Die Zukunft der internationalen Ordnung (abgeschl.)

Die bestehende internationale Ordnung befindet sich in einem tiefen Erosions- und Umbruchprozess. Wissenschaftliche und technologische Innovationen verändern die Struktur der Weltwirtschaft und -gesellschaft; China und andere Mächte des Südens gewinnen an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung.

Die deutsche Außenpolitik ist im besonderen Maße auf eine funktionierende internationale Ordnung angewiesen. Sie muss daher die derzeitigen Umbrüche rechtzeitig erkennen, einordnen und mitgestalten. Aber obwohl die Veränderungen der internationalen Ordnung große Aufmerksamkeit finden, haben sich die Konzepte zu ihrer Erfassung kaum verändert: Noch immer dominieren Denkfiguren wie die des „Aufstiegs und Falls der Mächte“ und der „Global Governance“. Neue weltpolitische Konstellationen werden unangemessen eingeordnet und interpretiert, unrealistische normative Prädispositionen unhinterfragt hingenommen. In der Folge laufen politische Akteure Gefahr, unzulängliche und widersprüchliche außenpolitische Entscheidungen zu treffen und so Chancen zu verpassen.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik hinterfragt mit diesem Projekt bestehende Konzepte und sucht nach angemesseneren Perspektiven auf die gegenwärtige Situation der Weltpolitik. Seit Mitte 2014 beschäftigt sie sich interdisziplinär und forschungsgruppenübergreifend mit den Ursachen und möglichen Auswirkungen des derzeitigen Umbruchs. Das Projekt vergleicht systematisch regionale und funktionale Teilordnungen der internationalen Ordnung. Ziel ist es, Wechselwirkungen zwischen diesen Teilordnungen offenzulegen und zu neuen Perspektiven und Handlungsideen zu gelangen. Was lässt sich beispielsweise aus der Bekämpfung von Pandemien für die internationale Umweltpolitik lernen? Wie beeinflusst der Ukrainekonflikt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und China? Was verändert die Schiefergasrevolution an der US-Sicherheitspolitik im Nahen Osten? Und wie lässt sich das Wissen um die Wechselwirkungen zwischen Teilordnungen nutzen, um erfolgreiche, nachhaltige und gewaltfreie Ordnungen zu gestalten?

Um diese Fragen zu beantworten, organisierte die Stiftung Wissenschaft und Politik eine internationale Konferenz vom 29. November bis zum 1. Dezember 2015 in Berlin. Etwa 30 international anerkannte Experten aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichsten Expertisen trafen dort zusammen, um Bestandsaufnahmen aus zehn verschiedenen Teilbereichen der internationalen Ordnung vergleichend zu diskutieren.

Förderung durch: Fritz-Thyssen-Stiftung

Unterstützung durch: Auswärtiges Amt, Friedrich Ebert Stiftung

Projektleitung: Prof. Hanns W. Maull (SWP), in Zusammenarbeit mit Prof. Sook Jong Lee (Präsidentin des East Asia Institute in Seoul), Charles Morrison (Präsident des East-West Center in Hawaii) und Prof. Ummu Salma Bava (Jawaharlar Nehru Universität in New Delhi).

Projektlaufzeit: September 2015 bis Juni 2016

 

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