Finanz- und Schuldenkrise

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Was 2007 als isolierte Störung auf dem amerikanischen Markt für minderwertige Hypotheken begann, verwandelte sich rasch in eine globale Finanzkrise, die Vermögen in Billionenhöhe vernichtet hat. Die Krise, deren Peak inzwischen überschritten ist, hatte weitreichende Folgen insbesondere für die westlichen Industrieländer: Die meisten schlitterten in eine Wirtschaftskrise mit negativen Wachstumsraten und steigender Arbeitslosigkeit. Viele nationale Haushalte gerieten aus den Fugen, die Defizite nahmen besorgniserregende Ausmaße an. Im Rahmen eines massiven, international koordinierten Krisenmanagements wurden billionenschwere Stimulierungspakete geschnürt; die Zentralbanken der wichtigsten Wirtschaftszentren der westlichen Welt lockerten die geldpolitischen Zügel in beispielloser Weise. Besonders schwer wurde die Peripherie des Eurogebiets getroffen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und aufgrund sehr verschiedener Ursachen: Irland und Spanien wurden durch das Zerplatzen der aufgeblähten Immobilienblasen betroffen; in Griechenland, Portugal und Italien waren es die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die steigende öffentliche Verschuldung; in Zypern und zuletzt in Slowenien sind es die Banken, die neues Kapital benötigen. Infolge dieser Krisen ist der gemeinsame Währungsraum von einer Divergenz des Wachstums und des Einkommensniveaus betroffen, die den Fortbestand der Wirtschafts- und Währungsunion infrage stellt.

Um einen systematischen Überblick über die verschiedenen Aspekte der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zu geben, ist das Dossier in drei Kapitel gegliedert. Die SWP-Literatur im Kapitel Die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) befasst sich unter anderem mit Ideen zur Stabilisierung der WWU, Mechanismen zur Krisenprävention sowie mit dem Umgang mit Staatsbankrotten in der Eurozone.

Im Kapitel Neuordnung der internationalen Finanzmärkte geht es um Reformansätze zur stärkeren Kontrolle der globalen Finanzmärkte, z.B. im Rahmen des G20-Prozesses. So werden u.a. die Überlegungen zur Regulierung oder Besteuerung von Finanztransaktionen und die Möglichkeiten der besseren Kontrolle der internationalen Finanzmärkte analysiert. Auch wenn nach wie vor zahlreiche Mitgliedstaaten des Eurogebiets im Zentrum der Schulden- und Wirtschaftskrise stehen, sind wegen der Globalisierung die restlichen Weltregionen, aber auch verschiedene Politikfelder und Sektoren der Wirtschaft betroffen. Entsprechende Zusammenhänge beleuchtet das Kapitel Andere Regionen und Politikfelder.

Jedes Kapitel enthält eine Zusammenstellung aktueller SWP-Publikationen. Darüber hinaus sind unter Weiterführendes Material ausgewählte Sekundärliteratur zum Thema sowie Weblinks zu relevanten Institutionen und offiziellen Dokumenten zu finden.

 

SWP-Aktuell

Günther Maihold
Brasiliens Krise und die regionale Ordnung Lateinamerikas

Auf dem Subkontinent verlagern sich die Gewichte – auch weil die USA wieder im Spiel sind


Nicolai von Ondarza
Zwischen den Welten

Großbritannien als Partner für Deutschland in Europa nach dem EU-Referendum


SWP-Studien

Ognian Hishow
Eine Bankenunion für die Europäische Währungsunion

Ein Beitrag zur Finanzstabilität oder ein Schritt zur Transferunion?


Michael Paul
Eine »Große Sandmauer« im Südchinesischen Meer?

Politische, seerechtliche und militärische Aspekte des Inselstreits