Forschungsprojekt »Local Arenas of Power Sharing«
In 18 von 19 afrikanischen Friedensabkommen, die seit 1999 geschlossen wurden, spielten Machtteilungsarrangements zwischen Regierung und Rebellinnen sowie Rebellen eine zentrale Rolle, um Bürgerkriege zu beenden und politische Ordnung wiederherzustellen. Meist auf Vorschlag externer Mediation eingesetzt, ist Machtteilung mittlerweile zur häufigsten Standardlösung für Bürgerkriege geworden. Die Bilanz von Machtteilungsabkommen ist allerdings gemischt: Sowohl im Vergleich zwischen Staaten als auch innerhalb von Staaten lässt sich feststellen, dass die Auswirkungen von Machtteilungsabkommen stark divergieren. Einige Abkommen haben tatsächlich einen Übergang von Krieg zu Frieden erreicht. Oft bestehen aber auch Situationen der Unsicherheit fort, in denen weder Krieg noch Frieden herrscht. Dies ist insbesondere auf der lokalen Ebene der Fall. Dieser Umstand stellt die Annahme in Frage, dass die Teilung nationaler Macht zu einem territorial gleichmäßigen und lokal bedeutungsvollen Friedensprozess beiträgt.
Wir werden die folgenden Fragen untersuchen: Unter welchen Bedingungen tragen nationale Machtteilungsabkommen dazu bei, Frieden und politische Ordnung herzustellen? Welche Varianten von Machtteilung werden auf angemessene Weise an nationale und lokale Gegebenheiten angepasst, um die Wiederherstellung von Ordnung zu gewährleisten? Wie wird lokaler Frieden durch die lokal bedingte Anpassung von nationalen Machtteilungsarrangements beeinflusst? Welche Determinanten sind im Falle von lokaler Befriedung nach Machtteilungsabkommen für den Erfolg verantwortlich? Lassen sich Anpassungsmuster erkennen, die Frieden als Ergebnis erklären können? Welche Rückwirkungen haben Erfolg und Misserfolg auf lokaler Ebene auf die nationale Ebene?
Anhand von vier afrikanischen Staaten, die kürzlich Machtteilungsabkommen geschlossen haben (Burundi, DR Kongo, Côte d'Ivoire und Liberia), analysieren wir den Einfluss nationaler Machtteilungsarrangements auf die lokale Ebene. Wir suchen nach Faktoren, warum Gewalt in einigen Lokalitäten andauert, während sie an anderer Stelle zurückgeht.
Die Projektlaufzeit erstreckt sich von Anfang 2011 bis Ende 2012. Das Forschungsteam wird geleitet durch Dr. Andreas Mehler (Direktor, Institut für Afrikastudien, GIGA) und Dr. Denis M. Tull (SWP). Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sind Franzisca Zanker (GIGA), zuständig für Côte d'Ivoire und Liberia sowie Claudia Simons (SWP), zuständig für Burundi und DR Kongo.
Das Projekt wird finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Priority Programme »Adaptation and Creativity in Africa - Significations and Technologies in the Production of Order and Disorder«.
