Der Afghanistaneinsatz

Übergabe der Sicherheitsverantwortung durch britisches Militär in Lashkar Gah, Helmand, im Juli 2011; © UK Ministry of Defence, lizensiert gemäß CC BY-NC 2.0

Eine Dekade nach dem Sturz des Taliban-Regimes begann Mitte 2011 die schrittweise Übergabe der Sicherheitsverantwortung (Transition) von der Internationalen Schutztruppe (ISAF) an die afghanische Armee (ANA) und Polizei (ANP) sowie den Geheimdienst (NDS). Parallel wurden die ausländischen Truppen reduziert. Zum 1. Januar 2015 löste mit Resolute Support (RS) eine neue NATO-geführte Mission, deren Schwerpunkt auf Ausbildung und Anleitung der Spitzen der afghanischen Sicherheitskräfte liegt, die ISAF ab.

Das zivile Engagement der internationalen Gebergemeinschaft wird auf dem Niveau der vergangenen Jahre fortgesetzt und fokussiert sich vor allem auf die Unterstützung in den Bereichen Wirtschaftsentwicklung und Bildung. Die langfristige zivile Unterstützung Afghanistans durch Deutschland wurde im Mai 2012 durch ein bilaterales Partnerschaftsabkommen untermauert.

Mit dem Jahr 2015 hat eine zehnjährige Phase der Transformation begonnen. Die internationale Gemeinschaft unterstützt die afghanischen Sicherheitskräfte in dieser Phase durch die Mission RS, was eine fortgesetzte - wenn auch deutlich verringerte - militärische Präsenz in Afghanistan bedeutet. Durch das andauernde Engagement der internationalen Gemeinschaft sollen die staatlichen Institutionen, vor allem der Sicherheitssektor, dauerhaft gestärkt werden.

Die Erfolgsaussichten der westlichen Strategie und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Afghanistans werden entscheidend durch den Verlauf des Friedensprozesses beeinflusst. Entscheidende Faktoren dabei sind die Entwicklungen im Kräfteverhältnis zwischen der Aufstandsbewegung und den afghanischen Sicherheitskräften, die Rolle der regionalen Mächte Pakistan und Iran sowie die konkrete Ausgestaltung der westlichen Afghanistanpolitik nach der Reduzierung der NATO-geführten Truppen.

Im Themendossier werden nationale Entwicklungenregionale Akteure sowie der internationale Einsatz in den Blick genommen. In jedem der Kapitel findet sich eine Zusammenstellung aktueller SWP-Publikationen zum Thema. Zur Problematik der deutschen Afghanistan-Politik sowie zur aktuellen Diskussion über die westliche Afghanistan-Strategie hat Gesche Weiland vom Fachinformationsbereich eine Afghanistan-Chronologie erstellt. Dort finden sich die Bundestagsmandate und UN-Resolutionen zu Afghanistan sowie Antworten der Bundesregierung auf Anfragen von Oppositionsfraktionen im Deutschen Bundestag. Zudem hat sie eine Kurzbibliographie mit offiziellen Dokumenten aus Deutschland, USA, NATO und EU sowie Analysen und Kommentaren zusammengestellt.

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