Jihadismus

IS-Propagandafoto, Raqqa, Syrien 19.12.2015 © Dabiq /dpa-picturealliance / ZUMA Press

Der Jihadismus ist eine Sonderform des islamistischen Terrorismus, die seit den 1970er Jahren in der arabischen Welt und in Südasien entstanden ist. Im Unterschied zu anderen islamistischen Terroristen (wie beispielsweise der palästinensischen Hamas, den Taliban in Afghanistan oder der libanesischen Hizbullah) verstehen Jihadisten den »Jihad« genannten bewaffneten Kampf nicht nur als Mittel, um ein politisches Ziel zu erreichen, sondern erheben ihn zu einer zentralen Glaubenspflicht des Islam. Ihr Kampf ist somit Teil einer größeren Auseinandersetzung, die erst mit der Niederlage aller Feinde ihrer Religion endet.

Die von Ägyptern, Saudis und Jemeniten dominierte al-Qaida wurde mit den Anschlägen vom 11. September 2001 weltweit bekannt und zur wichtigsten Organisation der jihadistischen Bewegung. In den folgenden Jahren schlossen sich ihr verbündete Gruppierungen in Saudi-Arabien sowie Jemen (al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel), Irak (al-Qaida in Mesopotamien) und Algerien (al-Qaida im Islamischen Maghreb) an. Seit 2013/14 hat das al-Qaida-Netzwerk in der Auseinandersetzung mit dem sogenannten Islamischen Staat (IS) seine unbestrittene Führungsposition in der jihadistischen Bewegung eingebüßt. Der IS war aus der irakischen al-Qaida hervorgegangen und hatte sich mit der Mutterorganisation überworfen. Seit 2014/2015 hatte auch er begonnen, ein Netzwerk verbündeter Organisationen aufzubauen, die sich als »Provinzen« des IS bezeichnen. Die wichtigsten dieser IS-»Filialen« operieren in Libyen und Ägypten, aber auch Gruppierungen im Jemen, im Kaukasus, in Afghanistan/Pakistan und in Indonesien haben auf sich aufmerksam gemacht. 2017 verlor der IS fast sein gesamtes Territorium im Irak und in Syrien. Damit wurden konkurrierende Organisationen wie al-Qaida wieder sichtbarer. Der IS reagiert darauf mit Anschlägen in der arabischen Welt, aber auch in Afrika, Asien und Europa. Dabei spielt die zunehmende Zahl von IS-Rückkehrern aus den Kriegsgebieten in Syrien, im Irak und Libyen eine wichtige Rolle.

Das Themendossier Jihadismus gibt einen Überblick über das Phänomen »Jihadismus« und behandelt es in seinen unterschiedlichen regionalen Ausprägungen (siehe unten). In den Abschnitten des Themendossiers findet sich jeweils eine Zusammenstellung aktueller SWP-Publikationen und anderer ausgewählter Beiträge von SWP-Autorinnen und Autoren. Darüber hinaus gelangen Sie in der Rubrik »Weiterführendes Material« über Links zum Fachportal IREON direkt zu aktuellen Suchergebnissen zum Thema aus der Online-Datenbank World Affairs Online (WAO).

Literatur

Guido Steinberg

Die Bedrohung geht vom »Islamischen Staat« aus, nicht von Einzeltätern

Die Anschläge von Einzeltätern sind Teil einer größeren Strategie des IS. Sie dienen der Ablenkung der Sicherheitsbehörden von größeren Anschlagsplänen. Guido Steinberg über die Strategie des IS in Europa und Möglichkeiten, ihr zu begegnen.

Kurz gesagt, August 2016
Claire Demesmay, Ronja Kempin

Ein Land im Kampf – Frankreich und der Terrorismus

Herausforderungen für Deutschland und Europa

SWP-Aktuell 2016/A 37, Juni 2016, 4 Seiten
Guido Steinberg

Brüssel: "Anschläge waren schon lange geplant"

Schwache Sicherheitsbehörden und eine große Dschihadisten-Szene: Diese Kombination macht Brüssel zum Terror-Ziel, sagt SWP-Experte Guido Steinberg. Der Anschlag sei auch ein Warnung an Deutschland.

Interview von Diana Hodali, in: Deutsche Welle (DW), 22.03.2016 (online)
Guido Steinberg

Avantgarde des internationalen Terrorismus

Die jemenitische al-Qaida profitiert trotz Rückschlägen vom Bürgerkrieg

SWP-Aktuell 2015/A 87, Oktober 2015, 8 Seiten
Khaled Yacoub Oweis

The West’s Darling in Syria

Seeking Support, the Kurdish Democratic Union Party Brandishes an Anti-Jihadist Image

SWP Comment 2015/C 47, Oktober 2015, 8 Seiten
Guido Steinberg, Annette Weber (Hg.)

Jihadismus in Afrika

Lokale Ursachen, regionale Ausbreitung, internationale Verbindungen

SWP-Studie 2015/S 07, März 2015, 113 Seiten
Jannis Grimm

#Wir sind nicht Charlie

Differenzierte Reaktionen von Muslimen auf die Anschläge von Paris und die Gefahr kollektiver Schuldzuweisungen

SWP-Aktuell 2015/A 15, Februar 2015, 8 Seiten
Guido Steinberg

Kalifat des Schreckens

IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror

München: Knaur, 2015, 208 Seiten
Guido Steinberg

Al-Qaidas deutsche Kämpfer

Die Globalisierung des islamistischen Terrorismus

Hamburg: Edition Körber-Stiftung, Oktober 2014, 320 Seiten
Guido Steinberg

Eine tschetschenische al-Qaida?

In Syrien internationalisieren kaukasische Gruppen den bewaffneten Kampf und werden zur Gefahr für die Türkei und Europa

SWP-Aktuell 2014/A 40, Juni 2014, 8 Seiten
 

SWP-Aktuell

Annegret Bendiek, Ronja Kempin, Nicolai von Ondarza
Mehrheitsentscheidungen und Flexibilisierung in der GASP

Ein kritischer Blick auf Instrumente für eine effektivere EU-Außen- und Sicherheitspolitik


Julius Gebauer, Felix Heiduk
Zeitenwende in Malaysia nach den Wahlen

Hoffnung auf politischen Wandel


SWP-Studien

Felix Heiduk (Hg.)
Das kommende Kalifat?

»Islamischer Staat« in Asien: Erscheinungsformen, Reaktionen und Sicherheitsrisiken


Peter Becker
Die EU auf dem Weg in eine »Transferunion«?

Ein Beitrag zur Entdramatisierung