Konfliktkonstellationen in (Nord-) Syrien

Zwar ist der Bürgerkrieg in Syrien längst entschieden, doch von einer politischen Konfliktregelung und einer Befriedung bleibt das Land weit entfernt. Denn nach wie vor verfolgen die am Konflikt beteiligten lokalen, regionalen und internationalen Akteure widerstreitende Interessen und sind bereit, diese auch militärisch durchzusetzen.

Im Herbst 2019 eskalierte die Gewalt im Nordosten Syriens erneut. Ankara intervenierte zum dritten Mal seit 2016 direkt militärisch, um mit Hilfe von syrischen Söldnern östlich des Euphrats eine sogenannte Sicherheitszone entlang der Grenze einzurichten. Der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Truppenabzug der USA aus dem Norden Syriens hatte dazu den Weg freigemacht. Er erlaubte es auch der syrischen Armee, wieder östlich des Euphrats vorzurücken und ihre Fahne in einzelnen Grenzstädten zu hissen. Zwar konnte zunächst Washington, dann Moskau eine jeweils befristete Waffenruhe zwischen der Türkei und den Kurden vermitteln, die einen Rückzug des US-Militärs und der YPG-Milizen aus dem Gebiet ermöglichte. Die Waffenruhe war aber von Anfang an brüchig und konnte schwere Menschenrechtsverletzungen, Flucht und Vertreibung nicht verhindern. Trotz der türkisch-russischen Vereinbarungen von Sotchi Mitte Oktober 2019 eskalierten die Kämpfe nach dem Ablauf der Waffenruhe Ende desselben Monats in neuer Schärfe und führten zur direkten Konfrontation zwischen Damaskus und Ankara.

Parallel dazu setzte die syrische Armee ihre Offensive im Nordwesten des Landes fort, um die letzte unter Kontrolle von Rebellen verbliebene Enklave in der Provinz Idlib zurückzuerobern. Der Vorstoß war zunächst durch ein russisch-türkisches Arrangement (September 2018) blockiert, letztlich aber nur deutlich verlangsamt worden.

Dieses Dossier bündelt SWP-Analysen und Beiträge von SWP-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern zu den aktuellen militärischen Entwicklungen in (Nord-)Syrien, zu den Interessen der involvierten Akteure, zur Diskussion über einen internationalen Militäreinsatz und zur Bedeutung dieser Aspekte für eine Befriedung Syriens.

SWP-Literatur & Medienbeiträge

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Muriel Asseburg, Hamidreza Azizi, Galip Dalay, Moritz Pieper

The Covid-19 Pandemic and Conflict Dynamics in Syria

Neither a Turning Point Nor an Overall Determinant

SWP Comment 2020/C 21, Mai 2020, 8 Seiten

doi:10.18449/2020C21

Muriel Asseburg

Wiederaufbau in Syrien

Herausforderungen und Handlungsoptionen für die EU und ihre Mitgliedstaaten

SWP-Studie 2020/S 07, April 2020, 37 Seiten

doi:10.18449/2020S07v02

Muriel Asseburg

Von Ideal und Wirklichkeit

Ein Regimewechsel oder die Teilung der Macht – beides ist in Syrien nicht in Sicht. Zeit für einen europäischen Strategiewechsel.

in: Internationale Politik und Gesellschaft, 20.04.2020 (online)
Günter Seufert

Die Lektion von Idlib

In Syrien stößt die aggressive Außenpolitik der Türkei an ihre Grenzen

in: le monde diplomatique, April 2020
Guido Steinberg

Provinz Idlib: »Die Türkei wird diesen Konflikt verlieren«

Europa und die USA sollten akzeptieren, dass der Syrien-Krieg entschieden ist, sagte Nahost-Experte Guido Steinberg. Ankara sollte die Aufständischen nicht mehr unterstützen, um das Leid der Menschen nicht zu verlängern.

Interview von Diana Hodali, in: Deutsche Welle, 07.04.2020 (online)
Sinem Adar, Steffen Angenendt, Muriel Asseburg, Raphael Bossong, David Kipp

Das Flüchtlingsdrama in Syrien, der Türkei und Griechenland

Warum ein umfassender Ansatz nötig ist

SWP-Aktuell 2020/A 22, März 2020, 8 Seiten

doi:10.18449/2020A22

Galip Dalay

How long will the Turkish-Russian deal on Idlib last?

The March 5 agreement will likely follow the fate of all previous Idlib deals and fall apart soon.

in: Al Jazeera, 16.03.2020
Hamidreza Azizi

Iran risks confrontation with Turkey over Idlib

in: Al-Monitor, Iran Pulse, 04.03.2020 (online).
Sinem Adar

Idlib’s Unfolding Humanitarian Catastrophe

Turkey’s decision to open its borders with Europe is a tactic to pressure the EU for support in Idlib. Despite Ankara’s violations of democratic norms, the humanitarian situation in Idlib requires the international community’s support. An assessment by Sinem Adar.

Point of View, 02.03.2020
Suat Kınıklıoğlu

Syrian Refugees in Turkey: Changing Attitudes and Fortunes

SWP Comment 2020/C 05, Februar 2020, 4 Seiten

doi:10.18449/2020C05

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