Eskalation zwischen USA und Iran

© Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), 2019

Der aktuelle Konflikt zwischen den USA und Iran ist eine Auseinandersetzung, die mit einigen Unterbrechungen seit der Iranischen Revolution 1979 geführt wird. Sie eskaliert, seitdem US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr das 2015 geschlossene Atomabkommen zwischen Iran einerseits und der Europäischen Union, Großbritannien, Frankreich und Deutschland sowie China, Russland und den USA einseitig aufkündigte, alte Sanktionen wieder in Kraft setzte und weitere verhängte.

Nachdem deutlich wurde, dass die Europäische Union den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen nicht kompensieren kann, reagierte die Islamische Republik ab Frühjahr 2019 auf den steigenden Sanktionsdruck, der zu einer raschen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage geführt hatte. Seither hat die iranische Führung die technischen Beschränkungen im Atomabkommen schrittweise ausgesetzt. Parallel sabotierten die Revolutionsgarden Öltankschiffe rund um die Straße von Hormuz und schossen eine US-Aufklärungsdrohne ab. Im September erfolgte ein Angriff auf Ölanlagen Saudi-Arabiens, für den Iran verantwortlich gemacht wurde. Teheran wies den Vorwurf zurück.

Nach dem Abschuss der Drohne vermied US-Präsident Trump eine militärische Reaktion und sagte bereits angeordnete Militärschläge gegen iranische Ziele im letzten Moment wieder ab. Das Zentrum des Konflikts verlagerte sich anschließend vom Persischen Golf in den Irak, wo iranloyale schiitische Milizen US-Militärstützpunkte mit Raketen beschossen. Im Dezember kam bei einem Angriff der Hisbollah-Bataillone ein amerikanischer Übersetzer zu Tode. Mehrere US-Soldaten wurden verletzt. Als Reaktion flog die US-Luftwaffe Angriffe auf Stellungen dieser Miliz im Irak und in Syrien. Anhänger der Hisbollah-Bataillone und andere Schiitenmilizen demonstrierten daraufhin vor der US-Botschaft in Bagdad und stürmten ein Wachgebäude. US-Präsident Trump reagierte darauf mit der gezielten Tötung von Generalmajor Qassem Soleimani, Kommandeur der sogenannten Ouds (=Jerusalem)-Einheit der Revolutionsgarden, die unter anderem für die Führung pro-iranischer Milizen im Irak, in Syrien und im Libanon zuständig sind. Teheran antwortete mit Raketenangriffen gegen zwei amerikanische Militärbasen im Irak, bei denen mehrere US-Soldaten verletzt wurden. Ein Ende der Eskalation ist derzeit nicht in Sicht.

Das Themendossier bündelt SWP-Analysen, Medienbeiträge sowie externen Publikationen von SWP-Autorinnen und -Autoren. Diese geben einen Überblick über die verschiedenen Aspekte des Konflikts, setzen sich mit den Interessen der einzelnen Akteure auseinander und untersuchen die regionalen und internationalen Folgen der Krise. Der Fokus liegt dabei auf dem Atomabkommen.

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