruppen im Sommer 2015 besiegen. Wie schon zuvor in Derna eröffnete der IS einen Scharia-Gerichtshof, schickte Religionspolizei (hisba) auf die Straßen und versetzte die Bevölkerung mit drakonischen Strafen in Furcht und Schrecken. Gleichzeitig bemühte er sich wie im Irak und in Syrien, eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Die Zahl der IS-Kämpfer wuchs rasch und belief sich laut Schätzungen des Pentagon im Jahr 2016 auf 5000 bis 6500.39 In den Jahren 2015 und 2016 gelang es der Organisation, einen ungefähr 230 Kilometer langen Küstenstreifen unter ihre Kontrolle zu bringen und von dort die wichtigen Ölverladehäfen östlich von Sirte zu bedrohen. Abgesehen von einigen amerikanischen Luftangriffen, durch die führende Personen wie beispielsweise Abu Nabil al-Anbari getötet wurden, blieben die Bekämpfungsmaßnahmen Stückwerk, denn die Gegner des IS in Libyen konnten sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.

Schließlich waren es islamistische Milizen aus Misrata, denen es gelang, den IS aus Sirte zu vertreiben. Dieser Erfolg war aber nur möglich, weil parallel zu der Bodenoffensive amerikanische Luftangriffe dem IS schwer zusetzten. Die Attacken begannen im August 2016, nachdem die libysche Regierung Washington um Hilfe gebeten hatte. Vorangegangen war eine monatelange Debatte über die Frage, wie die Obama-Administration auf den raschen Aufstieg des IS in Libyen reagieren solle. Dass die US-Luftwaffe zwischen August und Dezember 2016 fast 500 Luft­angriffe flog, war ein Indiz dafür, wie groß in Washington die Sorge war, dass hier ein neues IS-Hauptquartier entstehen könnte.40 Tausende Kämpfer des IS starben, darunter auch Führungspersonen wie vor allem der Saudi Abu Habib al-Jazrawi, seit März 2016 Kommandeur des IS in Libyen.41

Im westlibyschen Sabrata hatte der IS eine weitere Hochburg aufgebaut, die zwar sehr viel kleiner war als die in Derna und Sirte, aber eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung von Anschlägen der Orga­nisa­tion in Tunesien und bei der Aufnahme ausländi­scher Kämpfer spielte. Den Kern der IS-Präsenz hier bildeten Mitglieder des tunesischen Zweiges von Ansar ash-Sharia, die sich nach Libyen geflüchtet hat­ten. Im März 2015 verübte eine in Sabrata ausgebilde­te IS-Zelle den Angriff auf das tunesische National­museum in Tunis, bei dem 20 Menschen getötet wur­den. Drei Monate später attackierte ein ebenfalls in Sabrata trainierter Tunesier von Briten frequentierte Urlaubshotels in Sousse und tötete 38 Menschen.42 Der zweite Angriff belegte die Fähigkeit des IS, An­schläge in Nordafrika mit solchen im arabischen Osten und in Europa zu koordinieren, denn er fand zeitgleich mit Attacken auf eine Chemikalien- und Gasfabrik in der Nähe von Lyon und einem großen Anschlag auf die schiitische Hauptmoschee von Kuwait statt.43

Auch in Westlibyen reagierten die USA mit Luft­angriffen; im Februar 2016 bombardierten sie ein Trainingscamp des IS nahe Sabrata. Das Ziel war ein Tunesier, der nicht nur ausländische Kämpfer rekru­tierte und ausbildete, sondern auch eine Rolle bei der Planung der Anschläge in Tunis und Sousse gespielt haben soll.44 Kurz darauf, im März 2016, griff der IS die tunesische Grenzstadt Ben Gardane an – von wo besonders viele Jihadisten stammen – und versuchte, sie und einige umliegende Dörfer einzunehmen. Das Unternehmen scheiterte, doch zeigte es, dass die Orga­nisation ihr Ziel, Territorium einzunehmen, auch unter Druck und widrigen Rahmenbedingungen nicht aufgab. Dies spricht dafür, dass sich auch die libysche Filiale der Anziehungskraft bewusst war, die die Existenz eines »islamischen Staates« auf ausländische Kämpfer ausübte.

Sabrata war auch als Einfallstor für Rekruten aus Tunesien und alle diejenigen, die aus Marokko und Algerien zum IS stießen, von großer Bedeutung. Schon als ausländische Kämpfer ab 2012 Libyen als Station auf dem Weg nach Syrien nutzten, blieben viele von ihnen – und besonders die hier unter den Auslän­dern dominierenden Tunesier – im Land und schlos­sen sich lokalen Jihadistengruppen an. Der Zustrom verstärkte sich ab 2014 und 2015, als der Druck auf die IS-Zentrale im Irak und in Syrien zunahm. Im September 2015 rief der Führer des IS in Libyen, Abu Nabil al-Anbari, ausländische Kämpfer auf, sich der Gruppierung anzuschließen.45 Noch größeres Gewicht hatte aber eine Audiobotschaft des IS-Führers Bagh­dadi vom 2. November 2016, in der er seine Anhänger im Ausland dazu aufrief, in die IS-Provinzen zu rei­sen, wenn ihnen der Weg nach Syrien und in den Irak versperrt sein sollte.46 Die meisten der bis zu 3500 ausländischen Kämpfer in Libyen stammen aus Tunesien, gefolgt von Marokkanern, Algeriern, Ägyp­tern und Sudanesen.47 Europäer sind mit französischen, britischen und belgischen Kontingenten ver­treten, wobei die Kämpfer mehrheitlich nordafrikani­scher Abstammung sind.48 Ihre Zahlen sind jedoch sehr niedrig, was auf die Maßnahmen in den Heimat­ländern zurückzuführen sein dürfte, die eine Aus­reise in IS-Gebiete seit 2015 deutlich erschwerten. Hinzu kamen die Schwierigkeiten der Einreise nach Algerien, Tunesien und Ägypten. Denn über diese Länder verlaufen die etablierten Reiserouten der Jihadisten nach Libyen.

Ab 2016 machten sich Vertreter der Obama-Admi­nistration Sorgen, dass der IS seine Einheit für ex­terne Operationen aus Syrien nach Libyen verlegen könnte. Dies wäre eine durchaus logische Maßnahme gewesen, da der Druck auf den IS in Libyen nie so hoch war wie auf die Zentrale der Organisation im Irak und in Syrien. Obwohl Belege für eine solche Verlegung fehlen, begannen IS-Kommandeure in Libyen – ob mit oder ohne Kontakt zur Einheit für externe Operationen – die Voraussetzungen dafür zu schaffen, Anschläge auch in Europa zu steuern. Liby­sches Personal des IS stand beispielsweise im Kontakt mit dem Tunesier Anis Amri, der am 19. Dezember 2016 einen LKW in einen Berliner Weihnachtsmarkt fuhr und 12 Menschen tötete.49 Noch deutlicher war die Verbindung im Fall des libyschstämmigen Briten Salman Abedi, der im Mai 2017 bei einem Selbstmord­attentat auf ein Konzert in Manchester 22 Menschen tötete. Abedi soll während eines vorangegangenen Libyen-Besuchs IS-Mitglieder in Sabrata getroffen haben.50

Nach dem Verlust von Sirte wurde es zunächst etwas ruhiger um den IS in Libyen. Doch wurde schnell deutlich, dass viele IS-Jihadisten sich vor oder wäh­rend der Kämpfe abgesetzt hatten. Sie sammelten sich zu­nächst in Gebieten in der Umgebung der Stadt, wichen dann aber vermehrt in den Südwesten und Südosten Libyens aus. Vermutlich spielten auch hier amerikanische Luftangriffe eine Rolle, denn im Januar 2017 griff die US-Luftwaffe zwei Trainings­camps der Organisation südlich von Sirte an und tötete rund 80 Kämpfer.51 Im Süden Libyens aber befanden sich die IS-Kämpfer zunächst außerhalb der Reichweite der amerikanischen Drohnen, die von Sizilien aus operierten. In diesem Rückzugsraum pro­fitierten sie wie schon die Mitglieder von al-Qaida im Islamischen Maghreb davon, dass der libysche Staat die Kontrolle über sein Territorium weitgehend ver­loren hatte. Doch wurde die Situation für die Jihadis­ten im Verlauf des Jahres gefährlicher, als die US-Luft­waffe ihre Angriffe auch auf Südlibyen ausdehnte. Im benachbarten Niger baut das US-Militär derzeit mit Hochdruck an der neuen Drohnenbasis Agadez, durch die sich der Druck auf die Jihadisten in der Gegend ab 2019 deutlich verstärken dürfte.52

Die libysche Regierung bezifferte die Zahl der IS-Kämpfer, die noch im Land operierten, Ende Dezem­ber 2017 auf 500.53 Wie im Irak und in Syrien dürfte der IS in naher Zukunft in Libyen nicht mehr in der Lage sein, größere Gebiete oder Städte einzunehmen und zu kontrollieren. Andererseits wird es ihm auf­grund der Wirren im Land nicht schwerfallen, sich im Untergrund und in den Gebieten außerhalb der gro­ßen Städte zu behaupten.

Ägypten (Sinai)

Auch zwischen der »Provinz Sinai« (Wilayat Sinaʻ) und der IS-Zentrale sind die Beziehungen sehr eng, wenn auch weniger eng als mit dem Ableger in Libyen. Dies hat vor allem damit zu tun, dass der IS in Ägyp­ten aus einer lokalen Gruppe hervorging und Rück­kehrer aus Syrien und dem Irak bei seiner Gründung keine wichtige Rolle spielten. Wenn auf dem Sinai dennoch eine der stärksten und gefährlichsten IS-Filialen entstand, dann weil die IS-Unterstützer dort intensiv mit der Nordafrika-Zentrale der Organisation in Libyen kooperierten. Seit 2014 ist der IS auf dem Sinai zu einer bedrohlichen Kraft geworden und hat mehr und anspruchsvollere Anschläge verübt als der IS in Libyen.

Der Kampfschauplatz Sinai gewinnt seine beson­dere Bedeutung durch seine Nähe zum ägyptischen Kern­land, in dem der IS seit 2016 vermehrt operiert. Obwohl Jihadisten Ägypten nicht mehr im gleichen Maße ins Visier nehmen wie früher, ist das Land schon wegen seiner hohen Bevölkerungszahl nach wie vor ein wichtiges Anschlagsziel. Außerdem liegt der Sinai an der Grenze zu Israel, dessen Zerstörung ein zentra-

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 Ägypten

les Anliegen der meisten Islamisten ist. Diese beiden Faktoren haben bisher aber auch ver­hindert, dass der IS Sinai stärker werden konnte, denn der ägyptische und der israelische Staat sind weit überlegene Gegner, die den militärischen Druck auf die Organisation seit 2015 mehrfach erhöht haben. Deshalb bleibt das Potential des IS auf dem Sinai begrenzt, solange der ägyptische Staat insgesamt innere Stabilität bewahren kann. Sollte die Lage im Land aber unruhiger werden, ist damit zu rechnen, dass die Jihadisten in Ägypten weiter erstarken.

Seit 2014 ist der IS auf dem Sinai zu einer bedrohlichen Kraft geworden und hat mehr und anspruchsvollere Anschläge verübt als der IS in Libyen.

Die IS-Filiale auf dem Sinai entstand im November 2014, als sich die Organisation Ansar Bait al-Maqdis (Die Helfer Jerusalems), die bis dahin ausschließlich auf der Sinai-Halbinsel operiert hatte, dem IS an­schloss. Dies war keine Überraschung, denn schon früher war über Kontakte der Vorläufergruppierun­gen zur irakischen al-Qaida berichtet worden. Die Organisation »at-Tauhid wa-l-Jihad« (Monotheismus und Heiliger Krieg) hatte in den Jahren 2004–2006 mehrere Anschläge auf Touristenzentren an der Ost­küste der Halbinsel verübt54 und davon profitiert, dass sie den 2005 von Israel geräumten Gazastreifen als Rückzugsgebiet nutzen konnte. Für die Nachfolge­organisation Ansar Bait al-Maqdis erwies sich in den Jahren 2011–2013 als glücklicher Umstand, dass sich die ägyptischen Sicherheitskräfte vom Sinai zurück­zogen und die Regierung von Präsident Mursi kein ausgeprägtes Interesse an einer Bekämpfung der Jiha­disten erkennen ließ. Nach ihrer Gründung im Früh­jahr 2011 griff die Gruppe bis 2013 vor allem Perso­nen und Objekte an, die in Verbindung mit Israel stan­den. Oft waren ägyptische Gaspipelines in Richtung Nor­den Ziel der Angriffe, was 2012 zur Einstellung der Gasexporte nach Israel führte.55 Großes Aufsehen erregte insbesondere eine Attacke im August 2011, als eine kleine Kämpfergruppe die israelische Grenze überquerte und die dortigen Sicherheitskräfte in ein mehrstündiges Feuergefecht verwickelte.56

Im Umfeld des Bürgerkriegs in Libyen nahm auch der Schmuggel mit dem Nachbarland zu. Mehr und modernere Waffen fanden ihren Weg auf den Sinai.57 Als das ägyptische Militär im Juli 2013 gegen die Re­gie­rung der Muslimbruderschaft putschte und General Abdalfattah as-Sisi die Macht übernahm, eskalierte die Gewalt der Jihadisten. In den folgenden Monaten kam es fast täglich zu Angriffen auf Stützpunkte, Check­points und Fahrzeuge der Sicherheitskräfte auf dem Sinai und der Suezkanalzone. Die Armee reagierte mit einer Reihe von Offensiven. Um die Streitkräfte des Nachbarlands bei ihrem Vorgehen zu unterstüt­zen, gestattete die israelische Regierung – die das Erstarken der Jihadisten auf dem Sinai mit Sorge be­trachtete – dem ägyptischen Militär, mehr Truppen und schwere Waffensysteme auf den Sinai zu ver­legen, als im Friedensvertrag von 1979 vorgesehen.58

Im November 2014 schloss sich Ansar Bait al-Maq­dis dem IS an. Zum einen dürfte dieser Schritt auf eine weitgehende Übereinstimmung mit der Ideologie der IS-Zentrale zurückzuführen sein, zum anderen auf die Erwartung, von dort finanzielle Unterstützung und Hilfe beim Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit zu erhalten. Denn Ansar Bait al-Maqdis war 2014 noch ein jihadistisches Nischenprodukt. Die meisten Kämp­fer dieser Gruppierung stammen aus Gemeinden Nord-Sinais – vor allem aus al-Arish, Rafah und Shaikh Zuwaid – und gehören der beduinischen (aber sesshaften) Minderheit auf der Halbinsel an. Dies galt auch für den Gründer und ersten Führer der Organisation, Taufiq Muhammad Farij (alias Abu Abdallah), der im März 2014 getötet wurde.59 Die feste Verankerung im Nord-Sinai ist jedoch auch ein Problem für die Gruppe. Denn da nur etwa 580000 Menschen (bei mehr als 90 Millionen Ägyptern) die Halbinsel bewohnen, von denen etwa 60 bis 70 Pro­zent beduinischer Abstammung sind, ist auch der Rekrutierungspool des IS dort begrenzt. Deshalb be­mühte sich Ansar Bait al-Maqdis um die Rekrutierung von Jihadisten aus dem ägyptischen Kernland. Seit 2011 mehren sich die Hinweise, dass einige der dort beheimateten Gruppierungen mit der Sinai-Organisa­tion zusammenarbeiten. Die Zahl und Durchschlags­kraft der Zellen in Kairo, im Nildelta und (etwas weni­ger) in Oberägypten hat nach dem Anschluss an den IS deutlich zugenommen.

Die Zahl der Kämpfer der Provinz Sinai dürfte im hohen dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Be­reich liegen.60 Allerdings schwanken die Zahlen stark, denn der IS Sinai erlitt immer wieder hohe Verluste, wie beispielsweise im Kampf um Shaikh Zuwaid im Juli 2015 und im Konflikt mit verfeindeten Stammes­milizen im April/Mai 2017. Es scheint aber so, als habe die Gruppierung diese Verluste zumindest bis 2017 immer rasch ausgleichen können.

Ab 2014 haben sich in stärkerem Umfang ausländische Kämpfer dem IS Sinai angeschlossen. Deren Zahl kann jedoch nicht hoch sein, sie dürfte sich maxi­mal im niedrigen dreistelligen Bereich bewegen.61 In den Videos der Organisation finden sich Belege für die Präsenz von Ausländern.62 Zumindest einige von ihnen sind Palästinenser aus dem Gazastreifen.63 In der Führung der Gruppe scheinen jedoch die Ägypter das Sagen zu haben. Die seit 2015 deutlich höhere militärische und terroristische Professionalität der IS-Gruppe auf dem Sinai spricht aber dafür, dass Perso­nal aus Irak bzw. Syrien oder Libyen zumindest zeit­weilig vor Ort gewesen ist, um die Jihadisten besser auszubilden.64

Schon ab Herbst 2014 nahm die Qualität und Fre­quenz der Angriffe des IS auf dem Sinai rasch zu. Einen ersten Höhepunkt erreichte die Anschlagswelle mit dem großangelegten Angriff auf Shaikh Zuwaid, eine Stadt mit rund 60000 Einwohnern nahe der Gren­ze zum Gazastreifen, im Juli 2015. Etwa 300 Kämpfer attackierten Checkpoints rund um die Stadt und be­lagerten die lokale Polizeistation, bis sie vom ägyp­tischen Militär vertrieben wurden.65 Offenkundig versuchte der IS Sinai nach dem Vorbild der Mutterorganisation die Stadt und die sie umgebenden Dörfer einzunehmen, um dort längerfristig die Kontrolle zu übernehmen.

Der Juni und Juli 2015 waren die Hochzeit der Jihadistengruppe der »Provinz Sinai«, denn es gelang ihr nicht nur, den Nord-Sinai in eine Kampfzone zu verwandeln, sondern sie verübte auch Anschläge in Kairo, unter anderem auf den ägyptischen General­staatsanwalt und das italienische Konsulat.66 Wie schlagkräftig die IS-Filiale Sinai war, zeigte sich erneut am 31. Oktober 2015, als es der Organisation gelang, ein russisches Passagierflugzeug kurz nach dem Start im Touristenort Sharm el-Sheikh mittels einer im Frachtraum platzierten Bombe zum Absturz zu bringen und so 224 Menschen zu töten.67 Beson­ders gravierend war aber die Erhöhung der terroris­tischen Aktivitäten im Niltal, dem ägyptischen Kern­land, in dem es zwischen 1997 und 2013 insgesamt ruhig geblieben war. Nach dem Staatsstreich im Juli 2013 schlugen die Jihadisten unterschiedlicher Aus­richtung los: Der erste große Anschlag fand am 5. Sep­tember 2013 statt. Ein Selbstmordattentäter griff mit einem mit Sprengstoff präparierten Fahrzeug den Konvoi des ägyptischen Innenministers in Kairo an, verfehlte aber das Ziel.68 Anschließend verübten isla­mistische Terroristen Mordanschläge auf Angehörige der Sicherheitskräfte und Bombenattentate auf Ein­richtungen der Polizei und des Militärs.69

Im Laufe des Jahres 2016 bauten der IS und die Jihadistenorganisation der »Provinz Sinai« im Niltal neue Zellen auf, die schnell an Schlagkraft gewannen. In der Folge kam es zu zahlreichen Zwischenfällen nicht nur in Kairo und Umgebung, sondern auch in der westlichen Wüste, die als Transitgebiet von und nach Libyen eine wichtige Rolle für die Jihadisten spielte.70 Wie stark der IS in Ägypten war, demons­trierte er ab Dezember 2016 mit einer spektakulären Serie von Anschlägen gegen prominente christliche Ziele. Es begann am 10. Dezember mit einem Bom­ben­attentat auf die Markuskathedrale, die koptische Hauptkirche Kairos, dem 25 Menschen zum Opfer fielen.71 Der Anschlag war Teil einer breiter angeleg­ten antichristlichen Strategie, denn auch in den Städten des Nord-Sinai begannen die Jihadisten nun syste­matischer und in größerer Zahl Christen ein­zuschüch­tern und zu töten.72 Ihren Höhepunkt erreichte die Anschlagswelle zum folgenden Osterfest: An Palmsonntag, den 10. April 2017, griffen Selbst­mordattentäter fast zeitgleich zwei koptische Gottes­dienste an und töteten insgesamt 45 Menschen. Einem Attentäter gelang es, in eine Kirche in Tanta, einer Großstadt im Nildelta, einzudringen und sich in­mitten der Gläubigen in die Luft zu sprengen. Der zweite versuchte erfolglos, in die Markuskathedrale in Alexandria zu gelangen, wo der koptische Papst Tawadros II. den Gottesdienst leitete. Er zündete seinen Sprengsatz im Eingangsbereich der Kirche.73

Als die Regierung in Kairo daraufhin den Ausnah­me­zustand ausrief, geriet der IS Sinai stärker unter Druck. Zugleich sah sich der IS-Ableger mit Anfeindungen von Seiten lokaler Stämme in seinem Haupt­operationsgebiet im Nord-Sinai konfrontiert, die sich ab Frühjahr 2017 gegen die Jihadisten stellten.74 Trotz teils empfindlicher Verluste blieb die Organisation aber militärisch hand­lungsfähig und in der Lage, An­schläge zu verüben. Besonders verheerend war ein Angriff auf eine Sufi-Moschee im Ort Bir al-Abed im Norden des Sinai, der zum blutigsten Terrorakt in der ägyptischen Geschichte überhaupt wurde: 311 Gläu­bige starben bei dem Überfall im November 2017 im Gewehrfeuer der Jihadisten, die zunächst eine Bombe gezündet hatten.75

Der ägyptische Präsident kündigte nach dem An­schlag an, dass seine Regierung »mit eiserner Faust Rache üben« werde. Die ägyptische Luftwaffe flog Angriffe auf die Jihadisten. Die martialische Reaktion konnte jedoch nicht überdecken, dass die Strategie der Führung in Kairo im Umgang mit dem IS Sinai zum Scheitern verurteilt war. Diese zielte vor allem darauf ab, mit konventionellen Mitteln möglichst viele Kämpfer zu töten. Da sich die Armee zwischen den einzelnen Operationen auf isolierte feste Basen zu­rückzog, genossen die Jihadisten trotz der Präsenz von 42000 ägyptischen Soldaten auf dem Sinai große Bewegungsfreiheit.76 Die Armee und Sicherheitskräfte gingen überdies mit großer Brutalität und Rücksichts­losigkeit vor, worunter auch die Zivilbevölkerung litt. Häuser und ganze Stadtteile wurden zerstört, wenn Jihadisten dort nur vermutet wurden, und viele un­beteiligte Menschen kamen ums Leben. Willkürliche Hinrichtungen und Folter von angeblichen Terroris­ten waren an der Tagesordnung.77 Die Maßnahmen des ägyptischen Staates führten deshalb dazu, dass die Ressentiments der Bevölkerung gegenüber der Regierung vor allem im Nord-Sinai – wo sie auf­grund politischer, sozio-ökonomischer und kultureller Diskriminierung durch Kairo ohnehin stark aus­geprägt sind – noch zunahmen. Auch wiederholte Mahnungen der US-Regierung, die Terrorismus­bekämpfung auf dem Sinai anders anzugehen, wur­den von den Militärs in Kairo zurückgewiesen. Dass der IS Sinai dennoch unter Druck geriet, lag zum einen an dem ungleichen Kräfteverhältnis zwischen der ägyptischen Armee und der Terrororganisation. Zum anderen intervenierte Israel seit Ende 2015 in Absprache mit Kairo mit gezielten Luftangriffen, die die Gruppierung stark dezimierten.78 Außerdem ver­sperrten sich die Jihadisten selbst den Rückzug in den Gazastreifen, indem sie die dort herrschende Hamas als unislamisch kritisierten und Waffenschmuggler hinrichteten. Wie in anderen Gegenden litt der IS-Ableger in Ägypten unter seiner starken ideologischen Prägung, die ihn dazu verleitete, zu viele Gegner gleichzeitig zu bekämpfen.

Jemen

Auch im Jemen profitierte der IS von einem Bürgerkrieg. Im September 2014 nahmen Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa ein. Im März 2015 intervenierten die Nachbarn Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) auf Seiten der Regierung von Präsident Abdrabbuh Mansur Hadi. Die ununterbrochenen Kämpfe begünstigten den Aufstieg des IS im Jemen. Für die Organisation hat das Land große Bedeutung, weil es an Saudi-Arabien grenzt. Das Königreich steht aufgrund der Heiligen Stätten von Mekka und Medina, die es beherbergt, im Fokus von Jihadisten. Bisher konnten diese dort aber wegen der Stärke der saudi­schen Sicherheitskräfte nur wenig ausrichten. Zudem stellen Saudi-Araber das größte Kontingent ausländischer Kämpfer im IS, und es ist davon auszugehen, dass sie auf Aktivitäten in ihrem Heimatland drän­gen.

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 Jemen

Und noch etwas macht den Jemen für den IS inter­es­sant: Das Land bietet traditionell ein großes Rekrutie­rungspotential für islamistische Kämpfer. Bisher pro­fitierte vor allem al-Qaida von diesem Umstand. Will der IS die führende jihadistische Organisation über­haupt werden, muss er auch die Dominanz seiner großen Rivalin im Jemen brechen.

Die starke al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel hat bisher jedoch verhindert, dass der IS trotz seiner teils spektakulären Anschläge in den Jahren 2015 und 2016 im Jemen mehr als ein Randphänomen wurde. Doch hat der IS mit Angriffen auf Zaiditen bewirkt, dass konfessionelle Bruchlinien im Land heute schär­fer hervortreten. Gegenwärtig können sich im Jemen mehrere IS-Gruppen halten. Sie bieten damit ein mögliches Rückzugsgebiet für Kämpfer aus dem Irak und Syrien. Eine wichtige Rolle wird die Organisation im Jemen aber nur spielen können, wenn sie die Domi­nanz von al-Qaida im jihadistischen Milieu des Lan­des brechen kann.

Im November 2014 schworen bis dahin unbekann­te Jihadisten im Jemen dem IS-Kalifen als eine der ersten Filialen Treue. Die meisten von ihnen scheinen ehemalige al‑Qaida-Mitglieder gewesen zu sein, mehr­heitlich handelte es sich um Saudi-Araber. Auch der Gründer und Anführer des IS im Jemen, Abu Bilal al-Harbi (ursprünglich Nasir al-Ghaidani), stammt aus dem Königreich.79 Der bekannteste Jemenit in der Gruppe war Jalal Bal’idi (alias Abu Hamza az-Zanji­bari), der sich bereits vor der Gründung des IS einen Namen als besonders brutaler al‑Qaida-Kommandeur im Hadramaut gemacht hatte.80

Die neue Organisation machte im Jemen sofort mit aufsehenerregenden Attentaten auf sich aufmerksam. Im März 2015 verübten IS-Anhänger Selbstmord­anschläge auf zwei zaiditische Moscheen in Sanaa, bei denen fast 150 Besucher starben.81 Nach dem Vor­bild der Mutterorganisation im Irak und in Syrien legte es die Gruppe in den ersten Monaten ihres Be­stehens mit solchen und ähnlichen Anschlägen da­rauf an, die konfessionellen Spannungen im Jemen zu schüren. In dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel stellen die zum Schiitentum gehörenden Zaiditen knapp 40 Prozent der Bevölkerung. Da die religiösen Konflikte im Zuge der bewaffneten Kämpfe zwischen den Rebellen und der Regierung ohnehin zunahmen, hatte diese Strategie das Potential, das Land zusätzlich zu destabilisieren. In den nächsten Monaten folgten noch weitere Terrorakte dieser Art. Besonders bemerkenswert war ein Anschlag auf eine zaiditische Moschee in Sanaa am 22. Mai 2015, denn zeitgleich fand ein ähnliches Attentat auf eine schii­tische Moschee in Qatif im öst­lichen Saudi-Arabien statt.82

Die Angriffe wurden vom IS im Jemen koordiniert und zeigten, dass dieser nicht nur den Jemen, son­dern auch das Nachbarland ins Visier nahm. Den Jihadisten ging es bei den Anschlägen auf die Schiiten in der saudi-arabischen Ostprovinz vor allem darum, die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen den Konfessionen weiter zu schädigen und eskalieren zu lassen. Doch gelang es dem IS Jemen nicht, die Fre­quenz seiner Attacken auf die Minderheit in Saudi-Arabien zu erhöhen. Im Laufe der Jahre 2015 und 2016 verlegte sich die Gruppierung vermehrt auf Angriffe auf Sicherheitskräfte des Nachbarlands. Im August 2015 tötete ein Selbstmordatten­täter 15 Men­schen in einer sunnitischen Moschee in der Stadt Abha im Südwesten Saudi-Arabiens. Die Gebetsstätte wurde vor allem von An­gehörigen der Polizei und des Mili­tärs genutzt. Die Erfolge des IS waren umso erstaun­licher, als es der jemenitischen al-Qaida, die ebenfalls viele saudi-arabische Kämpfer in ihren Reihen hat, seit Jahren nicht mehr gelungen war, Attentate im Königreich zu verüben.

Im Jemen konzentrierte der IS-Ableger seine Anschläge schon ab der zweiten Hälfte des Jahres 2015 auf Sicherheitskräfte, insbesondere in denjenigen Gebieten des Landes, in denen ab Juli Saudi-Arabien, die VAE und ihre lokalen Verbündeten die Kontrolle übernommen hatten.83 Am 6. Oktober 2015 verübte der IS in Aden Autobombenanschläge gegen die Koali­tionsstreitkräfte, am 6. Dezember tötete er den Gou­ver­neur von Aden.84 Parallel wurden aber interne Kon­flik­te in der Gruppierung sichtbar, als im Dezember etwa 70 Mitglieder in einem offenen Brief an den IS-Führer Baghdadi die Absetzung von Abu Bilal al-Harbi forderten. Sie begründeten ihren Vorstoß damit, dass al-Harbi gegen islamisches Recht gehandelt habe, als er Kämpfer ausschloss und einer Gruppe im Osten des Landes dringend benötigten Nachschub versagte. Ein Mitglied des Schura-Rates der IS-Zentrale wies die Forderung zurück und erinnerte die jemenitischen Mit­glieder in harschen Tönen daran, dass sie dem IS Gehorsam geschworen hatten. Ob die Zurechtgewiese­nen sich daraufhin vom IS abwandten, ist nicht be­kannt.85

Eine wichtige Rolle wird der IS im Jemen nur spielen können, wenn er die Dominanz von al-Qaida im jihadistischen Milieu des Landes brechen kann.

Trotz der internen Spannungen blieb die IS-Filiale im Jemen eine Gefahr – vor allem im Süden des Landes. Anfang des Jahres 2016 trat sie in Aden eine regel­rechte Welle von Anschlägen los. Sprecher der saudisch geführten Koalition und der jemenitischen Sicherheitskräfte der Stadt machten jedoch nicht den IS – der sich zu den Angriffen bekannte – sondern den ehemaligen jemenitischen Präsidenten Ali Ab­dallah Salih für die Attentate verantwortlich. Dieser hatte sich 2014 mit den Huthi-Rebellen verbündet, um die Macht im Land wiederzuerringen. Der saudi-arabische General Ahmad Asiri behauptete, dass von Salih kontrollierte bewaffnete Gruppen die Anschläge verübten und das IS-Label benutzten, um von ihrer Rolle abzulenken.86 Auch wenn hinreichende Belege für diese Darstellung fehlten, war sie durchaus plau­sibel, denn Salih hatte seit den 1990er Jahren immer wieder versucht, die jemenitischen Jihadisten für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Andererseits ist die Nähe des IS zu den anciens régimes im Irak, Syrien, Libyen und Jemen zu einem beliebten Thema nahöstlicher und westlicher Verschwörungstheoreti­ker geworden, so dass solchen Vorwürfen mit Vor­sicht begegnet werden sollte.

Wahrscheinlich war es ein Ziel der Saudis und ihrer Verbündeten, mit diesen Behauptungen von den Folgen ihres Krieges für die Terrorismusbekämp­fung im Jemen abzulenken. Denn die Kampagne gegen die Huthis und die gegenüber Salih loyalen Truppen und das folgende Patt zwischen den Kriegs­gegnern hatten 2015 und 2016 dazu geführt, dass al‑Qaida und der IS stärker geworden waren. Die VAE reagierten auf entsprechende Mahnungen der US-Regierung, indem sie im April 2016 die Hafenstadt Mukalla im Hadramaut einnahmen, die sich seit Frühjahr 2015 unter Kontrolle der al-Qaida befunden hatte.87 Daraufhin verübte der IS im Mai 2016 in der Region eine Reihe verheerender Anschläge, bei denen Dutzende jemenitischer Polizeirekruten und Soldaten ums Leben kamen.88

In den folgenden Monaten nahm die Zahl der Zwischenfälle ab. Dies lag zum einen am entschlosse­nen Vorgehen der VAE-Truppen, zum anderen daran, dass nun auch die USA in den Konflikt eingriffen. Sie verstärkten 2016 und 2017 ihre Luftangriffe, die vor allem al-Qaida galten, aber mehrfach auch IS-Ziele trafen.89 Im Oktober 2017 attackierte das US-Militär ein Trainingslager des IS in der Provinz Baida im Zen­trum des Landes nördlich von Aden; mehrere Dutzend Kämpfer starben. Bei einer Gesamtgröße von wahr­scheinlich nicht mehr als 300 Mann bedeutete dies einen schweren Verlust.90 Al-Qaida berichtete darauf­hin, dass sich Kämpfer vom IS abgespalten und ihr angeschlossen hätten.91 Die Nachricht zeigte aber auch, dass sich der IS trotz aller Rückschläge im Jemen be­hauptete. Schon das ist ein Erfolg für die Organisa­tion. Gleichwohl bleibt ungewiss, wie lange sie gegen ihre vielen Gegner im Land bestehen kann.

Afghanistan

Auch in Afghanistan ist es dem IS ab 2014 gelungen, eine räumlich begrenzte Präsenz aufzubauen. Die Organisation nennt sich hier »Provinz Khorasan« (Wilayat Khorasan) und setzt sich aus ehemaligen Mit­gliedern der Pakistanischen Taliban (Tehrik-e Taliban Pakistan, TTP), ortsansässigen Afghanen und Zentralasiaten zusammen. Trotz hoher Verluste hat die Gruppierung es geschafft, sich in der Provinz Nan­garhar im Osten und – bis Juli 2018 – in Jauzjan im Norden zu halten. Das ist eine bemerkenswerte Leis­tung, denn der IS wird nicht nur von afghanischen Regierungstruppen und den USA, sondern auch von den Taliban bekämpft. Letztere dulden keine aus­län­dischen Organisationen in Afghanistan, wenn diese sich ihnen nicht unterordnen. Diese Maßgabe der Taliban dürfte bedeuten, dass der IS in Afghanistan nie so stark werden wird wie im Irak oder in Syrien. Die Geografie des Landes bietet aber viele Rückzugs- und Operationsmöglichkeiten, die sich auch die IS-Zentrale zunutze machen könnte. Al-Qaida hat in mehr als zwei Jahrzehnten vorgemacht, wie eine orts­fremde Gruppierung hier überleben kann.

Die ersten Nachrichten über Kontakte zwischen afghanisch-pakistanischen Salafisten und dem IS kur­sierten im Sommer 2014, ungefähr parallel zur Aus­rufung des Kalifats von Abu Bakr al-Baghdadi. Der prominenteste unter den afghanischen Akteuren war Abdul Rahim Muslim Dost, ein bekannter salafisti­scher Gelehrter, der 2001 bis 2005 in Guantanamo inhaftiert war, in Pakistan lebt und im afghanischen Osten, vor allem aber in der Provinz Kunar für den IS

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 Afghanistan

rekrutierte. Die IS-Provinz Khorasan wurde aber erst im Januar 2015 ausgerufen, nachdem eine Delegation der Zentrale aus dem Irak beim Aufbau der ersten Strukturen geholfen hatte. Zum Führer (genannt wali = Gouverneur) wurde Hafiz Saeed Khan ernannt, der zuvor die TTP im pakistanischen Stammesgebiet Orak­zai kommandiert hatte. Diese 2007 gegründete Talibanorganisation wurde nach dem Tod ihres An­führers Hakimullah Mehsud im November 2013 von Flügelkämpfen heimgesucht. Als Saeed Khan bei der Suche nach einem Nachfolger übergangen wurde, nutzte er die Gelegenheit, die die Ausrufung des Kali­fats bot, und schloss sich dem IS an.92 Als Khan bei einem amerikanischen Luftangriff im Juli 2016 starb, übernahmen andere ehemalige Kommandeure der TTP den Posten des IS-Gouverneurs, ein Beleg dafür, wie sehr die pakistanischen Paschtunen in der Orga­nisation vorherrschen.

Neben den pakistanischen Taliban sind Usbeken in der IS-Gruppierung der »Provinz Khorasan« stark ver­treten. Bei ihnen handelt es sich in erster Linie um die Reste der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU), die seit den 1990er Jahren die wichtigste jihadistische Organisation Zentralasiens war, seit 2002 aber nur noch aus den pakistanischen Stammesgebieten her­aus operierte. Nachdem die pakistanische Armee die IBU und andere militante Gruppen in einer groß­angelegten Offensive im Sommer 2014 aus Waziris­tan vertrieben hatte, näherte sich die usbekische Gruppe dem IS an. Am 12. September 2014 veröffent­lichte der IBU-Führer Usman Ghazi eine Erklärung, in der er sich zum IS bekannte, ohne Gefolgschaft zu schwören.93 Der Grund für seine Vorsicht dürfte ge­wesen sein, dass die IBU stark von den afghanischen Taliban abhängig war, die wiederum keine Sympa­thien für den IS zeigten. Deshalb war die IBU an der Gründung des IS-Ablegers Wilayat Khorasan nicht be­teiligt. Sie schloss sich aber im August 2015 – kurz nachdem der lange geheimgehaltene Tod des Tali­ban-Führers Mullah Omar bekannt geworden war – öffent­lich dem IS an.94

Die Geografie Afghanistans bietet viele Rückzugs- und Operations­möglichkeiten, die sich auch die IS-Zentrale zunutze machen könnte.

Der Schritt erwies sich schnell als schwerer Fehler, denn die Taliban forderten von der IBU, sich ent­weder von Baghdadi loszusagen oder Afghanistan zu verlassen. Als Ghazi dem nicht nachkam, griffen die Taliban im November 2015 die Stützpunkte der IBU in der ostafghanischen Provinz Zabol an, zerschlugen die Gruppierung und töteten Ghazi. Damit war die IBU in Ostafghanistan aufgerieben, doch Teile der Organisation konnten sich im Nordwesten Afghanis­tans halten, wo viele ethnische Usbeken leben. Reste der IBU zogen sich vor allem in die Provinzen Jauzjan, Sar-e Pul und Faryab zurück, wo sie ab Anfang 2017 gemeinsam mit pakistanischen, afghanischen und einigen vollkommen ortsfremden Kämpfern einen neuen Stützpunkt des IS in Afghanistan bildeten. Im November 2017 gelang es diesen IS-Einheiten sogar, die lokalen Taliban zu vertreiben.95 Einige Beobachter befürchteten damals, dass der IS versuchen könnte, in Afghanistan eine vorgeschobene Basis für den Kampf in den zentralasiatischen Staaten aufzubauen. Wenn dem tatsächlich so war, scheiterte dieser Plan spätes­tens im Juli 2018, als Taliban-Einheiten die IS-Trup­pen in Jauzjan vollständig zerschlugen.96

Neben Pakistanis und Zentralasiaten sind in der IS-Gruppe der »Provinz Khorasan« auch Afghanen ver­tre­ten, die meist vorher für die afghanischen Taliban gekämpft haben und sich ab 2014/15 abspalteten. Der erste prominente Fall war der des Abdul Rauf Khadim, eines Taliban-Kommandeurs aus Helmand. Er wurde im Januar 2015 zum Stellvertreter des IS-Gouverneurs für Khorasan ernannt, aber schon Anfang Februar 2015 bei einem amerikanischen Luftangriff getötet, zu einem Zeitpunkt, als die Taliban seine Gruppierung bereits zerschlugen.97 So wie dieser endeten alle Ver­suche des IS, im Kernland der Taliban Fuß zu fassen. Nur in der Provinz Nangarhar und im benachbarten Kunar gelang es der Organisation, sich über einen län­geren Zeitraum zu behaupten. Die wichtigste Hoch­burg des IS in der »Provinz Khorasan« wurde der Achin-Distrikt in der Gegend von Tora Bora, wo Jiha­disten schon in den 1980er Jahren erste Stütz­punkte errichtet hatten. Ein wichtiger Vorteil dieser Region ist, dass sie an der pakistanischen Grenze liegt und die IS-Kämpfer sich in das Nachbarland zurückziehen können. Neben eingesessenen Afghanen sind beim IS hier auch pakistanische Taliban stark vertre­ten.

In der Provinz Nangarhar konnten sich die IS-Jihadisten bis Sommer 2015 in mehreren Distrikten etablieren. Sie profitierten von ihrer guten Ausstat­tung mit Geld und Waffen, die ihnen einen Startvorteil im Kampf gegen die lokalen Taliban verschaffte. Viele Berichte sprechen von einer guten Bewaffnung der IS-Kämpfer und für afghanische Verhältnisse hohen Handgeldern und Soldzahlungen, mit denen sie entlohnt wurden.98 Die IS-Filiale wandte sich – ganz nach dem Muster der Mutterorganisation im Irak und in Syrien – zunächst gegen die Taliban, denen sie vorwarf, im Dienst pakistanischer Nach­richtendienste zu kämpfen. Sie machte auch rasch durch IS-typische Gewalt auf sich aufmerksam, etwa indem sie Gegner, die in ihre Gewalt gerieten, auf besonders brutale Art und Weise ermordete. Als die Gruppierung nach einer Übergangsphase begann, die IS-Interpretation des islamischen Rechts in den von ihr beherrschten Orten durchzusetzen, verlor sie an Unterstützung. Auf besonders wenig Sympathie in der Bevölkerung stieß das von ihr durchgesetzte Ver­bot der Opiumproduktion, des wichtigsten Wirtschafts­zweigs in der Provinz. Die Taliban setzten im Winter 2015/16 zu einer Gegenoffensive an, bei der sie die IS‑Einheiten aus vielen Orten vertreiben, nicht aber entscheidend schlagen konnten.99

Unter dem Druck der Taliban setzte Wilayat Kho­rasan vermehrt auf terroristische Anschläge in Jalala­bad (der Hauptstadt der Provinz Nangarhar) und in der Hauptstadt Kabul. Dabei griff die Gruppe nach dem Vorbild ihrer Mutterorganisation besonders häu­fig Schiiten an, die mehrfach zum Opfer brutaler An­schläge wurden. Im Juli 2016 zündeten Selbstmord­attentäter ihre Spreng­sätze inmitten einer Demons­tration schiitischer Hazara in Kabul und töteten mehr als 80 Menschen.100 Im August 2017 traf es erst eine schiitische Moschee in der Stadt Herat im Westen des Landes, einige Tage später eine Moschee in der Haupt­stadt, wobei mehr als 20 Besucher des Gottesdienstes getötet wurden.101 Im September, Oktober und Dezem­ber 2017 folgten weitere Attacken, die verdeutlichten, dass die Jihadisten von Wilayat Khorasan eine regel­rechte Terrorkampagne gegen die afghani­schen Schii­ten führte.102 Die Anschlagswelle belegte, dass sich der IS in Afghanistan trotz aller Gegenmaßnahmen behaupten konnte. Daran änderten auch verstärkte amerikanische Luftangriffe und gemeinsame Opera­tio­nen US-amerikanischer und afghanischer Streitkräfte nichts, zu denen sich Washington und Kabul im Laufe des Jahres 2017 vermehrt entschlossen. US-Militärs berichteten, dass die Zahl der IS-Kämpfer im Land von vormals 3000 auf 700 gesunken sei.103 Doch war es dem IS in Afghanistan auch in den Jahren zu­vor immer wieder gelungen, hohe Verluste auszuglei­chen. Ob die Bemühungen des US-Militärs, zu verhin­dern, dass der IS in Afghanistan einen Zufluchtsort für seine Kämpfer aus dem Irak und aus Syrien und vielleicht sogar für seine Führungsspitze einrichten kann, Erfolg haben, ist deshalb nach wie vor un­gewiss.

Trotz der militärischen Pressionen, denen sich die IS-Provinz Khorasan ausgesetzt sieht, scheint die afgha­nische Filiale die von ihr kontrollierten Terri­torien als mögliches Rückzugsgebiet für Kämpfer zu betrachten, die aus dem Nahen Osten fliehen müssen. Hierfür spricht zum einen das von ihr produzierte arabischsprachige Video »Gottes Erde ist weit« vom März 2018, in dem die IS-Provinz als eine Alternative zum Kriegsschauplatz in Syrien und im Irak angeprie­sen wird. Darin heißt es, die Gruppierung habe große Gebiete in der Umgebung von Tora Bora und in Jauzjan erobert, so dass diese Gegenden nun Ziele der Auswanderung (hijra) in den Islamischen Staat geworden seien.104 Zum anderen verdichten sich seit 2017 die Hinweise darauf, dass tatsächlich eine dreistellige Zahl von Kämpfern aus dem IS-Gebiet in Syrien und dem Irak nach Afghanistan geflüchtet ist. Dabei handelt es sich vor allem, aber nicht ausschließlich um Usbeken und Uiguren, die große Probleme hätten, unerkannt nach Libyen, Ägypten oder in andere IS-Provinzen zu reisen.

IS gegen al-Qaida

Einer der wichtigsten Gründe für die Schwierigkeiten des IS, ein Netzwerk verbündeter Organisationen auf­zubauen, ist die anhaltende Beharrungskraft von al‑Qaida. Diese mag vielen internationalen Rekruten heute als Relikt einer fernen jihadistischen Vergan­genheit erscheinen, doch al-Qaida und die Gruppierungen, die mit ihr zusammenarbeiten, bestehen seit mehr als zwei Jahrzehnten und sind in ihren wich­tigsten Operationsgebieten im Jemen, Syrien und in Algerien bzw. der Sahelzone fest verankert. Dement­sprechend dominieren al-Qaida-nahe Organisationen bei der Anwerbung neuer Mitglieder in den genann­ten Ländern und Gebieten, während der IS für auslän­dische Kämpfer seit 2013 die mit Abstand wichtigere Destination geworden ist.

Die Geschichte der al-Qaida-Zentrale zeigt die vielleicht entscheidende Stärke der Organisation: ihre hohe Flexibilität, wenn es um die Suche nach Verbündeten geht.

Al-Qaida hat es seit ihrer Gründung Mitte der 1990er Jahre verstanden, ihr Überleben und ihre Handlungsfähigkeit auch dadurch sicherzustellen, dass sie strategische Bündnisse mit lokalen Gruppie­rungen geschlossen hat. Das beste Beispiel dafür ist die Allianz mit den Taliban, denen sich al-Qaida in Afghanistan sogar unterordnete. Aber auch die jeme­nitische Filiale der Organisation bleibt vor allem des­halb ein starker Akteur, weil sie seit rund einem Jahr­zehnt enge Verbindungen zu autochthonen Stämmen im Südjemen aufgebaut hat. Ähnliches gilt für die syrische Nusra-Front, die bis 2017 im Verein mit den Ahrar ash-Sham und mehreren kleineren bewaffne­ten Einheiten operierte und so zahlreiche Erfolge ver­zeichnen konnte. Und auch die schwächere al-Qaida im Islamischen Maghreb ist heute Teil eines weit­verzweigten Netzwerks verbündeter Gruppierungen, dessen Zentrum sich in Nord-Mali befindet.

Diese Gruppierungen sorgen mit dafür, dass der IS im Jemen, in Afghanistan, der Sahara und der Sahel­zone, Algerien, Libyen und seit seiner Niederlage auch in Syrien so starke Konkurrenz hat, dass er sich in den meisten Fällen nicht durchsetzen dürfte. Vor allem wenn man die besonders mächtigen al-Qaida-Verbündeten mit den stärksten IS-Provinzen ver­gleicht, werden die Unterschiede deutlich. Die noch besten Chancen, al-Qaida als jihadistischen Markt­führer abzulösen, bieten sich in Nordafrika, und dort vor allem in Ägypten, obwohl al-Qaida auch in dem Land am Nil weiterhin präsent bleiben wird.

Die Geschichte der al-Qaida-Zentrale zeigt die viel­leicht entscheidende Stärke der Organisation: ihre hohe Flexibilität, wenn es um die Suche nach Verbün­deten geht. Im Jahr 1996 verständigte sich Usama Bin Laden nach seiner Flucht aus dem Sudan nach Afgha­nistan mit den Taliban. Diese Übereinkunft hat bis heute Bestand, obwohl das ehemalige al-Qaida-Haupt­quartier im pakistanischen Nord-Waziristan nicht mehr existiert. Nach einer Offensive des pakistanischen Militärs im Jahr 2014 mussten die meisten Mili­tanten, die sich in dieser Hochburg aufgehalten hatten, nach Afghanistan übersiedeln. Dort werden heute noch bis zu 300 al-Qaida-Kämpfer vermutet.105 Unter ihnen könnte sich auch der Bin-Laden-Nachfolger Aiman az-Zawahiri befinden, der sich an unbekann­tem Ort versteckt. Da die Operationsbedingungen in Pakistan schwierig geworden waren und in Syrien ein starker Verbündeter aufgekommen war, reisten viele führende al-Qaida-Funktionäre ab 2013 in den Nahen Osten, um dort gemeinsam mit der Nusra-Front eine neue Zentrale der Organisation aufzubauen.106 Die meisten von ihnen wurden aber zwischen 2014 und 2016 bei amerikanischen Luftangriffen getötet. Des­halb ist ungewiss, in welchem Maße die al-Qaida-Zen­trale – wo immer sie sich zurzeit auch befindet – immer noch handlungsfähig ist und Einfluss auf ihre Bundesgenossen hat.

Aufgrund der Schwäche der Zentrale haben seit Ende des letzten Jahrzehnts die al-Qaida-Regional­organisa­tionen die terroristische Initiative übernom­men. Die in den letzten Jahren mit Abstand stärkste Gruppierung ist die Nusra-Front (Jabhat an-Nusra) in Syrien, die zu jedem Zeitpunkt seit 2015 mehr als 10000 Mann unter Waffen hatte. Ihre größten Erfolge verbuchte sie, weil sie nach dem Vorbild der al-Qaida-Zentrale (und der Taliban) gemeinsam mit Gruppie­rungen wie den numerisch noch stärkeren Ahrar ash‑Sham operierte. Im Juli 2016 änderte die Nusra-Front ihren Namen sogar in »Befreiungsfront Syriens« (Jabhat Fath ash-Sham) und distanzierte sich öffentlich von al-Qaida, um einen engeren Zusammenschluss mit den Ahrar zu ermöglichen. Gleichzeitig kopierte die Nusra-Front wichtige Aspekte der Vorgehensweise des IS. Zunächst begann sie schon im Sommer 2014, ihre Kontrolle über Territorium in der Provinz Idlib zu festigen.107 Zu diesem Zweck schuf sie ein aus­schließlich von ihr kontrolliertes Justiz­system, be­kämpfte konkurrierende Gruppierungen der Freien Syrischen Armee (FSA) und setzte ihre Interpretation des islami­schen Rechts sehr viel aggres­siver als vorher durch. Nachdem die Gespräche mit den Ahrar ash-Sham über einen Zusammenschluss 2016 gescheitert waren, trat sie auch gegenüber dem ehemaligen Ver­bündeten immer feindseliger auf. Im Laufe des Jahres 2017 kam es mehrfach zu heftigen Kämpfen um die Vorherrschaft in der Provinz Idlib, der letzten verblie­benen Hochburg der syrischen Rebellen. Daraufhin distanzierte sich auch der al-Qaida-Chef Zawahiri von der Nusra-Front, die ganz offen­sichtlich ver­suchte, in Syrien an die Stelle des IS zu treten. Ob die Orga­nisa­tion für ehemalige IS-Kämpfer attraktiver geworden ist, lässt sich im Spätsommer 2018 noch nicht be­urteilen.

Vor dem Aufstieg der Nusra-Front galt die jemenitische al-Qaida (al-Qaida auf der Arabischen Halb­insel) für mehrere Jahre als stärkste al-Qaida-Regio­nal­organisation. Die besonders eng mit der Zentrale ver­bundene Gruppierung versuchte in den Jahren 2009 und 2010 sogar, Anschläge auf den transatlantischen Luftverkehr zu verüben, was zeigte, wie sehr die ter­roristische Initiative damals schon von der Mutter­organisation auf die Filialen übergegangen war.108 Infolge der Wirren im Jemen ab 2011 erstarkte die dortige al-Qaida so sehr, dass sie von Mitte 2011 bis Mitte 2012 die Kontrolle über ein kleines Territorium um die Städte Azzan in der Provinz Shabwa und Zan­jibar in Abyan übernehmen konnte. Auch von dem Bürgerkrieg, der im Sommer 2014 im Jemen einsetz­te, profitierte sie, indem sie im April 2015 gemeinsam mit Stämmen aus der Region die wichtige Hafenstadt Mukalla einnahm. Sie agierte jetzt aber vorsichtiger als 2011, indem sie die Verwaltung der Stadt sofort an lokale Verbündete abgab. Zu ihrem Vorteil beschränk­ten sich Saudi-Arabien und die VAE zu Beginn ihrer militärischen Intervention im Jemen im März 2015 auf den Krieg gegen die Huthis. Als emiratische und jemenitische Truppen im April 2016 dann doch Mukalla zurückeroberten, zogen sich die meisten al‑Qaida-Einheiten frühzeitig in die Berge zurück. Die 3000–4000 Kämpfer der jemenitischen al-Qaida unter­halten in mehreren Provinzen im Süden des Landes enge Beziehungen zu dort ansässigen Stämmen, die es ihr erlauben, trotz des hohen Verfolgungsdrucks zu überleben.109 Die intensivierten US-Luftangriffe des Jahres 2017 könnten das Verhältnis der Stämme zu al-Qaida zwar negativ beeinflusst haben. Doch be­steht kaum ein Zweifel daran, dass sich die Organisa­tion im Jemen noch lange wird halten können und der IS im Jemen in den nächsten Jahren keine Chance hat, al-Qaida als stärkste Jihadistengruppe abzulösen.

Ähnliches gilt für al-Qaida im Islamischen Maghreb, die ursprünglich aus Algerien stammt, seit 2011/12 jedoch in Mali und den umgebenden Ländern sehr viel wirkungsvoller agiert als in ihrem Heimatland. Wegen der Stärke der algerischen Sicherheitskräfte hat sie den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten nach Süden verlagert, wo sie auch neue Rekruten anwirbt, wes­halb Wolfram Lacher von einer »Saharisierung« der Organisation spricht.110 In ihrem Rückzugsgebiet in Nord-Mali gewannen die Gruppen der algerischen al‑Qaida im Laufe der Jahre 2008 bis 2012 an Schlag­kraft. Ab 2011 profitierten sie vom Staatszerfall in Libyen, in dessen Folge große Mengen an Waffen des Gaddafi-Regimes in die Nachbarländer gelangten. Zu­rückkehrende Tuareg-Söldner entfesselten im Januar 2012 in Nord-Mali einen Aufstand, den die finanz- und kampfstarken Jihadisten schnell usurpierten. Dafür verbündeten sich al-Qaida-Einheiten nicht nur mit Jihadisten wie der Bewegung für Mono­theismus und Heiligen Krieg in Westafrika (Mouvement pour l’unicité et le jihad en Afrique de l’Ouest, Mujao), die sich 2011 von al-Qaida abgespalten hatte. Noch wich­tiger für den Erfolg in Nord-Mali war der Pakt mit Ansar ad-Din (Unterstützer der Religion), eine Tuareg-Gruppierung unter Führung des nord­malischen Kriegs­fürsten Iyad Ag Ghali.111

Die besondere Stärke des IS bleibt die Attraktivität seiner Ideologie.

Die Allianz von al-Qaida, Mujao und Ansar ad-Din schaltete die konkurrierenden Rebellen im Sommer 2012 aus und übernahm die Kontrolle über weite Teile von Nord-Mali, wo sie für einige Monate einen jihadistischen Quasi-Staat etablierte. Zwar musste sie diesen infolge der französischen Intervention vom Januar 2013 wieder aufgeben, doch konnten sich die meisten al-Qaida-Kämpfer in der Region zerstreuen. Das Bündnis mit nordmalischen Kräften blieb jedoch bestehen, die Jihadisten leisteten hartnäckigen Wider­stand gegen malische und ausländische Truppen.112 Gleichzeitig ging al-Qaida 2016 verstärkt dazu über, Anschläge weiter südlich zu verüben. Ziel der An­griffe waren vor allem Luxushotels in der Elfenbeinküste und Burkina Faso, die von lokalen Eliten und Ausländern frequentiert werden.113

Im März 2017 schlossen sich die al-Qaida-Gruppe und ihre nordmalischen Verbündeten zu einer neuen Formation zusammen. Sie nannten sie Unterstützungs­gruppe für den Islam und die Muslime (Jamaʻat Nusrat al-Islam wa-l-Muslimin), Anführer wurde Iyad Ag Ghali.114 Al-Qaida war 2017 in den Sahelstaaten und der Sahara erneut so stark, dass die USA sie wie­der intensiver mit Luftangriffen und Spezialkräften bekämpften.115 Für den IS bedeutet die Leistungs­fähig­keit des Konkurrenten, dass er in der Region nur wenig ausrichten kann und keine Aussicht darauf hat, al-Qaida als dominierende jihadistische Kraft abzulösen.

Das Potential, über das die drei großen Filialen im Jemen, in Syrien und der Sahara verfügen, lässt auf absehbare Zeit erwar­ten, dass al-Qaida den internatio­nalen Terrorismus weiter prägen wird. Dies gilt auch für den Fall, dass die syrische Nusra-Front ihre Hoch­burg in der Provinz Idlib an das Regime verliert. Die syrische Organisation hat schon 2014 begonnen, den IS zu kopieren, ein Hinweis darauf, dass al-Qaida-Grup­pen auf diese Weise versuchen könnten, verlorene Attraktivität wiederzugewinnen. Zumindest für die nächsten Jahre ist es aber unwahrscheinlich, dass al‑Qaida- und IS-Verbündete sich wieder zusammenschließen. Da­gegen spricht vor allem die Brutalität der Auseinandersetzung in Syrien, die eine Annäherung verhindern dürfte, so­lange die meisten Jihadis­ten die Konflikte der letzten Jahre noch miterlebt haben. Da die Verlustraten des IS in allen seinen Kampf­gebieten sehr hoch sind und auch das Personal der al-Qaida-Verbündeten immer wieder gewaltsam dezimiert wird, ist es aber durchaus möglich, dass eine neue Jihadistengeneration dereinst die Konflikte von 2013 bis 2018 neu bewertet und alte Feindschaf­ten überwindet.

Die besondere Stärke des IS bleibt die Attraktivität seiner Ideologie. Diese hat es ihm in den vergangenen Jahren leicht gemacht hat, junge Jihadisten für sich zu gewinnen. Der Verlust seines Territoriums im Irak und Syrien wird seine Anziehungskraft jedoch schmä­­lern. Wie stabil die Strukturen sind, die er in Nord­­afrika, im Jemen und in Afghanistan aufgebaut hat, muss sich erst noch erweisen. Für ihn hängt viel von der Situation im Irak und Syrien ab. Im Irak dürfte er im Untergrund ein mächtiger Akteur bleiben, solange die Regierung ihre Politik gegenüber den Sunniten des Landes nicht ändert. In Syrien ist er etwas weni­ger stark verankert. Er profitiert dort aber weiterhin von dem anhaltenden Bürgerkrieg und der Feindschaft zwischen seinen Gegnern. Wenn das Regime jedoch die Kontrolle über Idlib zurückgewinnt und zu einer Übereinkunft mit den Kurden kommt, könnte der IS Probleme haben, sich zu halten.

Zurzeit spricht aber noch alles dafür, dass der IS im Irak und Syrien sowie in Libyen, Ägypten, Jemen und Afghanistan überleben kann. Das würde bedeuten, dass IS- und al-Qaida-Strukturen in vielen Ländern parallel existieren und die jihadistische Szene sich fragmentiert. An die Stelle des IS von 2014 bis 2016 oder der al-Qaida früherer Tage treten viele kleinere Gruppierungen, die in sehr viel mehr Ländern aktiv sind und auch breiter rekrutieren, aber nicht die Schlagkraft ihrer Vorgänger besitzen.

Fazit und Empfehlungen

Die heutige jihadistische Szene unterscheidet sich grundlegend von der früherer Jahre. Seit 2001 gab es immer eine oder einige wenige Organisationen, die die Sicherheit Deutschlands und Europas direkt be­drohten. In den ersten Jahren war es vor allem die al‑Qaida-Zentrale im pakistanischen Nord-Waziristan, die Anschläge in der westlichen Welt plante, organi­­sierte und durchführte. Ab 2009 kam die jemeniti­sche al-Qaida hinzu, die versuchte, ihrer Mutterorganisation mit Anschlägen auf den transatlantischen Luftverkehr die Rolle als Avantgarde des internatio­nalen Terrorismus streitig zu machen. 2014 und 2015 übernahm der IS eine Vorreiterrolle, indem er von Syrien aus Attacken in der westlichen Welt und auf westliche Ziele plante und in die Wege leitete. Auch wenn es bereits in den vergangenen Jahren starke jihadistische Organisationen gab, die nicht in Pakis­tan, Jemen und Syrien operierten, war doch immer klar, welche Organisation an welchem Ort die größte Gefahr für die deutsche und europäische Sicherheit darstellt. Dies hat sich seit 2015 geändert.

Die Situation ist heute sehr viel unübersichtlicher. Die Ausbreitung des IS durch die Bildung der so­genannten »Provinzen« und die anhaltende Stärke von al-Qaida bedeutet, dass sich die westliche Terro­ris­musbekämpfung nicht mehr auf einzelne Schau­plätze und Organisationen konzentrieren kann. Viel­mehr gehen Gefahren von al-Qaida im Jemen, der Nusra-Front in Syrien, al-Qaida im Islamischen Ma­ghreb und dem IS im Irak und Syrien und seinen Filialen in Libyen, Ägypten, Jemen und Afghanistan aus. Hinzu kommt die Bedrohung durch andere starke, aber eher unabhängige Organisationen wie Boko Haram in Nigeria und die Shabab in Somalia. Idealerweise müssen alle diese Gruppierungen mit annähernd gleicher Intensität beobachtet und mit militärischen und geheimdienstlichen Mitteln be­kämpft werden. Auch wenn die USA an den meisten genannten Orten präsent sind, ist es möglich und wahrscheinlich, dass die Trump-Administration in den kommenden Jahren von ihren europäischen Verbün­deten eine neue Verteilung der Lasten fordern wird.

Für Deutschland gilt es, den Blick zuvorderst auf den Irak und Syrien, die Türkei und das östliche Nord­afrika zu richten. Die Türkei hatte schon vor 2011 eine außerordentlich große und aktive jihadistische Szene. Diese ist durch die Förderung bzw. Duldung von Gruppierungen wie der Nusra-Front und des IS durch die türkische Regierung – die sich schon an der weitgehend ungehinderten Anreise von meh­re­ren Zehntausend Kämpfern zwischen 2012 und 2015 ablesen lässt – stark angewachsen. Viele IS-Jihadis­ten dürften sich nach der militärischen Niederlage 2017 im Irak und in Syrien in das Nachbarland ge­flüchtet haben. Besonders bedrohlich ist für Deutsch­land und Europa darüber hinaus die Situation in Libyen und Ägypten. Der IS hat dort seine schlagkräftigsten Filialen aufgebaut und profitiert vom Staats­zerfall in Libyen und der Schwäche des ägyptischen Staates. Sollte Ägypten instabiler werden – was schon aufgrund seiner wirtschaftlichen Probleme und der demografischen Entwicklung des Landes nicht ausgeschlossen ist – könnte sich in Nordafrika ein neues Zentrum jihadistischer Aktivität herausbilden, das auch Europa bedroht.

Die deutsche Politik und besonders die mit der Terrorismusbekämpfung befassten Stellen sollten auf diese Entwicklung reagieren, indem sie

  • sich darauf vorbereiten, dass die US-Regierung auf­grund der Vielzahl der alten und neuen Schauplät­ze des Kampfes gegen den IS und al-Qaida von den Europäern mehr Engagement in der Terrorismus­bekämpfung fordern wird. Da die Gefahr aus dem Nahen Osten und Nordafrika vor allem Europa un­mittelbar betrifft, werden sich die Europäer solchen Forderungen schon aus Eigeninteresse beugen müssen.

  • die Türkei ins Zentrum ihrer Bekämpfungs­maßnah­men rücken. Da mittelfristig nicht mit einer Änderung der türkischen Politik zu rechnen ist, sollte Deutschland die nachrichtendienstliche Aufklärung in der Türkei intensivieren. Die Prä­senz von IS- und al-Qaida-Strukturen in diesem Land ist eine große Gefahr und der Kenntnisstand der Dienste über die inneren Verhältnisse in der Türkei unverändert schlecht.

  • einen zweiten Schwerpunkt auf die Situation in Nordafrika legen. Da die Suche nach Lösungen für Libyen – auch aufgrund des fast demonstrativen Des­interesses Washingtons – schwierig bleiben dürfte, muss es zunächst um die Stabilisierung Tunesiens und Ägyptens gehen. Im Hinblick auf Tunesien ist unumstritten, dass das Land europäi­sche Unterstützung erhalten sollte. Was Ägypten betrifft, gibt es einen solchen Konsens wegen der autoritären Struktur des Regimes von Präsident Sisi nicht. Dieses Regime ist jedoch trotz aller seiner Mängel einem instabilen Ägypten vorzuziehen, in dem der IS und al-Qaida neue Handlungsmöglich­keiten gewinnen.

  • sich an der militärischen Bekämpfung von jihadis­tischen Gruppierungen beteiligen. Es muss verhin­dert werden, dass Jihadisten noch einmal ein Ter­ritorium einnehmen und von dort aus Anschläge in den Nachbarländern und der westlichen Welt planen. Die Schwächung des IS durch die Kam­pagne der USA und ihrer Verbündeten im Irak und Syrien ist der beste Beleg dafür, dass militärische Maßnahmen zielführend sein können.

  • sich nicht nur auf symbolische Maßnahmen wie die Entsendung von Aufklärungsflugzeugen beschränken, sondern effektive Beiträge leisten – wie beispielsweise die Entsendung von Spezial­kräften. Die Bundeswehr sollte zu diesem Zweck auch mit eigenen Kampfdrohnen ausgestattet werden und die militärische Aufklärung durch den Bundesnachrichtendienst verbessert werden.

Abkürzungen

CTC Combating Terrorism Center at West Point

EuroMeSCo Euro-Mediterranean Studies Commission

FSA Freie Syrische Armee

IBU Islamische Bewegung Usbekistans

ICCT The International Centre for Counter-Terrorism (Den Haag)

IISS International Institute for Strategic Studies

IS »Islamischer Staat«

ISI »Islamischer Staat im Irak«

ISIS »Islamischer Staat im Irak und in Syrien«

Mujao Mouvement pour l’unicité et le jihad en Afrique de l’Ouest

TTP Tehrik-e Taliban Pakistan (Bewegung der pakis­tani­schen Taliban)

USIP United States Institute of Peace (Washington, D.C.)

VAE Vereinigte Arabische Emirate

Literaturhinweis

Felix Heiduk (Hg.)

Das kommende Kalifat?

»Islamischer Staat« in Asien: Erscheinungsformen, Reaktionen und Sicherheitsrisiken

SWP-Studie 9/2018, Juni 2018

Endnoten

1

 Guido Steinberg, Der Irak und der syrische Bürgerkrieg. Syrien ist Anlass für die Gewalteskalation im Irak, Ursache ist aber Malikis Autoritarismus, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, August 2013 (SWP-Aktuell 46/2013), S. 3f.

2

 Die Organisation nannte sich seit Oktober 2006 »Islamischer Staat im Irak« (ISI), ab April 2013 »Islamischer Staat im Irak und in Syrien« (ISIS) und ab Juni 2014 »Islamischer Staat« (IS).

3

 CIA-Direktor Brennan sprach 2015 von rund 700 Mann, über die der ISI verfügt habe, bevor die US-Truppen sich zurückzogen, Ian Fisher, »In Rise of ISIS, No Single Missed Key but Many Strands of Blame«, in: New York Times, 18.11.2015.

4

 Jabbar Yaseen/Liz Sly, »Iraq Jailbreak Highlights al-Qaeda Affiliate’s Ascendancy«, in: Washington Post, 22.7.2013.

5

 Patrick Cockburn, The Rise of Islamic State. ISIS and the New Sunni Revolution, London/New York: Verso, (aktualisierte Aus­gabe) 2015, S. 136; Dexter Filkins, »The Fight of their Lives«, in: The New Yorker, 29.9.2014.

6

 Die einzige Ausnahme unter den großen Milizen sind die Saraya as-Salam (Friedenskompanien), die zur Sadr-Bewe­gung gehören und sich so weit wie möglich iranischer Ein­fluss­nahme entziehen.

7

 Guido Steinberg, Die »Volksmobilisierung« im Irak. Das schii­tische Milizenbündnis al-Hashd ash-Sha’bi beschleunigt den Zerfall des Staates, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, August 2016 (SWP-Aktuell 52/2016), S. 1.

8

 Badr stellte den Innenminister von 2005 bis 2006 und erneut von September 2014 bis Juli 2016. Im Januar 2017 übernahm Qasim al-Araji das Amt, ein weiterer Badr-Funk­tionär, »Iraq Parliament Approves New Defense, Interior Ministers: State TV«, Reuters, 30.1.2017, <http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-iraq-government-idUSKBN15E1RO> (Zugriff am 25.5.2018).

9

 Weithin bekannt wurden die Verbrechen einer paramilitärischen Einheit des Innen­ministeriums, als der Fotograf Ali Arkady darüber berichtete. Er hatte die Einheit auf dem Vormarsch nach Mossul begleitet, Ali Arkady, »Nicht Helden, sondern Monster«, in: Der Spiegel, 27.5.2017, S. 82–86. Systematischere Untersuchungen finden sich in Berichten von Human Rights Watch und Amnesty International, vgl. beispielsweise Human Rights Watch, Ruinous Aftermath. Militia Abuses Following Iraq’s Recapture of Tikrit, 20.9.2015, <https://www.hrw.org/sites/default/files/report_pdf/iraq0915_4up_0.pdf> (Zugriff am 9.5.2016).

10

 Vgl. zum Beispiel David Zucchino, »As ISIS Is Driven from Iraq, Sunnis Remain Alienated«, in: New York Times, 26.10.2017; Tim Arango, »Sunni Resentment Muddles Pros­pect of Reunifying Iraq after ISIS«, in: New York Times, 12.2.2016.

11

 Aufgrund der politischen Sprengkraft des Themas gibt es keine gesicherten Zahlen. In Syrien teilten sich im Jahr 2010 die rund 24 Millionen Einwohner wie folgt auf: rund 59% arabische Sunniten, 12% Alawiten, 11% Christen (ein­schließlich der Armenier), 9% Kurden, 3% Drusen, 2% Ismai­liten und 1% Zwölferschiiten, vgl. Michael Izady, »Syria: Ethnic Composition in 2010«, in: Atlas of the Islamic World and Vicinity, New York: Columbia University, Gulf 2000 Project, 2016, <http://gulf2000.columbia.edu/images/maps/Syria_
Ethnic_Detailed_lg.png
> (Zugriff am 30.10.2017). Im Jahr 2017 lebten nur noch rund 17 Millionen Menschen in Syrien. Der Anteil der arabischen Sunniten, der Kurden und der Christen dürfte zurückgegangen sein, weil der Bürgerkrieg besonders viele von ihnen zur Flucht bewog. Im Irak hin­gegen stellten im Jahr 2015 die Zwölferschiiten mit rund 57% mit Abstand die Mehrheit der Bevölkerung von heute 38 Millionen, gefolgt von den Kurden mit knapp 20% und den sunnitischen Arabern mit ungefähr 18%. Turkmenen stellten etwa 2,5% und Christen rund 2% der Einwohner des Landes, vgl. Michael Izady, »Iraq: Ethnic Composition in 2015«, in: ebd., <http://gulf2000.columbia.edu/images/maps/
Iraq_Ethnic_detailed_lg.png
> (Zugriff am 30.10.2017). Auch im Irak dürfte der Anteil der Sunniten und Christen gesunken sein.

12

 Die Zahlenangaben zu den Aufständischen schwanken stark. In deutschen Sicher­heitskreisen wurden 2016 Zahlen zwischen 60000 und 80000 genannt. Lister sprach in einer Publikation von 2015 von 150000 Mann, Charles R. Lister, The Syrian Jihad. Al‑Qaeda, the Islamic State and the Evolution of an Insurgency, London: Hurst, 2015, S. 2. Heute dürften die ver­bliebenen Rebellen nicht viel mehr als 30000 Mann zählen.

13

 Tim Ripley, »Taking Stock. Syrian Army Prepares for Post-conflict Challenges«, in: Jane’s Intelligence Review, 12 (2017) 12, S. 36–41. Den Daten des International Institute for Strategic Studies (IISS) zufolge verfügte Assad 2017 nur noch über 90000 Mann reguläre Truppen, von denen aber 65000 vor allem für Sicherungsaufgaben eingesetzt waren. Die für Kämpfe verfügbaren regulären Truppen schätzte das IISS auf 25000 Mann, vgl. IISS, The Military Balance 2017, London: Routledge, 2017, S. 404.

14

 Zur Stärke der Hizbullah vgl. IISS, The Military Balance 2018, London: Routledge, 2018, S. 365. Die Gesamtzahl der Milizionäre wird hier mit 50000 angegeben, siehe ebd., S. 363. Dabei dürften aber auch syrische Milizen eingerech­net sein.

15

 Guido Steinberg, Die irakische Aufstandsbewegung. Akteure, Strategien, Strukturen, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Oktober 2006 (SWP-Studie 27/2006), S. 22f.

16

 Ein besonders wichtiges Beispiel war Abu Luqman (ur­sprünglich Ali Musa ash-Shawakh), der zuerst als Geheim­dienstchef (»amir al-amniyin«) und später als IS-Gouverneur von Raqqa (etwa von Februar bis Juni/Juli 2014) amtierte.

17

 Ibrahim Humaidi, »Die Erklärung Zawahiris erhöht die Spannungen zwischen ›Daish‹ und ›Nusra‹« (arabisch), in: al‑Hayat, 10.11.2013.

18

 Eric Schmitt, »ISIS Fighters Are not Flooding Back Home to Wreak Havoc as Feared«, in: New York Times, 22.10.2017.

19

 Ein jihadistischer Rekrutierer beschrieb die Situation im Sommer 2014 mit den Worten: »Al-Qaida und die Nusra-Front hatten ihre Aktualität eingebüßt.« Vernehmung von Ghadzimurad K. vor dem Kammergericht Berlin (in An­wesen­heit des Autors), 22.7.2016.

20

 Harald Doornbos/Jenan Moussa, »Present at the Creation. The Never-told-before Story of the Meeting that Led to the Creation of ISIS, as Explained by an Islamic State In­sider«, in: Foreign Policy, 16.8.2016.

21

 Vernehmung von Nils D. vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (in Anwesenheit des Autors), 21. und 22.1.2016. Vgl. auch die Aussage eines saudi-arabischen Veteranen in einem E-Mail-Interview, zitiert von Fisher, »In Rise of ISIS« [wie Fn. 3].

22

 Ghadzimurad K. sagte hierzu: »Das erste Prinzip des IS war es, die Scharia einzuführen. Al-Qaida (d.h. die Nusra-Front, Anmerkung des Autors) […] wollte zuerst den Sturz des Assad-Regimes und erst anschließend die Scharia-Geset­ze. Der IS hingegen hat klar geäußert, dass es Vorrang hat, die Scharia in allen eroberten Gebieten einzuführen. Wer das ablehnt, wird als Nichtmuslim behandelt.« Diese Schwer­punktsetzung sei unter den Berliner Jihadisten auf großen Zuspruch gesto­ßen; Vernehmung von Ghadzimurad K. vor dem Kammergericht Berlin (in Anwesenheit des Autors), 22.7.2016.

23

 Richard Barrett, The Islamic State, New York: The Soufan Group, November 2014, S. 19, 24f, <http://soufangroup.com/
wp-content/uploads/2014/10/TSG-The-Islamic-State-Nov14.pdf
> (Zugriff am 17.7.2018).

24

 Amatzia Baram, From Militant Secularism to Islamism: The Iraqi Ba’th Regime 1968–2003, Washington, D.C.: Woodrow Wilson International Center for Scholars, Oktober 2011 (Occasional Paper), passim.

25

 Ausführlich zur Vorgehensweise in Idlib vgl. Ibrahim Humaidi, »›Daish‹ eskaliert die präventive Schlacht mit Zuckerbrot und Peitsche« (arabisch), in: al-Hayat, 2.1.2014.

26

 Mehrere deutsche und österreichische IS-Rückkehrer bestätigten die Existenz dieser Elitetruppe und der spezialisierten Strukturen. Vgl. zum Beispiel die Vernehmung von Ali R. vor dem Oberlandesgericht München (in Anwesenheit des Autors), 26.9.2016.

27

 Über die Gefängnisse der »Sicherheit« berichtete ein ehemaliger Insasse und Mitglied der IS-Geheimpolizei. Ver­nehmung von Saleh A. vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (in Anwesenheit des Autors), 24.8.2017.

28

 Karam Shoumali, »Syrian Journalist Who Documented ISIS Atrocities Is Killed in Turkey«, in: New York Times, 28.12.2015.

29

 Ein wichtiger Unterführer für Auslandsoperationen war Ahmed Tschatajew, der als Kommandeur für russischspra­chige Attentäter fungiert haben soll, Faith Karimi/Steve Almasy, »Istanbul Airport Terror Attack: Alleged Planner Identified«, CNN, 1.7.2016.

30

 Rukmini Callimachi, »How ISIS Built the Machinery of Terror under Europe’s Gaze«, in: New York Times, 29.3.2016.

31

 Dies geht beispielsweise aus den Aussagen von Nils D. hervor, der angab, sich selbst auf die Liste für Deutschland eingetragen zu haben. Vernehmung von Nils D. vor dem Ober­landesgericht Düsseldorf (in Anwesenheit des Autors), 20.1.2016.

32

 Eric Schmitt, »Thousands of ISIS Fighters Flee in Syria, Many to Fight Another Day«, in: New York Times, 4.2.2018.

33

 Sie nannte sich »Provinz Barqa« (Cyrenaika). Außerdem gründete der IS die Provinzen Tripo­lis/Tripolitanien (Wilayat Tarabulus) für die Hauptstadt und ihre Umgebung sowie Wilayat al-Fazzan im Süden Libyens.

34

 Mohamed Eljarh, »Islamic State in Libya«, in: Katherine Bauer (Hg.), Beyond Syria and Iraq. Examining Islamic State Prov­inces, Washington, D.C.: The Washington Institute for Near East Policy, 2016, S. 7–11 (7, 9); Wolfram Lacher, »Libyen: Wachstumsmarkt für Jihadisten«, in: Guido Steinberg/ Annette Weber (Hg.), Jihadismus in Afrika. Lokale Ursachen, regio­nale Ausbreitung, internationale Verbindungen, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, März 2015 (SWP-Studie 7/2015), S. 33–53 (44f, 48f).

35

 Abu Nabil al-Iraqi wurde im November 2015 in Derna getötet. Eric Schmitt, »ISIS Leader in Libya Is Targeted in U.S. Airstrike«, in: New York Times, 14.11.2015.

36

 Suliman Ali Zway/David D. Kirkpatrick, »Group Linked to ISIS Says It’s behind Assault on Libyan Hotel«, in: New York Times, 27.1.2015.

37

 David D. Kirkpatrick/Rukmini Callimachi, »Islamic State Video Shows Beheadings of Egyptian Christians in Libya«, in: New York Times, 15.2.2015.

38

 »IS Releases New ›Killing‹ Video of Ethiopian Chris­tians«, BBC, 20.4.2015, <http://www.bbc.com/news/world-middle-east-32373166> (Zugriff am 28.5.2018).

39

 Jo Becker/Scott Shane, »Hillary Clinton, ›Smart Power‹ and a Dictator’s Fall«, in: New York Times, 28.2.2016; Eric Schmitt, »Warnings of a ›Powder Keg‹ in Libya as IS Regroups«, in: New York Times, 21.3.2017; Declan Walsh/Ben Hubbard/Eric Schmitt, »U.S. Bombing in Libya Reveals Limits of Strategy against ISIS«, in: New York Times, 19.2.2016.

40

 Helene Cooper, »U.S. Conducts Airstrikes against ISIS in Libya«, in: New York Times, 1.8.2016; Eric Schmitt, »Under Trump, U.S. Launched 8 Airstrikes against ISIS in Libya. It Dis­closed 4«, in: New York Times, 8.3.2018.

41

 Aidan Lewis, »Islamic State Looks to Regroup in Libya after Losing Sirte«, Reuters, 9.12.2016.

42

 Carlotta Gall/Steven Erlanger, »Gunman at Tunisian Beach Hotel Trained with Museum Attackers«, in: New York Times, 30.5.2015.

43

 Karen Yourish u.a., »Three Attacks In Three Hours«, in: New York Times, 26.6.2015.

44

 Walsh/Hubbard/Schmitt, »U.S. Bombing in Libya« [wie Fn. 39].

45

 Aaron Y. Zelin, The Others. Foreign Fighters in Libya, Washington, D.C.: The Washington Institute for Near East Policy, 2018 (Policy Note Nr. 45), S. 8.

46

 »IS Leader Urges Attacks on Saudi, Turkey«, in: BBC Monitoring Middle East, 3.11.2016.

47

 Zelin, The Others [wie Fn. 45], S. 3f.

48

 Vgl. ebd., S. 4.

49

 Alfred Hackensberger, »Was steckt hinter Amris Libyen-Connection?«, Welt (online), 25.1.2017, <https://www.welt.de/
politik/ausland/article161497112/Was-steckt-hinter-Amris-Libyen-Connection.html
> (Zugriff am 16.5.2018).

50

 Rukmini Callimachi/Eric Schmitt, »Manchester Bomber Met with ISIS Unit in Libya, Officials Say«, in: New York Times, 3.6.2017.

51

 Spencer Ackerman/Chris Stephen, »US Planes Strike Isis Fighters in Libya ›Planning Attacks in Europe‹«, in: The Guardian, 19.1.2017.

52

 Eric Schmitt, »A Shadowy War’s Newest Front: A Drone Base Rising from Saharan Dust«, in: New York Times, 22.4.2018.

53

 Frederic Wehrey, »When the Islamic State Came to Libya«, The Atlantic (online), 10.2.2018, <www.theatlantic.com/international/archive/2018/02/isis-libya-hiftar-al-qaeda-syria/552419/> (Zugriff am 16.5.2018).

54

 Mokhtar Awad, »IS in the Sinai«, in: Bauer (Hg.), Beyond Syria and Iraq [wie Fn. 34], S. 12–17 (13).

55

 Zack Gold, Salafi Jihadist Violence in Egypt’s North Sinai: From Local Insurgency to Islamic State Province, Den Haag: The International Centre for Counter-Terrorism (ICCT), April 2016 (ICCT Research Paper Nr. 3/2016), S. 4.

56

 Acht Israelis und zehn Angreifer wurden getötet, ebd., S. 5.

57

 Besonders wichtig für die Kämpfe auf dem Sinai waren russische »Kornet«-Panzerabwehrraketen, vgl. zum Beispiel Mokhtar Awad/Samuel Tadros: »Bay’a Remorse? Wilayat Sinai and the Nile Valley«, in: CTC Sentinel, 8 (August 2015) 8, S. 1–7 (1).

58

 Rory Jones/Tamer El-Ghobashy, »Militants Find Common Ground in Sinai – Islamic State Affiliate in Egypt Has Forged Ties with Hamas, According to Officials«, in: The Wall Street Journal, 6.6.2016.

59

 Ansar-Bait-al-Maqdis-Gruppe, »Nachruf auf den Führer und Mujahid Abu Abdallah, Taufiq Muhammad Farij« (arabisch), 14.3.2014, <https://azelin.files.wordpress.com/
2014/04/jamc481_at-ane1b9a3c481r-bayt-al-maqdis-22obituary-from-the-mujc481hidc4abn-leader-tawfc4abq-mue1b8a5ammad-farc4abj-abc5ab-abd-allah22.pdf
> (Zugriff am 27.9.2017).

60

 Michael Horton, »Crossing the Canal: Why Egypt Faces a Creeping Insurgency«, in: CTC Sentinel, 10 (Juni/Juli 2017) 6, S. 22–28 (22). Mohammed Najib etwa spricht von 1500 Jiha­disten im Jahr 2012, die sich aber auf verschiedene Gruppen verteilten, Mohammed Najib, »Bedouin Jihadists. The Rise of Extremism in Egypt’s Sinai Peninsula«, in: Jane’s Intelligence Review, 24 (Oktober 2012) 10, S. 14–18 (15). Giuseppe Den­tice schätzt die Zahl aller Militanten auf 2000, Giuseppe Dentice, The Geopolitics of Violent Extremism: The Case of Sinai, Barcelona, Februar 2018 (EuroMeSCo Series, PapersIEMed 36), S. 27.

61

 Gold, Salafi Jihadist Violence [wie Fn. 55], S. 26.

62

 »New Video Message from The Islamic State: ›Flames of the Desert – Wilāyat Saynā‹«, 1.8.2016, Minute 6:00, <http://jihadology.net/2016/08/01/new-video-message-from-the-islamic-state-flames-of-the-desert-wilayat-sayna/> (Zugriff am 26.9.2017).

63

 Iyad Abuheweila/Isabel Kershner, »ISIS Declares War on Hamas, and Gaza Families Disown Sons in Sinai«, in: New York Times, 10.1.2018.

64

 Die Reise auf den Sinai ist eher schwierig. Eine oft ge­nutzte Möglichkeit scheint aber der Seeweg von und nach Libyen (besonders Sirte) zu sein, Awad, »IS in the Sinai« [wie Fn. 54], S. 16f.

65

 Kareem Fahim/David D. Kirkpatrick, »Jihadist Attacks on Egypt Grow Fiercer«, in: New York Times, 1.7.2015.

66

 Awad/Tadros, »Bay’a Remorse?« [wie Fn. 57], S. 1f.

67

 Erin Cunningham, »Russian Airliner Crashes in Sinai«, in: Washington Post, 1.11.2015.

68

 Ezzeldeen Khalil, »Brothers Outlawed. Egypt’s Struggle with Increasing Insurgent Attacks«, in: Jane’s Intelligence Review, 26 (Februar 2014) 2, S. 18–23 (19).

69

 Awad/Tadros, »Bay’a Remorse?« [wie Fn. 57], S. 4f.

70

 Mokhtar Awad, The Islamic State’s Pyramid Scheme: Egyptian Expansion and the Giza Governorate Cell«, in: CTC Sentinel, 9 (April 2016) 4, S. 32–38 (35).

71

 Declan Walsh/Nour Youssef, »Attack on Coptic Cathedral in Cairo Kills Dozens«, in: New York Times, 11.12.2016.

72

 Declan Walsh/Nour Youssef, »Targeted by ISIS, Egyptian Christians Flee Violence«, in: New York Times, 24.2.2017.

73

 Magdy Samaan/Declan Walsh: »Egypt Declares State of Emergency, as Attacks Undercut Promise of Security«, in: New York Times, 9.4.2017.

74

George Mikhail, »Sinai Tribes Take Up Arms against IS«, in: Al-Monitor, 15.5.2017, <https://www.al-monitor.com/pulse/
originals/2017/05/egypt-sinai-tribes-weapons-fight-islamic-state.html
> (Zugriff am 27.9.2017).

75

 Declan Walsh/Nour Youssef, »Militants Kill 305 at Sufi Mosque in Egypt’s Deadliest Terrorist Attack«, in: New York Times, 24.11.2017.

76

 Die Zahl der Kräfte stieg von 25000 Mann im Jahr 2017 auf 42000 Anfang 2018, Hagay Hacohen, »Egypt Increases Number of Soldiers on Sinai, with Israel’s Blessing«, in: Jerusalem Post, 28.2.2018, <https://www.jpost.com/Israel-News/
Egypt-increases-number-of-soldiers-in-Sinai-with-Israels-blessing-543925
> (Zugriff am 17.5.2018).

77

 Declan Walsh/David D. Kirkpatrick, »In Egypt, Furious Retaliation but Failing Strategy in Sinai«, in: New York Times, 25.11.2017.

78

 David D. Kirkpatrick, »Secret Alliance: Israel Carries Out Airstrikes in Egypt, with Cairo’s O.K.«, in: New York Times, 3.2.2018.

79

 Gregory D. Johnsen, »This Man Is the Leader in ISIS’s Recruiting War against Al-Qaeda in Yemen«, BuzzFeed News, 6.7.2015.

80

 Guido Steinberg, Avantgarde des internationalen Terrorismus. Die jemenitische al-Qaida profitiert trotz Rückschlägen vom Bürgerkrieg, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, Okto­ber 2015 (SWP-Aktuell 87/2015), S. 8.

81

 Ian Black, »Yemen Suicide Bombings Leave over 130 Dead after Mosques Targeted«, in: The Guardian, 20.3.2015.

82

 »Saudi Arabia: 20 People Killed after Suicide Bomber Strikes Shia Mosque«, in: The Guardian, 22.5.2015.

83

 Schon am 30.4.2015 hatte die Gruppierung ein Video veröffentlicht, in dem die Ent­hauptung von 15 jemenitischen Soldaten gezeigt wurde.

84

 Mohammed Mukhashaf, »Islamic State Kills 22 in At­tacks on Yemen Government, Gulf Troops, Mosque«, Reuters, 6.10.2015; Kareem Shaheen, »Isis Claims Responsibility for Assassinating Governor of Aden«, in: The Guardian, 6.12.2015.

85

 Thomas Joscelyn/Bill Roggio, »Divisions Emerge within the Islamic State’s Yemen ›Province‹«, in: Long War Journal, 23.12.2015, <https://www.longwarjournal.org/archives/
2015/12/divisions-emerge-within-the-islamic-states-yemen-province.php
> (Zugriff am 28.5.2018).

86

 Mohammed Ghobari/Yara Bayoumy, »Wave of Aden Killings Tests Gulf Role in Yemen«, Reuters, 9.2.2016.

87

 Saeed Al-Batati/Kareem Fahim/Eric Schmitt, »Yemeni Troops, Backed by United Arab Emirates, Take City from Al Qaeda«, in: New York Times, 24.4.2016.

88

 Monika Bolliger, »Angriffsserie des IS in Jemen. Positive Signale der Friedensgespräche sind noch kein Grund zum Aufatmen«, in: Neue Zürcher Zeitung, 17.5.2016.

89

 Genauere Zahlen finden sich hier: Bill Roggio, »US Kills Local AQAP Commander in Airstrike«, in: Long War Journal, 11.10.2017, <https://www.longwarjournal.org/archives/
2017/10/us-kills-local-aqap-commander-in-airstrike.php
> (Zugriff am 17.5.2018).

90

 Thomas Joscelyn, »US Kills ›Dozens‹ of Islamic State Members in Yemen«, in: Long War Journal, 16.10.2017, <https://www.longwarjournal.org/archives/2017/10/us-kills-dozens-of-islamic-state-members-in-yemen.php> (Zugriff am 29.5.2018).

91

Elisabeth Kendall, »What’s Next for Jihadists in Yemen?«, in: Washington Post, 23.2.2018, <www.washingtonpost.com/
news/monkey-cage/wp/2018/02/23/whats-next-for-jihadists-in-yemen/?utm_term=.81780bbf91b5
> (Zugriff am 29.5.2018).

92

 Casey Garret Johnson, The Rise and Stall of the Islamic State in Afghanistan, Washington, D.C.: United States Institute of Peace (USIP), November 2016 (USIP Special Report Nr. 395), S. 3, <https://www.usip.org/sites/default/files/SR395-The-Rise-and-Stall-of-the-Islamic-State-in-Afghanistan.pdf> (Zugriff am 29.5.2018).

93

 Damon A. Mehl, »The Islamic Movement of Uzbekistan Opens a Door to the Islamic State«, in: CTC Sentinel, 8 (Juni 2015) 6, S. 11–15, <https://ctc.usma.edu/the-islamic-movement-of-uzbekistan-opens-a-door-to-the-islamic-state/> (Zugriff am 8.9.2017).

94

 Merhat Sharipzhan, »IMU Declares It Is Now Part of the Islamic State«, Radio Free Europe/Radio Liberty Pakistan, 6.8.2015, <www.rferl.org/a/imu-islamic-state/27174567.html> (Zugriff am 8.9.2017).

95

Jennifer Cafarella, ISIS Plotting Attacks from Afghanistan, Washington, D.C.: Institute for the Study of War, 17.11.2017, <www.understandingwar.org/backgrounder/isis-plotting-attacks-afghanistan> (Zugriff am 29.5.2018).

96

 Abdul Matin Sahak, »Taliban Says Defeats Islamic State Fighters in North Afghanistan«, Reuters, 1.8.2018, <www.reuters.com/article/us-afghanistan-islamic-state/
taliban-says-defeats-islamic-state-fighters-in-north-afghanistan-idUSKBN1KM444
> (Zugriff am 11.9.2018).

97

 Bill Roggio, »US Kills Islamic State’s Deputy Emir for ›Khorasan Province‹ in Airstrike: Report«, in: Long War Journal, 9.2.2015, <www.longwarjournal.org/archives/
2015/02/us_kills_islamic_sta_1.php
> (Zugriff am 29.5.2018).

98

 Zahid Hussain, Daesh in Afghanistan, Islamabad: Jinnah Institute, 2018 (Between War & Peace – The Afghanistan Essays), S. 1 <http://jinnah-institute.org/wp-content/uploads/
2018/01/The-Afghanistan-Essays-Zahid-Hussain-5.pdf
> (Zugriff am 30.5.2018).

99

 Johnson, The Rise and Stall of the Islamic State in Afghanistan [wie Fn. 92], S. 10.

100

 Mujib Mashal/Zahra Nader, »ISIS Claims Deadly Bomb­ing at Demonstration in Kabul, Afghanistan«, in: New York Times, 23.7.2016.

101

 Mujib Mashal, »Afghan Mosque Suicide Bombing Kills at Least 20«, in: New York Times, 1.8.2017; ders., »ISIS Claims Deadly Attack on Shiite Mosque in Afghanistan«, in: New York Times, 25.8.2017.

102

 Jawad Sukhanyar/Mujib Mashal, »Twin Mosque Attacks Kill Scores in One of Afghanistan’s Deadliest Weeks«, in: New York Times, 20.10.2017.

103

 Mujib Mashal, »In Tangled Afghan War, a Thin Line of Defense against ISIS«, in: New York Times, 25.12.2017. In den Jahren 2015 und 2016 lagen die amerikanischen Schätzungen bei 1000 bis 3000 Mann, die der afghanischen Regierung bei bis zu 5000 Mann. Hekmatullah Azamy, »Challenges and Prospects for Daesh in Afghanistan and Its Relations with the Taliban«, in: Beatrice Gorawantschy u.a. (Hg.), Countering Daesh Extremism. European and Asian Responses, Singapur: Konrad-Adenauer-Stiftung/International Centre for Political Violence and Terrorism Research, S. Rajaratnam School of International Studies, 2016, S. 43–60 (50).

104

 »Gottes Erde ist weit« (Ard Allah wasi’a), Jihadology (online), März 2018, <https://jihadology.net/category/the-islamic-state/wilayat-khurasan/> (Zugriff am 12.9.2018).

105

 Die Zahlen sind umstritten. Im Jahr 2016 korrigierte das US-Militär seine vorher niedrigeren Schätzungen auf 300, Thomas Joscelyn/Bill Roggio, »US Military Admits Al Qaeda Is Stronger in Afghanistan than Previously Estimated«, in: Long War Journal, 13.4.2016, <www.longwarjournal.org/
archives/2016/04/us-military-admits-al-qaeda-is-stronger-in-afghanistan-than-previously-estimated.php
« (Zugriff am 18.5.2018).

106

 Anne Stenersen, »Al-Qaʽida’s Comeback in Afghanistan and Its Implications«, in: CTC Sentinel, 9 (September 2016) 9, S. 21–27 (25).

107

 Charles Lister, Profiling Jabhat al-Nusra, Washington, D.C.: Brookings Institution, Juli 2016 (Analysis Paper Nr. 24), S. 30.

108

 Steinberg, Avantgarde des internationalen Terrorismus [wie Fn. 80], S. 4f.

109

 Kendall, »What’s Next for Jihadists in Yemen?« [wie Fn. 91].

110

 Wolfram Lacher/Guido Steinberg, »Transnationaler Terrorismus, lokal verwurzelt: AQIM und MUJAO in der Sahara«, in: Steinberg/Weber (Hg.), Jihadismus in Afrika [wie Fn. 34], S. 73–90 (82).

111

 Ebd., S. 81f.

112

 »Mali Suicide Bomber Kills at Least 50 in Attack on Military Camp«, Associated Press, 18.1.2017.

113

 Dionne Searcey/Eric Schmitt/Rukmini Callimachi, »Al Qaeda’s Branch in Africa Makes a Lethal Comeback«, in: New York Times, 15.3.2016.

114

 Andrew Lebovich, »AQIM’s Formalized Flexibility«, in: Aaron Y. Zelin (Hg.), How Al Qaeda Survived Drones, Uprisings, and the Islamic State, Washington, D.C.: The Washington Institute for Near East Policy, 2017, S. 56–66 (56).

115

 Declan Walsh/Eric Schmitt, »U.S. Strikes Qaeda Target in Southern Libya, Expanding Shadow War There«, in: New York Times, 25.3.2018.

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