Diplomatie im 21. Jahrhundert

Das internationale System des 21. Jahrhundert unterliegt einem fundamentalen Wandel, der auch die Diplomatie vor neue Aufgaben stellt: Grenzen zwischen Innen- und Außenpolitik verschwimmen, die Zahl staatlicher und nichtstaatlicher Akteuren nimmt zu, die digitale Informationstechnologie durchdringt nahezu alle Aspekte des Lebens, und die Zivilgesellschaft wird in unorganisierter Weise vom Adressaten zugleich zum Akteur der Politik.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, welchen Charakter und welche Eigenschaften die Diplomatie des 21. Jahrhunderts haben könnte und haben sollte. Es strebt an, akademisch unterfütterte Vorstellungen für die diplomatische Praxis zu entwickeln, die auch in Zukunft den Erfolg legitimer, effektiver und effizienter Diplomatie moderner Staaten ermöglichen. Im Zentrum des Forschungsprojekts steht der internationale und interdisziplinäre Austausch zwischen Praktikern und Akademikern mit dem Ziel, öffentlich zu präsentierende Forschungsergebnisse zu erarbeiten. Im Rahmen des Forschungsprojekts hat sich unter Beteiligung weiterer SWP-Wissenschaftler aus allen Forschungsgruppen eine SWP-interne Arbeitsgruppe mit dem Namen »Diplomatie 21« konstituiert.

Die Analyse der individuellen, instrumentellen, institutionellen und globalen Ebenen der Arbeit von Diplomatie strukturiert die Forschung im Projekt. Daraus ergeben sich die folgenden Fragekomplexe:

Individuelle Ebene: Der Diplomat

Werden die notwendigen Veränderungen im Profil zukünftiger Diplomaten den Charakter der Diplomatie fundamental verändern? Wenn ja, in welcher Weise?

Hierzu gehören die Themen: (1) Rolle und »persönliche Eigenschaften« des individuellen Diplomaten und Rekrutierung, (2) neue Typen von Diplomaten, (3) Einfluss veränderter Geschlechterrollen, Familienmodelle, (4) individuell erlernte Arbeitstechniken, (5) Hierarchien und Arbeitsstrukturen, (6) Verantwortlichkeit, Erreichbarkeit, Ethik (7) individuelle Anpassungsbereitschaft und -fähigkeit.

Instrumentelle Ebene: Digitalisierte Kommunikation

Welche Konsequenzen hat die Digitalisierung auf Entscheidungsträger, den Fluss der Informationen und die Nutzung sozialer Medien? 

Hierzu gehören die Themen: (1) Gebrauch und Nutzen von Kommunikationstechnologien, (2) Digitalisierung, öffentliche Beobachtung, soziale Medien, (3) Neue public diplomacy, Kulturarbeit, (4) Informationsschutz, (5) Krisenmanagement, Risikomanagement, (6) Strategien für den Einsatz digitaler Technologien und sozialer Medien, (7) Diplomatische Integrität vis-à-vis Informationsüberfluss.

Institutionelle Ebene: Zwischenstaatliche Diplomatie und transnationale Akteure

Auf welche Weise kann regierungsgebundene Diplomatie mit der neuen Vielzahl an Staaten, transnationalen und nichtstaatlichen Akteuren interagieren?  

Hierzu gehören die Themen: (1) Moderne Konferenzdiplomatie, (2) Vereinte Nationen, EU andere internationale Organisationen, (3) globalisierte Interdependenz und Machtstreuung als Gefahr für diplomatische Kohärenz, (4) Unternehmen und Handel, Tourismus, Zivilgesellschaft und antigesellschaftliche Kräfte, internationale organisierte Kriminalität, Terrorismus, andere nicht-traditionelle Herausforderungen, (5) Wettkampf um Ressourcen und Konsequenzen aus der Verinnerstaatlichung von Außenpolitik für Diplomatie, (6) möglicher Ersatz des (nationalen) diplomatischen Dienstes/der gegenwärtigen diplomatischen Systeme.

Globale Ebene: »Erfolgreiche« Diplomatie im globalen Wettstreit von Regierungsformen

Was sind die Voraussetzungen für legitime, effiziente und effektive Diplomatie?

Hierzu gehören als weitere Themen: (1) Abgrenzung von Außenpolitik und Diplomatie, (2) Definition von Erfolg, (3) der Einsatz von hard/soft/symbolic power, von ökonomischen Instrumenten und Zwangsmitteln, Krieg, (4) nicht-westliche Diplomatien (China, Indien, Japan, Russland), (5) neue Machtstrukturen in der öffentlichen Sphäre, (6) Funktion, Ziele und Macht von Diplomatie.

ProjektleitungDr. Volker Stanzel, Botschafter a. D., Senior Distinguished Fellow
Studentische Mitarbeiterin:Rudine Emrich
Projektlaufzeit:Januar 2016 - Dezember 2017
Projektförderung: ZEIT-Stiftung und Auswärtiges Amt

Veranstaltungsberichte

Rudine Emrich

Report of the Workshop on “Diplomacy in the 21st Century”

On March 27, 2017 SWP Berlin

Project Paper, Project “Diplomacy in the 21st Century”, No 03, April 2017
Volker Stanzel

Project Paper Diplomacy in the 21st Century (2)

Project Paper, Project “Diplomacy in the 21st Century”, No 02, March 2017
Alexandra Friede

Report of the Workshop on “Diplomacy in the 21st Century”

On September 8, 2016 SWP Berlin

Project Paper, Project “Diplomacy in the 21st Century”, 2016/No 01, October 2016
 

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