Markus Potzel

Iran und der Westen

Chancen für gemeinsames Handeln in Afghanistan?

SWP-Studie 2010/S 16, Juni 2010, 28 Seiten

Der Afghanistan-Einsatz gehört zu den größten außenpolitischen Herausforderungen, denen sich derzeit die Bundesregierung, aber auch die Regierungen anderer ISAF-Truppensteller gegenübersehen. Eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung Afghanistans kommt der Einbeziehung der Nachbarn sowie weiterer Akteure mit Einfluss und Interessen in der Region zu. Iran ist neben Pakistan der wichtigste Nachbar Afghanistans. Seit Jahrhunderten bestehen enge Beziehungen zwischen beiden Staaten. Iran ist zudem ein politisch-strategischer und wirtschaftlicher Machtfaktor in der Region zwischen dem Persischen Golf, Kaukasus/Zentralasien und dem indischen Subkontinent.

 

Iran hat legitime Interessen in Bezug auf Afghanistan und verfolgt diese aktiv. Dabei ist festzustellen, dass sich die Interessen eines Großteils der westlichen Staaten und jener Irans in wichtigen Punkten überschneiden. Die Ablehnung einer Wiederkehr der Taleban-Herrschaft, die Drogen- und Terrorismusbekämpfung, die Flüchtlingsproblematik, der Wiederaufbau Afghanistans - all dies bietet Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit zwischen westlichen Ländern und Iran.

 

Die Beziehungen Irans zum Westen sind gegenwärtig in erster Linie vom Nuklearkonflikt geprägt. Der von einigen europäischen Staaten initiierte und von den USA mitgetragene zweigleisige Politikansatz, bestehend aus der Androhung von Zwangsmaßnahmen einerseits und Kooperationsangeboten andererseits, reflektiert diese ambivalente Realität. Deutschland, die EU und die USA sollten aus wohlverstandenem Eigeninteresse an einer Stabilisierung Afghanistans aber nicht nachlassen, den Dialog mit Iran zu suchen. Mittels kleiner, praktischer Schritte sollte es möglich sein, Vertrauen zu bilden und die Zusammenarbeit kontinuierlich auszubauen.

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