Christian Wagner

Indien als Regionalmacht und Chinas wachsender Einfluss in Südasien

SWP-Studie 2012/S 21, Oktober 2012, 18 Seiten

Seit seiner wirtschaftlichen Liberalisierung 1991 definiert Indien seine Rolle als Regionalmacht immer stärker wirtschafts- statt sicherheitspolitisch. Es sieht Südasien heute weniger als Teil seiner nationalen Sicherheit, sondern vor allem als Teil seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Indien fördert deshalb (regionale) öffentliche Güter wie die Schaffung eines südasiatischen Marktes durch den Ausbau des regionalen Handels, um damit auch seinen Anspruch als Regionalmacht zu untermauern. Zugleich hat aber auch China seine politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zu Indiens Nachbarstaaten deutlich ausgebaut. Chinas wachsendes Engagement in Südasien setzt den indischen Regionalmachtambitionen enge Grenzen. Indiens Anspruch auf Regionalmachtstatus wurde von den Nachbarstaaten nie akzeptiert. Sie haben immer wieder versucht, ihre bilateralen Konflikte mit Indien durch die Einbeziehung »externer« Großmächte wie China zu internationalisieren. China verfügt deshalb zum Teil über bessere politische und militärische Beziehungen zu den Staaten der Region als Indien. Indien bemüht sich zwar durch einseitige Konzessionen gegenüber seinen Nachbarn und den Ausbau der Infrastruktur, den Handel zu verbessern und einen südasiatischen Markt zu schaffen, doch ist China wirtschaftlich für die Nachbarstaaten ein mindestens ebenso attraktiver Partner.

Deutsche und europäische Politik sollten sich der Grenzen indischer Regionalmachtambitionen in der südasiatischen Krisenregion gewahr sein. Die indische Demokratie mag ein Stabilitätsanker in Südasien sein, verfügt aber weder über den politischen Willen noch die außenpolitischen Instrumente, um zum Beispiel als Partner für deutsche und europäische Politik in Fragen von Krisen- und Konfliktbewältigung zu fungieren.

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