Cyber-Sicherheit

Foto von Johannes Plenio auf https://unsplash.com/

In den Themenbereich Cyber-Sicherheit fällt sowohl die Sicherheit des Internets und informationstechnischer Systeme (Soft- und Hardware) als auch kritischer Infrastrukturen. Die sozialwissenschaftliche Cyber-Sicherheitsforschung erforscht Cyber-Konfliktdynamiken wie z.B. digitale Rüstungswettläufe, Möglichkeiten der Rüstungskontrolle, vertrauensbildende Maßnahmen, Strategien der Abschreckung oder auch Konzepte des Informationskrieges. Die Wahrnehmung der Bedrohungen durch Cyber-Angriffe ist dabei sehr unterschiedlich. Während einige Expertinnen und Experten davon ausgehen, dass potenzielle Risiken von z.B. strategischen Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen massiv überhöht werden, zeichnen andere eklatante militärische und zivile Bedrohungsszenarien. Zudem divergieren die Wahrnehmungen auch zwischen Staaten. Für Demokratien verbindet sich mit dem Begriff der Cyber-Sicherheit der Schutz öffentlicher Institutionen wie auch privater Unternehmen vor strategischen Cyber-Angriffen. In vielen autoritären Staaten hingegen liegt der Fokus auf Informationssicherheit, verstanden als Kontrolle und Überwachung des öffentlichen Informationsraums. Wichtig ist, dass Cyber-Sicherheit – wegen der engen Verwobenheit der digitalisierten Welt – niemals losgelöst von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und (außen-)politischen Fragen behandelt werden kann. So haben etwa neue Sicherheitsmaßnahmen im Netz unmittelbare nationale und internationale Auswirkungen auf Grundrechte wie die freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Privatsphäre.

Hinzu kommt, dass die Begrifflichkeiten in diesem Feld der Sicherheitspolitik noch unscharf sind, nicht zuletzt weil hier eine Vielzahl von Akteuren um die Deutungshoheit ringt. Mal wird von »Cyber«, mal von »Digitalisierung«, mal von »Internet« gesprochen. Während »Cybersicherheitsstrategien« zunächst noch sehr eng auf den klassischen Sicherheitsbereich beschränkt waren, werden sie in Deutschland und Europa heute sehr viel breiter definiert und regulieren weit mehr als nur die bloße IT-Sicherheit der technischen Infrastruktur. Diese breite Verwendung betrifft auch den Begriff »Cyber« (abgeleitet aus dem griechischen Wort für die Selbststeuerung von Systemen), der als Wortbestandteil häufig dazu dient, einen Zusammenhang mit digitalen Technologien herzustellen.

Literatur

Matthias Schulze

Tappen im Dunkeln? Staatlicher Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation

Die deutschen Innenminister möchten Schwachstellen in Software verstärkt zur Überwachung nutzen. Angesichts der Verwundbarkeit der globalen IT-Welt sollte Deutschland stattdessen eine Vorreiterrolle bei der Schließung von Sicherheitslücken übernehmen, meint Matthias Schulze.

Kurz gesagt, 15.06.2017
Annegret Bendiek

Das neue »Europa der Sicherheit«

Elemente für ein europäisches Weißbuch zur Sicherheit und Verteidigung

SWP-Aktuell 2017/A 37, Mai 2017, 8 Seiten
Raphael Bossong, Ben Wagner

A Typology of Cybersecurity and Public-Private Partnerships in the Context of the EU

In: Crime, Law and Social Change, April 2017, Volume 67, Issue 3, pp 265–288
Marcel Dickow, Nawid Bashir

Sicherheit im Cyberspace

in: Aus Politik und Zeitgeschehen (APuZ 43-45/2016).
Marcel Dickow, Oliver Meier

Raus aus der Deckung! Rüstungskontrolle als Fundament einer modernen Ordnungspolitik

in: Volker Perthes (Hg.)
Ausblick 2016: Begriffe und Realitäten internationaler Politik

Beiträge zu Sammelstudien 2016/S 00, Januar 2016, 55 Seiten, S. 28-32
Annegret Bendiek, Tobias Metzger

Deterrence theory in the cyber-century

Lessons from a state-of-the-art literature review

Working Paper RD EU/Europe, 2015/ 02, Mai 2015, 20 Seiten
Marcel Dickow, Mischa Hansel, Max M. Mutschler

Präventive Rüstungskontrolle – Möglichkeiten und Grenzen mit Blick auf die Digitalisierung und Automatisierung des Krieges

in: S&F Sicherheit und Frieden, Jahrgang 33 (2015), Heft 2, Seite 67 - 73.
Robin Geiß

Völkerrecht Im „Cyberwar“

Militärische Cyberoperationen bedrohen nicht nur Zivilisten, sondern fordern auch zentrale Grundannahmen des Völkerrechts heraus

in: Internationale Politik und Gesellschaft (IPG), 30.03.2015 (online)
 

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