FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Centrum für angewandte Türkei-Studien

Was ist das CATS?

Das Centrum für angewandte Türkei-Studien (CATS) (Englisch: Centre for Applied Turkey Studies) geht auf die Idee der Stiftung Mercator und des Auswärtigen Amtes zurück, an einem Berliner Think Tank ein Zentrum für Türkeiforschung anzusiedeln. Die SWP hat ein umfassendes Konzept für den Aufbau des CATS entwickelt und etabliert dieses innerhalb der eigenen Strukturen.

Ziel des CATS ist es, Impulse für die langfristige Gestaltung der Beziehungen zur Türkei zu geben, zu einer strategiegeleiteten und kohärenten Türkeipolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten beizutragen und zu helfen, das gegenseitige Verhältnis auf eine realistische Grundlage zu stellen. Dabei gilt es, die Türkei als einen Akteur wahrzunehmen, der mit ausgeprägtem regionalen und bisweilen gar globalem Gestaltungsanspruch auftritt.

Das CATS analysiert die Dynamik der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei und den europäisch-türkischen Beziehungen. Es informiert relevante politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Deutschland und Europa sowie die deutsche und europäische Öffentlichkeit mit zielgruppengerechten Formaten und Produkten. Zudem schafft es geschützte Räume für den informellen Austausch wichtiger Akteure.

Das CATS strebt an, die größte und wichtigste Einrichtung der angewandten Türkeiforschung außerhalb der Türkei zu werden, die akademische Exzellenz mit strategischer, anwendungsorientierter Politikberatung vereint. Es soll erster Ansprechpartner für Medienanfragen zur Türkei in Europa werden.

Das CATS ist integraler Bestandteil der SWP. Bis zu zehn europäische, deutsche und türkische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden an dem Centrum zu den europäisch/deutsch-türkischen Beziehungen forschen. Die Forschung des CATS ist unabhängig, sie orientiert sich jedoch an den politischen Herausforderungen für Deutschland und Europa. Neben seiner eigenen Arbeit wird sich das CATS darum bemühen, die europäische und türkische Forschung zur Türkei stärker zu verknüpfen und einen gemeinsamen Rahmen für die Diskussion des zukünftigen Verhältnisses der EU zur Türkei zu schaffen. Zu diesem Zweck wird das CATS Network geschaffen.

Das CATS ist somit keine isolierte Forschungseinrichtung, sondern Knotenpunkt und Kurator eines internationalen Think-Tank-Netzwerks. Es kooperiert mit europäischen und türkischen Think Tanks und vergibt Projektmittel und Stipendien.

Mit welchen Themen befasst sich das CATS?

Die Forschungsschwerpunkte des CATS sind:

  • Verhältnis der Türkei zu Europa und zur EU
  • Rolle der Türkei im globalen Systemkonflikt
  • Positionierung der Türkei im Nahen Osten und ihr Verhältnis zur islamischen Welt
  • Partnerschaften der Türkei mit aufstrebenden Mächten
  • Gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen in der Türkei

Weshalb ist eine verstärkte Forschung zur Türkei notwendig?

Deutschland und Europa sind an tragfähigen Beziehungen zur Türkei interessiert, doch das Verhältnis ist komplexer geworden; der Bedarf unter europäischen und deutschen Entscheiderinnen und Entscheidern sowie Medienvertreterinnen und Medienvertretern an faktenbasierter Analyse zur Türkei und unabhängigen Handlungsempfehlungen ist gestiegen.

Die Umbrüche im Nahen Osten haben das Destabilisierungspotential dieser Region für Europa drastisch erhöht. Stichworte sind Staatszerfall, Terrorismus und Fluchtbewegungen. Die Türkei reagierte auf die nahöstliche Dynamik mit einer Neudefinition ihrer Rolle in der Region und ihres Selbstverständnisses. Die bisherige Politik der Europäischen Union im Umgang mit der Türkei war auf die politische Transformation im Rahmen des Beitrittsprozesses und auf die wirtschaftliche Stabilisierung des Landes gerichtet. Noch hat die EU keine Antwort darauf gefunden, wie sie diesen Ansatz mit der heutigen Rolle der Türkei in der Region und ihrem Verhältnis zu Europa in Einklang bringen kann.

Wann nimmt das CATS seine Arbeit auf?

Die Rekrutierung von fünf wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern sowie die Besetzung der administrativen Stellen soll noch 2019 abgeschlossen werden. Die offizielle Eröffnung wird im November 2019 stattfinden.

Weshalb die Ansiedlung an der SWP?

Aufgrund ihrer breiten außenpolitischen Expertise bietet die SWP die Gewähr dafür, dass bei der Forschung zur Türkei die regionalen und politischen Bedingungen und Dynamiken, die die türkische Politik mitprägen, stets in Betracht gezogen werden. Das gilt für die Politik der Türkei im Nahen Östen, gegenüber Russland und China, aber auch für ihre Stellung in der NATO und ihr Verhältnis zur Europäischen Union.

Wer fördert das CATS und in welcher Höhe?

Die Stiftung Mercator stellt dem Projektpartner für die Durchführung des Projekts einen Förderbetrag in Höhe von bis zu 3.160.000,00 EUR für den Zeitraum vom 01.04.2019 bis zum 31.12.2022 zur Verfügung. Das Auswärtige Amt unterstützt das CATS mit einer Fördersumme von rund 1.480.000,00 EUR. Die SWP beteiligt sich mit der Finanzierung der Stelle eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters.

Wie ist das CATS organisiert?

Die SWP baut das CATS als integralen Bestandteil der eigenen Strukturen mit insgesamt fünf festen Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern und fünf Gastwissenschaftlerinnen bzw. Gastwissenschaftlern auf. Die Leitung des CATS nimmt am innerinstitutionellen Austausch über Forschungsvorhaben und Forschungsergebnisse teil und sichert so Vernetzung und Synergien.

Wer leitet das CATS?

Die Leitung des CATS hat Dr. Günter Seufert, die stellvertretende Leitung Dr. Hürcan Asli Aksoy übernommen.

Dr. Günter Seufert war bislang Senior Fellow an der SWP. Er arbeitet zur türkischen Innen- und Außenpolitik, zum Zypernkonflikt und zu nichtstaatlichen Akteuren im Nahen Osten. Davor berichtete er als Korrespondent für deutsche, schweizerische und österreichische Zeitungen aus Istanbul und verfasste eine Reihe von Studien zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei. Als Visiting Associate Professor lehrte er an der University of Cyprus in Nikosia. Am Institut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) war er als Referent und später als Leiter der Abteilung Istanbul tätig.

Dr. Hürcan Asli Aksoy war bislang wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Lehrstuhl für Politik und Gesellschaft des Nahen Ostens an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Als Lehrbeauftragte lehrte sie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie forscht zu politischer Transformation, Staat-Gesellschaft-Beziehungen, türkischer Außenpolitik im Nahen Osten, Zivilgesellschaft, Populismus und Anti-Gender-Bewegungen in Europa und seiner Nachbarschaft.

Was ist das Ziel des CATS Network?

Das CATS kooperiert mit europäischen und türkischen Think Tanks und vergibt Projektmittel und Stipendien. Ziel ist es, zu einer strategiegeleiteten und kohärenten Türkeipolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten beizutragen. Wie in anderen Politikbereichen auch, tun sich die Mitgliedstaaten der EU schwer damit, der Türkei gegenüber eine einheitliche politische Linie zu finden. Das zeigt sich in der Haltung zur türkischen EU-Mitgliedschaft, zur Modernisierung der Zollunion, bei der Gewährung von Visumfreiheit und indirekt auch bei der Zypernfrage und in der Flüchtlingspolitik. Oft fehlt es bereits daran, dass die stark unterschiedlichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen einzelner EU-Staaten mit der Türkei und sich daraus ergebende abweichende Interessenlagen in den anderen Mitgliedsländern der EU ausreichend zur Kenntnis genommen werden. Eine enge Zusammenarbeit des CATS mit europäischen und türkischen Think Tanks soll dazu beitragen, den Informationsstand über die Interessen und Zwänge wichtiger EU-Staaten gegenüber der Türkei zu verbessern. Das CATS Network trägt so dazu bei, Voraussetzungen für eine konsistentere Türkei-Politik der EU zu schaffen.


Das Centrum für angewandte Türkeistudien (CATS) wird gefördert durch die Stiftung Mercator und das Auswärtige Amt.

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