Kay Möller †

Für eine europäische Fernostpolitik

Stand und langfristige Perspektiven

SWP-Studie 2004/S 41, November 2004, 20 Seiten

Asien beeinflußt sowohl als potentiell geeinter Akteur und möglicher Wachstumsmotor wie auch als Produzent von Massenvernichtungswaffen und Quelle konventioneller und nichtmilitärischer Risiken die internationale Politik. Im Fernen Osten entscheidet sich die Frage nach der künftigen Struktur (unipolar, multipolar, multilateral) des internationalen Systems.

 

Europa sollte versuchen, die einhergehenden Prozesse im eigenen Sinne zu beeinflussen. Die Studie analysiert Stand und Perspektiven, Instrumente und Einfluß der europäischen Fernostpolitik. Sie gelangt zu den folgenden Ergebnissen:

  1. Die Verknüpfung des südasiatischen Sicherheitskomplexes auf dem indischen Subkontinent mit dem ostasiatischen Sicherheitskomplex zwischen Birma und Japan ist insbesondere in Hinblick auf nichtmilitärische Risiken und die regionale Kräftedynamik sinnvoll. Solange allerdings die fernöstlichen Staaten diese Verknüpfung nicht vorantreiben und Europa hier allenfalls eine sekundäre Rolle spielt, bleiben die europäischen und nationalen Dialoge mit regionalen Partnern und den USA als Frühwarnsysteme die nächstbeste Lösung.
  2. Um sich zu einem wichtigen regionalen Akteur zu entwickeln, müßte Europa entweder mit der Gesamtregion, ihren nationalen Komponenten oder relevanten Dritten strategische Bündnisse für eine neue Gleichgewichtspolitik eingehen oder die Akteure, soweit möglich, in einen "globalen Kern" aus Demokratien und Marktwirtschaften integrieren helfen.
  3. Weil die Verteidigung des "globalen Kerns" nicht allein den USA überlassen werden kann und soll, wird Europa insbesondere für Konfliktprävention und -bewältigung auch militärische Kapazitäten zur Förderung seiner fernöstlichen Interessen bereitstellen müssen.

SWP-Aktuell

Paweł Tokarski
Die klientelistische Wirtschaftspolitik Polens unter Jarosław Kaczyński

Staatliche Ressourcen im Dienste der Regierungspartei PiS


Fabian Burkhardt
Russlands Krise der Repräsentation

Politische Risiken vor dem großen Wahlzyklus 2021–2024